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Uniklinikum Würzburg: Medikamenten-Duo gegen Lymphknotenkrebs sehr erfolgreich

Die multizentrische Phase-2-Studie L-MIND zeigte, dass Patienten mit einem wiederkehrenden oder therapieresistenten diffus großzelligen B-Zell-Lymphom von einer Kombinationstherapie aus dem Antikörper Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid deutlich profitieren können. Auch die Langzeitanalyse bestätigte diese exzellenten Daten. Die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg hatte einen maßgeblichen Anteil sowohl an der Studie, wie auch an der kürzlich erfolgten Veröffentlichung in der Zeitschrift Lancet Oncology.

„Alles deutet daraufhin, dass wir mit der Kombination aus dem Antikörper Tafasitamab und dem Immunmodulator Lenalidomid Patienten mit aggressivem B-Zell-Lymphom zukünftig eine aussichtsreiche, vergleichsweise gut verträgliche und chemotherapie-freie Behandlungsoption anbieten können“, freut sich Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) bezieht sich damit auf die Ergebnisse der Phase-2-Studie L-MIND. Seine Klinik hatte sieben von insgesamt 80 teilnehmenden Patienten und damit den größten Anteil in das multizentrische, internationale Forschungsvorhaben eingeschlossen. Sie stellt mit Oberarzt Dr. Johannes Düll, Leiter der Studie am UKW, einen der Erstautoren der dazugehörigen Publikation, die im Juni dieses Jahres in der hoch renommierten britischen Fachzeitschrift Lancet Oncology erschien.

Bislang nur beschränkte Therapieoptionen
An der Studie konnten Patienten mit einem wiederkehrenden oder therapieresistenten diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) teilnehmen, die nicht für eine Stammzelltransplantation in Frage kamen. DLBCL ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Diese aggressive Form des Lymphdrüsenkrebses schreitet schnell voran und ist vor allem bei einem Rezidiv sehr schwer zu behandeln. „Für die bei der Studie selektierten Patienten bietet die CAR-T-Zell-Therapie aktuell nur in ausgewählten Fällen eine vernünftige Option“, schildert Prof. Einsele. Diese Therapie geht beim Rezidiv des DLBCL laut Dr. Düll einher mit einem gewissen Risikoprofil, ist komplex und zeitintensiv. Hier spielt nach seinen Worten die neue Medikamentenkombination ihre Vorteile aus. Sie erfordert keine Chemotherapie, zeigt eine sehr gute Verträglichkeit, ist sofort einsetzbar und kann ambulant gegeben werden.

Zielmolekül CD19 als Angriffspunkt
Bei der Studie erhielten die Patienten mindestens eine Dosis sowohl von Tafasitamab als auch von Lenalidomid. „Tafasitamab ist ein humanisierter, monoklonaler Antikörper in klinischer Entwicklung. Er richtet sich gegen das Zielmolekül CD19, das unter anderem auf der Oberfläche von bösartigen B-Zellen breit exprimiert wird und so einen geeigneten Angriffspunkt bildet“, erläutert Dr. Düll und fährt fort: „Das parallel verabreichte Lenalidomid ist ein für die Behandlung von Multiplem Myelom bereits zugelassener Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren. Es stimuliert das eigene Immunsystem, um die Wirkung des Antikörpers zu verstärkten.“

Bislang unerreichte Wirksamkeit
Bei der Studie zeigten 61 Prozent der Patienten ein Ansprechen auf die Therapie und bei 43 Prozent konnte kein aktiver Tumor mehr nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse sind vergleichbar gut wie bei der CAR-T-Zell-Therapie und ebenfalls langanhaltend. „Diese sehr hohe Wirksamkeit geht weit über das hinaus, was man bisher beim Einsatz von Antikörpern bei aggressiven Lymphomen gesehen hat“, zeigt sich Prof. Einsele – wie viele andere Blutkrebsexperten weltweit – sehr beeindruckt. „Die Kombination von Tafasitamab und Lenalidomid wurde gerade von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen und wird die Therapie des DLBCL entscheidend verändern“, ist sich der Würzburger Krebsexperte sicher. Dr. Düll arbeitet im Rahmen von First mind – einer weiteren Studie – bereits daran, diese Medikamentenkombination schon bei der Erstdiagnose zu testen.


Literatur:
Tafasitamab plus lenalidomide in relapsed or refractory diffuse large B-cell lymphoma (L-MIND): a multicentre, prospective, single-arm, phase 2 study.

