Aktuelle Meldungen

Die Würzburger Universitäts-Frauenklinik informiert über Endometriose

„Wenn Frauen unter starken Regel- und Unterbauchschmerzen leiden, kann die Ursache eine Endometriose sein“, berichtet Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Frauenklinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Bei der gutartigen, chronischen Krankheit kommt Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle vor, also zum Beispiel im Scheidenbereich, im Bauchfell, in den Eierstöcken oder in der Darmwand. Bis zu 40.000 Patientinnen erkranken pro Jahr in Deutschland neu an der damit zweithäufigsten weiblichen Erkrankung. Nach den Erfahrungen von Prof. Wöckel dauert es in vielen Fällen lange, bis die richtige Diagnose gestellt und eine hilfreiche Therapie eingeleitet wird. Diesen Leidensweg der Betroffenen wollen die Gynäkologen des UKW mit Information und Beratung abkürzen: Am Montag, den 24. September 2018, laden sie um 18:00 Uhr alle Interessierten zu einem Informationsabend in die Gaststätte B. Neumann am Würzburger Residenzplatz ein.

Zertifiziertes Endometriosezentrum mit Expertenwissen

Dabei kann sich die Würzburger Universitätsfrauenklinik auf eine besondere Expertise stützen: Seit mehreren Jahren betreibt sie ein – seit 2016 auch zertifiziertes – Endometriosezentrum. Nach einem Einführungsvortrag von Prof. Wöckel referiert die Leiterin des Zentrums, Dr. Anastasia Altides, zur Frage: Was ist Endometriose und wie wird sie diagnostiziert? „Das Erkennen der Krankheit ist oft nicht trivial, denn wegen ihrer individuell stark unterschiedlichen Symptomatik sprechen wir auch vom Chamäleon der Gynäkologie“, verdeutlicht die Ärztin.
Vielfach wird die Endometriose erst entdeckt, wenn die Frauen schwanger werden möchten und daran scheitern. Zur Behandlung stehen medikamentöse und operative Therapien sowie Kombinationsverfahren aus beiden Ansätzen zur Verfügung. Diesem Themenkreis widmet sich am Informationsabend der dritte UKW-Experte, Privatdozent Dr. Joachim Diessner, in seinem laienverständlichen Kurzvortrag „Therapieoptionen und Aspekte des Kinderwunsches bei Endometriose“.

Raum für individuelle Fragen

Nach dem Vortragsblock haben die Teilnehmerinnen bei einer Diskussionsrunde Gelegenheit, fundierte Antworten auf individuelle Fragen zu erhalten.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, allerdings wird um eine Anmeldung bis 17. September 2018 gebeten unter Tel: 0931/ 880 79 447 oder E-Mail: mail@ gundn-eventmanagement.de.

Fachkräfte tauschten sich über die Wichtigkeit einer kultursensiblen Gesundheit aus

Pressemitteilung der Gesundheitsregion plus - Stadt und Landkreis Würzburg vom 30.07.2018

Speziell die Versorgung von Geflüchteten und Asylsuchenden erfordert neben medizinischen Fachkenntnissen auch kultursensibles Einfühlungsvermögen.


Hier setzte der Fachtag „Kultursensible Gesundheit“ im Universitätsklinikum Würzburg an, zu welchem zahlreiche Akteure unterschiedlicher Professionen aus ganz Unterfranken erschienen. Neben der kultursensiblen Wissensvermittlung erfolgte auch ein Austausch der Akteure im professionellen Umgang mit Patienten um Handlungsbedarfe zu definieren.

Angebote für Flüchtlinge am UKW ausgebaut

In seiner Begrüßung ging der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, Prof. Dr. Georg Ertl, auf die vielfältigen Herausforderungen in der gesundheitlichen Versorgung von Migranten ein und erläuterte, welche Maßnahmen sein Haus diesbezüglich bereits unternommen hat. So wurde u. a. eine Interdisziplinäre Flüchtlingskommission am Uniklinikum eingerichtet, ein Dolmetscherpool sowie 2017 als Pilotprojekt ein Video-Dolmetscherdienst, der künftig ausgebaut werden soll. Da aber nicht nur die Sprache eine Barriere darstellt, sondern auch die andere Kultur, hat das UKW Anfang 2016 eine zentrale Koordinierungsstelle für Asylbewerber und Flüchtlinge eingerichtet, die im weiteren Verlauf von deren Leiterin Mirfat Assi vorgestellt wurde.

Verständniskultur schaffen

Mirfat Assi berichtete über die Erfahrungen im kultursensiblen Umgang mit Flüchtlingen am Uniklinikum Würzburg. So sollte z. B. die medizinische und pflegerische Behandlung muslimischer Patienten, wenn erwünscht und organisatorisch durchführbar, von Ärzten und Pflegepersonal desselben Geschlechts durchgeführt werden. „Unser Ziel ist es, an der Uniklinik in Würzburg eine „Verständniskultur“ zu schaffen, die von allen gelebt wird und mit den Werten der westlichen Gesellschaft vereinbar ist,“ so Assi im Ende ihres Vortrages.


