Roboterhund HELIA mit dem Arm auf dem Rücken läuft über einen Korridor; links im Bild schwebt das HELIA-Logo als stilisierter Text mit dem Roboter anstelle des Buchstaben "H"

HELIA – Helfender Roboter im Klinikalltag

Gestatten: HELIA – der neue Kollege läuft auf Akku (und zur Hochform auf)

Klinikalltag ist Hochleistungssport: Diagnose-Marathon, Pflege-Sprints und Hürdenlauf über Aktenberge. Besonders auf dermatologischen Stationen ist Zeit Mangelware und oft bleiben gerade die Momente für menschliche Zuwendung auf der Strecke, weil der Papierkram ruft. Wir dachten uns: da muss jemand her, der die Taschen trägt, den Papierkram liebt und nie über Rückenschmerzen klagt. Dürfen wir vorstellen? Das ist HELIA.

Aktuelles

Auftakttreffen des BMFTR-Begleitprojekts in Erlangen

Am 22. und 23.04.2026 fand im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen die Auftaktveranstaltung des BMFTR-Förderschwerpunkts „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen” statt. Dort konnte sich das HELIA-Team mit den übrigen Projektgruppen des Förderprogramms vernetzen und erste Erfahrungen austauschen.

Bild des wissenschaftlichen Posters zur Vorstellung des Projekts HELIA beim REGINA-Auftakttreffen in Erlangen
Poster zur Vorstellung des Projekts HELIA. Autor: Marco Stumpf et al.
Gruppenbild der Vertreter des HELIA-Teams mit dem Poster beim REGINA-Auftakttreffen in Erlangen
Das Team um HELIA hatte beim Auftakttreffen des BMFTR-Begleitprojekts REGINA in Erlangen sichtlich Spaß. © Jan-Hendrik Heinrichs

Auftakttreffen des BMFTR-Förderschwerpunkts „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen” am 22.04. – 23.04.2026 im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen

Ende April haben sich das erste Mal die acht Projektgruppen des BMFTR-Förderprogramms vor Ort in Erlangen treffen können. Natürlich waren alle Teilnehmenden gespannt: Welche Themen bearbeiten die anderen Teams? Welche Institutionen werden vertreten sein? Wer wird teilnehmen, kenne ich jemanden? Begrüßt wurden alle ca. 60 Teilnehmenden aus den verschiedenen Projektgruppen von Fr. Dr. Vera Grimm aus dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), welche in die Tagung einführte und die Ziele des BMFTR-Förderprogramms sowie der Tagung vorstellte. Umrahmt wurde die Begrüßung durch die Einführung von PD Dr. Thomas Wittenberg vom Fraunhofer IIS und Projektkoordinator des Begleitprojekts REGINA, welcher die Entwicklung der Roboter im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren beleuchtete und den Wechsel von Robotern vom reinen Präzisionswerkzeug hin zum interaktiven sozialen Assistenten vorstellte. Im Anschluss referierten dann die verschiedenen Teams des Begleitprojekts REGINA die Submodule, welche die anderen Projektteams in den kommenden drei Jahren begleiten und unterstützen werden. Bausteine sind hierbei die allgemeine Koordination, der Bereich LLMs / NC&LC (NoCode & LowCode), die Usability, der Bereich Ethik, Legales, Soziales (ELSA), die Arbeitspsychologie und das Reallabor. Nach einer kurzen Stärkung (Kaffeepause) ging es dann „in medias res”, also „ans Eingemachte”. Alle Projekte stellten ihre Teams und ihre Forschungsvorhaben vor. Diese sind:

CICERO: Cobot-Integration in Care-Einrichtungen zur Reduktion des Organisationsaufwands, ein sprachgesteuertes Pflegeassistenz-Cobot-System, welches pflegefremde Tätigkeiten übernimmt und das Pflegepersonal entlastet

GRATA: GraphRAG-basiertes Trainings- und Ausbildungssystem für robotergestützte medizinische Verfahren

HELIA: „Erklärt, programmiert, gemacht!” Helfender Roboter im Klinikalltag, Ziel ist der sichere Einsatz eines autonomen Roboters in hochkomplexer medizinischer Umgebung

KIRA-med: KI-gestützte Robotische Pflege-Assistenz für die medizinische Versorgung, mit dem Ziel der Entwicklung eines robotischen Assistenten zur Unterstützung von medizinischem Fachpersonal in Routineprozessen

