Aktuelle Pressemitteilungen

Herzstillstand - wie schütze ich mich davor, wie lebe ich danach?

65.000 Menschen erleiden jedes Jahr allein in Deutschland einen plötzlichen Herztod, etwa 60.000 sterben daran. Das müsste nicht sein. Um über die Risiken, Diagnose- und Therapieverfahren aufzuklären, hat die Deutsche Herzstiftung den plötzlichen Herztod als Thema ihrer diesjährigen Herzwochen gewählt, die bundesweit immer im November stattfinden. In diesem Rahmen informieren Kardiologen aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) am 21. November von 17 bis 20 Uhr im Universitätsklinikum Würzburg (Hörsaal 1 im ZIM) über die Ursachen der bedrohlichen Herzrhythmusstörungen, wie man sie erkennt, behandelt und vermeidet.

In der Regel ist der plötzliche Herztod die Folge einer bislang nicht erkannten Herzkrankheit. Umso wichtiger ist es, Gefahren vorzubeugen, sie rechtzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln. Wichtigste Ursache ist die koronare Herzkrankheit (KHK), die zum Beispiel durch Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes sowie durch einen ungesunden Lebensstil bedingt wird. Unmittelbar ausgelöst wird der plötzliche Herztod fast immer durch das Kammerflimmern. Entsprechend groß ist die Verunsicherung bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Professor Dr. Christoph Maack, Sprecher des DZHI, wird am 21. November über die Ursachen und die Häufigkeit des plötzlichen Herztods referieren sowie Fragen zu Herzrhythmusstörungen beantworten.

An jedem 2. Arbeitstag wird am UKW ein Defi implantiert
Eine sehr wirkungsvolle Therapie gegen lebensgefährliche schnelle Rhythmusstörungen besteht in der Implantation eines kleinen Defibrillators, auch ICD genannt. Am Universitätsklinikum Würzburg wurden zum Beispiel im vergangenen Jahr 124 Defibrillatoren implantiert sowie 168 Herzschrittmacher. Professor Dr. Dr. Wolfgang Bauer wird die verschiedenen Möglichkeiten einer Devicetherapie (Device = Gerät) vorstellen. Für einen Erfahrungsbericht werden Mitglieder der ICD-Selbsthilfegruppe aus Würzburg zur Verfügung stehen.

Wie man sich mit etablierten medikamentösen Therapien vor dem plötzlichen Herztod schützen kann, erklärt Dr. Thomas Fischer. Ferner berichtet der Privatdozent über die modernen Katheter- und Navigationstechniken, mit denen krankhafte Bereiche im Herzmuskel gezielt verödet werden können.

Wenn die Seele mitleidet
Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes Thema ist die Seele. Denn viele Herzerkrankungen gehen mit Ängsten und Depressionen einher. Dr. Stefan Schulz wird Ansätze vorstellen, wie man das Leben von Herzkranken langfristig verbessern und Ängste reduzieren kann. Eine moderne, unkomplizierte und vor allem nachhaltige Lösung kann die Teilnahme an einem ICD-Forum sein, einem sechswöchigen, moderierten Internet-Training mit Hilfe zur Selbsthilfe.

Manchmal liegt es in den Genen
Abschließend wird Professor Dr. Brenda Gerull über das Risiko des plötzlichen Herztods bei angeborenen Herzerkrankungen sprechen. Vor allem das Auftreten des plötzlichen Herztodes in jungen Jahren ist typisch für eine erblich bedingte Herzrhythmusstörung oder Herzmuskelerkrankung. Daher plädiert die Kardiogenetikerin für eine detaillierte Ursachenklärung bei herzbedingten Todesfällen vor dem 45. Lebensjahr. So können in manchen Fällen Familienangehörige frühzeitig erfahren, ob sie möglicherweise dieselbe genetische Störung haben und ein hohes Risiko für eine Herzerkrankung vorliegt.

Moderiert werden die Vorträge mit anschließender Sprechstunde von Professor Dr. Ulrich Hofmann. Nach den Vorträgen gibt es die Möglichkeit, mit den Ärzten persönlich zu sprechen und sich über Defibrillatoren, Herzschrittmacher, aber auch über Erste-Hilfe-Maßnahmen zu informieren. Die Johanniter geben zum Beispiel Tipps für eine Herzdruckmassage.

