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FOCUS Ärzteliste 2022: 56 Empfehlungen für das UKW

Die Darstellung in der Liste erfolgt in gemischter Form nach Fachgebiet, Krankheit, Organ bzw. Patientengruppe. Manche Ärzte werden mehrfach empfohlen.

Würzburg. Insgesamt 56 Empfehlungen für die Ärztinnen und Ärzte der Uniklinik Würzburg (UKW) gibt es in der neuen „Focus Ärzteliste 2022“. In dieser Woche wurde das Sonderheft mit der Liste veröffentlicht. Die Arbeit von UKW-Krebsexperte Prof. Dr. Herrmann Einsele als „Vorreiter der Krebstherapie“ wird zudem in ein einem eigenen Beitrag dargestellt.

 „Diese Bewertung ist ein weiterer Beleg für die enorme Qualität in der medizinischen Versorgung am Würzburger Universitätsklinikum. Das ist eine starke Gemeinschaftsleistung unserer Klinik. Und es zeigt auch, dass wir während der Corona-Pandemie unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht wurden“, betont Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor am UKW.

Die Darstellung in der Liste erfolgt in gemischter Form nach Fachgebiet, Krankheit, Organ bzw. Patientengruppe. Manche Ärzte werden mehrfach empfohlen. Die Auflistung folgt der Darstellung im Magazin, die Kontakte und die jeweilige Fachklinik am UKW können über die Homepage des UKW recherchiert werden: www.ukw.de. Dort gibt es etwa die Rubrik „Ärztefinder“ und auch einen „Körperkompass“ für die individuelle Suche.

Folgende Mediziner der Uniklinik Würzburg empfiehlt die Focus-Ärzteliste 2022:

 Atemwege & Immunsystem, Infektiologie:

Prof. Dr. Christoph Härtel

Prof. Dr. Hartwig Klinker

Prof. Dr. Johannes G. Liese

 

Atemwege & Immunsystem, Rheumatologie:

Prof. Dr. Hans-Peter Tony 

 

Augen, Netzhauterkrankungen:

Prof. Dr. Jost Hillenkamp

 

Diabetes, Diabetische Augenerkrankungen:

Prof. Dr. Jost Hillenkamp

 

Diabetes, Diabetische Polyneuropathie:

Prof. Dr. Claudia Sommer

 

Diabetes, Diabetologie:

Prof. Dr. Martin Fassnacht,

Prof. Dr. Christoph Wanner

 

Gehirn & Nerven, Demenzen:

Prof. Dr. Martin Lauer

 

Gehirn & Nerven, Neurochirurgie:

Dr. Jürgen Krauß

 

Gehirn & Nerven, Parkinson:

Prof. Dr. Jens Volkmann

 

Geriatrie & Palliativmedizin, Palliativmedizin:

Prof. Dr. Birgitt van Oorschot

 

Geriatrie & Palliativmedizin, Akutgeriatrie:

Prof. Dr. Jens Volkmann 

 

Hormone & Stoffwechsel, Bluthochdruck

Prof. Dr. Martin Fassnacht,

Prof. Dr. Christoph Wanner

 

Hormone & Stoffwechsel, Endokrine Chirurgie:

Prof. Dr. Nicolas Schlegel

 

Hormone & Stoffwechsel, Endokrinologie & Fettstoffwechsel:

Prof. Dr. Martin Fassnacht

Prof. Dr. Stefanie Hahner

Prof. Dr. Christoph Wanner

 

Kinder, Kinderkardiologie:

Prof. Dr. Johannes Wirbelauer

 

Kinder, Neonatologie:

Prof. Dr. Christoph Härtel

 

Knochen & Gelenke, Ellenbogenchirurgie:

Prof. Dr. Reiner H. Meffert

 

Knochen & Gelenke, Kniechirurgie:

Dr. Kai Fehske

 

Knochen & Gelenke, Sportorthopädie:

Dr. Kai Fehske

 

Krebs, Blasenkrebs:

Prof. Dr. Hubert Kübler

 

Krebs, Brustkrebs:

Prof. Dr. Achim Wöckel

 

Krebs, Gynäkologische Tumoren:

Prof. Dr. Achim Wöckel

 

Krebs, Knochen & Weichteiltumoren:

Prof. Dr. Martin Kortüm

Prof. Dr. Volker Kunzmann

 

Krebs, Kopf-Hals-Tumoren:

Prof. Dr. Alexander Kübler

Prof. Dr. Rudolf Hagen

 

Krebs, Leukämie & Knochenmarkerkrankungen:

Prof. Dr. Herman Einsele

 

Krebs, Lymphome:

Prof. Dr. Hermann Einsele

 

Krebs, Prostatakrebs:

Prof. Dr. Hubert Kübler

 

Krebs, Strahlentherapie:

Prof. Dr. Michael Flentje

 

Krebs, Tumoren des Verdauungstraktes:

Prof. Dr. Christoph-T. Germer,

Prof. Dr. Volker Kunzmann

 

Magen, Darm, Bauch, Adipositas-Chirurgie:

Prof. Dr. Florian Seyfried

 

Magen, Darm, Bauch, Bauchchirurgie:

Prof. Dr. Christoph-T. Germer

 

Magen, Darm, Bauch, Gallenblasen-/Gallenwegchirurgie:

Prof. Dr. Christoph-T. Germer

 

Magen, Darm, Bauch, Gastrointestinale Endoskopie:

Prof. Dr. Alexander Meining

 

Magen, Darm, Bauch, Harnsteine:

Prof. Dr. Hubert Kübler

 

Mund, Kiefer, Gesicht & Zähne, Ästhetische Zahnheilkunde:

Prof. Dr. Gabriel Kastl

 

Mund, Kiefer, Gesicht & Zähne, Kieferorthopädie:

Prof. Dr. Angelika Stellzig-Eisenhauer

 

Mund, Kiefer, Gesicht & Zähne, Oralchirurgie:

Prof. Dr. Alexander Kübler

 

Mund, Kiefer, Gesicht & Zähne, Orthognathe Chirurgie:

Prof. Dr. Urs Müller-Richter

 

Mund, Kiefer, Gesicht & Zähne, Rekonstruktive Chirurgie:

Prof. Dr. Urs Müller-Richter

 

Psyche, Angst und Zwangsstörungen:

Prof. Dr. Jürgen Deckert

Prof. Dr. Marcel Romanos

 

Psyche, Depressionen:

Prof. Dr. Jürgen Deckert

Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider

 

Psyche, Essstörungen:

Prof. Dr. Marcel Romanos

 

Psyche, Schizophrenie:

PD Dr. Martin Lauer

 

Psyche, Suchterkrankungen:

PD Dr. Martin Lauer

 

Radiologie & Nuklearmedizin, Nuklearmedizin:

Prof. Dr. Andreas Buck

Eingang des ZOM an der Uniklinik Würzburg.
Eingang des ZOM an der Uniklinik Würzburg. Die Ärzteliste 2022 spricht 56 Empfehlungen für das UKW aus. Fotos: UKW

Morbus Fabry – eine Erkrankung mit vielen Fragen

7th Update on Fabry Disease in Würzburg - vom 29. bis zum 31. Mai 2022 findet in Würzburg ein internationaler Kongress über die seltene Fabry-Erkrankung statt.

Würzburg. Nach Bergamo, Vancouver, Hong Kong, Manchester, Mexiko City und Prag ist nun Würzburg der Austragungsort des internationalen Fabry Kongresses. Beim 7th Update on Fabry Disease vom 29. bis 31. Mai 2022 werden sich namhafte Fachleute sowie Behandelnde der Fabry-Krankheit aus der ganzen Welt über jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse austauschen. Der Schwerpunkt liegt auf neuen Behandlungsansätzen, Ausgangsmerkmalen, die das patientenindividuelle Ansprechen auf die Behandlung von Morbus Fabry bestimmen und Antikörper-Interaktionen mit der sogenannten infundierten Enzymersatztherapie (ERT = Enzyme Replacement Therapy). 

Die lysosomale Speichererkrankung Morbus Fabry wird über ein fehlerhaftes Gen, das GLA-Gen, hervorgerufen. Die Mutationen haben zur Folge, dass dem Körper das lebenswichtige Enzym alpha-Galaktosidase A teilweise oder gänzlich fehlt. Dadurch können wiederum die sogenannten Glykosphingolipide nicht genügend abgebaut werden, die Fettsubstanzen reichern sich in verschiedenen Zellen im gesamten Körper an und schädigen das Gewebe und wichtige Organe, vor allem die Nieren und das Herz, aber auch das Gehirn

Interdisziplinäre Forschung und Behandlung

Für diese Trias Niere, Herz und Nervensystem – steht im Würzburger Fabry-Zentrum für interdisziplinäre Therapie (FAZiT) ein exzellentes Forschungs- und Behandlungsteam zur Verfügung. Prof. Dr. med. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, hatte das Zentrum bereits im Jahr 2001 gegründet, wenig später kam die Kardiologie mit Privatdozent Dr. Peter Nordbeck hinzu. Und inzwischen ist auch die Neurologie mit Prof. Dr. Claudia Sommer und Prof. Dr. Nurcan Üçeyler stark eingebunden. Weitere Expertise kommt aus zahlreichen Fachabteilungen der Uniklinik wie der Kinderklinik, Radiologie, kardiovaskulären Genetik, HNO sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie aber auch aus den Instituten für Humangenetik und Pathologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

