Aktuelle Pressemitteilungen

Universitätskinderklinik Würzburg: Komplikationsrisiko nach Stammzelltransplantation frühzeitig erkennen

Biomarker im Blut von Stammzelltransplantierten zeigen an, bei wem das Risiko einer unerwünschten, im Extremfall lebensbedrohlichen Immunreaktion besteht. Das ist das kürzlich veröffentlichte Ergebnis eines internationalen Forschungskonsortiums. Die Würzburger Universitätskinderklinik ist die bislang einzige deutsche Kinderklinik, die sich an dem Vorhaben beteiligt.

Für Kinder und Erwachsene mit einer Hochrisikoleukämie ist die Stammzelltransplantation eine wichtige Therapieoption. Allerdings besteht bei diesem Austausch des eigenen Immunsystems gegen ein neues Blut-bildendes System von einem gesunden Spender die Gefahr, dass sich die Spenderzellen gegen den Körper des Patienten richten. Diese Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion, oder auf Englisch Graft-versus-Host-Disease (GvHD), ist besonders tückisch, weil sie ganz unvermittelt auftreten kann und manchmal von einer Infektion nur schwer zu unterscheiden ist. Schwere Verläufe sind lebensbedrohlich.
Vor diesem Hintergrund analysierte ein internationales Konsortium Biomarker im Blut der Patienten, die es erlauben, noch vor dem Auftreten der eigentlichen Probleme Patienten mit hohem Risiko für eine GvHD zu erkennen. Die Ergebnisse wurden Mitte März dieses Jahres in der internationalen Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

Weltweit 23 MAGIC-Zentren

Seit dem Jahr 2014 untersucht das Mt. Sinai Acute GvHD International Consortium, abgekürzt MAGIC, Proben von Kindern und Erwachsenen nach einer Stammzelltransplantation und vergleicht die Ergebnisse mit dem klinischen Verlauf der Patienten. Geleitet von den New Yorker Ärzten Prof. John Levine und Prof. Jamie Ferrara arbeiten weltweit 23 Zentren zusammen. Die Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) nimmt als bisher einzige Kinderklinik Deutschlands an diesem Projekt teil. Die jungen Patientinnen und Patienten erhalten am UKW ihre Stammzelltransplantationen auf der Station Schatzinsel. Privatdozent Dr. Matthias Wölfl, Oberarzt dieser Station und Coautor des Fachartikels, erläutert die Bedeutung der Forschungserkenntnisse: „Eine schwere GvHD ist wie ein Eisberg: Man sieht nur einen kleinen Teil und den oft auch erst sehr spät. Durch den MAGIC-Algorithmus haben wir jetzt ein Sonar, das uns auch vor den nicht sichtbaren Teilen frühzeitig warnt.“

Proteine als Warnzeichen

Prof. Ferrara und Prof. Levine entdeckten, dass bei einer Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion frühe Schäden im Darm auftreten können, wodurch die Proteine Reg3alpha und ST2 ins Blut abgegeben werden. Auf diesen Markern basiert der Erkennungsalgorithmus, der im internationalen Konsortium getestet wurde. Die sich abzeichnenden Vorteile für die Patienten sind nach Angaben von Dr. Wölfl groß: „Zum einen können Risikopatienten früher als solche erkannt werden und Gegenmaßnahmen intensiviert werden, zum anderen kann bei Patienten ohne Risikofaktoren die intensive immunsupprimierende Therapie schneller reduziert werden.“

Die Arbeit an der Universitätskinderklinik wurde unterstützt durch die Aktion Regenbogen für Leukämie- und Tumorkranke Kinder Main-Tauber e.V. Die deutschen MAGIC-Zentren werden – federführend über das Uniklinikum Regensburg – von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung gefördert.

