Aktuelle Pressemitteilungen

Kreativ durch Bewegung

Beim Laufen kommen einem die besten Ideen? Da ist was dran. Aber auch kleine Bewegungen im Sitzen fördern die Kreativität, wie zwei Forscherinnen herausgefunden haben.

Bewegung hilft, kreativ zu denken. Diese Erkenntnis ist über 2000 Jahre alt – schon die Philosophen im antiken Griechenland wussten davon.

Was aber steckt aus wissenschaftlicher Sicht hinter dem Zusammenhang zwischen Bewegung und Kognition? Was passiert bei einem Spaziergang im Gehirn? Sind Menschen, die sich kaum bewegen, weniger kreativ?

„Unsere Forschung zeigt, dass es nicht die Bewegung an sich ist, die uns hilft, flexibler zu denken“, sagt die Neurowissenschaftlerin Dr. Barbara Händel von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Verantwortlich dafür sei stattdessen die Freiheit, selbstbestimmte Bewegungen auszuführen.

Demnach können auch kleine Bewegungen im Sitzen dieselben positiven Effekte auf das kreative Denken haben. Konkrete Bewegungsvorschläge leitet die Forscherin aus ihrer Arbeit aber nicht ab: „Das Wichtige ist, dass die Freiheit da ist, sich ohne externe Vorgaben zu bewegen.“

Nicht zu lange auf kleine Bildschirme starren

Wichtig sei es auch, dass die Bewegung nicht unterdrückt oder in regelhafte Bahnen gezwungen wird. „Das passiert aber leider, wenn der Mensch seinen Fokus zum Beispiel auf einen kleinen Bildschirm richtet“, erklärt die JMU-Forscherin.

Die vermehrte Nutzung von Handy & Co – auch im Bereich der Bildung zu Zeiten der Corona-Pandemie – könne sich daher negativ auf kognitive Prozesse wie die Kreativität auswirken.

Die Experimente, mit denen Barbara Händel und ihre Doktorandin Supriya Murali, das herausgefunden haben, sind detailliert in einer aktuellen Publikation im Fachmagazin Psychological Research beschrieben.

Publikation

Murali, S., Händel, B. Motor restrictions impair divergent thinking during walking and during sitting. Psychological Research (2022), Open Access: https://doi.org/10.1007/s00426-021-01636-w  

Hintergrund

Wie nimmt der Mensch seine Umwelt wahr? Was bewirken die Sinnesreize im peripheren Nervensystem, was im Gehirn? Welchen Einfluss haben Körperbewegungen auf die Wahrnehmung von Sinnesreizen? Für solche Fragen interessieren sich Forschende wie Barbara Händel aus vielen Gründen. Langfristig könnten ihre Erkenntnisse dazu beitragen, Krankheiten besser zu verstehen, bei denen die Körperbewegung oder Wahrnehmungsprozesse gestört sind.

Ab Februar 2022 führt die Wissenschaftlerin ihre Forschung in der Neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums weiter. Dort will sie sich auf die Themen Parkinson und ADHS konzentrieren.

Die Arbeiten von Barbara Händel werden aus einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) gefördert. Diese mit 1,5 Millionen Euro dotierte Auszeichnung vergibt der ERC an exzellente junge Forschende.

Kontakt

Dr. Barbara Händel, Institut für Psychologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-84194, barbara.haendel@ uni-wuerzburg.de  

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 14. Januar 2022

Universitätsmedizin Würzburg: Breite Forschungsleistung zu Corona-Themen

Würzburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler informierten Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler über aktuelle Themen und Erfolge ihrer Corona-Forschung.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler war in den vergangenen Monaten bei allen bayerischen Universitätsklinika zu Gast, um sich über neue Erkenntnisse und Forschungsprojekte zum Corona-Virus und zur Pandemie zu informieren. Das letzte Ziel seiner Besuchsreihe war heute Würzburg. Im dortigen Rudolf-Virchow-Zentrum erläuterten ihm Forscherinnen und Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des Uniklinikums Würzburg (UKW) ausgewählte Beispiele ihrer Arbeit nahe an der klinischen Anwendung. Der Minister zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Würzburger Hochschulmedizin: „Ihre Arbeit liefert lebensrettende Erkenntnisse. Das hat sich heute erneut in beeindruckender Weise gezeigt.“