„Diese X-chromosomal vererbte Multisystemerkrankung erfordert einen interdisziplinären und interprofessionellen Ansatz, den wir hier in Würzburg intensiv leben“, betont Christoph Wanner. „Wir können in kurzer Zeit ein umfassendes Diagnostikprogramm durchführen und zeitnah individualisierte Therapien anbieten.“

Akademisches Flair

Das Würzburger Fabry-Zentrum ist das größte in Deutschland. In seiner Spezialambulanz werden aktuell 200 Erwachsene und Kinder betreut. Viele der Patientinnen und Patienten nehmen an Studien teil. So wurden in der Beobachtungsstudie seit Zentrumsgründung im Jahr 2001 die Krankheitsverläufe von 400 Betroffenen analysiert. Die krankheitsbezogenen Daten fließen sowohl in die interne Datenbank als auch in internationale Register wie etwa das weltweite Fabry Registry, welches von Würzburg aus mitgeleitet wird. So werden bei dieser sehr seltenen Erkrankungen Informationen zusammengetragen, die verlässliche Aussagen über den Krankheitsverlauf der Krankheit und den Erfolg der Behandlungen ermöglichen.

Morbus Fabry bietet mit seinem breit gefächerten Krankheitsbild zahlreiche wissenschaftliche Fragestellungen. „Ideal für den Nachwuchs! Dieses akademische Flair, den das Fabry-Zentrum umgibt, hat mich immer fasziniert“, schwärmt Christoph Wanner: „Allein aus dem Beobachtungsregister sind in Würzburg 150 Publikationen entstanden.“

Portfolio der Würzburger Neurologie hat Alleinstellungscharakter

Vor allem für die Neurologie ist Morbus Fabry eine besonders wichtige Erkrankung, da sie das periphere und zentrale Nervensystem betreffen kann. Die neurologischen Hauptsymptome sind wiederkehrende Schlaganfälle und Schmerzen. Insbesondere die mit Morbus Fabry assoziierten Schmerzen, die bereits in der Kindheit eintreten, sowie die mit der Erkrankung einhergehende Kleinfaserneuropathie werden seit mehr als zehn Jahren in der Neurologischen Klinik am Uniklinikum Würzburg umfangreich untersucht. Nurcan Üçeyler, Heisenberg-Professorin und Prodekanin der Medizinischen Fakultät nennt Beispiele: „So wird die Pathophysiologie von Schmerz und Neuropathie im Mausmodell beforscht, und durch die Etablierung patienteneigener Zellkultursysteme basierend auf induzierten pluripotenten Stammzellen können wir genuine translationale Forschung betreiben. Dieses umfangreiche Portfolio über anspruchsvolle klinische Forschung, Forschung im Tiermodell und an patienteneigenen Körperzellen zum Thema Neurologie und Morbus Fabry hat Alleinstellungscharakter.“

Der Morbus Fabry als kardiale Modell-Erkrankung

Aus Sicht der Kardiologie liegt ein aktueller Hauptfokus der Forschung vor allem auf der genaueren Charakterisierung der Pathophysiologie, also der Krankheitsentstehung, und der dadurch bedingten klinischen Ausprägung der Erkrankung. Interessanterweise teilt der Morbus Fabry viele Gemeinsamkeiten mit anderen Erkrankungen welche zu einer Verdickung des Herzmuskels führen, so dass die Erkrankung sowohl hinsichtlich der Diagnostik als auch in Bezug auf die Weiterentwicklung neuer Therapiekonzepte Modellcharakter hat. So konnten unter anderem zuletzt neue Bildgebungstechniken entwickelt werden, die nicht nur für die Diagnostik der Fabry-Erkrankung vielversprechend sind. Gleiches gilt für die Therapie: „Die erfolgreiche Einführung neuer Therapieansätze wie der sogenannten Chaperon-Therapie bedeuten für eine große Zahl herzkranker Patientinnen und Patienten in Deutschland und weltweit eine enorme Chance, da gerade im Bereich von Herzmuskelschwäche, die aus einer Verdickung des Herzmuskels resultiert, bisher kaum wirksame Behandlungsmöglichkeiten verfügbar waren“, erklärt Privatdozent Dr. Peter Nordbeck.

