Aktuelle Pressemitteilungen

Herzkranke in Zeiten von Corona

Immer noch gibt es sehr viel mehr Herzkranke als Coronakranke. Und viel mehr Menschen sterben an Herzschwäche als an Corona. Wenn zur Herzschwäche noch eine Infektion mit COVID-19 kommt, ist das besonders riskant für die Betroffenen. Am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) wird jetzt eine Substudie der G-CHF-Registerstudie an 22.000 Patienten mit Herzschwäche durchgeführt, die weltweit prüft, ob eine bestätigte COVID-19 Infektion (Confirmed) oder ein Verdacht auf eine COVID-19 Infektion (Suspected) vorliegt. „Patienten mit Herzinsuffizienz sind meist älter und haben Begleiterkrankungen, stellen also ein ausgeprägtes Risikokollektiv für COVID-19 dar. Wir werden lernen, wie sich eine COVID-19 Infektion bei diesen Patienten auswirkt, und ob sie besonders anfällig sind“, erklärt Professor Georg Ertl, Studienleiter für Deutschland und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW).

Herzinsuffizienz-Patienten haben als Standardtherapie sogenannte ACE-Hemmer. Das COVID-19-Virus benutzt das Angiotensin-Conversions-Enzym (ACE) 2 als Rezeptor, um in die Zelle zu gelangen. „Welche Bedeutung das für unsere Patienten hat, ist nicht klar“ sagt Professor Stefan Störk, der die Studie gemeinsam mit Professor Georg Ertl in Deutschland leitet. „Klinische Daten gibt es dazu nicht, sodass neue Aufschlüsse aus der G-CHF-Registerstudie zu erwarten sind.“

Professor Christoph Maack, Sprecher des DZHI weist auf einen Artikel im renommierten New England Journal of Medicine* hin. „Wichtigste Botschaft ist, dass Patienten die ACE-Hemmer einnehmen, auf keinen Fall ihre Medikamente weglassen sollten. Die schädigende Wirkung ist nicht nachgewiesen, der organschützende Effekt aber bei vielen Erkrankungen erwiesen.“

Bei Fragen und Unsicherheiten sollten Patienten sich mit ihrem Hausarzt, Kardiologen oder der Herzinsuffizienz-Ambulanz im DZHI in Verbindung setzen: 0931 201 46301. Außerhalb der Sprechzeiten rufen Sie bitte den Bereitschaftsdienst 116 117 an, und im Notfall umgehend die Rettungsleitstelle 112.

Professor Georg Ertl legt großen Wert darauf, dass alle Patienten wissen, sie werden weiter wie bisher mit den gewohnten medizinischen Standards am UKW versorgt: „Bitte schieben Sie nichts ohne ärztliche Beratung raus. Corona darf nicht auf Kosten unserer Patienten mit Herzkrankheiten, Krebs oder anderen schweren Erkrankungen gehen!“

Weitere Informationen:

Was Herzinsuffizienz-Patienten über Covid-19 wissen müssen!  Die Heart Failure Association der European Society of Cardiology hat auf ihrer Webseite in allen Sprachen wichtige Informationen und praktische Tipps zusammengestellt:

https://www.heartfailurematters.org/de_DE/Allgemeine-Hinweise/COVID-19-Virus-and-Heart-Failure-Information-and-Practical-Tips


Auf der Homepage www.icd-forum.de geben Psychologen der Universität Würzburg und Kardiologen vom DZHI nützliche Hinweise, wie Herzpatienten mit einem implantierten Defibrillator und ihre Angehörige die COVID-19-Krise möglichst sorgenfrei über-stehen.

*https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsr2005760

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Die Kaufmännische Direktorin Anja Simon verließ das Uniklinikum Würzburg

Nach annähernd acht Jahren als Kaufmännische Direktorin verließ Anja Simon Anfang April 2020 das Uniklinikum Würzburg, um sich in Zukunft um die wirtschaftlichen Belange des Universitätsklinikums Freiburg zu kümmern.