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Jens Maschmann, dem Ärztlichen Direktor des UKW, verdeutlichte Prof. Dr. Matthias Frosch, der Dekan der Medizinischen Fakultät der JMU, in seiner Einleitung, dass die in Würzburg bisher erzielten, schnellen Erfolge in der Covid-Forschung zum großen Teil darauf beruhen, dass die Infektionsforschung am Standort seit Jahrzehnten einen Schwerpunkt bildet. „So hatten wir gleich zu Beginn der Pandemie die richtigen Strukturen und Persönlichkeiten vor Ort“, betonte Frosch. Ein weiterer für die wissenschaftliche Arbeit extrem förderlicher Faktor sei die enge Zusammenarbeit universitärer Arbeitsgruppen mit dem Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI).

 

Interaktionen zwischen Virus und Zelle verstehen

In einer solchen Verbindung wurden zum Beispiel die direkten Interaktionen zwischen dem Corona-Virus und den von ihm befallenen Zellen untersucht. Prof. Dr. Jörg Vogel, der am HIRI die Arbeitsgruppe „RNA-Biologie bakterieller Infektionen“ leitet, erläuterte dem Minister, dass ein interdisziplinäres und institutionsübergreifendes Forschungsteam in der menschlichen Zelle 18 Wirtsproteine identifizieren konnte, die während einer SARS-CoV-2-Infektion eine wichtige Rolle spielen. „Hier bieten sich mögliche Angriffspunkte für antivirale Medikamente“, beschrieb der Professor einen wichtigen translationalen Ansatz aus diesen Erkenntnissen.

 

Viel effizienter testen

Die meisten herkömmlichen molekularbiologischen Diagnostikverfahren, beispielsweise PCR-Tests, weisen in der Regel nur einen einzigen krankheitsbezogenen Biomarker nach. Vor dem Hintergrund eines sich immer wieder verändernden Virus und neuer Virusvarianten wäre es allerdings höchst wertvoll, ein Verfahren nutzen zu können, das möglichst viele krankheitsbezogene Biomarker in nur einem Test nachweist. Prof. Dr. Cynthia Sharma vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie der JMU zeigte auf, dass ein Team aus Grundlagenforschung, Translation und Anwendung im Projekt LEOPARD dabei ist, eine solche, gänzlich neue Diagnostikplattform zu entwickeln. Das Verfahren hat nach Einschätzung der Wissenschaftlerin das Potenzial, nicht nur die medizinische Diagnostik von Infektionskrankheiten, sondern auch von Krebs und seltenen genetischen Erkrankungen zu revolutionieren.

 

Bedürfnisse von Kindern und Eltern erkennen

Ganz nah ans tägliche Leben vieler Familien heran rückte die Studie WÜ-KiTa-CoV: Um die Umsetzbarkeit und langfristige Akzeptanz verschiedener Testkonzepte in Betreuungseinrichtungen zu vergleichen, waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Würzburger Universitätsmedizin in neun Würzburger Kitas aktiv. Dort testeten sie Kinder und Betreuungspersonal während der zweiten Coronawelle regelmäßig auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus. „Ein zentrales Ergebnis der Studie war: Kommen nicht invasive Testmethoden wie die Abgabe von Mundspülwasser zum Einsatz, wird das regelmäßige Testen sowohl vom Betreuungspersonal als auch von den Kindern auch langfristig gut akzeptiert“, berichtete Prof. Dr. Oliver Kurzai vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der JMU bei der Informationsveranstaltung. Außerdem steigert nach seinen Worten nur die regelmäßige Testung das Sicherheitsgefühl der Eltern und baut Ängste ab. Minister Sibler kommentierte anerkennend, dass die Studie WÜ-KiTa-CoV bereits als Grundlage für die Entscheidungsfindung in der Politik gedient habe.

