Aktuelle Pressemitteilungen

Rätsel nach 16 Jahren gelöst

Die langjährige Fragestellung wie der Proteinkomplex CDK-activating kinase (CAK), der die zentralen Prozesse der Zellteilung und Transkription kontrolliert, genau aktiviert wird, konnte eine Würzburger Forschungsgruppe nun klären. Die Gruppe analysierte die aktive Form des Proteinkomplexes und konnte auf molekularer Ebene die Funktionsweise entschlüsseln. Diese neuen Erkenntnisse liefern die Grundlage für weitere Forschung an Krebsmedikamenten und wurden in dem renommierten Fachjournal PNAS veröffentlicht.

Die Zellteilung und die Transkription, also das Ablesen der Gene, gehören zu den wichtigsten Aufgaben einer Zelle und werden sehr genau reguliert, da Fehler in diesen Prozessen fatale Folgen wie Krebsentwicklung nach sich ziehen können. Spezielle Proteine, sogenannte Cyclin-abhängige Kinasen (CDK), regulieren im Zusammenspiel mit weiteren Proteinen diese Abläufe. CDK7 ist eine der wichtigsten dieser Kinasen beim Menschen. Die Struktur der Kinase selbst war schon seit 2004 bekannt, aber bislang wurde nicht verstanden, wie das Zusammenspiel der Proteine Cyclin H, MAT1 und CDK7 dazu führt, dass die Kinase innerhalb dieses Komplexes (CAK) ihre Aktivität entfalten kann. Dies gelang nun den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um die Professorin Dr. Caroline Kisker vom Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg, indem sie die Struktur des Komplexes in seiner aktiven Form entschlüsselten.

Genaue Funktionsweise des CAK aufgelöst

Der CAK-Komplex nimmt eine Schlüsselposition zwischen der Steuerung des Zellzyklus und der Transkription ein. „Über das Protein MAT1 kann der Komplex an den Transkriptionsfaktor TFIIH binden und damit kann das Ablesen der DNA starten“, erklärt Stefan Peissert, der Erstautor der Studie.

Normalerweise werden die Cyclin-abhängigen Kinasen, wie ihr Name das bereits andeutet, durch Cycline aktiviert. „Die CDK7 nimmt aber eine besondere Stellung unter den Kinasen ein, da sie neben ihrem Bindungspartner Cyclin H noch den Aktivator MAT1 benötigt um aktiv zu werden“, erläutert Kisker. Der Aufbau der CDK7 war schon länger bekannt, allerdings nicht der des gesamten Komplexes, da die Bildung eines stabilen Proteinkristalls, der für die Strukturbiologie nötig ist, nicht möglich war. Der Forschungsgruppe gelang es jetzt mittels Röntgenkristallstrukturanalyse die Struktur des trimeren Komplexes erstmals in der aktiven Form zu entschlüsseln. Dabei konnten sie die entscheidenden Strukturveränderungen sichtbar machen, die zur Aktivierung führen. „Genau zu wissen, was auf molekularer Ebene passiert, hilft uns diesen wichtigen Proteinkomplex zu verstehen“, betont Kisker.

CDK7 als Zielprotein der Krebstherapie

In Krebszellen ist der CAK, und somit auch CDK7, durch seine zentrale Position ein hervorragender Angriffspunkt für Krebsmedikamente. In bestimmten Krebsarten können Inhibitoren, die die Funktion des Proteins hemmen, das Tumorwachstum bremsen. „Da nun die Struktur des aktiven Zentrums des Proteinkomplex bekannt ist, ergeben sich ganz neue Angriffsmöglichkeiten für CDK7-Inhibitoren“, sagt Jochen Kuper, der als Postdoc in der Gruppe forscht. Ein weiterer Aspekt den die Forschungsgruppe in Zukunft untersuchen möchte, ist der biochemische Mechanismus nachdem unterschieden wird, ob die Transkription oder der Zellzyklus reguliert wird.

