Mit Vision zum Ziel

Prof. Dr. Claudia Löffler hilft Menschen, die Begleiterscheinungen einer Krebstherapie zu lindern. Ein Interview über ihren Weg zur Spezialisierung.

Porträt: Prof. Dr. Claudia Löffler, Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Mit Vision zum Ziel

Prof. Dr. Claudia Löffler hilft Menschen, die Begleiterscheinungen einer Krebstherapie zu lindern. Ein Interview über ihren Weg zur Spezialisierung.

Mehrere Personen mit Schürzen stehen in einer Küche um einen Tisch mit frischen Zutaten; im Vordergrund lächelt Prof. Dr. Claudia Löffler in die Kamera, daneben werden Kräuter und Gemüse vorbereitet.

Claudia Löffler bei einem Kochevent für Menschen mit Krebs.

"Wenn man eine Vision hat und den roten Faden konsequent verfolgt, lassen sich auch anspruchsvolle Wege gestalten.“
Prof. Dr. Claudia Löffler steht vor einem Schaubild mit verschiedenen Lebensmitteln und gestikuliert.

Die integrative Onkologie will Menschen dabei unterstützen, selbst aktiv zu werden.

Sie bieten seit 2016 eine Sprechstunde für Komplementäre Onkologie Integrativ an. Was ist das genau? Unser multiprofessionelles Team unterstützt Patientinnen und Patienten während und nach einer Krebserkrankung dabei, ihre eigenen Ressourcen zu stärken und aktiv zur Stabilisierung ihrer Gesundheit beizutragen. Studien zeigen, dass Bewegung, kluge Ernährungsentscheidungen und ein konstruktiver Umgang mit Stress die Lebensqualität verbessern und Nebenwirkungen sowie Spätfolgen wirksam lindern können. Was beinhaltet eine Beratung? In unserer ärztlichen Sprechstunde analysieren wir zunächst, welche Faktoren die Lebensqualität beeinflussen. Darauf aufbauend entwickeln wir individuelle Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung und Sport. Wir wenden auch sogenannte Mind-Body-Verfahren an, die mentale und körperliche Stabilität fördern. Ergänzend bieten wir eine pflegerisch geleitete Sprechstunde zum Nebenwirkungsmanagement an, zum Beispiel mittels Akupunktur, Akupressur oder auch Aromapflege. Auch praktische Angebote wie onkologische Bewegungstherapie und Kochkurse sind bei uns möglich. Ihre Angebote basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie führen selbst zahlreiche Studien durch. Können Sie ein Beispiel nennen? Im August 2025 haben wir eine von der Carstens-Stiftung geförderte Studie zur Wirkung des Waldbadens bei krebsbedingter Erschöpfung, der Fatigue, initiiert. Erste Daten und internationale Studien zeigen, dass gezielte Naturinterventionen Erschöpfung, Schlafqualität und psychische Stabilität positiv beeinflussen können. Wie kamen Sie zur Medizin? Der Impuls entstand im Französischunterricht, als wir „Ärzte ohne Grenzen“ kennenlernten. Nach dem Studium arbeitete ich an der kenianischen Küste – eine prägende Erfahrung, die mir zeigte, wie wichtig nachhaltige und ganzheitliche Medizin ist. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich meine berufliche Zukunft am UKW sehe, wo ich mein heutiges Arbeitsumfeld und meinen Mann kennengelernt habe. Als Fachärztin für Innere Medizin haben Sie zunächst Menschen mit schweren Blut- und Krebserkrankungen behandelt, die eine Stammzelltransplantation – also eine Erneuerung des blutbildenden Systems – benötigen. Was hat Sie dann motiviert, die Komplementäre Onkologie Integrativ aufzubauen? Viele Patientinnen und Patienten wollten wissen, was sie selbst aktiv zu ihrer Genesung beitragen können. Ich konnte darauf zunächst nur begrenzt antworten, was für mich unbefriedigend war. Dieses Bedürfnis nach mehr Unterstützung und wirksamer Begleitung motivierte mich, mich intensiv in Naturheilkunde, Ernährungs- und Palliativmedizin sowie Traditioneller Chinesischer Medizin weiterzubilden und die Integrative Onkologie am UKW aufzubauen. Gab es Stolpersteine auf Ihrem Karriereweg? Jeder Mensch erlebt Phasen im Leben, in denen berufliche Entwicklung und persönliche Verantwortung gleichzeitig viel Raum einnehmen – sei es durch Kinder, die Pflege von Angehörigen oder andere Herausforderungen. Entscheidend ist aus meiner Sicht, den eigenen roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren. Für mich war die Unterstützung durch mein Umfeld, insbesondere durch meinen Mann und Kolleginnen und Kollegen, sehr wichtig. Gleichzeitig haben mir Forschungsprojekte Freiräume eröffnet, meine berufliche Vision weiterzuverfolgen. Diese Kombination aus Klarheit, Unterstützung und Ausdauer war entscheidend. Wenn man eine Vision hat und den roten Faden konsequent verfolgt, lassen sich auch anspruchsvolle Wege gestalten.