Im August 2012 trat Anja Simon am Uniklinikum Würzburg (UKW) die Nachfolge von Renate Schülke-Schmitt als Kaufmännische Direktorin und damit als Dienstvorgesetzte des gesamten nicht-wissenschaftlichen Personals des UKW an. Sie trug die Führungsverantwortung für zuletzt über 7.000 Klinikumsbeschäftigte und verwaltete ein jährliches Budget von fast 768 Millionen Euro. Zum 1. April dieses Jahres wechselte die Betriebswirtin ans Universitätsklinikum Freiburg, wo sie die Kaufmännische Direktion von Bernd Sahner übernahm, der in den Ruhestand ging. Für Anja Simon war dies eine Rückkehr, denn vor ihrer Würzburger Schaffensperiode war sie bereits 13 Jahre lang am Freiburger Universitätsklinikum tätig.

 

Maßgebliche Mitarbeit an der strategischen Ausrichtung

Anlässlich des Abschieds blicken Prof. Dr. Georg Ertl, Günter Leimberger und Prof. Dr. Matthias Frosch, die Kollegen von Anja Simon im Klinikumsvorstand, anerkennend und dankbar auf die Leistungen der scheidenden „KD“ zurück. „Schon mit meinem Vorgänger Prof. Dr. Christoph Reiners hat Anja Simon begonnen, das Klinikum strategisch neu aufzustellen“, berichtet Prof. Ertl, der Ärztliche Direktor. Viele kleine und große Baumaßnahmen des Klinikums konnten unter ihrer wirtschaftlichen Leitung vorangetrieben, begonnen und zum Teil schon abgeschlossen werden. Zur letzteren Gruppe zählt zum Beispiel das in 2015 in Betrieb genommene Parkhaus. Ferner war ihr der Aufbau einer Abteilung für Kooperationen mit den anderen Gesundheitseinrichtungen der Region ein großes Anliegen.

„In Punkto Qualitätsmanagement war Anja Simon einer der Motoren hinter der Gesamtzertifizierung des Uniklinikums Würzburgs nach dem KTQ-Standard“, sagt Prof. Ertl. Nach der Erstzertifizierung im Jahr 2013 gab es in ihrer Amtszeit bereits zwei erfolgreiche Rezertifizierungen in 2016 und 2019.

 

Verwaltung als moderner Servicebetrieb

Laut Günter Leimberger ist es der Direktorin gelungen, die Verwaltung in einen modernen Servicebetrieb zu verwandeln. „Unter Anja Simon wurde die Kommunikation am Klinikum zu einem der großen Themen“, schildert der Pflegedirektor. Belege dafür seien die Einführung neuer Formate, wie World Cafés oder Story Telling. „Ein weiterer, eng mit ihrer Person verbundener Meilenstein in der Evolution des UKW war die Gründung der Akademie des Klinikums im Jahr 2015“, ergänzt Leimberger. Nach seiner Einschätzung werden viele der von Anja Simon geschaffenen Grundsätze das Würzburger Uniklinikum auch in Zukunft dauerhaft prägen.

 

Besonderes Bewusstsein auch für die Bedürfnisse von Forschung und Lehre

Als Haushaltsbeauftragte verwaltete die Kaufmännische Direktorin auch die Mittel der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg. „Anja Simon hat hier immer in dem Bewusstsein gearbeitet, dass zum Aufgabendreiklang der Universitätsmedizin eben nicht nur die Krankenversorgung, sondern auch Forschung und Lehre gehören“, lobt Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKW. Als Beispiel für die mustergültige Zusammenarbeit berichtet er, dass Anja Simon ihre kaufmännische Perspektive stets konstruktiv und engagiert in die Strategiediskussionen der Fakultät eingebracht habe. Auch die Berufungsverhandlungen mit neuen Professoren verliefen nach den Worten des Dekans immer im engsten Einvernehmen. „Für die wirtschaftlichen Abläufe besonders positiv wirkte sich ferner der unter Anja Simon eingerichtete Geschäftsbereich 1 ‚Forschungsförderung und Drittmittelverwaltung‘ aus“, sagt Prof. Frosch und präzisiert: „Hier wurde eine der Fakultät klar zugewiesene Verwaltungsstruktur geschaffen, die die Zusammenarbeit mit dem Klinikum nochmals weiter verbessert hat.“