Wie hochaktuell die Forschung an dem CAK ist, zeigt auch die Tatsache, dass eine weitere Forschungsgruppe um Prof. Dr. Eva Nogales an der Berkeley University fast zeitgleich mit einer anderen Methode die Struktur des Komplex entschlüsselte. Die Ergebnisse der beiden Studien ergänzen sich und sind beide in PNAS erschienen.

Publikation

Stefan Peissert, Andreas Schlosser, Rafaela Kendel, Jochen Kuper, Caroline Kisker: Structural basis for CDK7 activation by MAT1 and Cyclin H. PNAS (Oktober 2020) doi: org/10.1073/pnas.2010885117.

Personen

Stefan Peissert forscht als Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Caroline Kisker am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg.

Dr. Jochen Kuper (Postdoktorand) forscht in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Caroline Kisker am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg.

Prof. Dr. Caroline Kisker ist unter anderem Leiterin des Lehrstuhls für Strukturbiologie und Dekanin der Graduate School of Life Sciences der Universität Würzburg. Sie ist die Sprecherin des Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg. Mehr Informationen: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/lehrstuehle/lehrstuhl-fuer-strukturbiologie/about/

Kontakte

Prof. Dr. Caroline Kisker (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg)
Tel.: +49 (0)931 31 80381, caroline.kisker@ virchow.uni-wuerzburg.de
Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 (0)931 31 85822, judith.flurer@ virchow.uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg - Rudolf-Virchow-Zentrum vom 15.10.2020

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Uniklinikum Würzburg: Zweites digitales Myelom-Forum am 21. November 2020

Nach der starken Beteiligung und den vielen positiven Rückmeldungen bei der Pilotveranstaltung im Juli dieses Jahres freuen sich die Experten des Uniklinikums Würzburg auf das zweite Digitale Myelom-Forum am Samstag, den 21. November 2020. Die Veranstaltung informiert Patienten, Angehörige und sonstige Interessierte erneut über aktuelle Erkenntnisse aus der Erforschung, Diagnostik und Therapie der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks.

 

Keine aufwändige Anreise, keine Gesundheitsgefahren für immungeschwächte Patienten und eine problemlose Beteiligung auch der Familien der Patienten – die Teilnehmer*innen des ersten Digitalen Myelom-Forums des Uniklinikums Würzburg (UKW) im Juli dieses Jahres wussten die Vorteile des Corona-bedingt neuen Online-Formats zu schätzen. Am Samstag, den 21. November 2020 findet ab 9:30 Uhr die ebenfalls digitale Nachfolgeveranstaltung statt.

Mittleres Überleben in den letzten Jahren deutlich gesteigert

Bispezifische Antikörper, CAR-T-Zellen, neue Medikamente und innovative Behandlungsstrategien – zu Beginn wird Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW, einen profunden Überblick über aktuelle Therapiemöglichkeiten für das Myelom geben. „Neue Daten lassen den Schluss zu, dass wir mittlerweile – speziell bei jüngeren Patienten – ein mittleres Überleben von über zwölf Jahren erreichen können“, berichtet der international anerkannte Experte.
Knochenmetastasen wirkungsvoll bekämpfen, aber gleichzeitig stabile Knochen sowie gesunde Zähne und Kiefer erhalten – dieses Spannungsfeld von Therapie und Nebenwirkungen zählt nach wie vor zu den Herausforderungen der Myelom-Therapie. Welche bewährten und innovativen Wege es zum Umgang mit dieser Problematik gibt, werden Prof. Dr. Alexander Kübler von der Zahn-, Mund- und Kieferklinik des UKW und Dr. Lothar Seefried von der Würzburger Orthopädischen Universitätsklinik, dem König-Ludwig-Haus, in zwei Vorträgen aufzeigen.

Anschließend wird Dr. Aleksander Kosmala vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie erläutern, wie mit aktuellen radiologischen Methoden die Ausdehnung des Myeloms im Körper exakt erfasst und das Ansprechen auf eine Therapie genau nachvollzogen werden kann.

