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Gemeinsam gegen Krebs: Bayerns Forschung setzt auf Vernetzung und Patientenbeteiligung

Forschende, Patientinnen und Patienten sowie Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft zeigten, wie standortübergreifende Zusammenarbeit und aktive Patientenbeteiligung die Krebsforschung und -versorgung im Freistaat Bayern stärken können.

Zum 6. Netzwerktreffen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) begrüßten Mitglieder des Standortes Würzburg im Rudolf-Virchow-Zentrum ihre Kolleginnen und Kollegen aus den BZKF-Standorten. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF
Zum 6. Netzwerktreffen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) begrüßten Mitglieder des Standortes Würzburg im Rudolf-Virchow-Zentrum ihre Kolleginnen und Kollegen aus den BZKF-Standorten. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF
200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Start-ups, Patientinnen, Patienten und Angehörige kamen im Rudolf-Virchow-Zentrum Würzburg zusammen, weitere 50 Teilnehmende schalteten sich per Livestream zu. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF
200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Start-ups, Patientinnen, Patienten und Angehörige kamen im Rudolf-Virchow-Zentrum Würzburg zusammen, weitere 50 Teilnehmende schalteten sich per Livestream zu. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF

Würzburg. Wie entsteht aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkreter Fortschritt für Menschen mit Krebs? Und wie können die Erfahrungen von Betroffenen dazu beitragen, neue Forschungsansätze und Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des 6. Netzwerktreffens des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF), das am 15. Oktober in Würzburg und online stattfand. Unter dem Motto „Gemeinsame Forschung, Versorgung und Fortschritt“ kamen 200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Start-ups, Patientinnen, Patienten und Angehörige im Rudolf-Virchow-Zentrum in Würzburg zusammen, weitere 50 Teilnehmende schalteten sich per Livestream zu. Im Fokus standen innovative Forschungsansätze, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Frage, wie die Perspektiven von Betroffenen stärker in Forschung und Versorgung einfließen können.


„Das Netzwerktreffen des BZKF macht sichtbar, was möglich wird, wenn die bayerischen Universitätsstandorte ihre Expertise bündeln und gemeinsam an besseren Perspektiven für Patientinnen und Patienten arbeiten. Davon profitiert die Versorgung in ganz Bayern“, betonte Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), bei der Eröffnung.

Wenn Patientenbeteiligung Forschung voranbringt

Wie wertvoll die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten für die Forschung sind, zeigte die Studie „Gustabor“ als Beispiel für gelungene Patientenbeteiligung. Die digitale Plattform unterstützt Patientinnen und Patienten, die während einer Tumortherapie unter Geschmacksstörungen leiden, mit individuell abgestimmten Rezepten und Ernährungstipps. Mithilfe Künstlicher Intelligenz werden persönliche Vorlieben und Beschwerden mit wissenschaftlich fundierten Empfehlungen verknüpft. Das Ziel: Essen trotz veränderter und belastender Geschmacksempfindungen wieder angenehmer und einfacher zu machen.

Auch die Gesprächsrunde „Patientenperspektiven im Fokus“ machte deutlich, wie wichtig die Erfahrungen von Menschen mit Krebs für Forschung und Behandlung sind. Mitglieder des Patienten-Experten-Pools (PEP) teilten ihre persönlichen Perspektiven und zeigten auf, wie die Erfahrungen, Bedürfnisse und Lebensrealitäten von Betroffenen frühzeitig in Forschung und Versorgung einfließen können.

Zwei Studien – sechs bayerische Universitätsklinika – ein gemeinsames Ziel

Wie standortübergreifende Zusammenarbeit neue Perspektiven eröffnet, zeigten die ersten beiden BZKF-eigenen klinischen Studien. Die ERASE-AML-Studie prüft einen neuen immuntherapeutischen Ansatz für Hochrisikopatientinnen und -patienten mit akuter myeloischer Leukämie. Die Studie PRIME untersucht, ob die PSMA-PET die Diagnose von klinisch bedeutsamem Prostatakrebs verbessern kann. Das BZKF fördert die beiden Studien, an denen alle sechs BZKF-Standorte beteiligt sind, mit insgesamt 5,2 Millionen Euro und dem Ziel, Krebspatientinnen und -patienten in Bayern möglichst früh Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapieverfahren zu ermöglichen.


Auch die nächste Generation junger Krebsforscherinnen und -forscher stand im Fokus des Netzwerktreffens. Die BZKF-Young Scientist Fellows 2026 präsentierten ihre Forschungsvorhaben unter dem Leitgedanken „Exzellenz stärken – Wissen teilen“. Das seit 2023 laufende Programm unterstützt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, Forschungsideen zu entwickeln und in Projekten voranzubringen, sich bayernweit mit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen und von deren Erfahrungen zu profitieren.


Prof. Dr. Caroline Kisker, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Würzburg, erklärte: „Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eröffnet große Chancen für die Zukunft der Krebsforschung. Junge Forschende bereichern die Wissenschaft mit neuen Perspektiven, innovativen Ideen und frischen Impulsen. Die Möglichkeit ihre Expertise standortübergreifend einzubringen, Wissen zu teilen und voneinander zu lernen, führt zu wertvollen Synergien, die den wissenschaftlichen Fortschritt voranbringen und neue Möglichkeiten schaffen, die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten nachhaltig zu verbessern."
 

Forschung würdigen, Fortschritt gemeinsam gestalten

Zum Abschluss des Netzwerktages rückten zwei Auszeichnungen für besondere wissenschaftliche Leistungen in den Fokus: Mit dem neuen BZKF-Posterpreis und dem jährlich verliehenen BZKF-Publication Award wurde die Bedeutung herausragender Forschungsleistungen und des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Weiterentwicklung der Krebsmedizin gewürdigt. Das 6. BZKF-Netzwerktreffen machte deutlich: Fortschritte in der Krebsforschung entstehen nicht allein im Labor oder in der Klinik. Sie entstehen auch dort, wo Fachwissen zusammenkommt, junge Talente gefördert werden und die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten Gehör finden. Das BZKF schafft dafür eine Plattform, auf der die sechs bayerischen Universitätsklinika ihre Kompetenzen bündeln – mit dem gemeinsamen Anspruch, die Krebsversorgung nachhaltig zu verbessern.

Veranstaltungsrückblick mit Videoaufzeichnung, Fotogalerie und Posterausstellung: https://bzkf.de/aktuelles/6-bzkf-netzwerktreffen/

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) verfolgt das Ziel, allen Bürgerinnen und Bürgern in Bayern, ganz unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu bestmöglichen und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika in Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten in München, Regensburg und Würzburg wird nicht nur die Krebsforschung gefördert, sondern auch Kompetenzen und Wissen zu den Themen Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen gebündelt und zugleich Betroffenen eine flächendeckende und interdisziplinäre Versorgung angeboten. Das BürgerTelefonKrebs des BZKF bietet unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 eine unkomplizierte Möglichkeit, sich individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten zu lassen. Weitere Informationen finden Sie unter www.bzkf.de.

