Aktuelle Pressemitteilungen

100 Patientinnen und Patienten über Onko-Studien-Suche registriert: Uniklinikum Würzburg stärkt Zugang zu klinischen Krebsstudien

Menschen mit einer Krebserkrankung niedrigschwellig, schnell und gezielt in die passenden klinischen Studien bringen – dieses Ziel verfolgt die „Onko-Studien-Suche“ des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Das Register ermöglicht Patientinnen und Patienten, mögliche Studienoptionen für ihre individuelle Krebsbehandlung prüfen zu lassen. 100 Personen haben das Angebot bereits genutzt.

Krebspatientin bei der Behandlung
Bereits 100 Patientinnen und Patienten haben die „Onko-Studien-Suche“ des UKW genutzt, um mögliche Studienoptionen für ihre individuelle Krebsbehandlung zu finden. © Daniel Peter / UKW.

Würzburg. Für Menschen mit einer fortschreitenden Krebserkrankung, bei denen herkömmliche Therapien nicht mehr greifen, eröffnen klinische Studien neue Behandlungsoptionen und ermöglichen den Zugang zu innovativen Therapien, die noch nicht zugelassen sind.

Klinische Studien spielen bei der Krebsbehandlung eine entscheidende Rolle, da sie maßgeblich zur Weiterentwicklung von Therapieansätzen beitragen. Bevor ein neues Medikament zugelassen wird, muss es mehrere dieser Studien durchlaufen, die unter streng definierten und kontrollierten Rahmenbedingungen geprüft werden. 

Das Register „Onko-Studien-Suche“ (OSS) des Interdisziplinären Studienzentrums mit Early Clinical Trial Unit (ECTU) am Comprehensive Cancer Center Mainfranken fungiert als zentrale und unabhängige Anlaufstelle des UKW bei der Suche nach einer passenden klinisch-onkologischen Studie. Es ermöglicht, frühzeitig Studienoptionen zu identifizieren und die Studienteilnahme im individuellen Therapieverlauf in enger Abstimmung mit den behandelnden ärztlichen Teams zu prüfen.

 

Interdisziplinäres Team bringt Studie und Patient/-in zusammen 

Im Interdisziplinären Studienzentrum mit ECTU führen Ärzteteams, Study Nurses sowie Mitarbeitende aus dem Laborbereich klinische Studien der Phasen I bis III durch. Nach der Registrierung einer onkologisch erkrankten Person prüft das OSS-Team zunächst, ob eine interne Studie geeignet ist. Falls dort keine passende Studienoption verfügbar ist, ermöglicht die enge Vernetzung mit den Organkrebszentren des Onkologischen Zentrums am UKW sowie die Kooperation mit dem ECTU-Netzwerk des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) eine erweiterte Studiensuche. 

„Dank klar strukturierter Abläufe, fester Erreichbarkeit und kurzer Reaktionszeiten stellen wir sicher, dass Anfragen zeitnah bearbeitet und Betroffene direkt kontaktiert werden. Unsere Rückmeldung enthält keine Therapieempfehlung oder Zweitmeinung, sondern informiert transparent und niederschwellig über aktuelle oder potenziell zukünftige Studienmöglichkeiten“, sagt Dr. Maria-Elisabeth Goebeler, Leiterin der ECTU am UKW. 

„Unser Register ermöglicht Betroffenen, selbst aktiv zu werden und sich über Studienoptionen zu informieren. In dieser interaktiven Form haben wir ein neues Angebot geschaffen, das durch die vorhandenen Services und Möglichkeiten für Patientinnen und Patienten deutschlandweit besonders ist“, ergänzt Dr. Horst Hummel, Mitinitiator des OSS-Registers. „Wir spüren jetzt schon, dass der Austausch mit Betroffenen, den Behandlerteams und den Studienteams dazu beiträgt, klinische Studien als wichtige Ergänzung der individuellen Therapie stärker ins Bewusstsein zu rücken“, fügt Lena Schick, wissenschaftliche Koordinatorin des OSS-Registers und erste Ansprechpartnerin für Patientinnen und Patienten sowie für Zuweisende, hinzu.

Patientinnen und Patienten können sich ebenso bei OSS registrieren wie Ärztinnen und Ärzte aus Kliniken oder Praxen, die für ihre Patientinnen und Patienten mögliche Studienoptionen prüfen lassen möchten.