MAPPLE: Multimodale Assistenzroboterplattform für Pflegetätigkeiten zur Lastenunterstützung und Ergonomieverbesserung bei körperlich anspruchsvollen Aufgaben

SteriBot: Das Ziel von SteriBot ist die Entlastung von Fachkräften durch robotergestütztes Sortieren und Handhaben von kontaminierten chirurgischen Instrumenten

SURREAL: Sprachgesteuerte Ultraschall-Roboterplattform zur Realisierung effizienter Assistenz in der Leberuntersuchung und -intervention

Bevor dann die verschiedenen Teams an Postern zu ihren Projekten (mit Snacks, Fingerfood, Beer & Pretzels) direkt in den persönlichen Austausch gingen, gab es noch spannende Einblicke von Vertretenden aus zwei Firmen mit fertigen Produkten aus dem Bereich Roboter und KI in Gesundheitseinrichtungen.

Der zweite Projekttag begann mit einem spannenden Vortrag zum Thema „Große Europäische Sprachmodelle – ein Blick auf Performance, Daten und technologische Souveränität” präsentiert von Dr. Jan Plogsties vom Fraunhofer IIS. Danach wurden unterschiedliche Workshops angeboten und das Reallabor konnte besichtigt werden.

Die Themen der drei Workshops waren:

Workshop 1: „Guardrails und Sicherheit für LLMs”
Workshop 2: „Entwicklung und Evaluation von Use Cases”
Workshop 3: „Grundlagen Daten-Governance – Datensicherheit, Datenschutz”

Abgeschlossen wurde die sehr gelungene Veranstaltung mit einer Zusammenfassung der beiden Tage und einem kurzen Ausblick.

Für uns gab es viele neue Informationen, neue Kontakte und spannende Gespräche.

Für Interessierte gibt es unten unser HELIA-Poster von der Tagung in Erlangen.

Text: Jörg Eberling, Dilara Diegelmann

Bild des wissenschaftlichen Posters zur Vorstellung des Projekts HELIA beim REGINA-Auftakttreffen in Erlangen
Poster zur Vorstellung des Projekts HELIA. Autor: Marco Stumpf et al.
Gruppenbild der Vertreter des HELIA-Teams mit dem Poster beim REGINA-Auftakttreffen in Erlangen
Das Team um HELIA hatte beim Auftakttreffen des BMFTR-Begleitprojekts REGINA in Erlangen sichtlich Spaß. © Jan-Hendrik Heinrichs

HELIAs Gewissen: das Forschungszentrum Jülich

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz bringt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich. Um sicherzustellen, dass HELIA ethisch und sicher handelt, ist die Arbeitsgruppe „Neuroethik und Ethik der KI“ des Forschungszentrums Jülich mit an Bord.

Roboterhund HELIA im Klinikalltag: Ethische Forschung und erste Updates

Im Verbundprojekt HELIA – Helfender Roboter im Klinikalltag erforschen Partner*innen aus Medizin, Informatik, Robotik und Ethik gemeinsam, wie ein KI-gestützter, sprachgesteuerter Assistenzroboter sinnvoll, sicher und verantwortungsvoll in klinische Arbeitsabläufe integriert werden kann. Koordiniert wird das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Weitere Projektpartner sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das FZI Forschungszentrum Informatik sowie das Forschungszentrum Jülich (FZJ).

Ziel von HELIA ist es, medizinisches und pflegerisches Personal bei zeitintensiven Routineaufgaben zu entlasten und so mehr Raum für die unmittelbare Patient*innenversorgung zu schaffen. Der vierbeinige Roboter soll langfristig über natürliche Sprache bedient werden können und flexibel auf unterschiedliche Anforderungen im Klinikalltag reagieren.

Teamvorstellung: Forschungszentrum Jülich (FZJ)

Die Arbeitsgruppe „Neuroethik und Ethik der KI“ des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich übernimmt bei HELIA die Leitung des Arbeitspakets 9 „ELSA-Betrachtungen“. In enger Zusammenarbeit mit den anderen Teilprojekten untersuchen wir die forschungs-, technik- und medizinethischen Fragen, die mit der Entwicklung und Erprobung des KI-gestützten Assistenzroboters im Klinikalltag verbunden sind.