Salles G, Duell J, González Barca E, Tournilhac O, Jurczak W, Liberati AM, Nagy Z, Obr A, Gaidano G, André M, Kalakonda N, Dreyling M, Weirather J, Dirnberger-Hertweck M, Ambarkhane S, Fingerle-Rowson G, Maddocks K.
Lancet Oncol. 2020 Jul;21(7):978-988. doi: 10.1016/S1470-2045(20)30225-4. Epub 2020 Jun 5.
PMID: 32511983

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Würzburger Forscher erzielen Durchbruch im Verständnis des Schlaganfalls

Einem interdisziplinären Forscherteam des Uniklinikums Würzburg ist es gelungen, im Gehirn direkt nach einem Blutgefäßverschluss ein neues Bindemolekül (CD84) zu entdecken. Es steuert das Zusammenspiel zwischen Thrombozyten und bestimmten Entzündungszellen in der Frühphase nach dem Schlaganfall. CD84 ist somit ein neuer, vielversprechender Ansatz für die zukünftige Medikamentenentwicklung in der Schlaganfalltherapie.

Ischämische Schlaganfälle entstehen durch den plötzlichen Verschluss eines hirnversorgenden Blutgefäßes. „Zwar können wir mit einem winzigen Katheter den Gefäßverschluss eröffnen und damit gerade schwer betroffenen Patienten wirkungsvoll helfen. Dennoch bleiben viele Patienten, bei denen auch die Gefäßwiedereröffnung nicht genug Gehirngewebe retten kann“, schildert Prof. Dr. Mirko Pham, der Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Mit den Gründen hierfür beschäftigte sich ein interdisziplinäres Forscherteam des UKW unter Beteiligung von Experten der Neurologie und Neuroradiologie sowie des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie und des Instituts für experimentelle Biomedizin der Uni Würzburg. Die in der Studie gewonnenen, wegweisenden Erkenntnisse publizierten sie Ende Juli dieses Jahres in der Online-Ausgabe von „Circulation Research“, einem der weltweit führenden wissenschaftlichen Fachmagazine für Herz-Kreislauf- und Schlaganfallerkrankungen.

 

Gewebszerstörende Prozesse laufen trotz Wiedereröffnung weiter

„Grundsätzlich geht man davon aus, dass trotz Wiederherstellung des Blutflusses in der Mikrozirkulation, d.h. dem nachgeschalteten Geflecht kleiner Gefäße im Gehirn, gewebszerstörende Prozesse einfach weiterlaufen und dadurch in vielen Fällen die Rettung von Hirngewebe verhindert oder zunichtegemacht wird“, erklärt Prof. Dr. Guido Stoll, Leiter der AG Schlaganfall und Neuroinflammation der Neurologischen Klinik des UKW.

 

CD84 steigert die Aktivität von Entzündungszellen

„Aus früheren Studien wissen wir, dass durch Thrombozyten – also Blutplättchen – und Lymphozyten gelenkte Entzündungsprozesse entscheidend für das fortschreitende Infarktwachstum sind“, berichtet Dr. Michael Schuhmann. Der Leiter des Klinischen Labors der Neurologischen Klinik und Erstautor der Studie fährt fort: „Wir konnten jetzt mit CD84 das erste Molekül entdecken, das die Aktivität von Thrombozyten und T-Lymphozyten direkt nach einem akuten Schlaganfall verknüpft.“ Die Wissenschaftler arbeiteten zunächst mit Mäusen, denen das Gen für CD84 fehlt. Bei den Tieren waren die Hirnschäden nach einem Schlaganfall deutlich reduziert und es wurden deutlich weniger dieser spezifischen Entzündungszellen vom minderdurchbluteten Gehirn angelockt. Mithilfe von Zellkulturexperimenten konnte dann gezeigt werden, dass das von Thrombozyten freigesetzte CD84-Molekül die Aktivität von T-Lymphozyten steigert.

 

Blutproben aus dem Gehirn

Eine Besonderheit dieser Arbeit ist es, dass dieses Molekül nicht nur durch experimentelle Grundlagenforschung entdeckt wurde, sondern auch unmittelbar im Schlaganfall beim Menschen nachgewiesen wurde. Dies gelang durch die Mikrokatheter, mit denen auch die Behandlung zur Gefäßwiedereröffnung durchgeführt wird. Mit ihnen konnten die Würzburger Wissenschaftler unschädlich wenige Tropfen Blut genau aus dem minderdurchbluteten Gehirnareal abnehmen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Große Mengen von CD84 auf der Thrombozytenoberfläche korrelieren mit einem schlechten neurologischen Ergebnis bei Schlaganfallpatienten.

Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, Sprecher des Würzburger Sonderforschungsbereichs (SFB) Transregio 240, der an der Studie maßgeblich beteiligt ist, betont, dass „diese Arbeit ohne die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Transregio 240 nicht möglich gewesen wäre und die Stärke der Verbundforschung unterstreicht.“

 

Vielversprechende Therapieidee: CD84 blockieren

Zusammengenommen erscheint CD84 als vielversprechender Ansatz für zukünftige Medikamente in der Schlaganfalltherapie. Derzeit arbeiten die Würzburger Forscher an gegen CD84 gerichtete Antikörper – der erste wichtige Schritt in der konkreten Medikamentenentwicklung. Besonders in der Schlaganfallforschung kommt der Sicherheit neuer Medikamente eine entscheidende Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund sagt Dr. David Stegner, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Experimentelle Biomedizin und Letztautor der Studie: „Das Fehlen von CD84 wirkt sich nicht auf die Blutungsneigung von Mäusen aus. Daher gehen wir davon aus, dass eine Blockade von CD84 nicht zu Blutungskomplikationen bei Patienten führen würde.“ Nach seinen Worten spricht vieles dafür, dass CD84 nicht nur beim Schlaganfall, sondern auch bei vielen anderen häufigen und schwerwiegenden Gefäßerkrankungen eine wichtige Rolle spielt. „Das erforschen wir zurzeit im Verbund mit verschiedenen Disziplinen der medizinischen Forschung“, so Dr. Stegner.

 

Literatur:

 

Schuhmann MK, Stoll G, Bieber M, Vögtle T, Hofmann S, Klaus V, Kraft P, Seyhan M, Kollikowski AM, Papp L, Heuschmann P, Pham M, Nieswandt B, Stegner D. „CD84 links T cell and platelet activity in cerebral thrombo-inflammation in acute stroke“. Circulation Research, 30. Juli 2020, https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.120.316655

 

Förderung:

 

Finanziell gefördert wurde die Arbeit im Würzburger Sonderforschungsbereich TR/SFB 240, der sich mit der Rolle von Thrombozyten in verschiedenen Erkrankungen befasst. 

 

Kontakt:

 

Dr. David Stegner, Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin, Uniklinikum Würzburg, Tel: 0931 31-80419, E-Mail: stegner@ virchow.uni-wuerzburg.de

 

 

 

 

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CD84 ein Rezeptor, der auf Thrombozyten und Entzündungszellen vorliegt spielt eine große Rolle beim Infarktwachstum im Schlaganfall. Die einzelnen Schritte sind in der Abbildung veranschaulicht. 1) Ein Blutgerinnsel führt zum Gefäßverschluss und wird entfernt, um die Blutversorgung wiederherzustellen. 2) Im minderversorgtem Gewebe spalten Thrombozyten (grau) den Rezeptor CD84 (rot) ab, woraufhin lösliches CD84 entsteht. 3) Lösliches CD84 bindet an CD84 auf T-Zellen (blau) und erhöht die Beweglichkeit der Entzündungszellen. 4) Dadurch kommt es in den betroffenen Gehirnarealen zur Thrombo-Inflammation, also zum schädlichen Zusammenspiel von Thrombozyten und Entzündungszellen, was das Infarktwachstum zur Folge hat, obwohl die Blutversorgung wiederhergestellt wurde. In wildtypischen (WT) Kontrolltieren ist daher ein großer Infarkt (weiße, umrahmte Region in der ansonsten roten Gehirnscheibe) zu sehen. In Tieren ohne CD84 (Cd84-/-) ist die Thrombo-Inflammation reduziert, weshalb diese Tiere kleinere Infarkte entwickeln. Bild: D. Stegner basierend auf Schuhmann et al., Circ Res 2020

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. fördert hochpräzise Tumordiagnostik für Myelom-Patienten am Uniklinikum Würzburg

Die Multiparameter-Durchflusszytometrie ist ein weiterer innovativer Baustein für eine individuell angepasste Versorgung von Myelom-Patienten am Uniklinikum Würzburg. Um das hochempfindliche Messverfahren künftig möglichst breit anbieten zu können, finanziert der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ für ein Jahr eine Personalstelle sowie eine erforderliche Analysesoftware mit insgesamt 56.000 Euro.

 

Schon die Zahlen sind beeindruckend: Mit der Multiparameter-Durchflusszytometrie können pro Sekunde 70.000 Blutzellen analysiert werden. Das innovative Messverfahren kann dabei unter 10.000 gesunden Zellen eine einzelne Tumorzelle erkennen. „Wir haben die Technologie im letzten Jahr in unserem Forschungslabor in Betrieb genommen. Seit Beginn dieses Jahres führen wir diesen Bluttest als einzige Einrichtung in Deutschland als routinemäßige Untersuchung bei Patienten durch, die vom Multiplen Myelom betroffen sind“, berichtet Prof. Dr. Andreas Beilhack von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Nach seinen Worten sind die so gewonnenen Befunde zu der bösartigen Untergruppe des Lymphknotenkrebses eine wichtige Entscheidungshilfe für die behandelnden Mediziner/innen. „Mit dieser Technik sind wir in der Lage, quasi in Echtzeit die Krankheitsbelastung des Patienten zu messen. So können wir das Therapieansprechen präzise verfolgen, Übertherapien vermeiden oder – im entgegengesetzten Fall – rechtzeitig weitere Behandlungen einleiten“, erläutert der Forscher. Dieses Wissen zahle sich für die Patienten in einem Gewinn an Lebensqualität aus. Ein weiterer Vorteil ist die einfache und schmerzfreie Probengewinnung: 20 Milliliter aus der Armbeuge abgenommenes Blut reichen aus.