 

Hohe Nachfrage bestätigt den Bedarf 

Die Plattform wurde im April 2025 am UKW eingerichtet, nun hat sich der 100. Patient registriert. „Dass wir bereits die 100. Registrierung erhalten haben, zeigt, wie groß der Bedarf ist und wie wertvoll eine zentrale Studiensuche für eine umfassende onkologische Versorgung ist“, freut sich Schick über die hohe Nachfrage nach der Serviceplattform.

Die Teilnahme an einer klinisch-onkologischen Studie bietet für Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkrankung mehrere Vorteile: Sie haben die Chance, frühzeitig Zugang zu einem neuen Medikament oder Therapieverfahren zu erhalten, wodurch der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann. Durch die Teilnahme an einer Studie können sie möglicherweise ihre Lebensqualität verbessern, eine höhere Lebenserwartung erreichen und weniger Nebenwirkungen haben. Außerdem profitieren Patientinnen und Patienten von einer engmaschigen medizinischen Betreuung im Studienzentrum. Nicht zuletzt leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Krebsforschung und tragen dazu bei, die Zukunft weiterer Patientinnen und Patienten zu verbessern.

 

Weitere Informationen und Registrierung: www.med.uni-wuerzburg.de/ccc/klinische-studien/register-onko-studien-suche/

 

Text: Annika Wolf / UKW

Faszination der Chirurgie hautnah erleben

Erste Würzburger „Winter School for Surgery“ für Studierende der Humanmedizin vom 2. bis 6. März 2026

Drei Fachkräfte in OP-Kluft mit Kittel, Haube und Mundschutz stehen am Operationstisch und behandeln einen Patienten
Die „Cutting Edge“ Winter School for Surgery bietet vom 2. bis 6. März am Uniklinikum Würzburg (UKW) Studierenden der Humanmedizin die Möglichkeit, die faszinierende Welt der Chirurgie und modernste Operationstechniken hautnah zu erleben. Foto: Daniel Peter

Teamarbeit unter Hochspannung, High-Tech-Medizin trifft auf menschliche Grenzsituationen – kein Operationstag ist wie der andere, selbst Routineeingriffe bleiben anspruchsvoll und man sieht sofort, was man bewirkt hat. Solche Aussagen fallen immer wieder, wenn Chirurginnen und Chirurgen ihre Fachrichtung begründen. Chirurgie bedeutet entscheiden, handeln und Verantwortung übernehmen – oft innerhalb weniger Sekunden. Genau diese Unmittelbarkeit, die Verbindung von medizinischem Wissen, handwerklicher Präzision und intensiver Teamarbeit, macht die Chirurgie für viele Ärztinnen und Ärzte so faszinierend. 

„Cutting Edge“ Winter School for Surgery mit spannenden Vorträgen und praxisnahen Workshops  

Die „Cutting Edge“ Winter School for Surgery am Uniklinikum Würzburg (UKW) bietet Studierenden der Humanmedizin aus ganz Deutschland erstmals die Möglichkeit, dieses besondere Fachgebiet nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern auch die faszinierende Welt der Chirurgie und modernste Operationstechniken hautnah zu erleben sowie mit erfahrenen Chirurginnen und Chirurgen ins Gespräch zu kommen.

Vom 2. bis 6. März 2026 gibt es auf dem Campus und in den Kliniken neben spannenden Vorträgen und praxisnahen Workshops auch intensive Hands-on-Übungen unter Anleitung erfahrener Expertinnen und Experten. Auf dem Programm stehen unter anderem Nahttechniken und Knotenkunde, praktische Übungen an Modellen zur minimalinvasiven Chirurgie und Robotik. In Impulsvorträgen werden renommierte Chirurginnen und Chirurgen aus dem gesamten Bundesgebiet von ihren Erfahrungen berichten und Wege in die Chirurgie aufzeigen. Neben den Expertinnen und Experten stehen auch Fachkräfte in verschiedenen Ausbildungsstadien für einen Austausch zur Verfügung. 

Bewerbung um eine Teilnahme 

Interessierte vor dem Praktischen Jahr sollten bis zum 15.02.2026 - am besten so schnell wie möglich - einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben an folgende E-Mail-Adresse senden: CuttingEdge@ ukw.de. Es stehen 20 Plätze zur Verfügung.