 

Eine breite Wissensgrundlage schaffen

Als Teil des bundesweiten Corona-Krisenmanagements wurde im April 2020 das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) gegründet. Dieses soll dazu beitragen, die Covid-19-Forschung an den 36 deutschen Universitätsklinika besser zu koordinieren. Von den hierbei ins Leben gerufenen 13 Verbundprojekten ist die Würzburger Universitätsmedizin an elf beteiligt. Prof. Dr. Peter Heuschmann fokussierte sich in seinem Vortrag auf das NUM-Projekt NAPKON. „Mit dem Nationalen Pandemie Kohorten Netz wird eine hochqualitative Arbeitsgrundlage für die Corona-Forschung geschaffen“, sagte der Vorstand des Instituts für klinische Epidemiologie und Biometrie der JMU. Die Uniklinika und Partner aus anderen Gesundheitssektoren wollen dazu rund 8000 Corona-Infizierte und -Erkrankte über den gesamten Krankheitsverlauf intensiv beobachten, umfassend klinische Daten und Bioproben sammeln und jede Besonderheit erfassen.

 

Long-Covid-Medikation überprüfen

Bei geschätzt jedem zehnten mit SARS-CoV-2 infizierten Menschen treten langfristige Symptome auf, die mehrere Wochen oder Monate andauern können. Hierfür haben sich die Begriffe „Long-Covid“ oder „Post-Covid-Syndrom“ eingebürgert. Unter der Annahme, dass Gewebeschäden und chronische Entzündungsprozesse ein solches Syndrom verursachen, werden oft entzündungshemmende Wirkstoffe, wie Prednisolon, eingesetzt. Außerdem legen die häufig auftretenden neurologischen Symptome eine Behandlung mit bestimmten B-Vitaminen nahe, die das Nervensystem unterstützen. „Die Wirksamkeit solcher Behandlungsansätze ist bisher jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Diese Lücke wollen wir mit dem Projekt PreVitaCOV schließen“, kündigte Prof. Dr. Ildikó Gágyor an. Als eine der beiden Leiterinnen des Instituts für Allgemeinmedizin des UKW koordiniert sie das im Februar dieses Jahres startende Verbundvorhaben. Ein Wesenszug von PreVitaCOV ist nach ihren Angaben die starke Beteiligung hausärztlicher Praxen als Partner einer ambulanten Forschung.

 

Corona-Forschungsprojekte in ganz Bayern umfangreich gefördert

Nach diesem weiten Themenbogen lobte der Wissenschaftsminister: „Unsere Klinika und Medizinischen Fakultäten sind mit ihren innovativen Forschungsprojekten und neuen präventiven und therapeutischen Ansätzen Rückgrat und Speerspitze gegen das Virus..“ Passend zu der herausragenden und innovativen Rolle, welche die Hochschulmedizin im Kampf gegen Corona spiele, habe sein Ministerium seit Beginn der Pandemie insgesamt 21 Millionen Euro zusätzlich für Corona-Forschungsprojekte der bayerischen Hochschulmedizin zur Verfügung gestellt. Zudem werde auch der vom Wissenschaftsministerium eingerichtete Forschungsverbund FOR-COVID für weitere drei Jahre mit rund 2,4 Millionen Euro gefördert. Die Mitglieder des Forschungsverbunds kommen aus verschiedenen Fachdisziplinen wie der Virologie, aber auch der Tiermedizin. In Zukunft soll der Verbund nicht nur das Coronavirus erforschen, sondern auch die Voraussetzungen für einen besseren Umgang mit zukünftigen Pandemien stärken.

Bernd Sibler nutzte seinen Besuch in Würzburg auch, um sich beim Personal des UKW zu bedanken: „Sie leisten in dieser sehr angespannten Lage herausragende Arbeit, um die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten hochkompetent sicherzustellen. Dafür meinen herzlichen Dank!“ 

 

 

Foto zeigt Vorstand UKW und Minister Sibler
Besuch Minister Sibler.jpg Beim Informationsbesuch am 12. Januar 2022: Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (Mitte) umgeben von Prof. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg – UKW), Prof. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg), Matthias Uhlmann (Stellvertretender Pflegedirektor des UKW) und Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor des UKW) – von links. Bild: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis für Würzburger Zahnmedizinstudierende vergeben

50 Zahnmedizinstudierende des Uniklinikums Würzburg haben die Examensprüfung 2021/II bestanden. Die zwei besten wurden mit dem Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis ausgezeichnet.

Im November 2021 erhielten die 31 Absolventinnen und 19 Absolventen des Examens 2021/II der Würzburger Zahnmedizin ihre Zeugnisse. Besonders freuen konnten sich die zwei Prüfungsbesten: Sie wurden mit dem Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis ausgezeichnet. Der mit 1.333 Euro dotierte erste Preis ging an Julian Fischer, der mit 666 Euro dotierte zweite Preis an Daniel Mytzka. 