 

Roll-out auf alle Myelom-Patienten gewünscht

In den ersten Monaten seit der Inbetriebnahme wurde das neue Verfahren von Mitgliedern des Forschungsteams von Prof. Beilhack umgesetzt: Eine Medizinisch-technischen Assistentin (MTA) übernahm die Probenahme und deren aufwändige Aufbereitung, während die Wissenschaftlerin Dr. Paula Tabares und er selbst die Ergebnisse auswerteten. „Wir wollen in Zukunft diese prognostisch sehr aussagefähige Nachweismethode gerne möglichst allen Myelom-Patienten am UKW anbieten“, kündigt Prof. Beilhack an.

 

Anschubfinanzierung zum Wohl der Patienten

Um dies zu ermöglichen, schaltete sich kürzlich „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ ein und stellte 56.000 Euro zur Verfügung. „Mit diesem Geld finanzieren wir ein Jahr lang eine MTA-Stelle. Außerdem kann für rund 1.000 Euro eine neue Analysesoftware angeschafft werden“, erläutert Gabriele Nelkenstock, die Vorsitzende des Würzburger Vereins. Am UKW stößt diese großzügige Unterstützung auf große Dankbarkeit. So kommentiert Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II: „Hilfe im Kampf gegen Krebs unterstützte uns schon in der Vergangenheit dabei, diese Diagnostik aufzubauen. Die jetzt beschlossene Fortsetzung ist ein weiteres schönes Beispiel für die mustergültige Konsequenz und Verlässlichkeit von Gabriele Nelkenstock und ihrem Team.“ Und Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, ergänzt: „Mit diesem Modell der ‚Anschubfinanzierung‘ hat der Verein schon mehrfach neuen Ideen bei unserer Patientenversorgung aus den Startlöchern geholfen, die dann später in das Routine-Angebot des Klinikums übernommen wurden. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies auch hier – nach einem vorfinanzierten, erfolgreichen ersten Jahr – wieder der Fall ist.“

Aktuell läuft am UKW das Besetzungsverfahren für die neue MTA-Stelle.

 

 

Um die Arbeit des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ auch in Zukunft voranzutreiben, sind Spenden immer willkommen unter:

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Castell Bank Würzburg

IBAN: DE 74 7903 0001 0000 0092 45

BIC: FUCEDE77XXX

 

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Das Uniklinikum Würzburg verabschiedete seinen Pflegedirektor

Ende August dieses Jahres beendet Günter Leimberger seine Arbeit als Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg, um sich neuen beruflichen Aufgaben am Klinikum Nürnberg Nord zuzuwenden. Eine Abschiedsfeier würdigte seine Leistungen während der vergangenen neun Jahre.

Ab September 2011 leitete Günter Leimberger als Pflegedirektor die größte Berufsgruppe des Uniklinikums Würzburg (UKW). Nun verabschiedete sich das Vorstandsmitglied aus dieser Position, um in Zukunft als Standortmanager das Klinikum Nürnberg Nord weiterzuentwickeln. Bei einer Feier im Innenhof der ehemaligen Kinderkrankenpflegeschule des UKW dankten ihm Würzburger Weggefährten für sein Engagement und seine Leistungen in den vergangenen neun Jahren.

 

Weiterbildung vorangetrieben

So hob Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, die Weiterbildung als einen der Schwerpunkte des Pflegedirektors hervor. Beispielsweise öffnete im Jahr 2013 die Würzburger OTA-Schule ihre Pforten, an der seither Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten ausgebildet werden. Eine Maßnahme mit weitreichenden Vorteilen für das Würzburger Uniklinikum. „30 Prozent der Operationssäle des UKW könnten wir nicht betreiben, wenn wir nicht die OTA-Schule gegründet hätten, aus der wir exzellent ausgebildetes Personal beziehen“, verdeutlichte Günter Leimberger.

In seine Dienstzeit fällt außerdem die Gründung der Akademie als topmodernes Schulungszentrum des Klinikums im Jahr 2015. Besonderen Wert gewinnt diese Einrichtung laut dem – nun ehemaligen – Pflegedirektor gerade auch durch den Aspekt der Vernetzung: Die Akademie dient nach seinen Worten nicht nur der Wissensvermittlung, sondern ist auch ein Ort, an dem verschiedene Krankenhausberufsgruppen gemeinsam an Themen arbeiten. Zuletzt brachte Leimberger die Studiengänge Pflege und Hebammenwesen als hochwertige akademische Ausbildung federführend mit auf den Weg.