Zur Webseite: https://www.ukw.de/chirurgie-i/winter-school/

Drei Fachkräfte in OP-Kluft mit Kittel, Haube und Mundschutz stehen am Operationstisch und behandeln einen Patienten
Die „Cutting Edge“ Winter School for Surgery bietet vom 2. bis 6. März am Uniklinikum Würzburg (UKW) Studierenden der Humanmedizin die Möglichkeit, die faszinierende Welt der Chirurgie und modernste Operationstechniken hautnah zu erleben. Foto: Daniel Peter

klinikum & wir erschienen: Das UKW stellt seine Vision vor

Das Uniklinikum Würzburg hat in den vergangenen Monaten eine Vision erarbeitet. Das Top-Thema des Magazins klinikum & wir schildert die Hintergründe und den Entwicklungsweg hin zu diesem Zukunftsbild.

Titelseite des Magazins Klinikum & wir: Unsere Vision
Die Titelseite der Ausgabe 4/2025 des Magazins klinikum & wir. © UKW

Würzburg. Wir setzen Maßstäbe: Medizinisch führend und dem Menschen verpflichtet – global vernetzt mit Verantwortung für unsere Region. So lautet die Vision, die das Uniklinikum Würzburg (UKW) in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt hat. Warum das Krankenhaus der Maximalversorgung ein solches Zukunftsbild braucht und wie dieses im Detail erstellt wurde, verdeutlicht das Top-Thema der Ausgabe 4/2025 von klinikum & wir, dem Magazin der Würzburger Universitätsmedizin.

Darüber hinaus berichtet die 40-seitige Publikation über weitere zentrale Ereignisse der letzten Monate, wie zum Beispiel das 175-jährige Jubiläum der Kinderklinik, den Start des neuen Instituts für Klinische Genetik und Genommedizin oder den durchschlagenden Erfolg der Würzburger Universitätsmedizin bei der Bewilligung von fünf Sonderforschungsbereichen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Beiträge über Behandlungserfolge, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, errungene Auszeichnungen, vergangene und kommende Veranstaltungen sowie aktuelle Personalmeldungen runden das Informationsspektrum ab.
Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen am Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin und als PDF unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine (www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine). 

 

Text: Pressestelle / UKW
 

Titelseite des Magazins Klinikum & wir: Unsere Vision
Die Titelseite der Ausgabe 4/2025 des Magazins klinikum & wir. © UKW

Personalia vom 13. Januar 2026 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Simone Rost, Privatdozentin für das Fachgebiet Humangenetik, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Klinische Genetik und Genommedizin, wurde mit Wirkung vom 11.12.2025 zur außerplanmäßigen Professorin bestellt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13. Januar 2026

Der geheime Weg der Prostata-Infektionen

Ein Forschungsteam der Universität Würzburg hat erstmals aufgeklärt, wie E. coli-Bakterien in die Prostata gelangen. Die Entdeckung offenbart neue Möglichkeiten für die Behandlung bakterieller Prostatitis.

Konfokalmikroskopie-Bilder: Die E. coli haften bevorzugt an luminalen Prostatazellen im menschlichen Prostatagewebe.
Konfokalmikroskopie-Bilder, die zeigen, dass E. coli (rot) bevorzugt an luminalen Prostatazellen (grün) im menschlichen Prostatagewebe haftet. (Bild: Maria Guedes & Carmen Aguilar)
Prostata-Organoidzellen, deren PPAP-Rezeptor ausgeschaltet wurde, zeigen im Vergleich zu Wildtyp-Zellen, eine deutlich geringere Infektionsrate.
Prostata-Organoidzellen, deren PPAP-Rezeptor ausgeschaltet wurde (hier auf den beiden Bildern rechts zu sehen), zeigen im Vergleich zu Wildtyp-Zellen (links), eine deutlich geringere Infektionsrate. (Bild: Simon Peters & Carmen Aguilar)
Schematische Darstellung zeigt, dass E. coli über sein Adhäsin FimH an luminale Prostatazellen anlagert und so die Invasion einleitet.
Die schematische Darstellung zeigt, dass sich E. coli über sein Adhäsin FimH an luminale Prostatazellen anlagert und so die Invasion einleitet. Diese Interaktion wird durch D-Mannose blockiert. (Bild: Maria Guedes)

Die bakterielle Prostatitis, eine Infektion der Prostata, die in erster Linie durch Escherichia coli (E. coli) verursacht wird, ist ein häufiges Gesundheitsproblem bei Männern. Weltweit sind etwa ein Prozent aller Männer im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Die Infektion entsteht, wenn Bakterien aus der Harnröhre oder der Blase in die Prostata gelangen. Die Behandlung der bakteriellen Prostatitis ist nach wie vor schwierig, da die Patienten oft lange Antibiotikabehandlungen mit hohen Dosen benötigen. Trotz Behandlung erleiden mehr als die Hälfte der Patienten innerhalb eines Jahres einen Rückfall.