Würzburger HNO-Klinik gibt den Themen Stimme und Schlucken zwei Foren

Das große Teilnehmerinteresse im Vorfeld beweist: Mit dem Würzburger Stimmtag 2019 unter dem Titel „Die professionelle Stimme“ am 22. November 2019 und dem Wullstein-Symposium 2019 mit dem Schwerpunkt Schluckstörungen am Tag darauf engagiert sich die HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg auf zwei hochaktuellen Themenfeldern.

 

Am Freitag, den 22. November, findet der Würzburger Stimmtag 2019 statt. Die diesjährige Neuauflage trägt den Titel „Die professionelle Stimme“. Bei der Kooperationsveranstaltung der Hochschule für Musik Würzburg und der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) betrachten Fachleute aus Musik und Medizin die professionelle Stimme aus künstlerischer, therapeutischer, gesangspädagogischer und medizinischer Perspektive. „Aus ärztlicher Sicht werden wird dabei unter anderem mögliche Auswirkungen von Allergien, Hormonstörungen und Sprechbelastungen auf die professionelle Stimme thematisieren sowie Maßnahmen zur Prävention und Stimmrehabilitation diskutieren“, kündigt Prof. Dr. h.c. Rudolf Hagen, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des UKW, an. Die Veranstaltung richtet sich gleichermaßen an Mediziner/innen, Therapeutinnen und Therapeuten, Musiker/innen, Musik- und Medizinstudierende sowie alle anderen Interessierten. „Dass wir mit den geplanten Inhalten und dem Konzept ein großes Informationsbedürfnis treffen, kann man daran ablesen, dass die Plätze im Kleinen Saal der Musikhochschule sehr schnell vollständig ausgebucht waren“, berichtet Dr. Fabian Kraus, Oberarzt der HNO-Klinik und einer der Organisatoren des diesjährigen Stimmtags.

Schluckstörungen als interdisziplinäre Herausforderung

Am Tag darauf ist der Hörsaal des Würzburger Kopfklinikums an der Josef-Schneider-Straße der Schauplatz des Wullstein-Symposiums 2019. Die in Fachkreisen weithin bekannte Veranstaltungsreihe ist benannt nach Prof. Horst Ludwig Wullstein (1906 – 1987), dem Begründer der modernen Ohrchirurgie und Ideengeber zum Bau der weltweit ersten Kopfklinik in Würzburg. In diesem Jahr widmet sich die Fachtagung den interdisziplinären Herausforderungen der Schluckstörung oder Dysphagie. „Einschränkungen des Schluckvermögens haben enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen“, unterstreicht Prof. Hagen und fährt fort: „In den letzten Jahren ist die Bedeutung von Schluckstörungen in vielen Fachdisziplinen mehr und mehr in den Vordergrund gerückt.“ Das Wullstein-Symposium ist nach seinen Worten eine gute Gelegenheit, sich über aktuelle Erkenntnisse rund um das Thema Dysphagie zu informieren und auszutauschen. „Neben multiprofessionellen Referenten aus verschiedenen lokalen, mit der HNO-Klinik assoziierten Einrichtungen konnten wir weitere Experten aus dem deutschsprachigen Raum für Vorträge gewinnen“, kündigt Dr. Kraus an, der auch diese Veranstaltung organisiert. Die Tagung richtet sich an Mediziner/innen aller Fachdisziplinen sowie an Therapeutinnen und Therapeuten. Auch hier sind bereits alle Plätze durch Anmeldungen belegt.

 

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Uniklinikum Würzburg: Neue Möglichkeiten für die Gentherapie durch ein „optimiertes Dornröschen“

Als Teil der Krebsimmuntherapie können die T-Zellen des Menschen durch gentechnische Veränderungen auf Tumorzellen „scharfgestellt “ werden. Ein deutsches Forschungsteam unter Beteiligung des Uniklinikums Würzburg hat ein Verfahren entwickelt, das die dazu erforderliche Genomveränderung in Zukunft noch preiswerter und sicherer machen kann.

Ein Transposon ist ein DNA-Abschnitt, der seine Position im Genom verändern kann. In der Gen- und Zelltherapie kann es dazu verwendet werden, um therapeutische Sequenzen in das Genom von Patientenzellen zu schleusen. Beispielsweise lassen sich mit diesem Vehikel T-Zellen aus dem menschlichen Immunsystem gentechnisch so umgestalten, dass sie Tumorzellen erkennen und attackieren können. „Sleeping Beauty“ ist ein künstliches Transposon, das auf Transposons beruht, die schon vor mehr als zehn Millionen Jahren in Fischen vorkamen. Die Eigenschaften dieser DNA-Abschnitte wurden rekonstruiert und „zum Leben erweckt“ – daher der Name, der auf die wachgeküsste Märchenfigur Dornröschen Bezug nimmt.

Eine Transposase ist ein Protein, das sich an das Ende eines Transposon bindet und – als Cut & Paste-Enzym – in das Genom der Wirtszelle integriert.

Neue Variante der Sleeping-Beauty-Transposase

Einem deutschen Forschungsteam, bestehend aus Wissenschaftler/innen des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg, des Uniklinikums Würzburg (UKW) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), gelang es nun, eine neue Variante der Sleeping-Beauty-Transposase mit stark verbesserten biochemischen Eigenschaften zu entwickeln. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden Anfang November 2019 in der britischen Fachzeitschrift Nature Biotechnology veröffentlicht.

„Das von uns entwickelte Protein kann in Säugetierzellen übertragen werden und bleibt dabei voll funktionsfähig, so dass bei Bedarf effiziente und stabile Genomveränderungen in den Zielzellen möglich sind,“ erklärt Dr. Orsolya Barabas, Gruppenleiterin des EMBL Heidelberg.

Unter anderem nützlich für die CAR-T-Zell-Produktion

Das optimierte Verfahren kann bei verschiedenen Zelltypen eingesetzt werden, einschließlich menschlicher Stammzellen und T-Lymphozyten. Letztere können mit Hilfe der Sleeping-Beauty-Transposase für die Krebsimmuntherapie mit einem künstlichen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet werden. „Bereits in dieser ersten Studie demonstrieren wir die Nützlichkeit unserer Methode für die CAR-T-Zell-Produktion und ihre Wirksamkeit in einem Versuchsmodell mit Mäusen", berichtet Dr. Michael Hudecek. Der Wissenschaftler der Medizinischen Klinik II des UKW und sein Team setzen nun die Forschung mit der Transposase zur Verwendung bei menschlichen Patienten fort. „Unsere Erwartungen in die klinischen Effekte der neuen Technologie sind hoch“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Krebsexperte und Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW fährt fort: „Wir hoffen, dass sich auf diesem Weg CAR T-Zellen wesentlich rascher und auch preiswerter generieren lassen. Damit würde diese hocheffektive Therapie für die Patienten schneller verfügbar und wohl auch noch breiter einsetzbar.“

Industriell herstellbar, preiswerter, sicherer

„Einer der wesentlichen Vorteile der neuartigen Technologie besteht darin, dass die Sleeping-Beauty-Transposase in industriellem Maßstab pharmazeutisch hergestellt werden kann, wodurch sie für Unternehmen für künftige therapeutische Anwendungen noch attraktiver wird“, erklärt Dr. Zoltán Ivics vom Paul-Ehrlich-Institut. Und Dr. Barabas ergänzt: „Unser neues Verfahren zur Zellentwicklung wird vorerst zu einer Kostensenkung und – durch eine erhöhte Genauigkeit und bessere Kontrolle der Methode – zu noch mehr Sicherheit bei medizinisch relevanten Genommodifikationen führen."

Literatur:

Querques, I., Mades, A., Zuliani, C. et al. A highly soluble Sleeping Beauty transposase improves control of gene insertion. Nat Biotechnol (2019) doi:10.1038/s41587-019-0291-z.

 

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Uniklinikum Würzburg: Hentschel-Preis 2019 ehrt Forschungsbemühungen im Kampf gegen den Schlaganfall

Der Hentschel-Preis zeichnet neue Erkenntnisse im Kampf gegen den Schlaganfall aus. In diesem Jahr ging der Award an Viktoria Rücker von der Universität Würzburg und Privatdozent Dr. Peter Sporns vom Universitätsklinikum Münster.

 

Im Rahmen des 4. Würzburger Schlaganfallsymposiums des Uniklinikums Würzburg (UKW) wurde am 6. November der Hentschel-Preis 2019 verliehen. Mit dem seit dem Jahr 2011 jährlich vergebenen Award ehrt die Stiftung „Kampf dem Schlaganfall“ thematisch passende Arbeiten aus Forschung, Prävention, Diagnostik und Therapie. In diesem Jahr überreichte Günter Hentschel, der Gründer der Stiftung, den bundesweit ausgeschriebenen, mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis gleich an zwei Forscherpersönlichkeiten:

  • Viktoria Rücker vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Uni Würzburg wurde geehrt für ihre Arbeit „Rückgang der regionalen Entwicklung der Sterblichkeit von Schlaganfall-Subtypen in Deutschland von 1988 bis 2015“.
  • Privatdozent Dr. Peter Sporns vom Institut für Klinische Radiologie des Universitätsklinikums Münster erhielt den Hentschel-Preis für seine wissenschaftliche Publikation zu „Machbarkeit, Sicherheit und Ergebnis der endovaskulären Rekanalisation bei Schlaganfällen im Kindesalter (Save ChildS)“.

Außer dem Stiftungsgründer gratulierten auch der Direktor, Prof. Dr. Jens Volkmann, und der Geschäftsführende Oberarzt, Prof. Dr. Karl Georg Häusler, der Neurologischen Klinik und Poliklinik des UKW herzlich zur verdienten Auszeichnung.

Um auch in Zukunft den Kampf gegen den Schlaganfall vorantreiben zu können, freut sich Günter Hentschel über Spenden auf das Konto:

Kampf dem Schlaganfall, HypoVereinsbank Würzburg
BIC: HYVEDEMM455 / IBAN: DE45790200760347390402

Die Stiftung ist vom Finanzamt Würzburg unter der Steuernummer 257/147/00343 als gemeinnützig anerkannt. Zustiftungen und Spenden sind daher steuerlich absetzbar.

 

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Neues Projekt soll chronische Schmerzen nach Operationen verhindern

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. hat beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Förderung von sieben Millionen Euro für das Projekt POET-Pain eingeworben. Das unter Beteiligung des Uniklinikums Würzburg geplante Vorhaben will helfen, die Chronifizierung postoperativer Schmerzen zu verhindern.

 

Unter der Präsidentschaft von Prof. Dr. Claudia Sommer von der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) sieben Millionen Euro für das Projekt POET-Pain eingeworben. Der Name steht für „Prävention operationsbedingter anhaltender Schmerzen durch Einführung eines perioperativen Transitional Pain-Service“. Ziel des Projektes ist es, zukünftig die Schmerzversorgung von Patienten in Krankenhäusern nach einer Operation zu verbessern.

Neuer Service für spezielle Risikogruppen

„Das besondere Augenmerk liegt auf speziellen, vor einer Operation identifizierten Risikogruppen, bei denen eine Chronifizierung postoperativer Schmerzen verhindert werden soll“, schildert Prof. Sommer. Dazu soll nach ihren Angaben ein modulares, individuell an den Patienten angepasstes Interventionsangebot aufgebaut werden. Als Ergänzung der Regelversorgung und ausschließlich für Risikopatienten wird ein sogenannter „Transitional Pain Service“ eingesetzt. Dieser arbeitet im zeitnahen Umfeld des Eingriffs stationär und für sechs Monate nach der Operation ambulant. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und nach Abschluss umfassend evaluiert. „Im Idealfall könnte der Service nach Projektende regelhaft in die Strukturen des deutschen Gesundheitswesens eingebaut werden“, hofft Prof. Sommer.

Uniklinikum Würzburg am Forschungskonsortium beteiligt

POET-Pain startet unter Federführung der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit einem Konsortium von zwölf Partnern. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Esther Pogatzki-Zahn vom Universitätsklinikum Münster. Am UKW werden Prof. Dr. Heike Rittner als Leiterin der Schmerztagesklinik und Privatdozent Dr. Elmar-Marc Brede, Leiter des Akutschmerzdienstes, an dem Projekt beteiligt sein.

 

Kastentext:

Über den G-BA
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen, und Versorgungsforschungsprojekte, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung ausgerichtet sind, zu fördern. Zu diesem Zweck legte die Bundesregierung einen Innovationsfonds auf. In der aktuellen Förderwelle, in der sich die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V erfolgreich mit ihrem jüngsten Projektantrag POET-Pain durchsetzen konnte, werden 31 Projekte neu gefördert. Pro Jahr unterstützt der G-BA entsprechende Vorhaben mit insgesamt 200 bis 300 Millionen Euro.

 

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Achillesferse von Tumorzellen gefunden

Bei fast allen Fällen von Darmkrebs ist ein ganz bestimmtes Gen mutiert - das bietet Chancen, um breit wirksame Therapieansätze zu entwickeln. Würzburger Forschungsteams sind hier einen Schritt weitergekommen.

 

Bei 90 Prozent aller Fälle von Dickdarmkrebs haben die Tumorzellen eine Gemeinsamkeit: Das APC-Gen ist mutiert. In genau diesen Zellen suchten Forschungsgruppen der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg nach Angriffspunkten, über die man die Krebszellen zerstören könnte.

"Wir wollten Gene finden, die nur für das Überleben von Zellen mit APC-Mutation wichtig sind, nicht aber für gesunde Zellen", erklärt Dr. Armin Wiegering, Leiter einer Nachwuchsgruppe am Biozentrum der JMU und Oberarzt in der Chirurgie des Würzburger Universitätsklinikums.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen hatte Erfolg. Das berichten die Forschungsteams jetzt im Fachjournal Nature Cell Biology: Hemmten sie das Gen mit dem Namen eIF2B5, dann starben die mutierten Darmkrebszellen den sogenannten programmierten Zelltod - das ist ein Selbstzerstörungsprogramm, mit dem der Organismus im Normalfall beschädigte oder gealterte Zellen entsorgt. Gesunde Zellen dagegen verkrafteten die Hemmung des Gens ohne jegliche Beeinträchtigung.

Möglicher Angriffspunkt für die Behandlung

"Damit haben wir eine sehr spezifische Achillesferse von APC-mutierten Tumoren identifiziert", sagt Professor Martin Eilers, Krebsforscher am Biozentrum. Man kenne nun eine Stelle, an der neu zu entwickelnde Antitumor-Medikamente möglicherweise sehr gezielt wirken können.

Die Wirksamkeit einer elF2B5-Hemmung zeigte sich zum einen im Tierversuch. Wenn das Gen in Mäusen nicht voll aktiv ist, bekommen sie nicht so schnell Dickdarmkrebs und überleben diesen deutlich länger, falls sie ihn doch bekommen. Zum anderen experimentierten die Forscher mit Organoiden. Das sind Miniatur-Tumore, die im Labor aus dem Krebsgewebe von Patienten herangezogen werden. Wurde hier die elF2B5-Menge reduziert, starben die Organoide ab.

Weitere Gene sollen untersucht werden

Als nächstes wollen die Forscher weitere Gene in Dickdarmkrebszellen untersuchen - denn elF2B5 ist nur eine von fünf Untereinheiten des größeren eIF2B-Genkomplexes. "Wir möchten auch die anderen Untereinheiten charakterisieren und prüfen, ob wir hier ebenfalls eine Spezifität finden", wie Wiegering ankündigt. Anschließend soll eine Methode etabliert werden, mit der sich eIF2B5 in Krebszellen abbauen lässt. Ist man hierbei erfolgreich, könnte sich daraus vielleicht eine neue Option für Therapien ergeben.

Stichwort: Dickdarmkrebs

Dickdarmkrebs ist eines der drei häufigsten Tumorleiden. Rund sechs Prozent aller Menschen in Deutschland erkranken im Laufe ihres Lebens daran; etwa die Hälfte der Betroffenen stirbt an den Folgen des Tumors. Nachdem über 90 Prozent aller Dickdarmtumoren eine APC-Mutation aufweisen, könnte sich aus den Forschungen an der JMU ein sehr breiter, neuer Therapieansatz ergeben.

Publikation

A MYC-GCN2-eIF2? negative feedback loop limits protein synthesis to prevent MYC-dependent apoptosis in colorectal cancer. Nature Cell Biology, 4. November 2019, DOI 10.1038/s41556-019-0408-0

Förderer und Kooperationspartner

Finanziell gefördert wurden diese Arbeiten vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung IZKF Würzburg, von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Union.

Am Zustandekommen der Publikation in Nature Cell Biology waren maßgeblich beteiligt: die Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Würzburg, der Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie am Biozentrum der JMU, das Institut für Pathologie der JMU und das Beatson Institute in Glasgow, Schottland.

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Infoveranstaltung: Alzheimer-Erkrankung – vom Verdacht zur Diagnose und zu neuen Therapieverfahren

Am Donnerstag, den 7. November 2019, um 17:00 Uhr lädt ein Ärzte-Team aus der Neurochirurgie, der Neurologie und der Psychiatrie des Uniklinikums Würzburg zu einer Informationsveranstaltung über die Alzheimer-Erkrankung in die Würzburger Stadtbücherei ein. Hierbei werden das Krankheitsbild, die Diagnoseverfahren und die medikamentösen Behandlungsversuche erläutert. Außerdem stellen die Experten eine neue Studie und deren Teilnahmebedingungen vor. Zielgruppen des Nachmittags sind Betroffene, Angehörige, Mediziner/innen sowie sonstige Interessierte.

 

Für die Behandlung der Alzheimer-Erkrankung stehen bisher nur wenige zugelassene Medikamente zur Verfügung, die nur für eine kurze, meist nur einige Monate dauernde Phase die Symptome lindern, die Erkrankung aber nicht aufhalten können. Zwei Studien in Kanada und den USA mit Tiefer Hirnstimulation im Bereich des Fornix (Hirngewölbes) zeigten unter bestimmten Voraussetzungen eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs. Eine neue, internationale Studie zur Fornix-Stimulation namens ADvance II steht unmittelbar am Beginn. Sie bietet unter Beteiligung mehrerer deutscher Universitätsklinika – darunter des Uniklinikums Würzburg (UKW) – auch Patienten in Deutschland die Möglichkeit zur Teilnahme. Unter größtmöglichen Sicherheitsmaßnahmen eröffnet sie erstmals die Hoffnung und die Chance, den Krankheitsverlauf bei Alzheimer günstig zu beeinflussen.

Eine Informationsveranstaltung des UKW mit Fachleuten aus der Neurochirurgischen und der Neurologischen Klinik sowie des Zentrums für psychische Gesundheit des UKW stellt am 7. November 2019 diese Studie vor. Darüber hinaus werden das Krankheitsbild, die Diagnoseverfahren und die medikamentösen Behandlungsversuche erläutert. Abschließend besteht für die Teilnehmer/innen in einer Diskussionsrunde Gelegenheit, Antworten auf persönliche Fragen zu erhalten.

Zielgruppen der kostenlosen Veranstaltung zwischen 17:00 und 19:00 Uhr sind Betroffene, Angehörige, Mediziner/innen sowie sonstige Interessierte. Der Veranstaltungsort ist im zweiten Stock der Stadtbücherei am Oberen Markt in Würzburg.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Einen detaillierten Programm-Flyer gibt es unter www.ukw.de, Rubrik „Veranstaltungskalender".

 

 

Über die Alzheimer-Erkrankung

Weltweit leiden rund 25.000 Millionen Menschen unter einer Alzheimer-Erkrankung, allein in Deutschland sind es etwa 1,2 Millionen. Die Betroffenen zeigen eine fortschreitende Verschlechterung von Gedächtnis, räumlicher Orientierung und im Bewältigen einfacher Alltagsvorgänge wie Waschen und Ankleiden. Auch im Urteilsvermögen und in der Sprache ist ein Leistungsrückgang zu beobachten. Den Angehörigen fallen besonders Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit auf. Die Erkrankung bedeutet eine große Belastung für die Patienten, die das Schwinden ihrer Fähigkeiten anfangs noch bemerken und frustriert und depressiv reagieren. Auch die Angehörigen werden in besonderer Weise belastet.

Pressemeldung zum Download

 

 

Krankheitsbild, Diagnostik und Behandlungsansätze der Alzheimer-Erkrankung stehen im Mittelpunkt einer öffentlichen Infoveranstaltung am 7. November 2019 in Würzburg. Bild: Pixabay