 

Erfolg bei Personalgewinnung und familienfreundlichem Arbeiten

Als weitere Erfolge seines Vorstandskollegen nannte Prof. Ertl die Personalgewinnung auch im Ausland sowie Weiterentwicklungen in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie am UKW. Ferner agierte der Pflegedirektor als einer der zentralen Motoren bei der erfolgreichen KTQ-Erstzertifizierung des Klinikums im Jahr 2013 und den folgenden Rezertifizierungen.

Philip Rieger, der Kaufmännische Direktor des UKW, lobte Leimberger für „den guten Überblick über seinen Verantwortungsbereich und darüber hinaus“. Außerdem unterstrich er, dass sich der Direktor bei allen relevanten Entscheidungen und Entwicklungen immer vor die Pflegekräfte gestellt habe.

Der Personalratsvorsitzende Christian Huß blickte in seiner Ansprache auf die ersten Begegnungen mit Günter Leimberger zurück. Dabei sei dem Personalrat schnell klargeworden: „Da haben wir nicht nur einen Pflegedirektor, sondern auch noch jemanden mit dem Blick des Controllers und Qualitätsmanagers.“ Es läge in der Natur der Sache, dass Personalrat und Pflegedirektion bei vielen Themen unterschiedliche Positionen vertreten hätten. Huß betonte allerdings, dass er einen durchaus guten und direkten Draht zum Pflegedirektor gehabt hätte, was sich in vielen Gesprächen und Runden als hilfreich im Sinne der Kolleginnen und Kollegen erwiesen habe.

 

Talent für die Personalentwicklung

Die Stellvertretende Pflegedirektorin Birgit Roelfsema bewunderte in ihren Dankesworten die Zielorientierung und die Stärke in der Personalentwicklung ihres Chefs. So habe er Gespräche immer absolut offen und ehrlich geführt sowie ein Händchen beim Erkennen von individuellen Stärken und der damit verbundenen richtigen Einsatzstelle am UKW gehabt. „Dein Blick war mit viel Realitätssinn und Pragmatismus immer nach vorne gerichtet“, fasste Roelfsema zusammen und fuhr fort: „Die Pflege am UKW hat Zukunft – unter anderem, weil sie durch Dein Engagement auf Augenhöhe mit allen anderen Berufsgruppen interagiert.“ Dass das Klinikum den Stresstest durch die Covid-19-Pandemie so gut bestanden habe, lag nach ihrer Auffassung auch an dem vom Pflegedirektor vorab gelegten Fundament.

 

Dank für die lösungsorientierte, professionelle und herzliche Zusammenarbeit

Günter Leimberger dankte für den persönlichen und herzlichen Abschied. Die Arbeit im Vorstand und zuletzt auch in der im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie installierten Klinikumseinsatzleitung bezeichnete er als „wunderbar lösungsorientiert“. Generell schätzte er die hohe Professionalität, Zwischenmenschlichkeit und Herzlichkeit in der Zusammenarbeit am UKW. Er habe sich die Entscheidung für einen Wechsel nicht leicht gemacht, der Abschied vom UKW falle ihm schwer. „Ich würde nirgendwo anders als Pflegedirektor arbeiten wollen“, betonte Leimberger. Ausschlaggebend für ihn sei gewesen, dass auf seiner künftigen Stelle als Standortmanager beim Klinikum Nürnberg Nord neue, übergeordnete Aufgaben auf ihn warten.

 

 

 

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Bei der Abschiedsfeier: Günter Leimberger, der scheidende Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg (Dritter von links), umgeben von wichtigen Weggefährten (von links): Philip Rieger, Birgit Roelfsema, Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg), Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus (Stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikums), Christian Huß und Prof. Dr. Georg Ertl. Bild: Rita Börste / Uniklinikum Würzburg

Bundesweiter Blutspende-Wettbewerb: Würzburger Medizinstudierende auf Platz 1

Im Juni dieses Jahres waren beim Wettbewerb „Medisspendenblut“ die Medizinischen Fakultäten der deutschen Uni-Städte aufgerufen, möglichst viele Blutspender/innen zu stellen. Die Würzburger Medizinstudierenden zeigten dabei das größte Engagement und erzielten den ersten Platz.

