Julia Lichtenwald vom Institut für Klinische Genetik und Genommedizin des UKW untersucht einen Knochenmarkausstrich am Fluoreszenzmikroskop. Alles, was in Deutschland an ALL bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird, läuft über dieses Mikroskop.

Präzise Diagnostik verbessert Behandlung von kindlicher Leukämie
Das UKW übernimmt künftig eine zentrale Rolle bei der genetischen Diagnostik kindlicher Leukämien in Deutschland – mit dem Ziel, Therapien individueller und schonender zu gestalten.
Die Diagnose einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) verändert das Leben betroffener Familien schlagartig. Umso wichtiger ist eine möglichst präzise Einschätzung der Erkrankung. Genau hier setzt das UKW an: Das von Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann geleitete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin übernimmt künftig die genetische Referenzdiagnostik für kindliche ALL-Fälle aus ganz Deutschland. Damit wird Würzburg zu einer zentralen Anlaufstelle für die genetische Einordnung der häufigsten Krebserkrankung im Kindesalter.
Jährlich erkranken in Deutschland rund 600 Kinder und Jugendliche an ALL. Die Erkrankung gilt heute in vielen Fällen als gut behandelbar – vor allem, weil genetische und biologische Zusammenhänge in den vergangenen Jahrzehnten immer besser verstanden wurden. Entscheidend für den Therapieerfolg ist dabei die genaue Klassifikation der Leukämie. Denn ALL ist keine einheitliche Erkrankung, sondern umfasst verschiedene Unterformen mit teils stark unterschiedlichen Verläufen und Risiken.
Maßgeschneiderte Therapien statt Überbehandlung
Nach der Erstdiagnose werden Proben aus Blut oder Knochenmark an das Würzburger Referenzlabor geschickt. Dort untersucht das Team charakteristische genetische Veränderungen der Leukämiezellen – etwa Chromosomenveränderungen, Genfusionen oder Veränderungen der Kopienzahl. Die Ergebnisse helfen den behandelnden Kliniken dabei, die Erkrankung genauer einzuordnen und die Therapie individuell anzupassen.
„Einerseits muss die Therapie sicher und wirksam genug sein, um die Erkrankung dauerhaft zu beherrschen. Andererseits sollen unnötig belastende Therapien und Langzeitfolgen vermieden werden“, betont Anke Katharina Bergmann. Gerade bei Kindern sei eine präzise Risikoeinschätzung besonders wichtig. Mögliche Spätfolgen intensiver Therapien reichen von Konzentrationsstörungen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sekundären Tumoren.
Die genetische Diagnostik ist dabei Teil eines bundesweiten Netzwerks: Die Therapiekoordination erfolgt über spezialisierte Zentren in Kiel und Hamburg, die eng mit dem UKW zusammenarbeiten. Gemeinsam werden große internationale Therapiestudien organisiert, um Behandlungskonzepte kontinuierlich weiterzuentwickeln.
KI soll komplexe genetische Muster besser entschlüsseln
Neben der Routinediagnostik arbeitet das Würzburger Team auch an neuen wissenschaftlichen Ansätzen, um Leukämien noch besser zu verstehen. Dabei kommen zunehmend computer- und KI-gestützte Verfahren zum Einsatz. Sie helfen dabei, komplexe genetische Daten und klinische Informationen miteinander zu verknüpfen und neue diagnostische Muster zu erkennen. „Integrierte KI-Algorithmen ersetzen allerdings nicht die wissenschaftliche und fachärztliche Bewertung, sondern sollen sie strukturieren und ergänzen“, erklärt Dr. Jingyang Yu, die Bioinformatikerin des Teams. Ziel sei es, die Diagnostik weiter zu verfeinern und langfristig noch individuellere Therapien zu ermöglichen.

Diese Aufnahme zeigt eine Veränderung im Erbgut einer Leukämiezelle. Mit einer speziellen Färbung werden zwei Gene sichtbar: ETV6 (grün) und RUNX1 (rot). Dort, wo sich die Farben überlappen, sieht man, dass die beiden Gene miteinander verbunden sind. Diese Verbindung nennt man ETV6::RUNX1-Fusionsgen und sie kommt bei bestimmten Arten der kindlichen Leukämie vor.
Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken gegründet
Seit diesem Frühjahr verfügt das UKW über das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken. Dort bündeln Ärztinnen und Ärzte der Urologie, Gynäkologie und Allgemeinchirurgie ihre Expertise, um Frauen, Männer und Kinder mit Harn- oder Stuhlinkontinenz, Blasen- und Darmentleerungsstörungen sowie Senkungen der Beckenorgane umfassend und individuell zu versorgen. Je nach Krankheitsbild werden zur Diagnosestellung und Behandlung weitere Kliniken des Großkrankenhauses eingebunden, etwa die Neurologie, die Kinderklinik, die Radiologie oder die Psychosomatik. Darüber hinaus kooperiert das Zentrum mit einer niedergelassenen Physiotherapeutin.

Das interdisziplinäre Behandlungsteam freut sich über die Gründung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken am UKW.
Nach einer zweijährigen Aufbauzeit und entsprechender Praxiserfahrung durchlief das Zentrum im Februar 2026 erfolgreich ein Zertifizierungsverfahren und wurde als „Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Komplexversorgung“ anerkannt. Die Zertifizierung erfolgte auf Grundlage gemeinsamer Kriterien mehrerer Fachgesellschaften. Sie bestätigt, dass am UKW die strukturellen, personellen und fachlichen Voraussetzungen für eine spezialisierte interdisziplinäre Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Beckenboden- und Kontinenzerkrankungen erfüllt sind. Da es deutschlandweit nur wenige entsprechend zertifizierte Zentren gibt, werden am UKW Betroffene aus ganz Süddeutschland behandelt.

Die Kompetenzen von Musik und Medizin gebündelt

Erstmals in Bayern werden die Schnittstellen zwischen Musik, Medizin und Forschung systematisch ausgebaut und miteinander verknüpft. Möglich wird dies durch die Kooperation „MusiCare“. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem UKW und der Würzburger Universität wurde am 13. Mai dieses Jahres gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume an der HfM unterzeichnet.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht sowohl die gesundheitliche Förderung von Musikerinnen und Musikern als auch die Erforschung der Wirkung von Musik auf den Menschen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ein langfristiges Ziel von „MusiCare“ ist zudem der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Musikergesundheit in Würzburg. Zu den geplanten Zielen gehören unter anderem:
- das Bewusstsein für Haltungsschäden, Lampenfieber und Erfolgsdruck bei Musikschaffenden zu stärken,
- die Auswirkungen von Musik auf das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Gesundheit strukturiert zu erforschen.