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Weltweit oft zitiert

Ihre Arbeiten werden in den Publikationen anderer außergewöhnlich oft zitiert. Acht Forscher der Universität Würzburg erhalten dafür das Prädikat „Highly Cited Researcher“.

Im Jahr 2014 waren es drei Forscher der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg, die sich über die Auszeichnung als Highly Cited Researcher freuen konnten. 2018 waren es dann schon sechs JMU-Wissenschaftler, denen diese Ehre zuteilwurde. Und in diesem Jahr sind es stolze acht Forscher, die sich mit dem Prädikat schmücken können.

Mediziner neu in die Liste aufgenommen

Zwei Medizin-Professoren der JMU sind in der Highly-Cited-Liste für 2019 neu vertreten: Hans Konrad Müller-Hermelink, früherer Inhaber des Lehrstuhls für Pathologie, und Christoph Wanner, Experte für Nierenkrankheiten (Nephrologie).

Zum wiederholten Male gehören der Liste folgende Professoren an: der Mediziner Hermann Einsele, der Biophysiker Rainer Hedrich, der Pathologe Andreas Rosenwald, der Tierökologe Ingolf Steffan-Dewenter, der RNA-Forscher und Infektionsbiologe Jörg Vogel sowie der Chemiker Frank Würthner.

Grundlagen der Auswertung

Highly Cited Researcher – das bedeutet, dass zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen dieser Forscher besonders häufig in anderen Arbeiten zitiert werden.

Das auf Zitationsdaten spezialisierte Unternehmen Clarivate Analytics hat die aktuelle Highly-Cited-Liste erstellt und am 19. November 2019 im Web veröffentlicht. Grundlage der Auswertung ist die Datenbank „Web of Science Core Collection“, die wissenschaftliche Artikel aus rund 21.100 Fachzeitschriften auflistet. Für die 2019er-Auswertung haben die Analysten den Zeitraum von 2008 bis 2018 betrachtet.

Als häufig zitiert gelten Publikationen, die in ihrem Erscheinungsjahr zu den ein Prozent meistzitierten ihres Fachgebiets gehören. Nur wer gleich an mehreren solcher Highly Cited Papers beteiligt ist, wird in den exklusiven Kreis der Highly Cited Researchers aufgenommen. 2019 besteht dieser Kreis aus etwa 6.200 Persönlichkeiten weltweit.

Physiker unter den Citation Laureates

Neben der Liste mit den Highly Cited Researchers führt Clarivate Analytics eine weitere Liste mit sogenannten Citation Laureates. Diese kommen aus Sicht der Fachleute für den Nobelpreis in Frage. Dort wird seit 2014 der JMU-Physiker Laurens Molenkamp geführt. Um für diese Liste in Betracht gezogen zu werden, müssen Wissenschaftler über Veröffentlichungen verfügen, die mehr als 1.000 Mal zitiert wurden. Außerdem müssen ihre Arbeiten mit einer bedeutenden Entdeckung oder einem nobelpreiswürdigen Fortschritt verbunden sein.

Gratulation vom Universitätspräsidenten

JMU-Präsident Alfred Forchel gratuliert den Professoren: „Es ist sehr erfreulich, dass die Zahl der Highly Cited Researchers an der JMU in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Für eine Universität unserer Größe ist es überhaupt nicht selbstverständlich, dass so viele Wissenschaftler diese Auszeichnung erhalten. Wir können uns daher alle über dieses tolle Ergebnis freuen!“

Prof. Dr. Hermann Einsele

Der Leiter des Lehrstuhls für Innere Medizin II und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II ist Experte für Hämatologie, Onkologie, Immuntherapie und Infektionen bei Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist. Er hat eine Krebstherapie mit spezifisch veränderten Immunzellen entwickelt und diese auch erstmals in Europa klinisch eingesetzt. An Auszeichnungen erhielt er unter anderen 2003 den van Bekkum Award, seit 2015 ist er Vizepräsident der JMU. Unter seiner Leitung laufen immuntherapeutische Studien für viele Tumorerkrankungen. Er beschäftigt sich auch mit der Stammzelltransplantation gegen Blutkrebs und das Multiple Myelom und Infektionserkrankungen bei immunabwehrgeschwächten Patienten.

Prof. Dr. Rainer Hedrich

Der Inhaber des Lehrstuhls für Botanik I – Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik gilt als einer der Väter der Erforschung der elektrischen Signalübertragung bei Pflanzen. Er war weltweit der erste, der im Labor von Nobelpreisträger Erwin Neher die Arbeitsweise pflanzlicher Ionenkanäle bestimmte. Hedrich hat mehrere renommierte Preise erhalten. Im Projekt „Carnivorom“, das vom Europäischen Forschungsrat gefördert wird, erforscht er fleischfressende Pflanzen. Dabei entdeckte er unter anderem, dass die Venus-Fliegenfalle die Berührungen mit ihrer Beute zählt und die Falle erst nach einer ausreichenden Zahl von Reizen zuschnappen lässt.

Prof. Dr. Hans Konrad Müller-Hermelink

Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 war er Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten die molekularen Mechanismen der Krebsentstehung und die Charakterisierung krebsspezifischer Veränderungen in Tumorzellen. Der Fachmann für bösartige Erkrankungen des Lymphsystems hat die verlässliche Diagnostik dieser Tumoren geprägt und dazu beigetragen, dass Erkenntnisse der Forschung in die klinische Anwendung einfließen und individuellen Krebspatienten zu Gute kommen. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit der Rudolf-Virchow-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Pathologie.

Prof. Dr. Andreas Rosenwald

Der Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie ist Experte für die Diagnostik von Bluterkrankungen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der molekularen Entstehung von Tumoren des lymphatischen Systems. Dazu zählen diffuse großzellige B-Zell-Lymphome, follikuläre Lymphome und Mantelzell-Lymphome. Hier konnte seine Arbeitsgruppe zur biologischen Charakterisierung von molekularen Subgruppen beitragen, die derzeit auch unterschiedlich therapiert werden. Rosenwald ist Mit-Autor der WHO-Klassifikation maligner Lymphome.

Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter

Der Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie im Biozentrum ist Tierökologe, Insektenkundler und Imker. Er erforscht die Auswirkungen von Klimawandel, Habitatfragmentierung, Landnutzungsänderungen und invasiven Arten auf die Artenvielfalt von Insekten und deren Bedeutung für Ökosystemfunktionen. Seine Forschungen tragen zum Verständnis der Mechanismen bei, die das Vorkommen, die Häufigkeit und die Wechselbeziehungen von Arten bestimmen. In landwirtschaftlichen Systemen hat er wegweisende Untersuchungen zur Bestäubung von Kulturpflanzen, zur biologischen Schädlingskontrolle und zum Erhalt von Biodiversität durchgeführt.

Prof. Dr. Jörg Vogel

Der Direktor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung und Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie an der Medizinischen Fakultät der JMU erforscht regulatorische RNA-Moleküle in bakteriellen Krankheitserregern wie Salmonellen. Seine Arbeitsgruppe entwickelt neue, auf Hochdurchsatzsequenzierung beruhende Methoden, um RNA-Moleküle in hoher Auflösung zu erfassen und deren Wirkmechanismen zu verstehen. Der Biochemiker und Leibniz-Preisträger von 2017 ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und der Europäischen Molekularbiologie-Organisation EMBO.

Prof. Dr. Christoph Wanner

Der Leiter des Schwerpunktes Nephrologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Würzburger Universitätsklinikums ist Experte für Nierenkrankheiten bei Diabetes mellitus sowie für Herzkreislauferkrankungen bei Dialysepatienten und nach Nierentransplantationen. Durch weltweit angelegte klinische Studien konnte er erstmals zeigen, dass bei Diabetikern ein in der Niere wirksames Medikament das Fortschreiten der Nierenerkrankung bis hin zur Nierenersatztherapie entscheidend verzögern kann. Die Diagnostik, Prognoseerstellung und Therapie von Fettstoffwechselstörungen bei Nierenkranken sind weitere Schwerpunkte seiner Arbeit. 2018 erhielt er die Franz-Volhard-Medaille.

Prof. Dr. Frank Würthner

Der Leiter des Lehrstuhls für Organische Chemie II und Gründungsdirektor des Zentrums für Nanosystemchemie der JMU leistete grundlegende Arbeiten in der supramolekularen Materialchemie. Für die organische Elektronik und Photovoltaik entwickelt er supramolekulare Polymere sowie Nanomaterialien auf Basis von Funktionsfarbstoffen. Nach erfolgreichen Arbeiten zur Umwandlung von Sonnenlicht in Strom beschäftigt sich Würthner seit 2012 auch mit Farbstoff-basierten Materialien, die mit Sonnenlicht Brennstoffe erzeugen können. Hier setzt er auf biomimetische Konzepte und synthetische Nanosysteme. Für seine Arbeiten über Farbstoffaggregate verlieh ihm die Gesellschaft Deutscher Chemiker die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze.

Prof. Dr. Laurens Molenkamp

Dem Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Physik III gelang 2007 die Entdeckung des Quanten-Spin-Hall-Effekts. Molenkamp war außerdem der erste, der die neue Materialklasse der topologischen Isolatoren experimentell realisieren konnte. Seit seinem Durchbruch wird auf diesem Gebiet weltweit intensiv geforscht. Molenkamp erhielt unter anderem 2011 und 2017 jeweils mit 2,5 Millionen Euro dotierte ERC Advanced Grants und 2014 den Leibniz-Preis. 2017 kam die Stern-Gerlach-Medaille hinzu, die höchste Auszeichnung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Zur Website Highly Cited Researchers 2019
https://recognition.webofsciencegroup.com/awards/highly-cited/2019/

 

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Uniklinikum Würzburg: Zwei Förderpreise für Schmerzforschung an Teammitglieder der Neurologischen Klinik verliehen

Dr. med. Melissa Held und Dr. rer. nat. Lukas Hofmann von der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg erhielten von der Deutschen Schmerzgesellschaft Förderpreise für ihre wissenschaftlichen Arbeiten in der Schmerzforschung.

 

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. vergibt jährlich den Förderpreis für Schmerzforschung in den Kategorien „Klinische Forschung“ und „Grundlagenforschung“. Der von der Firma Grünenthal GmbH Deutschland gestiftete Preis würdigt Nachwuchswissenschaftler/innen, die sich in der Schmerzforschung mit einem im Jahr oder Vorjahr der Preisverleihung veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeit besonders hervorgetan haben.

Unter den diesjährigen, insgesamt sechs Preisträger/innen finden sich gleich zwei Forscher/innen aus der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg. In der Kategorie „Klinische Forschung“ erhielt die Medizinerin Dr. Melissa Held aus der Arbeitsgruppe um die Professorinnen Nurcan Üçeyler und Claudia Sommer den mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis für ihre Arbeit zu sensiblen Profilen bei Patienten mit schmerzhaften und schmerzlosen Nervenläsionen, d. h. dem Muster der Sensibilitätsstörung, das nach einer Nervenverletzung eintreten und zusammen mit einer vermehrten Expression von Entzündungsmediatoren zu Schmerzen führen kann. Veröffentlicht wurde sie in diesem Jahr in der Fachzeitschrift PAIN.

In der Kategorie „Grundlagenforschung“ ist der Biologe Dr. Lukas Hofmann aus der Arbeitsgruppe von Prof. Üçeyler einer der Empfänger des auf zwei Forscher/innen aufgeteilten zweiten Preises. Mit 3.500 Euro wurde seine Forschung zum Thema Pathophysiologie von Schmerz und Kleinfaserpathologie im Mausmodell des Morbus Fabry geehrt. In dieser Studie gelang es, besser zu verstehen, wie es durch krankheitsspezifische Ablagerungen von Sphingolipiden in den sensiblen Nervenzellen der Maus möglicherweise zu den typischen Fabry-Symptomen wie Schmerzen und Hautdenervierung kommt. Publiziert wurde sie im Jahr 2018 in der renommierten Fachzeitschrift eLIFE.

Die preisgekrönten Publikationen:

Held M, Karl F, Vlckova E, Rajdova A, Escolano-Lozano F, Stetter C, Bharti R, Förstner KU, Leinders M, Dušek L, Birklein F, Bednarik J, Sommer C, Üçeyler N. Sensory profiles and immune-related expression patterns of patients with and without neuropathic pain after peripheral nerve lesion. Pain. 2019 Oct;160(10):2316-2327. doi: 10.1097/j.pain.0000000000001623.

Hofmann L, Hose D, Grießhammer A, Blum R, Döring F, Dib-Hajj S, Waxman S, Sommer C, Wischmeyer E, Üçeyler N. Characterization of small fiber pathology in a mouse model of Fabry disease. Elife. 2018 Oct 17;7. pii: e39300. doi: 10.7554/eLife.39300.

 

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Preise vom Universitätsbund

Bei einem Festkonzert in der Neubaukirche hat der Universitätsbund, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der JMU, sechs Preise vergeben. Der Gesamtwert der Auszeichnungen: 98.000 Euro. Darunter 25.000 Euro für "Kinder retten Leben", einem Projekt für Wiederbelebungstrainings in Schulen.

 

Die Wissenschaften an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg fördern: Das ist das erklärte Ziel des Universitätsbundes Würzburg. Seit 1921 unterstützt er ausgewählte Projekte an der JMU und zeichnet herausragende Forscherinnen und Forscher aus.

Bei seinem öffentlichen Festkonzert am 14. November 2019 in der Neubaukirche vergab der Unibund erneut mehrere Preise. Vorsitzender David Brandstätter und Universitätspräsident Alfred Forchel überreichten die Auszeichnungen, die ein Gesamtfördervolumen von 98.000 Euro umfassen.

„Damit erhält die Universität einen großen Schub für die Förderung exzellenter Forschung und überragender Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler“, so Brandstätter.

Das Akademische Orchester der JMU unter Leitung von Markus Popp eröffnete den Konzertabend mit Gioachino Rossinis Ouverture „Die diebische Elster“. Auch das Preisträgerehepaar Franziska und Florian Glemser trug zum Musikprogramm bei – mit Stücken aus „Souvenirs de la Russie“ von Johannes Brahms und dem Konzert für Klavier und Orchester in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Die Glemsers erhielten den mit 5.000 Euro dotierten Musikpreis der Keck-Köppe-Stiftung.

Förderpreis der mainfränkischen Wirtschaft

Der Universitätsförderpreis der mainfränkischen Wirtschaft in Höhe von 35.000 Euro wird an das Projekt InstruNEXT von Vasilij Baumann vergeben, Gruppenleiter am Lehrstuhl für Technische Physik.

Es dient der Konfiguration eines Rechenclusters für maschinelles Lernen zur Prozesssteuerung von Molekularstrahl-Epitaxie-Anlagen (MBE). In solchen Anlagen werden hauchfeine Schichten oder Schichtfolgen von Materialien erzeugt, die unter anderem für die Halbleitertechnologie interessant sind. An der JMU ist ständig eine ganze Reihe von MBE-Anlagen in Betrieb, und sie produzieren laufend eine Vielzahl von Daten.

Die maschinenkontrollierte Steuerung dieser Anlagen stellt eine große Herausforderung an Optimierungsalgorithmen dar. Doch neue Methoden der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens, wie Baumann sie einsetzen will, eröffnen hier neue Möglichkeiten. Dabei können die Ergebnisse auch für andere komplexe Maschinen und Verfahren als Referenzen herangezogen werden, etwa in den Bereichen Elektronik, Kunststoffverarbeitung oder Medizintechnik.

Förderpreis der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp

Der mit 25.000 Euro dotierte Forschungsförderpreis der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp geht an ein Forschungsvorhaben von Professor Manfred Lutz. Dessen Team untersucht am Institut für Virologie und Immunbiologie molekulare Ursachen von Alzheimer und Parkinson.

Bei beiden Erkrankungen spielen unerwünschte immunologische Prozesse eine Rolle. Das Eingreifen in diese Vorgänge könnte helfen, die Krankheiten künftig zu therapieren. In diesem Zusammenhang erforscht das Team von Lutz ein vielversprechendes immunhemmendes Molekül.

Kinder retten Leben: Wiederbelebungstrainings in Schulen

Für das Projekt „Kinder retten Leben“ gibt der Unibund 25.000 Euro. Unter Leitung des Notfallmediziners Professor Thomas Wurmb vom Uniklinikum Würzburg bieten in diesem Projekt Fachleute aus der Medizin in Würzburger Schulklassen Wiederbelebungstrainings an. Die Kinder lernen unter anderem, wie man die Anzeichen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes erkennt, im Notfall richtig handelt und eine wirksame Herzdruckmassage durchführt.

Warum diese Initiative? In Deutschland liegt die Ersthelferquote für Wiederbelebungen unter 20 Prozent. In Dänemark sieht das anders aus. Dort hat laut Wurmb ein vergleichbares Projekt einen positiven Langzeiteffekt bewirkt: Die Ersthelferquote stieg von 20 auf 50 Prozent.

Röntgenpreis für Germanistin

Den mit 5.000 Euro dotierten Röntgenpreis vergeben der Universitätsbund und die JMU jährlich an herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen oder Nachwuchswissenschaftler der Universität. Für 2019 geht er an Dr. Christine Ott vom Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur.

Wie Lehrstuhlinhaber Professor Dieter Wrobel in der Laudatio sagte, zeige Dr. Ott ein für ihr Fach umfassendes und breit aufgestelltes Profil, das durch Publikations- und Vortragstätigkeiten belegt sei.

In ihrer Dissertation befasste sich Christine Ott mit sprachlich vermittelten Geschlechterkonzepten am Beispiel von Deutsch- und Mathematikbüchern für den Schulunterricht. Für die Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Georg-Eckert-Forschungspreis 2018, einer renommierten internationalen Auszeichnung des Leibniz-Instituts „Georg Eckert Institut für internationale Schulbuchforschung“.

Nach der Promotion habe sich die Röntgen-Preisträgerin unter anderem mit der Bildungsmedienforschung und dem Thema Diversität in Sprache und Literatur befasst. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind linguistische und didaktische Sprachkritikforschung, sprachbasierte Kulturanalysen, Diskurs- und Genderlinguistik, außerschulisches Lernen im Fach Deutsch, Literaturvermittlung in außerschulischen Bildungseinrichtungen oder Bildungsarbeit an Bibliotheken.

„Für eine Wissenschaftlerin in der Habilitationsphase ist eine solche Spreizung, die alle germanistischen Teilfächer umfasst und durch vermittlungswissenschaftliche bzw. fachdidaktische Konzepte rahmt, keinesfalls selbstverständlich“, so Wrobel. Dr. Ott hebe sich in herausragender Weise ab und lasse ein Profil sichtbar werden, das auf die Integration wissenschaftlicher Fragestellungen der Germanistik ausgerichtet ist. „Die Julius-Maximilians-Universität kann in jeder Hinsicht stolz darauf sein, eine derart engagierte, befähigte und viel versprechende junge Wissenschaftlerin in ihren Reihen zu haben“, so Wrobel.

Nachhaltigkeitspreis für den Forst

Den mit 3.000 Euro dotierten „Albrecht Fürst zu Castell-Castell-Preis für nachhaltiges Handeln“ nahm Hans Stark entgegen, Leiter des Universitätsforstamtes Sailershausen. Was viele nicht wissen: Die JMU besitzt rund 2300 Hektar Wald. Das geht auf Universitätsgründer Fürstbischof Julius Echter zurück, der seine Hochschule 1582 auch mit Ländereien ausstattete.

Der Preis des Unibundes würdigt Starks Konzept der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in Verbindung mit Forschungsprojekten zur Biodiversität. Das neu strukturierte Inventurverfahren im Universitätswald zum Beispiel ermöglicht eine genaue Vermessung des Holzvorrats und dadurch eine langfristig naturschützende Bewirtschaftung.

Zudem wirkt Starks Team darauf hin, die Wirtschaftswälder auch aus Sicht des Naturschutzes wertvoller zu gestalten. Teils wird auf die Nutzung von Holz verzichtet und Biotopbäume, etwa solche mit Nisthöhlen, werden ebenso im Wald belassen wie ein gewisser Anteil von Totholz. Zusätzlich erforscht JMU-Professor Jörg Müller, Leiter der Ökologischen Station Fabrikschleichach, auf 75 Versuchsflächen, welche Auswirkungen unterschiedliche Arten der Waldbewirtschaftung auf die Biodiversität von Wirtschaftswäldern haben.

Weblink

Universitätsbund Würzburg

Link zur Pressemitteilung der Universität Würzburg

Neue Gelehrtentafeln am Uniklinikum

Zahlreiche bedeutende Mediziner haben in Würzburg gelehrt und geforscht. An neun von ihnen erinnern jetzt Gelehrtentafeln, die im Universitätsklinikum an prominenter Stelle aufgehängt wurden.

Zum Beispiel Georg Ganter: Ein Name, mit dem vermutlich selbst unter Medizinern nur wenige etwas verbinden können. Dabei war Ganter ein Pionier der Inneren Medizin. In seiner Zeit als Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zwischen 1922 und 1926 hat er erkannt, dass sich das Bauchfell zur Entgiftung eignet. Als Erster hat er am Patienten sogenannte Peritoneal- beziehungsweise Pleuraspülungen zur symptomatischen Therapie eingesetzt und damit erfolgreich Giftstoffe aus dem Blut entfernt – was vor allem für Patienten, die an einem Nierenversagen litten, eine deutliche klinische Verbesserung bedeutete.

Jetzt erinnert eine Tafel an prominenter Stelle im Zentrum für Innere Medizin (ZIM) des Universitätsklinikums Würzburg an den Mediziner – zusammen mit acht weiteren Tafeln, auf denen so bekannte Namen zu lesen sind wie beispielsweise Rudolf Virchow oder Carl Caspar von Siebold, aber auch – außerhalb ihres Fachgebiets – weniger bekannte wie etwa Johann Georg Heine oder Albert von Bezold. Ihr gemeinsames Merkmal: Sie alle haben eine Zeit lang an der JMU gelehrt und geforscht, sie alle haben in ihrer jeweiligen Disziplin Herausragendes geleistet.

Umbruchzeiten in der Medizin

„Diese Tafeln hängen hier, in der Nähe zum Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin, an der richtigen Stelle. So können sie bei der jungen Generation ein historisches Bewusstsein erzeugen in einer Zeit, in der die Medizin von einem ähnlichen Umbruch betroffen ist wie im 19. Jahrhundert – der Zeit, in der die meisten der jetzt geehrten Mediziner tätig waren.“ Mit diesen Worten begrüßte Professor Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, die neuen Gedenktafeln.

Im 19. Jahrhundert sei die Medizin vor der Herausforderung gestanden, sich zu einer exakten Wissenschaft zu verändern und habe dabei ihre Position im Umfeld bereits etablierter Naturwissenschaften wie Physik und Chemie erst noch finden müssen. Schon damals sei die Befürchtung geäußert worden, dass dabei der Patient auf der Strecke bleiben könne, so Ertl. Ganz anders, aber trotzdem vergleichbar sei die Situation heute: „Die fortschreitende Entwicklung der Informatik und der Siegeszug der künstlichen Intelligenz sind der Auslöser dafür, dass ärztliches Handeln neu überdacht werden muss“, sagte Ertl. Schließlich gebe es mittlerweile Stimmen, die behaupten, dass künstliche Intelligenz den Arzt bald ersetzen werde.


JMU: Forschungsstark früher und heute

„Herausragende Forscherpersönlichkeiten sind für Universitäten ein bedeutendes Attribut“, sagt Unipräsident Alfred Forchel in seinem Grußwort. Vor allem in den Naturwissenschaften und in der Medizin habe die JMU bewiesen, dass sie besonders forschungsstark sei – in der Vergangenheit, wie die Gelehrtentafeln zeigen, aber auch in der Gegenwart, wie eine Vielzahl von hochrangigen Preisen für ihre Forscherinnen und Forscher beweisen. Natürlich seien Universitäten auch ein Ort der Lehre, so der Unipräsident. Was sie allerdings vorantreibe, sei in erster Linie die Forschung. Dementsprechend lautete Forchels Fazit: „Was uns auszeichnet ist die Forschung. Die Gelehrten, an die wir jetzt mit diesen Tafeln erinnern, haben dies auf beispielhafte Weise getan“.

Die Gelehrtentafeln – eine Initiative von Alumni

Die lange Tradition der Universität Würzburg im Stadtbild sichtbar machen und an berühmte Wissenschaftler erinnern, die hier gelehrt und geforscht haben: Mit diesem Ziel lässt die Universität schon seit einigen Jahren sogenannte Gelehrtentafeln an Häusern und Einrichtungen anbringen, in denen früher einmal bekannte Wissenschaftler gewohnt oder gewirkt haben. Umgesetzt wird das Projekt von Universitätsarchivar Dr. Marcus Holtz gemeinsam mit dem Präsidialbüro.

Die Initiative zum Projekt „Gelehrtentafeln“ ging von drei Alumni aus, von den Professoren Horst Brunner, August Heidland und Walter Eykmann. Ihnen ist es ein Anliegen, Universitätsgeschichte präsent und erfahrbar zu machen.

Bei Universitätspräsident Alfred Forchel stießen die drei mit ihrem Vorschlag auf begeisterte Zustimmung: „An den Tafeln können die Bürgerinnen und Bürger im Vorbeilaufen sehen, dass hier einmal Persönlichkeiten lebten, die mit ihren wissenschaftlichen Leistungen die Welt verändert haben“, so der Präsident.

Mit den neun neuen Gelehrtentafeln erhöht sich die Gesamtzahl dieser Erinnerungsorte im Würzburger Stadtgebiet jetzt auf 51. Geehrt werden damit 32 Wissenschaftler aus vergangenen Jahrhunderten – manche von ihnen mit mehreren Tafeln, beispielsweise weil sie mehrmals innerhalb der Stadt umgezogen sind oder weil sowohl an ihrem Wohnort als auch an ihrer Arbeitsstätte an sie erinnert wird.

Die neuen Gelehrten sind:

Ernst von Bergmann (* 16.12.1836 in Riga † 25.3.1907 in Wiesbaden; von 1878 bis 1882 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Chirurgie)
Von Bergmann war Wegbereiter der Hirnchirurgie und einer der bedeutendsten deutschen Chirurgen; wegen seiner Innovationen in der Wundbehandlung, wie dem Einsatz von dampfsterilisiertem Verbandsmaterial, gilt er als „Vater der Asepsis“.

Albert von Bezold (* 7.1.1836 in Ansbach † 2.3.1868 in Würzburg; von 1865 bis 1868 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Physiologie)
Von Bezold ist Wegbereiter der modernen Kardiologie, indem er die Existenz eines Gehirnzentrums für die psychische Beeinflussung des Herzschlags postulierte. Er ist außerdem Entdecker des Bezold-Jarisch-Reflexes, eines vom Herzen ausgehenden Schonreflexes.

Adolf Eugen Fick (* 3.9.1829 in Kassel † 21.8.1901 in Blankenberge; von 1868 bis 1899 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Physiologie)
Fick ist ein Wegbereiter der modernen Muskelphysiologie; er entwickelte das „Ficksche Prinzip“ zur Ermittlung des Herzminutenvolumens.

Georg Ganter (* 18.4.1885 in Unterschönmattenwag † 5.5.1940 in Rostock; von 1922 bis 1926 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Professur für Innere Medizin)
Ganter ist ein Pionier der Peritonealdialyse, mit welcher erstmals durch die erfolgreiche Entfernung von Giftstoffen eine klinische Besserung bei Nierenversagen erreicht werden konnte.

Johann Georg Heine (* 3.4.1771 in Lauterbach (Schwarzwald) † 7.9.1838 in Den Haag; von 1824 bis 1828 Demonstrator der orthopädischen Maschinenkunde an der Julius-Maximilians-Universität)
Heine ist ein Wegbereiter der Orthopädie in Deutschland durch die Entwicklung und Verbesserung mechanischer Behandlungsverfahren und weiterer maßgeblicher Erfindungen auf dem Gebiet der chirurgischen Mechanik.

Friedrich Daniel von Recklinghausen (* 2.12.1833 in Gütersloh /Westfalen † 26.8.1910 in Straßburg; von 1865 bis 1872 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Pathologische Anatomie und Geschichte der Medizin)
Von Recklinghausen ist der Entdecker der Mobilität und Phagozytose-Fähigkeit von weißen Blutzellen und damit Wegbereiter der modernen Entzündungslehre. Außerdem ist er Erforscher der nach ihm benannten von-Recklinghausen-Krankheit des Knochens.

Johann Lukas Schönlein (* 30.11.1793 in Bamberg † 23.1.1864 ebenda; von 1824 bis 1832 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Innere Medizin)
Schönlein war Wegbereiter der modernen Medizin durch die Abschaffung spekulativer Ansätze zugunsten von naturwissenschaftlichen Methoden. Er erkannte erstmals die Tuberkulose als eigenständiges Krankheitsbild und beschrieb erstmals die Purpura-Schönlein-Henoch, eine immunologisch bedingte Entzündung der kleinen Blutgefäße.

Carl Caspar von Siebold (* 4.11.1736 in Nideggen † 3.4.1807 in Würzburg; von 1769 bis 1807 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe)
Von Siebold ist Mitbegründer der modernen Chirurgie durch neue Operationsmethoden und Hygienemaßstäbe. 1805 führte er den ersten modernen Operationssaal der Welt ein.

Rudolf Virchow (* 13.10.1821 in Schivelbein † 5.9.1902 in Berlin; von 1849 bis 1856 Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Pathologie)
Virchow gilt als Begründer der Zellularpathologie, indem er den Nachweis erbrachte, dass Krankheiten auf Störungen der Körperzellen beruhen. Er setzte sich für eine medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ein.

Kontakt
Universitätsarchiv Würzburg, Dr. Marcus Holtz, T +49 931 31-86032,
uniarchiv@ uni-wuerzburg.de

Mehr Informationen zu den Gelehrtentafeln und den Gelehrten finden Sie hier: https://go.uniwue.de/gelehrte

Fotos von der Enthüllung in druckfähiger Qualität zum Herunterladen finden Sie hier:  https://go.uniwue.de/prdl

 

Link zur Pressemitteilung

 

 

Herzstillstand - wie schütze ich mich davor, wie lebe ich danach?

65.000 Menschen erleiden jedes Jahr allein in Deutschland einen plötzlichen Herztod, etwa 60.000 sterben daran. Das müsste nicht sein. Um über die Risiken, Diagnose- und Therapieverfahren aufzuklären, hat die Deutsche Herzstiftung den plötzlichen Herztod als Thema ihrer diesjährigen Herzwochen gewählt, die bundesweit immer im November stattfinden. In diesem Rahmen informieren Kardiologen aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) am 21. November von 17 bis 20 Uhr im Universitätsklinikum Würzburg (Hörsaal 1 im ZIM) über die Ursachen der bedrohlichen Herzrhythmusstörungen, wie man sie erkennt, behandelt und vermeidet.

In der Regel ist der plötzliche Herztod die Folge einer bislang nicht erkannten Herzkrankheit. Umso wichtiger ist es, Gefahren vorzubeugen, sie rechtzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln. Wichtigste Ursache ist die koronare Herzkrankheit (KHK), die zum Beispiel durch Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes sowie durch einen ungesunden Lebensstil bedingt wird. Unmittelbar ausgelöst wird der plötzliche Herztod fast immer durch das Kammerflimmern. Entsprechend groß ist die Verunsicherung bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Professor Dr. Christoph Maack, Sprecher des DZHI, wird am 21. November über die Ursachen und die Häufigkeit des plötzlichen Herztods referieren sowie Fragen zu Herzrhythmusstörungen beantworten.

An jedem 2. Arbeitstag wird am UKW ein Defi implantiert
Eine sehr wirkungsvolle Therapie gegen lebensgefährliche schnelle Rhythmusstörungen besteht in der Implantation eines kleinen Defibrillators, auch ICD genannt. Am Universitätsklinikum Würzburg wurden zum Beispiel im vergangenen Jahr 124 Defibrillatoren implantiert sowie 168 Herzschrittmacher. Professor Dr. Dr. Wolfgang Bauer wird die verschiedenen Möglichkeiten einer Devicetherapie (Device = Gerät) vorstellen. Für einen Erfahrungsbericht werden Mitglieder der ICD-Selbsthilfegruppe aus Würzburg zur Verfügung stehen.

Wie man sich mit etablierten medikamentösen Therapien vor dem plötzlichen Herztod schützen kann, erklärt Dr. Thomas Fischer. Ferner berichtet der Privatdozent über die modernen Katheter- und Navigationstechniken, mit denen krankhafte Bereiche im Herzmuskel gezielt verödet werden können.

Wenn die Seele mitleidet
Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes Thema ist die Seele. Denn viele Herzerkrankungen gehen mit Ängsten und Depressionen einher. Dr. Stefan Schulz wird Ansätze vorstellen, wie man das Leben von Herzkranken langfristig verbessern und Ängste reduzieren kann. Eine moderne, unkomplizierte und vor allem nachhaltige Lösung kann die Teilnahme an einem ICD-Forum sein, einem sechswöchigen, moderierten Internet-Training mit Hilfe zur Selbsthilfe.

Manchmal liegt es in den Genen
Abschließend wird Professor Dr. Brenda Gerull über das Risiko des plötzlichen Herztods bei angeborenen Herzerkrankungen sprechen. Vor allem das Auftreten des plötzlichen Herztodes in jungen Jahren ist typisch für eine erblich bedingte Herzrhythmusstörung oder Herzmuskelerkrankung. Daher plädiert die Kardiogenetikerin für eine detaillierte Ursachenklärung bei herzbedingten Todesfällen vor dem 45. Lebensjahr. So können in manchen Fällen Familienangehörige frühzeitig erfahren, ob sie möglicherweise dieselbe genetische Störung haben und ein hohes Risiko für eine Herzerkrankung vorliegt.

Moderiert werden die Vorträge mit anschließender Sprechstunde von Professor Dr. Ulrich Hofmann. Nach den Vorträgen gibt es die Möglichkeit, mit den Ärzten persönlich zu sprechen und sich über Defibrillatoren, Herzschrittmacher, aber auch über Erste-Hilfe-Maßnahmen zu informieren. Die Johanniter geben zum Beispiel Tipps für eine Herzdruckmassage.

Würzburger HNO-Klinik gibt den Themen Stimme und Schlucken zwei Foren

Das große Teilnehmerinteresse im Vorfeld beweist: Mit dem Würzburger Stimmtag 2019 unter dem Titel „Die professionelle Stimme“ am 22. November 2019 und dem Wullstein-Symposium 2019 mit dem Schwerpunkt Schluckstörungen am Tag darauf engagiert sich die HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg auf zwei hochaktuellen Themenfeldern.

 

Am Freitag, den 22. November, findet der Würzburger Stimmtag 2019 statt. Die diesjährige Neuauflage trägt den Titel „Die professionelle Stimme“. Bei der Kooperationsveranstaltung der Hochschule für Musik Würzburg und der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) betrachten Fachleute aus Musik und Medizin die professionelle Stimme aus künstlerischer, therapeutischer, gesangspädagogischer und medizinischer Perspektive. „Aus ärztlicher Sicht werden wird dabei unter anderem mögliche Auswirkungen von Allergien, Hormonstörungen und Sprechbelastungen auf die professionelle Stimme thematisieren sowie Maßnahmen zur Prävention und Stimmrehabilitation diskutieren“, kündigt Prof. Dr. h.c. Rudolf Hagen, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des UKW, an. Die Veranstaltung richtet sich gleichermaßen an Mediziner/innen, Therapeutinnen und Therapeuten, Musiker/innen, Musik- und Medizinstudierende sowie alle anderen Interessierten. „Dass wir mit den geplanten Inhalten und dem Konzept ein großes Informationsbedürfnis treffen, kann man daran ablesen, dass die Plätze im Kleinen Saal der Musikhochschule sehr schnell vollständig ausgebucht waren“, berichtet Dr. Fabian Kraus, Oberarzt der HNO-Klinik und einer der Organisatoren des diesjährigen Stimmtags.