 

Zum 6. Netzwerktreffen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) begrüßten Mitglieder des Standortes Würzburg im Rudolf-Virchow-Zentrum ihre Kolleginnen und Kollegen aus den BZKF-Standorten. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF
Zum 6. Netzwerktreffen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) begrüßten Mitglieder des Standortes Würzburg im Rudolf-Virchow-Zentrum ihre Kolleginnen und Kollegen aus den BZKF-Standorten. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF
200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Start-ups, Patientinnen, Patienten und Angehörige kamen im Rudolf-Virchow-Zentrum Würzburg zusammen, weitere 50 Teilnehmende schalteten sich per Livestream zu. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF
200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Start-ups, Patientinnen, Patienten und Angehörige kamen im Rudolf-Virchow-Zentrum Würzburg zusammen, weitere 50 Teilnehmende schalteten sich per Livestream zu. Foto: Matthias Merz Fotografie / BZKF

Mediziner und Mäzen: Professor Karl-Heinz Weis

Der 2025 verstorbene Karl-Heinz Weis gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des Universitätsklinikums. Doch auch das Martin von Wagner Museum verdankt ihm viel – und revanchiert sich mit einer Ausstellung.

Porträt von Karl-Heinz Weis
So sehen wache Augen aus: Ausschnitt aus einem Porträt, das Rainer Stoltz 2012–2014 von Karl-Heinz Weis geschaffen hat. (Bild: André Mischke)

Dass ein Mitglied der Universität deren Kunstsammlungen bereichert, hat in Würzburg Tradition: Hätte der „Deutsch-Römer“ Martin von Wagner die rund fünftausend italienischen Zeichnungen in seinem Besitz nicht kurz vor seinem Tod 1858 an die Universität seiner Heimatstadt gestiftet, wäre die Graphische Sammlung des nach ihm benannten Museums weitaus weniger bedeutend.

An diese Tradition knüpfte ein prominenter Mediziner der Julius-Maximilians-Universität an: Professor Karl-Heinz Weis (1927–2025), Anästhesiologe von Weltruf, hat dem Martin von Wagner Museum über ein Vierteljahrhundert hinweg eine große Zahl von Kunstwerken übereignet, die er eigentlich für sich erworben hatte. Vor einem Jahr ist er im Alter von 98 Jahren gestorben, jetzt zeigt das Museum eine Auswahl seiner Schenkungen.

Promotion nach der Emeritierung

Weis‘ Verhältnis zur Kunst war sehr eng. Nicht nur umgaben er und seine Frau Ricarda sich privat mit viel moderner und zeitgenössischer Malerei, Skulptur und Graphik. Auch studierte Weis nach seiner Emeritierung das Fach Kunstgeschichte, in dem er 2008 mit einer Studie über den Maler Karl Hofer promoviert wurde.

Der Betreuer seiner Dissertation, Professor Stefan Kummer, war damals nicht nur Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Kunstgeschichte, sondern in Personalunion auch Direktor des Martin von Wagner Museums. Über diese Verbindung kam es zu den ersten Schenkungen, die nach und nach den Moderne-Bestand des Museums vergrößerten.

Die prominentesten Stücke werden jetzt in einer Sonderausstellung präsentiert – 44 Werke, von Zeichnungen und Druckgraphik der Leipziger Schule bis hin zu Skulpturen von Ernst Barlach oder Igor Mitoraij. Natürlich fehlt auch die 1924/25 von Karl Hofer geschaffene „Junge Frau mit Tulpenvase“ nicht, die 2019 ans Martin von Wagner Museum ging. Das Bild ist der mit Abstand kostbarste Neuzugang zur Moderne-Sammlung, die durch Weis‘ Schenkungen um ein Vielfaches vermehrt wurde.

Die Ausstellung heißt „Conditio humana“. Damit wird einem bestimmten Interesse des Sammlers Rechnung getragen, für den die von ihm erworbenen Werke immer Anlass waren, nach dem Menschen „an sich“ zu fragen, seinen Bedingungen und Bedingtheiten. In den von ihm so intensiv angeschauten Kunstwerken wird Weis‘ eigener Blick noch einmal lebendig.

Zeit und Ort

Die Ausstellung wird am Freitag, 23. Oktober um 19 Uhr im Martin von Wagner Museum eröffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. „CONDITIO HUMANA | Karl-Heinz Weis, Mediziner und Mäzen“ läuft bis 23. Dezember und kann zu den regulären Öffnungszeiten des Museums besucht werden (dienstags bis samstags 13.30–17 Uhr, sonntags 10–13.30 Uhr im Wechsel mit der Antikensammlung).

Von: Martin von Wagner Museum

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 20.10.2026

Porträt von Karl-Heinz Weis
So sehen wache Augen aus: Ausschnitt aus einem Porträt, das Rainer Stoltz 2012–2014 von Karl-Heinz Weis geschaffen hat. (Bild: André Mischke)

Wenn eine alte Virusinfektion die Heilung des Herzens stört

Ein Herpesvirus, das die meisten von uns in sich tragen, kann die Erholung des Herzens nach einem Herzinfarkt beeinträchtigen

Oben der Verlauf eines Herzinfarktes bei einer nicht CMV-infizierten Person: Normalzustand, Herzinfarkt, Entzündungs- und Reparaturphase; unten der Verlauf bei einer latenten CMV-Infektion: Veränderte Zellen im Herzgewebe, verstärkte Entzündung und schlechterer Krankheitsverlauf.
Eine latente Cytomegalievirus-Infektion verändert das Immunmilieu des Herzens dauerhaft und begünstigt die Ansiedlung CMV-spezifischer Immunzellen im Herzmuskel. Nach einem Herzinfarkt kann sie Entzündungsprozesse verstärken und die ungünstige Umgestaltung der Herzkammer fördern. Auch bei Patientinnen und Patienten ist eine übermäßige Immunantwort gegen das Virus mit schlechteren langfristigen Herzfunktionen verbunden. Bild: Anpassung des Graphical Abstracts Dapergola et al 2026 https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.327799

Rijeka / Würzburg. Die Heilung des Herzens nach einem Infarkt ist kein passiver Prozess. Sie wird vom Immunsystem orchestriert. In den ersten Tagen beseitigen Entzündungszellen das abgestorbene Gewebe. Anschließend muss die Entzündung rechtzeitig abklingen, damit eine feste und stabile Narbe aufgebaut werden kann. Ist die Entzündung zu stark oder hält sie zu lange an, kann sich die Schädigung ausweiten und das Herz ungünstig umgebaut werden.