 

Anja Simon: Viele Faktoren für die Erfolge verantwortlich

Auch die Direktorin selbst blickt mit Dankbarkeit und Zufriedenheit auf ihre Zeit am UKW zurück. „Für die Erfolge der vergangenen Jahre am Uniklinikum Würzburg sind eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich. Dazu gehören beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, die konsequente Entwicklung des Nachwuchses, eine wertschätzende Kommunikations- und Führungskultur sowie ein konstant gut zusammenarbeitender Vorstand“, zählt Simon auf. Am liebsten würde sie alle Beschäftigten des UKW mit nach Freiburg nehmen, scherzte sie bei ihrer Abschiedsfeier.

Die Nachfolge von Anja Simon trat zum 1. April 2020 Philip Rieger an, der zuletzt Stellvertretender Kaufmännischer Direktor am LMU Klinikum München war.

 

 

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Bei der Verabschiedung: Anja Simon, die scheidende Kaufmännische Direktorin des Uniklinikums Würzburg, mit Vorstandskollegen und hochkarätigen Weggefährten ihrer Würzburger Jahre. Bild: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Schum spendet 20.000 Masken ans Uniklinikum Würzburg

Die Firma J.E. Schum überreichte dem Uniklinikum Würzburg 20.000 Mund-Nasen-Schutzmasken, die in der Corona-Pandemie dringend benötigt werden.

Insgesamt 20.000 Gesichtsmasken überreichte Dr. Rainer Schum, einer der Geschäftsführer des Würzburger Handels- und Dienstleistungsunternehmens J.E. Schum, am 30. März 2020 an Tobias Firnkes, den Leiter des Geschäftsbereichs „Wirtschaft und Versorgung“ des Uniklinikums Würzburg (UKW). Dr. Schum erläutert: „Aufgrund unserer langjährigen Handelsbeziehungen zu China konnten wir mehr Gesichtsmasken beschaffen, als wir zurzeit für unsere Beschäftigten benötigen. Parallel dazu habe ich den Medien entnommen, dass am UKW – wie auch sonst an vielen deutschen Krankenhäusern – ein Mangel an dieser in der Coronavirus-Pandemie besonders dringend benötigten Schutzausrüstung herrscht. Als heimatverbundenes Familienunternehmen spenden wir die Masken gerne unserem Uniklinikum vor Ort. Neben dem praktischen Nutzen wollen wir damit auch unsere höchste Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz des dortigen Personals zur Bewältigung der Krise ausdrücken.“ Im Namen der Beschäftigten und Patienten des Würzburger Großkrankenhauses bedankte sich Tobias Firnkes herzlich für die großzügige Unterstützung.

 

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Uniklinikum Würzburg: Mukoviszidosefortbildung als Videokonferenz ein voller Erfolg

Es geht auch digital: Da die bisher übliche Tagung im Hörsaal wegen der Corona-Pandemie nicht möglich war, fand die 15. Würzburger Mukoviszidosefortbildung des Uniklinikums Würzburg als Videokonferenz statt. Mit rund 70 Endgeräten waren Patienten und deren Angehörige sowie Behandlerinnen und Behandler zugeschaltet.

Aufgrund der aktuellen Beschränkungen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie konnte die für den 28. März dieses Jahres geplante 15. Würzburger Mukoviszidosefortbildung nicht wie üblich im Hörsaal der Universitäts-Kinderklinik stattfinden. Um die Veranstaltung nicht auf ungewisse Zeit verschieben zu müssen, lud der Organisator – das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Christiane Herzog Zentrum für Mukoviszidose Unterfranken – am selben Termin zu einer dreistündigen Videokonferenz ein.