Suche nach geeignete Gentherapien

Neben der noch relativ neuen Chaperon-Therapie ist die infundierte Enzymersatztherapie augenblicklich die einzige Therapie, die den Betroffenen zur Verfügung steht. Dabei wird den Patientinnen und Patienten alle 14 Tage ein bestimmtes Enzym über eine Infusion in die Vene verabreicht. „Das ist zeitaufwändig und kann das natürliche Enzym immer noch nicht zu hundert Prozent ersetzen“, bemerkt Christoph Wanner. „Wir arbeiten mit Hochdruck mit an klinischen Studien zu geeigneten Gentherapien. Erste Ergebnisse werden beim 7th Update on Fabry Disease in Würzburg diskutiert. Es wird spannend.“

Sämtliche Abstracts des 7th International Update on Fabry Disease sind ab dem 26. Mai 2022 im Journal Nephron online: DOI: 10.1159/000524933

Im Würzburger Fabry-Zentrum erforschen der Nephrologe Christoph Wanner, die Neurologin Nurcan Üçeyler und der Kardiologe Peter Nordbeck (v.l.n.r.) gemeinsam mit ihren Teams die seltene Erkrankung, die Herz, Nieren und Gehirn beeinträchtigt. (© Daniel Peter / UKW)
Grafik von verschiedenen UKW-Abteilungen im Fabry-Zentrum
Die Multisystemerkrankung Morbus Fabry erfordert einen interdisziplinären und interprofessionellen Ansatz, der am Uniklinikum Würzburg intensiv gelebt wird. (© Luftbild Dziamski / Collage UKW)

Emotionales Wiedersehen nach 50 Jahren

Ehemalige Kinderkrankenschwestern 50 Jahre nach Ausbildungsabschluss zu Besuch am Universitätsklinikum Würzburg

WÜRZBURG. Neun Kinderkrankenschwestern der damaligen „Säuglings- und Kinderkrankenschwestern-Schule“ durfte das Universitätsklinikum Würzburg nun begrüßen. Die Frauen haben ihre Ausbildung im Kurs der Jahre 1969 bis 1972 gemeinsam am UKW abgeschlossen. Zum Jubiläum besichtigten sie nun unter Einhaltung der Präventionsregeln ihre ehemalige Wirkungsstätte.

Beim Treffen wurden lebhaft Erinnerungen über damalige Arbeitskleidung, Abläufe auf Station und auch Prüfungsphasen ausgetauscht. „Wir freuen uns riesig, dass die Uniklinik uns dieses besondere Treffen ermöglichte“, sagt Organisatorin Annemarie Kröninger. Sie überreichte Kinderkrankenschwester Claudia Agne und Klinikdirektor Prof. Dr. Christoph Härtel zum Abschied eine Dankesurkunde mit einem 50 Jahre alten Abschlussfoto der Gruppe. 

Wieder neue Fotos aus aller Welt im Uniklinikum Würzburg

Nach einer Unterbrechung während der Corona-Pandemie präsentiert der Bosch Rexroth Fotoclub seit Mai dieses Jahres wieder neue Werke in den Häusern A3 und A4 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg. Thema sind erneut „Aufnahmen aus aller Welt“.

Seit dem Jahr 2015 stellen Mitglieder des Bosch Rexroth Fotoclub kontinuierlich ausgewählte Werke auf den Stationen und Fluren sowie in den Wartebereichen der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) aus. Verteilt in den Häusern A3 und A4 des Zentrums für Innere Medizin an der Oberdürrbacher Straße, sorgen die meist farbenprächtigen Fotografien für willkommene Seherlebnisse an den ansonsten neutralen Wänden. 

Von Zeit zu Zeit tauscht der Fotoclub einen Teil der rund 100 kostenlos zur Verfügung gestellten Bilder aus. Nach einer Unterbrechung dieser wohletablierten Praxis in den letzten zwei Jahren durch die Corona-Pandemie wurden im Mai 2022 wieder 64 neue Fotos geliefert und aufgehängt. Damit steigt die Gesamtzahl der bisher präsentierten Bilder auf knapp 400.

In den vergangenen Jahren zeigte sich, dass die Aufnahmen mehr sind, als „nur“ ein abwechslungsreicher Wandschmuck. So nutzen sie viele Besucherinnen und Besucher als Orientierungshilfe – und manchen Patientinnen und Patienten dienen sie als Ansporn und Wegmarke für ihre Gehübungen. 

„Auch beim Personal kommen die ästhetisch abgelichteten Natur- und Objektschönheiten sowie die meist positiven Bildstimmungen sehr gut an“, berichtet Heidrun Bönig. Die Stammzellkoordinatorin der Medizinischen Klinik II organisiert seitens des UKW die Schau.

Harnwegsinfekten auf der Spur

2,4 Millionen Euro stellt der Bund für eine neue Forschungsgruppe an der Universität Würzburg zur Verfügung. Dr. Carmen Aguilar wird damit nach neuen Therapieansätzen gegen eine sehr häufige bakterielle Infektionskrankheit suchen.

Etwa jede zweite Frau erkrankt einmal in ihrem Leben an einer Harnwegsinfektion. Meist ist das uropathogene Bakterium Escherichia coli (UPEC) die Ursache. Der übermäßige Einsatz von Antibiotika in den vergangenen vier Jahrzehnten hat dazu geführt, dass Bakterienstämme wie UPEC vermehrt gegen die gängigen Antibiotika resistent geworden sind, was insbesondere die Behandlung der häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen erschwert. Daher werden dringend neue alternative Behandlungsmöglichkeiten benötigt.