Das Ergebnis eines Infarkts hängt daher nicht nur davon ab, wie viel Herzmuskel verloren gegangen ist. Es wird auch vom individuellen Immunsystem beeinflusst. Genau diese kardio-immunen Schnittstellen untersucht der Sonderforschungsbereich SFB 1525 des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Im Mittelpunkt stehen die Fragen, inwiefern das Immunsystem Herzkrankheiten beeinflusst und ob sich Wechselwirkungen therapeutisch nutzen lassen. 

Veröffentlichung in Circulation Research

Ein Fokus liegt dabei auf Infektionen, die ein Mensch im Laufe des Lebens hatte und die das Immunsystem prägen, wie etwa das Zytomegalievirus (CMV). In einer kürzlich im Fachjournal Circulation Research veröffentlichten Studie fand eine Forschungsgruppe des SFB 1525 gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität von Rijeka (Kroatien) heraus, dass eine Infektion mit dem weit verbreiteten Virus die Immunreaktion verändern und dadurch die Erholung des Herzens nach einem Infarkt erheblich beeinträchtigen kann. 

Zytomegalievirus: ein unbemerkter Begleiter fürs Leben

Das Zytomegalievirus gehört zur Familie der Herpesviren, zu der auch die Viren gehören, die Lippenherpes, Windpocken oder das Pfeiffersche Drüsenfieber verursachen. Allen Herpesviren gemein ist, dass sie nach der Erstinfektion im Körper verbleiben und dort lebenslang in einem ruhenden Zustand, der sogenannten Latenz, überdauern können. Das Immunsystem muss das Virus daher ständig überwachen, was zu einer chronischen, unterschwelligen Entzündung im Körper führt. Eine Infektion mit dem Zytomegalievirus ist sehr häufig und verläuft bei gesunden Menschen meist unbemerkt. Viele Menschen wissen daher gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. 

Von der Maus zum Menschen

Da sich das murine Zytomegalievirus bei Mäusen ähnlich wie das humane Virus beim Menschen verhält, ist das Mausmodell ideal, um diese Infektionen genauer zu untersuchen. Hier kommen die Expertise des Zentrums für Proteomik in Rijeka und des Instituts für Systemimmunologie in Würzburg (WüSI) ins Spiel. Beide Einrichtungen sind international anerkannte Forschungszentren auf dem Gebiet der viralen Immunologie und erforschen den Einfluss von CMV-Infektionen auf das Immunsystem und die Gewebe. Auch im Würzburger SFB werden die Mechanismen analysiert, die mit altersbedingten Veränderungen des Immunsystems, der sogenannten Immunseneszenz, einhergehen und das Heilungspotenzial nach einem Herzinfarkt negativ beeinflussen. „Wir untersuchen, wie Infektionen mit häufigen Krankheitserregern wie CMV die sogenannte Immunoseneszenz beeinflussen und somit die Reparaturkapazität nach einem Herzinfarkt beeinträchtigen“, erläutert Prof. Dr. Gustavo Ramos, korrespondierender Autor der aktuellen Studie.

Gemeinsam konnten die Forschenden nachweisen, dass die Herzen latent infizierter Mäuse deutlich mehr Immunzellen enthalten und ihr Gewebe Anzeichen einer stillen, Entzündung auf molekularer Ebene aufweist. Dieser Zustand allein schädigt das Herz oder die allgemeine Gesundheit der Tiere jedoch nicht. Erleidet eine latent infizierte Maus jedoch einen Infarkt, verstärkt sich das Entzündungsmilieu und beeinträchtigt die Heilung, so dass sich die Herzfunktion nicht so gut wie bei nicht infizierten Mäusen erholen kann. 

Befund beim Menschen bestätigt

Tatsächlich fanden die Forschenden in zwei retrospektiv ausgewerteten Patientenkohorten aus Würzburg und Newcastle einen Zusammenhang zwischen CMV-spezifischen Zellen und Antikörpern einerseits und dem Krankheitsverlauf nach einem Myokardinfarkt andererseits. 

„Diese Ergebnisse zeigen zunächst eine Assoziation“, erklärt Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I (Med I) am UKW und Sprecher des SFB 1525. „Ob und inwieweit eine stärkere Immunantwort auf CMV mit einer schlechteren Erholung der Herzfunktion einhergeht, müssen weitere prospektive klinische Studien klären. Unsere experimentelle Forschung liefert jedoch neue Einblicke in die Mechanismen, die hinter diesem klinischen Zusammenhang stehen könnten.“

Weitere gemeinsame Untersuchungen sollen nun klären, wie Virusinfektionen die Herzgesundheit beeinflussen und ob sich daraus neue Möglichkeiten für die Behandlung nach einem Herzinfarkt ergeben.

Aus Konkurrenz wird Kooperation

„Ich freue mich sehr, dass unsere Forschungsgruppen zueinander gefunden haben und wir unsere Kräfte so erfolgreich bündeln können“, sagt Gustavo Ramos, der Letztautor der Studie ist. 

Beide Gruppen, in Kroatien und Deutschland, waren nämlich zunächst unabhängig voneinander auf dieselbe wissenschaftliche Frage gestoßen. Während die Forschenden in Rijeka den Einfluss einer latenten CMV-Infektion auf das Herz untersuchten, beschäftigte sich die Würzburger Gruppe um Gustavo Ramos am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) und Georg Gasteiger in der Würzburger Max-Planck-Forschungsgruppe für Systemimmunologie (WüSI) mit einer ähnlichen Fragestellung. Statt um die schnellste Publikation zu konkurrieren, beschlossen die Teams, ihre Expertise zu verbinden. 

Ramos und Gasteiger organisierten daraufhin im Sommer 2024 am Würzburger Institut für Systemimmunologie ein Mini-Symposium zu viralen Infektionen und Herzmuskelerkrankungen, auf dem die Forschenden ihre Forschungsideen zusammenführen und die gemeinsame Arbeit weiterentwickeln konnten. 

So teilen sich denn auch Eleni Dapergola (WüSi), Marko Šustić (Universität Rijeka) und DiyaaElDin Ashour (DZHI, Med I) die Erstautorenschaft der Publikation. Geleitet wurde die Arbeit von Gustavo Campos Ramos (DZHI, MED I) und Georg Gasteiger (WüSI) sowie Ilija Brizić in Rijeka. Maßgeblich an der Studie beteiligt waren zudem Ioakim Spyridopoulos mit seinem Forschungsteam aus Newcastle sowie Arbeitsgruppen aus Paris und Graz. 

