Ein Hund in der Hautklinik?

Der Hund ist bekanntlich der beste Freund des Menschen. Das trifft auch auf den Roboterhund HELIA zu, der neuerdings in der Hautklinik im Einsatz ist. Doch was kann HELIA und warum setzt die Klinik ausgerechnet auf einen vierbeinigen Roboter?

„Menschen reagieren oft sensibel, wenn Technik zu menschlich aussieht.“
Der Roboterhund HELIA läuft über der Boden eines Krankenhausflurs. Links und rechts stehen Menschen, von denen nur Beine und Füße zu sehen sind.

Der Robo-Hund bei seinem ersten Besuch auf der Station.

Porträt: Prof. Dr. Schmieder Leitende Oberärztin Hautklinik

Prof. Dr. Astrid Schmieder

Leitende Oberärztin Hautklinik

„Menschen reagieren oft sensibel, wenn Technik zu menschlich aussieht.“

HELIA steht für „Helfender Roboter im Klinikalltag“. Ein neues Forschungsprojekt am Uniklinikum Würzburg (UKW) untersucht wie ein robotischer Hund Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte auf der Station unterstützen kann.

Der Roboterhund HELIA wurde von der Schweizer Firma ANYbotics entwickelt und trägt eigentlich den Namen ANYmal. Etwa 200 solcher Roboter sind weltweit im Einsatz. Bisher jedoch vor allem dort, wo Menschen gefährlichen Bedingungen ausgesetzt sind, etwa auf Ölplattformen, Windparks oder in Stahlwerken. Klinikstationen sind für diese vierbeinigen Maschinen ein völlig neues Terrain.

Derzeit wird HELIA speziell für die Hautklinik gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) trainiert, unter anderem darauf, Sprache zu erkennen und darauf zu reagieren. Doch warum gerade ein Hund? „Menschen reagieren oft sensibel, wenn Technik zu menschlich aussieht“, erklärt Prof. Dr. Astrid Schmieder, Leitende Oberärztin in der Hautklinik und Forscherin. Dieses Phänomen nennt man „Uncanny Valley“: Je mehr ein Roboter wie ein Mensch wirkt, ohne komplett echt zu sein, desto stärker empfinden viele Unbehagen. Ein vierbeiniger Roboter dagegen bleibt klar als technische Unterstützung erkennbar und sorgt so für weniger Irritation.

Eine Gruppe von Menschen steht um den Roboterhund HELIA. Im Vordergrund kniet Prof. Dr. Astrid Schmieder.

Forschungsgruppe rund um HELIA.

Schon bei ihrem ersten Auftritt auf der Station H21/22 der Hautklinik zog HELIA alle Blicke auf sich. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Reinigungspersonal und auch Patientinnen und Patienten wollten die rote Roboterhündin mit den silbernen Beinen streicheln, filmen oder wenigstens ein Selfie machen.

Doch HELIA ist nicht nur für Bespaßung gut. Ziel des Projekts ist, dass sie künftig auf mündliche Befehle von autorisiertem Klinikpersonal reagiert. Sie soll bei Visiten mitlaufen, das Team entlasten, Protokolle erstellen, Befunde dokumentieren und idealerweise direkt ins Krankenhausinformationssystem übertragen. Auch eine eigene Datenerhebung ist geplant: Wunden fotografieren, Fieber messen oder Patientinnen und Patienten bei Terminen begleiten. Auf einem Bildschirm kann HELIA dann Erklärungen anzeigen oder medizinische Abläufe verständlich machen. In Zukunft soll HELIA zudem einen Greifarm erhalten, um Türen zu öffnen, Lagerware zu transportieren, Essen abzuräumen und vieles mehr.

Für Patientinnen und Patienten soll der Einsatz sicher und angenehm sein. „Voraussetzung ist natürlich, dass sowohl das Personal als auch die Patientinnen und Patienten damit einverstanden sind, dass HELIA sie bei der Aufnahmeuntersuchung und während ihres stationären Aufenthalts begleitet“, erklärt Schmieder.

Das Ziel: Weniger Bürokratie für das Team, mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. Und ein bisschen Spaß, denn wer rechnet schon mit einem Roboterhund in der Klinik? „Am Eingang warnen wir deshalb scherzhaft: Achtung, hier ist ein Roboterhund für Forschungszwecke im Einsatz!“, sagt Schmieder schmunzelnd.

Weitere Informationen zu HELIA – Helfender Roboter im Klinikalltag
Zum Video Robo-Dog HELIA 🐶
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