Im Mai 2022 hat an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) eine neue Nachwuchsforschungsgruppe unter Leitung von Dr. Carmen Aguilar ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Ziel ist es, innovative Ansätze gegen wiederkehrende Harnwegsinfektionen und antibiotikaresistente UPEC-Stämme zu entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat Aguilar für die Etablierung ihrer Gruppe zum Forschungsprojekt FiRe-UPec: Exploiting host pathways to treat antibiotic resistant uropathogenic Escherichia coli infections rund 2,4 Millionen Euro bewilligt.

Innovative Ansätze gegen häufig wiederkehrende Infektionen

Die meisten Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten zielen auf den Erreger selbst. Weil aber die Reaktion des Wirtes für den Verlauf einer Infektion ebenso wichtig ist, stellen wirtsbasierte Therapeutika einen innovativen Ansatz zur Bekämpfung von Infektionen dar. „Unsere Forschung zielt darauf ab, Wirtszellfaktoren zu identifizieren, welche UPEC-Infektionen kontrollieren, und dieses Wissen zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze zu nutzen“, erklärt Dr. Carmen Aguilar.

Die Gruppe wird am Zentrum für Infektionsforschung (ZINF) und dem Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der Universität Würzburg angesiedelt sein. „Ich freue mich sehr, dass wir durch die Förderung des BMBFs eine neue Nachwuchsgruppe in der Infektionsforschung für die JMU Würzburg gewinnen konnten. Die Forschung von Frau Dr. Aguilar zu Signalwegen in Wirtszellen verspricht, innovative neue Strategien zur Bekämpfung von Harnwegsinfektionen zu identifizieren, und hat viele Anknüpfungspunkte an die RNA- und Infektionsforschung hier in Würzburg“, sagt Professorin Cynthia Sharma, Sprecherin des ZINF und Leiterin des Lehrstuhls für Molekulare Infektionsbiologie II.

Forschung an komplexen Infektionsmodellen

Um den Ort der UPEC-Infektionen, das menschliche Blasenepithel, möglichst realistisch nachzubilden, wird die Gruppe zunächst Blasenorganoide – Mini-Versionen des menschlichen Organs – erzeugen. Sie wird dabei eng mit Klinikern des Universitätsklinikums Würzburg zusammenarbeiten.

Anschließend dienen diese komplexen Modelle dazu, potenzielle neue Wirkstoffe in einem klein angelegten Wirkstoffscreening zu testen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den microRNAs des Wirts: „MicroRNAs sind kleine RNA-Moleküle, die eine wichtige Rolle bei vielen zellulären Prozessen spielen, indem sie die Genexpression der Wirtszelle regulieren", erklärt Aguilar.

Ihre Forschungsgruppe sucht nach microRNAs, die eine hemmende Wirkung auf die Infektion ausüben, um deren Eignung als neue Medikamente zu testen. Aguilar ist zuversichtlich: „Die Manipulation von microRNAs oder deren nachgeschaltete Signalwege stellt einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von Harnwegsinfektionen dar."

Ein genauerer Blick in eine einzelne Zelle

Interessanterweise können sich UPEC in einigen Zellen des Blasenepithels vermehren, in anderen jedoch nicht. Dort verharren sie in einer Art „wachstumslosen Zustand“ und sind deshalb teilweise resistent gegen Antibiotika. In der Folge können sie zu wiederkehrenden Infektionen führen. Das Team um Aguilar will daher die wirtszellulären Faktoren bestimmen, die für diesen Phänotyp verantwortlich sind.

Darüber hinaus wird die Gruppe nach einem bestimmten Zelltyp suchen, der von UPEC bevorzugt angegriffen wird und dessen erfolgreiches Überleben oder Vermehren ermöglicht. „Der Grund, warum wir dies untersuchen, ist, dass solche ‚stillen‘ Bakterien ein Hochrisikofaktor für die Entwicklung wiederkehrender Harnwegsinfektionen sind. Um diese Infektionen zu bekämpfen, ist es wichtig, die verantwortlichen Wirtszellfaktoren zu identifizieren und zu verstehen“, sagt Aguilar.

Um dies zu erreichen, wird die Gruppe eine spezielle Technik namens Einzelzell-RNA-seq einsetzen, mit der sie anhand des RNA-Gehalts jeder einzelnen Zelle feststellen kann, welche Gene aktiv sind. Diese Arbeiten werden auch vom neuen Single-Cell Center Würzburg, das unter der Leitung von Professor Jörg Vogel steht, gefördert.