Seit langem vermuten Forscher, dass Bakterien in die Prostatazellen eindringen, um zu überleben und dem Immunsystem und Antibiotika zu entkommen. Bislang fehlten jedoch direkte Beweise für diese Überlebensstrategie.

Eine im Labor gezüchtete Mini-Prostata

Bislang war die Erforschung von Prostata-Infektionen schwierig, da es keine geeigneten Labormodelle gab, die das echte Gewebe genau nachahmen. Ohne die Möglichkeit, Infektionen in der realen Gewebeumgebung zu beobachten, war die Entwicklung alternativer Therapien, jenseits von Antibiotika, nahezu unmöglich. Das hat sich nun geändert.

Ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat ein „Mini-Prostata”-Organoidmodell aus adulten Stammzellen entwickelt. Dieses im Labor gezüchtete Modell ahmt das echte Prostataepithel in Struktur und Zellvielfalt nach. Mithilfe dieses Modells konnten die Wissenschaftler die Infektion Schritt für Schritt unter realistischen, kontrollierten Bedingungen nachvollziehen und genau identifizieren, wie die Bakterien angreifen. Dies liefert klare Hinweise für die Entwicklung gezielter Gegenmaßnahmen.

Dr. Carmen Aguilar, Nachwuchsgruppenleiterin am Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der Universität Würzburg, leitete die Studie gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und der Universität Münster. Die Ergebnisse des Teams wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Microbiology veröffentlicht.

Der Angriffsweg von E. coli entschlüsselt

„Wir haben gezeigt, dass die Invasion von E. coli in Prostatazellen kein zufälliger Prozess ist, sondern eine hochgradig koordinierte Operation, die eine bestimmte Schwachstelle in der Zellarchitektur des Prostataepithels ausnutzt“, erklärt Carmen Aguilar. Ihren Erkenntnissen zufolge kann E. coli nicht wahllos angreifen, sondern konzentriert sich auf einen bestimmten Zelltyp: die sogenannten Luminalzellen, welche die Drüsenkanäle der Prostata auskleiden und als erste mit den Bakterien in Kontakt kommen, wenn diese die Prostata erreichen.

Diese Invasion funktioniert nach einem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Das bakterielle Protein FimH fungiert als „Schlüssel“, der genau in ein „Schloss“ auf der Oberfläche der Luminalzellen der Prostata passt. Die Forscher identifizierten dieses Schloss als den prostataspezifischen Rezeptor PPAP (prostataspezifische saure Phosphatase). „Nur wenn das bakterielle Protein an diesen Prostatarezeptor bindet, können die Bakterien in die Zellen eindringen, sich dort sicher vermehren und die Infektion auslösen“, erklärt Aguilar.

Ein Zuckermolekül blockiert die Infektion

Das Team begnügte sich jedoch nicht damit, den Infektionsweg zu entdecken. Es identifizierte auch eine Möglichkeit, diese Interaktion mit einem einfachen Zuckermolekül namens D-Mannose zu blockieren. Dieser Zucker, der bereits zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen eingesetzt wird, fungiert als „Scheinschloss“.

Die bakteriellen „Schlüssel“ binden dieses harmlose Zuckermoleküle anstelle der echten Rezeptoren auf den Prostatazellen und blockieren so wirksam das bakterielle Eindringen in die Zellen. Im Labor hat der Einsatz von D-Mannose bereits zu einer signifikanten Verringerung der Infektionen geführt, was auf eine mögliche neue Strategie zur Vorbeugung und Behandlung von Prostata-Infektionen hindeutet.