Zum Glück gibt es heute viel mehr Teilzeitstellen, oder? Flexible Arbeitsmodelle sind ein wichtiger Fortschritt. Gleichzeitig bleibt es eine Herausforderung, anspruchsvolle akademische Karrierewege mit anderen Verantwortungen im Leben zu vereinbaren. Aus meiner Erfahrung ist ein unterstützendes Umfeld entscheidend – sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Strukturen wie geteilte Führungspositionen oder flexible Karrierewege können hier neue Möglichkeiten eröffnen – und zwar für alle Menschen, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit Verantwortung tragen. Was muss sich strukturell ändern, damit Frauen trotz Teilzeit akademische Karrierewege einschlagen können? Akademische Strukturen sollten stärker an den Lebensrealitäten von Menschen orientiert sein. Flexible Modelle, geteilte Verantwortung und verlässliche Rahmenbedingungen helfen, Potenzial unabhängig von individuellen Lebenssituationen zu entfalten. Entscheidend ist, dass Engagement und Kompetenz im Mittelpunkt stehen.

Weitere Informationen Komplementäre Onkologie Integrativ
Mehrere Personen mit Schürzen stehen in einer Küche um einen Tisch mit frischen Zutaten; im Vordergrund lächelt Prof. Dr. Claudia Löffler in die Kamera, daneben werden Kräuter und Gemüse vorbereitet.

Claudia Löffler bei einem Kochevent für Menschen mit Krebs.

"Wenn man eine Vision hat und den roten Faden konsequent verfolgt, lassen sich auch anspruchsvolle Wege gestalten.“

Sie bieten seit 2016 eine Sprechstunde für Komplementäre Onkologie Integrativ an. Was ist das genau? Unser multiprofessionelles Team unterstützt Patientinnen und Patienten während und nach einer Krebserkrankung dabei, ihre eigenen Ressourcen zu stärken und aktiv zur Stabilisierung ihrer Gesundheit beizutragen. Studien zeigen, dass Bewegung, kluge Ernährungsentscheidungen und ein konstruktiver Umgang mit Stress die Lebensqualität verbessern und Nebenwirkungen sowie Spätfolgen wirksam lindern können. Was beinhaltet eine Beratung? In unserer ärztlichen Sprechstunde analysieren wir zunächst, welche Faktoren die Lebensqualität beeinflussen. Darauf aufbauend entwickeln wir individuelle Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung und Sport. Wir wenden auch sogenannte Mind-Body-Verfahren an, die mentale und körperliche Stabilität fördern. Ergänzend bieten wir eine pflegerisch geleitete Sprechstunde zum Nebenwirkungsmanagement an, zum Beispiel mittels Akupunktur, Akupressur oder auch Aromapflege. Auch praktische Angebote wie onkologische Bewegungstherapie und Kochkurse sind bei uns möglich. Ihre Angebote basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie führen selbst zahlreiche Studien durch. Können Sie ein Beispiel nennen? Im August 2025 haben wir eine von der Carstens-Stiftung geförderte Studie zur Wirkung des Waldbadens bei krebsbedingter Erschöpfung, der Fatigue, initiiert. Erste Daten und internationale Studien zeigen, dass gezielte Naturinterventionen Erschöpfung, Schlafqualität und psychische Stabilität positiv beeinflussen können. Wie kamen Sie zur Medizin? Der Impuls entstand im Französischunterricht, als wir „Ärzte ohne Grenzen“ kennenlernten. Nach dem Studium arbeitete ich an der kenianischen Küste – eine prägende Erfahrung, die mir zeigte, wie wichtig nachhaltige und ganzheitliche Medizin ist. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich meine berufliche Zukunft am UKW sehe, wo ich mein heutiges Arbeitsumfeld und meinen Mann kennengelernt habe. Als Fachärztin für Innere Medizin haben Sie zunächst Menschen mit schweren Blut- und Krebserkrankungen behandelt, die eine Stammzelltransplantation – also eine Erneuerung des blutbildenden Systems – benötigen. Was hat Sie dann motiviert, die Komplementäre Onkologie Integrativ aufzubauen? Viele Patientinnen und Patienten wollten wissen, was sie selbst aktiv zu ihrer Genesung beitragen können. Ich konnte darauf zunächst nur begrenzt antworten, was für mich unbefriedigend war. Dieses Bedürfnis nach mehr Unterstützung und wirksamer Begleitung motivierte mich, mich intensiv in Naturheilkunde, Ernährungs- und Palliativmedizin sowie Traditioneller Chinesischer Medizin weiterzubilden und die Integrative Onkologie am UKW aufzubauen.

