Individuelle Therapiemethoden für jeden Mann
Wasserstrahl, Laser, Embolisation: Die Urologie des Uniklinikums Würzburg bietet bei gutartiger Prostatavergrößerung zahlreiche Optionen an.

Etwa ab dem 50. Lebensjahr müssen viele Männer in kürzeren Abständen auf die Toilette, entwickeln einen Harndrang, der schwer zu unterdrücken ist, oder haben das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können. „Dahinter verbirgt sich meistens eine gutartige Prostatavergrößerung“, sagt Dr. Charis Kalogirou, leitender Oberarzt an der Klinik für Urologie und Kinderurologie. Die Prostata ist etwa so groß wie eine Walnuss, umschließt die Harnröhre und produziert eine Flüssigkeit für die Spermienbeweglichkeit. Ausgelöst durch Hormonveränderungen im zunehmenden Alter vergrößert sich dieses Geschlechtsorgan und verengt die Harnröhre, wodurch das Wasserlassen Probleme bereiten kann. Der Urologe spricht hier von einem benignen Prostatasyndrom, kurz BPS.
Anfangs kann es helfen, die Flüssigkeitsaufnahme gleichmäßiger über den Tag zu verteilen, vor allem, wenn man länger unterwegs ist und keine Toilette in der Nähe hat. Wird der Leidensdruck so groß, dass man kaum mehr das Haus verlässt, wird es Zeit zu handeln. Spätestens dann sollte man einen Urologen oder eine Urologin oder einfach seine Hausärztin oder seinen Hausarzt aufsuchen. Im weiteren Verlauf können sich die Beschwerden sonst verschlimmern, Urin anstauen und Blase und Niere durch Rückfluss geschädigt werden.
Therapien bei gutartiger Prostatavergrößerung
Zunächst behandelt man eine gutartige Prostatavergrößerung konservativ mit Medikamenten und eventuell begleitet von digitalen Gesundheitsanwendungen, sogenannten DiGA. Das sind zertifizierte Apps mit nachweislich medizinischem Nutzen.
Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen, kann eine Operation sinnvoll sein, zum Beispiel bei wiederholtem Harnverhalt (wenn man nicht mehr wasserlassen kann), häufigen Harnwegsinfekten, Blut im Urin oder Blasensteinen.

Dr. Charis Kalogirou
Oberarzt an der Klinik für Urologie und Kinderurologie

Mikroinstrument im Vergleich zur 1‑Euro‑Münze.

AnEndoskopische OP über die Harnröhre.
TUR-P – das herkömmliche Verfahren
Bis vor wenigen Jahren war die Transurethrale Prostataresektion (TUR-P) die vorherrschende Operationsmethode. Hierbei wird mittels Endoskopie eine Schlinge durch die Harnröhre eingeführt und Gewebematerial auf der Innenseite der Prostata abgetragen, das durch eine Spülung über die Harnröhre ausgeschwemmt wird. Nachteil dieses Verfahrens: Es kann nicht bei einer sehr großen Prostata angewendet werden und das Gewebe kann wieder nachwachsen.
HoLEP – moderne Lasertechnologie
Als Verfahren der ersten Wahl hat sich in der Uniklinik Würzburg die Holmium-Laser-Enukleation (HoLEP) etabliert. „Bei der HoLEP wird unter Narkose oder Betäubung des Rückenmarks ein stabförmiges Instrument mit Kamera und Laserfaser über die Harnröhre in die Prostata eingeführt. Ein erster Impuls löst gewuchertes Gewebe ab, ein zweiter sorgt für eine bessere Blutstillung“, erklärt Kalogirou. Im Anschluss wird das abgetragene Material in die Blase geschoben, zerkleinert und über die Harnröhre nach außen abgeleitet. „Das Verfahren ist auch bei stark vergrößerter Prostata einsetzbar, der Gewebeabtrag ist sehr viel gründlicher als bei anderen Verfahren und ermöglicht ein besonders blutungsarmes Operieren“, nennt Kalogirou die Vorteile dieser Methode. Die Uniklinik gilt damit als Referenzzentrum im Landkreis und hat seit Corona schon mehr als 1000 Operationen mit diesem Verfahren durchgeführt.
REZUM – mit Lokalanästhesie möglich
Die REZUM-Therapie ist ein schonendes Verfahren für Männer mit leichter oder mittelgradiger Prostatavergrößerung. Auch hier erfolgt der Zugang über die Harnröhre. „Hierbei wird mit einem Endoskop gezielt heißer Wasserdampf in die Prostata geleitet. Ein Teil des Gewebes stirbt dabei ab und wird vom Körper nach und nach abgebaut“, sagt Dr. Oliver Hahn, Oberarzt an der Klinik für Urologie des UKW. Die REZUM-Therapie kann unter Lokalanästhesie stattfinden, was sie besonders für Patienten mit Narkoserisiko passend macht.

PEA: Kügelchen drosseln die Durchblutung.
PAE – OP mit Kunststoffkügelchen
Ein weiteres minimalinvasives und deshalb besonders schonendes Verfahren stellt die Prostata-Arterien-Embolisation, kurz PAE, dar, die durch Radiologinnen und Radiologen durchgeführt wird. Dabei wird ein dünner Katheter über einen Gefäßzugang in der Leiste bis zu den Arterien der Prostata vorgeschoben. Anschließend werden über den Katheter winzige Kügelchen eingespült, die die Blutversorgung gezielt verringern. „Das Ziel der PAE ist es, den Blutfluss innerhalb der Prostataarterien einzuschränken, um das Organ weniger zu durchbluten. Dadurch verkleinert sich die Prostata und drückt nicht mehr auf die Harnröhre“, sagt Prof. Dr. Ralph Kickuth, Leiter der Interventionellen Radiologie am UKW.
Gegenwärtig gibt es eine gute Auswahl schonender Methoden, die individuell auf die Patienten zugeschnitten werden können, um eine gutartige Prostatavergrößerung zu behandeln.
In aller Regel führen die genannten Verfahren nicht zu Inkontinenz oder zu Einschränkungen der Potenz. Mit einer hausärztlichen oder fachärztlichen Überweisung können sich Männer für eine Zweitmeinung oder Therapieplanung beim Uniklinikum Würzburg vorstellen.