Auf dem Weg zu Alternativen zu Antibiotika

Das bahnbrechende Organoid-Modell bietet Forschern nun ein leistungsstarkes Werkzeug, um Prostata-Infektionen in bisher unerreichter Detailgenauigkeit zu untersuchen. Mit diesem System untersucht das Team von Dr. Aguilar nun, wie E. coli nach dem Eindringen in die Prostatazellen überlebt und sich vermehrt. Das Modell ermöglicht es Wissenschaftlern darüber hinaus, auch die Infektionsstrategien anderer relevanter Prostatapathogene wie Klebsiella oder Pseudomonas zu untersuchen.

„Angesichts der aktuellen Antibiotikaresistenzkrise ist es unser Ziel, neue Therapien zu entwickeln, die E. coli und andere Bakterien ohne den Einsatz von Antibiotika bekämpfen können. Zunächst müssen wir jedoch vollständig verstehen, wie diese Infektionen funktionieren“, sagt Carmen Aguilar. Solche Ansätze könnten eine wirksame Alternative zu herkömmlichen Antibiotika darstellen und einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz leisten.

Förderung

Diese Arbeit wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, FiRe-UPec-Projekt) und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG, GRK 2157 3D Infect) gefördert.

Publikation

Uropathogenic Escherichia coli invade luminal prostate cells via FimH-PPAP receptor binding. Maria Guedes, Simon Peters, Amruta Joshi, Sina Dorn, Janina Rieger, Kimberly Klapproth, Tristan Beste, Alexander M. Leipold, Mathias Rosenfeldt, Antoine-Emmanuel Saliba, Ulrich Dobrindt, Charis Kalogirou & Carmen Aguilar. Nature Microbiology, https://doi.org/10.1038/s41564-025-02231-0 

Kontakt

Dr. Carmen Aguilar, Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB), T: +49 931 31-88028, carmen.aguilar@ uni-wuerzburg.de 
https://www.uni-wuerzburg.de/en/imib/research/aguilar/   
 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13.01.2026

Konfokalmikroskopie-Bilder: Die E. coli haften bevorzugt an luminalen Prostatazellen im menschlichen Prostatagewebe.
Konfokalmikroskopie-Bilder, die zeigen, dass E. coli (rot) bevorzugt an luminalen Prostatazellen (grün) im menschlichen Prostatagewebe haftet. (Bild: Maria Guedes & Carmen Aguilar)
Prostata-Organoidzellen, deren PPAP-Rezeptor ausgeschaltet wurde, zeigen im Vergleich zu Wildtyp-Zellen, eine deutlich geringere Infektionsrate.
Prostata-Organoidzellen, deren PPAP-Rezeptor ausgeschaltet wurde (hier auf den beiden Bildern rechts zu sehen), zeigen im Vergleich zu Wildtyp-Zellen (links), eine deutlich geringere Infektionsrate. (Bild: Simon Peters & Carmen Aguilar)
Schematische Darstellung zeigt, dass E. coli über sein Adhäsin FimH an luminale Prostatazellen anlagert und so die Invasion einleitet.
Die schematische Darstellung zeigt, dass sich E. coli über sein Adhäsin FimH an luminale Prostatazellen anlagert und so die Invasion einleitet. Diese Interaktion wird durch D-Mannose blockiert. (Bild: Maria Guedes)

Made in Würzburg: Neue Radiotracer für Nebennierenbildgebung

TRACER FÜR PRIMÄREN HYPERALDOSTERONISMUS, UM MIT EINFACHER BILDGEBUNG URSACHE FÜR BLUTHOCHDRUCK ZU LOKALISIEREN

Während die ersten Tracer-Entwicklungen der Arbeitsgruppe um die Endokrinologin Prof. Stefanie Hahner und den Radiochemiker Priv.-Doz. Andreas Schirbel vom Uniklinikum Würzburg vor allem auf die generelle Charakterisierung von Nebennierengewebe sowie auf die Diagnostik und Therapie des seltenen Nebennierenkarzinoms zielten, rückt nun ein breiteres klinisches Feld in den Fokus: der Primäre Hyperaldosteronismus, die häufigste Ursache für sekundären Bluthochdruck. Der mittlerweile vierte von Hahner und Schirbel entwickelte Tracer für die Nebennierenbildgebung soll die Diagnostik des Primären Hyperaldosteronismus verbessern und wurde kürzlich erfolgreich in die klinische Anwendung überführt und zur Patentanmeldung eingereicht.

