Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg und Klinik Kitzinger Land: Gemeinsam gegen Antibiotikaresistenzen

Das Uniklinikum Würzburg wird künftig die Klinik Kitzinger Land bei der leitliniengerechten Antibiotikaanwendung unterstützen. Der Kooperationsvertrag ist ein Meilenstein auf dem Weg, durch einen regionalen Ansatz der Ausbreitung von multiresistenten Erregern entgegenzuwirken.

Am 24. November dieses Jahres schlossen Vertreter des Uniklinikums Würzburg (UKW) und der Klinik Kitzinger Land (KKL) einen Kooperationsvertrag zur Antimicrobial Stewardship (AMS). Darunter versteht man eine etablierte Methode, die darauf abzielt, die Verschreibungsqualität von Antiinfektiva zu verbessern. Antiinfektiva sind Arzneimittel zur Behandlung von Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Antibiotika und Antimykotika. Durch AMS sollen Resistenzen verhindert und gleichzeitig das Behandlungsergebnis der Patienten optimiert werden. „Hierfür braucht man ein interdisziplinär aufgestelltes Expertenteam, das eng mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeitet. Eine Leistung, die für kleinere Krankenhäuser mit eigenen Kräften organisatorisch und wirtschaftlich kaum umzusetzen ist“, sagt Dr. Daniel Holzheid, Oberarzt des KKL. Mit 205 Betten und jährlich rund 11.000 Fällen gehört die Klinik Kitzinger Land zu dieser Kategorie.

AMS-Visiten am KKL – und vieles mehr

Der Kooperationsvertrag mit dem UKW schließt diese Lücke. So wird ab jetzt die von Dr. Güzin Surat geleitete AMS-Arbeitsgruppe des Uniklinikums die Kitzinger Kolleg*innen beraten und schulen. „Gemeinsam werden wir zudem den Antibiotikaverbrauch und die Resistenzentwicklung bewerten sowie abgestimmte Therapiestandards einführen“, kündigt Dr. Surat an. Dazu wird die Infektiologin unter anderem wöchentlich für zwei- bis dreistündige AMS-Visiten an die KKL kommen. „Wir freuen uns, dass wir – gerade auch im Sinne der Patientensicherheit – mit dem UKW eine professionelle Lösung gefunden haben, unseren Beitrag im Kampf gegen die rasante Ausbreitung von multiresistenten Erregern und den damit einhergehenden Wirkungsverlust von Antibiotika zu leisten“, kommentierte KKL-Vorstand Thilo Penzhorn bei der Vertragsunterzeichnung. „Das Abkommen mit der Klinik Kitzinger Land ist die Blaupause für ähnliche AMS-Kooperationsverträge mit anderen unterfränkischen Krankenhäusern und unterstreicht die enge Kooperation der Region im Gesundheitswesen“, berichtet Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW. So lägen schon entsprechende Absichtserklärungen von drei weiteren Einrichtungen vor.

Auf dem Weg zu einem regionalen AMS-Kliniknetzwerk

Das UKW arbeitet derzeit an der Etablierung eines AMS-Kliniknetzwerks, um die Kommunikation zu stärken, die Fortbildung auf dem Gebiet der Antibiotikatherapie zu verbessern und die Therapieansätze in der Region zu vereinheitlichen. Auch das KKL unterstützt diese Netzwerkbildung. „Die Kliniken einer Region stehen durch Verlegungen in einem ständigen Patientenaustausch. Da ist es höchst sinnvoll, über eine verbesserte Kommunikation und Abstimmung zwischen den Häusern regional eine gleichbleibende Qualität der Antibiotikaversorgung sicherzustellen“, betont Prof. Dr. Ulrich Vogel, der Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW. Für die Netzwerkbildung unter Leitung des UKW wurde beim Bayerischen Gesundheitsministerium eine dreijährige Förderung als Anschubfinanzierung beantragt.
 
Kastentext:

Ein Teufelskreis in Zahlen

Der globale Verbrauch von Antibiotika ist in den letzten 15 Jahren um mindestens 65 Prozent gestiegen. Dabei zeigt sich insbesondere ein Anstieg im Einsatz von Antibiotika, die für die Therapie von schwerwiegenden Infektionen reserviert sein müssen. 30 bis 50 Prozent aller im ambulanten oder stationären Setting verordneten Antibiotika sind entweder falsch gewählt – zum Beispiel in Bezug auf die Substanzselektion, Dosierung und/oder Dauer – oder nicht indiziert. Dies führt in einem Teufelskreis zu einer Zunahme von Resistenzen. Andererseits fehlt die Entwicklung neuartiger Antibiotika. In Europa erkranken jährlich 670.000 Menschen an Infektionen mit Multiresistenten Erregern, in Deutschland zwischen 30.000 und 35.000. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Krankenhauskeimen wird für Europa mit rund 91.000 angegeben.