„Die Resonanz war überaus positiv“, freut sich Prof. Dr. Helge Hebestreit, der Leiter des Zentrums. An 68 zugeschalteten Computern, Tablets und Handys nahmen Betroffene und deren Angehörige – teilweise ganze Familien – sowie Behandler/innen, wie Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeutinnen und Sozialpädagoginnen, teil. Prof. Hebestreit und drei Expertinnen des Christiane Herzog-Zentrums für Mukoviszidose Unterfranken – Dr. Daniela d’Alquen, Dr. Alexandra Hebestreit und Doris Vitzethum-Walter – informierten sie unter anderem über Themen wie Coronavirus bei Mukoviszidose, aktuelle Studien zur CFTR-Modulatortherapie, die Durchführung und Interpretation von Lungenfunktionsuntersuchungen sowie das Mental Health Screening. Rosalie Keller stellte die Aktivitäten der Regionalgruppe Unterfranken des Mukoviszidose e.V. vor.

Auch eine Chance für Patienten mit multiresistenten Keimen

Besonders gut kam die neue digitale Lösung bei Mukoviszidose-Patienten mit multiresistenten Keimen an. „Es war eine tolle Fortbildung. Endlich konnte ich mal wieder an einer Informationsveranstaltung teilnehmen, was aufgrund meiner Keimsituation schon lange nicht mehr möglich war.“ Dieser und viele andere positive Kommentare konnten im anschließend stattfindenden Chat gelesen werden. Dort wurden zudem Fragen der Teilnehmer/innen diskutiert und beantwortet.

Fortsetzung auch nach der Corona-Krise geplant

Das Zentrum plant, auch nach der Corona-Krise die jährlich stattfindende Fortbildung per Video zu übertragen – zusätzlich zum „realen“ Treffen im Hörsaal. „Damit können zukünftig auch all jene, die aufgrund von Krankheit oder anderen Umständen verhindert sind, von den Inhalten profitieren“, unterstreicht. Prof. Hebestreit.

 

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Uniklinikum Würzburg: Studie mit bispezifischem Antikörper liefert beeindruckende Behandlungserfolge bei Multiplem Myelom

Eine mehrjährige Phase I-Studie zeigte, dass die Therapie mit dem bispezifischen Antikörper AMG 420 bei Patienten mit fortgeschrittenem Multiplem Myelom hervorragende Ergebnisse erzielen kann. Das Uniklinikum Würzburg konzipierte das multizentrische Projekt und schloss auch die meisten Patienten ein.

Ein Artikel in der März-Ausgabe der US-amerikanischen medizinischen Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology fasst die großen Erfolge zusammen, die eine Phase I-Studie mit dem bispezifischen Antikörper AMG 420 bei der Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom erzielen konnte. Die bösartige Krebserkrankung des blutbildenden Systems gilt derzeit als noch nicht heilbar. Nach der in der Studie erprobten Immuntherapie konnte allerdings bei 50 Prozent der Patienten der Tumor selbst mit den empfindlichsten Diagnosemethoden nicht mehr nachgewiesen werden.

An dem vor rund drei Jahren gestarteten und Mitte 2019 beendeten Vorhaben waren neben drei französischen Krebsforschungszentren auch die Universitätsklinika in Ulm und Würzburg beteiligt. Eine führende Rolle spielte die Medizinische Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW): Die von Prof. Dr. Hermann Einsele geleitete Klinik konzipierte die Studie und rekrutierte auch die meisten Teilnehmer/innen. „Für die ansonsten austherapierten Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung war die Studienteilnahme eine erneute Chance auf eine Verbesserung ihrer Situation“, berichtet Prof. Einsele.

