Dr. Johanna Wagner (links) und die Assistenz­ärztin Malika Aktanova bereiten mit dem Maschinen­perfusions-Verfahren HOPE die Spenderleber für die Transplantation bei der Jubiläums­patientin Petra Thierauf vor.

300 Lebertransplantationen durchgeführt

Ende November 2025 wurde die 300. Lebertransplantation am UKW durchgeführt. Durch die Spenderleber und den operativen Eingriff konnte die „Jubiläumspatientin“ eine weit fortgeschrittene Autoimmunhepatitis überleben.

Dr. Johanna Wagner (links) und die Assistenz­ärztin Malika Aktanova bereiten mit dem Maschinen­perfusions-Verfahren HOPE die Spenderleber für die Transplantation bei der Jubiläums­patientin Petra Thierauf vor.

300 Lebertrans­planta­tionen durchgeführt

Ende November 2025 wurde die 300. Lebertransplantation am UKW durchgeführt. Durch die Spenderleber und den operativen Eingriff konnte die „Jubiläumspatientin“ eine weit fortgeschrittene Autoimmunhepatitis überleben.

Im Jahr 1992 wurde die erste Leber in der Geschichte des UKW transplantiert. 33 Jahre später, am 23. November 2025, fand die 300. Lebertransplantation am unter­frän­kischen Krankenhaus der Maximal­versorgung statt. Die „Jubiläums­patientin“ Petra Thierauf (Jahrgang 1961) wurde im September 2025 vom Schweinfurter Leopoldina Krankenhaus ans UKW mit der Diagnose einer Autoimmunhepatitis überwiesen. „Bei dieser Erkrankung bildet das Immunsystem fälsch­licherweise Antikörper gegen die eigenen Leberzellen. Dadurch entsteht eine anhaltende Entzündung, die die Leber letztendlich zerstört“, beschreibt Prof. Dr. Johan Lock, der Leiter der Hepato­pan­kreatobiliären und Transplan­ta­tions­chirurgie des UKW. Eine Autoimmunhepatitis kann schlei­chend verlaufen oder – wie im Fall von Petra Thierauf – akut auftreten: Vom ersten Unwohlsein mit Müdigkeit und Schlafstörungen bis zur Vorstellung am UKW vergingen gerade mal neun Monate. Bei den Untersuchungen am von Prof. Dr. Andreas Geier geleiteten Schwerpunkt Hepatologie zeigte sich, dass die Leber der Patientin schon so weit geschädigt war, dass es keine Alternative zu einer Transplan­tation mehr gab.

Passende Spenderleber nach fünf Wochen verfügbar

Am 16. Oktober wurde Petra Thierauf von der gemeinnützigen Stiftung Euro­trans­plant in die Warteliste für ein Spender­organ aufgenommen. Nach etwa fünf Wochen zu Hause in Bad Kissingen kam am 23. November der erlösende Anruf vom UKW, dass eine passende Leber zur Verfügung stehe. „Ich wusste gar nicht, wo mir der Kopf steht vor lauter Freude“, berichtet die zierliche Frau. Diese Zierlichkeit schränkte die für Petra Thierauf potenziell in Frage kommenden Organe ein: Zum Beispiel hätte die Leber eines ­großen Mannes in ihrem Körper nicht genug Platz gefunden. „Diese Hürde konnte glücklicherweise durch eine passende Leber einer jungen Spenderin überwunden werden“, schildert Dr. Johanna Wagner. Die stellvertretende Leiterin der Trans­plan­tationschirurgie des UKW führte zusammen mit einem interdisziplinären Operations­team am selben Tag den Eingriff durch.