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Wie das Pflegeberufegesetz Karriereperspektiven gestaltet und die Position der Pflege stärkt - 7. Mainfränkisches Gesundheitssymposium

Neue Wege in die Pflege – unter diesem Motto stand das 7. Mainfränkische Gesundheitssymposium, das am 18. November 2020 von der Region Mainfranken GmbH in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Würzburg und dem Landkreis Bad Kissingen virtuell durchgeführt wurde.

Expertinnen und Experten aus dem Pflegebereich tauschten Ihre Meinungen zur Pflegereform aus und verschafften dem teilnehmenden Fachpublikum einen breiten Überblick über die neuen Bildungswege. Zu Beginn der Veranstaltung betonte Landrat Thomas Bold: „Der demographische Wandel stellt uns in Mainfranken vor immense Herausforderungen. Das Durchschnittsalter unserer Bürgerinnen und Bürger steigt und damit auch der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal. Wir müssen dafür sorgen, dass die Gesundheitsversorgung auch in ländlichen Gebieten nicht auf der Strecke bleibt. Die Digitalisierung der Medizin ist eine große Chance, aber auch hierfür braucht es spezialisierte Fachkräfte.“ Die neu eingeführte, generalistische Pflegeausbildung und die angestrebte Akademisierung des Pflegeberufes in Bayern sollen dazu beitragen, das Arbeitsfeld attraktiver zu machen.

Schülerzahlen seit Einführung der Generalistik gestiegen

Über die politischen Ansätze hinter der Reform und die geplanten Finanzierungswege berichtete Regierungsdirektorin Sonja Stopp vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in München. In ihrem Vortrag nannte sie die zahlreichen Vorteile der Generalistik. Mit der Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau wurde ein EU-weit anerkannter Abschluss etabliert, der unter anderem Erfahrungen im Ausland ermöglicht. Zudem erhielten Absolventinnen und Absolventen durch den Erwerb allgemeingültiger Kenntnisse die Chance, sich im Laufe ihrer Karriere nochmals umzuorientieren und den Tätigkeitsschwerpunkt im Pflegebereich zu wechseln. Die Attraktivität der neuen Ausbildung habe sich bereits bayernweit in einer steigenden Anzahl an Berufsanfängern niedergeschlagen. „Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Zahl der Ausbildungsanfänger um rund 700 erhöht – das ist weitaus mehr, als in den vergangenen Jahren. Diese Erkenntnis bestärkt uns darin, dass die Reform ein richtiger und wichtiger Schritt ist “, schlussfolgerte Frau Stopp.

Akademisierung steigert Qualität in der Gesundheitsversorgung

Über die Notwendigkeit einer stärkeren Akademisierung des Pflegeberufes berichtete
Frau Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck von der FH Bielefeld und gratulierte dem Uniklinikum in Würzburg zum neuen Studienangebot. Im Rahmen mehrerer Studien befasste sie sich bereits intensiv mit den Karriereverläufen von Pflegestudierenden und den Sichtweisen der Arbeitgeber. „Das Neue an den primärqualifizierenden Bachelorstudiengängen ist, dass Studierende für die klientennahe Pflege ausgebildet werden und nicht nur für bürokratische Tätigkeiten oder Leitungsfunktionen“, erklärte die Studiengangsleiterin. „Die Absolventen verfügen anschließend über klinisch-wissenschaftliches Fachwissen, das heutzutage dringend gebraucht wird“, sagt sie. Darüber hinaus verwies Prof. Latteck auf Forschungen, welche die Verbesserung der Betreuungsqualität durch den Einbezug studierter Pflegekräfte belegen.

Blick aus der Praxis

Wie das Wissen aus dem Studium im praktischen Klinikalltag weiterhelfen kann, schilderte Franziska Ottenbreit, Herzinsuffizienz Schwester am Uniklinikum Würzburg. Ihr habe das Masterstudium wertvolle Werkzeuge an die Hand gegeben, um schwierige Entscheidungen zu treffen, Projektgruppen zu leiten und selbst zu forschen. „Ich bin immer die Advokatin des Patienten und muss bestmöglich für seine Interessen eintreten. Hierfür ist ein breites Kompetenzspektrum nötig, das durch ein Studium gewährleistet wird “, argumentierte sie.

