Aktuelle Pressemitteilungen

Israelische Medizinstudentinnen waren am Uniklinikum Würzburg zu Gast

In den ersten Wochen dieses Jahres sammelten fünf Studentinnen der Technion-Universität in Haifa praktische Erfahrungen am Uniklinikum Würzburg. Für die Zukunft ist geplant, nicht nur den Austausch in der Lehre, sondern auch die wissenschaftliche Kooperation der Würzburger Universitätsmedizin mit der renommierten Technischen Universität Israels auszubauen.

 

Israelische Medizinstudentinnen sowie zwei Medizinstudentinnen aus Japan mit Prodekan, ehemaliger Prodekan und Vertreterin aus der Medizinischen Fakultät.
Von links: Prof. Dr. Andreas Buck (Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Adi Goldring, Noa Arbel, Romi Gleicher und Alma Barry (alle vier Technion-Universität, Haifa), Prof. Dr. Jürgen Deckert (Seniorprofessor, ehem. Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Lee Kaniel (Technion-Universität, Haifa) sowie Barbara Moll (Medizinische Fakultät). In der ersten Reihe kniend: Yuka Yamazato und Mizuki Sakimoto, zwei Medizinstudentinnen aus Japan, die zeitgleich im Rahmen des Nagasaki-Würzburg-Austauschs in der unterfränkischen Universitätsstadt sind. © Andreas Buck / UKW

Würzburg. Adi, Alma, Lee, Noa und Romi – so heißen fünf Medizinstudentinnen der israelischen Technion-Universität, die ab Anfang Januar dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg (UKW) eine sechswöchige Ausbildung absolvierten. An ihrer Heimatuniversität in der Hafenstadt Haifa sind sie im sechsten und damit letzten Studienjahr. „Ziel ihres Aufenthalts in Würzburg war es, ihr bis dato erlerntes Wissen zu vertiefen und anzuwenden – ähnlich wie im deutschen Praktischen Jahr“, schildert Prof. Dr. Andreas Buck. Der Direktor der Nuklearmedizinischen Klinik des UKW ist seit 2023 Prodekan für Internationale Angelegenheiten der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die Studentinnen waren am UKW in der Dermatologie, der Gynäkologie, der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der Augenheilkunde, der Transplantationschirurgie und der Psychiatrie tätig. 

„Das Feedback der Nachwuchsmedizinerinnen zum Lehrangebot ist ausgezeichnet“, freut sich Andreas Buck und fährt fort: „Außerdem lobten sie den freundlichen Kontakt zur Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, die unsere Gäste in das Gemeindeleben einbezog.“

Wiederaufnahme von früheren Kontakten

Angestoßen wurden die Kooperationsideen der Würzburger Universitätsmedizin mit der Technion-Universität schon vor einigen Jahren von Prof. Dr. Jürgen Deckert, dem Vorgänger von Andreas Buck als Prodekan für Internationale Angelegenheiten. „Bedingt durch die Corona-Pandemie ist der Kontakt dann aber leider wieder abgebrochen“, berichtet der ehemalige Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am UKW. Umso mehr sei er jetzt als Seniorprofessor froh und dankbar, dass 80 Jahre nach dem Holocaust sowohl der studentische Austausch als auch die wissenschaftliche Kooperation möglich sind und mit neuem Elan vorangetrieben werden. Und Prof. Buck kommentiert: „Die Technion-Universität ist eine exzellente, technisch ausgerichtete Bildungs- und Forschungseinrichtung, die geeignet ist, das Portfolio der Würzburger Universitätsmedizin in vielerlei Hinsicht zu bereichern. Aktuell laufen als nächster wichtiger Schritt die Abstimmungen zu wechselseitigen Besuchen der jeweiligen Medizinischen Fakultäten.“

Der Austausch ergänzt die bereits seit längerem bestehenden Austauschprogramme mit Universitäten vor allem in Nagasaki/Japan und Mwanza/Tansania, aber auch anderen Universitäten weltweit.

Text: Pressestelle / UKW
 

Israelische Medizinstudentinnen sowie zwei Medizinstudentinnen aus Japan mit Prodekan, ehemaliger Prodekan und Vertreterin aus der Medizinischen Fakultät.
Von links: Prof. Dr. Andreas Buck (Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Adi Goldring, Noa Arbel, Romi Gleicher und Alma Barry (alle vier Technion-Universität, Haifa), Prof. Dr. Jürgen Deckert (Seniorprofessor, ehem. Prodekan für Internationale Angelegenheiten), Lee Kaniel (Technion-Universität, Haifa) sowie Barbara Moll (Medizinische Fakultät). In der ersten Reihe kniend: Yuka Yamazato und Mizuki Sakimoto, zwei Medizinstudentinnen aus Japan, die zeitgleich im Rahmen des Nagasaki-Würzburg-Austauschs in der unterfränkischen Universitätsstadt sind. © Andreas Buck / UKW

DBS Kongress 2026 – 3rd Expert Summit on the Future of Deep Brain Stimulation 22.–24. Februar 2026 | Congress Centrum Würzburg

Sonderforschungsbereich Retune richtet internationales Spitzentreffen zur Zukunft der Tiefen Hirnstimulation aus

 

Würzburg. Vom 22. bis 24. Februar 2026 findet im Congress Centrum Würzburg der DBS Summit 2026 – 3rd Expert Summit on the Future of Deep Brain Stimulation – statt. Ausrichter ist der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Sonderforschungsbereich (SFB) Retune 295 „Retuning dynamic motor network disorders by neuromodulation“. Organisiert wird der Kongress von Andrea Kühn und Jens Volkmann gemeinsam mit Cordula Matthies und Friedhelm Hummel im Organisationskomitee. Die wissenschaftliche Koordination liegt bei Martin Reich, Universitätsklinikum Würzburg, in enger Kooperation mit nationalen und internationalen Partnern.

Wissenschaftliche Bedeutung der Tiefen Hirnstimulation

Die Tiefe Hirnstimulation (THS/DBS) ist ein etabliertes Verfahren der funktionellen Neurochirurgie und wird erfolgreich bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, essentiellem Tremor, Dystonien sowie bei ausgewählten psychiatrischen und chronischen Schmerzsyndromen eingesetzt. Durch die gezielte elektrische Modulation spezifischer Hirnregionen können krankhafte Netzwerkaktivitäten beeinflusst und Symptome nachhaltig gebessert werden.

In den vergangenen Jahren hat sich die THS von einer rein symptomorientierten Therapie zu einem hochpräzisen neuromodulatorischen Ansatz weiterentwickelt. Moderne adaptive „closed loop“-Systeme ermöglichen eine individualisierte, dynamische Anpassung der Stimulation in Abhängigkeit neuronaler Signale. Damit rückt die Therapie zunehmend in die Nähe intelligenter Neurotechnologien, die perspektivisch mit Hirn-Computer-Schnittstellen (Brain-Computer Interfaces, BCI) verschmelzen. Solche Systeme erlauben nicht nur die Modulation, sondern auch das Auslesen neuronaler Aktivität in Echtzeit – ein zentrales Zukunftsthema, das auf dem Kongress intensiv diskutiert wird.

Die Forschung im Umfeld des SFB Retune versteht Hirnerkrankungen als Netzwerkstörungen und zielt auf eine individualisierte, adaptive Neuromodulation auf Grundlage eines vertieften Verständnisses neuronaler Schaltkreise ab. Der DBS Summit 2026 bildet hierfür eine internationale Plattform.

Internationale Spitzenforschung in Würzburg

Zum DBS Kongress werden über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 30 Nationen erwartet. Das wissenschaftliche Programm spiegelt die hohe Dynamik des Fachgebiets wider und umfasst klinische, experimentelle sowie technologische Beiträge aus der Neurologie, Neurochirurgie, Neuroengineering und angrenzenden Disziplinen.

Mehr als 170 wissenschaftliche Beiträge wurden im Rahmen des Call for Abstracts eingereicht und werden als Poster präsentiert und diskutiert. Diese strukturieren den wissenschaftlichen Austausch und fördern den internationalen Dialog über neueste Forschungsergebnisse, methodische Innovationen und translationale Ansätze.

Neben State-of-the-Art-Vorträgen und thematischen Debatten widmet sich der Kongress insbesondere der Weiterentwicklung intelligenter, datengetriebener Neuromodulationssysteme. Im Mittelpunkt stehen personalisierte Therapieansätze, die Integration künstlicher Intelligenz in klinische Abläufe sowie die technologische Konvergenz mit Brain-Computer-Schnittstellen.

Weitere Informationen und das vollständige Programm: www.dbs-expertsummit.de  


Diese Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung freigegeben.
Bei Abdruck bitten wir um einen Beleg.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen zum Kongress! Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung. Gern vermitteln wir Ihnen Ansprechpartner für Interviews. 
Akkreditierungen bitte direkt über den Pressekontakt:


Kerstin Aldenhoff
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
Tel. 0172 3516916
Kerstin.Aldenhoff@ conventus.de  
www.dbs-expertsummit.de  

 

Pressemitteilung Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH vom 17. Februar 2026
 

Bayerisches Zentrum für präventive Infektionsmedizin: Prof. Dr. Oliver Kurzai zum Präsidenten gewählt

Würzburger Koordinationsteam bringt die wissenschaftlichen Aktivitäten in die bayernweite Struktur des BZI ein

Der neu gewählte Vorstand des BZI, von links: Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Sektionssprecherin BaySurv), Prof. Dr. Frank Hanses (Vize-Präsident des BZI), Prof. Dr. Oliver Kurzai (Präsident des BZI) und Prof. Dr. Klaus Überla (Sektionssprecher für BayVak). Foto: BZI / Simone Reiprich
Der neu gewählte Vorstand des BZI, von links: Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Sektionssprecherin BaySurv), Prof. Dr. Frank Hanses (Vize-Präsident des BZI), Prof. Dr. Oliver Kurzai (Präsident des BZI) und Prof. Dr. Klaus Überla (Sektionssprecher für BayVak). Foto: BZI / Simone Reiprich

Würzburg, Mit dem Start des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin (BZI) nimmt eine neue landesweite Struktur zur Stärkung von Forschung, Versorgung und Prävention im Bereich der Infektionsmedizin ihre Arbeit auf. Das Zentrum wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert und vernetzt alle bayerischen Universitäten mit medizinischer Fakultät, die Universitätsklinika sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst.

An der konzeptionellen Entwicklung und inhaltlichen Ausrichtung des BZI waren auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Würzburg und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg essenziell beteiligt. Das wissenschaftliche Konzept unter anderem durch Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg, initiiert, gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Überla, Direktor des Virologischen Instituts des Uniklinikums Erlangen, sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern der bayerischen Hochschulmedizin.

In der ersten Direktoriumssitzung des BZI wurde Prof. Kurzai nun zum Präsidenten des BZI Bayern gewählt. Er übernimmt damit eine zentrale Rolle in der strategischen Weiterentwicklung des Zentrums und in der Koordination der standortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Forschung, klinischer Versorgung und öffentlichem Gesundheitsdienst.

Ebenfalls aus Würzburg stammt Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, die zur Sektionssprecherin des Bayerischen Surveillancezentrums (BaySurv) gewählt wurde. BaySurv ist einer von mehreren Programmbereichen des BZI und befasst sich mit der kontinuierlichen Überwachung relevanter Erreger unter Einsatz moderner molekularer und datenbasierter Methoden.

Programmbereiche des BZI

Die Arbeit des Zentrums ist in verschiedene Programmbereiche gegliedert:

  • Struktursäule Bayerisches Surveillancezentrum (BaySurv)
  • Struktursäule Bayerisches Vakzinezentrum (BayVak)
  • Querschnittsprojekt Bayerisches Long-COVID-Register (BAY-LCR)

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Würzburg und des Universitätsklinikums Würzburg sind in diese Programmbereiche eingebunden und wirken an Forschungs-, Versorgungs- und Vernetzungsprojekten mit. Neben Prof. Dr. Stefanie Kampmeier und Prof. Dr. Oliver Kurzai sind aus Würzburg unter anderem Prof. Dr. Johannes Liese, PD Dr. Manuel Krone, Prof. Dr. August Stich, Prof. Dr. Ildikó Gágyor, PD Dr. Thiên-Trí Lâm sowie Prof. Dr. Peter Heuschmann beteiligt. 

Dieses lokale Koordinationsteam bringt die wissenschaftlichen Aktivitäten am Standort Würzburg in die bayernweite Struktur des BZI ein. Ziel ist es, Forschung und Versorgung eng zu verzahnen, standortübergreifend zusammenzuarbeiten und evidenzbasierte Beiträge zur Prävention und Bewältigung von Infektionskrankheiten zu leisten.

Auf der Website www.bzi-bayern.de stellt das BZI seine Programmbereiche, Projekte und aktuellen Entwicklungen gebündelt vor und macht Informationen zu Forschung, Vernetzung und Aktivitäten des Zentrums öffentlich zugänglich.

Der neu gewählte Vorstand des BZI, von links: Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Sektionssprecherin BaySurv), Prof. Dr. Frank Hanses (Vize-Präsident des BZI), Prof. Dr. Oliver Kurzai (Präsident des BZI) und Prof. Dr. Klaus Überla (Sektionssprecher für BayVak). Foto: BZI / Simone Reiprich
Der neu gewählte Vorstand des BZI, von links: Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Sektionssprecherin BaySurv), Prof. Dr. Frank Hanses (Vize-Präsident des BZI), Prof. Dr. Oliver Kurzai (Präsident des BZI) und Prof. Dr. Klaus Überla (Sektionssprecher für BayVak). Foto: BZI / Simone Reiprich

Infoaktion zum Themenkreis „Autoimmunerkrankungen und Ernährung“

Anlässlich des Tags der gesunden Ernährung verdeutlichen Diätassistentinnen und Ökotrophologinnen des Uniklinikums Würzburg am Donnerstag, 5. März 2026 auf einer Infofläche im Zentrum für Innere Medizin die Zusammenhänge zwischen Autoimmunerkrankungen und Ernährung.

Beim Tag der gesunden Ernährung stehen antientzündliche Lebensmittel im Mittelpunkt.
Beim Tag der gesunden Ernährung stehen antientzündliche Lebensmittel im Mittelpunkt. © Pixabay

Würzburg. Der Verband für Ernährung und Diätetik e.V. macht seit 1998 jedes Jahr im März mit einem Aktionstag auf die Bedeutung einer gesunden Ernährung aufmerksam. In diesem Jahr stehen die Verbindungen zwischen Autoimmunerkrankungen und Ernährung im Mittelpunkt. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) nimmt das Thema auf und bietet am Donnerstag, 5. März 2026, auf einer Infofläche Schautafeln, ein Wissensspiel sowie Broschüren und Materialien zum Mitnehmen an. Außerdem gibt es antientzündliche Snacks zur Verkostung.

Die Aktion findet zwischen 10:00 und 16:00 Uhr nahe der Cafeteria „Insel“ im Erdgeschoss des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) an der Oberdürrbacher Straße statt. Initiiert, organisiert und durchgeführt wird sie von Diätassistentinnen und Ökotrophologinnen des UKW, die auch für individuelle Gespräche zur Verfügung stehen.

Antientzündliche Ernährung bei vielen Autoimmunerkrankungen vorteilhaft

Zum Hintergrund: In Deutschland leiden rund neun Prozent der Bevölkerung an einer der vielen Autoimmunerkrankungen – Tendenz steigend. Zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen zählen Hashimoto-Thyreoiditis, Psoriasis, Rheumatoide Arthritis, Typ-1-Diabetes, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Zöliakie und Lupus erythematodes. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, doch genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und der Lebensstil spielen eine bedeutende Rolle. Lebensmittel können Einfluss auf den Verlauf und die Symptome von Autoimmunerkrankungen haben. Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung kann dabei helfen, das Immunsystem zu regulieren, Entzündungen zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Sie kann ein wichtiger Teil der ganzheitlichen Behandlung sein. Bei bestimmten Erkrankungen, wie bei der Zöliakie, ist sogar eine strikte – in diesem Fall glutenfreie – Ernährung unerlässlich, da Gluten Entzündungsprozesse im Darm auslöst.

Text: Pressestelle / UKW
 

Beim Tag der gesunden Ernährung stehen antientzündliche Lebensmittel im Mittelpunkt.
Beim Tag der gesunden Ernährung stehen antientzündliche Lebensmittel im Mittelpunkt. © Pixabay

KIPS: KI-basierte Patientensimulation in der Lehre

Universitätsklinikum Würzburg startet mit KIPS ein Leuchtturmprojekt

Collage einer Gesprächssituation- links ein Student, rechts die Ansicht des Monitors mit KI-Patient und Benutzeroberfläche mit Gesprächsstruktur und digitalen Unterstützungsmöglichkeiten.
Im Projekt KIPS führen Studierende die Gespräche vor einem PC, Tablet oder Smartphone mit virtuellen Patientinnen und Patienten, die den Eindruck erwecken, per Video zugeschaltet zu sein. © Projekt KIPS / Alexander Zamzow

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) festigt seine Position als Innovationstreiber in der medizinischen Ausbildung und startet das Projekt „KIPS” (KI-basierte Patientensimulation). In einer multizentrischen Kooperation zwischen dem Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW, der Technischen Universität München (TUM) am Campus Heilbronn sowie Experten für medizinische KI vom Inselspital Bern (Schweiz) wird eine skalierbare Trainingsplattform auf Basis von Large Language Models (LLMs) entwickelt. Mit KIPS sollen Studierende die Gelegenheit erhalten, ihre Kommunikationsfertigkeiten zu trainieren und gleichzeitig die klinische Entscheidungsfindung schulen. 

Würzburg / Heilbronn / Bern. Simulierte Patientengespräche sind ein fester Bestandteil der medizinischen Ausbildung. Dabei schlüpfen Schauspielpersonen die Rolle von Patientinnen und Patienten und führen Konsultationsgespräche mit Medizinstudierenden. Neben der medizinischen Gesprächsführung lernen die Studierenden, Empathie zu zeigen, aktiv zuzuhören und nonverbale Signale zu deuten. Sie üben, auf unterschiedliche Persönlichkeiten, Emotionen und kulturelle Hintergründe einzugehen, und lernen, schwierige Situationen wie das Überbringen schlechter Nachrichten, Unsicherheit oder Konflikte professionell zu bewältigen. Zudem erhalten sie strukturiertes Feedback, das ihnen hilft, ihr eigenes Auftreten zu reflektieren und kontinuierlich zu verbessern. Das Training mit menschlichen Schauspielenden ist jedoch kostenintensiv und schwer skalierbar.

Vom Hackathon zum Forschungsprojekt

Das Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW stellte sich deshalb die Frage: „Kann KI das Arzt-Patienten-Gespräch trainieren?” Hacker, die sich im März 2025 zum zweiten Healthcare-Hackathon in Würzburg versammelten, suchten nach einer Antwort. Innerhalb von 24 Stunden entwickelte ein interdisziplinäres Team im Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) einen Proof of Concept, der das Potenzial generativer KI für die medizinische Gesprächsführung aufzeigte. Mithilfe fortgeschrittener Methoden der Spracherkennung und -wiedergabe sowie eines speziell modifizierten Large Language Models (LLM) kam man einem Arzt-Patienten-Gespräch auf der verbalen Ebene bereits sehr nahe. Das formalisierte Projekt KIPS (KI-basierte Patientensimulation) überführt diesen Prototypen nun in eine wissenschaftlich validierte Lehranwendung zur systematischen Vermittlung ärztlicher Gesprächsführung. 

Simulation in der medizinischen Ausbildung braucht neue Ideen und moderne Werkzeuge. Dass Studierende mit virtuellen Patientinnen und Patienten echte Gespräche führen können, war bislang nicht möglich. Genau hier setzt unser Projekt an“, sagt Prof. Dr. Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung.

Objektives, metrikbasiertes Feedback zu Empathie, fachlicher Korrektheit und Gesprächsstruktur ist Alleinstellungsmerkmal

Ein Large Language Model (LLM) ist ein System der künstlichen Intelligenz, das darauf trainiert ist, Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und zu erzeugen. Im Rahmen von KIPS kann es daher realistische Arzt-Patienten-Dialoge in Echtzeit simulieren. Die KI übernimmt dabei die Rolle des Patienten, reagiert auf verbale Eingaben der Studierenden und generiert anschließend ein objektives, metrikbasiertes Feedback zu Empathie, fachlicher Korrektheit und Gesprächsstruktur. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal. 

Neu ist zudem der longitudinale Aufbau: Studierende können die virtuellen Patienten innerhalb eines stationären Aufenthaltes über mehrere Visiten hinweg begleiten und die Auswirkungen von Maßnahmen, wie etwa die Anordnung eines neuen Medikaments, erkennen und reflektieren. 

„Bei KIPS geht es nicht darum, Gespräche mit (Schauspiel-)Patienten in der medizinischen Ausbildung zu ersetzen – diese werden immer die wichtigste Säule des Anamnesetrainings bleiben. Wir wollen jedoch aufzeigen, welche zusätzlichen Möglichkeiten die Technologie bietet, insbesondere in Bezug auf Skalierbarkeit, strukturiertes Gesprächsfeedback und das Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Handelns“, erklärt Alexander Zamzow, ärztlicher Projektleiter „KIPS“ an der Lehrklinik Würzburg, die didaktische Innovation. 

Erweiterung des Trainingsangebots für zusätzliche Berufsgruppen

Die Relevanz kompetenter Gesprächsführung erstreckt sich jedoch nicht nur auf die ärztliche Tätigkeit, sondern auf alle akademischen und nicht-akademischen Gesundheits- und Heilberufe. Daher ist im weiteren Projektverlauf eine Erweiterung des Trainingsangebots für zusätzliche Berufsgruppen vorgesehen. So soll das System beispielsweise an die Bedürfnisse der Hebammenwissenschaft angepasst werden, um auch in diesem Bereich frühzeitig interprofessionelle Synergien zu entwickeln.

Maßgebliche Förderung durch die Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp

Die Realisierung dieses zukunftsweisenden Vorhabens am Standort Würzburg wird durch eine Förderung der Vogel-Stiftung Dr. Eckernkamp ermöglicht. „Wir unterstützen die wirkungsvolle Nutzung von KI in der medizinischen Anwendung und allen voran in der Ausbildung, weil wir hier sehr große Chancen sehen, schnell und flächendeckend erhebliche Fortschritte umzusetzen. Gerade KIPS ist ein Paradebeispiel für Geschwindigkeit und kompetente Innovation“, erläutert Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Parallel dazu wird der Projektarm am Campus Heilbronn durch den TUM Incentive Fund gefördert. Diese Unterstützung unterstreicht die Relevanz des Projekts für die ärztliche Qualifizierung über die Region hinaus. Im Januar 2026 startete das Projekt mit der Weiterentwicklung des Prototypen, gefolgt von einer Pilotstudie zur Evaluation der Nutzbarkeit und des Trainingserfolgs im Herbst 2026.

Collage einer Gesprächssituation- links ein Student, rechts die Ansicht des Monitors mit KI-Patient und Benutzeroberfläche mit Gesprächsstruktur und digitalen Unterstützungsmöglichkeiten.
Im Projekt KIPS führen Studierende die Gespräche vor einem PC, Tablet oder Smartphone mit virtuellen Patientinnen und Patienten, die den Eindruck erwecken, per Video zugeschaltet zu sein. © Projekt KIPS / Alexander Zamzow

Personalia vom 10. Februar 2026 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

In der ersten Direktoriumssitzung des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde Prof. Dr. Oliver Kurzai, Leiter des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie, zum Präsidenten des BZI Bayern gewählt. Er übernimmt damit eine zentrale Rolle in der strategischen Weiterentwicklung des Zentrums und in der Koordination der standortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Forschung, klinischer Versorgung und öffentlichem Gesundheitsdienst. Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, Inhaberin des Lehrstuhls für Krankenhaushygiene, wurde zur Sektionssprecherin des Bayerischen Surveillancezentrums (BaySurv) gewählt wurde. BaySurv ist einer von mehreren Programmbereichen des BZI und befasst sich mit der kontinuierlichen Überwachung relevanter Erreger unter Einsatz moderner molekularer und datenbasierter Methoden. Mehr Infos zum BZI: https://www.bzi-bayern.de/ 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 10. Februar 2026

 

KI-Patientinnen und -Patienten für die Ausbildung in Psychotherapie

Am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie entsteht ein virtueller Übungsraum, in dem Studierende therapeutische Gespräche mit einem KI-generierten Gegenüber trainieren können.

Patientinnen-Simulation in Virtueller Realität.
Dr. Daniel Gromer, Dr. Isabel Neumann und Dr. Sabrina Gado (von links) arbeiten an einer Patientinnen-Simulation in Virtueller Realität. (Bild: Cathrin Paulsen / Universität Würzburg)

Ein Raum, ein Stuhl, ein Gegenüber. Die Stimme klingt bestimmt, vielleicht auch etwas besorgt: „Ich will nicht zurück in alte Muster“, sagt die Patientin. Ihr gegenüber sitzt ein angehender Psychotherapeut. Doch die Frau vor ihm existiert nicht wirklich, sie ist eine Simulation aus Künstlicher Intelligenz und Virtueller Realität.

Neuer Master bringt neue Anforderungen für die Lehre

Im Zuge der Reform der Psychotherapieausbildung ist an der Universität Würzburg ein neuer Masterstudiengang entstanden, an den sich – nach erfolgreichem Abschluss – direkt die Approbationsprüfung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten anschließen lässt. Diese Veränderung hat dazu geführt, dass die Lehre, etwa das Training psychotherapeutischer Interaktionen, deutlich praxisorientierter gestaltet sein muss.

Bislang wurde dabei hauptsächlich auf Rollenspiele mit Schauspielerinnen und Schauspielern oder Mitstudierenden gesetzt. Beide Varianten sind jedoch mit Herausforderungen verbunden: Sie sind entweder kosten- und betreuungsintensiv oder stoßen bei der authentischen Darstellung belastender Situationen oder bestimmter Personengruppen an ihre Grenzen.

KI-Patientinnen und -Patienten für authentische Interaktionen

An einer kreativen Lösung für diese Herausforderung experimentiert ein Lehrprojekt am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie: „Die Studierenden bekommen eine VR-Brille auf, mit der sie in einen virtuellen Therapieraum versetzt werden. Ihnen gegenüber sitzt eine virtuelle Person. Sie bekommen dann eine bestimmte Aufgabe für das therapeutische Gespräch. Sie sollen zum Beispiel abklären, was für eine Problematik die Person mitbringt.“, erklärt Dr. Daniel Gromer, einer der Projektleiter.

Das Besondere: Die Antworten der Patientinnen und Patienten folgen keiner vorprogrammierten Antwortkette, sondern reagieren auf Grundlage eines detaillierten Prompts auf das, was die Studierenden in das Gespräch einbringen. „Die Idee ist, glaubwürdige, authentische soziale Interaktionen darzustellen“, sagt Dr. Sabrina Gado, die den technischen Teil des Projekts leitet.

Zusammenspiel von Hard- und Software ist technisch komplex

Was die Studierenden sagen, wird über ein Mikrofon aufgenommen, in Text umgewandelt und an ein KI-Sprachmodell geschickt. Die generierte Textantwort wird anschließend wiederum in Sprache übersetzt und in der VR-Umgebung zusammen mit einer passenden Animation der sprechenden Person abgespielt.

Technisch ist das Vorhaben komplex, da die verschiedenen Hard- und Softwarekomponenten nahtlos ineinandergreifen und ständig an den neuen Stand der Technologie angepasst werden müssen. Finanziell gefördert wurde das Projekt von WueDive am Zentrum für wissenschaftliche Bildung und Lehre (ZBL).

Spielerischer Zugang kann die Angst vorm Scheitern nehmen

Aus psychotherapeutischer Sicht liegen für Projektleiterin Dr. Isabel Neumann die Vorteile auf der Hand: Studierende könnten denselben Fall mehrfach durchspielen und dabei unterschiedliche Gesprächsstrategien erproben. Außerdem fühlten sie sich mit generierten Gegenübern freier, auch mal Gesprächsstrategien außerhalb ihrer Komfort-Zone auszuprobieren. „VR erlaubt einen spielerischen Zugang“, bekräftigt Sabrina Gado, „und das kann die Angst vorm Scheitern nehmen.“

Darüber hinaus bietet das System die Möglichkeit, Interaktionen aufzuzeichnen und so Augenbewegungen, Stimmlage und sogar physiologische Reaktionen wie die Herzrate der Studierenden auszuwerten. Dazu erläutert Isabel Neumann: „Durch die Aufzeichnung kann ich im Nachhinein reflektieren, ob es vielleicht Themen gibt, die für mich unangenehm sind, wo ich zum Beispiel den Augenkontakt nicht halte. So kann ich mich langsam an die eigene Therapeutenpersönlichkeit herantasten.“

Perspektiven auch für andere Berufsgruppen

Langfristig stellt sich dem Entwicklungsteam die Frage, wie das System zugänglicher gestaltet werden kann: Lässt sich die Simulation neben der Variante in VR auch webbasiert realisieren? Eine Bildschirmversion wäre zwar weniger immersiv und ohne physiologische Messungen, dafür aber jederzeit auch von zu Hause zugänglich, so Daniel Gromer. Zudem ließe sich das zugrunde liegende KI-Modell auch auf andere Kontexte übertragen, etwa auf medizinische Anamnesegespräche oder anspruchsvolle Gesprächssituationen im Lehramtsberuf.

Ob virtuelle Patientinnen und Patienten die Ausbildung langfristig verändern werden, ist offen. Klar ist aber, dass sie den Möglichkeitsraum erweitern. Sie erlauben intensives Üben an äußerst vielfältigen Szenarien und neue Formen der Reflexion. Dabei soll die Technologie kein Ersatz sein, sondern die sonst in der Therapieausbildung stattfindenden Gespräche und Seminare ergänzen. Aktuell läuft bereits eine Testphase mit Studierenden.

Weblink

Projekt „Simulation psychotherapeutischer Interaktionen in VR mittels KI“

Kontakt

Dr. Sabrina Gado, Dr. Daniel Gromer und Dr. Isabel Neumann am Lehrstuhl für Psychologie I
Supervision des Projekts: Dr. Lea Hildebrandt, Prof. Dr. Matthias Gamer und Prof. Dr. Katja Bertsch

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 10. Februar 2026

Patientinnen-Simulation in Virtueller Realität.
Dr. Daniel Gromer, Dr. Isabel Neumann und Dr. Sabrina Gado (von links) arbeiten an einer Patientinnen-Simulation in Virtueller Realität. (Bild: Cathrin Paulsen / Universität Würzburg)