Vorbereitung der Spenderleber mit Perfusionsverfahren

Vor der Transplantation wurde die Leber dem Maschinenperfusionsverfahren HOPE (Hypothermic Oxygenated Perfusion) unterzogen. Dabei wird die ­Leber bis zur Transplantation über ein Pumpensystem mit Sauerstoff versorgt. So können die Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen – wieder Energie aufbauen und die Leber re­generiert sich. „Das ist entscheidend, weil mitochondriale Schäden eine Hauptursache für frühes Transplantatversagen sind“, erläutert Wagner. Darüber hinaus werden bei dem Verfahren belastende Stoffwechsel­zwischenprodukte abgebaut. Die etwa zwei- bis vierstündige Prozedur erfolgt unter ­kalten Bedingungen von 8 bis 10 °C bis unmittelbar vor Einsetzen der Leber. „Die Maschinenperfusion sorgt nach­weislich für eine bessere Frühfunktion des Organs und weniger Komplikationen“, fasst die Chirurgin die wesent­lichen Vorteile zusammen. Ohne Komplikationen verlief auch die vierstündige Operation bei Petra Thierauf. Schon am zweiten Tag nach dem Eingriff konnte sie die Intensiv­station verlassen. „Ich bin von der ärztlichen und pflege­ri­schen Versorgung am Uniklinikum Würzburg vollkommen begeistert“, lobt die zufriedene Patientin und fügt hinzu: „Ich denke sehr oft mit Bedauern, aber voller Dankbarkeit an die mir unbekannte junge Frau, die mir durch ihre Organspende dieses wunderbare Geschenk für ein weiteres Leben gemacht hat.“ Die von nun an dauerhaft einzunehmenden Immun­suppressiva sorgen nicht nur dafür, dass ihr Körper die fremde Leber nicht abstößt, sondern lösen auch das Problem mit der grundsätzlich fortbestehenden ­Autoimmunhepatitis.

An der Verabschiedung der Jubiläumspatientin Petra Thierauf und ihrem Ehemann Christian nahmen von Seiten des UKW teil (von links): Prof. Dr. Tim J. von Oertzen (Ärztlicher Direktor), Prof. Dr. Johan Lock (Chirurgie I), Prof. Dr. Christoph-Thomas Germer (Direktor Chirurgie I), Vanessa Wagner (Chirurgie I), Dr. Johanna Wagner (Chirurgie I), Prof. Dr. Andreas Geier (Leiter Hepatologie), Dr. Monika Rau (Hepatologie), Dr. Anna Herzog (Leiterin Transplantationszentrum), Malika Aktanova (Chirurgie I) und Dr. Axel Steinke (Leiter ITS Chirurgie I).

Große Verabschiedung der Jubiläumspatientin

Am 5. Dezember 2025 wurde Petra Thierauf nach Hause entlassen. Wegen des Jubiläums gab es für sie eine große Verabschiedung mit Vertreterinnen und Vertretern der vielen am Lebertrans­plantationsprogramm des UKW be­teiligten Disziplinen. „Transplantationen gehören zu den komplexesten Eingriffen der modernen Medizin – sie erfordern höchste chirurgische Präzision, fächer­übergreifende Zusammenarbeit und ein perfekt eingespieltes Team“, sagte Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, der Ärzt­liche Direktor und Vorstands­vorsitzende des UKW, und fuhr fort: „Dass wir ­diese Herausforderung so erfolgreich meistern, erfüllt mich mit großer Wertschätzung für unsere Mitarbeitenden und mit Dankbarkeit gegenüber den Organ­spender­innen und Organspendern.“ Petra Thierauf wünschte er im Namen aller Beteiligten von Herzen ­alles Gute und überreichte ihr einen Blumenstrauß.

Aktuelle Ausweitung des Lebertransplantations­programms

Das Lebertransplantationsprogramm des UKW wurde in den vergangenen Jahren spürbar ausgeweitet. „Allein im Jahr 2025 haben wir 37 Lebertransplantationen durchgeführt“, berichtet Dr. Anna Laura Herzog, die Leiterin des dortigen Transplantationszentrums. Nach ihren Angaben beträgt die durchschnittliche Fünf-Jahres-Überlebensrate bei diesem Eingriff am UKW über 70 Prozent.

Auf dem Weg zum Transplant Organ Recovery Center

Um die Ergebnisqualität weiter zu verbessern, setzt das Transplantations­zentrum konsequent auf die Einführung der Maschinenperfusion. Neben dem bei der Spenderleber von Petra Thierauf eingesetzten HOPE-Verfahren verfügt das UKW auch über ein weiteres Gerät zur „Dual Hypothermic Oxygenated Perfusion“ (D-HOPE). Dabei werden zwei Gefäße des Organs gleichzeitig mit einer sauerstoff­angereicherten Lösung durchströmt – die Leberarterie und die Pfortader. Dieses Vorgehen ermöglicht eine Organkon­ser­vierung von bis zu 24 Stunden und verbessert die Organfunktion nach der Transplantation, besonders bei Spenderorganen mit Risiko­faktoren wie zum Beispiel Fettleber. Als weiteren Schritt auf diesem Weg wurde im Februar dieses Jahres die normotherme Maschinenperfusion (NMP) am UKW eingeführt. Statt mit einer 8 bis 10 °C kalten Flüssigkeit wird bei diesem High-End-Verfahren die Spenderleber vor der Transplantation bei Körpertemperatur mit sauerstoffangereichertem Blut durchströmt. Das bringt das Organ quasi in einen lebendigen, funktionierenden Zustand, noch bevor es transplantiert wird. „Mit diesen unterschiedlichen Perfusionsvarianten werden wir am UKW ein sogenanntes‚Transplant Organ Recovery Center‘ einrichten, in dem Spenderorgane nach der Organ­entnahme professionell aufbereitet, beurteilt, optimiert und für die Transplantation vorbereitet werden“, verdeutlicht Johan Lock. Die Empfängerinnen und Empfänger würden dabei von einer geringeren Ausschussrate von Spenderorganen, kürzeren Wartezeiten und einer erhöhten Sicherheit profitieren.