Optimales wissenschaftliches Umfeld in Würzburg

„Die Entschlüsselung der Signalwege, die für das bakterielle Wachstum in den Blasenzellen verantwortlich sind, wird neue zelluläre Faktoren aufdecken, die mit neuen oder bereits vorhandenen Medikamenten angegangen werden könnten“, sagt Aguilar.

Die neue Nachwuchsgruppe von Dr. Carmen Aguilar profitiert von ihrer umfassenden Expertise auf dem Gebiet der Infektionsbiologie. Ihre Gruppe wird eng mit Expertinnen und Experten der Infektions- und RNA-Biologie an der JMU sowie mit Klinikerinnen und Klinikern des Universitätsklinikums Würzburg zusammenarbeiten.

Profitieren wird sie auch von der starken Expertise auf dem Gebiet der Einzelzellbiologie in Würzburg am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Dessen Direktor, Professor Jörg Vogel sagt dazu: „Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Dr. Aguilar, da sie mit uns ein wichtiges Ziel gemein hat: die Bekämpfung von Infektionskrankheiten des Menschen über RNA-basierte Ansätze.“ Damit ist das Team bestens gerüstet, um die Entwicklung innovativer Therapieansätze zur Bekämpfung wiederkehrender Harnwegsinfektionen durch antibiotikaresistente UPEC-Stämme anzustreben.

Zur Person

Dr. Carmen Aguilar studierte Biologie und Biotechnologie an der Universität von Cordoba (Spanien). Im Jahr 2014 schloss sie ihre Promotion auf dem Gebiet der Biowissenschaften und der Agrar- und Ernährungswissenschaften ab. Von 2015 bis 2021 war sie als Postdoc an der JMU Würzburg tätig. Mit der Förderung durch das BMBF wird sie nun ihre unabhängige Nachwuchsgruppe am IMIB/ZINF in Würzburg starten.

Kontakt

Dr. Carmen Aguilar, Institut für Molekulare Infektionsbiologie / Zentrum für Infektionsforschung, T: +49 931 31-88028, E-Mail: carmen.aguilar@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Universität Würzburg

Große Fortschritte dank Mini-Organen

Mit lebensechten Organnachbildungen – sogenannten 3D-Organoiden – lassen sich Krankheitsprozesse gut erforschen. Ein Team der Universität Würzburg hat jetzt eine Art Bauplan für solch ein Modell des Gebärmutterhalses vorgestellt.

Ein paar Stammzellen, diverse Wachstumsfaktoren, vier bis sechs Wochen Zeit – und natürlich jede Menge Expertise braucht es, um im Labor eine zwar verkleinerte, aber doch lebensechte und funktionsfähige Nachbildung eines Gebärmutterhalses zu erzeugen.Wie der Prozess im Detail abläuft, zeigt eine neue Publikation, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature Protocols erschienen ist. Verantwortlich dafür ist Dr. Cindrilla Chumduri, Arbeitsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Die Infektions- und Krebsbiologin forscht schon seit Langem an den physiologischen Prozessen im Gebärmutterhalsgewebe. Sie interessiert sich vor allem dafür, unter welchen Bedingungen sich dort Krebs entwickelt.„Bislang hat der Wissenschaft ein System gefehlt, das die zellulären, physiologischen und funktionellen Eigenschaften der verschiedenen Zelltypen im Gebärmutterhals gut widerspiegelt“, sagt Chumduri. Dies habe die Untersuchung der normalen Physiologie, der Krankheitsentwicklung und von Infektionsprozessen erschwert.Mit den von ihr entwickelten, dreidimensionalen Organoiden eröffnen sich ihren Worten nach jetzt „neue Möglichkeiten zur Erforschung der Biologie des Gebärmutterhalses, von Infektionen und von der Entstehung von Krebs“. Neue Anwendungen in der personalisierten Medizin, die Suche nach neuen Wirkstoffen, Eingriffe am Genom, die Modellierung von Krankheiten: All dies könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Hilfe der Organoide jetzt sehr viel leichter als bisher in die Tat umsetzen.

Der Gebärmutterhals hat viele Funktionen

Der Gebärmutterhals ist ein kompliziertes Gebilde. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört es, einerseits die Passage von Spermien in die Gebärmutterhöhle zu ermöglichen, damit die Befruchtung der Eizelle stattfinden kann. Andererseits muss er den weiblichen Fortbildungstrakt vor gefährlichen Eindringlingen wie Pilze, Viren und Bakterien und vor aufsteigenden Infektionen schützen. Darüber hinaus muss er am Ende einer Schwangerschaft dazu in der Lage sein, sich deutlich zu erweitern, damit der Fötus ihn passieren kann.Anatomisch gesehen bildet der Gebärmutterhals das Bindeglied zwischen Gebärmutterhöhle und Vagina. Er besteht aus dem sogenannten Endozervix, der an die Gebärmutter angrenzt, und dem Ektozervix, der in die Vagina hineinragt. Diese werden von unterschiedlichen Zelltypen ausgekleidet: Während im Endozervix ein säulenförmiges Epithel vorliegt, findet sich im Ektozervix ein mehrschichtiges Plattenepithel. Wo die beiden Bereiche ineinander übergehen, bilden sie eine Übergangszone und sind besonders anfällig für Infektionen und Gewebeneubildungen. Beispielsweise haben die meisten Gebärmutterhalskrebserkrankungen dort ihren Ursprung.