Nierenschäden vermeiden

Das Myelom produziert Eiweiße, die zu schweren Nierenfunktionsstörungen führen können. Diese Zusammenhänge und Maßnahmen dagegen verdeutlicht Prof. Dr. Stefan Knop vom Schwerpunkt Hämatologie des UKW. Den Abschluss des Vortragsblocks des Forums liefert Prof. Dr. Andreas Buck von der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin. Er wird neue nuklearmedizinische Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms präsentieren.

Im Anschluss – ab etwa 11:45 Uhr – haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, sich per Chat zu Wort zu melden und individuelle Fragen zu stellen.
Plattform der digitalen Veranstaltung ist Skype für Business. Man kann über Computer, Smartphone und Telefon – hier natürlich nur mit Ton-Empfang – teilnehmen. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmer*innen per E-Mail die Zugangsdaten und eine detaillierte technische Anleitung. Anmelden kann man sich bei der Organisatorin Gabriele Nelkenstock unter E-Mail: info@ kampfgegenkrebs.de.
Das genaue Programm gibt es im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii.

Kastentexte:

Über das Multiple Myelom

Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen. Sie überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser Untergruppe des Lymphknotenkrebses.

Über die Expertise des Uniklinikums Würzburg

Das Uniklinikum Würzburg ist eines der europaweit führenden Zentren bei der Behandlung von Multiplem Myelom. Außerdem gehört diese bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Klinik und Poliklinik II und des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken.

 

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Erste Arbeitsergebnisse des Bayerisches Forschungsnetzes in der Allgemeinmedizin

BayFoNet, das in diesem Frühjahr gestartete Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin, will hausärztliche Praxen als Partner der Wissenschaft gewinnen. Ende September traf sich der Projektbeirat am Uniklinikum Würzburg zum Austausch über die bisherigen Arbeitsergebnisse.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin (BayFoNet) zielt darauf ab, ein bayernweites Netz von Forschungspraxen aufzubauen. An dem im Februar 2020 gestarteten Projekt sind Institute für Allgemeinmedizin der Universitätsklinika Würzburg und Erlangen sowie der Technischen Universität und des LMU Klinikums München beteiligt.

Am 24. September dieses Jahres trafen sich Vertreter*innen des Projektbeirates zu einer ersten Positionsbestimmung am Uniklinikum Würzburg (UKW). Dabei betonte Prof. Dr. Ildikó Gágyor vom UKW: „BayFoNet will nicht nur eine unabhängige und nachhaltige Forschungsinfrastruktur im Freistaat schaffen, sondern die Hausärztinnen und Hausärzte sowie deren Teams befähigen, eigene Forschungsideen zu entwickeln und umzusetzen.“

Projektdatenbank im Aufbau

Für einen Überblick sowohl über die teilnehmenden Forschungspraxen als auch über die Aktivität des Netzwerkes – d.h. aktuelle Schulungen sowie geplante, laufende und abgeschlossene Studien – wird laut Christian Kretzschmann derzeit eine Projektdatenbank aufgebaut. Der BayFoNet-Projektkoordinator und
-Netzwerkmanager wies bei dem Treffen darauf hin, dass dabei zur Sicherung des Datenschutzes alle Schritte eng mit dem Datenschutzbeauftragen des UKW abgestimmt werden.
Damit die Hausarztpraxen Forschungsprojekte auf hohem Niveau und gemäß wissenschaftlicher Standards durchführen können, müssen sie praxisnah geschult werden. Nach Angaben von Christina Kellerer von der TU München wurde dazu zwischenzeitlich das erste von drei Schulungs- und Fortbildungsmodulen entwickelt.