 

„Während der Corona-Krise war die Blutspendebereitschaft in Deutschland im Keller. Gerade in dieser Situation sollten Medizinstudierende eine Vorbildrolle einnehmen. Außerdem sollten sie als zukünftige Ärztinnen und Ärzte möglichst auch persönliche Erfahrungen mit der Blutspende haben und für das Thema sensibel sein“, meint Leonard Richter. Deshalb initiierte der Marburger Medizinstudent – praktisch im Alleingang – in diesem Frühjahr erstmals den Wettbewerb „Medisspendenblut“. Dabei forderte er alle Medizinischen Fakultäten der deutschen Unis auf, in einem edlen Wettstreit zwischen dem 8. Juni und dem 3. Juli möglichst viel Blut zu spenden. Zugelassen waren sowohl Vollblut-, Plasma- wie auch Thrombozytenspenden. Über ein vom jeweiligen Blutspende-Institut abgestempeltes Meldeformular konnten jede Spenderin und jeder Spender für ihre oder seine Universität punkten. Für ein faires Ranking wurde die Anzahl der eingehenden Meldungen von Leonard Richter ins Verhältnis zur Größe der jeweiligen Fakultät gesetzt. Am Ende erwies sich unter den 20 teilnehmenden Universitäten die Würzburger Medizinische Fakultät mit 146 Spenderinnen und Spendern als die „blutreichste“ Deutschlands. Auf die Plätze zwei und drei kamen Köln und Göttingen.

Werbung mit eigenem Plakat
Für diese Spitzenleistung übereichte Leonard Richter am 22. Juli einer Delegation Würzburger Medizinstudentinnen am Uniklinikum Würzburg (UKW) einen Pokal. Die von der Bonner Künstlerin Martine Seibert-Raken geschaffene Trophäe hat die Form eines stilisierten Blutgefäßes. Marie Had, eine der Würzburger Studentinnen, nennt einige Gründe für den Erfolg der Mainfranken-Metropole: „Unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen kamen zum Glück schnell aus den Startlöchern. Hilfreich erwies sich dabei, dass wir ein eigenes Poster zum Wettbewerb gestaltet hatten, das auch über die Sozialen Medien, wie Instagram, verbreitet wurde.“

Prof. Böck: Wegweiser für unsere Gesellschaft
Als Blutspende-Einrichtungen nutzten die Würzburger Studentinnen und Studenten das Plasmazentrum Würzburg des BRK Blutspendedienstes und das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des UKW. Dessen Direktor, Prof. Dr. Markus Böck, war gerne bei der Pokalübergabe dabei und freut sich aus mehreren Gründen über die gelungene Aktion: „Zum einen finde ich es großartig, dass sich angehende Medizinerinnen und Mediziner als Wegweiser für unsere Gesellschaft engagieren. Zum anderen sind diese jungen, in der Regel gesunden Menschen die besten Blutspender – und vielleicht wurde die oder der eine oder andere motiviert, auch in Zukunft und langfristig Blut zu spenden.“

Wanderpokal soll verteidigt werden
Als Ausstellungsort für den Pokal wurde eine prominente Stelle am Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des UKW gefunden. Allerdings plant Leonard Richter, den Wettbewerb im nächsten Jahr zu wiederholen, weshalb die Trophäe als Wanderpokal gedacht ist. Vor diesem Hintergrund zeigten sich die Medizinstudentinnen und Prof. Böck umso entschlossener, im kommenden Jahr den Titel und den Pokal zu verteidigen.
Neben der exklusiven Wertung der Medizinstudierenden gab es bei Medisspendenblut auch eine Teilnahmekategorie für Studierende anderer Fächer und Nicht-Studierende. Hier erzielte Leipzig den ersten Platz. Insgesamt kam der Wettbewerb auf fast 14.000 Teilnehmer/innen.
Mehr dazu gibt es unter www.medisspendenblut.de.

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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Corona: Per App der Wissenschaft helfen

Gibt es durch die Corona-Pandemie bald eine weitere Welle an psychischen Erkrankungen? Welche anderen gesundheitlichen Auswirkungen hat die Pandemie? Das wollen Forscherinnen und Forscher der Uni Würzburg mit der CORONA HEALTH-App herausfinden – und brauchen dafür die Unterstützung der Bevölkerung.

 

Was lernen wir aus der Corona-Pandemie? Das wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg herausfinden. Sie haben – in Kooperation mit der Fachgruppe Psychische Gesundheit des Robert Koch-Instituts und den Universitäten Ulm und Regensburg – die CORONA HEALTH-App entwickelt, mit der die Folgen und der Umgang mit der Covid-19-Pandemie international untersucht werden sollen. Das Forschungsteam möchte unter anderem herausfinden, welche langfristigen Effekte Kontaktbeschränkungen und andere Covid-19-Maßnahmen auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie auf die Lebensqualität haben und welche Hinweise für ähnliche Situationen in der Zukunft abgeleitet werden können. Dafür benötigen die Forscherinnen und Forscher Hilfe aus der Bevölkerung – nämlich durch die Nutzung der App. Diese ist ab sofort als kostenfreier Download verfügbar.