Gab es Stolpersteine auf Ihrem Karriereweg? Jeder Mensch erlebt Phasen im Leben, in denen berufliche Entwicklung und persönliche Verantwortung gleichzeitig viel Raum einnehmen – sei es durch Kinder, die Pflege von Angehörigen oder andere Herausforderungen. Entscheidend ist aus meiner Sicht, den eigenen roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren. Für mich war die Unterstützung durch mein Umfeld, insbesondere durch meinen Mann und Kolleginnen und Kollegen, sehr wichtig. Gleichzeitig haben mir Forschungsprojekte Freiräume eröffnet, meine berufliche Vision weiterzuverfolgen. Diese Kombination aus Klarheit, Unterstützung und Ausdauer war entscheidend. Wenn man eine Vision hat und den roten Faden konsequent verfolgt, lassen sich auch anspruchsvolle Wege gestalten.

Zum Glück gibt es heute viel mehr Teilzeitstellen, oder? Flexible Arbeitsmodelle sind ein wichtiger Fortschritt. Gleichzeitig bleibt es eine Herausforderung, anspruchsvolle akademische Karrierewege mit anderen Verantwortungen im Leben zu vereinbaren. Aus meiner Erfahrung ist ein unterstützendes Umfeld entscheidend – sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Strukturen wie geteilte Führungspositionen oder flexible Karrierewege können hier neue Möglichkeiten eröffnen – und zwar für alle Menschen, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit Verantwortung tragen. Was muss sich strukturell ändern, damit Frauen trotz Teilzeit akademische Karrierewege einschlagen können? Akademische Strukturen sollten stärker an den Lebensrealitäten von Menschen orientiert sein. Flexible Modelle, geteilte Verantwortung und verlässliche Rahmenbedingungen helfen, Potenzial unabhängig von individuellen Lebenssituationen zu entfalten. Entscheidend ist, dass Engagement und Kompetenz im Mittelpunkt stehen.

Weitere Informationen zur Sprechstunde für Komplementäre Onkologie Integrativ
Prof. Dr. Claudia Löffler steht vor einem Schaubild mit verschiedenen Lebensmitteln und gestikuliert.

Die integrative Onkologie will Menschen dabei unterstützen, selbst aktiv zu werden.

Zur Person

Prof. Dr. Claudia Löffler trat im Oktober 2025 die neugeschaffene Professur für Integrative Onkologische Medizin an. Ihre nächste Vision ist der Aufbau einer Tagesklinik für Integrative Onkologie am UKW, um Patientinnen und Patienten noch umfassender begleiten zu können. Gemeinsam mit vielen engagierten Partnern arbeitet sie daran, dieses Konzept Schritt für Schritt zu verwirklichen.

Termine bei ihr und ihrem Team können unter Tel. 0931 / 201 35350 vereinbart werden.

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