Studie evaluiert das gesamte Projekt

Die Erkenntnisse aus BayFoNet sollen eine Basis für den Aufbau weiterer Forschungspraxennetze in Deutschland darstellen. Hierfür wird das gesamte Projekt in einer Studie evaluiert. „Dabei betrachten wir sowohl die Perspektiven der Hausärzte, wie auch der Patienten, die wichtig für die Durchführbarkeit, Akzeptanz, Glaubwürdigkeit und Praktikabilität klinischer Studien sind“, sagte Dr. Linda Sanftenberg von der LMU München. Die Sichtweise und Beteiligung der Bürger*innen ist laut Larissa Burggraf vom Uniklinikum Erlangen im gesamten Verbundvorhaben wichtig. So wie die Mitglieder des Projektbeirates das BayFoNet durch ihre fachliche Expertise unterstützen, können sich auch Bürger*innen im Rahmen eines Bürgerforums mit ihren Erfahrungen und Vorstellungen einbringen und dadurch mithelfen, dass wissenschaftliche Untersuchungen so gestaltet werden, dass diese auch nachvollziehbar sind.

Für interessierte Hausarztpraxen, die Teil des Bayerischen Forschungsnetzes in der Allgemeinmedizin werden möchten, steht Christian Kretzschmann als Ansprechpartner zur Verfügung unter E-Mail: Kretzschma_C@ ukw.de oder Tel: 0931 201 47808.

 

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Uni Würzburg: Neuer Präsident gewählt

Der Psychologe Paul Pauli wird neuer Präsident der Universität Würzburg. Der Universitätsrat der JMU wählte ihn am Montag, 12. Oktober, zum Nachfolger von Alfred Forchel. Pauli tritt sein Amt am 1. April 2021 an.

Paul Pauli heißt der zukünftige Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Auf seiner Sitzung am Montag, 12. Oktober, wählte ihn der Universitätsrat der JMU zum Nachfolger von Alfred Forchel, wie Helmut Schwarz, der Vorsitzende des Universitätsrats erklärte.

Pauli hat derzeit den Lehrstuhl für Psychologie I - Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der JMU inne. Der 60-Jährige ist als Präsident der Universität für sechs Jahre gewählt und wird am 1. April 2021 Alfred Forchel ablösen, der die Universität seit Oktober 2009 leitet und nun aus Altersgründen ausscheidet.

Paul Paulis Ziele

„Das Wir-Gefühl der Universität durch eine Universitätskultur von Vertrauen, Wertschätzung und konstruktiver Kommunikation stärken, sodass wir zukünftige Herausforderungen gemeinsam, im Team, erfolgreich meistern können.“ So beschreibt Pauli eines der Ziele, die er in seiner Amtszeit als neuer Präsident der JMU erreichen möchte. Darüber hinaus ist es ihm wichtig, „unsere Exzellenz in der Forschung unter Berücksichtigung fachspezifischer Anforderungen und interdisziplinären Denkens zu stärken und Exzellenz in der Lehre zu fördern.“

Seit seinem Wechsel von England nach Würzburg habe Pauli die JMU in verschiedenen Funktionen - Institutsvorstand, Studiendekan, Dekan und DFG-Vertrauensdozent - sehr gut kennen und schätzen gelernt. In seiner Forschung habe er erfolgreich mit Medizinern, Biologen, Geisteswissenschaften und Ingenieuren kooperiert, unter anderem als Leiter eines Graduiertenkollegs und Ortssprecher eines Sonderforschungsbereichs.

„Diese Erfahrungen und Erfolge sowie meine Kompetenz, Kolleginnen und Kollegen für neue Projekte zusammenzubringen und sie dafür zu begeistern, haben mich motiviert, mich für das Amt des Präsidenten der Universität Würzburg zu bewerben“, so Pauli.

Zur Person

Pauli (Jahrgang 1960) stammt aus Biberach an der Riß. Er studierte von 1979 bis 1986 Diplom-Psychologie an der Universität Tübingen und arbeitete anschließend als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsstipendiat am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München sowie als Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Technischen Universität München.

1991 wurde Pauli promoviert; seine Habilitation schloss er 1997 im Fach „Medizinische Psychologie“ am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen ab. Von 2000 bis 2001 war er Inhaber des Lehrstuhls Clinical Psychology Research an der University of Southampton, England. Seit 2001 hat er an der JMU den Lehrstuhl für Psychologie I, Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Angststörungen, Schmerzen und Sucht.