Ein Antikörper mit zwei Zielproteinen

Wie funktioniert der eingesetzte Wirkstoff? „AMG 420 ist ein gentechnisch designter Antikörper, der mit der BiTE-Technologie des Biotec-Unternehmens Amgen hergestellt wird. Er hat zwei Zielproteine, weshalb man ihn auch als ‚bispezifisch‘ bezeichnet“, erläutert Prof. Dr. Max Topp, der Studienleiter der AMG 420-Studie. Der Schwerpunktleiter Hämatologie an der Medizinischen Klinik II des UKW und Erstautor der Studienpublikation fährt fort: „Das erste Ziel ist das B-Zell-Reifungsantigen BMCA, das hauptsächlich auf Myelomzellen vorkommt. Das zweite ist CD3, ein Protein das auf der Oberfläche von T-Zellen – den effektivsten körpereigenen Abwehrzellen – zu finden ist.“ Mit der Kopplung an diese beiden Proteine zieht AMG 420 T-Zellen an die Krebszellen und bindet sie dort. So werden die Killerzellen in die Lage versetzt, die Myelomzellen, die sich ansonsten durch eine biochemische Tarnung vor dem Zugriff der T-Zellen schützen, zu vernichten.

Dauerinfusion in mehreren Zyklen

Wie lief die Phase I-Studie ab? Insgesamt erhielten 42 Patienten per Infusion den Wirkstoff. Hierbei ging es zunächst darum, unter Abwägung der Wirksamkeit und der Nebenwirkungen die richtige Dosierung zu finden. „Als Nebenwirkung kann es bei dieser Therapie zu einer Überreaktion des Immunsystems, dem sogenannten Zykotin-Freisetzungssyndrom, kommen sowie bei einer Minderheit der Patienten auch zu schwerwiegenden infektiöse Komplikationen“, schildert Prof. Topp. Bei der Studie wurde ermittelt, dass 400 Mikrogramm pro Tag die beste Dosis ist. Diese Medikamentenmenge wurde anschließend zehn Patienten verabreicht – jeweils in mehreren Zyklen und per Dauerinfusion. Pro Zyklus wurde dabei die Infusionslösung vier Wochen lang mit einer Pumpe über einen festen Venenzugang zugeführt, gefolgt von einer zweiwöchigen Therapiepause. Je nach der individuell unterschiedlichen Anzahl an Zyklen dauerte die Behandlung bis zu 60 Wochen.

Hochwirksam – bis zur Totalremission

Was war das Ergebnis? Sieben der zehn Patienten erreichten zumindest eine signifikante Remission, bei fünf Patienten konnte sogar keine minimale Resterkrankung mehr erkannt werden. Das heißt: Es waren selbst mit den feinsten Messmethoden keine Myelomzellen mehr nachweisbar. Diese Totalremission hält bei manchen Studienteilnehmern schon seit mittlerweile rund einem Jahr an, die Krebserkrankung ist bei ihnen bislang nicht zurückgekehrt. „Auch die Nebenwirkungen hielten sich insgesamt in einem sehr akzeptablen Rahmen. So war bei keinem unserer Studienpatienten eine Intensivbehandlung notwendig“, freut sich Prof. Einsele.

Vielleicht schon in zwei Jahren Teil der Routineversorgung

„Wir haben diese Ergebnisse in den vergangenen Monaten schon auf mehreren internationalen Krebskongressen vorgestellt, wo sich die Myelom-Expertenszene durchweg sehr beeindruckt zeigte“, berichtet Prof. Topp. Und Prof. Einsele ergänzt: „Ich denke, man kann hier mit Fug und Recht von einem Meilenstein in der Myelom-Therapie sprechen.“ Laut dem Klinikdirektor und Letztautor der Studie wurde das Prinzip der bispezifischen Antikörpertherapie zwischenzeitlich von vielen Firmen aufgenommen. Neue Studien – weltweit, wie auch in Würzburg – treiben derzeit die Weiterentwicklung voran. Aktuell arbeitet man zum Beispiel daran, die Antikörper so abzuändern, dass statt einer Dauerinfusion eine einmalige Infusion pro Zykluswoche ausreicht. „Möglicherweise kann die Behandlung mit bispezifischen Antikörper schon in ein bis zwei Jahren in die Routineversorgung von Myelom-Patienten übergehen“, hofft Prof. Einsele. Über die letztendlichen Kosten einer entsprechenden Therapie können nach seinen Worten in dieser frühen Entwicklungsphase noch keine Aussagen getroffen werden.