Ob Bachelor, Master oder Doktor – alle haben Sie Ihren Platz am Pflegebett

Im Anschluss an die Impulsvorträge fand eine rege Diskussionsrunde statt. Zunächst berichtete Prof. Dr. Georg Ertl, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg über die Einführung des Bachelorstudiengangs Pflege. Ab dem Wintersemester 2021/22 wird auch in seiner Institution angehenden Pflegekräften medizinischen Fachwissen gelehrt. „Die Studienpläne sind schon ausgearbeitet“, erzählte Prof. Ertl. „Corona beschert unserem Start natürlich erschwerte Bedingungen, doch wir bleiben am Ball.“ Wichtig ist dem Ärztlichen Direktor, dass künftig mehr Vertrauen in die Kompetenzen der Pflegekräfte entsteht und mehr Aufgaben offiziell delegiert werden. In diesem Punkt pflichtete ihm auch Günther Leimberger bei, ehemaliger Pflegedirektor des Uniklinikums und Initiator des Studienangebots. Er forderte, dass studierte Pflegekräfte ihr heilkundliches Fachwissen künftig eigenständig und vollumfänglich anwenden dürfen und erwartet, dass mit dem Studium neue Kompetenzbereiche für Pflegende hinzukommen. Den Blick auf die Situation in ländlichen Gebieten warf Dr. Ralph Brath, Hausarzt im Landkreis Bad Kissingen. Um die Gesundheitsversorgung trotz Hausärztemangel auf einem hohen Niveau zu halten, rät er zu Lösungen aus der Telemedizin. „Medizinisch ausgebildete Pflegekräfte können für uns Ärzte in diesem Bereich als rechte Hand fungieren. So muss nicht jedes Problem an den Arzt kommuniziert werden, sondern kann zum Teil direkt von dem oder der Pflegenden gelöst werden –auch mit digitaler Unterstützung.“

WEITERE INFORMATIONEN

Die Region Mainfranken GmbH – Hintergründe

Als Standortagentur der sieben mainfränkischen Landkreise, der beiden kreisfreien Städte Würzburg und Schweinfurt sowie der Wirtschaftskammern bündelt die Region Mainfranken GmbH die regionalen Kräfte in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zur Positionierung Mainfrankens im nationalen und internationalen Standortwettbewerb. Durch zielorientiertes Standortmarketing wird Mainfranken für potenzielle Fachkräfte, Investoren und Interessenten sichtbar. Gesellschafter der Region Mainfranken GmbH sind neben den beiden kreisfreien Städten Würzburg und Schweinfurt die Landkreise Bad Kissingen, Haßberge, Kitzingen, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Würzburg sowie die IHK Würzburg-Schweinfurt und die Handwerkskammer für Unterfranken.

KONTAKT FÜR RÜCKFRAGEN

Region Mainfranken GmbH - Åsa Petersson
Ludwigstraße 10 a, 97070 Würzburg
Tel.: 0931 - 452 652 11
E-Mail: petersson@ mainfranken.org


Pressemitteilung der Region Mainfranken GmbH vom 20.11.2020

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ZEP - 21. Präsentationsrunde wissenschaftlicher Forschungsprojekte

Mittwoch, 2. Dezember 2020 - 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Interdisziplinäres Zentrum für Suchtforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (IZSW)

 

 

Liebe Mitglieder des IZSW,
sehr geehrte Gäste,

Abhängigkeit im Sinne von Sucht führt zu einer Veränderung von Verhalten, Kognition und sozialer Interaktion, was in den internationalen Krankheitsklassifikationssystemen als „Psychische und Verhaltensstörung“ zusammengefasst wird. In Verbindung mit ihren zahlreichen neurologischen und internistischen Folgeerkrankungen stellen Abhängigkeits-erkrankungen somit ein relevantes medizinisches und gesellschaftliches Problem dar, dem man nur in einem interdisziplinären Ansatz gerecht wird. Diesen Umstand wollen wir erneut in unserer Präsentation von Forschungsprojekten des Interdisziplinären Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen (IZSW) beleuchten, die wir in diesem Jahr bedingt durch die Covid 19 – Pandemie erstmals in digitaler Form veranstalten wollen.

Diese neue Form der Veranstaltung eröffnet zugleich neue Möglichkeiten. So ist es uns gelungen, in diesem Jahr gleich zwei renommierte Referenten aus Übersee für Vorträge über ihre Forschung zu gewinnen. Zunächst werden Prof. Hugh Garavan aus Vermont über die Ursachen und Konsequenzen des Substanzgebrauchs bei Erwachsenen und dann Frau Prof. Harriet deWit aus Chicago über ihre Suchtforschung an gesunden Probanden sprechen. Die sonst bei Präsenzveranstaltungen an dieser Stelle übliche Kaffeepause werden wir danach wohl alle gemeinsam, doch jeder für sich vor unseren PCs und Laptops verbringen. Im Anschluss folgen Vorträge lokaler ReferentInnen zu verschiedenen Aspekten stoffgebundener wie nicht-stoffgebundener Abhängigkeiten mit den Themen Spielsucht, Nikotinabhängigkeit, Esssucht und Alkoholabhängigkeit.