Der Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis wurde im Jahr 1977 gestiftet: Inka Lübeck wollte damit an ihren vier Jahre zuvor gestorbenen Mann erinnern, den Würzburger Zahnmediziner Adolf Lübeck. Seit dem Tod von Inka Lübeck im Jahr 1990 wird die Prämie unter dem jetzigen Namen verliehen. 

Universitätsmedizin Würzburg: Mit VR-Technologie gegen Schmerzen

Mitte Dezember 2021 startete das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ReliefVR in eine rund zweijährige Erprobungsphase. Bei dem Vorhaben, an dem das Uniklinikum und die Universität Würzburg als wissenschaftliche Partner maßgeblich beteiligt sind, soll Virtuelle Realität zur Behandlung chronischer Schmerzen genutzt werden.

Ausgangspunkt ist der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 2020 gestartete Wettbewerb für Soziale Innovationen „Gesellschaft der Ideen“. Seither wurden aus über 1.000 eingereichten Ideen in mehreren Schritten die neun überzeugendsten Projekte ausgewählt, die am 15. Dezember 2021 in eine bis zu zweijährige Erprobungsphase starten durften. Zu diesen zählt auch das Vorhaben ReliefVR. Dessen langfristiges Ziel ist es, ein medizinisches Produkt zu entwickeln, das Technologien der Virtuellen Realität (VR) dazu nutzt, neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden. 

Ideengeberin und Leiterin von ReliefVR ist Yevgenyia Nedilko von der Frankfurter Firma Videoreality GmbH. Die Firma ist auf die Produktion innovativer VR-Anwendungen und -Erlebnisse spezialisiert. Als wissenschaftliche Partner des Projekts fungieren das Zentrum für Interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZIS) des Uniklinikums Würzburg und der Lehrstuhl für Psychologie I der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). 

Ziel: Eine veränderte Körperwahrnehmung

Das geplante Behandlungskonzept sieht vor, dass Schmerzpatientinnen und -patienten eine VR-Brille aufsetzen und sich daraufhin in der virtuellen Welt anwesend fühlen. „Sie sollen zunächst das Gefühl haben, einen virtuellen Körper oder Avatar zu besitzen, der sich an der gleichen Position wie ihr echter Körper befindet“, schildert Yevgenyia Nedilko. Anschließend wird diese Sichtweise so verändert, dass eine außerkörperliche Erfahrung entstehen kann. „Wir vermuten, dass auf diesem Weg eine Veränderung der Körperwahrnehmung möglich ist“, sagt Prof. Dr. Heike Rittner. Laut der Leiterin des ZIS lässt sich dadurch bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen wahrscheinlich ein Zustand erreichen, in dem der empfundene Schmerz reduziert und der schmerzfreie Bewegungsgrad erhöht ist.

„Auf dieser Basis können speziell konzipierte Bewegungsübungen einen neuen, gesunden Lernprozess auslösen“, meint Dr. Ivo Käthner, der das Teilprojekt am Lehrstuhl für Psychologie I der JMU leitet und VR bereits seit mehreren Jahren in seiner Forschung zu Schmerz nutzt. Bewegungen, die aus Angst vor Schmerz im „echten Leben“ vermieden wurden, können in der Virtuellen Realität schmerzfrei durchgeführt werden – so die Vorstellung der Projektbeteiligten. „Im Endeffekt soll dieser Prozess dazu führen, dass die Patientinnen und Patienten auch ihren Alltag mit weniger Schmerzen bewältigen können“, hofft Prof. Rittner.

In der jetzt beginnenden, vom BMBF mit bis zu 200.000 Euro geförderten Erprobungsphase soll ein individuell angepasstes Übungsprogramm für Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen entwickelt werden. Bei gutem Verlauf soll im Jahr 2023 eine klinische Machbarkeitsstudie starten. 

Digitale Auftaktveranstaltung am 26. Januar 2022

Für alle, die sich für weitere Details zu ReliefVR – und den anderen acht finalen Projekten des Wettbewerbs für Soziale Innovationen – interessieren, findet am 26. Januar 2022 ab 17:00 Uhr eine digitale Auftaktveranstaltung mit Podiumsdiskussionen statt. Anmelden kann man sich für den kostenlosen Live-Stream unter www.gesellschaft-der-ideen.de.