Zuvor erläuterte bereits Elisabeth Wesselman, Fachreferentin für interkulturelle Versorgung im Gesundheitswesen, dass Kultursensibilität im Gesundheitswesen nicht nur auf Asylsuchende und Geflüchtete fokussiert sein sollte, sondern auf Migration allgemein, da die Zugangsbarrieren für alle Gruppen mit Migrationshintergrund gleich sind. Als besondere Herausforderungen im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund nannte sie u. a. die Kommunikation, das Krankheitsverhalten und das Krankheitsverständnis, Rassismus und Diskriminierung in allen Formen sowie die Sprache.


Als mögliche Lösungswege nannte Wesselman die interkulturelle Öffnung, bei welcher bestehende Strukturen auf Ausgrenzungsmechanismen hin untersucht werden und in der Ziele und Maßnahmen zur Beseitigung dieser Mechanismen entwickelt werden. Dabei benötigt es mehr muttersprachliche Informations - und Präventionsangebote und eine stärkere Einbindung von (internen und externen) Migranten bei der Erarbeitung von neuen Maßnahmen.

Persönlicher Erlebnisbericht einer Betroffenen

Abgerundet wurde der erste Teil des Fachtages durch die praktische Sicht einer Betroffenen auf das deutsche Gesundheitswesen. Mit ihrem eindrucksvollen persönlichen Erfahrungsbericht sprach die vor zwölf Jahren aus Kenia nach Deutschland gekommene Frau über die Schwierigkeiten, welche ihr vor Ort begegneten und was ihr half, diese zu überwinden. Im zweiten Teil lieferten in drei parallelen Workshops fachkundige Referenten einen kurzen Input-Vortrag mit praktischen Beispielen zu den jeweiligen Themenfeldern.

Parallele Workshops

Prof. Dr. August Stich stellte im Workshop „Kurativ“ die Migrantenmedizin am Klinikum Würzburg Mitte, Standort Missioklinik, vor. Er stellte fest, dass Patienten mit Migrationshintergrund in Zukunft im kurativen Bereich (stationär wie ambulant) einen wachsenden Raum einnehmen werden. Jedoch stoßen die Behandlungsansätze im Umgang mit Asylsuchenden immer wieder an ihre Grenzen, da diese durch eine zunehmend restriktive Auslegung der Rahmenbedingungen (AsylblG) gesetzt werden.

 
Im Workshop „Präventiv“ berichteten Hermine Seelmann sowie Kadriye Akdeniz als Standortkoordinatorin über das Projekt „MiMi – Mit Migranten für Migranten“, welches 2015 mit dem Europäischen Gesundheitspreis ausgezeichnet wurde. Dabei informieren ausgebildete Gesundheitsmediatoren andere Migranten u. a. über das deutsche Gesundheitssystem, Impfschutz, Diabetes und seelische Gesundheit. In Würzburg konnten damit in den Jahren 2016 - 2018 insgesamt 403 Personen aus 34 Ländern in 24 Veranstaltungen erreicht werden.

 
Dr. Susanne Schwalgin von Handicap International e. V. berichtet im Workshop „Rehabilitativ“ über die Besonderheiten in der gesundheitlichen Versorgung von Geflüchteten mit Behinderungen. Neben allgemein fehlenden spezifischen Angeboten für diese Zielgruppe stellen die Sprache und der Zugang zum System der Behindertenhilfe für diese Zielgruppe die größten Barrieren dar. Daher plädierte sie für die Berücksichtigung der spezifischen Bedarfe von Menschen mit Behinderung bei den Integrationsangeboten für Geflüchtete.

 
Nach den jeweiligen Vorträgen tauschten sich die Teilnehmer in den Workshops zu der Frage aus, welche speziellen Unterstützungsbedarfe sie konkret in ihrer alltäglichen Arbeit haben. Übergreifend wurde insbesondere der Bedarf an geschulten Dolmetschern, das Einbinden der Kostenträger und die Übertragung erfolgreicher Projekte in den ländlichen Raum genannt.


Die Gesundheitsregion - plus Stadt und Landkreis Würzburg veranstaltete den Fachtag in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Würzburg, dem Klinikum Würzburg Mitte (Missionsärztliches Institut Würzburg), dem Gesundheitsamt Stadt und Landkreis Würzburg sowie dem Gesundheitsprojekt MiMi (Mit Migranten für Migranten, Standort Würzburg) und mit fachlicher Unterstützung der Regierung von Unterfranken.