Wir wenden uns mit dieser kostenfreien Veranstaltung an Kolleginnen und Kollegen aus Kreativtherapien, Medizin, Pflege, Pädagogik, Psychologie, Sozialpädagogik und alle, die mit dem Thema Abhängigkeitserkrankungen in Forschung, aber auch klinischem Alltag befasst sind. Die Zertifizierung wurde bei der Bayrischen Landesärztekammer beantragt.
Informationen zu Themen, Referentinnen und Referenten sowie Anmeldemöglichkeiten erhalten Sie auf den folgenden Seiten. Wir würden uns sehr darüber freuen, interdisziplinär mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. 

Prof. Dr. A. Kübler                     PD Dr. T. Polak
1. Vorsitzender des IZSW          Stellvertretender Vorsitzender IZSW



Programm

14.00 Uhr Begrüßung und Einführung
Jürgen Deckert
Moderation: Andrea Kübler

14.05 – 14.50 Uhr On causes and consequences of substance use in adolescence 
Hugh Garavan, Vermont, USA

14.50 – 15:35 Uhr Laboratory studies with psychoactive drugs: MDMA and LSD
Harriet deWit, Chicago, USA

Digitale Kaffeepause

Moderation: Thomas Polak

15.40 – 16.00 Uhr Behavioral and neural signatures of goal-directed control in addictive behaviors
Lorenz Deserno, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie

16.00 – 16.20 Uhr Evaluation einer longitudinalen Erweiterung einer Lehrveranstaltung zur Nikotinentwöhnung im Medizinstudium
Jessica Sudmann, Institut für Allgemeinmedizin

16.20 – 16.40 Uhr Mütter nach bariatrisch-metabolischer OP im Focus – Depression & Angst: die SPOt Mom Studie
Ann-Cathrin Koschker, Klinik für Innere Medizin I, Abt. Endokrinologie

16.40 – 17.00 Uhr Cognitive Bias Modification in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit – Theorie und Anwendung
Thomas Polak, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Im Anschluss Mitgliederversammlung des IZSW



Ansprechpartner für Rückfragen und Link zur Teilnahme
Frau Sabine Landolt, Landolt_S@ukw.de oder
Frau Gabi Lesch, Lesch_G@ukw.de, Tel. 0931 201-77110


Referentinnen und Referenten

Hugh Garavan, PhD
Professor of Psychiatry/Psychology The University of Vermont, College of Art and Sciences Department of Psychological Sciences, USA

Harriet deWit, PhD
Professor of Psychiatry and Behavioral Neuroscience The University of Chicago, Department of Psychiatry and Behavioral Neuroscience, Chicago, USA

Prof. Dr. med. Lorenz Deserno
W2-Professur für Experimentelle Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie. Universitätsklinikum Würzburg, Zentrum für Psychische Gesundheit, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Margarete-Höppel-Platz 1, 97080 Würzburg

Jessica Sudmann, cand. med.
Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Josef-Schneider-Str. 2/Haus D7, 97080 Würzburg

Dr. med. Ann-Cathrin Koschker
Universitätsklinikum Würzburg, Klinik für Innere Medizin I, Abteilung Endokrinologie, Versbacher Str. 6, 97080 Würzburg

Prof. Dr. rer. nat. Andrea Kübler
Dipl.-Biol., Dipl.-Psych., 1. Vorsitzende IZSW, Universität Würzburg, Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Psychologie I, Abteilung Interventionspsychologie, Marcusstr. 9 - 11, 97070 Würzburg

Prof. Dr. med. Jürgen Deckert
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg, Margarete-Höppel-Platz 1, 97080 Würzburg

PD Dr. med. Thomas Polak
Dipl-Chem., Oberarzt, Stellv. Vorsitzender IZSW Universitätsklinikum Würzburg, Zentrum für Psychische Gesundheit, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Margarete-Höppel-Platz 1, 97080 Würzburg


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Gemeinsam gegen Corona: Bayerische Universitätsklinika für Corona-Winter gut gerüstet

Wissenschaftsminister Bernd Sibler: „Vorausschauende Maßnahmen für bestmögliche medizinische Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten“ – passgenaue Konzepte zur bedarfsorientierten Erhöhung von Intensivkapazitäten vor Ort

 

MÜNCHEN. „Die sechs bayerischen Universitätsklinika sehen sich auch angesichts der aktuell hohen Infektionszahlen für die medizinische Versorgung von an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten sowie für die Behandlung weiterer Patientinnen und Patienten im bevorstehenden Corona-Winter gut gerüstet. Mit ihren Kompetenzen in Forschung und Patientenversorgung tragen sie entscheidend dazu bei, der Corona-Pandemie zu begegnen“, informierte Wissenschaftsminister Bernd Sibler heute in München. Die Staatsregierung stehe wie bereits während der ersten Corona-Welle im Frühjahr in engem Austausch mit den Einrichtungen und habe die verfügbaren Behandlungskapazitäten fest im Blick. „Unsere Universitätsklinika haben vorausschauende Maßnahmen ergriffen, um die bestmögliche medizinische Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten weiterhin zu gewährleisten. Unsere hohen medizinischen Standards sind selbstverständlich auch in der Pandemie der zugrundeliegende Maßstab jeder Behandlung.“