 

Das Team aus Endokrinologie und Nuklearmedizin steht in weißer Arbeitskluft nebeneinander im Flur des Zentrums für Innere Medizin hinter einem Treppengeländer, vor einer Wanddekoration der NUK
Das „Bench-to-Bedside“-Team aus Endokrinologie und Nuklearmedizin des UKW, v.l.n.r.: Simone Seifert (Leitende Medizinische Technologin für Radiologie, Nuklearmedizin), PD Dr. med. Philipp Hartrampf (Nuklearmedizin), Prof. Dr. rer. nat. Johannes Tran-Gia (Medizin-Physik, Nuklearmedizin), Katja Marienfeld (Chemisch Technische Laborassistentin, Endokrinologie), Dr. rer. nat. Britta Heinze (Biochemikerin, Endokrinologie), Prof. Dr. med. Stefanie Hahner (Endokrinologie), PD Dr. rer. nat. Andreas Schirbel (Radiochemie, Nuklearmedizin) © Kirstin Linkamp / UKW

Durch seine globale und fächerübergreifende Forschung und die innovativen Verfahren in Diagnostik und Therapie von Nebennierenerkrankungen gilt das Uniklinikum Würzburg (UKW) als internationales Referenzzentrum und ist eine wichtige Anlaufstelle sowie Orientierungshilfe für Betroffene mit komplexen Erkrankungen der Nebenniere. Aktuell erregt die Behandlung eines prominenten Falls Aufmerksamkeit. Die 15-jährige Tochter eines ehemaligen Fußball-Bundesliga-Profis leidet an einem fortgeschrittenen, metastasierten Nebennierenkarzinom. Nachdem etablierte medikamentöse Behandlungsansätze erfolglos geblieben waren, wird die Erkrankung nun am UKW im Rahmen eines individuellen Therapiekonzeptes mit der dort entwickelten IMAZA-Therapie behandelt. Die neuartigen Radiopharmaka Iod-123-IMAZA und Iod-131-IMAZA binden spezifisch an Enzyme der Nebennierenrinde und ermöglichen so eine präzisere Bildgebung sowie eine direkt auf den Tumor gerichtete Strahlentherapie (Theranostik).

Lückenlose Kette von der Entwicklung neuer Tracer im Labor bis zur klinischen Anwendung

Die Endokrinologie und die Nuklearmedizin am UKW arbeiten bereits seit über zwei Jahrzehnten intensiv zusammen. In dieser Zeit haben sie eine lückenlose Kette von der Entwicklung neuer Tracer im Labor bis zur klinischen Anwendung dieser mit Radionukliden markierten Substanzen etabliert. „Unsere Stärke liegt in der engen und fächerübergreifenden Verbindung von Grundlagenforschung und Patientenversorgung“, betont Prof. Stefanie Hahner, stellvertretende Leiterin der Endokrinologie in der Medizinischen Klinik I. „Zudem erfordert die medizinische Translation Ausdauer“, fügt PD Andreas Schirbel aus der Klinik für Nuklearmedizin hinzu. „Und diese Ausdauer zahlt sich gerade aus.“ Die Arbeitsgruppe der Endokrinologin und des Radiochemikers verzeichnet derzeit wesentliche Fortschritte in der Diagnostik von Nebennierenerkrankungen. Von diesen Fortschritten könnte bald eine größere Zahl an Patientinnen und Patienten profitieren.

FAMIAN-Studie belegt Präzision von Iod-123 Iodmetomidat zur nicht-invasiven Charakterisierung von Nebennierengewebe

Während Adrenokortikale Karzinome (ACC), wie sie im aktuell prominenten Fall diagnostiziert wurden, sehr selten, aber oft extrem aggressiv sind und eine hochspezialisierte Behandlung erfordern, sind Adrenokortikale Adenome (ACA) häufige, gutartige Tumore, die meist keine Operation verlangen. Allerdings sind nicht-invasive Methoden zur Charakterisierung dieser Tumore begrenzt. Deshalb entwickelte die Arbeitsgruppe von Hahner und Schirbel den Tracer Iod-123-Iodmetomidat (IMTO). Die Präzision dieses Tracers wurde in der multizentrischen, von den Forschenden initiierten FAMIAN-Studie belegt. In der kombinierten FDG/IMTO-Bildgebung konnten gutartige Tumore mit sehr hoher Sicherheit identifiziert und somit unnötige Operationen vermieden werden. Die Ergebnisse der von der EU und der DFG geförderten Studie wurden in „eBioMedicine” publiziert (https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2025.105735). 