Das Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-7) am Forschungszentrum Jülich ist auf die Integration multimodaler Neuroimaging-Daten spezialisiert. Ziel ist es, auf dieser Basis maschinelle Lernmodelle zur Vorhersage komplexer Phänotypen zu entwickeln. 

Die Arbeitsgruppe „Neuroethik und Ethik der KI“ befasst sich mit den ethischen und philosophischen Fragen, die sich aus der neurowissenschaftlichen Forschung und der Entwicklung KI-basierter Technologien ergeben. Sie arbeitet interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Philosophie, Neurowissenschaft und Informatik. Ein zentrales Anliegen ist es, einen Rahmen zu entwickeln, der verantwortungsvolle Forschung und Anwendung neuer Technologien ermöglicht. Dabei wird untersucht, wie klassische ethische Prinzipien – etwa Autonomie, Nichtschaden und Gerechtigkeit – im Kontext moderner KI-gestützter Verfahren angemessen interpretiert und umgesetzt werden können. Neben der Analyse forschungsethischer Fragen liegt ein Schwerpunkt der Gruppe auf der Technikethik und der Entwicklung von Kriterien für eine ethisch vertretbare Implementierung von KI-Systemen in Medizin und Gesellschaft. Über HELIA hinaus ist die Arbeitsgruppe in mehrere nationale und internationale Verbundprojekte eingebunden. Ein zentraler Knotenpunkt ist der vom BMFTR geförderte Research Hub Neuroethics (RHUNE), der den interdisziplinären Austausch in der Neuroethics Community stärkt, die internationale Sichtbarkeit deutscher Neuroethik fördert und Forschende, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt; die Projektkoordination liegt dabei bei Mitgliedern der Arbeitsgruppe. Zudem ist die Gruppe an weiteren Projekten beteiligt, darunter BrainTree, ein internationales Projekt zur ethischen Begleitung von Brain-Age-Prediction-Verfahren, das kürzlich abgeschlossene Projekt AI-PHCA zur KI-basierten Gesundheitsvorsorge bei Kindern und Jugendlichen sowie VINNIE, das den Einsatz virtueller Technologien zur Unterstützung von Kindern mit psychosomatischen Beschwerden erforscht. Diese Erfahrungen fließen in die ethische Arbeit im Projekt HELIA ein.

Im Rahmen des Beitrags zu HELIA werden zunächst forschungsethische Anforderungen an KI-basierte Assistenzsysteme identifiziert. Dazu identifizieren und bewerten wir mögliche Sicherheitsrisiken, die insbesondere aus der Flexibilität des eingesetzten Systems resultieren könnten (z. B. Missbrauchsoptionen und Dual Use Risiken etwa bei der Nachprogrammierung), sowie Risiken bei der Erprobung des frühen Demonstrators in Forschungssituationen, in denen menschliche Proband*innen beteiligt sind.

Zudem analysieren wir aus technikethischer Perspektive, wo die Verantwortung für KI-Handlungen liegt und wie transparent beziehungsweise erklärbar die verwendeten KI-Modelle sind und sein sollen. Zudem erheben wir die Diskriminierungs- und Datenschutzrisiken und setzen die benötigten Ressourcen ins Verhältnis zu den Forschungszielen (Kosten-Nutzen-Analyse).

Ein weiterer Fokus liegt auf der medizinethischen Evaluation des robotischen Systems, wenn es einmal in die klinische Praxis übernommen wird. Dabei werden Fragen der Akzeptabilität, der Vertrauensbildung, der Inklusivität und der Auswirkungen auf die Ärzt*in-Patient*in-Interaktion untersucht, insbesondere in Hinblick auf vulnerable oder technikferne Patient*innengruppen. Die Ergebnisse fließen in die iterative Gestaltung und ethische Bewertung des Systems ein.

Wir begleiten das Projekt von der Planung, über Evaluation, Durchführung/Produktion und Vermarktung, sodass bei jedem Schritt die jeweiligen ethischen Aspekte berücksichtigt werden können. Das Forschungszentrum Jülich berät die anderen Teilprojekte in Bezug auf ethische Aspekte und erforscht dabei die Praxis verantwortlicher Forschung und Entwicklung im hochsensitiven Bereich KI-gestützter medizinischer Robotik.