Literatur:

Anti–B-Cell Maturation Antigen BiTE Molecule AMG 420 Induces Responses in Multiple Myeloma; Max S. Topp, Johannes Duell, Gerhard Zugmaier, Michel Attal, Philippe Moreau, Christian Langer, Jan Krönke, Thierry Facon, Alexey V. Salnikov, Robin Lesley, Karl Beutner, James Kalabus, Erik Rasmussen, Kathrin Riemann, Alex C. Minella, Gerd Munzert, Hermann Einsele; Journal of Clinical Oncology, Vol. 38, S. 775–783, 2020

 

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Wie ICD-Patienten die Corona-Krise möglichst sorgenfrei überstehen

Patienten mit einem implantierten Kardioverter-Defibrillator (kurz ICD oder Defi) haben viele Ängste und Sorgen. Nun kommt eine weitere Angst dazu: das Coronavirus. Herzpatienten gehören zu einer der Gruppen mit einem erhöhten Risiko. Psychologen der Universität Würzburg und Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) haben auf der Webseite www.icd-forum.de hilfreiche Informationen zusammengestellt, wie sich Patienten mit Herzerkrankungen und ihre Angehörigen in der aktuellen Situation verhalten sollten hinsichtlich der körperlichen und seelischen Gesundheit. „Wir möchten ICD-Patienten helfen, die Krise, die damit verbundene Isolation und die Ausgangsbeschränkungen so gut es geht und möglichst angenehm und sorgenfrei zu überstehen“, berichtet der Psychologe Professor Paul Pauli.

 

„Herzpatienten sollten aufgrund des erhöhten Risikos unbedingt vermeiden, sich mit dem Virus anzustecken“, sagt der Psychologe Dr. Stefan Schulz. „Dies führt aktuell zu einer hohen Verunsicherung und dem Problem, dass viele Herzpatienten sich für längere Zeit in sozialer Isolation befinden. Dadurch kann die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln zur Herausforderung werden. Es ist zudem problematisch, wenn Kontrolltermine verschoben werden.“

Auf der Homepage www.icd-forum.de sammelt Stefan Schulz mit seinem ICD-Forum-Team zeitnah nützliche Hinweise zu einem lösungsorientierten Umgang mit COVID-19 für Herzpatienten und ihre Angehörigen.

Besonders wichtig ist die Einhaltung des Therapieplans. Das gilt nicht nur für ICD-Patienten, sondern auch für Patienten mit einer Herzinsuffizienz. Professor Christoph Maack, Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) erklärt: „Das Risiko, Herzrhythmusstörungen zu erleiden, wird durch Stress oder Angst und die damit verbundene Aktivierung des sympathischen Nervensystems erhöht. Für Herzpatienten ist es daher wichtig, in Krisenzeiten wie diesen ganz besonders darauf zu achten, die verordneten Medikamente einzunehmen und bei neuen Beschwerden oder Unsicherheiten ihren Hausarzt oder Kardiologen zu kontaktieren.“

Das ICD-Team empfiehlt den Patienten ihre Tage gut zu strukturieren, sich kleine Tagesziele zu setzen, Medien nur gezielt und ganz bewusst zu konsumieren und den Fokus auf Positives zu setzen. „Halten Sie sich von Pessimisten fern und achten Sie auf positive Gesprächsinhalte mit Ihren Bezugspersonen“, rät Stefan Schulz. „Und bleiben Sie trotz der Ausgangsbeschränkung in Bewegung. Gehen Sie im Wald oder Feld spazieren oder tanken Sie frische Luft im Garten.“