Überraschender Fund in Nervenzellen

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 07.08.2018

Sind Viren Auslöser von psychiatrischen Krankheiten? Diesen Schluss legt eine neue Studie Würzburger Wissenschaftler nahe. Demnach gehen spezielle Störungen mit einer erhöhten Infektionsrate eines Herpesvirus einher.

Purkinje-Zellen sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Kleinhirns – dem Teil des Gehirns, das in erster Linie für motorisches Lernen und die Feinsteuerung von Muskelspannung und Bewegungen zuständig ist, das aber auch Gefühle, Wahrnehmung, Gedächtnis und Sprache beeinflusst.

Wissenschaftler vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg haben jetzt gemeinsam mit Kollegen in den USA eine überraschende Entdeckung in diesen Nervenzellen gemacht: Bei Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen fanden sie erstmals in Purkinje-Neuronen eine hohe Infektionsrate mit dem menschlichen Herpesvirus HHV-6. Verantwortlich für diese Studie war Dr. Bhupesh Prusty, Gruppenleiter am Lehrstuhl für Mikrobiologie; die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Frontiers in Microbiology veröffentlicht.

Virenbedingte Entzündungen im Gehirn

„Es ist schon seit Längerem bekannt, dass erbliche Faktoren das Risiko erhöhen, an verschiedenen Arten psychiatrischer Störungen wie beispielsweise bipolaren Störungen, schwere Depressionen und Schizophrenie zu erkranken“, erklärt Bhupesh Prusty. Daneben habe es allerdings immer wieder auch Hinweise darauf gegeben, dass Umweltfaktoren in dem Krankheitsgeschehen eine Rolle spielen können – vor allem, wenn sie in jungen Jahren eine Entzündung im Nervensystem verursachen. Viren sind solch ein Umweltfaktor.

 „Viren können die Entwicklung von Nervenzellen stören und die Interaktion mit dem Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien behindern“, erklärt Prusty. Wenn solch eine Infektion in der frühen Kindheit auftritt, geht sie zwar in den meisten Fällen spurlos vorüber. Allerdings verharren die Viren in verschiedenen Organen und Geweben, einschließlich des zentralen Nervensystems und der Speicheldrüsen, und werden unter bestimmten Umständen auch nach Jahren wieder aktiv.

Erhöhte Infektionsrate bei zwei psychischen Störungen

Prusty und sein Team hatten den Verdacht, dass menschliche Herpesviren vom Typ HHV-6A und HHV-6B eine Schlüsselrolle bei der Entstehung psychiatrischer Störungen spielen könnten. Sie haben deshalb zwei der größten menschlichen Hirnbiopsie-Kohorten des Stanley Medical Research Institute (USA) unter die Lupe genommen und wurden tatsächlich fündig: „Wir konnten bei Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen eine erhöhte Rate von aktiven Infektionen mit humanen Herpesviren vorwiegend in Purkinje-Zellen des menschlichen Kleinhirns nachweisen“, fasst Prusty das zentrale Ergebnis der Studie zusammen. Es handele sich damit um den ersten wissenschaftlichen Hinweis, dass Viren des Typs HHV-6 Nervenzellen infizieren und möglicherweise kognitive Störungen verursachen können, die zu Stimmungsstörungen führen.

Die Annahme, dass beim Menschen häufig vorkommende Viren, die unerkannt in Organen und Geweben „schlummern“, nie für eine Krankheit verantwortlich sind, ist nach Ansicht der Wissenschaftler damit widerlegt. „Studien, wie unsere aktuelle, beweisen, dass dieses Denken falsch ist“, sagt Prusty. Passend dazu zeige eine andere aktuelle Studie, dass ein Zusammenhang zwischen einer Alzheimer-Erkrankung und humanen Herpesviren existiert.

In einem nächsten Schritt wollen die Würzburger Wissenschaftler nun den molekularen Mechanismus entschlüsseln, mit dem die Herpesviren Schäden an Purkinje-Neuronen verursachen.

Active HHV-6 infection of cerebellar Purkinje cells in mood disorders. Bhupesh K. Prusty, Nitish Gulve, Sheila Govind, Gerhard R. Krueger, Julia Feichtinger, Lee Larcombe, Richard Aspinall, Dharam V. Ablashi and Carla T. Toro, Front. Microbiol. | doi: 10.3389/fmicb.2018.01955

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmicb.2018.01955/abstract

Kontakt

Dr. Bhupesh Prusty, Telefon: (0931) 31-88067, bhupesh.prusty@ biozentrum.uni-wuerzburg.de

Wirkungsweise von Pilz-Medikamenten: Neue Erkenntnisse

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 06.08.2018

Forscher der JMU haben die Funktionsweise eines wichtigen Wirkstoffs gegen Pilzerkrankungen weiter aufschlüsseln können. Über ihre Arbeit berichtet die aktuelle Ausgabe des Fachmagazins „Nature Communications“.