Text: Dilara Diegelmann

Das UKW ist auf den Roboterhund gekommen

ROBO-DOG HELIA SOLL PERSONAL DER HAUTKLINIK UNTERSTÜTZEN

Ein neues Forschungsprojekt am Uniklinikum Würzburg (UKW) untersucht gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), wie ein robotischer Hund die Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegekräfte im Klinikalltag auf der Station unterstützen kann. Derzeit wird Robo-Dog HELIA für den Einsatz in der Hautklinik über sprachliche Interaktion trainiert und programmiert. Das Projekt läuft im Rahmen der Fördermaßnahme „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen“ (NLP.bot) des Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und wird mit insgesamt 1,78 Millionen Euro gefördert.

Die Forschenden aus den verschiedenen Zentren stehen im Treppenhaus der Dermatologie, vor ihnen ist der rote Roboter-Hund Helia. Einige Personen knien neben HELIA.
Das Uniklinikum Würzburg untersucht in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), wie ein robotischer Hund Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte sprachbasiert unterstützen kann. Ziel ist es, dass HELIA mündliche Anweisungen autorisierter Fachkräfte versteht, Visiten begleitet, Befunde dokumentiert und perspektivisch selbstständig Mess- und Dokumentationsaufgaben übernimmt. © Kim Sammet / UKW
Robo-Dog HELIA läuft durch den Flur der Station durch ein Spalier von Zuschauenden, darunter Klinikpersonal, Patienten und die Forschenden.
Debüt des Robo-Dogs HELIA (kurz für Helfender Roboter im Klinikalltag) auf der Station H21/22 der Hautklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Für den richtigen Einsatz muss HELIA jedoch noch trainiert werden. © Kim Sammet / UKW
Roboterhund HELIA wird von Professor Matthias Goebeler getätschelt.
Prof. Matthias Goebeler, Direkter der Hautklinik des UKW, begrüßt den neuen Roboterhund HELIA auf der Station. © Kim Sammet / UKW
Robo-Dog HELIA ist noch etwas ungelenk, stakst mit lauten Schritten durch die Flure und bewegt sich ausschließlich nach den Impulsen der Fernsteuerung. Aber schon bei ihrem ersten Auftritt auf der Station H21/22 unserer Hautklinik flogen der roten Roboterhündin mit den silbernen Beinchen alle Herzen zu. © Kim Sammet / UKW

Würzburg. HELIA ist noch etwas ungelenk, stakst mit lauten Schritten durch die Flure und bewegt sich ausschließlich nach den Impulsen der Fernsteuerung. Aber schon bei ihrem ersten Auftritt auf der Station H21/22 der Hautklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW) flogen der roten Roboterhündin mit den silbernen Beinchen alle Herzen zu. Pflegekräfte, Reinigungspersonal, Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten zückten ihre Handys oder reckten die Hände, um HELIA zu streicheln oder zumindest ein Bild von ihr zu machen. HELIA steht für „Helfender Roboter im Klinikalltag“. Wie genau der vierbeinige Roboter im Klinikalltag eingesetzt werden kann und darf, das testet das UKW in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ). 

Visiten protokollieren, Befunde dokumentieren, Wunden fotografieren und Vitalwerte messen

Ziel ist es, dass HELIA künftig auf mündliche Befehle autorisierter Fachkräfte aus Pflege und Medizin hört und diese ausführt. Sie soll bei Visiten mitlaufen und das Personal entlasten – zum Beispiel, indem sie die Visite protokolliert, Befunde dokumentiert und diese idealerweise ins Krankenhausinformationssystem (KIS) überträgt. Darüber hinaus könnte HELIA selbst Daten erheben, beispielsweise indem sie Wunden fotografiert und Vitalwerte misst. Geplant ist außerdem, dass der Laufroboter die Patientinnen und Patienten zu Terminen begleitet, das Gesagte auf einem Bildschirm anzeigt und ihnen die Technik im Patientenzimmer erklärt.