Intensivkapazitäten können kurzfristig erhöht werden

An den Universitätsklinika in Augsburg, Erlangen, München (LMU und TUM), Regensburg und Würzburg gibt es momentan rund 850 Intensivbetten, davon rund 650 mit Beatmungsmöglichkeit. Die Intensivkapazitäten können bei Bedarf rasch auf 1.000 Betten ausgebaut werden. Jedes Universitätsklinikum verfügt über ein passgenaues Konzept, um die Intensivkapazitäten im Bedarfsfall kurzfristig zu erhöhen. Angesichts der dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens sei es laut Sibler sehr wichtig, sich flexibel und schnell auf die Situation vor Ort einstellen zu können. „Unser Gesundheitssystem ist ohne Zweifel einer Belastungsprobe ausgesetzt. Unsere Universitätsklinika sind gewappnet, diese zu meistern“, so der Minister.

15 Millionen Euro für Forschungsprojekte zu COVID-19

Neben der Versorgung von Patientinnen und Patienten ist die Forschung zu SARS-CoV-2 – etwa zur Übertragung und Ausbreitung, zu Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffen – eine weitere zentrale Kompetenz der Universitätsklinika und Hochschulmedizin im Kampf gegen Corona. Der Freistaat unterstützt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Kräften bei ihrer wegweisenden Arbeit. „Unsere bayerischen Universitätsklinika spielen im Kampf gegen Corona eine herausragende Rolle. In zahlreichen Studien begleiten sie die Pandemie und tragen wertvolle, ja lebensrettende Erkenntnisse zusammen. Mit rund 15 Millionen Euro fördern wir verschiedene vielversprechende, teils auch standortübergreifende Forschungsprojekte an den bayerischen Universitätsklinika und medizinischen Fakultäten“, betonte Sibler. Unter anderem wurden erst im Oktober rund 800.000 Euro für den Bayerischen Forschungsverbund „FOR-COVID“, in dem die Universitäten in München, Erlangen-Nürnberg, Regensburg und Würzburg interdisziplinär kooperieren, bereitgestellt.

Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst vom 22.11.2020

Ko-Infektion: Die Summe ist mehr als ihre Teile

Infektionen mit zwei Erregern stellen in der Klinik ein großes Problem dar. Forscher aus Würzburg und Jena haben eine Technik entwickelt, die neue Einblicke in diese Prozesse liefert. Sie eignet sich auch als Frühwarnsystem.

Organ- und Stammzelltransplantationen sind heutzutage im klinischen Alltag bewährte und häufig eingesetzte Methoden. Doch auch wenn sie an spezialisierten Zentren oft durchgeführt werden, kommt es bei den Patientinnen und Patienten im Anschluss daran immer wieder zu einer Reihe schwerer Komplikationen. Unter anderem Infektionen mit Pilzen und Viren können dann den Erfolg der Therapie gefährden. Gefürchtet ist beispielsweise das gemeinsame Auftreten des Zytomegalievirus – ein zur Familie der Herpesviren gehörendes Virus – und des Pilzes Aspergillus fumigatus. Diese Kombination von Krankheitserregern stellt eine ernsthafte medizinische Bedrohung bei der Organ- und Stammzelltransplantation dar.

Wenn Viren und Pilze sich verbünden

Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus mehreren deutschen Forschungseinrichtungen und Kliniken hat jetzt eine neue Methode entwickelt, mit der es diese beiden Erreger und deren Interaktion sowohl untereinander als auch mit den von ihnen infizierten menschlichen Zellen unter die Lupe genommen hat. Das zentrale Ergebnis: Die Ko-Infektion mit den beiden Erregern ist mehr „als die Summe ihrer Teile“. Viren und Pilze wirken im menschlichen Organismus synergistisch zusammen und aktivieren dort einige Gene, die nur bei der gleichzeitigen Infektion mit den beiden Erregern aktiv werden.
An der Studie beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), des Würzburger Universitätsklinikums (UKW), vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena sowie vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg. Die Ergebnisse haben sie jetzt in der aktuellen Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht.

Neue Einblicke dank einer neuen Technik

„Wir haben für unsere Studie ein Verfahren namens Triple-RNA-seq entwickelt“, erklärt Alexander Westermann. Er ist Juniorprofessor am Lehrstuhl für Molekulare Infektionsbiologie I der JMU sowie Gruppenleiter am HIRI und gemeinsam mit Professor Jürgen Löffler vom UKW einer der Hauptautoren der jetzt veröffentlichten Studie. Die Wissenschaftler haben dafür ein Verfahren weiterentwickelt, das seit etlichen Jahren fester Bestandteil der Infektionsforschung ist. 