 
Aspergillus fumigatus ist ein Schimmelpilz und Verursacher schwerer und häufig tödlich verlaufender Infektionen beim Menschen. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Stammzell- oder einer Organtransplantation, sind davon betroffen. Zur Therapie etwa der „invasiven Aspergillose“ gibt es nur eine begrenzte Zahl an Antimykotika. Diese Mittel sind sozusagen das Pilz-Gegenstück zu Antibiotika. Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) konnten nun neue Details zur Wirkweise der aktuell wichtigsten Antimykotika-Klasse, den sogenannten Azolen, entschlüsseln.


Azole entfalten ihre Wirkung durch Hemmung der Ergosterol-Biosynthese. Ergosterol erfüllt in Pilzzellen eine ähnliche Funktion wie das Cholesterin in menschlichen Zellen und arbeitet unter anderem als „Weichmacher“ an der Zellmembran. Dies ist von Bedeutung, damit die Membran flexibel, beweglich und somit widerstandsfähig ist und der Zellinhalt dadurch geschützt bleibt.

Erst fungistatisch, dann fungizid

Je nach Pilzart, so der bisherige Stand der Wissenschaft, wirken Azole entweder wachstumshemmend oder abtötend. Auf Hefepilze, wie etwa Candida albicans, wirken Azol-Antimykotika üblicherweise fungistatisch (wachstumshemmend) und auf Aspergillen, beispielsweise A. fumigatus, wirken sie fungizid (abtötend).


„Wir konnten zeigen, dass Azol-Antimykotika initial auch eine fungistatische Wirkung auf A. fumigatus haben“, sagt Dr. Johannes Wagener, Hauptautor der im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Arbeit. Stunden später kommt es dann erst zur Aktivierung eines „Zellwandstress-Signalwegs“ und zur unkontrollierten Synthese pilzlicher Zellwand. „Es bilden sich Einstülpungen, so genannte „Patches“, die Zelle hat Stress und letztlich kommt es zur Zelllyse: Die Zelle stirbt“, erklärt Wagener.

Frühere Erkennung von Resistenzen möglich

„Dieser zusätzliche fungizide Effekt ist abhängig von der Atmungskette des Pilzes und lässt sich durch gleichzeitige Hemmung der Zellwandsynthese abmildern“, sagt Wagener weiter. Die exzessive Synthese von Zellwand lässt sich mikroskopisch nachweisen und könnte somit in Zukunft zur frühzeitigen Diagnose einer Azol-Resistenz herangezogen werden.

 
„Die Auswirkungen von Azol-Antimykotika auf die Zellwandsynthese und Zellwandintegrität waren für uns völlig unerwartet“ sagt Wagener, der an der JMU am Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie & Mykologie bei Professor Oliver Kurzai arbeitet. Es gibt andere Antimykotika, die an den Zellwänden ansetzen. „Somit gibt es nun zwei völlig unterschiedliche Antimykotika-Klassen mit völlig unterschiedlichen Wirkungsmechanismen, die nun in einen unerwarteten Zusammenhang gebracht werden können“, sagt Wagener.


„Außerdem konnten wir zeigen, dass die durch Azole induzierte Zellwandsynthese in Azol-resistenten Aspergillus-Isolaten unterbleibt“, so Wagener. Azol-Resistenzen seien ein ernstzunehmendes Problem in bestimmten Regionen, etwa den Niederlanden. Die Azol-induzierte Zellwandsynthese könnte daher zur Unterscheidung von Azol-resistenten und Azol-empfindlichen Aspergillus-Isolaten genutzt werden.


„Die Arbeit ist interessant, weil sie nicht nur neue Erklärungsansätze für die unterschiedliche Wirkung dieser Medikamente auf verschiedene Pilze ermöglicht, sondern eventuell auch die Basis für neue therapeutische Ansätze oder neue Verfahren zur Resistenztestung bietet“, sagt auch Lehrstuhlinhaber Professor Oliver Kurzai. 

 
Für die weitere Forschungstätigkeit von Wagener und Kurzai bedeuten die aktuellen Ergebnisse: „Wir müssen uns weiter um die genaue Aufklärung des Wirkmechanismus kümmern. Eine Frage wäre etwa: Wieso machen Azole Patches?“


“Azole-induced cell wall carbohydrate patches kill Aspergillus fumigatus” by Wagener et al. Published by Nature Communications.

Kontakt

Dr. Johannes Wagener, Oberarzt, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Telefon: +49-(0)931-31 84941, E-Mail: j.wagener@ hygiene.uni-wuerzburg.de

Uniklinikum Würzburg: Poliklinik der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie neu gestaltet

Die Poliklinik-Räume der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Würzburger Zahnklinik wurden in der zweiten Hälfte des letzten Jahres umgebaut und neu gestaltet. Die gefundenen Lösungen haben sich in den ersten Betriebsmonaten bestens bewährt.

