Sonder­­for­schungs­­­bereiche: Erfolgsrate 100 Prozent

Sonderforschungsbereiche (SFBs) sind langfristige Programme zur Förderung der Spitzenforschung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell gefördert werden. Im November dieses Jahres teilte die DFG mit, dass sie alle fünf von der Würzburger Universitätsmedizin gestellten Anträge bewilligt: vier bestehende SFBs werden um eine weitere Förderperiode verlängert – und ein neuer kommt dazu.

Neu: Desmosomale Dysfunktion epithelialer Barrieren (DEFINE)

Der neue SFB/Transregio ist eine Kooperation der Universitäten Marburg, LMU München und Würzburg. Standort­sprecher in Würzburg ist Prof. Dr. Nicolas Schlegel, Lehrstuhlinhaber für Experimentelle Viszeralchirurgie und Sektionsleiter Endokrine Chirurgie an der Klinik für Chirurgie I des UKW. Im Mittelpunkt des SFB stehen Desmosomen. Diese Proteinstrukturen vernetzen Zellen an Grenzflächen des Körpers so miteinander, dass eine Barriere entsteht. Funktionierende Barrieren in der Haut und im Darm sind lebenswichtig, so dass bei Fehlfunktio­nen schwere Erkrankungen entstehen können. Die Forschenden konzentrieren sich auf drei Krankheiten: die Auto­immun­krankheit Pemphigus vulgaris, entzündliche Darmerkrankungen sowie Entzündungen der Speiseröhre (eosinophile Ösophagitis).

Fortsetzung: From the Fundamentals of Biofabrication towards Functional Tissue Models (Biofab)

Der SFB/Transregio wird gemeinsam von den Universitäten Würzburg, Bayreuth und Erlangen-Nürnberg getragen. Sprecher des Verbunds ist Prof. Dr. Jürgen Groll, Leiter des Lehrstuhls für Funktionswerkstoffe der Medizin und der Zahnheilkunde am UKW. Im Zentrum der Arbeiten steht die Entwicklung automatisierter 3D-Druckverfahren, mit denen lebende Zellen und Biomaterialien zu Gewebe­konstrukten verarbeitet werden. Solche biofabrizierten Gewebe haben das Potenzial, Tierversuche zu reduzieren, neue Ansätze für die Pharma- und Krebsforschung zu eröffnen und langfristig als regenerativer Ersatz bei Herz-, Knochen- oder Knorpeldefekten eingesetzt zu werden.

Fortsetzung: Lymphocyte Engineering for ­Therapeutic Synthetic Immunity (LETSimmun)

Hierbei handelt es sich um eine SFB/Transregio-Kooperation der Technischen Universität München mit der LMU München und der Uni Würzburg. Standortsprecher in Würzburg ist Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW. Der SFB arbeitet an neuen Techniken und Strategien, um Lymphozyten und andere Immunzellen so zu verändern, dass sie sich für eine optimierte Bekämpfung von Infektionen, Tumor­erkrankungen oder Autoimmun­erkrankungen wie Rheuma nutzen lassen. Die therapeutischen Immun­zellen sollen außerdem resistent gegen körpereigene Regulationsmechanismen gemacht werden, die ihr Funktionieren herabsetzen oder verhindern.

Fortsetzung: The Adrenal – Central Relay in Health and Disease

Die SFB/Transregio-Kooperation umfasst die TU Dresden, die LMU München und die Uni Würzburg. Standortsprecher in Würzburg ist Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter des Lehrstuhls Endokrinologie und Diabetologie des UKW. Der SFB erforscht die Rolle der Nebennieren für die Gesundheit sowie als Auslöser vieler Erkrankungen. Sein Ziel ist es, Grundlagen für neue diagnostische und therapeutische Strategien für die Behandlung von Nebennieren­erkran­kung­en zu entwickeln. Dabei geht es um Krankheiten mit Hormon­überschuss, die häufig durch Nebennierentumoren ausgelöst werden, aber auch um Hormonmangelerkrankungen. Im Fokus stehen zudem Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes, die eng mit Erkrankungen der Nebennieren zusammen­hängen. Die Forschenden haben bereits mehrere dia­gnostische Methoden und neue Therapiekonzepte ent­wickelt, die Eingang in die Patienten­versorgung gefunden haben.