RNA-Sequenzierung: Diese Technik ermöglicht es, in einem Hochdurchsatzverfahren gleichzeitig die Aktivitäten tausender Gene auf RNA-Ebene präzise zu bestimmen und damit die im Rahmen von Erkrankungen auftretenden Veränderungen zu erkennen und besser zu verstehen. Ihre Weiterentwicklung – die duale RNA-Sequenzierung – erlaubt es im Unterschied dazu, nicht nur die Genaktivität eines Krankheitserregers zu dokumentieren, sondern gleichzeitig auch die Reaktion der von ihm befallen Wirtszelle. Damit ist es möglich, komplexe Kausalketten im zeitlichen Verlauf einer Infektion nachzuvollziehen.

Forschung an Immunzellen

Und nun also die Erweiterung auf die Genexpression von drei Akteuren in ihrem Wechselspiel – die Triple-RNA-Sequenzierung. „Bislang weiß die Wissenschaft in vielen Fällen nicht, warum eine Infektion mit einem bestimmten Erreger den Betroffenen für eine Sekundärinfektion mit einem zweiten Erreger anfälliger machen kann“, erklärt Jürgen Löffler, Molekularbiologe an der Medizinischen Klinik II des UKW. In solchen Fällen habe auch die duale RNA-seq nicht die gewünschten Antworten liefern können.
In ihrer Studie haben die Forscherinnen und Forscher mit der von ihnen entwickelten Triple-RNA-seq-Methode untersucht, was passiert, wenn bestimmte Zellen des Immunsystems – sogenannte von Monozyten abgeleitete dendritische Zellen – sowohl mit Aspergillus fumigatus als auch mit dem humanen Zytomegalievirus infiziert sind. 

Dabei konnten sie nachweisen, dass die beiden Erreger sich gegenseitig beeinflussen und damit gleichzeitig auf die Immunzelle einwirken – und das auf eine andere Weise, als es ein Erreger alleine bewirken könnte. Beispielsweise schwächte das Zytomegalievirus die durch den Pilz vermittelte Aktivierung entzündungsfördernder Signalketten ab, während Aspergillus fumigatus die virale Clearance beeinträchtigt – also die Zeit, die es dauert, bis das Virus in Tests nicht mehr nachweisbar ist. 

Hoffnung auf einen Biomarker

Gleichzeitig hat das Team spezielle Gene in den Immunzellen identifiziert, deren Expression sich während einer gemeinsamen Infektion beider Erreger im Vergleich zu einer Einzelinfektion signifikant unterscheidet. Diese könnten somit als Biomarker für eine zeitnahe Identifizierung einer Ko-Infektion nach einer Transplantation dienen.
Die Wissenschaftler hoffen nun, dass es mit Hilfe der Triple-RNA-seq-Technologie gelingt, auch andere Fälle gemeinsamer Infektionen – etwa von Viren und Bakterien – besser zu verstehen und deren häufig schwerwiegende Folgen zu verhindern. „Vielversprechende Modelle zum Verständnis, wie eine Infektion den Wirt anfälliger für einen weiteren Erreger macht, sind unter anderem bestimmte Salmonellen und das Humane Immundefizienz-Virus (HIV), Streptokokken und das Influenzavirus oder Chlamydien und das menschliche Herpesvirus“, sagt Westermann. Er selbst will allerdings in einem nächsten Schritt mit der Triple-RNA-seq-Technik Infektionen erforschen, bei denen zwei unterschiedliche Bakterienarten gemeinsam den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Originalpublikation

Triple RNA-seq reveals synergy in a human virus-fungus co-infection model. Bastian Seelbinder, Julia Wallstabe, Lothar Marischen, Esther Weiss, Sebastian Wurster, Lukas Page, Claudia Löffler, Lydia Bussemer, Anna-Lena Schmitt, Thomas Wolf, Jörg Linde, Luka Cicin-Sain, Jennifer Becker, Ulrich Kalinke, Jörg Vogel, Gianni Panagiotou, Hermann Einsele, Alexander J. Westermann, Sascha Schäuble, Juergen Loeffler. Cell Reports, DOI: 10.1016/j.celrep.2020.108389

Kontakt

Prof. Dr. Alexander J. Westermann, Lehrstuhl für Molekulare Infektionsbiologie I, T: +49 931 31-83781, alexander.westermann@ uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 18. November 2020

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Fünf weltweit oft zitierte Forscher

Ihre Arbeiten werden in den Publikationen anderer außergewöhnlich oft zitiert. Fünf Forscher der Universität Würzburg erhalten dafür erneut das Prädikat „Highly Cited Researcher“.

Zum wiederholten Male finden sich folgende fünf Professoren der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in der Liste der Highly Cited Researchers: der Mediziner Hermann Einsele, der Biophysiker Rainer Hedrich, der Pathologe Andreas Rosenwald, der RNA-Forscher und Infektionsbiologe Jörg Vogel sowie der Chemiker Frank Würthner.

