Mehr Zeit, für das, was wirklich wichtig ist

Babett Helm leitet die Früh-und Neugeborenen Intensivstation (C15) und die Interdisziplinäre Kinderintensivstation (D31). Administration und Dokumentation gehören zu ihrem Alltag – nicht zuletzt aufgrund der G-BA-Richtlinien. Doch auch wenn das Einhalten der Richtlinien manchmal Nerven kostet, für das Pflegeteam um Babett Helm haben sie auch ihr Gutes.

Vorsichtig hebt sie das Frühgeborene aus dem Inkubator und legt es erstmals auf die Brust der Mutter. „Das ist ein ganz besonderer Moment. Manchmal hat man sogar ein Tränchen im Auge“, sagt Babett Helm. Fast acht Stunden stehen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen an der Seite ihrer Patienten, die nicht selten weniger als 1.500 Gramm wiegen. Ihre Aufmerksamkeit gehört ganz den Kindern.

Die 33-Jährige leitet seit einem Jahr das gesamte Pflegeteam der Intensivstationen, das aus 65 Pflegekräften in Voll- und Teilzeit besteht. „Wir betreuen Früh- und Neugeborene im Perinatalzentrum sowie Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr auf unserer Interdisziplinären Intensivstation.“ In einem anderen Klinikum zu arbeiten, das könne sie sich nicht vorstellen. Sie fühle sich wohl und hätte alle Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung sowie zur interdisziplinären Zusammenarbeit auch mit anderen Berufsgruppen. Das zeigt auch ihr Lebenslauf: Seit 2004 ist sie am Uniklinikum. Hier hat sie ihre Ausbildung zur Kinderkrankenschwester absolviert. Es folgten berufsbegleitend Weiterbildungen zur Fachkinderkrankenschwester, in der Intensivpflege und zur Stationsleitung. Aufgrund der vielen administrativen Aufgaben arbeite sie allerdings nicht mehr täglich am Patienten.

Richtlinien bedeuten auch mehr Personal

Ein Blick in die Frühdienstbesetzung im Perinatalzentrum lässt den täglichen Organisationsaufwand erahnen. Das Team bespricht, wie viele Patienten in der Schicht betreut werden, wie alt, wie schwer und wie krank diese sind. Grundlage dafür sind die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Hier ist genau festgelegt, welche Kinder nach welchem Pflegeschlüssel betreut werden. Frühgeborene, die beispielsweise leichter als 1.500 Gramm sind und intubiert beatmet werden müssen, erhalten eine 1:1 Pflege. „Wir schauen aber auch auf Kriterien, die nicht in den Richtlinien stehen. Wenn ein Neugeborenes über 1.500 Gramm wiegt, jedoch schwer krank ist, bekommt dieser Patient natürlich ebenso eine 1:1 Betreuung.“

Nur wenn die G-BA-Richtlinien eingehalten werden, erlaubt der Gesetzgeber die Behandlung der kleinen Patienten am Klinikum. Dabei geht es nicht nur darum, schichtgenau den Betreuungsschlüssel einzuhalten und zu dokumentieren, auch muss immer eine Fachkinderkrankenschwester oder ein -pfleger im Dienst sein. „Einfach mal den Dienst tauschen, ist da nur nach Rücksprache und unter Berücksichtigung der bekannten Kriterien möglich“, so Helm. Zudem sei es ungerecht, dass langjährige Mitarbeiter, die durch ihre langjährige Erfahrung ebenso qualifiziert sind, nicht wie Kollegen mit Weiterbildung betrachtet werden.

Zeit, auch für die schweren Momente

„Während einer Schicht kann sich der Zustand eines Patienten verschlechtern, darauf reagieren wir im Sinne des kleinen Patienten kurzfristig und passen den Betreuungsschlüssel an, das heißt wir benötigen für die kommende Schicht mehr Pflegepersonal“, erklärt Babett Helm. In diesen Fällen unterstützen Pflegekräfte der Kinderintensivstation. Auch gibt es seit Anfang des Jahres einen Rufdienst.

Das Team hat sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen vorbereitet. „Seit zwei Jahren haben wir unser Pflegepersonal aufgestockt. Jetzt steht uns pro Schicht für die acht Intensivbetten im Perinatalzentrum ein Mitarbeiter mehr zur Verfügung.“ Hier zeige sich ein Vorteil der Richtlinien: „Wir haben mehr Personal und somit mehr Zeit für unsere Patienten und für die Eltern.“

Zeit ist vor allem nötig, wenn Eltern durch schwierige Situationen begleitet werden müssen. Zum Glück komme es nicht so oft vor, dass sie ein Kind verlieren. „Wir kümmern uns rund um die Uhr um unsere Kinder und bauen eine Bindung zu ihnen auf. Uns ist es deshalb auch wichtig, die Eltern in ihrem Schmerz zu begleiten.“ Doch möchten Babett Helm und ihre Kolleginnen und Kollegen lieber an die schönen Momente denken, an die Fotos von lachenden Kindern, die ihnen die Eltern nach der Entlassung schicken.