Stammzellen als Ausgangsmaterial

Für die Entwicklung der 3D-Organoide des Gebärmutterhalses haben Cindrilla Chumduri und ihr Team adulte epitheliale Stammzellen als Ausgangsmaterial verwendet. Diese wurden in Biopsien sowohl dem Endo- als auch dem Ektozervix entnommen. Mit Hilfe einzigartiger Kombinationen von Wachstumsfaktoren sowie unterschiedlicher Kultivierungsverfahren haben sie daraus die natürliche dreidimensionale Gewebearchitektur und -zusammensetzung sowie die funktionellen Eigenschaften des ursprünglichen Gewebes rekapituliert und über einen langen Zeitraum erhalten können.In weitergehenden Experimenten haben die Wissenschaftlerinnen die Stammzellen zusätzlich genetisch manipuliert. „Wir haben den Stammzellen Gene des Humanen Papillomvirus HPV implantiert, die dafür verantwortlich sind, dass sich Krebs entwickelt“, sagt Chumduri. Damit ließe sich möglicherweise ein Rätsel lösen, an dem sich die Wissenschaft schon lange die Zähne ausbeißt.

Verhängnisvolle Koinfektionen

Denn obwohl bekannt ist, dass HPV für den überwiegenden Teil der Krebserkrankungen am Gebärmutterhals die treibende Kraft ist, ist eine Infektion mit dem Virus nicht gleichbedeutend mit einer bösartigen Gewebeneubildung: Aktuelle Statistiken gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion durchmachen. Dennoch entwickeln nur 1,6 Prozent von ihnen Gebärmutterhalskrebs.Vermutet wird nun, dass es weitere Faktoren gibt, die das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen, beispielsweise eine Koinfektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheitserregern, wie etwa dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis. Die gentechnisch veränderten menschlichen ektozervikalen Organoide ermöglichen Chumduri und ihrem Team nun, die langfristigen Auswirkungen einer Virusinfektion auf das Plattenepithel des Gebärmutterhalses und den Beitrag von Koinfektionen mit anderen Erregern, wie Chlamydia trachomatis, genauer zu untersuchen.

Großes Potenzial für weitere Fortschritte

„Endozervikale und ektozervikale Organoide sind ideale, nahezu physiologische 3D-Epithelgewebe zur Untersuchung und Modellierung der Biologie des Gebärmutterhalses, der Interaktionen zwischen Wirt und Krankheitserreger und der Krankheitsentwicklung“, ist sich die Wissenschaftlerin sicher. Darüber hinaus seien sie ideal, um die Reaktion des Organs auf antibiotikaresistente Krankheitserreger zu erforschen.Außerdem ermöglichen es Organoide, die Reaktion des Gebärmutterhalsepithels auf hormonelle Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Stammzellregeneration, die Schleimproduktion und die angeborene Abwehr von Krankheitserregern zu untersuchen. Ihre langfristige Kultivierbarkeit biete die einzigartige Chance, chronische oder wiederholte Infektionen und deren Einfluss auf die Wirtszellen genauer unter die Lupe zu nehmen.Cindrilla Chumduri jedenfalls ist davon überzeugt: „Insgesamt bieten das Organoidmodell des Gebärmutterhalses ein großes Potenzial für weitere Fortschritte bei der Erforschung der Biologie des weiblichen Fortpflanzungstrakts.“

Originalpublikation

Gurumurthy, R.K., Koster, S., Kumar, N. et al. Patient-derived and mouse endo-ectocervical organoid generation, genetic manipulation and applications to model infection. Nat Protoc (2022). doi.org/10.1038/s41596-022-00695-6

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@uni-wuerzburg.dePressemitteilung der Universität Würzburg

Pressemitteilung der Universität Würzburg

Herzinsuffizienz: Verheiratete leben länger

Fabian Kerwagen hat beim Heart Failure Kongress 2022 seine Forschungsergebnisse vorgestellt: Unverheiratet zu sein ist mit einem höheren Sterberisiko bei PatientInnen mit Herzinsuffizienz verbunden