Zum wiederholten Male finden sich folgende fünf Professoren der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in der Liste der Highly Cited Researchers: der Mediziner Hermann Einsele, der Biophysiker Rainer Hedrich, der Pathologe Andreas Rosenwald, der RNA-Forscher und Infektionsbiologe Jörg Vogel sowie der Chemiker Frank Würthner.
Das auf Zitationsdaten spezialisierte Unternehmen Clarivate Analytics hat die aktuelle Highly-Cited-Liste erstellt und am 18. November 2020 veröffentlicht. Grundlage der Auswertung ist laut Clarivate die Datenbank Web of Science. Für 2020 haben die Analysten den Zeitraum von Anfang 2009 bis Ende 2019 betrachtet.

Als häufig zitiert gelten Publikationen, die in ihrem Erscheinungsjahr zu den ein Prozent meistzitierten ihres Fachgebiets gehören. Nur wer gleich an mehreren solcher Highly Cited Papers beteiligt ist, wird in den exklusiven Kreis der Highly Cited Researchers aufgenommen. 2020 besteht dieser Kreis aus etwa 6.170 Persönlichkeiten weltweit.

Physiker unter den Citation Laureates

Neben der Liste mit den Highly Cited Researchers führt Clarivate Analytics eine weitere Liste mit sogenannten Citation Laureates. Diese kommen aus Sicht der Fachleute für den Nobelpreis in Frage. Dort wird seit 2014 der JMU-Physiker Laurens Molenkamp geführt. Um für diese Liste in Betracht gezogen zu werden, müssen Wissenschaftler über Veröffentlichungen verfügen, die mehr als 1.000
Mal zitiert wurden. Außerdem müssen ihre Arbeiten mit einer bedeutenden Entdeckung oder einem nobelpreiswürdigen Fortschritt verbunden sein.

Gratulation vom Universitätspräsidenten

JMU-Präsident Alfred Forchel gratuliert den Professoren: „Highly Cited Researchers und Citation Laureates sind weithin sichtbare Leuchttürme der Natur- und Lebenswissenschaften. Besonders erfreulich ist es, dass unsere Ausgezeichneten diese Höchstleistung schon über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich erbringen. Gleichzeitig möchte ich auch auf Spitzenleistungen in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften an unserer Universität hinweisen, belegt beispielsweise durch Leibniz-Preise für Ulrich Konrad und Dag Hasse. Insgesamt tolle Ergebnisse und ein weiterer Beweis für die große internationale Sichtbarkeit unserer Universität!“

Prof. Dr. Hermann Einsele

Der Leiter des Lehrstuhls für Innere Medizin II und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II ist Experte für Hämatologie, Onkologie, Immuntherapie und Infektionen bei Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist. Er hat eine Krebstherapie mit spezifisch veränderten Immunzellen entwickelt und diese erstmals in Europa klinisch eingesetzt. An Auszeichnungen erhielt er unter anderen: 2003 den van Bekkum Award der Europäischen Gesellschaft für Zell- und Stammzelltherapie, 2012 Nobel Lecture Stem Cell Biology/Transplantation, Nobel Forum Karolinska Institute Schweden. 2014 wurde er als Mitglied in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz aufgenommen, seit 2015 ist er Vizepräsident der JMU. Unter seiner Leitung laufen immuntherapeutische Studien für viele Tumorerkrankungen. Er beschäftigt sich auch mit der Stammzelltransplantation gegen Blutkrebs und das Multiple Myelom und Infektionserkrankungen bei immunabwehrgeschwächten Patienten.

Prof. Dr. Rainer Hedrich

Der Leiter des Lehrstuhls für Botanik I – Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik gilt als einer der Väter der Erforschung der elektrischen Signalübertragung bei Pflanzen. In der Liste der oft zitierten Forscher wird er fortlaufend seit 2003 geführt. Hedrich war weltweit der erste, der im Labor von Nobelpreisträger Erwin Neher die Arbeitsweise pflanzlicher Ionenkanäle bestimmte. Im Projekt „Carnivorom“, das vom Europäischen Forschungsrat gefördert wird, analysiert er fleischfressende Pflanzen. Dabei entdeckte er unter anderem, dass die Venus-Fliegenfalle die Berührungen mit ihrer Beute zählt und die Falle erst nach einer ausreichenden Zahl von Reizen zuschnappen und verdauen lässt. Um herauszufinden, wie die Pflanze zählt, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Hedrich mit dem renommierten Koselleck-Forschungspreis.

