Gegen Stereotype und Klischees
Die Herz-Thorax-Chirurgie war lange eine Männerdomäne. Prof. Gloria Färber setzt sich aktiv für die Förderung von Frauen in ihrem Beruf ein.
Gegen Stereotype und Klischees
Die Herz-Thorax-Chirurgie war lange eine Männerdomäne. Prof. Gloria Färber setzt sich aktiv für die Förderung von Frauen in ihrem Beruf ein.

Als Prof. Gloria Färber im Mai 2025 in Würzburg angetreten ist, brachte sie nicht nur chirurgische Expertise und Neuerungen wie minimalinvasives Operieren mit, sondern auch ein Thema, das ihr wichtig ist: die Förderung von Frauen in der Herzchirurgie. Färber ist die erste Frau in Deutschland, die einen Lehrstuhl für Herzchirurgie innehat. „Das ist hoffentlich ein weiterer Schritt zu mehr Offenheit in unserem Fachgebiet“, so Färber, die außerdem die Kommission für Diversität und das Netzwerk „Herzchirurginnen“ der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie mitinitiiert hat. Unter anderem hat sie OP-Kurse und Mentoringformate für Frauen etabliert – Angebote, die jungen Kolleginnen ganz praktisch helfen sollen, Sicherheit zu gewinnen, Fragen zu stellen und ihren eigenen Weg in einem anspruchsvollen Fach zu finden.
Frauen im OP heute selbstverständlicher
Dass es solche Formate braucht, liegt zum Teil noch in der Vergangenheit begründet. Zwar habe sich in den letzten Jahren einiges verbessert: Frauen im OP seien heute selbstverständlicher und auch das Thema Familie werde offener mitgedacht. Nicht nur Ärztinnen, auch Ärzte nähmen Elternzeit. Und es gebe inzwischen weibliche Vorbilder. Herzchirurgie bleibe dennoch ein Beruf mit einer Intensität, „die andere Berufe nicht haben“. Für Färber bedeutet das nicht, dass man sein Privatleben dafür an den Nagel hängen muss. Den Begriff Work-Life-Balance mag sie nicht, betont aber: „Es geht beides mit Freude, wenn man Stereotype und Klischees überwindet.“
Wie Unterstützung für Frauen konkret aussehen kann, zeigt sich im Alltag der Klinik. So muss eine Schwangerschaft nicht automatisch das Aus im OP bedeuten. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten auch schwangere Frauen weiter operieren. „Viele Ärztinnen wissen das gar nicht“, so Färber. Entscheidend sei, früh miteinander zu sprechen und einen Fahrplan zu erstellen: Was ist sicher machbar, wo braucht es Schutz und klare Regeln?
Ganz verschwunden seien Vorurteile jedoch nicht – und manchmal sind es auch die Grenzen, die Frauen sich selbst auferlegen. Damit Frauen sich mehr zutrauen, hat sie das Kursformat „Frauen trainieren Frauen“ geschaffen. Denn, so ihre Beobachtung: Frauen sind, wenn es um das Ergreifen von Gelegenheiten geht, z. B. im OP, zurückhaltender als Männer, und ein geschützter Rahmen hilft ihnen, mutiger zu werden.
In der Herz-Thorax-Chirurgie beträgt der Frauenanteil auf der Ebene der Assistenzärztinnen und -ärzte mittlerweile 35 Prozent. Von den Oberärztinnen und Oberärzten sind jedoch nur 13 Prozent Frauen. Damit das anders wird, coacht Färber ihre Kursteilnehmerinnen auch darin, ihr Potenzial im Hinblick auf Forschung und Führungsverantwortung zu entfalten. Denn, so haben Umfragen ihres Netzwerks ergeben, die Motivation ist da: 90 Prozent der Frauen in der Herzchirurgie sind in Vollzeit tätig und streben eine Führungsposition an – entgegen allen Rollenklischees.
Von mehr Frauen kann das Gesundheitswesen insgesamt profitieren, glaubt Färber. Denn die bisherigen Strukturen haben nicht genügend Antworten auf die zahlreichen Herausforderungen, mit denen sich die Krankenhauslandschaft konfrontiert sieht. Auf Frauen, deren Mitwirken und Qualifikation zu verzichten, kann sich das Gesundheitswesen nicht leisten. Ansonsten leidet irgendwann die Qualität – und damit auch die Patientinnen und Patienten.