Vierter Würzburger Tracer erfolgreich in klinische Anwendung zur Diagnostik des Primären Hyperaldosteronismus überführt

Kürzlich feierte das Team die vierte sogenannte „Bench-to-Bedside“-Translation (von der Laborbank zum Patientenbett) mit der ersten Anwendung des neuen Radiotracers am Menschen. Dieser wurde spezifisch für die Diagnostik des Primären Hyperaldosteronismus entwickelt. Die Erkrankung wird durch eine Überproduktion des Hormons Aldosteron in der Nebenniere verursacht und gilt als häufigste Ursache für sekundären Bluthochdruck. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Bluthochdruckpatienten sind von Primärem Hyperaldosteronismus betroffen. Die entscheidende Frage für die Therapie – ob eine Operation oder eine medikamentöse Behandlung zielführender ist – erfordert bisher meist einen invasiven Nebennierenvenenkatheter. Dieses Verfahren ist technisch anspruchsvoll, nur an wenigen Zentren gut etabliert und für die Patientinnen und Patienten belastend. 

Der neue Würzburger Diagnostik-Tracer reichert sich dagegen hochspezifisch in dem Gewebe an, das Aldosteron produziert. „In Würzburg verfügen wir mit der interventionellen Radiologie über herausragende Expertise im technisch anspruchsvollen Nebennierenvenenkatheter“, so Stefanie Hahner: „Unser neues Verfahren könnte aber in Zukunft eine deutlich einfachere und flächendeckend verfügbare Alternative bieten: Die Ursache des Bluthochdrucks ließe sich dann ohne Eingriff und unabhängig von der Erfahrung der Untersuchenden mithilfe einer Bildgebung lokalisieren“, ergänzt Andreas Schirbel. 

Die ersten „First-in-Human“-Daten bestätigen das Potenzial des neuen Tracers. Um die künftige Anwendung abzusichern, wurde kurz vor Weihnachten die Patentanmeldung eingereicht. „Während unsere vorherigen Tracer für einige Patientinnen und Patienten bereits sehr nützlich waren und überwiegend Nischenindikationen wie das seltene Nebennierenkarzinom adressieren, hat unser neuester Tracer das Potenzial, mehr als nur ein ‚Würzburger Hobby‘ zu bleiben. Wenn alles gut läuft, kann er breiter angewendet und auch kommerzialisiert werden“, freut sich Stefanie Hahner. 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Fundament

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät: „Der Erfolg der Würzburger Radiotracer ist das Ergebnis einer engen, interdisziplinären Zusammenarbeit. Von der klinischen Fragestellung über die chemische Entwicklung bis hin zur Anwendung am Patientenbett arbeiten experimentelle und klinische Endokrinologie, Nuklearmedizin, Radiochemie und Medizin-Physik Hand in Hand. Erst durch dieses Zusammenspiel entsteht die Präzisionsmedizin, die innovative Ansätze nachhaltig in die Patientenversorgung überführt und Würzburg als verlässliche Anlaufstelle und Kompetenzzentrum für Menschen mit komplexen Nebennierenerkrankungen stärkt.“

Publikationen:

Hahner S, Hartrampf P, Beuschlein F, Miederer M, Miehle K, Schlötelburg W, Fuß CT, Pfluger T, Fottner C, Tönjes A, Herrmann K, Amthauer H, Reincke M, Schreckenberger M, Sabri O, Werner J, Reuter M, Kircher S, Arlt W, Fassnacht M, Buck AK, Müller HH, Schirbel A; FAMIAN investigators. Combined[18F]Fluorodeoxyglucose PET and [123I]Iodometomidate-SPECT for diagnostic evaluation of indeterminate adrenal neoplasias-the cross-sectional diagnostic test accuracy study FAMIAN. EBioMedicine. 2025 Jun;116:105735. doi: 10.1016/j.ebiom.2025.105735. PMID: 40398350; PMCID: PMC12148602.