Würzburg. Unverheiratete Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz haben weniger Vertrauen in den Umgang mit ihrer Erkrankung und sind in ihrer sozialen Teilhabe stärker eingeschränkt als Verheiratete. „Diese Unterschiede könnten zu der beobachteten schlechteren Langzeitüberlebensrate bei unverheirateten Patientinnen und Patienten beitragen“, erklärt Dr. Fabian Kerwagen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI). Seine Forschungsergebnisse hat der angehende Kardiologe und Nachwuchswissenschaftler heute auf der Heart Failure 2022, einem wissenschaftlichen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), vorgestellt. Soziale Unterstützung helfe Menschen bei der Bewältigung von Langzeiterkrankungen. Fabian Kerwagen nennt Beispiele: „Ehepartner können bei der korrekten und regelmäßigen Einnahme der Medikamente unterstützen, Motivation spenden und eine Vorbildfunktion bei der Entwicklung gesunder Verhaltensweisen einnehmen, was sich alles auf die Lebenserwartung auswirken kann.“

Unverheirateten fehlt es häufiger an Selbstwirksamkeit und sozialer Interaktion

Frühere Studien haben gezeigt, dass unverheiratete Personen sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch beim Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit eine schlechtere Überlebensprognose haben. Fabian Kerwagen wollte wissen, wie sich der Familienstand bei einer chronischen Herzinsuffizienz auswirkt und analysierte Daten aus der erweiterten INH-Studie (E-INH = Extended Interdisciplinary Network Heart Failure). An der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten E-INH-Studie nahmen 1.022 Personen teil, die zwischen den Jahren 2004 und 2007 aufgrund einer dekompensierten Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Von den 1.008 Betroffenen, die Angaben zum Familienstand machten, waren 633 (63 %) verheiratet und 375 (37 %) unverheiratet, davon 195 verwitwet, 96 nie verheiratet und 84 getrennt lebend oder geschieden.

Zu Beginn der Studie wurden die Lebensqualität, die sozialen Einschränkungen und die sogenannte Selbstwirksamkeit mit dem Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire erhoben. Dieser Fragebogen wurde speziell für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz entwickelt. Soziale Einschränkungen beziehen sich auf das Ausmaß, in dem die Folgen einer Herzinsuffizienz die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigen, wie zum Beispiel die Ausübung von Hobbys und Freizeitaktivitäten oder die Interaktion mit Freunden und Familie. Selbstwirksamkeit beschreibt die Einschätzung der Betroffenen, inwiefern sie sich in der Lage fühlen, eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz zu verhindern und Komplikationen zu bewältigen. Es gab keine Unterschiede zwischen verheirateten und unverheirateten Patientinnen und Patienten hinsichtlich der allgemeinen Lebensqualität. Allerdings schnitt die unverheiratete Gruppe bei den sozialen Einschränkungen und der Selbstwirksamkeit schlechter ab als die verheiratete Gruppe.

Während der zehnjährigen Nachbeobachtungszeit starben insgesamt 67% der Patientinnen und Patienten. Unverheiratete hatten dabei im Vergleich zu Verheirateten ein um ca. 60 Prozent höheres Todesrisiko, wobei verwitwete Probandinnen und Probanden das höchste Risiko aufwiesen.

Gesundheits-App soll Betroffene unterstützen

Fabian Kerwagen resümiert: „Der Zusammenhang zwischen Ehe und Langlebigkeit illustriert, wie wichtig soziale Unterstützung für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz ist – ein Thema, das durch die soziale Distanzierung während der COVID-19 Pandemie noch an Bedeutung gewonnen hat.“ Seine Empfehlung: „Das soziale Umfeld sollte bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz berücksichtigt und einbezogen werden. Strukturierte Behandlungsprogramme mit spezialisierten Herzinsuffizienz-Pflegekräften oder Selbsthilfegruppen für Herzinsuffizienz können dabei helfen, um mögliche Lücken zu schließen.“ Aufklärung über das Leben mit einer Herzinsuffizienz sei von entscheidender Bedeutung, gleichzeitig aber müsse auch das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in ihre Fähigkeiten zur Selbstversorgung gestärkt werden. Sein Blick in die Zukunft: „Wir arbeiten an einer digitalen Gesundheitsanwendung für das Smartphone, die Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz weitere Unterstützung beim täglichen Umgang mit ihrer Erkrankung bieten soll.“

Fabian Kerwagen hat die Analysen im Rahmen seines Clinician Scientist Programms „UNION-CVD“ (Understanding InterOrgan Networks in Cardiac and Vascular Diseases) durchgeführt. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Stipendium bietet eine strukturierte wissenschaftliche Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte unter dem Dach des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) der Universität Würzburg.

Das Bild zeigt den angehenden Kardiologen Fabian Kerwagen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg
Fabian Kerwagen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz hat seine Forschungsergebnisse zu unverheirateten Herzinsuffizienz-PatientInnen auf dem Heart Failure Kongress 2022 vorgestellt.