Gratulation vom Wissenschaftsminister

Wissenschaftsminister Bernd Sibler gratulierte dem künftigen Präsidenten der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zur erfolgreichen Wahl: „Prof. Dr. Paul Pauli gestaltet den Universitätsbetrieb in Würzburg seit vielen Jahren engagiert mit: Als Forscher, Lehrender, Lehrstuhlinhaber sowie als Studiendekan und Dekan. Mit dem breiten Erfahrungsschatz, den er während seiner beruflichen Laufbahn bereits gesammelt hat, wird der promovierte Psychologe die älteste Universität Bayerns in eine erfolgreiche Zukunft führen und in Forschung, Lehre und Verwaltung neue Impulse setzen. Mit seiner Arbeit wird er die Universität Würzburg sicherlich weiterentwickeln und zugleich den Hochschulstandort Bayern stärken. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit!“

Wahl durch den Universitätsrat

Der Präsident der Universität wird gemäß dem bayerischen Hochschulgesetz vom Universitätsrat gewählt. Ihm gehören zehn externe Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und beruflicher Praxis an sowie die zehn gewählten Mitglieder des Senats der Universität. Vorsitzender des Universitätsrats ist der ehemalige Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Professor Helmut Schwarz.

Neben Schwarz gehören zu den externen Mitgliedern des Universitätsrats die Professorinnen und Professoren Mechthild Dreyer (Universität Mainz) Dorothee Dzwonnek (Staatssekretärin a.D.), Jörg Hacker (ehemaliger Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina), Beate Kellner (Ludwig-Maximilians-Universität München), Eberhard Umbach (ehemaliger Präsident KIT) und Margret Wintermantel (ehemalige Präsidentin des DAAD). Weitere externe Mitglieder sind Dr.-Ing. Thomas Leicht (Leiter Brose Antriebstechnik GmbH & Co. KG, Berlin), Caroline Trips (Geschäftsführende Gesellschafterin der Trips GmbH) und Dr.-Ing. E.h. Manfred Wittenstein (Aufsichtsratsvorsitzender der Wittenstein SE).

Die zehn gewählten Mitglieder des Senats sind die Professorinnen und Professoren Thomas Baier (Klassische Philologie), Christoph Teichmann (Jura), Andreas Dörpinghaus (Humanwissenschaften), Caroline Kisker (Medizin), Markus Sauer (Biologie) und Holger Braunschweig (Chemie).

Der Physiker PD Dr. Volker Behr vertritt im Senat die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität, Heidi Pabst vom Justiziariat die sonstigen Mitarbeiter. Stella Gaus und Chris Rettner vertreten die Interessen der Studierenden.

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 12. Oktober 2020

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Würzburger Zahnmedizin-Studierende mit bundesweitem Nachwuchs-Preis ausgezeichnet

Gleich drei Würzburger Zahnmedizin-Studierende erhielten kürzlich „Die Goldene Hedström-Feile 2019“. Mit diesem Preis würdigt die Fachzeitschrift Quintessenz Endotontie herausragende, während der studentischen Ausbildung erbrachte endodontische Leistungen – sprich exzellente Wurzelkanalbehandlungen.

Christine Karus, Elena Ries und Christian Hoyer sind Würzburger Zahnmedizin-Studierende, denen im Rahmen ihrer Ausbildung im Sommersemester 2019 oder im Wintersemester 2019/2020 im deutschlandweiten Vergleich exzellente Wurzelkanalbehandlungen gelangen. Dieser Meinung ist die Redaktion der Fachzeitschrift Quintessenz Endodontie und ehrte das Trio jeweils mit der Goldenen Hedström-Feile 2019. Mit dieser von einem Buchpreis begleiteten Auszeichnung sollen die Nachwuchsmediziner/innen schon während ihres Studiums zu hervorragenden endodontischen Behandlungen motiviert werden. Insgesamt erhielten 20 Studierende aus Deutschland und der Schweiz den Award, der nach einem zahnärztlichen Instrument benannt ist, mit dem Wurzelkanäle gesäubert und erweitert werden können.