Prof. Dr. Andreas Rosenwald

Der Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie ist Experte für die Diagnostik von Bluterkrankungen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der molekularen Entstehung von Tumoren des lymphatischen Systems. Dazu zählen diffuse großzellige B-Zell-Lymphome, follikuläre Lymphome und Mantelzell-Lymphome. Hier konnte seine Arbeitsgruppe zur biologischen Charakterisierung von molekularen Subgruppen beitragen, die derzeit auch unterschiedlich therapiert werden. Rosenwald ist Mit-Autor der WHO-Klassifikation maligner Lymphome.

Prof. Dr. Jörg Vogel

Der Direktor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung und Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie an der Medizinischen Fakultät der JMU erforscht regulatorische RNA-Moleküle in bakteriellen Krankheitserregern wie Salmonellen. Seine Arbeitsgruppe entwickelt neue, auf Hochdurchsatzsequenzierung beruhende Methoden, um RNA-Moleküle in hoher Auflösung zu erfassen und deren Wirkmechanismen zu verstehen. Der Biochemiker und Leibniz-Preisträger von 2017 ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und der Europäischen Molekularbiologie-Organisation EMBO.

Prof. Dr. Frank Würthner

Der Leiter des Lehrstuhls für Organische Chemie II und Gründungsdirektor des Zentrums für Nanosystemchemie der JMU leistete grundlegende Arbeiten in der supramolekularen Materialchemie. Für die organische Elektronik und Photovoltaik entwickelt er supramolekulare Polymere und Nanomaterialien auf Basis von Funktionsfarbstoffen. Nach erfolgreichen Arbeiten zur Umwandlung von Sonnenlicht in Strom beschäftigt sich Würthner – seit 2018 gefördert mit einem ERC Advanced Grant – auch mit Farbstoff-basierten Materialien, die mit Sonnenlicht Brennstoffe erzeugen können. Hier setzt er auf biomimetische Konzepte und synthetische Nanosysteme. Für seine Arbeiten über Farbstoffaggregate verlieh ihm die Gesellschaft Deutscher Chemiker die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze.

Prof. Dr. Laurens Molenkamp

Dem Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Physik III gelang 2007 die Entdeckung des Quanten-Spin-Hall-Effekts. Molenkamp war außerdem der erste, der die neue Materialklasse der topologischen Isolatoren experimentell realisieren konnte. Seit seinem Durchbruch wird auf diesem Gebiet weltweit intensiv geforscht. Molenkamp erhielt unter anderem 2011 und 2017 jeweils mit 2,5 Millionen Euro dotierte ERC Advanced Grants und 2014 den Leibniz-Preis. 2017 kam die Stern-Gerlach-Medaille hinzu, die höchste Auszeichnung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 18. November 2020

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Purple for Preemies: Illumination der Uni-Kinderklinik Würzburg zum Welt-Frühgeborenentag

Am 17. November 2020 wird das Hauptgebäude der Universitäts-Kinderklinik lilafarben illuminiert.

Die Aktion geht auf eine Initiative der Elternverbände EFCNI (European Foundation for the Care of Newborn Infants) und des Bundesverbands „Das frühgeborene Kind“ zurück, die damit auf ca. 70.000 Neugeborene aufmerksam machen möchte, die in Deutschland jährlich zu früh, das heißt vor der 37 Schwangerschaftswoche, geboren werden.

Ina Schmolke wurde selbst vor mehr als 18 Jahren von der viel zu frühen Geburt ihres Sohnes, der mit einem Gewicht von nur 820 g zur Welt kam, überrascht. Seither engagiert sie sich als 1. Vorsitzende von KIWI e.V., einer Elterninitiative, welche die heutigen Eltern frühgeborener Kinder an der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg unterstützt.

„Wir behandeln pro Jahr mehr als 350 zu früh geborene Kinder in unserer Klinik, davon 90 Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm“, erläutert Prof. Dr. Christoph Härtel, Direktor der Universitäts-Kinderklinik. „Frühgeborene Kinder bedürfen in besonderem Maße unserer medizinischen Fürsorge. Um dem gerecht zu werden, ist eine ganzheitliche, familienzentrierte Betreuung unerlässlich. Diese wird durch KIWI seit vielen Jahren vielfältig unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind. KIWI ist allerdings auf die Spenden aus der Bevölkerung angewiesen, die durch unser gemeinsames, weithin sichtbares Zeichen zum Weltfrühgeborenentag gern angesprochen werden kann“, so Prof. Härtel weiter.

Das Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe an der Uni-Klinik Würzburg gehört zu den drei größten Zentren seiner Art in Bayern. Der Weltfrühgeborenentag soll auch darauf hinweisen, dass die medizinische Forschung für immer bessere Behandlungsmöglichkeiten von Frühgeborenen und deren Langzeitgesundheit sehr wichtig ist. In diesem Sinne engagiert sich die Kinderklinik seit vielen Jahren und nimmt eine tragende Rolle im wissenschaftlichen Verbund des Deutschen Frühgeborenennetzwerks ein.