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08.12.2016 | Uniklinikum Würzburg stolz auf „seine“ Weltrekordlerin

Gold und Weltrekord im Kugelstoßen sowie Silber im Weitsprung für Franziska Liebhardt

Franziska Liebhardt nach ihrem Triumph im Kugelstoßen bei den diesjährigen Paralypics in Rio de Janeiro. Bild: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie

Franziska Liebhardt räumte bei den Paralympics ab: Gold und Weltrekord im Kugelstoßen sowie Silber im Weitsprung! Nach langjähriger Berufstätigkeit als Kinder-Physiotherapeutin scheidet die 34-Jährige zum Jahresende 2016 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Uniklinikum Würzburg aus.

 

Es waren ihre ersten Paralypics, ihr erster Versuch und dann gleich Gold und Weltrekord: Am 14. September dieses Jahres erzielte Franziska Liebhardt in Rio de Janeiro beim Kugelstoßen die unschlagbare Weite von 13,96 Metern. Am nächsten Tag legte sie mit 4,42 Metern im Weitsprung noch eine Silbermedaille drauf. Ein kleiner Abglanz dieses Ruhms fällt auch auf das Uniklinikum Würzburg (UKW), denn hier war die gebürtige Berlinerin viele Jahre lang als Physiotherapeutin beschäftigt. „Nur mit einem Arbeitgeber wie dem UKW, der die Anforderungen einer spitzensportlichen Mitarbeiterkarriere toleriert und unterstützt, sind solche Erfolge möglich“, lobt die Ausnahmesportlerin.

 

Seit 2003 am Sozialpädiatrischen Zentrum tätig

Seit dem Jahr 2003 arbeitet sie als Physiotherapeutin am Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ). Der Träger der vom Verein „Frühdiagnosezentrum Würzburg“ gegründeten Einrichtung ist seit Anfang 2011 die Würzburger Universitäts-Kinderklinik. „Zu meinen Aufgaben in den vergangenen Jahren zählten die Diagnostik, Therapieplanung und physiotherapeutische Behandlung bei Kindern mit Entwicklungsstörungen“, berichtet die Wahl-Würzburgerin. Hinzu kamen die Elternberatung, die Koordination von Hilfsmittelversorgungen und die Mitarbeit bei Spezialsprechstunden.

 

Behinderung wegen Autoimmunerkrankung

Wegen einer schweren, systemischen Autoimmunerkrankung erhielt Franziska Liebhardt im Jahr 2009 eine Spenderlunge. Drei Jahre später wurde sie nierentransplantiert. Eine Beteiligung des Gehirns an der Erkrankung führte außerdem zu einer spastischen Halbseitenlähmung. Diese Lähmung klassifiziert sie für den Behindertensport. Die Autoimmunerkrankung betrifft zahlreiche Organe und schreitet weiter fort.

„Ob unter Prof. Hans-Michael Straßburg, Prof. Christian Speer oder Dr. Martin Häußler – am SPZ wurde ich in meinen sportlichen Ambitionen und vor allem auch während meiner Erkrankung stets voll unterstützt“, betont die Athletin und fährt fort: „Dies galt sowohl für die Phasen, in denen ich krankheitsbedingt nur eingeschränkt arbeitsfähig war, wie auch später bei den Freistellungen für Wettkämpfe und Trainingsreisen. Zuletzt bewilligte mir das Klinikum umstandslos den für mich so wichtigen, zweijährigen Sonderurlaub zur gezielten Vorbereitung auf die Spiele in Rio.“

 

Aus gesundheitlichen Gründen gekündigt

Ihren Arbeitsvertrag als Physiotherapeutin im SPZ hat Franziska Liebhardt zum Jahresende 2016 gekündigt. Sie erläutert: „Meine Erkrankung hat sich leider soweit verschlechtert, dass ich nicht glaube, meinem eigenen Anspruch an eine qualitätvolle Arbeit weiterhin gerecht werden zu können. Meine motorischen Einschränkungen zwingen mich in eine weniger körperbetonte Arbeitswelt. Ansonsten wäre ich sehr gerne an das SPZ zurückgekehrt!“

Ihr Plan ist es, ab dem neuen Jahr als Dozentin und Referentin im Bereich Kinderphysiotherapie sowie zum Thema Organtransplantation tätig zu sein. „Außerdem werde ich mich noch stärker als bisher in den Vereinen Sportler für Organspende‘ und ‚Kinderhilfe Organtransplantation‘ engagieren“, kündigt die Powerfrau an. Nähere Infos zu den Vereinen unter www.vso.de und www.kiohilfe.de

„Ich bewundere Frau Liebhardt zutiefst. Sie hat mit größter Selbstdisziplin und einem klaren Ziel – trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen – Herausragendes geleistet und ist ein Vorbild für uns alle.“ Prof. Christian P. Speer, Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik