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Bayerischer Präventionstag am 12. Oktober in Würzburg: Jugendliche vor Cannabiskonsum schützen

Gesundheitsministerin Judith Gerlach zu Gast / Neues Präventionsprogramm für Jugendliche wird vorgestellt

 

Außenansicht des Gebäudes des Deutschen Zentrums für Präventionsforschung
Das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit am Klara-Oppenheimer-Weg 38 in Würzburg wurde im April 2024 offiziell eröffnet. © Staatliches Bauamt Würzburg, Thomas Güra

Am 12. Oktober 2026 lädt das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit (DZPP) in Würzburg zum Tag der offenen Tür ein. Zu diesem Anlass wird die Schirmherrin des DZPP, Staatsministerin Judith Gerlach, das Cannabispräventionsprogramm XCAN der Öffentlichkeit vorstellen. Außerdem können sich Interessierte in den Räumen des DZPP über dessen Projekte informieren. Am Nachmittag schließt sich eine Online-Fortbildung an.

Würzburg. Das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit (DZPP) zielt darauf ab, psychische Belastungen möglichst früh zu erkennen und wirksame Vorbeugemöglichkeiten zu entwickeln. Das interdisziplinäre Forschungsinstitut in Trägerschaft der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) entwickelt Präventionsprogramme, überprüft ihre Wirksamkeit wissenschaftlich und arbeitet daran, erfolgreiche Ansätze in die breite Versorgung zu bringen.
Am Montag, 12. Oktober 2026, lädt das DZPP anlässlich des ersten Bayerischen Präventionstags die allgemein interessierte Öffentlichkeit dazu ein, mehr über aktuelle Ansätze zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen zu erfahren und die Arbeit des Zentrums aus nächster Nähe kennenzulernen.

Cannabisprävention und Diskussion zum Auftakt

Die öffentliche und kostenlose Veranstaltung beginnt um 10:00 Uhr in der Würzburger Graduate School of Life Sciences (GSLS) am Campus Hubland Nord. In einem Vortragsblock spricht die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention Judith Gerlach zum Thema „Prävention als gemeinsame Aufgabe“.
Anschließend stellt Dr. Stella Vieth vom DZPP das Cannabispräventionsprogramm XCAN vor. Das am DZPP mit Unterstützung des Bayerischen Gesundheitsministeriums entwickelte Programm soll dazu beitragen, Jugendliche vor den Risiken des Cannabiskonsums zu schützen. Eine Podiumsdiskussion ab 10:40 Uhr rundet den ersten Programmteil ab.

Blick hinter die Kulissen des Zentrums

Ab 11:30 Uhr öffnet das DZPP im Sternstunden-Präventionszentrum im Klara-Oppenheimer-Weg 38 seine Türen. Besucherinnen und Besucher können das Zentrum besichtigen, verschiedene Projekte kennenlernen sowie direkt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch kommen. „Der Tag der offenen Tür bietet damit Gelegenheit, sich aus erster Hand darüber zu informieren, wie Präventionsforschung funktioniert und wie wissenschaftlich entwickelte Programme den Weg in die Praxis finden“, erläutert der DZPP-Institutsvorstand Prof. Dr. Marcel Romanos. Die Besichtigung mit Projektvorstellungen läuft bis 14:00 Uhr.

Online-Fortbildung am Nachmittag

Von 14:30 bis 16:00 Uhr schließt sich eine Online-Fortbildung unter dem Titel „Von der Vision zur Versorgung – wie das DZPP evidenzbasierte Prävention in die Fläche bringt“ an. In kompakten Beiträgen werden verschiedene Forschungs- und Präventionsprojekte vorgestellt – unter anderem zu Emotionsregulation, Cybermobbing oder psychischen Erkrankungen im Kindesalter.

Anmeldung

Für den Programmteil von 10:00 bis 11:00 Uhr in der Graduate School of Life Sciences, Beatrice-Edgell-Weg 21, ist eine Anmeldung bis zum 5. Oktober 2026 per E-Mail an dzpp@ ukw.de erforderlich. Der anschließende Tag der offenen Tür findet von 11:30 bis 14:00 Uhr im DZPP, Klara-Oppenheimer-Weg 38, statt. Weitere Details zum Programm – insbesondere auch zur an Fachleute gerichteten Online-Fortbildung – gibt es unter www.med.uni-wuerzburg.de/dzpp.

Hinweis an die Redaktionen: Zur Berichterstattung sind Sie herzlich eingeladen.

Text: Pressestelle / UKW
 

Außenansicht des Gebäudes des Deutschen Zentrums für Präventionsforschung
Das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit am Klara-Oppenheimer-Weg 38 in Würzburg wurde im April 2024 offiziell eröffnet. © Staatliches Bauamt Würzburg, Thomas Güra

Mit künstlichem Gewebe neue Therapien fürs Auge erforschen

Würzburger Augenheilkunde auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) für neues Bindehautmodell ausgezeichnet – DOG fördert zudem Forschung zu Pilzinfektionen der Hornhaut

Mitarbeitende stehen hinter großen blauen 3D-Buchstaben DOG
Forschungsteam und klinisch tätige Kolleginnen und Kollegen der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg beim DOG-Kongress 2026 in Berlin. © Raoul Verma
Professor Hattenbach und Zhi Liang stehen auf der Bühne, DOG-Forum steht auf blauem Hintergrund, beide halten Urkunde in den Händen
Kongresspräsident Professor Dr. Lars-Olof Hattenbach (rechts) überreichte Zhi Liang die Urkunde über den DOG-Posterpreis. © DOG2026/Christian Augustin
Zhi Liang präsentiert sein Wissenschaftsposter auf dem DOG-Kongress - er steht vor dem Ausdruck an der Posterwand und hält Arm in die Höhe
Zhi Liang stellte die Gemeinschaftsarbeit auf dem DOG-Kongress vor. © Zih Liang / UKW
Malik Salman Haider steht am Rednerpult und spricht ins Mikro, das Bild ist von der Seite aufgenommen worden.
Dr. Malik Salman Haider präsentierte zwei Projekte auf dem DOG-Kongress und er war der Co-Vorsitzender des Symposiums „From Cells to Sight: 3D In-Vitro Platforms Transforming Ophthalmic Research“. © DOG

Würzburg. Wie lässt sich menschliches Gewebe möglichst realistisch nachbilden? Und wie können solche Modelle dazu beitragen, neue Therapien für Augenerkrankungen zu entwickeln und Tierversuche zu reduzieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsteam um Dr. Malik Salman Haider an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) unter der Leitung von Prof. Dr. Jost Hillenkamp. Auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin wurde die Arbeit des Teams mit einem Posterpreis ausgezeichnet. 

Bindehautgewebe im Labor herstellen 

Im Mittelpunkt der ausgezeichneten und vom Doktoranden Zhi Liang vorgestellten Arbeit steht ein neu entwickeltes Gerüst für die Herstellung von Bindehautgewebe. Die Bindehaut schützt die empfindliche Augenoberfläche und hilft dabei, sie feucht und widerstandsfähig zu halten. Nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen kann jedoch Gewebe verloren gehen. Für die Entwicklung von Gewebeersatz und neuen Behandlungsmöglichkeiten sind deshalb realistische Modelle der Bindehaut gefragt. 

Das Projekt ist das Ergebnis einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem von Professor Jürgen Groll geleiteten Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde (FMZ). Wahaj ul Haq aus der Augenklinik, Dr. Camilla Mussoni und Muhammad Aslam vom FMZ sowie Zhi Liang aus der Augenklinik entwickelten gemeinsam ein präzise strukturiertes Gerüst. Es verfügt über klar voneinander abgegrenzte obere und untere Bereiche, welche es ermöglichen, Epithelzellen und Fibroblasten entsprechend ihrer natürlichen Anordnung zu organisieren. So entsteht ein gewebeähnliches zweischichtiges Konstrukt. 

„Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team. Diese Auszeichnung spiegelt die harte Arbeit, Kreativität und Ausdauer unserer jungen Forschenden wider, deren Engagement unsere Forschung voranbringt“, kommentiert Malik Salman Haider den Erfolg. „Besonders freut mich, dass ihre Arbeit auf einem so bedeutenden Kongress Anerkennung findet.“ 

Die Plattform bildet eine Grundlage für die weitere Entwicklung von Bindehautgewebeersatz und standardisierten dreidimensionalen Modellen der Augenoberfläche. Sie könnte zudem die Untersuchung neuer Behandlungsmöglichkeiten und Wirkstoffverabreichungssysteme unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen und zu reduzieren.

Gemeinsame Leistung

„Ich danke unseren Kooperationspartnern am FMZ, insbesondere Dr. Taufiq Ahmad und Prof. Dr. Jürgen Groll, von ganzem Herzen für ihr Fachwissen, ihre kontinuierliche Unterstützung und den partnerschaftlichen Geist, den sie in unsere Arbeit einbringen. Ebenso dankbar bin ich unserem Direktor, Prof. Dr. Jost Hillenkamp, dessen Vertrauen, Ermutigung und Engagement für die Verbindung von experimenteller Forschung mit klinischen Bedürfnissen dazu beitragen, ein Umfeld zu schaffen, in dem junge Wissenschaftler sich entfalten können,“ betont Malik Salman Haider.

DOG-Anschubfinanzierung für die Forschung an Pilzkeratitis 

Neben dem Posterpreis erhielt das Forschungsteam im Zusammenhang mit dem DFG-geförderten Projekt zur Pilzkeratitis der Klinik eine DOG-Anschubfinanzierung in Höhe von 2.500 Euro. Bei einer Pilzkeratitis infizieren Pilze die Hornhaut und können schwere Gewebeschäden verursachen. Im schlimmsten Fall droht ein Verlust des Sehvermögens. Ziel des geförderten Projekts ist es, neue Möglichkeiten zu entwickeln, Medikamente gezielt an die betroffene Stelle zu bringen. Eine wirksamere Wirkstoffverabreichung könnte dabei helfen, die Behandlung von Pilzinfektionen der Hornhaut zu verbessern.

Von der Zelle zum Sehen

Bei dem DOG-Kongress war Malik Salman Haider neben seinen eigenen Forschungsarbeiten auch als Co-Vorsitzender des Symposiums „From Cells to Sight: 3D In-Vitro Platforms Transforming Ophthalmic Research“ beteiligt. Im Mittelpunkt standen dort fortschrittliche Labormodelle, die Forschende dabei unterstützen können, Krankheitsmechanismen zu untersuchen, Therapien zu testen und regenerative Ansätze zu entwickeln. 

Der DOG-Kongress, der vom 24. bis 27. September in Berlin stattfand, brachte in diesem Jahr mehr als 3.100 Fachdelegierte und insgesamt mehr als 4.600 Teilnehmende zusammen.

Mitarbeitende stehen hinter großen blauen 3D-Buchstaben DOG
Forschungsteam und klinisch tätige Kolleginnen und Kollegen der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg beim DOG-Kongress 2026 in Berlin. © Raoul Verma
Professor Hattenbach und Zhi Liang stehen auf der Bühne, DOG-Forum steht auf blauem Hintergrund, beide halten Urkunde in den Händen
Kongresspräsident Professor Dr. Lars-Olof Hattenbach (rechts) überreichte Zhi Liang die Urkunde über den DOG-Posterpreis. © DOG2026/Christian Augustin
Zhi Liang präsentiert sein Wissenschaftsposter auf dem DOG-Kongress - er steht vor dem Ausdruck an der Posterwand und hält Arm in die Höhe
Zhi Liang stellte die Gemeinschaftsarbeit auf dem DOG-Kongress vor. © Zih Liang / UKW
Malik Salman Haider steht am Rednerpult und spricht ins Mikro, das Bild ist von der Seite aufgenommen worden.
Dr. Malik Salman Haider präsentierte zwei Projekte auf dem DOG-Kongress und er war der Co-Vorsitzender des Symposiums „From Cells to Sight: 3D In-Vitro Platforms Transforming Ophthalmic Research“. © DOG

Prof. Dr. Tareq Juratli wird neuer Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am UKW

Die besonderen klinischen Schwerpunkte von Prof. Juratli liegen in der Neuroonkologie, der komplexen Schädelbasischirurgie und der Wirbelsäulenchirurgie. Dabei kommen mikrochirurgische, endoskopische und minimalinvasive Verfahren zum Einsatz.

Prof. Dr. Tareq Juratli wird am 1. Oktober neuer Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Lehrstuhlinhaber für Neurochirurgie. Foto: UKW / Anna Wenzl
Prof. Dr. Tareq Juratli wird am 1. Oktober neuer Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Lehrstuhlinhaber für Neurochirurgie. Foto: UKW / Anna Wenzl

Würzburg. Prof. Dr. Tareq Juratli wird neuer Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Lehrstuhlinhaber für Neurochirurgie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Am 1. Oktober tritt er seine neuen Aufgaben an. Zuvor war Prof. Juratli als Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden tätig. Seit 2022 leitete Prof. Juratli zudem das dortige Neuroonkologische Zentrum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC).

Der gebürtige Bonner ist seit rund 20 Jahren in der Neurochirurgie tätig und verfügt über umfassende operative Erfahrung in der Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, der Schädelbasis und der Wirbelsäule. Die besonderen klinischen Schwerpunkte von Prof. Juratli liegen in der Neuroonkologie, der komplexen Schädelbasischirurgie und der Wirbelsäulenchirurgie. Dabei kommen mikrochirurgische, endoskopische und minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. Ziel der Versorgung ist eine individuell abgestimmte Behandlung. Eine verständliche Aufklärung, die Einbindung der Angehörigen und eine umfassende postoperative Betreuung sind dabei für ihn von besonderer Bedeutung.

Mikrochirurgische Robotik und intraoperative Bildgebung

Die wissenschaftliche Arbeit von Prof. Juratli konzentriert sich auf die molekulare Charakterisierung von Tumoren des Gehirns und Rückenmarks sowie auf die Entwicklung neuer operativer Verfahren und Technologien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Mitentwicklung und klinischen Erprobung innovativer Instrumente, minimalinvasiver Zugangswege, intraoperativer Bildgebungsverfahren und mikrochirurgischer Robotik. Prof. Juratli verfolgt dabei translationale Ansätze, also die möglichst unmittelbare Überführung wissenschaftlicher und technischer Entwicklungen in die operative Praxis sowie in neue diagnostische und therapeutische Verfahren für Patienten.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde Prof. Juratli mehrfach national und international ausgezeichnet, unter anderem von Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC), der American Association of Neurological Surgeons (AANS), der European Association of Neurosurgical Societies (EANS), dem Congress of Neurological Surgeons (CNS), der Society for Neuro-Oncology (SNO), der Hannelore-Kohl-Stiftung und der Stiftung Sibylle Assmus. Darüber hinaus warb Prof. Juratli umfangreiche Fördermittel der Europäischen Union, des Bundes und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein. Als Gutachter und Mitglied wissenschaftlicher Gremien engagiert sich Prof. Juratli zudem in nationalen und internationalen Fachgesellschaften.

Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW, erklärt: „Prof. Juratli wird mit seiner ausgewiesenen Expertise unser hoch spezialisiertes Versorgungsangebot auf dem Gebiet der Neurochirurgie optimal weiterentwickeln. Damit können wir die Behandlungsqualität für unsere Patientinnen und Patienten in der Region und darüber hinaus weiter ausbauen. Wir heißen Prof. Juratli am UKW herzlich willkommen.“

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät in Würzburg, ergänzt: „Mit seiner Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Neuroonkologie wird Prof. Juratli das wissenschaftliche Spektrum der Würzburger Universitätsmedizin hervorragend ergänzen. Davon wird auch das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA profitieren.“

Prof. Juratli ist 44 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er studierte Humanmedizin an der Philipps-Universität Marburg und absolvierte seine neurochirurgische Ausbildung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden.

Molekulare Charakterisierung von Hirntumoren

Einen wichtigen Teil seiner wissenschaftlichen Ausbildung verbrachte Prof. Juratli für zweieinhalb Jahre am Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School in Boston. Dort beschäftigte er sich insbesondere mit der molekularen Charakterisierung von Hirntumoren und der Entwicklung zielgerichteter Therapien.

Weitere internationale klinische und wissenschaftliche Stationen führten Prof. Juratli unter anderem an die University of California, San Francisco, die University of Arkansas for Medical Sciences, die Ohio State University, die University of Oxford, die Yokohama City University sowie an das Huashan Hospital der Fudan University in Shanghai. Aus diesen Stationen und zahlreichen gemeinsamen Projekten ist ein breites internationales klinisch-wissenschaftliches Netzwerk entstanden.

In Würzburg sieht Prof. Juratli hervorragende Voraussetzungen, klinische Neurochirurgie, moderne Tumormedizin und technologische Innovation enger miteinander zu verbinden. Gemeinsam mit den Beschäftigten der Klinik und den angrenzenden Fachdisziplinen möchte Prof. Juratli die hochmoderne operative Versorgung, die interdisziplinäre Neuroonkologie und molekular ausgerichtete Behandlungskonzepte weiterentwickeln. Eine enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, regionalen und überregionalen Krankenhäusern, den Rettungsdiensten sowie den weiterbehandelnden Rehabilitations- und Nachsorgeeinrichtungen ist Prof. Juratli besonders wichtig.

Das wissenschaftliche Umfeld der Universität und des Universitätsklinikums, die Weiterentwicklung der Kopfklinik sowie die Strukturen des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) WERA bieten dafür besondere Chancen. Seine Erfahrungen vom NCT-Standort Dresden und sein internationales Netzwerk möchte Prof. Juratli nutzen, um neue Kooperationen aufzubauen und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die klinische Anwendung zu überführen. 

Auch persönlich freut sich Prof. Juratli gemeinsam mit seiner Familie auf Würzburg. Als begeisterter Wanderer freut sich Prof. Juratli besonders auf die Weinberge, den Main und die vielfältigen Möglichkeiten in der Umgebung.

„Ich möchte auf den hier vorhandenen hervorragenden Strukturen aufbauen und gemeinsam mit dem Team und unseren Partnern neue Wege gehen. Mein Ziel ist eine moderne Neurochirurgie, die operative Exzellenz mit molekularer Diagnostik, innovativen Technologien und anwendungsorientierter Forschung verbindet. Der Medizin-Standort Würzburg bietet hierfür exzellente Voraussetzungen. Entscheidend ist dabei, dass Innovation kein Selbstzweck bleibt, sondern unmittelbar unseren Patienten zugutekommt“, so Prof. Juratli.

 

Prof. Dr. Tareq Juratli wird am 1. Oktober neuer Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Lehrstuhlinhaber für Neurochirurgie. Foto: UKW / Anna Wenzl
Prof. Dr. Tareq Juratli wird am 1. Oktober neuer Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Lehrstuhlinhaber für Neurochirurgie. Foto: UKW / Anna Wenzl

Präzisionsonkologie in Europa: echte Fortschritte, ungleicher Zugang und ein Fahrplan zur Chancengleichheit

Übersichtsartikel in „The Lancet Regional Health – Europe“ gibt einen Überblick über die molekulare Diagnostik und die zielgerichtete Krebsbehandlung in mehr als 20 europäischen Ländern

Hier wird eine Blutprobe für den neuen Roboter EZ2 Connect vorbereitet. Der Roboter kann DNA und RNA extrahieren, sowohl aus Blut als auch aus Zellen.
In Europa ist die molekulare Diagnostik bereits weit verbreitet, während die entsprechende individualisierte Behandlung noch ein Problem darstellt. Hier werden Blutproben für die automatische Aufreinigung von DNA vorbereitet. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Jeder Tumor ist anders. Selbst bei Patientinnen und Patienten mit derselben Diagnose können sich die Tumoren auf molekularer Ebene deutlich unterscheiden. Genau hier setzt die Präzisionsonkologie an: Sie nutzt die molekularen Eigenschaften eines Tumors, um die Behandlung möglichst genau auf die jeweilige Patientin beziehungsweise den jeweiligen Patienten abzustimmen.

In Europa wird diese Form der Krebsmedizin zunehmend zur klinischen Realität. Eine aktuelle, umfassende Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health – Europe“ zeigt jedoch auch, dass der Zugang zu dieser Behandlung nach wie vor ein entscheidender Engpass ist.  Die Studie „Landscape of cancer genomics and precision oncology in Europe“ gibt einen Überblick über die Umsetzung der Präzisionsonkologie in mehr als 20 europäischen Ländern. Sie vereint die Erkenntnisse von über 150 führenden Expertinnen und Experten, wissenschaftliche Belege, politische Analysen und Momentaufnahmen der Umsetzung auf Länderebene. Zu den Autorinnen und Autoren zählen Prof. Dr. Anke K. Bergmann, Leiterin des Instituts für Klinische Genetik und Genommedizin (KGGM) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), sowie Dr. J. Matt McCrary, Leiter der Versorgungsforschungsgruppe am KGGM.

Molekulare Diagnostik ist in Europa weit verbreitet – Herausforderung liegt in der Behandlung

Dem Autorenteam ist besonders aufgefallen, wie ähnlich die Präzisionsonkologie mittlerweile in weiten Teilen Europas organisiert ist – trotz Unterschiede in der Infrastruktur und bei der Kostenerstattung. In vielen Ländern sind molekulare Tumor-Gremien, erstattungsfähige Diagnostik und Behandlungswege zu zielgerichteten Therapien bereits etabliert. Öffentliche Investitionen leisten hierbei den größten Beitrag. Europa verfügt mit seinen universellen Gesundheitssystemen, gemeinsamen regulatorischen Rahmenbedingungen und grenzüberschreitenden Forschungsinfrastrukturen generell über gute Voraussetzungen für einen gerechten Zugang zur Präzisionsonkologie.

Das entscheidende Hindernis ist derzeit nicht die Diagnostik, sondern die Behandlung. Die noch zu bewältigende Aufgabe besteht nun darin, sicherzustellen, dass Patientinnen und Patienten zur richtigen Zeit die passende Behandlung erhalten. Und diese Lücke ist bei Menschen mit seltenen Krebserkrankungen am größten. 

Präzisionsonkologie braucht ein lernendes Gesundheitssystem

Die Autorinnen und Autoren empfehlen der Politik und den Gesundheitssystemen deshalb, die Präzisionsonkologie als lernendes Gesundheitssystem weiterzuentwickeln. In diesem sollten Behandlungsergebnisse systematisch erfasst und für Entscheidungen genutzt werden. Sie empfehlen, Studien, Kostenerstattung und Umsetzung besser aufeinander abzustimmen und forschungsinitiierte Studien stärker in die Versorgung zu integrieren. Die Prioritäten sollten sich am Reifegrad der Evidenz orientieren: Bei etablierten Biomarker-Wirkstoff-Kombinationen braucht es einen breiten Zugang, bei seltenen Krebsarten europaweite Studien und bei neuen Anwendungen strukturierte Rahmenbedingungen zur Evidenzgewinnung.

„Wenn wir die Präzisionsonkologie als echtes lernendes Gesundheitssystem aufbauen, das auf Daten aus der Praxis und adaptiver Entscheidungsfindung basiert, dann ist der gerechte Zugang kein bloßer Slogan mehr, sondern wird Teil unserer täglichen Praxis in der Krebsversorgung“, sagt Kjetil Taskén korrespondierender Autor der Studie, Leiter des Instituts für Krebsforschung am Universitätsklinikum Oslo und Koordinator des EU- Projekts PRIME-ROSE im Rahmen der Cancer Mission. PRIME-ROSE beschäftigt sich, ähnlich wie das Konsortium „Personalised Cancer Medicine for all EU citizens“ (PCM4EU) mit der beschriebenen großen Lücke: Wie kommen Patientinnen und Patienten von einem molekularen Befund tatsächlich zu einer passenden Therapie, und wie lässt sich dafür Evidenz schaffen und eine Erstattung ermöglichen?

An der Übersichtsarbeit waren außerdem weitere europäische Konsortien wie die Joint Action on Personalized Cancer Medicine (JA PCM), die Joint Action on Networks of Expertise (JANE) und CAN.HEAL beteiligt. Letzteres hat beispielsweise wichtige Grundlagen und Empfehlungen dafür geschaffen, wie genomische Diagnostik und personalisierte Medizin in die europäische Krebsversorgung integriert werden können. Die JA PCM, die jüngste Initiative, die seit Januar 2026 läuft, baut auf den Ergebnissen von CAN.HEAL und PCM4EU auf und soll den Zugang zu und das Wissen über personalisierte Krebsmedizin europaweit erweitern. Sie umfasst mehr als 140 Organisationen aus 29 Ländern. JANE etabliert derzeit sieben bahnbrechende Kompetenznetzwerke in Schlüsselbereichen der Onkologie. 

UKW leistet Beitrag durch Beteiligung an EU-Netzwerken

Das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin ist maßgeblich an allen genannten Netzwerken beteiligt.  „Wir sind stolz darauf, durch unsere Beteiligung einen Beitrag zu diesem Artikel sowie zu den europäischen Bemühungen um eine gerechte Umsetzung der Präzisionsonkologie auf dem gesamten Kontinent zu leisten“, kommentiert Prof. Dr. med. Anke K. Bergmann. 

Dr. J. Matt McCrary ergänzt: „Aufbauend auf deutschen nationalen Initiativen, wie dem Modellvorhaben Genomsequenzierung, zielt unsere Arbeit speziell darauf ab, personalisierte genetische Risikoinformationen zu identifizieren und zu integrieren. So sollen präzise Krebspräventions- und Nachsorgeprogramme in ganz Europa ermöglicht und damit präzise Behandlungsansätze ergänzt werden.“

Die Übersichtsarbeit erscheint parallel zur „Lancet Oncology Commission on Cancer Genomics and Precision Oncology“. Diese wegweisende globale Initiative wurde heute, am 25. September 2026, auf dem UICC-Weltkrebskongress in Hongkong vorgestellt.

 

Publikationen

Gro Live Fagereng, Edvard Abel, CAN.HEAL Consortium, Raffaella Casolino, Ruggero De Mariad, Stefan Fröhling et al. Landscape of cancer genomics and precision oncology in Europe. The Lancet Regional Health – Europe. THE LANCET Regional Health, Sept. 2026, DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101841

Raffaella Casolino, Joaquin Mateo, Prof Elisabeth G E de Vries, Amber Johns, Melanie Courtot, Prof Rita T Lawlor, et al. Accelerating equitable cancer genomics and precision oncology in health care and research: a Lancet Oncology Commission The Lancet Oncology, Sept. 2026, DOI: 10.1016/S1470-2045(26)00302-5 

Englische Pressemeldungen:  OUH - OUS-research.no

Hier wird eine Blutprobe für den neuen Roboter EZ2 Connect vorbereitet. Der Roboter kann DNA und RNA extrahieren, sowohl aus Blut als auch aus Zellen.
In Europa ist die molekulare Diagnostik bereits weit verbreitet, während die entsprechende individualisierte Behandlung noch ein Problem darstellt. Hier werden Blutproben für die automatische Aufreinigung von DNA vorbereitet. © Daniel Peter / UKW

Hautkrankheit HS besser verstehen und Rückfälle verhindern: Würzburger Projekt kombiniert Immunforschung und App-Technologie

Projekt HS-ORIGINS soll immunologische und digitale Rückfallmuster bei Hidradenitis suppurativa (HS) unter IL-17- und TNF-α-Blockade entschlüsseln

Das Team steht in zwei Reihen bei gutem Wetter unter Bäumen vor der Hautklinik.
Gruppenbild: Das HS-Team an der Hautklinik v.l.n.r. Bachelorstudentin Emilia Haid, Doktorandin Mariele Sieben, Praktikantin Leonie Straus, Biologin und Post-Doc Julia Krug, Biologe Marco Stumpf, Bioinformatikerin und Post-Doc Yamila Rocca, Doktorand Aaron Ziegler, Oberärztin Dagmar Presser, Oberarzt Andreas Kerstan, Projektkoordinatorin Astrid Schmieder, Doktorand Jiahong Yuan und Doktorandin Luca Pölzer. © Marion Berthold / UKW
Das Bild zeigt Knoten und Falten unter der Achsel eines Patienten.
Achselhöhle: Hidradenitis suppurativa (HS) kommt häufig in Hautfalten, wie beispielsweise in der Achselhöhle (Axilla), vor. Der Schweregrad der Erkrankung beträgt hier nach dem Hurley-Score II bis III – Stadium I ist das niedrigste, Stadium III das höchste. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Das Gewebe der HS wurde im typischen lilafarbenen Ton eingefärbt.
Histologie: Das Gewebe einer Hidradenitis suppurativa (HS) im Stadium II–III wurde mit einer Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE-Färbung) histologisch untersucht. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Komplexe Abbildung mit verstopfter Haarfollikel, Immunzellen etc. unter der Haut
Pathophysiologie der Erkrankung: Im oberen Teil des Schaubilds sind die Risikofaktoren der Hidradenitis suppurative (HS) dargestellt: Nikotinkonsum und Adipositas. Fast alle HS-Patientinnen und Patienten rauchen oder haben geraucht. Der Nikotinkonsum führt zu einer sogenannten Hyperplasie (Verdickung der Oberhaut) und Hyperkeratose (vermehrte Verhornung), wodurch der Ausgang des Haarfollikels verstopft wird. Zudem sind viele Betroffene übergewichtig. Dies kann zu einer dauerhaften, leichten Entzündung im Körper (subklinische Entzündung), Stoffwechselveränderungen und einer vermehrten Bildung von Hautfalten führen. Letzteres sorgt für mehr mechanische Reibung, die wiederum die Follikel reizt und die Erkrankung fördert. Die Pathophysiologie im Zentrum der Abbildung zeigt, wie HS entsteht. Die Wissenschaft vermutet, dass sich durch die Verhornung der Oberhaut im Haarfollikel Talg, Schweiß und Bakterien anstauen, bis der Follikel wie ein überfüllter Ballon platzt. Dadurch gelangt der Follikelinhalt fälschlicherweise in die tiefere Hautschicht (Dermis). Zudem liegt oft eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Bakterienbesiedlung der Haut vor, das die Entstehung der Entzündung begünstigt. Das Immunsystem reagiert auf den Inhalt des geplatzten Follikels: Makrophagen, auch Fresszellen genannt, werden aktiviert. Sie erkennen die „Eindringlinge“, wie zum Beispiel Keratin und Bakterien, und schütten proinflammatorische Zytokine, also entzündungsfördernde Botenstoffe, aus. Diese rekrutieren wiederum verschiedene Immunzellen aus den Blutgefäßen, darunter Neutrophile, Monozyten, T-Zellen und B-Zellen. Die Immunantwort wird durch verschiedene Hautzellen (Keratinozyten und Fibroblasten) verstärkt, indem diese Chemokine ausschütten. Diese massive und unkontrollierte Entzündungsreaktion ist für die sichtbaren und spürbaren Symptome der Krankheit verantwortlich: Es bilden sich tiefsitzende Abszesse. Verschmelzen diese unter der Haut miteinander, entstehen schmerzhafte, tunnelartige Fistelgänge. Sie sind ein charakteristisches Merkmal für schwere, chronische HS. Ihr Entstehungsmechanismus ist jedoch noch nicht vollständig verstanden. Bei der Abheilung kommt es zu starker Vernarbung, die das Gewebe dauerhaft verändert. © Jiahong Yuan / Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW / erstellt mit BioRender

Das von Astrid Schmieder vom Uniklinikum Würzburg (UKW) geleitete Forschungsprojekt HS-ORIGINS untersucht bei der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Hidradenitis suppurativa immunologische Mechanismen sowie digitale Rückfallmuster unter Therapie mit IL-17- und TNF-α-Inhibitoren. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Informatik II der Universität Würzburg und der Health-Study-Club GmbH wird dabei die Smartphone-App „Wunderkint“ weiterentwickelt, um mithilfe von KI sogenannte Rückfallkarten zu erstellen und Krankheitsverläufe digital zu erfassen. Das Ziel besteht darin, Biomarker und digitale Werkzeuge zu entwickeln, die Therapieansprechen und Rückfälle frühzeitig vorhersagen können. Das Projekt wird von Sanofi gefördert und verbindet moderne Immunologie mit digitaler Medizin.

Würzburg. Bei Hidradenitis suppurativa (HS), auch Akne inversa genannt, handelt es sich um eine chronische, entzündliche Hauterkrankung. Betroffene leiden unter schmerzhaften Knoten und Abszessen, die sich vor allem in Hautfalten an den Achseln, der Leiste und in der Gesäßregion bilden. Die Erkrankung tritt meist im jungen Erwachsenenalter auf, verläuft oft schubweise und kann durch Narbenbildung und Schmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu sozialer Isolation führen. Dadurch erhöht sich das Risiko für Depressionen, Angststörungen und Suizid signifikant. In Studien liegt die Zahl der Betroffenen bei 0,4 Prozent. „Wir gehen jedoch von einer erheblichen Dunkelziffer aus”, sagt Prof. Dr. Astrid Schmieder, leitende Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). „Viele Fälle werden nicht oder erst spät diagnostiziert – unter anderem, weil die Erkrankung häufig mit anderen Hautproblemen verwechselt wird und Betroffene oft erst nach Jahren medizinische Hilfe suchen.“ 

Zwar stehen mittlerweile moderne Medikamente zur Verfügung, sogenannte Biologika, die gezielt in das Immunsystem eingreifen, doch profitiert nur etwa jede zweite Patientin bzw. jeder zweite Patient ausreichend davon. Häufig lässt die Wirksamkeit im Verlauf nach oder die Erkrankung kehrt zurück. Bislang fehlen verlässliche Marker, die dabei helfen, die passende Therapie auszuwählen oder Rückfälle frühzeitig zu erkennen.

Das will Astrid Schmieder mit ihrem Team ändern. Sie leitet in der Hautklinik die Sektionen Immundermatologie und Digitale Medizin. Genau diese beiden Richtungen sind in dem neuen Projekt HS-ORIGINS verbunden. Das Projekt wird vom Biopharmaunternehmen Sanofi über ORIGINS, ein beschleunigtes innovatives Forschungsförderungsprogramm von Sanofi zur Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit finanziell gefördert.

TNF-α- und IL-17-Inhibitoren unterbrechen zentrale Entzündungswege und reduzieren überschießende Immunreaktion bei HS

Im Rahmen des Projekts werden zunächst zwei zugelassene Wirkstoffklassen untersucht, die den Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-α) beziehungsweise das Interleukin-17 (IL-17) blockieren. 

Projektleiterin Astrid Schmieder erläutert die Hintergründe: „Hidradenitis suppurativa wird durch eine Verstopfung und das Aufreißen von Haarfollikeln verursacht, was eine Entzündungsreaktion auslöst. Diese wird durch Zellen des angeborenen Immunsystems, insbesondere Makrophagen, sowie durch Zellen des adaptiven Immunsystems wie T- und B-Zellen verstärkt. Dabei spielen die Entzündungsbotenstoffe TNF-α und IL-17 eine zentrale Rolle. Mit TNF-α- und IL-17-Inhibitoren blockieren wir diese Entzündungs-Signalstoffe und dämpfen die überschießende Immunreaktion.“ 

Verständnis individueller Therapieantworten

Das Team möchte diese beiden Entzündungsbotenstoffe und weitere Mitglieder aus der IL-1-Familie sowie die Rezeptoren OX40 und ihre Bindungspartner (OX40-Ligand) auf anderen Immunzellen und ihr Zusammenspiel genauer analysieren. Ziel ist es, zu verstehen, warum Patientinnen und Patienten unterschiedlich auf TNF-α oder IL-17-Inhibitoren ansprechen. Dazu kombinieren die Forschenden moderne Laboranalysen von Gewebe- und Blutproben, wie beispielsweise räumliche Genexpressionsanalysen, Durchflusszytometrie und umfassende Zytokinmessungen, mit digitalen Methoden und künstlicher Intelligenz. Die Immunreaktionen in den entzündeten Hautarealen werden dabei longitudinal und detailliert untersucht und durch Blutanalysen über mehrere Monate ergänzt. 

Mit weiterentwickelter App „Wunderkint“ immunologische Hotspots und Regionen mit hohem Rückfallrisiko erkennen 

Damit die Patientinnen und Patienten ihre Haut regelmäßig dokumentieren und so frühzeitig Hinweise auf einen möglichen Rückfall liefern können, wird die Smartphone-App „Wunderkint“ weiterentwickelt. Die App hat Schmieders Arbeitsgruppe bereits in einem früheren Projekt gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Software-Engineering der Universität Würzburg und der Health Study Club GmbH entwickelt, um mithilfe von KI und Smarthpone-Fotos chronische Wunden zu analysieren und digital zu überwachen. Für HS wird sie nun um sogenannte Rückfallkarten erweitert. Diese sollen helfen, Gewebeproben gezielt zu entnehmen – auch aus Bereichen, die klinisch noch unauffällig erscheinen, aber ein potenziell hohes Rückfallrisiko aufweisen. 

Muster erkennen, die den Behandlungserfolg vorhersagen können

Durch die Verknüpfung dieser molekularen Entwicklungen mit digitalen Rückfallkarten soll das Projekt biologisch fundierte Biomarker und digitale Werkzeuge liefern, die sich direkt in der klinischen Praxis anwenden lassen. Ziel ist es, die Behandlung von HS und ähnlichen entzündlichen Erkrankungen zu verbessern: Patientinnen und Patienten sollen schneller die für sie passende Behandlung erhalten, ein Wirkverlust sowie Rückfälle sollen möglichst früh erkannt und verhindert werden.

„Die Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg verbindet fundierte klinische Forschung mit moderner Immunologie und digitalen Ansätzen“, betont Dr. Mohammed Mosa, HS Research Disease Lead bei Sanofi. „Wir unterstützen dieses Projekt, um die Krankheitsmechanismen der Hidradenitis suppurativa besser zu verstehen, insbesondere mögliche Resistenzmechanismen.” Denn der Einsatz von künstlicher Intelligenz und prädiktiven Modellen kann dazu beitragen, Krankheitsverläufe besser abzubilden und die klinische Vorhersage bei komplexen chronisch-entzündlichen Erkrankungen weiterzuentwickeln. „So können translationale Forschungsprojekte wie diese langfristig innovative Therapien für Patientinnen und Patienten mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf schneller in die klinische Praxis bringen,“ ergänzt Mohammed Mosa.

„Wir freuen uns sehr, dass Sanofi unser Projekt unterstützt“, kommentiert Astrid Schmieder. Während Schmieder sich in ihrer Forschung insbesondere auf den medizinisch-translationalen Aspekt des Projekts und die Koordination konzentriert, hat die Bioinformatikerin Dr. Yamila Rocca das Zusammenspiel des gesamten Immunsystems im Blick. Darüber hinaus sind Marco Stumpf, Biologe mit einem Faible fürs Programmieren, die medizinischen Doktoranden Jiahong Yuan und Mariele Sieben, die HS-Expertin und Operateurin Oberärztin Dr. Dagmar Presser, der Experte für chronisch-entzündliche Erkrankungen und Dermatopathologie Oberarzt PD Dr. Andreas Kerstan, die Fachärztin Dr. Caroline Glatzel sowie Prof. Dr. Samuel Kounev, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik II, und sein Software-Engineering-Team mit Vanessa Borst am Projekt HS-ORIGINS beteiligt.

Das Team steht in zwei Reihen bei gutem Wetter unter Bäumen vor der Hautklinik.
Gruppenbild: Das HS-Team an der Hautklinik v.l.n.r. Bachelorstudentin Emilia Haid, Doktorandin Mariele Sieben, Praktikantin Leonie Straus, Biologin und Post-Doc Julia Krug, Biologe Marco Stumpf, Bioinformatikerin und Post-Doc Yamila Rocca, Doktorand Aaron Ziegler, Oberärztin Dagmar Presser, Oberarzt Andreas Kerstan, Projektkoordinatorin Astrid Schmieder, Doktorand Jiahong Yuan und Doktorandin Luca Pölzer. © Marion Berthold / UKW
Das Bild zeigt Knoten und Falten unter der Achsel eines Patienten.
Achselhöhle: Hidradenitis suppurativa (HS) kommt häufig in Hautfalten, wie beispielsweise in der Achselhöhle (Axilla), vor. Der Schweregrad der Erkrankung beträgt hier nach dem Hurley-Score II bis III – Stadium I ist das niedrigste, Stadium III das höchste. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Das Gewebe der HS wurde im typischen lilafarbenen Ton eingefärbt.
Histologie: Das Gewebe einer Hidradenitis suppurativa (HS) im Stadium II–III wurde mit einer Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE-Färbung) histologisch untersucht. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Komplexe Abbildung mit verstopfter Haarfollikel, Immunzellen etc. unter der Haut
Pathophysiologie der Erkrankung: Im oberen Teil des Schaubilds sind die Risikofaktoren der Hidradenitis suppurative (HS) dargestellt: Nikotinkonsum und Adipositas. Fast alle HS-Patientinnen und Patienten rauchen oder haben geraucht. Der Nikotinkonsum führt zu einer sogenannten Hyperplasie (Verdickung der Oberhaut) und Hyperkeratose (vermehrte Verhornung), wodurch der Ausgang des Haarfollikels verstopft wird. Zudem sind viele Betroffene übergewichtig. Dies kann zu einer dauerhaften, leichten Entzündung im Körper (subklinische Entzündung), Stoffwechselveränderungen und einer vermehrten Bildung von Hautfalten führen. Letzteres sorgt für mehr mechanische Reibung, die wiederum die Follikel reizt und die Erkrankung fördert. Die Pathophysiologie im Zentrum der Abbildung zeigt, wie HS entsteht. Die Wissenschaft vermutet, dass sich durch die Verhornung der Oberhaut im Haarfollikel Talg, Schweiß und Bakterien anstauen, bis der Follikel wie ein überfüllter Ballon platzt. Dadurch gelangt der Follikelinhalt fälschlicherweise in die tiefere Hautschicht (Dermis). Zudem liegt oft eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Bakterienbesiedlung der Haut vor, das die Entstehung der Entzündung begünstigt. Das Immunsystem reagiert auf den Inhalt des geplatzten Follikels: Makrophagen, auch Fresszellen genannt, werden aktiviert. Sie erkennen die „Eindringlinge“, wie zum Beispiel Keratin und Bakterien, und schütten proinflammatorische Zytokine, also entzündungsfördernde Botenstoffe, aus. Diese rekrutieren wiederum verschiedene Immunzellen aus den Blutgefäßen, darunter Neutrophile, Monozyten, T-Zellen und B-Zellen. Die Immunantwort wird durch verschiedene Hautzellen (Keratinozyten und Fibroblasten) verstärkt, indem diese Chemokine ausschütten. Diese massive und unkontrollierte Entzündungsreaktion ist für die sichtbaren und spürbaren Symptome der Krankheit verantwortlich: Es bilden sich tiefsitzende Abszesse. Verschmelzen diese unter der Haut miteinander, entstehen schmerzhafte, tunnelartige Fistelgänge. Sie sind ein charakteristisches Merkmal für schwere, chronische HS. Ihr Entstehungsmechanismus ist jedoch noch nicht vollständig verstanden. Bei der Abheilung kommt es zu starker Vernarbung, die das Gewebe dauerhaft verändert. © Jiahong Yuan / Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW / erstellt mit BioRender

Forschung für die neue Generation der ALL-Therapie

Vier neue Forschungsprojekte am UKW zeigen die wissenschaftliche Bandbreite von KI über moderne Genomik bis hin zur geschlechtssensiblen Medizin bei Entwicklungsansätzen zu neuen ALL-Therapien

Anke Bergmann steht in weißem Kittel in einem Flur, der Hintergrund ist sehr unscharf. Das Bild ist im Querformat, Frau Bergmann ist bis zum Bauchnabel zu sehen.
Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann leitet das im Oktober 2025 gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin. © Anke K. Bergmann (Fotograf Mario Schmitt)
Mitarbeiterin mit weißem Kittel schaut ins Mikroskop - die Probe ist grün angeleuchtet, der Raum im bläulichen Licht.
Das Universitätsklinikum Würzburg übernahm Anfang 2026 die bundesweite genetische Referenzdiagnostik für Leukämien im Kindesalter. Hier wird ein Knochenmarkausstrich am Fluoreszenzmikroskop untersucht. Alles, was in Deutschland an ALL bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird, läuft über dieses Mikroskop. © Daniel Peter / UKW

Neue Daten, neue Methoden und neue Perspektiven für die Diagnostik und Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL). Das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg macht die ALL zu einem zentralen Forschungsschwerpunkt und stellt vier aktuelle Projekte vor. In einer Publikation zeigt das Team um Prof. Dr. Anke K. Bergmann, wie mithilfe künstlicher Intelligenz komplexe klinische und molekulare Daten für die T-zellige ALL nutzbar gemacht werden können. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert eine Studie, um mögliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen mit ALL zu untersuchen. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung unterstützt den Aufbau einer Forschungsgruppe, um mithilfe moderner Sequenzierverfahren genetische Veränderungen aufzuspüren. Und der Förderverein „Tour der Hoffnung e.V.“ fördert ein weiteres Projekt, um molekulare Mechanismen zu entschlüsseln, die der Aktivierung des Genes DUX4 in der ALL zugrunde liegen. Gemeinsames Ziel ist es, die unterschiedlichen Formen der Erkrankung ursächlich besser zu verstehen und somit langfristig eine präzisere Risikoeinschätzung und Behandlung zu ermöglichen.

Würzburg. Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Trotz großer Fortschritte in der Behandlung stellt die ALL die Medizin weiterhin vor wichtige Fragen: Warum verläuft die Erkrankung trotz ähnlicher Diagnose so unterschiedlich? Welche genetischen Veränderungen beeinflussen das Ansprechen auf eine Therapie? Und welche Rolle spielen Faktoren wie Alter und Geschlecht? Das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) widmet sich mit einem klaren wissenschaftlichen Schwerpunkt auf der ALL diesen Fragen. Vier aktuelle Projekte zeigen die Bandbreite der Forschung: Sie reichen von künstlicher Intelligenz und Präzisionsmedizin bis hin zu modernen Verfahren der Genomanalyse und geschlechtssensible Forschung.

„Wir sind nun mit den ersten Publikationen und eingeworbenen Förderungen auch wissenschaftlich in Würzburg angekommen“, freut sich Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann, die das im Oktober 2025 gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin leitet. „Wir wollen die ALL aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforschen und dabei klinische Fragestellungen mit modernen Technologien und großen Datensätzen verbinden. Was jetzt mit ersten erfolgreichen Projekten begonnen hat, möchten wir weiter ausbauen – und dafür auch neue Forschungsideen und Kooperationen nach Würzburg holen.“

clinTALL: Maschinelles Lernen zur Einteilung von T-ALL-Subtypen und Vorhersage des Behandlungsergebnisses 

Ein wichtiger Meilenstein ist die im Fachjournal „Genome Medicine“ veröffentlichte Studie zur Anwendung clinTALL. Das auf maschinellem Lernen basierende Verfahren ermöglicht eine automatisierte und präzise Einteilung der T-zelligen ALL (T-ALL) in genetische Untergruppen und kann das Behandlungsergebnis auf Grundlage verschiedener Datenarten abschätzen.

Bei der T-ALL, die etwa 15 bis 20 Prozent der kindlichen ALL-Fälle ausmacht, gehen die Leukämiezellen aus unreifen T-Zellen hervor. Im Vergleich zur bereits umfassend charakterisierten B-zelligen ALL stehen für die Einschätzung des Erkrankungsrisikos und die Wahl der Therapie bei der T-ALL bislang nur unzureichend definierte genetische Biomarker zur Verfügung. In aktuellen Analysen konnten jedoch bis zu 17 molekulare Untergruppen identifiziert werden, die sich durch unterschiedliche genetische Veränderungen und Genaktivitätsmuster auszeichnen. Dies könnte dabei helfen, Erkrankungsverläufe genauer vorherzusagen und Therapien noch gezielter anzupassen. Die dafür benötigten Genom- und Transkriptomdaten sind allerdings äußerst komplex.

Hier setzt clinTALL an. Gemeinsam mit Forschenden aus Italien sowie der ALL-BFM Studiengruppe hat das Würzburger Team um Anke Bergmann mittels Deep Learning ein System entwickelt, das unterschiedliche Datenarten aus klinischen und genetischen Untersuchungen analysiert und auswertet. 

Die Methode konnte die molekularen Untergruppen mit einer Genauigkeit von 92,2 Prozent klassifizieren. „Das Besondere an clinTALL ist aber nicht nur die hohe Genauigkeit, sondern auch die Möglichkeit, anhand der Daten einen späteren Krankheitsverlauf abzuleiten. Durch die gemeinsame Analyse klinischer, genomischer und transkriptomischer Informationen war eine bessere Einschätzung des ereignisfreien Überlebens möglich als bei der Betrachtung einzelner Datenarten“, kommentiert Dr. Jiangyan Yu, die verantwortliche Bioinformatikerin des Würzburger Teams. 

Die Studie zeigt das Potenzial der gemeinsamen Analyse verschiedener molekularer Daten für die zukünftige Präzisionsmedizin bei T-ALL. Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch die Nachnutzbarkeit. „Wir stellen clinTALL als Docker-Anwendung sowie den vollständigen Quellcode öffentlich zur Verfügung. Damit können andere Forschungsgruppen das Verfahren testen und weiterentwickeln“, sagt Dr. Claudia Davenport. Die Naturwissenschaftlerin koordiniert die Forschung am Institut. 

Publikation: Lukas Stoiber, Željko Antić, Stefano Rebellato, Grazia Fazio, Annika Rademacher, Lennart Lenk, Franco Locatelli, Adriana Balduzzi, Gunnar Cario, Carmelo Rizzari, Giovanni Cazzaniga, Jiangyan Yu & Anke Katharina Bergmann. clinTALL: machine learning-driven multimodal subtype classification and treatment outcome prediction in pediatric T-ALL. Genome Med 18, 108 (2026). https://doi.org/10.1186/s13073-026-01733-8

Gender4ALL: Geschlecht und Alter als mögliche Einflussfaktoren

Die Frage, ob sich ALL bei Mädchen und Jungen unterschiedlich verhält, rückt zunehmend in den Fokus. Mit Gender4ALL startet am Institut für Klinische Genetik und Genommedizin ein Forschungsprojekt, das mögliche geschlechts- und altersabhängige Unterschiede bei der Erkrankung systematisch untersucht.

Das Projekt wird im BMFTR-Programm „Reduzierung des Gender Data Gap in der klinischen Forschung“ gefördert. Zunächst werden bereits vorhandene Daten aus ALL-Studien retrospektiv ausgewertet. Die Forschenden wollen unter anderem prüfen, ob sich die Diagnoseprofile, molekulargenetischen Subtypen, der Therapieverlauf, das Therapieansprechen und wichtige Krankheitsverläufe von Mädchen und Jungen unterschiedlichen Alters unterscheiden. „Darauf aufbauend können sich neue Forschungsfragen ergeben. Gerade bei einer Erkrankung wie der ALL, bei der große Mengen klinischer und molekularer Daten vorliegen, bietet sich eine solche systematische Analyse an“, sagt Anke Bergmann. Die Förderung ist zugleich ein erster Schritt, um geschlechtssensible Fragestellungen stärker in die ALL-Forschung des Instituts zu integrieren.

Neue Genomdaten für bisher schwer einzuordnende ALL

Eine weitere Förderung durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung gibt dem Schwerpunkt moderner Genomik Rückenwind und unterstützt Dr. Dr. Zeljko Antic beim Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe. 

Im Mittelpunkt steht die sogenannte B-other-ALL, die etwa zehn Prozent der Kinder mit B-ALL betrifft. Bei ihnen lassen sich mit den herkömmlichen Untersuchungsmethoden keine genetischen Veränderungen feststellen, die eine eindeutige Einordnung in eine Risikogruppe erlauben. Deshalb werden diese Kinder nach einheitlichen Behandlungsschemata therapiert, obwohl sich ihre Erkrankungen genetisch deutlich unterscheiden können.

Das Forschungsteam möchte mit besonders leistungsfähigen Verfahren zur Genomanalyse, dem sogenannten Long-Read-Sequencing, nach bislang übersehenen genetischen und epigenetischen Veränderungen suchen. Die Forschenden wollen zusätzlich molekulare und klinische Daten mit Verfahren des maschinellen Lernens verbinden. So sollen Veränderungen identifiziert werden, die künftig als Biomarker für eine präzisere Risikoeinschätzung dienen könnten. Für die besonders relevanten Kandidaten sind anschließend Untersuchungen in Zellmodellen geplant.

„Unser Ziel ist es, die genetische Vielfalt dieser bislang schwer einzuordnenden ALL besser zu verstehen“, erklärt Zeljko Antic. „Wenn wir neue Biomarker finden, könnten diese langfristig dazu beitragen, Therapien genauer an das individuelle Risiko anzupassen.“

Die Erkenntnisse sind nicht nur für Kinder, sondern perspektivisch auch für andere Altersgruppen mit ALL relevant. 

Translationale onkogenomische Forschung mit neuesten Technologien

Ein weiteres, gerade bewilligtes Forschungsprojekt wird es der Arbeitsgruppe ermöglichen, neueste genomische Technologien zu evaluieren und zu prüfen, welchen zusätzlichen Nutzen sie für die Patientenversorgung bieten können. Der Förderverein „Tour der Hoffnung“ unterstützt ein Forschungsprojekt von Jiangyan Yu, das eine genetisch komplexe Subgruppe der kindlichen akuten lymphatischen Leukämie (ALL), die sogenannte DUX4-r ALL, genauer untersucht.

Ziel des Projekts ist es, die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, die der Aktivierung von DUX4 zugrunde liegen, und verbesserte diagnostische Verfahren zu entwickeln. Langfristig soll die Forschung dazu beitragen, eine präzisere Diagnosestellung und bessere Risikoeinschätzung zu ermöglichen und damit individuellere Behandlungsstrategien für Kinder mit DUX4-r ALL zu entwickeln.

Anke Bergmann steht in weißem Kittel in einem Flur, der Hintergrund ist sehr unscharf. Das Bild ist im Querformat, Frau Bergmann ist bis zum Bauchnabel zu sehen.
Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann leitet das im Oktober 2025 gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin. © Anke K. Bergmann (Fotograf Mario Schmitt)
Mitarbeiterin mit weißem Kittel schaut ins Mikroskop - die Probe ist grün angeleuchtet, der Raum im bläulichen Licht.
Das Universitätsklinikum Würzburg übernahm Anfang 2026 die bundesweite genetische Referenzdiagnostik für Leukämien im Kindesalter. Hier wird ein Knochenmarkausstrich am Fluoreszenzmikroskop untersucht. Alles, was in Deutschland an ALL bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird, läuft über dieses Mikroskop. © Daniel Peter / UKW

Weniger Biofilm, mehr Überlebenschance

Internationales Forschungsteam unter Würzburger Leitung entdeckt überraschende Anpassungsstrategie.

Bei mehreren weltweit untersuchten Fluconazol-resistenter Candida parapsilosis-Ausbrummstämmen war eine abgeschwächte Biofilmbildung mit einer besonders guten Anpassung an den menschlichen Wirt verbunden.

 

Mikroskopische Aufnahme des Candida parapsilosis mit leuchtenden grünen und blauen Hefezellen
Candida parapsilosis: Die grünen Hefezellen bilden im Gegensatz zu den blauen Hefezellen nur wenig Biofilm. Die Makrophagen wurden im Verhältnis 1:1 zugeführt, sie neigen hier augenscheinlich dazu, die Hefezellen, die viel Biofilm bilden, effektiver zu verschlingen. Die Aufnahmen wurden mittels Konfokalmikroskopie mit einem 100-fachen Objektiv angefertigt. © Amir Arastehfar / UKW

Würzburg. Candida parapsilosis ist ein Hefepilz, der häufig auf der menschlichen Haut lebt. Für gesunde Menschen ist er in der Regel unproblematisch. Gefährlich wird er vor allem für Personen, deren Immunabwehr geschwächt ist oder deren natürliche Schutzbarrieren durch medizinische Eingriffe beeinträchtigt sind. Wenn der Pilz beispielsweise über einen Katheter oder eine verletzte Hautbarriere in die Blutbahn gelangt, kann er schwere Infektionen verursachen. Darüber hinaus kann Candida parapsilosis von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. In den vergangenen Jahren kam es weltweit immer wieder zu Krankenhausausbrüchen, bei denen sich Stämme des Pilzes ausgebreitet haben, die gegen das häufig eingesetzte Antipilzmittel Fluconazol resistent sind.

Warum Biofilm bislang als Vorteil galt  

Bislang galt eine ausgeprägte Biofilmbildung als wichtiger Faktor für die Widerstandsfähigkeit solcher Erreger. Sowohl Bakterien als auch Pilze können einen zementartigen Schutzschild um sich herum aufbauen. Dieser hilft ihnen, sich in der Umwelt zu behaupten und Angriffen durch Antibiotika, Antimykotika sowie weiße Blutkörperchen unseres Immunsystems standzuhalten. 

Überraschende Kehrtwende: Weniger Biofilm, weniger Angriffsfläche 

Dr. rer. nat. Amir Arastehfar, Junior-Forschungsgruppenleiter in der Arbeitsgruppe „Invasive Pilzinfektionen“ von Prof. Dr. Jürgen Löffler am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), brachte mit seiner jüngsten Forschungsarbeit zu Fluconazol-resistenten Stämmen des Candida parapsilosis, sogenannten FLCR-CP-Isolaten, jedoch eine überraschende Wendung zutage. „Anstatt noch stärkere Festungen zu errichten, gehen die Ausbrüche verursachenden Stämme ein riskantes Wagnis ein. Sie reduzieren bewusst ihren schützenden Biofilm-Schild. Im Gegenzug gewinnen sie zwei enorme Vorteile: Menschliche Immunzellen können sie nicht erkennen und sie können sich unter extremen Stress viel schneller vermehren.“ 

Offensichtlich kann es für den Pilz vorteilhaft sein, den Biofilm unter dem Druck des Immunsystems zurückzufahren und sich stattdessen besser an die Bedingungen im Körper anzupassen.

Ein Muster, das weltweit auftaucht

Durch die Analyse genomischer Daten aus Krankenhäusern in mehreren Ländern hat das internationale Forschungsteam festgestellt, dass dieser Wandel weltweit unabhängig voneinander stattfindet. „Die häufige Übertragung von einem Wirt auf den anderen trainiert den Pilz gewissermaßen dazu, ein uraltes Überlebensmerkmal gegen ein modernes einzutauschen. Dadurch kann er unserem Immunsystem entgehen und in Gesundheitsrichtungen fortbestehen“, sagt Amir Arastehfar. 

Anpassung als Schlüssel zum Erfolg 

Die im Fachjournal PLOS Biology veröffentlichten Ergebnisse verändern somit die Sichtweise darauf, warum sich resistente Candida parapsilosis-Stämme in Krankenhäusern langfristig halten können. Entscheidend könnte nicht allein die Widerstandsfähigkeit gegenüber Medikamenten oder die Fähigkeit in der Krankenhausumgebung zu überleben, sein. Auch die Anpassung an die menschliche Immunabwehr spielt offenbar eine wichtige Rolle. Amir Arastehfar: „Wir wollen deshalb das weltweite Gesamtgenom von Candida parapsilosis sorgfältig analysieren, um herauszufinden, welche genetischen Merkmale dem Pilz die Fähigkeit verleihen, sich vor Immunzellen zu verstecken und dauerhaft im Krankenhaus zu verbleiben.“

Die Studie im Detail

Das Forschungsteam untersuchte Candida parapsilosis-Stämme aus verschiedenen Ländern und kombinierte genetische Analysen mit Untersuchungen der Genaktivität sowie Experimenten mit Immunzellen und im Tiermodell. Dabei zeigte sich, dass die sogenannten Low-Biofilm-Produzenten (LBP) unter verschiedenen Stressbedingungen besser wuchsen als Stämme mit ausgeprägter Biofilmbildung. Noch entscheidender war ihr Verhalten im Kontakt mit Immunzelle. Neutrophile Granulozyten und Makrophagen töteten die Pilze weniger effektiv ab. Zudem zeigten sie Veränderungen ihrer Zellwand, durch die sie für das Immunsystem offenbar weniger gut erkennbar waren. Auch im Tiermodell zeigte sich ein Vorteil: Die biofilmarmen Stämme konnten sich in Organen mit vielen Immunzellen besser halten. Die Forschenden schließen daraus, dass die verringerte Biofilmbildung für den Pilz einen evolutionären Vorteil innerhalb des Wirts darstellen kann. Besonders interessant ist: Die genomweiten Analysen von Stämmen aus mehreren Ländern zeigten, dass sich die abgeschwächte Biofilmbildung offenbar mehrfach unabhängig voneinander entwickelt hat. Die Veränderungen beruhen dabei nicht auf einer einzigen Mutation. Vielmehr fanden die Forschenden komplexe Veränderungen, die teilweise mehrere Gene betreffen. Eingriffe in verschiedene Regulatoren der Biofilmbildung konnten die Überlebensfähigkeit der Pilze im Kontakt mit Immunzellen ebenfalls erhöhen.

An der Studie waren Forschende aus mehreren Ländern beteiligt. Von Würzburger Seite waren neben Amir Arastehfar unter anderem Forschende des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie um Prof. Dr. Oliver Kurzai sowie die Doktoranden Tobias Köhler und Gabriel Braune beteiligt. Amir Arastehfars Forschung wurde vom WüConnect-Programm des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) finanziell unterstützt. 
 

Publikation: Farnaz Daneshnia, Deepika Gunasekaran, Sean Bergin, Lisa Lombardi, Austin M. Perry, Liuyang Cai, Louise A. Walker, Tibor Nemeth, Süleyha Hilmioglu-Polat, Letal I. Salzberg, Arefeh Ebadati, Tobias Köhler, Gabriel Braune, João N. de Almeida, Giuseppina Caggiano, Julianne V. Kus, Pegah Mosharaf Ghahfarokhy, Julieta Munoz, Daniel J. Floyd, Diego Fuentes-Palacios, Samuel M. Gonçalves, Relber A. Gonçales, Mostafa Salehi, Jigar V. Desai, Agostinho Carvalho, Shenglin Mei, Carol A. Munro, Alex Hopke, Toni Gabaldón, Attila Gacser, Oliver Kurzai, Geraldine Butler, David S. Perlin, Wenjie Fang, Clarissa J. Nobile, Michael K. Mansour, Amir Arastehfar (2026) Outbreaks of fluconazole-resistant Candida parapsilosis are driven by low-biofilm-producing isolates that emerge under host selection. PLoS Biology. 24(9): e3003973. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3003973

Mikroskopische Aufnahme des Candida parapsilosis mit leuchtenden grünen und blauen Hefezellen
Candida parapsilosis: Die grünen Hefezellen bilden im Gegensatz zu den blauen Hefezellen nur wenig Biofilm. Die Makrophagen wurden im Verhältnis 1:1 zugeführt, sie neigen hier augenscheinlich dazu, die Hefezellen, die viel Biofilm bilden, effektiver zu verschlingen. Die Aufnahmen wurden mittels Konfokalmikroskopie mit einem 100-fachen Objektiv angefertigt. © Amir Arastehfar / UKW