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12.07.2017 | Bundestagsabgeordnete zu Gast am Uniklinikum Würzburg

Pressemeldung des Universitätsklinikums Würzburg vom 11.7.2017

Die SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Hagl-Kehl, Ulrike Bahr, Bernd Rützel, Gabriele Fograscher, Andreas Schwarz, Sabine Dittmar und Martin Burkert (v. l.) ließen sich von Prof. Dr. Laura Schreiber (rechts) bei ihrem Besuch am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz den neuen 7 Tesla-Magnetresonanztomographen erläutern. Bild: Florian Sauer / Büro Bernd Rützel, MdB

Beim Besuch der SPD-Landesgruppe Bayern des Deutschen Bundestags am Uniklinikum Würzburg: Hintere Reihe (v. l.): Dr. Michael Hudecek, Prof. Hermann Einsele, Prof. Stefan Frantz und Prof. Matthias Frosch, in der Reihe darunter Prof. Ralf-Ingo Ernestus und Anja Simon (alle von der Würzburger Universitätsmedizin) sowie die Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz und Ulrike Bahr. Davor Martin Burkert und in der vordersten Reihe Gabriele Fograscher, Rita Hagl-Kehl, Sabine Dittmar und Bernd Rützel (alle MdB). Bild: Arnika Hansen / Uniklinikum Würzburg

Anfang Juli dieses Jahres besuchten sieben SPD-Bundestagsabgeordnete aus Bayern im Rahmen ihrer „Sommer-Reise“ das Uniklinikum Würzburg. Ein Schwerpunkt des informativen Treffens war die Besichtigung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz in seinem im Januar 2017 eingeweihten Neubau.

Sieben Mitglieder der SPD-Landesgruppe Bayern des Deutschen Bundestags waren am 3. Juli dieses Jahres Gäste des Uniklinikums Würzburg (UKW). Die Politikerinnen und Politiker – unter ihnen Sabine Dittmar, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags – interessierten sich sowohl für das Klinikum in seiner Gesamtheit, wie auch speziell für das an die Würzburger Universitätsmedizin angegliederte Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI).

Zu Beginn präsentierte Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus, der stellvertretende Ärztliche Direktor, das UKW als Klinikum der Maximalversorgung, das jährlich über 308.000 Patienten teil- oder vollstationär sowie ambulant versorgt. Als mit über 6.200 Beschäftigten größter Arbeitgeber Würzburgs erwirtschaftet es ein beachtliches Umsatzvolumen von rund 584 Millionen Euro. In der „Klinikliste 2017“ des Nachrichtenmagazins Focus, dem umfangreichsten Qualitätsvergleich der deutschen Krankenhäuser, landete das UKW im bundesweiten Vergleich auf dem neunten, in Bayern auf dem zweiten Platz.

Als erfreulich und zugleich belastend beschrieb Prof. Ernestus die Leistungsentwicklung des Würzburger Uniklinikums in den letzten zehn Jahren. So seien die Anzahl der Patienten und die Komplexität der Therapien deutlich angestiegen, während die Verweildauer der Patienten im Klinikum sank. Diese Entwicklung stellt nach seinen Worten für Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal eine besondere Herausforderung dar, für deren Bewältigung seitens der Gesundheitspolitik dringend Unterstützung erwartet wird.

Leider nach wie vor Probleme mit Unterfinanzierung
Anja Simon, die Kaufmännische Direktorin des UKW, lenkte das Augenmerk der Abgeordneten auf das in vielen Bereichen noch bestehende Missverhältnis zwischen dem umfassenden   und damit auch teuren   Leistungsspektrum der Universitätsmedizin und dessen unzureichender Vergütung. „Die letzte Krankenhausreform und das Krankenhausstrukturgesetz haben hier nicht überall für einen fairen wirtschaftlichen Ausgleich gesorgt“, bedauerte die Direktorin und belegte dies mit einem Beispiel aus der in den sektorenübergreifenden Zentren geleisteten, oftmals nicht finanzierten Versorgung.

Dittmar verwies in diesem Zusammenhang auf die umfangreichen Maßnahmen, die durch das Krankenhausstrukturgesetz auf den Weg gebracht wurden, bestätigte jedoch, dass auch sie weiterhin Verbesserungsbedarf sehe.
In der anschließenden Diskussion kritisierte Prof. Dr. Matthias Frosch, der Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg, zudem den in diesem Frühjahr auf Bundesebene beschlossenen „Masterplan Medizinstudium 2020“ als unter anderem finanziell nicht ausreichend durchdacht. Auch die Politiker/innen stimmten zu, dass hier noch Überarbeitungsbedarf bestehe, und man auf die Vorschläge der Expertenkommission warte.

Das DZHI als deutschlandweit einmalige Einrichtung
Anschließend rückte der Veranstaltungsort des Treffens in den Fokus. Prof. Dr. Stefan Frantz, der Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz, beschrieb die Einrichtung als eines von bundesweit acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren. Mit der Herzinsuffizienz – oder auch Herzschwäche – beschäftigt sich das Würzburger Zentrum mit einer der drängendsten medizinischen und sozioökonomischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Sie belegt den ersten Platz der Ursachen-Hitliste für krankheitsbedingte Klinikeinweisungen. Bundesweit sind bis zu drei Millionen Menschen betroffen, jeder zweite stirbt innerhalb von vier Jahren nach der Diagnose. „Um hier gegenzusteuern, ist am DZHI eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Versorgung verwirklicht, die bislang deutschlandweit einmalig ist“, erläuterte Prof. Frantz. Seit Januar 2017 ist das im Jahr 2010 gestartete Zentrum in einem rund 5.500 m2 großen Neubau in der Nähe des Doppelzentrums für operative und innere Medizin des UKW untergebracht.

7 Tesla-MRT als „Schmuckstück“ besichtigt
Bei einem kurzen Rundgang durch das Gebäude führte Prof. Dr. Laura Schreiber, Vorstandmitglied des DZHI und Expertin für molekulare und zelluläre Bildgebung, die Abgeordneten zu einem technologischen „Schmuckstück“ des Zentrums, einem bundesweit extrem seltenen 7 Tesla-Magnetresonanztomographen. Das neue, etwa sieben Millionen Euro teure Hochtechnologiegerät soll künftig sehr viel detailliertere Darstellungen des Herzens und seiner Funktionen ermöglichen.

Einblicke in die aktuelle immunologische Krebstherapie
Zum Ausklang der mit Informationen vollgepackten eineinhalb Stunden richteten die UKW-Krebsexperten Prof. Dr. Hermann Einsele und Dr. Michael Hudecek die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer noch auf eine weitere Volkskrankheit und deren zukunftsweisenden Bekämpfung. „Ein Problem bei der Tumortherapie ist, dass Krebszellen für das Immunsystem so gut wie unsichtbar sind und nicht effektiv angegriffen werden“, schilderte Prof. Einsele. Eine elegante und effiziente Lösung könnten da Chimäre-Antigen-Rezeptoren (CARs) sein. Hierbei handelt es sich um aus verschiedenen Bausteinen zusammengesetzte Designer-Moleküle, die wie ein Sensor an Krebszellen binden können. Der von Dr. Hudecek und seinem Team verfolgte Therapieansatz ist es, die körpereigenen Abwehrzellen (T-Zellen) von Krebspatienten mit Tumor-reaktiven CARs auszurüsten, damit sie Krebszellen erkennen und zerstören. Die Würzburger Forscher arbeiten an einer neuen Generation von CAR-T-Zellen, die eine stärkere Anti-Tumorwirkung haben und zugleich eine überschießende Reaktion des Immunsystems verhindern.