Drei Posterpreise zu CMV und Myokarderkrankungen bei der III. Cardioimmunology Conference

„Der Zusammenhang zwischen CMV und Erkrankungen des Herzmuskels entwickelt sich derzeit zu einem wichtigen Thema an der Schnittstelle von Kardiologie und Immunologie“, sagt Prof. Dr. Georg Gasteiger. Der Direktor des Würzburger Instituts für Systemimmunologie verweist auf drei Posterpreise, die gerade in diesem Themenfeld bei der III. Cardioimmunology Conference verliehen wurden. Die Konferenz fand vom 30. September bis zum 2. Oktober in der Nähe von Madrid statt. Eleni Dapergola, Doktorandin am WüSI, erhielt einen Posterpreis für die in Circulation Research veröffentlichte Publikation. Marko Šustić wurde für ein Poster ausgezeichnet, das an diese Studie anknüpfte. Einen weiteren Posterpreis erhielt Alexandra Cirnu, Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Brenda Gerull am DZHI. Im Rahmen des SFB-Projekt A4 untersuchte Cirnu mögliche Zusammenhänge zwischen CMV und genetisch bedingten Kardiomyopathien. Die Ergebnisse wurden kürzlich als Preprint veröffentlicht (https://doi.org/10.64898/2025.12.11.693827) und werden derzeit wissenschaftlich begutachtet.

Publikation: Dapergola E, Šustić M, Ashour D, Melika ET, Cokarić Brdovčak M, Materljan Franki J, Golemac M, Lisnić B, Bellulovich E, Boivin-Jahns V, Krammer T, Le Gouge K, Rech L, Stangl V, Kashofer K, Rainer PP, Jahns R, Mariotti-Ferrandiz E, Marwan H, Terekhov M, Keshtkar M, Saliba AE, Cochain C, Arampatzi P, Srivastava M, Plein S, Ekinci Y, Spyridopoulos I, Jonjić S, Hofmann U, Frantz S, Brizić I, Gasteiger G, Campos Ramos G. Cytomegalovirus Latency Fuels Inflammation Following Myocardial Infarction. Circ Res. 2026 Sep 14. https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.327799

 

 

Oben der Verlauf eines Herzinfarktes bei einer nicht CMV-infizierten Person: Normalzustand, Herzinfarkt, Entzündungs- und Reparaturphase; unten der Verlauf bei einer latenten CMV-Infektion: Veränderte Zellen im Herzgewebe, verstärkte Entzündung und schlechterer Krankheitsverlauf.
Eine latente Cytomegalievirus-Infektion verändert das Immunmilieu des Herzens dauerhaft und begünstigt die Ansiedlung CMV-spezifischer Immunzellen im Herzmuskel. Nach einem Herzinfarkt kann sie Entzündungsprozesse verstärken und die ungünstige Umgestaltung der Herzkammer fördern. Auch bei Patientinnen und Patienten ist eine übermäßige Immunantwort gegen das Virus mit schlechteren langfristigen Herzfunktionen verbunden. Bild: Anpassung des Graphical Abstracts Dapergola et al 2026 https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.327799

Smartphone-Spiele erkennen frühe Warnzeichen für erhöhten Alkoholkonsum

Studie mit 603 Personen mit Alkoholkonsumstörung zeigt: Risikofreudige Entscheidungen gehen höherem Alkoholkonsum voraus

Screenshots der vier Smartphone-Spiele - Inhibitorische Kontrolle (Obst vom Baum auffangen), Arbeitsgedächtnis (Memory), Risikoverhalten und Informationsauswahl.
Studienteilnehmende, die bei Smartphone-Spielen risikofreudiger wurden oder Informationen weniger gezielt für ihre Entscheidungen nutzten, tranken im darauffolgenden Monat häufiger mehr Alkohol. Die monatliche Spielsession bestand aus vier Aufgaben, einer zur Impulskontrolle, einer zum Arbeitsgedächtnis, in der dritten ging es um Risikobereitschaft und zuletzt um die Auswahl von Informationen. Der Alkoholkonsum wurde anhand von Fragebögen erfasst. © Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging / Zech et al.)
Porträt von Lorenz Deserno und Hilmar Zech
Prof. Dr. Lorenz Deserno (links) vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Dr. Hilmar Zech vom UKW und der Technischen Universität Dresden zeigen im Fachjournal „Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging“, dass Verhaltensveränderungen in einfachen Smartphonespielen Veränderungen beim Alkoholkonsum vorausgehen. © privat / erstellt mit Canva

Alkoholkonsumstörungen zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für gesundheitliche Beeinträchtigungen und vorzeitigem Tod. Prof. Dr. Lorenz Deserno vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Dr. Hilmar Zech vom UKW und der Technischen Universität Dresden haben erstmalig gezeigt, dass Verhaltensveränderungen in einfachen Smartphonespielen Veränderungen im Trinken vorausgehen: In einer Studie mit 603 Personen mit Alkoholkonsumstörung stellten die Forschenden fest, dass die Studienteilnehmenden im darauffolgenden Monat häufiger mehr Alkohol tranken, wenn sie bei Smartphone-Spielen risikofreudiger wurden oder Informationen weniger gezielt für ihre Entscheidungen nutzten. Umgekehrt führte mehr Alkoholkonsum nicht zu diesen Veränderungen im Entscheidungsverhalten. Die im Fachjournal “Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging” veröffentlichten Studienergebnisse deuten somit darauf hin, dass spielerisch gestaltete Smartphone-Tests helfen könnten, Phasen mit erhöhtem Rückfall- oder Konsumrisiko frühzeitig zu erkennen. Das könnte neue Möglichkeiten für eine individualisierte, mechanismusbasierte Echtzeit-Intervention mittels spielerisch gestalteter Smartphone-Aufgaben eröffnen. 

Würzburg. Alkohol gehört für viele Menschen zum Alltag, sei es beim gemeinsamen Essen, Feiern oder Entspannen. Manche entwickeln jedoch ein kaum kontrollierbares Verlangen nach Alkohol. Trotz negativer gesundheitlicher oder sozialer Folgen fällt es ihnen schwer, weniger zu trinken oder ganz aufzuhören. Fachleute sprechen dann von einer Alkoholkonsumstörung. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel jemand trinkt, sondern wie negativ der Alkoholkonsum das Verhalten und den Alltag bestimmt. 

Was kommt zuerst: verändertes Verhalten oder mehr Alkohol?

Frühere Querschnittsstudien haben gezeigt, dass Menschen mit einer Alkoholkonsumstörung, Schwierigkeiten haben, ihr Verhalten und ihre Impulse zu kontrollieren, und dass sie häufiger riskante Entscheidungen treffen. Unklar war jedoch bislang, was Ursache und was Folge ist: Gehen die Veränderungen im Denken und Verhalten einem gesteigerten Alkoholkonsum voraus oder sind sie dessen Folge? Dieser Frage sind Prof. Dr. Lorenz Deserno und Dr. Hilmar Zech vom Zentrum für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) in enger Kooperation mit Prof. Dr. Michael Smolka und Prof. Dr. Thomas Goschke von der Technischen Universität Dresden in einem Projekt des Sonderforschungsbereichs Transregio TRR 265 ReCoDe nachgegangen. Und tatsächlich konnten sie die Lücke in der Suchtforschung ein Stück weit schließen. 