Die Psychologen der Universität Würzburg haben bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit Kardiologen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) eine moderne, unkomplizierte und vor allem nachhaltige Lösung gefunden, wie man das Leben von Herzkranken, bei denen der Defi zu erheblichen psychischen Problemen geführt hat, langfristig verbessern und Ängste, aber auch die häufig damit einhergehende Depression nachweislich reduzieren kann: ein sechswöchiges, moderiertes Internet-Training mit Hilfe zur Selbsthilfe. Das Ergebnis der Studie wurde in der renommierten kardiologischen Fachzeitschrift „European Heart Journal“ publiziert. „Wir konnten zeigen, dass eine Internetintervention nicht nur nachhaltige Erfolge hat, sondern auch organisatorisch zu leisten ist und man sie in Kliniken implementieren kann. Es ist eine moderne Form, mit der man viele Patienten erreichen kann“, sagt Paul Pauli.

Link zum Abstract "Efficacy of a web-based intervention for improving psychosocial well-being in patients with implantable cardioverter-defibrillators – the randomised controlled ICD-FORUM trial": https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article-abstract/doi/10.1093/eurheartj/ehz134/5431178

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Betroffener spendet für die Myelom-Forschung am Uniklinikum Würzburg

Ein an Multiplem Myelom erkrankter Patient des Uniklinikums Würzburg will mit einer großzügigen Spende helfen, dass andere von der bösartigen Krebserkrankung des blutbildenden Systems Betroffene von den zukünftigen Forschungsergebnissen des Klinikums profitieren können.

Die Medizinische Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) ist eine der international führenden Einrichtungen bei der Erforschung und Therapie des Multiplen Myeloms. Ein Patient mit dieser bösartigen Erkrankung der Plasmazellen will mit einer Spende von 10.700 Euro dazu beitragen, die Forschungsarbeit der Klinik voranbringen. Nach seinem Willen soll das Geld gezielt in die wissenschaftliche Arbeit der Professorin Dr. Franziska Jundt gehen, die ihn bisher am UKW behandelte. Prof. Jundt, die Leiterin des Bereichs Autologe Stammzell-Transplantation der Medizinischen Klinik II, erläutert: „Das Multiple Myelom gilt bisher als nicht heilbar. Unserem Spender ist es wichtig, dass andere Patienten zukünftig von neuen Forschungsergebnissen und Therapiemöglichkeiten profitieren können.“ Nach ihren Angaben wird die Spende konkret für die Untersuchung von Blutproben eingesetzt, die im Rahmen einer Pilotstudie zum Thema „Sport gegen Krebs“ gewonnen wurden. Übergeordnet geht es um Fragen wie: Wie wirkt sich Sport auf das Wachstum von Tumorzellen im Knochen aus? Ist Bewegung eine zusätzliche Maßnahme, die Krebspatienten helfen kann, das Multiple Myelom zu bekämpfen? Prof. Jundt: „Das Thema ist sehr innovativ und bedarf deshalb in seiner Anfangsphase besonderer Unterstützung. Gerade deshalb danke ich dem großzügigen Spender sehr herzlich!“ Nach den Worten der Professorin für Hämatologie und Internistische Onkologie dient die Pilotstudie als Vorarbeit zu einer großen multizentrischen Studie mit den Standorten Köln, Hamburg und Würzburg, für die bei der Deutschen Krebshilfe eine Förderung beantragt wird.

Weitere Spenden für das Vorhaben sind jederzeit herzlich willkommen:

Uniklinikum Würzburg
Stichwort „Translationale Myelomforschung“, Finanzstelle 8693060
UniCredit Bank AG
BIC: HYVEDEMM455
IBAN: DE12790200760326255084

 

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