Literatur:

Blood. 2018 Mar 15. pii: blood-2018-01-822957. doi: 10.1182/blood-2018-01-822957. MAGIC biomarkers predict long term outcomes for steroid-resistant acute GVHD. Major-Monfried H, Renteria AS, Pawarode A, Reddy P, Ayuk F, Holler E, Efebera YA, Hogan WJ, Wölfl M, Qayed M, Hexner EO, Wudhikarn K, Ordemann R, Young R, Shah J, Hartwell MJ, Chaudhry M, Aziz M, Etra A, Yanik GA, Kröger N, Weber D, Chen YB, Nakamura R, Rösler W, Kitko CL, Harris AC, Pulsipher M, Reshef R, Kowalyk S, Morales G, Torres I, Özbek U, Ferrara JLM, Levine JE.

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Uniklinikum Würzburg: Großes Interesse an der Eröffnung der Kunstausstellung aus Belarus

Die Vernissage zur Ausstellung „Erweiterte Realitäten“ am 16. März dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg stieß auf hohes Besucherinteresse. Drei Monate lang sind jetzt Werke der Belarussischen Staatlichen Akademie der Künste und der Künstlervereinigung Studentisches Zentrum für aktuelle Kunst „Alla prima“ aus Minsk im Zentrum für Operative Medizin zu sehen.

Fast 50 Interessierte kamen am 16. März dieses Jahres zur Eröffnung der Schau „Erweiterte Realitäten“ in die Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) des Uniklinikums Würzburg (UKW). Ihnen bot sich in 38 Werken – überwiegend Gemälde und Grafiken – ein facettenreiches Bild zeitgenössischer Kunst aus der Republik Belarus. Geschaffen wurden die Arbeiten von zwölf Künstlerinnen und Künstlern der Belarussischen Staatlichen Akademie der Künste und des Studentischen Zentrums für aktuelle Kunst „Alla prima“, beide aus Minsk.

Getragen vom Geist der Völkerverständigung

Bei den Ansprachen anlässlich der Vernissage wurde deutlich, dass das Ausstellungsprojekt getragen wird von einem Geist der Verständigung zwischen Belarus und Deutschland. Generalkonsul Andrei Kulazhanka, der Leiter des Generalkonsulats der Republik Belarus in München, betonte, dass diese Freundschaft nicht zuletzt auf dem hohen Engagement deutscher Medizinerinnen und Mediziner beruht, die sich wie Prof. Dr. Christoph Reiners, Nuklearmediziner und ehemaliger Ärztlicher Direktor des UKW, für die Betroffenen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl einsetzten.

Den Denkraum mit Kunst erweitern

Die Kuratorin der Schau, Dr. Ekaterina Kenigsberg, arbeitete bei ihrem Ausstellungsrundgang heraus, wie es darstellender Kunst immer wieder gelingt, durch die persönliche Wahrnehmung und Interpretation des Betrachters den Denkraum zu erweitern, den Pluralismus zu stärken und so gleichsam zu „erweiterten Realitäten“ zu kommen.
Prof. Reiners dankte im Namen des UKW für dieses Projekt und rechnete vor, dass dessen Botschaften allein über die Patienten-, Besucher- und Mitarbeiterzahlen des ZOM die Chance haben, in den kommenden drei Monaten bis zum Ausstellungsende am 13. Juli mehrere Zehntausend Menschen zu erreichen.

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Neue Akteure der Atherosklerose identifiziert

Schlaganfall und Herzinfarkt sind Todesursache Nummer 1 in den westlichen Ländern. Mit einer speziellen Technik haben Wissenschaftler aus Würzburg jetzt ein verbessertes Bild der beteiligten Zellen und deren Aktivität gewonnen.

Atherosklerose stellt in westlichen Ländern die häufigste Krankheits- und Todesursache dar. In Deutschland ist sie mit dafür verantwortlich, dass jedes Jahr rund 300.000 Menschen einen Herzinfarkt und gut 270.000 Menschen einen Schlaganfall erleiden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Atherosklerose in diesen Ländern für gut die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich ist.

Publikation in Circulation Research

Bei der Suche nach den Auslösern dieser Krankheit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg jetzt einen Fortschritt erzielt: Sie haben erstmals in den betroffenen Gefäßen die Immunzellpopulationen genau untersucht, die in dem Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle spielen. Ihre Ergebnisse stellen sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Circulation Research vor.