Abschied von Dr. Kurt Eckernkamp

Am 5. Januar dieses Jahres verstarb Senator e.h. Dr. Kurt Eckernkamp im Alter von 86 Jahren. Er war Unternehmer, Verleger, Gesellschafter und langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Würzburger Vogel Communications Group.

Seinen beruflichen Erfolg verstand Dr. Eckernkamp auch als soziale Verpflichtung: Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit seiner Frau Nina Eckernkamp-Vogel die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Diese unterstützt seither Projekte und Einrichtungen in Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Kultur. Auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) profitierte vielfach von den Leistungen der Stiftung. So wurden allein in den letzten zehn Jahren Projekte des Zentrums für Psychische Gesundheit (ZEP), der Kinderklinik, der Frauenklinik, der Klinik für Anästhesiologie sowie des Lehrstuhls für Funktionswerkstoffe der Medizin und der Zahnheilkunde mit in Summe über einer Million Euro gefördert. „Mit Dr. Eckernkamp als Stifter verlieren wir nicht nur nicht nur einen großzügigen und verlässlichen Unterstützer, sondern vor allem auch einen unermüdlichen Anstifter“, bedauert Prof. Jürgen Deckert, der Sprecher des ZEP, stellvertretend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKW.

Würzburger Forum Bevölkerungsschutz 2022: WüFoBEST COVID – LbEL – Flut

Am Samstag, den 15.01. findet zum dritten Mal das Würzburger Forum Bevölkerungsschutz statt.

Organisiert wird die Veranstaltung durch die Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie und dem Bezirksverband Unterfranken des Bayerischen Roten Kreuzes.

  • Die Messerattacke am Barbarossaplatz in Würzburg, die SARS-CoV-2 Pandemie und die Flutkatastrophe werden von kompetenten Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

  • Vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wird ein Ausblick über die neuesten Entwicklungen im Bevölkerungsschutz gegeben.

Das Forum findet online statt und ist kostenfrei.

Die Details und die Anmeldemodalitäten entnehmen Sie bitte dem Flyer.
Die Anmeldefrist wurde verlängert. Eine Anmeldung ist aktuell noch möglich.

Renommierter ERC Starting Grant geht ans HIRI

1,5 Millionen Euro für Erforschung von SARS-CoV-2

 

SARS-CoV-2 besser verstehen – das hat sich Mathias Munschauer vom Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in seinem Forschungsprojekt „COVIDecode“ zur Aufgabe gemacht. Mit einer Förderung von 1,5 Millionen Euro zeichnet der Europäische Forschungsrat (ERC) ihn nun über einen Zeitraum von fünf Jahren aus. Er ist damit der dritte Wissenschaftler am HIRI, der einen ERC Grant erhält.

Die sogenannten Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) gehören zu den bedeutendsten und angesehensten Förderinstrumenten in der Wissenschaft. Entsprechend groß ist die Freude über die Auszeichnung nicht nur in Würzburg, sondern auch in Braunschweig – das HIRI ist ein Joint Venture des dortigen Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg. 

„Es bestärkt uns und spricht für die Bedeutung unserer Arbeit, dass erneut einem unserer Wissenschaftler diese Förderung zuteilwird“, sagt Jörg Vogel, Geschäftsführender Direktor des HIRI, und zeigt sich begeistert: „Spitzenforschung am Puls der Zeit ist auf ausreichend finanzielle Ressourcen angewiesen. Ich freue mich daher sehr darüber, dass Mathias Munschauer einen der begehrten ERC Starting Grants erhält.“

„Das internationale Renommee der ERC Grants ist sehr hoch“, ergänzt Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am HZI. „Wir gratulieren Herrn Munschauer herzlich zu diesem großen Erfolg, der einen Ausbau seiner bahnbrechenden Forschungsarbeiten zur Ausbreitung von SARS-CoV-2 im menschlichen Organismus ermöglichen wird.“