Maßstäbe setzen

„Voraussetzung ist natürlich, dass sowohl das Personal als auch die Patientinnen und Patienten damit einverstanden sind, dass HELIA sie bei der Aufnahmeuntersuchung und während ihres stationären Aufenthalts begleitet“, sagt Prof. Dr. Astrid Schmieder. Die Dermatologin und leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie freut sich jedenfalls riesig über den vierbeinigen Roboter. Als Prof. Dr.-Ing. Arne Rönnau, Direktor am FZI und Professor für Maschinelle Intelligenz und Robotik am KIT, und Christoph Zimmermann, Leiter der Abteilung Medizinische Informationstechnik am FZI, mit der Idee eines Roboterhundes auf der Station auf sie zukamen, war die engagierte Ärztin und Wissenschaftlerin sofort Feuer und Flamme für das neue Forschungsprojekt. Sie hatte keine Mühe, die Belegschaft für HELIA zu begeistern. Alle sehen das Potential dieser Zukunftstechnologie, die perspektivisch in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen, in der häuslichen Pflege und im Rettungsdienst eingesetzt werden könnte und freuen sich, hier Maßstäbe zu setzen. 

Effektiv, viel erreicht und immer Verlass 

Warum Würzburg? „Wir hatten bereits im vorhergehenden Projekt, HybridVITA, hervorragend zusammengearbeitet. Wir waren effektiv, haben sehr viel erreicht, konnten uns immer aufeinander verlassen und wir hatten auch noch Spaß am Projekt. Aus diesem Grund wollten wir die Implementierung eines Roboterhundes im Krankenhaus auch gern in Würzburg mit Astrid Schmieder erforschen", kommentiert Christoph Zimmermann. Der studierte Elektro- und Informationstechniker und sein Team vom FZI befassen sich damit, wie eine natürliche sprachliche Kommunikation zwischen Fachpersonal, Hund und Patient stattfinden kann und wie das System bei einer kontinuierlichen Aufnahme von Hautoberflächen oder der Wundbetrachtung unterstützen kann. Bei HybridVITA ging es bereits um die medizinische Betreuung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Hauterkrankungen mittels einer appbasierten Lösung mit kontaktloser Diagnostik.

HELIA wird über Sprache trainiert und programmiert

Warum setzt das Projekt HELIA auf einen hundeähnlichen Laufroboter statt auf eine humanoide Maschine? Menschen reagieren oft sensibel, wenn Technik ihnen zu ähnlich sieht. Dieses Phänomen heißt „Uncanny Valley“ – je menschlicher ein Roboter erscheint, ohne völlig echt zu wirken, desto stärker empfinden viele Personen Unbehagen. Ein vierbeiniger Roboter bleibt klar als technische Unterstützung erkennbar und vermeidet diesen Effekt. „Wir möchten ein System entwickeln, das Beschäftigte im Klinikalltag intuitiv als hilfreich wahrnehmen“, sagt Arne Rönnau. Sein Team am Institut für Informationsmanagement im Ingenieurwesen des KIT erforscht, wie ein Laufroboter nicht mehr mühsam per Software programmiert werden muss, sondern Aufgaben einfach aus natürlich gesprochenen Erklärungen lernt. Beschäftigte in der Klinik sollen dem Roboter beschreiben können, was er tun soll – und die Künstliche Intelligenz setzt diese Anweisungen direkt in funktionsfähige Programme um. „Es ist dann so, als hätte der Roboter eine Tätigkeit erklärt bekommen und sie anschließend selbst erlernt“, erklärt Rönnau. Dafür entwickeln die Forschenden das System „Erklärt-Programmiert-Gemacht!“ (EPG), das Sprachverarbeitung, Robotik und Personenerkennung verbindet.

Ein zusätzlicher Greifarm, um Türen zu öffnen und Essen abzuräumen

Das heißt: HELIA geht jetzt erst einmal in die Hundeschule, um zu lernen, wer ihr überhaupt Befehle geben darf. Eine Sprachsoftware wandelt die Sätze der Mitarbeitenden in entsprechende Codes um, sodass der Robo-Dog die verschiedenen Aufgaben, die auf der Station anfallen, ausführen kann. „Wir sind gespannt, wie wir hier am besten helfen können“, sagt Arne Rönnau. Im nächsten Schritt erhält HELIA zum Beispiel einen Greifarm, damit sie auch Türen öffnen, Lagerware auffüllen, Essen abräumen und Wunden fotografieren kann.