Die App erhebt durch drei frei wählbare Studien Daten (1) zu psychischer Gesundheit von Erwachsenen, (2) zu psychischer Gesundheit Jugendlicher im Alter von zwölf bis 17 Jahren und (3) zu körperlicher Gesundheit in Zeiten der Covid-19-Pandemie. Durch wöchentlich wiederholte Kurzbefragungen kann abgebildet werden, wie Lockdowns die Stimmungslage und Lebensqualität beeinflussen. Für Android-Geräte besteht zudem die Möglichkeit der anonymisierten Erfassung von GPS (Radius von elf Kilometern zum Zeitpunkt der Bearbeitung des Fragebogens) und ausgewählten App-Kommunikationsdaten (zum Beispiel die Häufigkeit der Nutzung von Telefonie, Messenger, usw.) der vergangenen sieben Tage. Die Fragebögen sind zunächst auf Deutsch und Englisch verfügbar, das Angebot wird noch um sechs weitere Sprachen ergänzt.

Umfragen für die psychologische und medizinische Forschung

Ziel des Forschungsteams ist das engmaschige Monitoring der psychischen und körperlichen Gesundheit während und nach der Covid-19-Pandemie. Zahlreiche internationale Studien weisen beispielsweise auf einen Anstieg psychischer Belastungen hin, teilweise gibt es aber auch auf positive Aspekte als Folgen pandemiebedingter Restriktionen.

„Angst vor Ansteckung, Kurzarbeit, Werksschließungen, Home Office und Home Schooling sind nur einige Punkte auf einer Liste potentieller Belastungsfaktoren“, erklärt Rüdiger Pryss, Professor für Medizininformatik an der JMU. Er war federführend bei der Entwicklung der App. „Die Auswirkungen gegenwärtiger Lockerungen in Kombination mit dem anhaltenden Risiko einer zweiten Welle auf die psychische Gesundheit bleibt aber weiterhin unklar.“

Mit den Daten der CORONA HEALTH-App möchten die Forscherinnen und Forscher einer möglichen Covid-19 begleitenden „zweiten Pandemie von Symptomen psychischer Störungen“ für Deutschland und im Ausland nachgehen, Risikofaktoren identifizieren und verbreitete Bewältigungsstrategien erheben. Gleiches gilt für mögliche körperliche Beschwerden. Die Ergebnisse, so das Ziel des Forschungsteams, sollen die Bewertung der psychischen Folgen von Restriktionen im Alltag und kontaktreduzierenden Maßnahmen ermöglichen und somit Hinweise für den Umgang mit solchen oder ähnlichen Situationen ermöglichen.

„Für aussagekräftige Ergebnisse ist daher eine große Anzahl von Teilnehmenden mit einer vielfältigen gesellschaftlichen Streuung von großer Bedeutung“, erklärt Pryss. Das Erfassen der vergröberten und anonymisierten GPS Daten ermöglich es zudem, einen Zusammenhang zwischen regionalen Covid-19- Fallzahlen und psychosozialen Belastungen herzustellen. Der Einbezug der Nutzung von einer Auswahl an Kommunikations-Apps soll als Schätzer für soziale Interaktion in Zeiten des erschwerten face-to-face Kontakts herangezogen werden und Hinweise auf das Kommunikationsverhalten geben.

App ist ab sofort verfügbar

Die inhaltliche Konzeption sowie die technische Umsetzung der App begannen Ende März. Nach positivem Bescheid des Datenschützers sowie der Ethikkommission der JMU und einer Medizinproduktekonformität ist die App seit dem 23. Juli 2020 im Google Play Store kostenfrei erhältlich. Die Veröffentlichung im Apple Appstore folgt in Kürze. Die Speicherung der Daten erfolgt dabei vollständig anonym auf sicheren Servern des Universitätsklinikums Würzburg (UKW).

Das JMU-Team um Pryss vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie entwickelte die CORONA HEALTH-App mit inhaltlicher Unterstützung des Robert Koch-Instituts, den Universitäten Ulm und Regensburg sowie des UKW. Das Service-Zentrum Medizininformatik des UKW hat die hierfür nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Die LA2 GmbH wurde als externer Partner zur Erfüllung der Medizinproduktekonformität hinzugezogen.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt gibt es hier: (https://www.corona-health.net/)

Kontakt

Prof. Dr. Rüdiger Pryss, Professor für Medizininformatik am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Universität Würzburg, T +49 931 – 201 46471, ruediger.pryss@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Universität Würzburg: Urintest verbessert die Diagnose von Nebennierenkrebs

Ein einfacher Urintest kann die Diagnose von Nebennierenkrebs beschleunigen, die Prognose der Patienten verbessern und den Bedarf an invasiven Diagnosemethoden verringern. Dies zeigt eine neue Studie mit Würzburger Beteiligung.