Wie SARS-CoV-2 sich die Wirtszelle zu Nutze macht

Mathias Munschauer leitet die Forschungsgruppe „LncRNA und Infektionsbiologie“ am HIRI. Gleichzeitig hat er eine Juniorprofessur an der JMU inne. Mithilfe seines nun vom ERC geförderten Projektes „COVIDecode“ will er dazu beitragen, SARS-CoV-2 besser zu verstehen. Er konzentriert sich dabei auf die molekularen Wechselwirkungen zwischen Wirt und Krankheitserreger. Wie viele Humanviren nutzt auch SARS-CoV-2 Ribonukleinsäuren (RNA) als Träger der genetischen Information. Das RNA-Erbgut des Virus wird in die Zelle eingeschleust, die Zelle übersetzt es dann in die für die Vermehrung des Virus notwendigen Proteine. Die Forschung hat sich bisher weitgehend auf die Funktion dieser von dem Virus kodierten Proteine konzentriert. Über die viralen RNAs und deren Interaktion mit dem Wirtsapparat während der verschiedenen Stufen des Virus-Lebenszyklus ist jedoch noch wenig bekannt. Hier setzt die Forschungsgruppe um Munschauer an. 

„Den ERC Starting Grant möchte ich mit meinem Team dazu nutzen, um das Zusammenspiel zwischen den RNAs des SARS-CoV-2-Virus und Faktoren der Wirtszelle systematisch zu erforschen. Wir wollen entschlüsseln, wie diese Interaktionen den viralen RNA-Lebenszyklus und die Abwehrmechanismen des Wirts gestalten“, sagt Munschauer. Die weltweite COVID-19-Pandemie zeige, wie wichtig es sei, ihren Erreger – und auch die vielen neu auftretenden Varianten – auf molekularer Ebene besser zu verstehen. Langfristig können so auch neue Möglichkeiten für RNA-basierte antivirale Therapien und Immuntherapien geschaffen werden, meint der Forscher.

Mathias Munschauer ist bereits der dritte Wissenschaftler am HIRI, den der Europäische Forschungsrat mit einem ERC Grant ausstattet. Im Jahr 2020 startete Chase Beisel sein durch einen ERC Consolidator Grant finanziertes Projekt „CRISPR Combo“. Neva Caliskan begann 2021 mit der Arbeit am Forschungsvorhaben „T-FRAME“, das mit einem ERC Starting Grant gefördert wird.

Über Mathias Munschauer

Mathias Munschauer studierte bis 2010 Biotechnologie an der Hochschule Mannheim und absolvierte zu dieser Zeit mehrere Forschungsaufenthalte in den USA. Nach seiner Dissertation an der Freien Universität Berlin im Jahr 2014 war er in verschiedenen renommierten Laboren wie etwa am Broad Institute of MIT and Harvard tätig und leistete wichtige Forschungsarbeit zum Thema RNA. Im Juli 2019 kam er über das Helmholtz-Nachwuchsgruppenprogramm als Leiter einer unabhängigen Helmholtz-Nachwuchsgruppe zum HIRI. 

Weitere Informationen: https://www.helmholtz-hiri.de/de/forschung/organisation/people/person/jun-prof-mathias-munschauer/   

Über das HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm will das Institut innovative therapeutische Ansätze entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus.

Die ERC Starting Grants

ERC Starting Grants sind Förderinstrumente des Europäischen Forschungsrats (European Research Council), die junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen, den Karrieresprung zu unabhängigen und selbständigen Spitzenforschern zu machen. Bei Antragsstellung dürfen höchstens sieben Jahre seit dem Erlangen des Doktorgrades vergangen sein, ausdrücklich einziges Bewertungskriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz der Forscher und des vorgeschlagenen Vorhabens. Die erfolgreichen Projekte werden bis zu fünf Jahre mit einer Gesamtsumme von bis zu 1,5 Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen: https://erc.europa.eu/funding/starting-grants 

Der Europäische Forschungsrat

Der Europäische Forschungsrat, der 2007 von der Europäischen Union eingerichtet wurde, ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt er die besten und kreativsten Forscher jeder Nationalität und jeden Alters aus und finanziert deren in Europa angesiedelte Projekte. Der ERC bietet vier Kernförderprogramme an: Starting, Consolidator, Advanced und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen Proof-of-Concept-Grant-Programm hilft der ERC den Grant-Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer Pionierforschung und den frühen Phasen ihrer Vermarktung zu schließen.

Weitere Informationen: https://erc.europa.eu/ 

 

Pressebild 

Die komplette Medieninformation inkl. Foto können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).

 

HIRI-Medieninformation vom 10. Januar 2022