Pflege jetzt Teil der DGN

Die Pflege wurde im vergangenen Jahr als eigene Berufsgruppe in die Deutsche Gesellschaft für Nuklear­medizin (DGN) aufgenommen. Frank Beck, Krankenpfleger auf der nuklearmedizinischen Station M63 des UKW, leitet zusammen mit einer Kölner Kollegin die neugeschaffene Arbeitsgruppe.

Silke Kempf und Frank Beck von der nuklear­medi­zi­nischen Station M63 des UKW engagieren sich seit Jahren dafür, die Pflegeperspektive in der Nuklear­medizin zu stärken.

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) im April 2025 in Bremen wurde die Pflege als eigenständige Berufsgruppe in die Fach­ge­sellschaft aufgenommen. Pflege­fachkräfte sind nun gleichbe­rechtigt eingebunden: Sie können aktiv an der Jahrestagung teil­nehmen und pflege­rische Standards mitge­stalten. Mit der Anerkennung stärkt die DGN die Rolle der Pflege in der Patienten­versorgung und schafft eine zukunftsfähige Basis für interdisziplinären Austausch auf Augen­höhe.

Auch im Verein „Pflege in der Nuklearmedizin“ engagiert

Geleitet wird die neue Arbeitsgemeinschaft Pflege innerhalb der DGN von Ute Weber, Teamleiterin der Klinik für Nuklearmedizin der Uniklinik Köln, und Frank Beck, Kranken­pfleger auf der ­nuklearmedizinischen Station M63 des UKW. Beide fungieren schon seit längerem als Vorstandsvorsitzende des Vereins „Pflege in der Nuklear­medizin e.V.“. Bei der Tagung präsentierten sie gemeinsam mit Silke Kempf – ebenfalls von der NUK M63 – und René Heffels von der Uniklinik Köln im Rahmen eines Workshops pflegespezifische Themen.

Silke Kempf engagiert sich schon seit fast 25 Jahren für die Anerkennung durch die DGN. Bisher fiel die Berufsgruppe immer unter „Sonstige“ in der Strahlen­schutz­verordnung. Als Gründungsmitglied des bundesweit vernetzten Vereins „Pflege in der Nuklearmedizin e.V.“ setzt sie sich mit Kolleginnen und Kollegen für die Entwicklung pflegerischer Standards und Ablaufpläne ein. Zudem ist sie Mit­autorin des „Handbuch für den Pflegedienst“, das seit 2005 Pflegenden in der Nuklearmedizin als praxisnahe ­Orientierung dient. Aktuell wird die dritte Auflage vorbereitet.

Frank Beck, der sich seit 2013 im Verein engagiert, hat vor Jahren eine neue Homepage des Vereins ins Leben gerufen und betreut diese als Administrator (www.pflege-nuklearmedizin.de).

Autor: Frank Beck

Ziele und Tätigkeiten der AG Pflege in der DGN

▶ Die AG organisiert Fortbildungen, Seminare und Workshops, die Pflegekräften fundierte Kenntnisse in modernen Radionuklidtherapien, Strahlenschutz und theranostischen Konzepten vermitteln. Diese Angebote stärken das Fachwissen und fördern die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

▶ Ein zentrales Ziel der AG ist die Entwicklung und Etablierung von bundesweit geltenden Standards für die Pflege in der Nuklearmedizin. Diese sollen eine einheitliche und qualitativ hochwertige Versorgung gewährleisten und die Rolle der Pflege im interdiszi­pli­nären Team klar definieren.

▶ Pflegekräfte arbeiten eng mit Ärztinnen und Ärzten, MTRs und weiteren Fachbereichen zusammen, um die Qualität der Patientenversorgung zu optimieren. Die AG fördert den Austausch zwischen den Fachdisziplinen.