Hahner S, Hartrampf PE, Mihatsch PW, Nauerz M, Heinze B, Hänscheid H, Teresa Fuß C, Werner RA, Pamporaki C, Kroiss M, Fassnacht M, Buck AK, Schirbel A. Targeting 11-Beta Hydroxylase With [131I]IMAZA: A Novel Approach for the Treatment of Advanced Adrenocortical Carcinoma. J Clin Endocrinol Metab. 2022 Mar 24;107(4):e1348-e1355. doi: 10.1210/clinem/dgab895https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34904171/. PMID: 34904171.

Heinze B, Schirbel A, Nannen L, Michelmann D, Hartrampf PE, Bluemel C, Schneider M, Herrmann K, Haenscheid H, Fassnacht M, Buck AK, Hahner S. Novel CYP11B-ligand [<sup>123/131</sup>I]IMAZA as promising theranostic tool for adrenocortical tumors: comprehensive preclinical characterization and first clinical experience. Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2021 Dec;49(1):301-310. doi: 10.1007/s00259-021-05477-y. Epub 2021 Jul 3. PMID: 34215922; PMCID: PMC8712301.

Text: KL/Wissenschaftskommunikation

Das Team aus Endokrinologie und Nuklearmedizin steht in weißer Arbeitskluft nebeneinander im Flur des Zentrums für Innere Medizin hinter einem Treppengeländer, vor einer Wanddekoration der NUK
Das „Bench-to-Bedside“-Team aus Endokrinologie und Nuklearmedizin des UKW, v.l.n.r.: Simone Seifert (Leitende Medizinische Technologin für Radiologie, Nuklearmedizin), PD Dr. med. Philipp Hartrampf (Nuklearmedizin), Prof. Dr. rer. nat. Johannes Tran-Gia (Medizin-Physik, Nuklearmedizin), Katja Marienfeld (Chemisch Technische Laborassistentin, Endokrinologie), Dr. rer. nat. Britta Heinze (Biochemikerin, Endokrinologie), Prof. Dr. med. Stefanie Hahner (Endokrinologie), PD Dr. rer. nat. Andreas Schirbel (Radiochemie, Nuklearmedizin) © Kirstin Linkamp / UKW

Start-ups der Würzburger Universitätsmedizin als Titelstory

Die Titelseite der aktuellen Ausgabe von „Wirtschaft in Mainfranken“, dem Magazin der IHK Würzburg-Schweinfurt, zeigt Dr. Anna Fleischer und Prof. Dr. Michael Hudecek, beide vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und der medizinischen Fakultät der Uni Würzburg.

Dr. Anna Fleischer und Prof. Michael Hudecek auf der Titelseite "Wirtschaft in Mainfranken".
Titelseite "Wirtschaft in Mainfranken". © IHK Würzburg-Schweinfurt

Grund: Die Topstory der Publikation stellt unter der Überschrift „Deep Tech zwischen Labor, Gesetzbuch und Kapitalmarkt“ die Start-ups Endolease und T-CURX vor, an denen die Ärztin und Wissenschaftlerin der Medizinischen Klinik II sowie der Lehrstuhlinhaber für Zelluläre Immuntherapie jeweils maßgeblich beteiligt sind.

Beide Unternehmensgründungen sind dabei, die Medizin durch Innovationen in der Immuntherapie und Medizintechnik massiv voranzubringen: 

  • T-CURX konzentriert sich auf die Entwicklung von CAR-T-Zelltherapien zur Krebsbekämpfung, die einen kurativen Ansatz versprechen.
  • Endolease entwickelt ein Implantat zur gezielteren Medikamentenfreisetzung im Körper, um Nebenwirkungen zu reduzieren. 

Der Beitrag zeigt: Beide Start-ups stehen vor Herausforderungen wie strenger Regulierung und hohem Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig wird deutlich, dass Mut, Innovationskraft und das richtige Netzwerk zu Durchbrüchen führen können. Laut dem IHK-Magazin ist Würzburg ein attraktiver Standort für Medtech-Ausgründungen. So beschreibt Prof. Hudecek das UKW als Innovations- und Biotech-Hub, der medizinische, wissenschaftliche, juristische und unternehmerische Kompetenzen unter einem Dach vereint.

Das Heft kann unter www.wuerzburg.ihk.de/wim  kostenlos online gelesen oder heruntergeladen werden.
 

Dr. Anna Fleischer und Prof. Michael Hudecek auf der Titelseite "Wirtschaft in Mainfranken".
Titelseite "Wirtschaft in Mainfranken". © IHK Würzburg-Schweinfurt