Operieren mit DaVinci: „Riesengeschenk für mein Chirurgenleben“

Digitalisierung und Industrie 4.0 halten im Uniklinikum Einzug. Immer mehr innovative Lösungen werden umgesetzt, die das Arbeitsleben am UKW erleichtern. Hierzu gehört auch der Operationsroboter „da Vinci Xi“, der seit Juni 2017 am UKW interdisziplinär für minimal-chirurgische Operationen eingesetzt wird. Neben den Urologen, Gynäkologen und Herz-Thorax-Chirurgen nutzen auch die Allgemeinchirurgen das Hochtechnologie-Gerät für ausgewählte Eingriffe. Allgemeinchirurgin Katica Krajinovic ist Anhängerin des Roboterassistierten Operierens und sieht viele Vorteile für Patienten und Mitarbeiter.

Arbeiten von einer Konsole aus

„Das Arbeiten mit dem Roboter „da Vinci Xi“ erleichtert die Abläufe bei einer OP ungemein“, schildert Privatdozentin Dr. Katica Krajinovic. „Der Chirurg sitzt abseits vom OP-Tisch an einer Konsole und steuert von dort den Eingriff. So kann er ergonomisch entspannt agieren. Die OP verfolgt er am Bildschirm und gibt per Touchscreen digitale Impulse an den Roboter, der mit seinen vier Armen eine Kamera und bis zu drei OP-Instrumente tragen kann. Die Kamera liefert Bilder in ausgezeichneter, hochauflösender 3D-Qualität. So erhalten wir Operateure eine ideale Sicht auf das eingegrenzte Operationsfeld im Körperinneren,“ schwärmt die Chirurgin. Darüber hinaus kann das „da Vinci-System“ die Bewegungswünsche des Chirurgen zitterfrei auf die Instrumente im Patienten übertragen. „Ein Roboter zittert nicht“, so die Chirurgin. „An Beweglichkeit und Präzision übertrifft er die menschliche Hand bei Weitem.“ Von dem neuen System profitieren die Patienten durch die schnellere Erholung. „Auch für die Ausbildung von Nachwuchsärzten ist der neue Roboter eine große Hilfe“, so Katica Krajinovic. „In Nordbayern ist das Uniklinikum das einzige Krankenhaus, das über ein System mit dualer Konsole verfügt.“ Dabei sitzt ein Arzt in Ausbildung dem Operateur gegenüber und verfolgt den Eingriff auf seinem Bildschirm spiegelbildlich. Bei Bedarf kann er einzelne Schritte während einer OP übernehmen - immer unter den wachsamen Augen des erfahrenen Chirurgen. So wird der junge Kollege Schritt für Schritt an die praktische Chirurgie herangeführt.

Teamgedanke stark ausgeprägt

Die Kommunikation zwischen Chirurg und Pflegekräften läuft bei dieser Form des Operierens über Lautsprecher ab. „Dies geht nur, wenn das Team gut aufeinander eingespielt ist und sich quasi blind versteht. Der Teamgedanke ist sehr ausgeprägt“, erläutert Katica Krajinovic. Dazu nötig ist eine klare, verständliche Sprache: „Ich muss meine Worte und Sätze exakt wählen, damit meine Anweisungen korrekt verstanden und vom Team umgesetzt werden“.

Wie wird das Operieren mit dem Roboter von den OP-Teams angenommen? „Zuerst waren einige Mitarbeiter aus der OP-Pflege etwas unsicher und hatten großen Respekt vor der ungewohnten Arbeitsweise“, erinnert sich die Chirurgin. „Gemeinsame Trainings unserer „Robotik-Teams“, die Hintergrundwissen vermittelten, haben zu mehr Sicherheit im Umgang mit dem Roboter geführt. Für die Pflegekräfte gehörte eine Einweisung in die Technik, Instrumentenkunde und Sterilität zum Weiterbildungskanon. Mit dem neuen Wissen und den ersten Erfahrungen sehen viele Pflegekräfte Vorteile für die eigene Arbeit, zum Beispiel in puncto eigenständiges Arbeiten.“

Potenzial für die Zukunft

Ca. 100 Schlüssellochoperationen haben die Viszeralchirurgen am Klinikum mit dem neuen „da Vinci-Roboter“ bzw. seinem Vorgänger inzwischen durchgeführt. Alle ohne intraoperative Komplikationen. „Das Operieren mit dem Roboter ist ein Riesengeschenk für mein Chirurgenleben“, freut sich Katica Krajinovic. Für sie ist das Operieren in dieser Form die Methodik der Zukunft: „In zehn bis 15 Jahren beherrschen alle jungen Chirurgen diese Technik. Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Wir werden uns immer weiter verbessern und präziser werden - und das kommt den Patienten am UKW zugute“, ist sie sich sicher.