TRR 265: Verlust und Wiedererlangung der Kontrolle bei Suchterkrankungen: Der SFB/TRR 265 untersucht, wie Menschen mit einer Suchterkrankung die Kontrolle über ihren Konsum verlieren und wiedererlangen können. Zentrale Standorte sind Berlin, Dresden und Mannheim. Lorenz Deserno hat am UKW eine Professur für Experimentelle Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie inne und leitet die Arbeitsgruppe „Computational and Developmental Psychiatry“ (desernolab.ukw.de). Durch seine Promotion an der psychiatrischen Klinik der Charité – Universitätsmedizin Berlin und durch Kooperationen mit der Psychiatrie an der TU Dresden hatte Deserno bereits enge Kontakte zu den Forschenden des SFB/TRR. Hilmar Zech ist sowohl wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden als auch Postdoc in Desernos Arbeitsgruppe (desernolab.ukw.de).

Kognitive Funktionen mit Smartphone-Spielen messen

Lorenz Deserno und Hilmar Zech verbindet das Know-how, wie sich kognitive Funktionen mithilfe von smartphonebasierten Spielen messen lassen. „Wir fragen nicht, was oder wie die Personen denken, sondern lassen sie ganz bequem auf ihrem Smartphone unsere selbst entwickelten Spiele spielen. Aus kleinen Unterschieden im Verhalten, zum Beispiel in den Reaktionszeiten, können wir dann Rückschlüsse auf ihre kognitiven Funktionen ziehen“, erläutert Hilmar Zech. In seiner Promotion baute der Psychologe einen Annäherungs-Vermeidungs-Test aus dem Labor als Smartphone-App um. Damit untersuchte er, ob Personen mit unterschiedlichem Body-Mass-Index (BMI) anders auf bestimmte Bilder von Lebensmitteln reagieren, diese etwa schneller wegdrücken oder langsamer an sich heranziehen (https://doi.org/10.1037/xge0001386).

603 Personen mit Alkoholkonsumstörung ein Jahr lang begleitet

„Der Vorteil von Experimenten auf dem Smartphone ist, dass unsere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht zu uns ins Labor kommen müssen, sondern sie die Tests im Alltag durchführen können. Indem wir die Experimente zusätzlich als Spiel verpacken, unterhalten wir die Leute und halten sie bei der Stange“, sagt Lorenz Deserno. Genau diese Kombination hat es dem Studienteam des TRR265 ermöglicht, 603 Personen mit überwiegend leichter bis mittelschwerer Alkoholkonsumstörung ein Jahr lang zu begleiten und ihre regelmäßigen Angaben zum Alkoholkonsum mit den Ergebnissen aus den Spielen zur kognitiven Kontrolle und zum Entscheidungsverhalten zu verbinden. 

Deutliche Schwankungen im Alkoholkonsum

Jeden zweiten Tag erhielten die Teilnehmenden um 12 Uhr mittags einen Prompt auf ihrem Handy, der sie fragte, wie viel sie in den vergangenen zwei Tagen getrunken hatten. Dazu konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zwölf Beispielen die entsprechende Menge auswählen - von Hochprozentigem im Schnapsglas über Bier in verschiedenen Einheiten bis zu Wein im Glas oder in der Flasche. „Die Schwankungen im Konsum waren deutlich. Einige trinken regelmäßig, andere unter der Woche gar nicht, dafür aber zwischen Donnerstag und Sonntag sehr viel“, sagt Lorenz Deserno. Ihr Leben sei aber noch nicht derart beeinträchtigt wie bei starken Alkoholabhängigen, die eine Entzugsbehandlung benötigen. Genau diese Risikoverläufe galt es zu untersuchen. Denn sie sind oft ein Einstiegskriterium für eine ausgeprägte Suchterkrankung. 

Die Probandinnen und Probanden wurden daher sehr sorgfältig ausgewählt. Zu Beginn der Studie und alle drei Monate erhielten sie zudem Labortests und Hirnscans. Darüber hinaus wurden ihnen in regelmäßigen Abständen Fragen zur Stimmung und zum Kontrollverhalten gestellt, wie sie sich fühlen und ob sie zum Beispiel gern weniger trinken möchten. Schließlich durften sie einmal im Monat jeweils vier Spiele à fünf Minuten spielen. 

Spiele testen Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und Risikoverhalten

Die Spiele wurden im TRR265 und am UKW entwickelt, teilweise basierend auf einer Kooperation mit dem University College London, wo Lorenz Deserno einige Jahre tätig war. Die etwa 20-minütige Spielsession begann mit einem Spiel zur Impulskontrolle. Darin sollten die Teilnehmenden Früchte von einem Baum pflücken. Sobald eine Frucht braun wurde, durften sie nicht mehr daraufklicken. Der Test zeigte, wie schnell sie eine bereits automatisierte Reaktion unterbrechen konnten – eine Fähigkeit, die auch bei der Kontrolle von Suchtverhalten eine Rolle spielt. Beim zweiten Spiel ging es um das Arbeitsgedächtnis. Die Probandinnen und Probanden sollten sich zunehmend komplexer Muster merken und diese anschließend reproduzieren. 

Mit dem dritten und vierten Spiel wurde das Risikoverhalten untersucht. So durften die Probandinnen zwischen einem sicheren Ergebnis von 30 Punkten und einem Glücksrad, bei dem zwischen 0 und 60 Punkte möglich waren, wählen. Im letzten Spiel mussten sie sich zwischen zwei Kartenstapeln entscheiden. Der Stapel mit der höheren Endsumme gewann. Man konnte auf Risiko gehen und sich sofort entscheiden oder Punkte investieren, um weitere Informationen zu den Karten zu erhalten. Je mehr Punkte investiert wurden, desto vorsichtiger wurden Entscheidungen vorbereitet. 

Wer risikofreudiger entscheidet, trinkt später häufig mehr 

Die jetzt im Fachjournal „Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging“ veröffentlichten Auswertungen zeigen, wie die Schwankungen in der Spielweise im dritten und vierten Spiel zum Risikoverhalten mit den Schwankungen im Alkoholkonsum zusammenhängen. Veränderungen im Entscheidungsverhalten gingen Veränderungen im Alkoholkonsum voraus. Ein höherer Alkoholkonsum führte hingegen nicht zu diesen Veränderungen im Entscheidungsverhalten. Die ersten beiden Spiele zur Impulskontrolle und zum Arbeitsgedächtnis zeigten diese Zusammenhänge nicht. 