Bildgebende Verfahren wie beispielsweise die Computer- oder die Magnetresonanz-Tomographie werden in der klinischen Praxis immer häufiger eingesetzt. Quasi „nebenbei“ werden bei etwa fünf Prozent dieser Untersuchungen Knoten in der Nebenniere entdeckt. Diese so genannten „Nebennieren-Zufallsgeschwülste“ sind in der Mehrzahl harmlos, bis das aber sicher ist, müssen sich die betroffenen Patienten einer Reihe von Untersuchungen unterziehen. Schließlich muss geklärt werden, ob sich hinter dem Knoten nicht doch ein gefährlicher Nebennierenkrebs versteckt oder ob er Auslöser einer Überfunktion der Nebennieren ist.

Nicht selten kommen dabei erneut bildgebende Verfahren zum Einsatz. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass diese nur begrenzt dazu in der Lage sind festzustellen, ob eine Gewebeveränderung gutartig ist oder ob es sich um Krebs handelt. Gleichzeitig gehen mit diesen Untersuchungen eine Reihe von Nachteilen einher: Die Patienten werden einer weiteren Strahlenbelastung ausgesetzt, die Kosten sind nicht gerade gering und die Ergebnisse liefern selten die Informationen, die sich Arzt – und Patient – wünschen.

Schnellere Diagnose, gezielte Behandlung

Diese unbefriedigende Situation verbessern könnten jetzt die Ergebnisse einer neuen, multizentrischen Studie, die von Experten der Universität Birmingham geleitet wird. Daran beteiligt ist auch die Endokrinologie des Universitätsklinikums unter Leitung von Professor Martin Fassnacht. Ergebnisse dieser Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht.

Demnach könnte ein einfacher Urintest zum Nachweis überschüssiger Steroidhormone in der Nebenniere – ein Schlüsselindikator für Nebennierentumore – die Diagnose und Behandlung von Patienten mit einem Nebennierenkrebs beschleunigen und dazu beitragen, unnötige Operationen bei Patienten mit einer harmlosen Geschwulst zu vermeiden.

Maschinelles Lernen bringt bessere Ergebnisse

Mehr als 2.000 Patienten mit neu diagnostizierten Nebennierentumoren haben an der Studie teilgenommen. In 14 Zentren des Europäischen Netzwerks zur Erforschung von Nebennierentumoren (ENSAT) wurden sie über einen Zeitraum von sechs Jahren untersucht. Unter anderem mussten sie nach der Diagnose eine Urinprobe abgeben, die anschließend auf ihren Gehalt an Hormonen der Nebennieren analysiert wurde. Zum Einsatz kamen dabei spezielle Computeralgorithmen, die ihre Auswertungen automatisch und auf der Basis eines maschinellen Lernens ständig verbesserten. Die Ergebnisse zeigen, dass der Urintest weniger Fehler produzierte als bildgebende Tests, bei denen häufiger fälschlicherweise die Diagnose „Nebennierenkrebs“ bei einem an sich harmlosen Nebennierenknötchen gestellt wurde.

Professor Wiebke Arlt ist Direktorin des Instituts für Stoffwechsel- und Systemforschung an der Universität Birmingham und Seniorautorin der Studie. Vor ihrem Wechsel nach England hat sie etliche Jahre am Würzburger Universitätsklinikum geforscht. Von den jetzt veröffentlichten Ergebnissen verspricht sie sich viel: „Wir hoffen, dass die Ergebnisse dieser Studie dazu beitragen, die Belastung der Patienten signifikant zu verringern und die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, indem nicht nur die Anzahl unnötiger Operationen bei Personen mit gutartigen Veränderungen reduziert, sondern auch die Anzahl der erforderlichen bildgebenden Verfahren begrenzt wird“.

Martin Fassnacht, der aktuell auch Präsident des europäischen Nebennierentumornetzwerks ENSAT ist, arbeitet mit seiner Arbeitsgruppe aktuell bereits an der Einführung dieser neuen Urindiagnostik für die klinische Routinepraxis in Würzburg. „Sobald wir soweit sind, wird dies sicher die Diagnostik der Patienten mit Nebennierentumor deutlich beschleunigen und verbessern. Wir erwarten, dass die Patienten mit bösartigen Veränderungen der Nebennieren damit auch früher im Krankheitsverlauf identifiziert werden können, was dann auch die Prognose verbessern wird.“

Originalpublikation
Urine steroid metabolomics for the differential diagnosis of adrenal incidentalomas in the EURINE-ACT study: a prospective test validation study. The Lancet Diabetes & Endocrinology https://doi.org/10.1016/S2213-8587(20)30218-7

Kontakt
Prof. Dr. Martin Fassnacht, Schwerpunktleiter Endokrinologie & Diabetologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-39021, Fassnacht_M@ ukw.de

 

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