In der Ambulanz der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (MKG) des Uniklinikums Würzburg (UKW) werden alle zahnärztlich-chirurgischen Behandlungen durchgeführt – von der einfachen Zahnextraktion bis hin zu umfangreichen Zahnimplantationen und Kieferaufbauten. Zwischen 16.000 und 17.000 Patienten werden in den entsprechenden Räumen im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit am Pleicherwall in der Würzburger Innenstadt pro Jahr therapiert. „Bislang stand uns dazu ein rund 15 Jahre alter Poliklinik-Bereich mit etlichen strukturellen Mängeln zur Verfügung“, beschreibt Prof. Dr. Alexander Kübler. Der Direktor der MKG fährt fort: „Manche dieser Mängel gingen zu Lasten der Privatsphäre unserer Patienten. So waren die Behandlungsstühle nicht baulich voneinander abgeschirmt und bei großem Patientenaufkommen hatten wir Probleme, speziell die Bettlägerigen in angemessenen Wartezonen unterzubringen.“

Eigenentwicklung des Uniklinikums Würzburg

Um hier Abhilfe zu schaffen, entwickelte die MKG-Chirurgie zusammen mit den Experten des Geschäftsbereichs „Technik und Bau“ am UKW ein neues Raumkonzept, das zwischen August und Dezember 2017 in einem tiefgreifenden Umbau realisiert wurde. Dabei führten die Bauleute den Bereich auf Rohbauniveau zurück.
Von den vorher sieben Behandlungsplätzen wurde einer zugunsten einer „Holding-Area“ für wartende bettlägerige Patienten „geopfert“. Die sechs Einheiten stehen jetzt in freundlich-hellen und vor allem mit Schiebetüren separierten, wiederaufgebauten Kabinen, wobei auch gleich die in die Jahre gekommenen Behandlungsstühle gegen topaktuelle Modelle ausgetauscht wurden.
Darüber hinaus kreierten die Planer eine deutlich attraktivere Anmeldezone inklusive einer neuen Empfangstheke.

Hochfunktionell und attraktiv

Seit dem Jahreswechsel 2017/18 ist die neue Poliklinik in Betrieb – und nach den Erfahrungen der ersten Monate ist Prof. Kübler voll des Lobes: „Schon die Planung und Durchführung des Projekts waren mustergültig. So hielt die von Bertram Bräutigam geleitete Bau-Abteilung nicht nur den Zeit-, sondern auch den Kostenrahmen exakt ein. Und das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach sehen lassen.“ Die neue Raumaufteilung ist nach seinen Angaben hochfunktionell sowie patienten- und mitarbeitergerecht. „Mit dieser Lösung können wir nicht nur zeitgemäß arbeiten, sie hilft uns auch, die Privatsphäre der Patienten bei den Eingriffen zu schützen“, erläutert der Klinikdirektor. Das I-Tüpfelchen des gelungenen Umbaus ist für ihn das klare und moderne Design, das die Bau-Spezialisten des UKW dem neuen Ambulanzbereich gaben.

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Deutsche Krebshilfe fördert CCC Mainfranken erneut mit drei Millionen Euro

Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken ist und bleibt ein Onkologisches Spitzenzentrum. Das bestätigt die kürzlich erfolgte, turnusgemäße Begutachtung durch die Deutsche Krebshilfe. Die erfolgreiche Re-Zertifizierung ist verbunden mit einer erneuten Förderung von drei Millionen Euro in den kommenden vier Jahren.

Mit dem seit dem Jahr 2007 bestehenden Förderprogramm „Onkologische Spitzenzentren“ will die Deutsche Krebshilfe dazu beitragen, die Krebsmedizin bundesweit immer weiter zu verbessern. Integrierte Krebsbehandlungs- und Krebsforschungs-Zentren, die zu dieser Königsklasse gehören und in den damit verbundenen Genuss der Fördergelder kommen wollen, müssen sich alle vier Jahre einem Begutachtungsprozess durch eine internationale Gutachterkommission stellen. So, wie es in diesem Jahr das Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken tat. Für die Würzburger Einrichtung war dies schon die zweite erfolgreiche Begutachtung seit der Erstaufnahme in den Kreis der Spitzenzenten im Jahr 2011.
Ergebnis: Das Zertifikat wurde für weitere vier Jahre zuerkannt und die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Exzellenzzentrum in den kommenden vier Jahren jährlich jeweils mit 750.000 Euro, was einer Gesamtförderung von drei Millionen entspricht.