„Wer im Spiel risikofreudiger oder unvorsichtiger war, hat im darauffolgenden Monat häufig mehr Alkohol konsumiert“, erklärt Hilmar Zech. „Und das hat uns schon überrascht. Nicht das Ergebnis an sich, denn so lauteten auch unsere Hypothesen. Aber dass wir diese Hypothesen mit unseren neuen smarpthonebasierten und spielerischen gestalteten Messmethoden auf Anhieb belegen konnten, ist in der Forschung nicht oft der Fall.“ Deserno ergänzt: „Es freut uns ungemein, dass es uns gelungen ist, mit unseren Messmethoden alltagsnahe Schwankungen im Trinkverhalten und in wichtigen Funktionen des Entscheidungsverhaltens abzubilden.“

Smartphone als Frühwarnsystem für erhöhtes Trinkrisiko 

Darauf will das Team nun aufbauen. Denn die Ergebnisse könnten dabei helfen, frühe Warnzeichen für Phasen mit erhöhtem Trinkrisiko zu erkennen und Betroffene künftig gezielt zu unterstützen. „Wir könnten smartphonebasierte Spiele zum Beispiel als Risikoindikator nutzen und bei auffälligen Messungen frühzeitig intervenieren“, meint Zech. Eine solche Intervention könnte neben einer reinen Kontaktaufnahme und Information über das erhöhte Risiko auch beratungs- und gesprächsbasierte Methoden umfassen. Aber auch spielerische Interventionen sind vorstellbar. „Dieser Präventionsansatz wäre beim Substanzkonsum extrem wichtig, um größeren, nach längerem Konsum eintretenden Schaden zu verhindern und die Personen vor einer starken Abhängigkeit mit allen körperlichen und sozioökonomischen Folgen zu schützen“, sagt Deserno.

Aktuell untersucht das Studienteam unterschiedliche Zeitfrequenzen. Dazu lassen sie 150 Probandinnen und Probanden über einen Zeitraum von zwölf Wochen jeweils zweimal am Tag spielen, und zwar vier Wochen am Anfang und vier Wochen am Ende. Deserno: „Dadurch können wir die Effekte hoffentlich noch besser verstehen und den Zeitpunkt, zu dem sich beispielsweise die Risikopräferenzen verändern, genauer einordnen.“

Publikation: Hilmar Zech, Maria Waltmann, Dominic Reichert, Fabian Arntz, Ying Lee, Markus Reichert, Rachel L. Bedder, Robb B. Rutledge, Thomas Goschke, Bernd Lenz, Patrick Bach, Falk Kiefer, Michael Marxen, Rainer Spanagel, Heike Tost, Ulrich Ebner-Priemer, Michael A. Rapp, Andreas Heinz, Ray Dolan, Michael N. Smolka, Lorenz Deserno. Fluctuations in real-life drinking in alcohol use disorder: A one-year longitudinal study using gamified tasks of decision making and cognitive control. Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging, 2026, ISSN 2451-9022, https://doi.org/10.1016/j.bpsc.2026.07.019.

Screenshots der vier Smartphone-Spiele - Inhibitorische Kontrolle (Obst vom Baum auffangen), Arbeitsgedächtnis (Memory), Risikoverhalten und Informationsauswahl.
Studienteilnehmende, die bei Smartphone-Spielen risikofreudiger wurden oder Informationen weniger gezielt für ihre Entscheidungen nutzten, tranken im darauffolgenden Monat häufiger mehr Alkohol. Die monatliche Spielsession bestand aus vier Aufgaben, einer zur Impulskontrolle, einer zum Arbeitsgedächtnis, in der dritten ging es um Risikobereitschaft und zuletzt um die Auswahl von Informationen. Der Alkoholkonsum wurde anhand von Fragebögen erfasst. © Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging / Zech et al.)
Porträt von Lorenz Deserno und Hilmar Zech
Prof. Dr. Lorenz Deserno (links) vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Dr. Hilmar Zech vom UKW und der Technischen Universität Dresden zeigen im Fachjournal „Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging“, dass Verhaltensveränderungen in einfachen Smartphonespielen Veränderungen beim Alkoholkonsum vorausgehen. © privat / erstellt mit Canva

Allgemeinmedizin kennt keine Grenzen

Prof. Dr. Anne Simmenroth bringt das europäische Netzwerk EURACT erstmals zum Council Meeting nach Würzburg. Im Mittelpunkt: Allgemeinmedizin in Studium und Weiterbildung und ihre Rolle im Gesundheitssystem

Teilnehmende stehen vor altem Gebäude auf dem Klostergelände der Erlöserschwestern
Am 15. Oktober kamen die ersten Delegierten der European Academy of Teachers in General Practice/Family Medicine (EURACT) zum dreitätigen Council-Meeting nach Würzburg. © Anne Simmenroth / UKW
Porträtbild von Anne Simmenroth vor Grünpflanzen im Büro
Prof. Dr. Anne Simmenroth, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin, bringt das europäische Netzwerk EURACT erstmals zum Council Meeting nach Würzburg. © Angie Wolf / UKW

Würzburg. Von Island bis Israel und von Portugal bis zur Ukraine – die European Academy of Teachers in General Practice (EURACT) verbindet Lehrende der Allgemein- und Familienmedizin über die Grenzen der Europäischen Union hinweg. Aus mehr als 35 Mitgliedsstaaten sind die Delegierten nun der Einladung von Prof. Dr. Anne Simmenroth, Direktorin des Würzburger Instituts für Allgemeinmedizin, gefolgt und zum EURACT Council Meeting in die unterfränkische Universitäts- und Residenzstadt gereist. Vom 15. bis 17. Oktober bringen die Professorinnen und Professoren für Allgemeinmedizin ihre unterschiedlichen Erfahrungen in der Lehre und Weiterbildung zusammen, arbeiten an Studien und Positionspapieren und verfolgen dabei das übergeordnete Ziel, die Ausbildung der Hausärztinnen und Hausärzte in Europa zu optimieren und an die Bedarfe anzupassen. 

Erstmals tagt EURACT in Würzburg

„Es ist ein tolles Gremium, die Arbeit macht unglaublich viel Spaß und wir können sehr viel voneinander lernen“, sagt Anne Simmenroth. Die Allgemeinmedizinerin und Wissenschaftlerin wurde bereits zum vierten Mal zu Deutschlands Vertreterin in der EURACT gewählt. Seit zwei Jahren leitet sie zudem in dem Netzwerk die Sektion „Studium“. Zweimal im Jahr tagen die EURACT-Delegierten in verschiedenen europäischen Universitätsstädten, um ihre Themenbereiche weiterzuentwickeln. „Ich freue mich sehr, dass die Stadt Würzburg zum ersten Mal Gastgeberin dieses wichtigen Netzwerktreffens ist“, sagt Anne Simmenroth. „So etwas hat es noch nie gegeben und wird es vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht geben.“ In zwei Jahren möchte Simmenroth ihr Amt in jüngere Hände legen.