▶ Die AG ist in der Pflegeausbildung aktiv und begleitet Auszubildende sowie Fachweiterbildungen, um jungen Pflege­kräften praxisorientierte Perspektiven in der Nuklearmedizin zu bieten.

▶ Die AG trägt zur Forschung und Entwicklung von pflegerischen Standards in der Nuklearmedizin bei und engagiert sich in der Umsetzung innovativer Therapie­methoden und -konzepte.

Bilder: Katrin Heyer | Illustration: Valery - stock.adobe.com

Dr. Gerhard Schwarzmann verabschiedet

Dr. Gerhard Schwarzmann (Jahrgang 1962) stand über 37 Jahre in den Diensten des UKW. Am 20. November letzten Jahres verabschiedeten ihn der Klinikums­vorstand sowie viele Weggefährtinnen und Weggefährten bei einer Feierstunde im historischen Chirurgie-Hörsaal in den verdienten Ruhestand. Nach seinem Medizinstudium in Würzburg startete der gebürtige Oberfranke 1988 als wissenschaftliche Hilfskraft an der Klinik für Anästhesiologie des UKW. Es folgten die Anerkennung als Facharzt für Anästhesiologie im Jahr 1992 und eine weitere Karriere bis zum Oberarzt der Klinik.

Freude und Geschick beim Managen

Im Zusammenhang mit dem gesetzlich geforderten Aufbau eines Qualitäts­manage­­ments an Kranken­häusern ergab sich für ihn 2001 die Gelegenheit, als Datenschutz­beauftragter und Qualitätsmanager in die Verwaltung des Klinikums zu wechseln. „Mich reizte es, eine so große Einrichtung wie das UKW bei der langwierigen Entwicklung weg vom reinen Verwalten hin zum Managen zu begleiten“, schildert Dr. Schwarzmann und präzisiert: „Management bedeutet: lenken, leiten und steuern. Dabei halfen mir meine Freude an konzeptionellem, voraus­denkendem Arbeiten und die Begeiste­rung dafür, Prozesse zu verbessern, Risiken zu erkennen und Probleme praxisnah zu lösen.“ Ergänzendes fachliches Rüstzeug dazu lieferte ihm ein berufsbegleitendes Fernstudium der Gesundheitsökonomie.

Geschäftsbereichsleiter, Stabstellenleiter, Referent

Im Zuge der Verselbstständigung des UKW von der Würzburger Universität übernahm er 2006 die Leitung der sogenannten Abteilung A, die sich am Klinikum mit den Themen Bau, Strategie und örtliche Verwaltung beschäftigte. Die Abteilung wurde im Jahr 2013 in „Geschäftsbereich 1“ umbenannt, der zwei Jahre später aufgelöst wurde. Dr. Schwarzmann leitete von da an die Stabsstelle Qualitäts­manage­ment. Im Jahr 2018 wurde er zudem zum Referenten des Ärztlichen Direktors ernannt – eine Aufgabe, die er bis zu seinem jetzigen Ausscheiden innehatte. Zu den persönlichen Höhepunkten seiner Zeit am UKW zählt der scheidende Manager unter anderem:

▶ die Planung des Umzugs und der medizinischen Inbetrieb­nahme der entsprechenden Kliniken in das damals neu gebaute Zentrum für Operative Medizin,

▶ die aufwändige, erfolgreiche Vorbereitung der Begehung des Klinikums durch den Wissenschaftsrat im Jahr 2005,

▶ die Initiierung und Vorbereitung der Zertifizierung des UKW nach dem KTQ-Verfahren, einem der angesehensten Zertifikate der deutschen Krankenhaus­landschaft. Seit der Erstzertifizierung im Jahr 2014 fanden alle drei Jahre erfolgreiche Rezertifizierungen statt.

Bei Gewebespenden vorn dabei

Das Uniklinikum Würzburg war in 2025 eines der spendenstärksten Kranken­häuser im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebe­transplantation (DGFG). Von den 237 Gewebespenden in Bayern wurden allein 99 am UKW umgesetzt. Die Zustimmungs­quote lag dabei mit 46,8 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 37,9 %. Bei den deutschlandweit durchgeführten 4.188 Entnahmen spendeten 4.070 Personen nach ihrem Tod ihre Augenhornhäute. In 2025 ­wurden 6.370 Augenhorn­haut­trans­plantate zur Operation an Augen­kliniken vermittelt und ermöglichten es Patien­tinnen und Patienten, ihr Augenlicht zu erhalten oder wiederzuerlangen.

Augenhornhauttransplantat in einer Nährlösung.

Bild: DGFG

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