Fortsetzung: Modulation of graft-versus-host and graft-versus-leukemia immune responses after allogeneic stem cell transplantation

Der SFB/Transregio ist eine Kooperation der Universitäten Regensburg, Erlangen-Nürnberg und Würzburg. Standortsprecher in Würzburg ist Prof. Dr. Einsele. Erforscht werden grund­legende immunologische Mechanismen, die bei der Behandlung von Leukämien durch Stammzell­trans­plan­tationen ablaufen. Die Forschungs­teams möchten die positiven Effekte besser verstehen, welche die Immun­zellen der Spender im Körper der Empfänger haben. Ziel ist es, diese Effekte zu verstärken, um ein Wieder­auftreten der Leukämie zu verhindern. Untersucht werden außerdem uner­wünschte Einflüsse der gespendeten Immunzellen auf den Darm, die Haut oder andere Organe der Empfänger­innen und Empfänger. Hier geht es darum, diese Wirkungen zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

Über die Second Hit-Hypothese bei Dystonie

Dr. Lisa Harder-Rauschenberger und Prof. Dr. Chi Wang Ip (im Bild) von der Neurologischen Klinik und Poli­klinik des UKW veröffentlichten im Oktober 2025 im Journal „Movement Disorders“ einen Übersichtsartikel über die Rolle peripherer Nerventraumata und Rückenmarksverletzungen als Auslöser einer Dystonie. Bei dieser Bewegungsstörung ziehen sich die Muskeln unwillkürlich zusammen und der Körper nimmt ungewöhnliche Haltungen ein. Manche Menschen haben eine genetische Veranlagung dafür, aber nicht alle mit diesen Genen entwickeln tatsächlich eine Dystonie. Deshalb vermuten die Würzburger Forschenden, dass zusätzlich ein zweiter Auslöser – ein „Second Hit“ – nötig ist, damit die Krankheit entsteht. Verletzungen könnten zweiter Auslöser sein

In ihrer Publikation fassen sie die aktuelle Forschung zusammen. Sie zeigt, dass Verletzungen von Nerven oder des Rückenmarks ein Second Hit sein könnten. Solche Schädigungen verändern nicht nur das betroffene Gewebe, sondern auch die Art und Weise, wie Gehirn, Rückenmark und peripheres ­Nerven­system miteinander kommunizieren. Dabei spielt das Immunsystem eine wichtige Rolle und es kommt zu Umbauprozessen im Nervensystem. „Diese sollen eigentlich dabei helfen, die Verletzung zu kompensieren.

Manche dieser Veränderungen können jedoch dazu führen, dass sich Bewegungsabläufe dauerhaft verändern und eine Dystonie ausgelöst oder verschlimmert wird“, schildert Prof. Ip. Nach seiner Einschätzung könnte ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen Nervenverletzung, Rückenmarksverletzung, Neuroinflammation und Dystonie den Weg für neue therapeutische Strategien ebnen.

Über die Second Hit-Hypothese bei Dystonie

Dr. Lisa Harder-Rauschenberger und Prof. Dr. Chi Wang Ip (im Bild) von der Neuro­lo­gischen Klinik und Poli­klinik des UKW veröffentlichten im Oktober 2025 im Journal „Movement Disorders“ einen Übersichtsartikel über die Rolle peri­pherer Nerventraumata und Rücken­marksverletzungen als Auslöser einer Dystonie. Bei dieser Bewegungs­störung ziehen sich die Muskeln unwill­kürlich zusammen und der Körper nimmt ungewöhnliche Haltungen ein. Manche Menschen haben eine genetische Veranlagung dafür, aber nicht alle mit diesen Genen entwickeln tatsächlich eine Dystonie. Deshalb vermuten die Würzburger Forschenden, dass zusätzlich ein zweiter Auslöser – ein „Second Hit“ – nötig ist, damit die Krankheit entsteht. Verletzungen könnten zweiter Auslöser sein

In ihrer Publikation fassen sie die aktuelle Forschung zusammen. Sie zeigt, dass Verletzungen von Nerven oder des Rückenmarks ein Second Hit sein könnten. Solche Schädigungen verändern nicht nur das betroffene Gewebe, sondern auch die Art und Weise, wie Gehirn, Rückenmark und peripheres ­Nerven­system miteinander kommunizieren. Dabei spielt das Immunsystem eine wichtige Rolle und es kommt zu Umbau­prozessen im Nervensystem. „Diese sollen eigentlich dabei helfen, die Verletzung zu kompensieren. Manche dieser Veränderungen können jedoch dazu führen, dass sich Bewegungs­abläufe dauerhaft verändern und eine Dystonie ausgelöst oder verschlimmert wird“, schildert Prof. Ip. Nach seiner Einschätzung könnte ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen Nervenverletzung, Rücken­marks­verletzung, Neuroinflam­mation und Dystonie den Weg für neue therapeutische Strategien ebnen.

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