Für das Rahmenprogramm hat Anne Simmenroth neben einer Stadtführung mit der Medizinhistorikerin Prof. Dr. Sabine Schlegelmilch eine Einführung in das deutsche Gesundheitswesen, die Vorstellung der Medizinischen Fakultät sowie Besuche von niedergelassenen Praxen in Kleingruppen geplant. „Für die Gäste ist es immer besonders spannend, das Gesundheitssystem des jeweiligen Gastgeberlandes kennenzulernen. Anne Simmenroth spricht aus Erfahrung. 

Deutschland bei der Lehre gut aufgestellt

Wie ist es hierzulande um Lehre und Weiterbildung bestellt? „In der Lehre ist Deutschland im europäischen Vergleich gut aufgestellt”, so Simmenroth. Die Allgemeinmedizin ist an den medizinischen Fakultäten inzwischen breit verankert, Lehrstühle sind etabliert und auch Lehrpraxen werden über strukturierte Programme und eine finanzielle Vergütung eingebunden. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich eher im oberen Drittel. In einigen Ländern, zum Beispiel in Teilen Osteuropas, fehlen hingegen Lehrstühle, Personal und ausreichende finanzielle Mittel für die allgemeinmedizinische Lehre.

Die Weiterbildung hinkt hinterher

Deutlich größeren Nachholbedarf gibt es Simmenroth zufolge in Deutschland bei der Weiterbildung zur Fachärztin beziehungsweise zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Länder wie Finnland, Schweden, Norwegen, England, die Niederlande oder auch die baltischen Staaten setzen auf klar strukturierte Weiterbildungsprogramme mit festen Rotationen durch verschiedene Fachbereiche und Einrichtungen, Mentoren und regelmäßigem Unterricht. Dadurch ist die Weiterbildung stärker wie eine Verlängerung Studium organisiert und es wird gewährleistet, dass alle angehenden Fachärztinnen und Fachärzte vergleichbare Inhalte und Erfahrungen sammeln. In Deutschland hängt dagegen noch vieles von der jeweiligen Weiterbildungsstelle und den Rahmenbedingungen ab. Zwar schaffen erste Weiterbildungsverbünde und Kompetenzzentren mehr Struktur, sie reichen aber noch nicht an die etablierten Modelle anderer europäischer Länder heran.

Überall fehlt Nachwuchs

So unterschiedlich Lehre und Weiterbildung sowie die Gesundheitssysteme in Europa auch sind, eines eint sie alle: das Nachwuchsproblem. Der Ärztemangel in der Primärversorgung, vor allem im ländlichen Raum, ist sogar ein globales Problem. Ob Australien, Brasilien, Kanada oder Europa – überall sieht man eine Ausdünnung der hausärztlichen Versorgung. Auch hierzu tauscht sich die EURACT aus: Mit welchen Maßnahmen kann der Generationenwechsel in der Allgemeinmedizin aktiv gestaltet und begleitet werden? „Jeder hat seine Ideen und Erfahrungen, wie man junge Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin begeistern kann“, sagt Anne Simmenroth. 

Warum Allgemeinmedizin begeistert

Für die Allgemeinmedizinerin sind die Vielfalt, Breite und Kontinuität des Fachs die perfekte Kombination. „Ich behandle die unterschiedlichsten Krankheitsbilder, muss mich ständig weiterbilden und begleite viele Menschen über weite Strecken ihres Lebens. Ich lebe gewissermaßen mit ihnen. Das ist unglaublich toll“, schwärmt Simmenroth. In ihrer letzten Sprechstunde hatte sie beispielsweise erst ein vierjähriges Kind und später einen Hausbesuch bei einer 92-Jährigen Patientin – für die Blockpraktikantin, die dabei war, sicher ein prägendes Erlebnis. 

Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte bestätigen die Faszination dieses Berufs. Dennoch sind es zu wenige, um die hausärztliche Versorgung von morgen zu sichern. „Ohne Quereinsteiger, also Internistinnen und Internisten, die hausärztliche Sitze übernehmen, würde es gar nicht gehen”, so Simmenroth. Die zweite große Gruppe der Quereinsteiger kommt aus den Bereichen Anästhesie und Chirurgie. 

Harmonisierung der medizinischen Ausbildung in Europa

Zur Bewältigung von Problemen wie dem Nachwuchsmangel hat die EURACT einige strategische Anforderungskataloge publiziert. Wie, ab wann und mit welchen Methoden sollte zum Beispiel im Studium die Allgemeinmedizin aber auch die Primärmedizin wie Pädiatrie verankert werden? Welche Pflichtinhalte der Allgemeinmedizin müssen vermittelt werden? Wie kann die Qualität der Ausbildung in den Praxen gesichert werden? Auf Basis eines europäischen Konsensprozesses formulierten EURACT und WONCA (World Organization of Family Doctors) im Jahr 2020 unter der Leitung von Anne Simmenroth erstmals gemeinsame und europaweit anwendbare Mindeststandards für die universitäre Ausbildung in Allgemein- und Familienmedizin (Link zum Positionspapier*).

Früh in die Praxis – aber wie? 

Neben diesen Mindeststandards legt EURACT in den vergangenen Jahren seinen Fokus verstärkt auf moderne Lehrformate und die Sichtweise junger Ärztinnen und Ärzte. 2023 erschien eine Befragung, in der angehende Hausärztinnen und Hausärzten angaben, welche Fähigkeiten die neue Generation in der Facharztausbildung für absolut essenziell hält. Im selben Jahr wurde eine qualitative Studie zu Krankenhaus-Praktika veröffentlicht.

Ein wichtiger Punkt ist der frühzeitige Kontakt mit der klinischen Praxis (ECE für Early Clinical Exposure). Zwar sind Programme zu ECE seit den Nullerjahren in manchen Ländern verbreitet, finden jedoch auch heute kaum Beachtung, wie eine Befragung ergab, die Anne Simmenroth 2022 als Erstautorin veröffentlicht hat. Obwohl zahlreiche Daten auf vielfältige positive Auswirkungen eines frühen Kontakts zu Patientinnen und Patienten in Kliniken und Praxen hindeuten, gab es keine signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Einführung oder der curricularen Gewichtung von ECE-Programmen. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass es Hindernisse bei der Umsetzung oder Ausweitung eines ECE gebe. „Die Haltung der Einrichtungen gegenüber bestimmten Fachbereichen und eine mangelnde Bereitschaft, mit neuen Lehrmethoden zu experimentieren, könnten hierfür teilweise verantwortlich sein“, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren.

Aktueller Stand der Grundausbildung 

Ganz aktuell ist ein Bericht von Anne Simmenroth, den sie gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Jessica Ruck und der finnischen Kollegin Helena Karppinen verfasst hat. Darin stellen die Forscherinnen den aktuellen Stand der medizinischen Grundausbildung im Bereich Allgemeinmedizin/Familienmedizin in den EURACT-Ländern im Jahr 2024 dar. 