 

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Neues Zentrum für zelluläre Immuntherapie am Uniklinikum Würzburg

Das Uniklinikum Würzburg hat in diesem Sommer ein Zentrum für zelluläre Immuntherapie gegründet. Neben der – nun gebündelten – interdisziplinären Expertise der beteiligten Mediziner zeichnet sich die Einrichtung durch ein hochspezialisiertes Labor aus. Dort kann klinikumsintern eine Vielzahl von Zellpräparaten hergestellt werden.

„Die Immuntherapie hat die Therapiemöglichkeiten in der Onkologie revolutioniert und in den letzten Jahren Erfolge erzielt, die bislang undenkbar waren“, zeigt sich Prof. Dr. Matthias Eyrich vom Uniklinikum Würzburg (UKW) begeistert. Der auf Krebs in der Kinderheilkunde spezialisierte Mediziner leitet auch den Bereich Zelltherapie an der Universitäts-Kinderklinik. Dort, wie auch an der von Prof. Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik II, werden schon seit über 15 Jahren Immuntherapien, überwiegend im Bereich der Stammzelltransplantation, angewandt. In der Onkologie sollen aktivierte Immunzellen die körpereigene Immunabwehr gezielt dabei unterstützen, Krebszellen aufzuspüren und anzugreifen. Die meisten Erfahrungen und Erfolge liegen dabei bislang bei der Behandlung von Blut- und Lymphknotenkrebs vor, nun sollen auch solide Tumoren auf diesem Weg therapiert werden. „Es zeigt sich, dass dies ungleich schwieriger ist, aber auch dies wird gelingen“, ist sich Prof. Eyrich sicher. Weitere Fachbereiche des UKW haben ein zunehmend starkes Interesse, das Immunsystem für die Behandlung von Krebserkrankungen in ihren Organbereichen zu nutzen, zum Beispiel bei Hautkrebs und Gehirntumoren. Diese Bestrebungen und Aktivitäten bündelt das UKW jetzt in dem im August dieses Jahres ins Leben gerufenen Zentrum für zelluläre Immuntherapie.

Erwartungen an die neue Zentrumsstruktur

Mit der neuen Struktur sind eine ganze Reihe von weitreichenden Erwartungen verbunden. „Dazu zählen sowohl eine Steigerung der Behandlungskapazität, wie auch eine Ausweitung der Anwendungsgebiete“, sagt Prof. Dr. Michael Hudecek, CAR-T-Zell-Spezialist an der Medizinischen Klinik II. Was nichts anderes bedeutet, als dass in Zukunft noch mehr Patienten auf diese Weise behandelt werden sollen – und die Medizinerinnen und Mediziner gleichzeitig ein noch breiteres Spektrum an Tumorerkrankungen in Angriff nehmen wollen. „Passend zum Aus- und Weiterbildungsauftrag des Uniklinikums werden wir im Zentrum außerdem für Ärztinnen und Ärzte, wie auch für Patienten gemeinsam verstärkt Schulungen zum richtigen Umgang mit Immuntherapien entwickeln und anbieten“, kündigt Prof. Eyrich an. Last but not least ist eine Zentrumsstruktur gut für die Forschung und ihre Unterstützung auf diesem Gebiet.

GMP-Zelltherapie-Labor als essentieller Leistungsträger

Immuntherapien gibt es in aller Regel nicht „von der Stange“. Vielmehr werden sie für jeden Patienten individuell hergestellt. Im Moment läuft das meistens so, dass dem Patienten eigene Zellen entnommen werden, diese werden dann in einem Speziallabor verändert und dem  Patienten anschließend zurückinfundiert. Das UKW hat den großen Vorteil, dass es viele dieser Zellmanipulationen selbst durchführen kann. Dazu betreibt es im Untergeschoss des Gebäudes D30 seit dem Jahr 2006 ein GMP-Zelltherapie-Labor. GMP steht für „Good Manufacturing Practice“, was bedeutet, dass hier nachweislich alle gesetzlichen Anforderungen wie bei der Herstellung von Fertigarzneimitteln erfüllt werden. Als Herstellungsleiter und sogenannte Sachkundige Person ist Prof. Eyrich für die hochspezialisierte Einrichtung verantwortlich. Er erläutert: „Aktuell haben wir vom Paul-Ehrlich-Institut als zuständiger Bundesoberbehörde die Genehmigungen für die Herstellung von 16 verschiedenen Zellprodukten und arbeiten daran, weitere zu bekommen. Diese Produktbreite ist bayernweit einzigartig.“ Pro Jahr stellt sein Laborteam aus sechs Medizinisch-technischen Assistentinnen und einem Leiter der Qualitätskontrolle unter Reinraumbedingungen rund 120 Produkte her, hauptsächlich im Bereich der Stammzelltransplantation. Etwa zwei Drittel der Produkte werden in der Medizinischen Klinik II an Erwachsene verabreicht, ein Drittel kommt in der Kinderklinik zum Einsatz. Desweiteren kommen mittlerweile auch Anfragen aus der gesamten Bundesrepublik.
Manche Zellmanipulationen müssen im Moment noch bei externen Biotechnologie- und Pharmafirmen stattfinden. „Hier arbeitet unser GMP-Labor als Kooperationspartner, der die hochkomplexe Logistik leisten kann, die erforderlich ist, um die Patientenzellen sicher um die halbe Welt zu senden“, beschreibt Prof. Eyrich.

Breite Forschungsbemühungen am UKW

Am UKW laufen derzeit mannigfaltige Forschungsbemühungen, um gerade auch für seltenere Tumore neue Zelltherapien zu entwickeln und verfügbar zu machen. „Das GMP-Zelltherapie-Labor fungiert hier unter anderem als Bindeglied zwischen präklinischer Laborforschung und klinischen Studien“, verdeutlicht der Herstellungsleiter. Aktuelle Studien am Würzburger Uniklinikum beschäftigen sich beispielsweise mit den Einsatzmöglichkeiten von Immuntherapien bei Erwachsenen mit Multiplem Myelom. Bei Kindern wird unter anderem an Behandlungsmöglichkeiten für das Neuroblastom, einem bösartigen Nerventumor, sowie an einem Tumorimpfstoff für kindliche Hirntumoren gearbeitet. Um für die jungen Krebspatienten solche Fortschritte nutzbar zu machen, konnte das UKW einen italienischen Wissenschaftler, Dr. Ignazio Caruana, rekrutieren, der erst vor wenigen Wochen seine Arbeit an der Kinderklinik aufnahm.

Was die Weiterentwicklung des GMP-Labors angeht, so ist laut Prof. Eyrich neben einer stärkeren Automatisierung von Herstellungsschritten vor allem die technische Weiterentwicklung der Herstellungsräume wichtig. Für den „Wachstumsbereich Zelltherapie“ werden in zwei bis drei Jahren im Zentrum für Innere Medizin des UKW neue Reinräume zur Verfügung stehen. „Dies wird unsere Abhängigkeit von industriell hergestellten Präparaten vermindern und es uns ermöglichen, auch für seltene Erkrankungen individualisierte Zellprodukte anbieten zu können,“ kündigt der Herstellungsleiter an.

 

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Im Netzwerk gegen Corona

Das „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM) bündelt bis zum Frühjahr 2021 bundesweite Forschungen zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten, die an Covid-19 erkranken. Das Universitätsklinikum und die Universität Würzburg sind in elf Verbünden vertreten.

Prävention, Behandlung und die Suche nach Impfstoffen gegen „Corona“ stellen die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Um Forschungsprojekte zu bündeln, Akteurinnen und Akteure zu vernetzen und Reibungsverluste zu verhindern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM) ins Leben gerufen und fördert es mit 150 Millionen Euro. Alle deutschen Standorte der Universitätsmedizin sind vertreten, die Gesamtkoordination liegt bei der Berliner Charité.

Ein Ziel des Netzwerks NUM ist es, Kompetenzen und Ressourcen in Prävention, Diagnostik- und Behandlung aller deutschen Universitätskliniken zusammenzuführen und auszuwerten. Dadurch sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine schnelle und qualitätsgesicherte Versorgung der an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten sicherstellen.

Um im NUM situationsgerecht und rasch agieren zu können, haben das Universitätsklinikum (UKW) und die Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg eine gemeinsame Task-Force unter der Leitung des Ärztlichen Direktors des Klinikums, Prof. Dr. Georg Ertl, und des Dekans der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Matthias Frosch, eingerichtet. „Die Task Force kann auf die langjährige Erfahrung und internationale Reputation des Forschungsstandorts Würzburg bei Klinischen Studien und Registern zurückgreifen“, so der Koordinator der Würzburger Task Force, Professor Peter Heuschmann, Direktor des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie. Die zentrale Biobank ibdw bildet den elementaren Grundstein für die Bioprobenerfassung, das Servicezentrum Medizin-Informatik des UKW sorgt unter hohem Zeitdruck für notwendige Anpassungen der Datenerhebung, -speicherung und -verarbeitung. „Nahezu alle infektiologischen und klinischen Forschungsbereiche des Standorts Würzburg sind mit ihren Erfahrungen in der klinischen Forschung einbezogen“, meint der Dekan Professor Matthias Frosch.

Der Forschungsstandort Würzburg ist an insgesamt elf der 13 geförderten Verbünde des NUM-Netzes aktiv beteiligt. Die Themen decken ein breites Spektrum an medizinischer Forschung und Anwendung ab, beispielsweise Nachuntersuchungen bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten (NAPKON), Evidenz für Maßnahmen zur Pandemiebewältigung (CEO-sys), Pandemiemanagement (EViPan Unimed) und Testung (B-FAST). Die Gesamtfördersumme beläuft sich für Würzburg auf über 4,3 Millionen Euro.

Neben der konkreten Verbesserung der Patientenbehandlung zielt das Netzwerk auch darauf, mit bislang gewonnenen Erkenntnissen im Krisenmanagement und in den organisatorischen Abläufen besser für zukünftige Krankheitsereignisse gewappnet zu sein. Die Themenfelder des Netzwerks fokussieren sich vor allem auf die Bereiche, die insgesamt einen größtmöglichen Mehrwert für eine „Pandemic Preparedness“, also die Vorbereitung auf pandemische Ereignisse, bieten. Der Leiter der Task Force und Ärztliche Direktor des UKW Professor Georg Ertl sagt: „Gerade die wieder gestiegenen Corona-Infektionszahlen ohne entsprechende COVID-19 Erkrankungen machen den Forschungsbedarf deutlich: Wer infiziert sich, wer wird krank und wer hat einen schweren Krankheitsverlauf? Was sind die Risikofaktoren für einen solchen schweren Verlauf?“ Auch die Würzburger STAAB-COVID-Studie, die am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) mit Unterstützung des Bayerischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt Würzburg durchgeführt wird, widme sich diesen vielleicht wichtigsten Fragen. Der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler weist darauf hin: „Hier zeigt die Universitätsmedizin, dass sie quasi aus dem Stand für die Gesellschaft wichtigste medizinische Forschungsfragen bearbeiten kann. In ihr sind Patientenversorgung und patientennahe Forschung so eng verzahnt, dass eine schnelle und wissenschaftlich fundierte Rückkopplung von Erkenntnissen in die medizinische Anwendung möglich ist. Sowohl in der Forschung als auch in der Versorgung ist die Universitätsmedizin die Speerspitze im Kampf gegen Corona“.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können in Zukunft als Empfehlungen für Prävention und Behandlung in Gesellschaft und Politik einfließen.

 

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