„Wir haben mit Hilfe der Einzelzell-RNA-Sequenzierung drei unterschiedliche Makrophagen-Populationen identifiziert, die auf unterschiedliche Art und Weise Einfluss auf die Entwicklung einer Atherosklerose nehmen könnten. Darunter ist auch eine bisher nicht beschriebene Makrophagen-Population“, schildert Clement Cochain das zentrale Ergebnis der jetzt veröffentlichten Studie. Diese Populationen waren zu unterschiedlichen Phasen der Krankheit  und auch in unterschiedlichen Modellen der Erkrankung nachweisbar.
Die Studie wurde von Professorin Alma Zernecke-Madsen mit ihrem Team am Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin II an der Würzburger Universitätsklinik  in enger Zusammenarbeit mit dem Team um Dr. Emmanuel Saliba am 2017 an der Universität Würzburg gegründeten Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), einem Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) , durchgeführt.

Plaques mit fatalen Folgen

Während Risikofaktoren einer Atherosklerose gut bekannt sind – zu viel Fett im Essen, zu wenig Bewegung, zu viele Zigaretten – wirft das genaue Geschehen in den betroffenen Blutgefäßen noch zahlreiche Fragen auf. Am Anfang der Entwicklung stehen häufig winzige Schädigungen der inneren Gefäßwand, die zu einer chronischen Entzündung führen.
In der Folge lagern sich Fette und andere Bestandteile des Blutes an den Gefäßwänden ab, und aus dem Blut wandern Zellen des Immunsystems an die geschädigte Stelle und produzieren Signalstoffe, die weitere Immunzellen herbei rufen. Sogenannte atherosklerotische Plaques entstehen und verstopfen die Blutgefäße zunehmend. Lösen sie sich, können die Plaques mit dem Kreislauf wandern und an anderer Stelle, beispielsweise im Bein oder im Kopf die Durchblutung blockieren.

Genaues Bild der beteiligten Zellen

„Man hat bislang schon vermutet, dass verschiedene Unterarten von Makrophagen in atherosklerotischen Gefäßen am Werk sind und dort unterschiedliche Aufgaben übernehmen“, erklären Clement Cochain und Alma Zernecke-Madsen. Diese zu identifizieren sei jedoch in der Vergangenheit immer daran gescheitert, dass es an den entsprechenden Markern gefehlt habe. Bessere Ergebnisse konnte das Würzburger Team jetzt dank der Einzelzell-RNA-Sequenzierung erzielen.
Bei dieser Technik werden in einzelnen Zellen die RNA-Moleküle isoliert und per Hochdurchsatzsequenzierung analysiert. Die so gewonnenen Daten liefern Informationen über die Genexpression jeder einzelnen Zelle und geben so Auskunft über ihre jeweils ganz speziellen Funktionen, erläutert Dr. Emmanuel Saliba.

Zellen aus der Aorta entnommen

Konkret haben die Wissenschaftler Zellen aus einer gesunden und einer atherosklerotischen Aorta entnommen und sequenziert. Ausschließlich in dem erkrankten Gefäß fanden sie zwei Arten von Makrophagen, Monozyten und sogenannte, von Monozyten abstammende, dendritische Zellen; in gesunden Gefäßen konnten ortsansässige Makrophagen identifiziert werden. Daneben waren zahlreiche andere Immunzellen nachweisbar.
Monozyten sind Teil des Immunsystems, die im Blutstrom zirkulieren, bevor sie ins Gewebe wandern und sich zu spezifischen Gewebsmakrophagen weiter differenzieren. Diese gehören ebenfalls zum zellulären Immunsystem und bleiben über mehrere Monate im menschlichen Körper.
Die jetzt gewonnen Daten liefern nach Aussage der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein zuvor unbekanntes Abbild der Immunzellen in atherosklerotischer Plaques während einer Atherosklerose. „Diese Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten, diese Zellpopulationen und ihre jeweiligen Funktionen im Geschehen einer Atherosklerose jetzt genauer zu erforschen“, sagt Alma Zernecke-Madsen.

Stichwort Atherosklerose

Während die Arteriosklerose auch außerhalb der Fachwelt inzwischen bekannt ist, ruft die Atherosklerose dort häufig noch Stirnrunzeln hervor. Tatsächlich bildet Arteriosklerose den Oberbegriff und steht für Verhärtung des Bindegewebes der Schlagadern. In der großen Mehrzahl der Fälle werden diese Verhärtungen  durch eine Atherosklerose ausgelöst, wobei dieser Begriff vor allem im englischen Sprachgebrauch allgemein für die Beschreibung der Erkrankung verwendet wird.

Single-Cell RNA-Seq Reveals the Transcriptional Landscape and Heterogeneity of Aortic Macrophages in Murine Atherosclerosis. Clément Cochain, Ehsan Vafadarnejad, Panagiota Arampatzi, Jaroslav Pelisek, Holger Winkels, Klaus Ley, Dennis Wolf, Antoine-Emmanuel Saliba, Alma Zernecke. Circulation Research, DOI: 10.1161/CIRCRESAHA.117.312509

Kontakt

Prof. Dr. Alma Zernecke-Madsen, Institut für Experimentelle Biomedizin, Telefon +49-931–201 48331, alma.zernecke@ uni-wuerzburg.de

Das Uniklinikum Würzburg informierte Freiwillige der Malteser

Am 14. März 2018 waren 23 Bundesfreiwillige und FSJ-Leistende des Malteser Hilfsdienstes zu Gast am Uniklinikum Würzburg. Bei Präsentationen und Führungen gewannen sie weitreichende Einblicke für ihr Bildungsseminar „Das Gesundheitssystem im Wandel“.

Bildungsseminare sind fester Bestandteil des Bundesfreiwilligendienstes und des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Vom 12. bis 16. März dieses Jahres organisierte der Malteser Hilfsdienst unter dem Titel „Das Gesundheitssystem im Wandel“ eine solche Veranstaltung in Würzburg. „Viele unserer Freiwilligen arbeiten in der Erste-Hilfe-Ausbildung, im Krankentransport oder im Rettungsdienst – deshalb besteht ein besonderes Interesse an den Entwicklungen im Gesundheitswesen“, sagt Katharina Heimerl. Auf Anfrage der Bildungsreferentin des Malteser Hilfsdienstes in Straubing waren die 23 Seminarteilnehmer/innen zwischen 16 und 21 Jahren am 14. März 2018 zu Gast am Uniklinikum Würzburg (UKW).

Organisatorische Entwicklung und Erweiterungsgelände Nord

Bei den einleitenden Präsentationen durch Mitarbeiter der Stabsstelle Qualitätsmanagement erfuhren sie nicht nur Details über die organisatorische Entwicklung des Klinikums in den letzten Jahren von Einzel- hin zu Zentrumsstrukturen, sondern auch, welch gewaltiger baulicher Wandel auf das UKW mit dem Erweiterungsgelände Nord in den nächsten Jahrzehnten zukommt.
Deutlich wurde zudem die Funktion eines Universitätsklinikums der höchsten Versorgungsstufe als Speerspitze der technologischen Entwicklung. Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste in diesem Zusammenhang von den Möglichkeiten des High-End-Operationsroboters Da Vinci Xi, die in Videos präsentiert wurden.

Zwei Führungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten

An den Theorieteil schlossen sich zwei Führungen mit medizinischem sowie technischem Schwerpunkt an. Auf großes Interesse stießen zum Beispiel die zur Ausbildung in der Anästhesie eingesetzten, computerunterstützten Simulatorpuppen, bei der die unterschiedlichsten Maßnahmen und komplexesten Körperreaktionen authentisch nachgestellt werden können.

Weitere Informationen zu den Malteser Freiwilligendiensten gibt es unter www.malteser-freiwilligendienste.de.



Uniklinikum Würzburg: Mit Letermovir lebensbedrohlichen Cytomegalievirus-Infektionen vorbeugen

Die Ergebnisse einer großen Phase III-Studie unterstreichen: Mit dem Wirkstoff Letermovir kann man einer der schwersten Infektionen bei immungeschwächten Patienten sicher vorbeugen. An der Entwicklung der antiviralen Substanz und der aktuellen Studie waren zwei Experten des Uniklinikums Würzburg maßgeblich beteiligt.

„Dies ist vor allem eine gute Nachricht für künftige Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantierte. Mit dem Wirkstoff Letermovir steht uns bald eine neue Standard-Therapie zur Verfügung, mit der wir bei diesen häufig immunsupprimierten Patienten einer Infektion mit dem Cytomegalievirus wirksam und nebenwirkungsarm vorbeugen können“, betont Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) stützt sich bei dieser Aussage auf die Ergebnisse einer knapp zweijährigen Studie, die Ende vergangenen Jahres in der international hoch angesehenen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden.

Prof. Einsele und Prof. Ullmann als Co-Autoren

Von Seiten des UKW war neben Prof. Einsele auch Prof. Dr. Andrew Ullmann Co-Autor der Publikation. Wie Prof. Einsele arbeitet auch Prof. Ullmann – derzeit beurlaubt für seine Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag – schon seit über einem Jahrzehnt an der Entwicklung und Erprobung von Letermovir mit. Der Experte für Viren- und Pilzinfektionen erläutert: „Ohne klinische Forschung in Deutschland wären solche Ergebnisse nicht möglich. Die klinische Forschung leistet einen bedeutsamen Beitrag zum Wohlergehen unserer Patienten, von denen bis zu 60 Prozent den Cytomegalievirus in sich tragen. Dieser Virus kann gerade bei immungeschwächten Menschen schwere Krankheiten auslösen, weshalb die Beteiligung von Patienten an klinischen Studien im universitären Umfeld für den medizinischen Fortschritt unverzichtbar ist.“

Infektionsgefahr bei schwachem Immunsystem

Die Erstinfektion verläuft in den allermeisten Fällen ohne Krankheitssymptome, sie wird von den Betroffenen normalerweise gar nicht bemerkt. Allerdings verbleibt das Virus danach latent im Körper und wird vom Immunsystem in Schach gehalten. „Gefährlich werden kann es, wenn das Immunsystem ausgeschaltet oder zumindest stark geschwächt ist. Dies ist zum Beispiel bei Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantierten der Fall“, berichtet Prof. Ullmann. Bei diesen Patienten kann das Cytomegalievirus wieder aktiv werden und dann beispielsweise die Netzhaut oder die Lunge befallen – es drohen Blindheit oder Tod.
Bisher auf dem Markt dagegen verfügbare Medikamente haben schädigende Nebenwirkungen auf die Blutbildung im Knochenmark oder auf die Nieren. Deshalb forschen deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler/innen seit einigen Jahren an einem neuen Wirkstoff mit dem Namen Letermovir, der an einer anderen Stelle im Vermehrungszyklus des Virus im Vergleich zu den gängigen Medikamenten ansetzt.

Viren werden sicher unterdrückt

An der kürzlich publizierten multizentrischen, doppel-blinden Phase III-Studie nahmen insgesamt 565 Empfänger allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantationen in den USA und Deutschland teil. Bei ihnen wurde über DNA-Untersuchungen vorab geklärt, ob sie das Virus in sich tragen. Die Betroffenen erhielten dann nach der Transplantation 14 Wochen lang Letermovir oder ein Scheinmedikament. Es zeigte sich, dass mit der vorbeugenden Gabe von Letermovir das Virus deutlich unterdrückt werden kann: In dieser Gruppe entwickelten 38 Prozent der Teilnehmer eine klinisch signifikante Cytomegalievirus-Infektion, in der Placebo-Gruppe 61 Prozent.
Letermovir ist in den USA seit November 2017 unter dem Namen Prevymis als Arzneimittel zugelassen. Im gleichen Monat empfahl die Europäische Arzneimittelagentur auch die Marktzulassung in Europa. „Wir hoffen, dass diese bald erfolgt, damit auch wir in Deutschland nun bald Prevymis als Standard-Therapie einsetzen können“, sagt Prof. Einsele.

Protein steuert Verklumpung der Blutplättchen bei Thrombose und Schlaganfall

Molekül übernimmt bei der Regulation der Blutgerinnung augenscheinlich eine wichtige Doppelrolle, konnten Würzburger Forscher jetzt zeigen.

Ein Zellprotein namens TRPM7 übernimmt bei der Verklumpung der Blutplättchen im Zuge der Blutgerinnung vermutlich eine wichtige Doppelfunktion. Das konnten Wissenschaftler des Rudolf-Virchow-Zentrums und des Klinikums der Universität Würzburg nun in einer aufwändigen Studie zeigen. Ihre Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Behandlung von Thrombosen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen zu verbessern. So entwickelten Mäuse, bei denen das TRPM7 nur eine seiner beiden Funktionen erfüllte, nach einem Schlaganfall deutlich geringere Hirnschädigungen. Die Arbeit ist im Journal „Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology“ erschienen und wurde von den Herausgebern als Leitartikel veröffentlicht.

Blutplättchen dichten Verletzungen ab

Blutplättchen, fachsprachlich Thrombozyten, fließen mit dem Blutstrom durch den Körper. Normalerweise ähneln sie winzigen Frisbee-Scheiben. Bei einer Verletzung verändert sich ihre Gestalt: Binnen Minuten wachsen ihnen Dutzende tentakelartiger Ärmchen. Diese verhaken sich mit den Tentakeln benachbarter Thrombozyten, ganz ähnlich wie bei einem Klettverschluss. Es entsteht ein Pfropf, der das Loch in der Gefäßwand abdichtet und der in der Folge durch zusätzliche Gerinnungsprozesse weiter verstärkt wird.

Die Aktivierung der Blutplättchen unterliegt einer strengen Kontrolle. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sie sich ohne Not unterhaken und auch intakte Gefäße verstopfen. Ein wichtiger Regulator sind Kalzium-Ionen: Bei einer Verletzung nehmen die Blutplättchen Kalzium auf und leiten damit unter anderem ihren Gestaltwechsel ein. Als Gegenspieler fungieren dagegen Magnesium-Ionen, die die Aktivierung der Plättchen und damit die Bildung von Gerinnseln verhindern.

Das Zellprotein TRPM7 scheint an der Schnittstelle dieser beiden regulatorischen Prozesse zu stehen. „TRPM7 fungiert einerseits als Kanal, der Magnesium-Ionen in die Zelle lässt“, erklärt der Leiter der Studie, Dr. Attila Braun. „Ein anderer Teil des TRPM7 arbeitet zudem als Enzym, das in den Kalzium-Stoffwechsel der Blutplättchen eingreift. Wir konnten nun erstmals zeigen, dass dieses Enzym indirekt die Aufnahme von Kalzium-Ionen und somit die Verklumpung der Blutplättchen fördert.“

Mäuse hatten weniger Beeinträchtigungen

Dieser Nachweis gelang den Wissenschaftlern mit Hilfe von Mäusen, bei denen das TRPM7 seine Enzymfunktion eingebüßt hatte. „Die Kalziumaufnahme in die Thrombozyten war bei den Tieren dadurch vermindert“, betont Braun. „Als Kanal für Magnesium-Ionen war das TRPM7 dagegen weiterhin voll funktionstüchtig.“ Als Folge bildeten die Nager kaum noch größere Blutgerinnsel, wie sie beispielsweise bei einer Thrombose entstehen. Nach einem Schlaganfall entwickelten sie zudem deutlich weniger Hirnschädigungen. „Die abgestorbenen Regionen waren bei ihnen um 60 Prozent kleiner als bei normalen Mäusen“, sagt Braun. „Auch waren bei ihnen die neurologischen Folgen des Schlaganfalls wie etwa Lähmungserscheinungen erheblich schwächer ausgeprägt.“

Bislang war völlig unbekannt, welche physiologische Rolle die Enzymfunktion des TRPM7 spielt. „Unsere Arbeit ist ein erster Schritt, um diese Frage zu klären“, betont Braun. „Weitere Details müssen jetzt erforscht werden – wie auch die Frage, ob das TRPM7 im Menschen eine ähnliche Doppelrolle erfüllt wie in der Maus.“

Falls ja, haben die Erkenntnisse möglicherweise langfristig auch medizinische Relevanz. Denn Blutplättchen spiele eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Schlaganfällen, Herzinfarkten und  Thrombosen. Wirkstoffe, die ganz gezielt die enzymatische Funktion des TRPM7 hemmen, könnten daher eventuell irgendwann dazu beitragen, die Behandlung dieser schweren Erkrankungen zu verbessern.

Publikation

Sanjeev K. Gotru, Wenchun Chen, Peter Kraft, Isabelle C. Becker, Karen Wolf, Simon Stritt, Susanna Zierler, Heike M. Hermanns, Deviyani Rao, Anne-Laure Perraud, Carsten Schmitz, René P. Zahedi, Peter J. Noy, Michael G. Tomlinson, Thomas Dandekar, Masayuki Matsushita, Vladimir Chubanov, Thomas Gudermann, Guido Stoll, Bernhard Nieswandt, Attila Braun: TRPM7 Kinase Controls Calcium Responses in Arterial Thrombosis and Stroke in Mice;  Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology, Februar 2018; DOI:  10.1161/ATVBAHA.117.310391

Person

Dr. Attila Braun forscht am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg und am Universitätsklinikum Würzburgdes Lehrstuhl, im  Institut für Gefäßmedizin Experimentelle Biomedizin von Prof. Dr. Bernhard Nieswandt. Das Projekt entstand innerhalb des DFG Sonderforschungsbereich 688.am Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg.

Über das Rudolf-Virchow-Zentrum

Das Rudolf-Virchow-Zentrum gehört als Zentrale Einrichtung zur Universität Würzburg. Die Forschungsgruppen arbeiten auf dem Gebiet der Schlüsselproteine, die für die Funktion von Zellen und damit für Gesundheit und Krankheit besonders wichtig sind.  

Webpage
http://www.rudolf-virchow-zentrum.de/forschung/arbeitsgruppen/ag-nieswandt/forschung.html

Kontakt
Dr. Attila Braun (AG Nieswandt, Rudolf-Virchow-Zentrum Würzburg & Universitätsklinikum Würzburg)
Telefon 0931 3180410, attila.braun@virchow.uni-wuerzburg.de

Dr. Daniela Diefenbacher (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Telefon 0931 3188631, daniela.diefenbacher@ uni-wuerzburg.de

Studie zu Angststörungen: Teilnahme-Angebot verlängert

Knapp 600 Patienten mit Angsterkrankungen nutzten bislang das Angebot, sich in einer deutschlandweiten Studie behandeln zu lassen – viele mit sehr positiven Erfahrungen. Durch eine Laufzeitverlängerung ist die Teilnahme an dem neuen Diagnostik- und Therapieangebot nach wie vor noch möglich – zum Beispiel am Zentrum für Psychische Gesundheit des Uniklinikums Würzburg.

„Von Beginn an durften wir hier wirklich erstaunliche Verläufe begleiten. Wenn wir am Ende der Therapie von den Patienten erfahren, was sich in ihrem Leben so alles verändert hat, strahlen die Therapeuten oft mit den Patienten um die Wette“, freut sich Dr. Kathrin Zierhut aus dem Leitungsteam der Hochschulambulanz für Psychotherapie der Uni Würzburg. Die psychologische Psychotherapeutin ist begeistert von den bisherigen, vielfach äußerst positiven Erfahrungen aus dem seit Anfang 2016 laufenden Forschungsprogramm Protect-AD. In dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Netzwerk zur Behandlung von Angsterkrankungen wurden bislang bundesweit fast 600 Patienten mit verschiedenen Angsterkrankungen mit Hilfe der expositionsbasierten Verhaltenstherapie behandelt. An den insgesamt acht Behandlungszentren in ganz Deutschland wurden dafür mehr als 100 Therapeuten speziell geschult. Eines dieser Behandlungszentren ist das Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) am Uniklinikum Würzburg, das mit der Hochschulambulanz der Universität kooperiert. Durch eine Laufzeitverlängerung können auch jetzt noch Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab acht Jahren mit ausgeprägten Ängsten in die Studie aufgenommen werden.

Ziel: Kognitive Verhaltenstherapie noch weiter verbessern

Protect-AD steht für “Providing Tools for Effective Care and Treatment of Anxiety Disorders”. Das Ziel der Studie ist es, die kognitive Verhaltenstherapie so zu verbessern, dass sie für noch mehr Angsterkrankte langfristig wirksam ist. Hinter der Studie steht ein hoher Bedarf: Ungefähr 15 Prozent aller Erwachsenen sowie zehn Prozent aller Kinder sind von einer solchen Störung betroffen. Oft ist es schwierig, diese Krankheiten, die sich zum Beispiel als Panikstörung, als soziale Phobie oder als Trennungsangst im Kindesalter äußern können, zu erkennen und richtig zu therapieren. In der Folge leiden die Erkrankten oft jahrelang. Sie entwickeln nicht selten zusätzliche Beschwerden, wie eine Depression oder eine Suchterkrankung. Zudem wird die persönliche, zwischenmenschliche und berufliche Entwicklung gestört.

Lernen, den eigenen Ängsten zu begegnen

Demgegenüber geben die Studienpatientinnen und -patienten von Protect-AD eine oft sehr positive Rückmeldung auf ihre Behandlung. Beispielsweise schreibt eine Patientin: „Durch die Therapie bin ich weniger von meinen Ängsten im Kopf gefangen, sondern befinde mich mehr im Leben, in Kontakt mit mir sowie mit anderen. Insgesamt hat mir die Therapie sehr geholfen, die ehemals angstauslösenden und vermiedenen Situationen wieder aufzusuchen und wieder am Leben teilzunehmen. Die Übungen sind zwar echt anstrengend und Angst ist auch noch da, aber ich weiß jetzt, wie ich ihr begegnen kann. Allgemein mache ich mir weniger Sorgen, lebe leichter und unbeschwerter."

Umfangreiche Diagnostik, intensive Übungen

Die Behandlung beginnt mit einer Phase umfangreicher psychologischer Diagnostik durch speziell geschultes Personal. Wenn die Studientherapie geeignet ist für den Patienten, schließen sich weitere Untersuchungen an, zu denen unter anderem eine Magnetresonanztomographie vom Kopf vor und nach der Therapie, Blutentnahmen für eine genetische Untersuchung, psychologische Tests am Computer sowie eine Aufgabe in virtueller Realität gehören.
Die Therapie selbst ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie und besteht aus der Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und intensiven Übungen. Die Behandlung dauert sechs bis zwölf Wochen mit bis zu drei Terminen pro Woche. Nach sechs Monaten findet eine Nachuntersuchung statt. Einer der Vorteile für die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ist der vergleichsweise schnelle Behandlungsbeginn: Bei ähnlichen Therapien beträgt die Wartezeit häufig bis zu sechs Monaten.

Weitere Details unter www.protect-ad.de

Mögliche Symptome einer Angsterkrankung

Wer eine dieser Fragen für sich mit Ja beantwortet, könnte ein potenzieller Studienteilnehmer von Protect-AD sein:

  • Erleben Sie ganz plötzliche Zustände starker Angst, Panik oder Unruhe?
  • Vermeiden Sie Menschenmengen und andere Orte, weil Sie in eine peinliche Situation geraten könnten?
  • Begeben Sie sich ungern in soziale Situationen, weil Sie von Ihren Mitmenschen negativ bewertet werden könnten?
  • Haben Sie Angst vor bestimmten Tieren, Blut, Verletzungen, Spritzen, (Zahn-)Ärzten oder vor einem Aufstieg in luftige Höhen?

Ansprechpartner
Menschen, die sich in den beschriebenen Problemen wiederfinden, stehen folgende Ansprechpartner für eine Kontaktaufnahme zur Verfügung:

Für Kinder und Jugendliche:

Prof. Marcel Romanos und Annette Nowak
Telefon: 0931 / 201 78630
E-Mail: KJ_KiBa@ukw.de

Für Erwachsene:
Dr. Kathrin Zierhut und Dipl.-Psych. Kristina Dickhöver
Telefon: 0931 / 31 82006
Telefonsprechzeiten (Patientenaufnahme): Di 16:00 bis 17:00 Uhr und Do 13:00 bis 14:00 Uhr
E-Mail: protect-angst@ uni-wuerzburg.de

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