Über EURACT: Die European Academy of Teachers in General Practice (EURACT) ist das europäische Netzwerk für Lehrende und Ausbildende in der Allgemeinmedizin und gilt offiziell als Bildungsnetzwerk von WONCA Europa. Die World Organization of Family Doctors (WONCA) ist der weltweite Dachverband für Allgemein- und Familienmedizin. EURACT bietet unter anderem internationale Fort- und Weiterbildungen für Lehrende, Kurse zu Prüfungs- und Bewertungsmethoden sowie Kongresse und Symposien an. Darüber hinaus entwickelt und veröffentlicht EURACT Empfehlungen, Standards und Lehrmaterialien für die Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. Das Netzwerk umfasst Vertreterinnen und Vertreter aus rund 40 Ländern des geografischen Europas und ist damit nicht auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union beschränkt. https://www.euract.eu/

Europäische Ausbildungsanforderung für den Studiengang „Allgemeinmedizin/Familienmedizin“ im Grundstudium

Die Kernaussagen des Positionspapiers der EURACT und WONCA „Europäische Anforderungen für den Studiengang Allgemeinmedizin/Familienmedizin im Grundstudium“ aus dem Jahr 2020: 

  • Viele wesentliche Lernziele für jeden Medizinstudierenden lassen sich effizient in der Allgemeinmedizin/Familienmedizin vermitteln
  • Die Lehre sollte sich an Symptomen orientieren, nicht nur an Krankheiten
  • Die Studierenden sollten im Einzelunterricht von erfahrenen Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern unterrichtet werden, ergänzt durch andere Ausbildungsformen
  • Die Lehre sollte den ambulanten Bereich einbeziehen
  • Eine frühzeitige klinische Heranführung an die Allgemeinmedizin/Familienmedizin sollte nach Möglichkeit umgesetzt werden
  • Die optimale Dauer des Lehrplans für Allgemeinmedizin/Familienmedizin sollte drei Monate betragen, mindestens jedoch vier Wochen
  • Jede medizinische Fakultät sollte über eine Abteilung oder eine Einheit für Allgemeinmedizin/Familienmedizin verfügen, deren Leiter eine Hausärztin oder ein Hausarzt ist

*'European Education Requirements for the Undergraduate General Practice/Family Medicine Curriculum Endorsed by the European Academy of Teachers in General Practice/Family Medicine (EURACT) and The European Regional Branch of The World Organization of National Colleges, Academies and Academic Associations of General Practitioners/Family Physicians (WONCA Europe). Anne Simmenroth, Francesco Carelli, Odd Martin Vallersnes, Mario R. Sammut, Natalia Zarbailov, Milena Cojić, Nino Kiknadze, Arabelle Rieder, Valentina Madjova, Alex Harding, Nele Michels und Helena Karppinen im Namen des BME-Ausschusses von EURACT. Resources - EURACT

Teilnehmende stehen vor altem Gebäude auf dem Klostergelände der Erlöserschwestern
Am 15. Oktober kamen die ersten Delegierten der European Academy of Teachers in General Practice/Family Medicine (EURACT) zum dreitätigen Council-Meeting nach Würzburg. © Anne Simmenroth / UKW
Porträtbild von Anne Simmenroth vor Grünpflanzen im Büro
Prof. Dr. Anne Simmenroth, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin, bringt das europäische Netzwerk EURACT erstmals zum Council Meeting nach Würzburg. © Angie Wolf / UKW

Personalia vom 13.10.2026 +++ Wir gratulieren herzlich!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

PD Dr. Sven Flemming, stellvertretender Klinikdirektor, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgische Klinik I), ist mit Wirkung vom 01.10.2026, befristet bis 30.09.2031, als Universitätsprofessor für Minimal-invasive und Robotische Chirurgie an der Universität Würzburg eingestellt worden.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg 13.10.2026

Can Ergen-Behr entwickelt KI-Modelle für individuellere Therapien

Dr. Can Ergen-Behr wurde als neuer Juniorprofessor für Single-Cell Medical Systems Biology an die Universität Würzburg berufen.

Vizepräsidentin Kisker und Prof. Egen-Behr in einem Innenhof. Er hält eine Urkunde in der Hand.
Can Ergen-Behr bei seiner Ernennung zum Juniorprofessor mit JMU-Vizepräsidentin Caroline Kisker. (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg)

Can Ergen-Behr ist Mediziner und Experte für Computational Biology, also für informationstechnologische Anwendungen in der Biologie. Mit seiner Forschungsgruppe „Artificial Intelligence in Translational Systems Medicine“ untersucht er, wie Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, individuelle Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Therapien gezielter auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen.

Individuelle Krankheitsverläufe besser vorhersagen

Menschen mit derselben Diagnose können sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe zeigen und auf die gleiche Behandlung unterschiedlich reagieren. Can Ergen-Behr möchte verstehen, welche biologischen Mechanismen diesen Unterschieden zugrunde liegen.

Dafür entwickelt der Wissenschaftler KI-Modelle, die klinische Daten mit Einzelzell- und räumlichen molekularen Messungen verbinden. So sollen individuelle Krankheitsverläufe nicht nur besser vorhergesagt, sondern auch die molekularen Ursachen von Abweichungen zwischen Patientinnen und Patienten identifiziert werden. Sein langfristiges Ziel ist es, die Grundlage für präzisere und individuellere Behandlungsentscheidungen zu schaffen.

„Mit Künstlicher Intelligenz können wir heute große Mengen biologischer und klinischer Daten miteinander verbinden und dadurch neue Zusammenhänge erkennen. Ich freue mich sehr darauf, diese Forschung an der Universität Würzburg weiterzuentwickeln und damit neue Wege für eine präzisere Medizin zu eröffnen“, sagt der neue Professor.

Vom Mediziner zum Datenforscher

Can Ergen-Behr studierte Medizin und Physik an der RWTH Aachen und absolvierte anschließend seine klinische und wissenschaftliche Ausbildung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Von 2021 bis 2025 forschte er an der University of California in Berkeley, wo er Methoden des maschinellen Lernens für die Analyse hochdimensionaler Einzelzelldaten entwickelte.

Seine Juniorprofessur in Würzburg hat er zum 15. Juni 2026 angetreten. Mit der Berufung an die JMU verbindet er nun seine klinische Erfahrung als Internist mit der Entwicklung moderner KI-Methoden für Einzelzell-, räumliche und klinische Daten.

Kontakt

Prof. Dr. Can Ergen-Behr, Institut für Systemimmunologie, T +49 931 31-83749, E-Mail: can.ergen@ uni-wuerzburg.de 

Webseite des Professors

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13.10.2026

 

Vizepräsidentin Kisker und Prof. Egen-Behr in einem Innenhof. Er hält eine Urkunde in der Hand.
Can Ergen-Behr bei seiner Ernennung zum Juniorprofessor mit JMU-Vizepräsidentin Caroline Kisker. (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg)