Volkskrankheit der Augen

Altersbedingte Makuladegeneration ist eine ernste und häufige Augenerkrankung. Studien, die auch am UKW laufen, stimmen optimistisch und bieten Zugang zu innovativen Behandlungsansätzen.

Blick auf die Würzburger Domstrasse. Das Zentrum des Bildes ist unscharf und verschwommen,

Das zentrale Sichtfeld ist ver­schwom­men: So sehen Menschen mit AMD die Welt – in diesem Fall die Würzburger Domstraße.

Blick auf die Würzburger Domstrasse mit Geschäften links und rechts und Passanten.

Gesichter erkennen, Auto fahren, Fotos der Enkel betrachten. Sehen ist mehr als eine Sinnesfunktion. Es bedeutet Orientierung, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe. Auch mit eingeschränktem Sehvermögen kann man selbstbestimmt leben, dennoch hat Sehverlust häufig erhebliche psychologische und soziale Auswirkungen.

Eine besonders häufige Augenerkrankung, die oft zur Erblindung führt, ist die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD). In drei neuen Studien testen Forschende am UKW erfolgversprechende Therapieansätze.

Häufig und ernst: AMD gewinnt an Bedeutung

Die AMD ist eine ernste Erkrankung der Augennetzhaut, die in verschiedenen Formen auftreten kann: „Die trockene Form gilt als Volkskrankheit“, unterstreicht PD Dr. Andreas Berlin, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des UKW. „Hierzulande sind mehrere Millionen Menschen davon betroffen.“

Die „trockene“ AMD verläuft schleichend, oft über Jahre. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Blindheit im Alter und nimmt durch den demographischen Wandel an Bedeutung zu. Im Gegensatz dazu schreitet die feuchte Form viel schneller voran. Das Sehen wird verzerrt und dunkle Flecken verdecken das zentrale Sichtfeld.

Porträt: PD Dr. Andreas Berlin, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des UKW

PD Dr. Andreas Berlin

Oberarzt Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde

„Hierzulande sind mehrere Millionen Menschen davon betroffen.“

Studien und Therapien für mehr Lebensqualität

Zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration gibt es schon Medikamente, sogenannte VEGF-Hemmer. „Allerdings ist die Anwendung für Betroffene, Angehörige und das medizinische Personal aufwendig“, gibt der Spezialist für Netzhaut- und Glaskörperchirurgie zu bedenken. „Der Wirkstoff muss regelmäßig direkt ins Auge injiziert werden, meist über Jahre.“ Forschende entwickelten daher ein Implantat, das den Wirkstoff im Auge freisetzt. Der winzige Behälter wird mikrochirurgisch eingesetzt und muss nur ein- bis zweimal im Jahr aufgefüllt werden – eine deutliche Entlastung für alle Beteiligten.

Nach umfangreichen Tests und Verbesserungen bietet das UKW das Implantat im Rahmen der „Sightspire“-Studie an. „Unsere Klinik wurde als Studienzentrum ausgewählt und ermöglicht unseren Patientinnen und Patienten, diese neue Therapieoption kennenzulernen“, freut sich Andreas Berlin.

Auch auf dem Gebiet der trockenen AMD laufen am Uniklinikum Würzburg Studien, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Dabei werden neue, in den USA bereits zugelassene Wirkstoffe getestet, die helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und das kostbare zentrale Augenlicht zu erhalten. Neben der Entwicklung neuer Therapien ist auch die Prävention ein wichtiger Baustein im Umgang mit der AMD. Vor allem bei der trockenen Form kann ein gesunder Lebensstil das Risiko senken oder das Fortschreiten verzögern. Dazu zählen Rauchverzicht, ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und grünem Gemüse, Sonnenbrillen mit UV-Schutz und regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Amsler-Gitter zur Früherkennung von AMD

Amsler-Gitter zur Früherkennung von AMD

Bitte betrachten Sie das Gitter in Ihrer üblichen Leseentfernung und verwenden Sie dabei gegebenenfalls Ihre gewohnte Lese- oder Gleitsichtbrille. Decken Sie ein Auge ab und richten Sie Ihren Blick auf den Punkt in der Mitte des Gitters. Stellen Sie fest, dass der Punkt oder zentrale Bildbereiche fehlen, graue Schleier oder dunkle Flecken auftreten, Linien gebogen oder Flächen ungleichmäßig erscheinen, sollten Sie zeitnah eine augenärztliche Untersuchung veranlassen. Gleiches gilt, wenn im Alltag gerade Strukturen plötzlich verzerrt oder verändert wahrgenommen werden. Führen Sie den Test anschließend mit dem anderen Auge durch.

Mit Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern zum Forschungserfolg

Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Makuladegeneration geschieht oft ambulant. „Dort werden Betroffene zwar in der Regel gut versorgt, so der Experte, „aber um die Forschung weiter voranzutreiben, wünschen wir uns, dass Patienten auch unsere Studienangebote wahrnehmen können, was in manchen Fällen nur möglich ist, wenn noch keine größere Vorbehandlung durchgeführt wurde. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer helfen uns, neue und verbesserte Therapieoptionen zu entwickeln und zu testen, die anschließend allen zugutekommen.“

Interessierte erhalten beim Studienteam Informationen zu aktuellen Studien und zur möglichen Teilnahme. In einem persönlichen Gespräch werden Fragen, Voraussetzungen und Ablauf transparent erläutert.

Die Forschenden am UKW sind von montags bis donnerstags zwischen 14 und 16 Uhr telefonisch zu erreichen (0931 201-20656) oder per E-Mail an studien.augenklinik@ukw.de. Eine persönliche Beratung ist zudem nach Terminvereinbarung möglich.

Weitere Informationen und Ansprechpersonen Augenklinik-Studien
Zum Video Makuladegeneration

Trockene Makuladegeneration (AMD)

Bei der trockenen Form der Makuladegeneration lagern sich Stoffwechselprodukte unter der Netzhaut am Punkt des schärfsten Sehens (Makula) ab. Dadurch gehen Sinneszellen zugrunde. Das zentrale Sehen verschlechtert sich langsam, oft über Jahre: Lesen, Handarbeiten oder das Erkennen von Gesichtern werden schwieriger. Das Sehen in der Peripherie bleibt meist erhalten. Therapien können sie bislang nicht heilen, aber das Fortschreiten in frühen Stadien verlangsamen.

Netzhaut mit typischen gelblichen Ablagerungen

Netzhaut mit typischen gelblichen Ablagerungen

Feuchte Makuladegeneration (AMD)

Die feuchte Form ist seltener, verläuft jedoch schneller. Unter der Makula bilden sich krankhafte, brüchige Blutgefäße, an denen Flüssigkeit oder Blut austreten. Das führt zu optischen Verzerrungen (gerade Linien erscheinen wellig), dunklen Flecken im Zentrum des Blickfelds oder einem raschen Sehverlust. Medikamente helfen, das Gefäßwachstum zu hemmen, und werden bislang direkt ins Auge injiziert.

Zur vorherigen Seite
Zur nächsten Seite
Datenschutzerklärung
Cookie-Einstellungen ändern