Schluckstörungen als interdisziplinäre Herausforderung

Am Tag darauf ist der Hörsaal des Würzburger Kopfklinikums an der Josef-Schneider-Straße der Schauplatz des Wullstein-Symposiums 2019. Die in Fachkreisen weithin bekannte Veranstaltungsreihe ist benannt nach Prof. Horst Ludwig Wullstein (1906 – 1987), dem Begründer der modernen Ohrchirurgie und Ideengeber zum Bau der weltweit ersten Kopfklinik in Würzburg. In diesem Jahr widmet sich die Fachtagung den interdisziplinären Herausforderungen der Schluckstörung oder Dysphagie. „Einschränkungen des Schluckvermögens haben enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen“, unterstreicht Prof. Hagen und fährt fort: „In den letzten Jahren ist die Bedeutung von Schluckstörungen in vielen Fachdisziplinen mehr und mehr in den Vordergrund gerückt.“ Das Wullstein-Symposium ist nach seinen Worten eine gute Gelegenheit, sich über aktuelle Erkenntnisse rund um das Thema Dysphagie zu informieren und auszutauschen. „Neben multiprofessionellen Referenten aus verschiedenen lokalen, mit der HNO-Klinik assoziierten Einrichtungen konnten wir weitere Experten aus dem deutschsprachigen Raum für Vorträge gewinnen“, kündigt Dr. Kraus an, der auch diese Veranstaltung organisiert. Die Tagung richtet sich an Mediziner/innen aller Fachdisziplinen sowie an Therapeutinnen und Therapeuten. Auch hier sind bereits alle Plätze durch Anmeldungen belegt.

 

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Uniklinikum Würzburg: Neue Möglichkeiten für die Gentherapie durch ein „optimiertes Dornröschen“

Als Teil der Krebsimmuntherapie können die T-Zellen des Menschen durch gentechnische Veränderungen auf Tumorzellen „scharfgestellt “ werden. Ein deutsches Forschungsteam unter Beteiligung des Uniklinikums Würzburg hat ein Verfahren entwickelt, das die dazu erforderliche Genomveränderung in Zukunft noch preiswerter und sicherer machen kann.

Ein Transposon ist ein DNA-Abschnitt, der seine Position im Genom verändern kann. In der Gen- und Zelltherapie kann es dazu verwendet werden, um therapeutische Sequenzen in das Genom von Patientenzellen zu schleusen. Beispielsweise lassen sich mit diesem Vehikel T-Zellen aus dem menschlichen Immunsystem gentechnisch so umgestalten, dass sie Tumorzellen erkennen und attackieren können. „Sleeping Beauty“ ist ein künstliches Transposon, das auf Transposons beruht, die schon vor mehr als zehn Millionen Jahren in Fischen vorkamen. Die Eigenschaften dieser DNA-Abschnitte wurden rekonstruiert und „zum Leben erweckt“ – daher der Name, der auf die wachgeküsste Märchenfigur Dornröschen Bezug nimmt.

Eine Transposase ist ein Protein, das sich an das Ende eines Transposon bindet und – als Cut & Paste-Enzym – in das Genom der Wirtszelle integriert.

Neue Variante der Sleeping-Beauty-Transposase

Einem deutschen Forschungsteam, bestehend aus Wissenschaftler/innen des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg, des Uniklinikums Würzburg (UKW) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), gelang es nun, eine neue Variante der Sleeping-Beauty-Transposase mit stark verbesserten biochemischen Eigenschaften zu entwickeln. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden Anfang November 2019 in der britischen Fachzeitschrift Nature Biotechnology veröffentlicht.

„Das von uns entwickelte Protein kann in Säugetierzellen übertragen werden und bleibt dabei voll funktionsfähig, so dass bei Bedarf effiziente und stabile Genomveränderungen in den Zielzellen möglich sind,“ erklärt Dr. Orsolya Barabas, Gruppenleiterin des EMBL Heidelberg.

Unter anderem nützlich für die CAR-T-Zell-Produktion

Das optimierte Verfahren kann bei verschiedenen Zelltypen eingesetzt werden, einschließlich menschlicher Stammzellen und T-Lymphozyten. Letztere können mit Hilfe der Sleeping-Beauty-Transposase für die Krebsimmuntherapie mit einem künstlichen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet werden. „Bereits in dieser ersten Studie demonstrieren wir die Nützlichkeit unserer Methode für die CAR-T-Zell-Produktion und ihre Wirksamkeit in einem Versuchsmodell mit Mäusen", berichtet Dr. Michael Hudecek. Der Wissenschaftler der Medizinischen Klinik II des UKW und sein Team setzen nun die Forschung mit der Transposase zur Verwendung bei menschlichen Patienten fort. „Unsere Erwartungen in die klinischen Effekte der neuen Technologie sind hoch“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Krebsexperte und Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW fährt fort: „Wir hoffen, dass sich auf diesem Weg CAR T-Zellen wesentlich rascher und auch preiswerter generieren lassen. Damit würde diese hocheffektive Therapie für die Patienten schneller verfügbar und wohl auch noch breiter einsetzbar.“

Industriell herstellbar, preiswerter, sicherer

„Einer der wesentlichen Vorteile der neuartigen Technologie besteht darin, dass die Sleeping-Beauty-Transposase in industriellem Maßstab pharmazeutisch hergestellt werden kann, wodurch sie für Unternehmen für künftige therapeutische Anwendungen noch attraktiver wird“, erklärt Dr. Zoltán Ivics vom Paul-Ehrlich-Institut. Und Dr. Barabas ergänzt: „Unser neues Verfahren zur Zellentwicklung wird vorerst zu einer Kostensenkung und – durch eine erhöhte Genauigkeit und bessere Kontrolle der Methode – zu noch mehr Sicherheit bei medizinisch relevanten Genommodifikationen führen."

Literatur:

Querques, I., Mades, A., Zuliani, C. et al. A highly soluble Sleeping Beauty transposase improves control of gene insertion. Nat Biotechnol (2019) doi:10.1038/s41587-019-0291-z.

 

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