Zentrale Anlaufstelle für Krebspatienten der Region

Das CCC Mainfranken ist ein sich auf ganz Mainfranken ersteckendes Zentrums-Netzwerk. Als Hauptleistungsträger und Organisationsmittelpunkt fungiert das Uniklinikum Würzburg (UKW). Dessen Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Georg Ertl, ist dankbar für die wiederholte Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe und stolz auf die Leistungsfähigkeit der vom UKW und der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg grundfinanzierten Einrichtung: „Die Re-Zertifizierung bestätigt, dass das CCC Mainfranken seinem Auftrag als zentrale Anlaufstelle für Krebspatienten voll nachkommt. Sie werden hier interdisziplinär nach den aktuellen medizinischen Leitlinien behandelt und auf jede erdenkliche Weise – auch psychosozial – begleitet. Außerdem wird am CCC Mainfranken auf Spitzenniveau geforscht, was entscheidend zur internationalen Sichtbarkeit des Medizin- und Gesundheitsstandorts Würzburg beiträgt.“
Prof. Dr. Ralf Bargou, der Direktor des CCC Mainfranken, ergänzt: „Die Existenz eines interdisziplinären Krebszentrums ist zudem eine wichtige Voraussetzung für weitere zentrale Förderprogramme der Deutschen Krebshilfe, wie beispielsweise die Auswahl von Würzburg als eines von fünf deutschen Zentren für die Förderung eines neuen, auf die Tumorforschung ausgerichteten Mildred-Scheel-Nachwuchszentrums, das in den kommenden fünf Jahren mit zehn Millionen Euro unterstützt wird.“

Tumorboards für bestmöglichen, individuellen Behandlungsplan

Eine Kernfrage ist: Wie profitieren Menschen mit Tumorerkrankungen in der Region Mainfranken von einem Onkologischen Spitzenzentrum vor Ort? „Eine unserer wesentlichen Aufgaben ist die fächerübergreifende Versorgung“, schildert Prof. Bargou und fährt fort: „Um für jeden Krebspatienten den bestmöglichen Behandlungsplan zu erstellen, führen wir interdisziplinäre Fallkonferenzen, so genannte Tumorboards, durch. Hierbei erarbeiten die beteiligten Fachärzte in einer Konferenz für jeden einzelnen Patienten gemeinsam die Diagnose und einen individuellen Therapieplan. Dies erhöht die Behandlungsqualität ganz erheblich.“ Das multidisziplinäre Expertenteam bespricht in 18 wöchentlich stattfindenden Konferenzen allein am Würzburger Uniklinikum pro Jahr über 5.000 Fälle – in der Gesamtheit des regionalen Versorgungsnetzwerks sind es mittlerweile jährlich über 10.000.
Eine weitere wichtige Serviceleistung des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken sind interdisziplinäre Sprechstunden. Hier werden Patienten mit besonders komplexen Therapien gemeinsam von den an der Behandlung beteiligten Fachdisziplinen gesehen.

Erfolgsgeschichte Lotsensystem

Bestens bewährt hat sich laut Prof. Bargou zudem das vor vier Jahren gestartete Lotsensystem. Hierbei nehmen speziell geschulte Krankenschwestern und Medizinische Fachangestellte die Krebspatienten ab der Diagnosestellung quasi bei der Hand und sorgen dafür, dass sie das breite Behandlungs- und Unterstützungsprogramm des CCC Mainfranken auch sicher und zeitnah durchlaufen. Zudem sind die Lotsen zuverlässiger Ansprechpartner für Patienten, Angehörige sowie zuweisende Ärzte und stellen eine schnelle und gezielte Terminvergabe am Uniklinikum sicher. „Mittlerweile können wir auf einen Stab von sieben Lotsinnen zugreifen, die mit ihrem Spezialwissen fast alle Tumorarten abdecken“, berichtet Prof. Bargou. Dieser Service soll in naher Zukunft weiter personell aufgestockt werden.

Garant für flächendeckend hochwertige Versorgung

Zu den zentralen Forderungen und Prüfkriterien im Zertifizierungsprozess der Deutschen Krebshilfe gehört die „flächendeckende Leistung“. Dem kommt das CCC Mainfranken durch eine sehr gute Vernetzung in der Region nach. Aktuell hat die Einrichtung 33 regionale Partner: Krankenhäuser, niedergelassene Fachärzte und Reha-Einrichtungen. „Mit diesem Netzwerk sind wir in der Lage, auch in ländlich geprägten Räumen hochwertige Leistungen anzubieten. Der weitere Ausbau des regionalen Versorgungsnetzwerks ist eines der zentralen Ziele des CCC Mainfranken in den kommenden vier Jahren. Wir sind daher offen für innovative Kooperationsmodelle und Technologien, wie zum Beispiel Telemedizin“, unterstreicht Prof. Bargou.

Spitze in der Erforschung neuer Therapieansätze

Neben der Behandlung und Betreuung der Krebspatienten auf höchstem Standard wird am CCC Mainfranken auch Spitzenforschung betrieben. So zählt die Einrichtung zum Beispiel zu den weltweit führenden Zentren auf dem Gebiet der Immuntherapie. Außerdem wurde in den letzten Jahren ein neuer Forschungsschwerpunkt im Bereich der personalisierten Medizin – oder auch Präzisions-Onkologie – aufgebaut. „Bei unseren Forschungsbemühungen geht es uns in erster Linie um den Transfer vom Labor ans Krankenbett“, beschreibt Prof. Bargou. Ein Punkt, den auch die Gutachter bei der Re-Zertifizierung besonders würdigten.

Vorbildlich bei experimentellen Therapien

Eine Struktur des Zentrums, die es erlaubt, neueste Erkenntnisse aus der Forschung möglichst rasch bei ansonsten unheilbaren Krebserkrankungen klinisch anzuwenden, ist die Phase I-Unit oder auch Early Clinical Trial Unit (ECTU). Die ECTU ist eine hochspezialisierte, interdisziplinäre klinische Einheit, die sich ausschließlich auf die Durchführung neuer und experimenteller Therapieansätze zur Behandlung von Krebspatienten konzentriert. Die Phase I-Unit des CCC Mainfranken war eine der ersten Einheiten dieser Art in Deutschland und hat mittlerweile eines der größten entsprechenden Studienprogramme in Europa. „Unsere ECTU hat mindestens deutschlandweiten Vorbildcharakter. So empfangen wir häufig Abordnungen anderer Uniklinika, die sich über die hier gefundenen Lösungen und Strukturen informieren“, zeigt sich Prof. Bargou zufrieden.
Eine weitere Stärke des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken liegt in der Entwicklung neuer, besonders schonender Verfahren bei der Strahlentherapie, der Entwicklung neuer operativer Verfahren – sogenannter Präzisionschirurgie – und der molekularen Bildgebung. Letztere ermöglicht eine noch präzisere Diagnostik und damit auch eine noch effektivere Therapie.

Viele therapiebegleitende Angebote

Auch bei den therapiebegleitenden Angeboten ist das CCC Mainfranken stark. Dazu zählen beispielsweise eine enge Kooperation mit Selbsthilfegruppen, eine Sprechstunde für komplementäre Onkologie und integrative Medizin sowie Beratung und Hilfe bei psychosozialen Problemen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung.

Forderung: In Zukunft adäquate Finanzierung auch durch Krankenkassen

Dass die beim CCC Mainfranken und den anderen deutschen Onkologischen Spitzenzentren offerierte Leistungsvielfalt ihren Preis hat, liegt auf der Hand. „Dieses hohe Niveau der Patientenversorgung ist nur durch erhebliche Mehrleistungen der Zentren möglich, die weit über eine Regelkrankenversorgung hinausgehen und daher mit einem erheblichen finanziellen Mehraufwand in den Zentren verbunden sind“, sagt Gerd Nettekoven. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe betont: „Unsere Förderung deckt nur einen Teil dieser Mehrleistungen ab. Wir haben dies kürzlich durch ein unabhängiges Gutachten ermitteln lassen“. Im Nationalen Krebsplan sei die Bedeutung zertifizierter Versorgungsstrukturen als essenziell für die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung hervorgehoben und somit in der Gesundheitspolitik platziert. „In Zukunft wird es darum gehen, die Finanzierung dieser Strukturen adäquat und geregelt – auch durch die Krankenkassen – sicherzustellen“, so Nettekoven.
Mehr dazu unter www.krebshilfe.de und www.ccc.uni-wuerzburg.de

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Harmlos oder Hormonstörung? Neuer Test erlaubt schnelle Diagnose bei literweisem Trinken

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 02.08.2018

Bei der Suche nach einer besseren Diagnostik für eine spezielle Art von Diabetes können Wissenschaftler jetzt Erfolg vermelden. Ihr Verfahren führt einfacher und sicherer zur passenden Diagnose.

Wenn Menschen vermehrt Urin ausscheiden – bei Erwachsenen mehr als drei Liter am Tag – tun sich Mediziner unter bestimmten Umständen mit der Diagnose schwer. Neben einem „normalen“ Diabetes mellitus, der sich oft einfach mit einer Blutzuckermessung ausschließen lässt, gibt es drei wesentliche Ursachen als Auslöser: Eine zu geringe Produktion des Hormons Vasopressin, das entscheidend die Urinmenge steuert. In diesem Fall würde die Diagnose „Diabetes insipidus centralis“ heißen. Zum Zweiten eine verminderte Empfindlichkeit der Niere gegenüber diesem Hormon – was für einen „Diabetes insipidus renalis“ spricht. Oder zum Dritten eine stark gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme – Mediziner sprechen in diesem Fall von primärer Polydipsie, einer Form von übersteigertem Durst, die meistens mit der Zeit durch Gewohnheit entstanden ist oder eine Begleiterscheinung einer psychischen Krankheit sein kann.

Lebensgefahr bei falscher Diagnose

„Die genaue Unterscheidung dieser potenziellen Ursachen ist wichtig, weil sich die jeweiligen Therapien stark voneinander unterscheiden. Bei Diabetes insipidus muss mit dem Hormon Vasopressin behandelt werden, während Patienten mit der primären Polydipsie verhaltenstherapeutisch begleitet werden mit dem Ziel, die Trinkmenge zu reduzieren. Eine falsche Therapie kann lebensbedrohliche Folgen haben, da eine Therapie mit Vasopressin ohne Indikation zu einer Wasservergiftung führen kann“, sagt Professor Martin Fassnacht. Der Mediziner ist Leiter der „Endokrinologie und Diabetologie“ am Würzburger Universitätsklinikum.


Jetzt haben die Würzburger Hormonforscher gemeinsam mit der Professorin Mirjam Christ-Crain vom Universitätsspital Basel und der früheren Würzburger Endokrinologin, der Privatdozentin Dr. Wiebke Fenske, die inzwischen an der Universitätsklinik Leipzig ist, nach einer besseren Methode gesucht, mit der sich die verschiedenen Krankheitsformen besser diagnostizieren lassen. Die Ergebnisse dieser internationalen Studie konnten die Wissenschaftler jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlichen.

Ein aufwendiger und ungenauer Test

„Das bisherige Standard-Diagnoseverfahren in diesen Fällen ist der sogenannte ‚Dursttest‘“, erklärt Dr. Irina Chifu, die die vielen Würzburger Patienten maßgeblich mitbetreut hat. Zutreffender klingt der englische Name: Wasser-Entzugs-Test. Hierbei dürfen die Patienten 17 Stunden lang keine Flüssigkeit zu sich nehmen. Vorher und regelmäßig währenddessen wurden ihre Urinausscheidung, Blutdruck, Puls und ihr Gewicht gemessen; außerdem haben die Mediziner immer wieder Blut entnommen, um darin spezielle Parameter zu bestimmen.
Auch wenn der Dursttest aktuell das Standardverfahren zur Diagnose eines Diabetes insipidus ist, sind die Mediziner damit nicht glücklich. „Es ist technisch aufwendig und häufig ungenau“, erklärt Fassnacht.

Das neue Testverfahren

Basierend auf einer Idee von Professor Bruno Allolio, dem früheren Leiter der Würzburger Endokrinologie, unterzogen die Mediziner die Patienten einem zweiten Testverfahren. Dabei erhielten die Teilnehmer über drei Stunden hinweg eine genau definierte Menge einer Kochsalzlösung als Infusion verabreicht. Auch in diesem Fall wurde ihnen regelmäßig Blut entnommen, das anschließend auf seine Zusammensetzung und bestimmte Inhaltsstoffe untersucht wurde. Das besondere Interesse des internationalen Teams galt dabei dem sogenannten Copeptin, einem Vorläuferhormon des Vasopressins, das aber deutlich besser im Labor zu messen ist. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob sich die Konzentration von Copeptin nach der Kochsalzinfusion im Blut besser zur Diagnose eignet als der Dursttest.

Die Ergebnisse

Insgesamt 156 Patienten mit einer krankhaft vermehrten Ausscheidung von Urin haben über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg an elf medizinischen Zentren weltweit an der Studie teilgenommen, davon alleine über 45 aus Würzburg. Hierbei zeigte sich, dass der Kochsalzinfusionstest mit Copeptinmessung eine viel höhere diagnostische Treffsicherheit hat: 97 Prozent aller Patienten konnten damit richtig diagnostiziert werden, während dies beim aufwendigeren Durstversuch in weniger als 75 Prozent der Patienten der Fall war.
Dementsprechend fällt die Schlussfolgerung von Fassnacht eindeutig aus: „Die Bestimmung der Copeptin-Konzentration im Blut nach einer Kochsalz-Infusion ist dem Dursttest bei der Unterscheidung des Diabetes insipidus von der primären Polydipsie eindeutig überlegen.“ Und auch die Herausgeber des New England Journal of Medicine kommentieren, dass damit der neue Test zur Standarddiagnostik in dieser Situation werden wird.
A Copeptin-Based Approach in the Diagnosis of Diabetes Insipidus. Wiebke Fenske, Julie Refardt, Irina Chifu, ..., Martin Fassnacht, and Mirjam Christ-Crain. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1803760

Kontakt
Prof. Dr. Martin Fassnacht, Schwerpunktleiter Endokrinologie & Diabetologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg Telefon: +49 931 201-39021, Fassnacht_M@ ukw.de