Ein Robotereinsatz im Krankenhaus wirft natürlich auch ethische, rechtliche und soziale Fragen auf – kurz ELSA für Ethical, Legal and Social Aspects. Darum kümmert sich das FZJ. Prof. Dr. Jan-Hendrik Heinrichs fasst die Herausforderungen wie folgt zusammen: „Zentral ist, dass das HELIA-System nach Möglichkeit zum Wohl der Patientinnen und Patienten eingesetzt wird und diese nicht gefährdet. Darüber hinaus soll HELIA Medizinberufe entlasten und trotzdem ein sicheres Arbeitsumfeld ermöglichen. Dadurch können Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den größten medizinischen bzw. pflegerischen Nutzen schaffen, ohne dass neue Ungleichheiten in der Verwendung von Gesundheitsressourcen entstehen.“

„Achtung, hier ist ein Roboterhund für Forschungszwecke im Einsatz!“

Nach ihrem gelungenen Debüt auf der Station kehrt HELIA zurück ins Körbchen in der Bibliothek der Dermatologie, wo sie in Ruhe ihre Batterien auflädt. Auf der Station wird hingegen eifrig diskutiert, welche Augen man dem Hund aufkleben soll und ob man HELIA ein Fässchen um den Hals hängen sollte - schließlich hat sie nicht nur die Größe eines Bernhardiners, sondern kommt auch aus der Schweiz. Der Roboterhund HELIA wurde von der Schweizer Firma ANYbotics entwickelt und heißt eigentlich ANYmal. Derzeit sind rund 200 der genannten ANYmals im Einsatz, allerdings primär dort, wo es für Menschen gefährlich ist. Als Inspektionsroboter überwachen sie Ölplattformen, Windparks oder Stahlwerke. Klinikstationen sind neu. „Da bei uns niemand mit einem Roboterhund rechnet, müssen wir am Eingang vor dem Hund warnen“, schmunzelt Astrid Schmieder. „Achtung, hier ist ein Roboterhund für Forschungszwecke im Einsatz!“

Projektbeteiligte HELIA – Robo-Dog

  • Hautklinik, Uniklinikum Würzburg (UKW)
    Marco Stumpf, Jan-Hendrik Maiwald, Jörg Eberling, Marion Berthold, Tassilo Dege, Astrid Schmieder
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT
    Roberto Corlito, Louis Ensil, Hong Phuoc Nguyen Nguyen, Arne Rönnau
  • FZI Forschungszentrum Informatik 
    Dominik Beyer, Julia Konle, Christoph Zimmermann
  • Forschungszentrum Jülich GmbH (FZJ
    Dilara Diegelmann, Jan-Hendrik Heinrichs
  • Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT)
    Sandra Beyer, Patrick Ehrenbrink

Förderung

HELIA wird bei der Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen“ (NLP.bot) mit 1,78 Millionen Euro unterstützt. Von 54 eingereichten Skizzen wurden acht Projekte zur Förderung ausgewählt. Zur Projektbeschreibung: HELIA — Miteinander durch Innovation

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Robo-Dog HELIA ist noch etwas ungelenk, stakst mit lauten Schritten durch die Flure und bewegt sich ausschließlich nach den Impulsen der Fernsteuerung. Aber schon bei ihrem ersten Auftritt auf der Station H21/22 unserer Hautklinik flogen der roten Roboterhündin mit den silbernen Beinchen alle Herzen zu. © Kim Sammet / UKW
  • Logo des FZI Forschungszentrum Informatik
  • Logo des Forschungszentrums Jülich (FZJ)
  • Logo des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
  • Logo des Universitätsklinikums Würzburg (UKW)

Kontakt

Portraitfoto von Prof. Dr. phil. Jan-Hendrik Heinrichs

Prof. Dr. phil.
Jan-Hendrik Heinrichs

Forschungszentrum Jülich (FZJ)

Portraitfoto von Prof. Dr.-Ing. Arne Rönnau

Prof. Dr.-Ing.
Arne Rönnau

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Portraitfoto von Prof. Dr. med. Astrid Schmieder

Prof. Dr. med.
Astrid Schmieder

Universitätsklinikum Würzburg (UKW)

Portraitfoto von Dipl.-Ing. Christoph Zimmermann

Dipl.-Ing.
Christoph Zimmermann

FZI Forschungszentrum Informatik

Telefon

Sekretariat
Gudrun Braun
+49 931 201-26351


Anschrift

Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie | Josef-Schneider-Straße 2 | Haus D8 | 97080 Würzburg | Deutschland

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