Aktuelle Pressemitteilungen

Genomischer „Arztbrief“ gegen resistente Myelomzellen

Beim Multiplen Myelom hinterlassen Therapien genetische Spuren – ihr Nachweis entscheidet, welche Therapien erneut wirksam sein können

Die beiden Forschenden stehen auf der Terrasse der Medizinischen Klinik II des UKW, im Hintergrund der Helikopter-Landeplatz
Christine Riedhammer und Leo Rasche vom Myelomzentrum des Uniklinikums Würzburg zeigen in einer multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. © Christine Riedhammer / UKW
Die Grafik zeigt eine Zusammenfassung, Circos plot, der genetischen Veränderungen bei 17 Myelom-Patientinnen und -Patienten, deren Tumorerbgut mit Whole Genom Sequencing vollständig untersucht wurde. Schwarze Linien markieren größere Umbauten zwischen verschiedenen Chromosomen. Blaue Bereiche stehen für zusätzliche Kopien von Erbgut, rote für verlorenes Erbgut. Im äußeren Ring sind Gene mit wichtigen Mutationen (rot und schwarz) sowie Veränderungen mit noch unklarer Bedeutung (grau) an ihrer jeweiligen Position im Erbgut dargestellt. © Quelle: Riedhammer, C., Truger, M., Lee, H. et al. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3
Hier wurde ein modifizierter Arztbrief eines Patienten mit hepta-refraktärem Myelom den Ergebnissen des Whole-Genome-Sequencing der Myelomzellen gegenübergestellt, um die therapiebedingten „Spuren” im Tumorerbgut zu verdeutlichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, warum manche Folgetherapien wirkungslos geblieben sind: Die Schlüsselantigene, die als Angriffspunkte für die jeweiligen Therapien dienen, waren nicht mehr intakt. © Christine Riedhammer / UKW

Forschende des Uniklinikums Würzburg zeigen in einer multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. Die in der Fachzeitschrift Leukemia veröffentlichte Studie belegt: Sind Zielantigene wie BCMA oder GPRC5D noch vorhanden, kann eine erneute Immuntherapie wirksam sein – ein wichtiger Schritt hin zu präziserer Therapieentscheidung selbst nach sieben Vortherapien.

Würzburg. Was wie ein frustrierender Behandlungsmarathon klingt, ist laut Prof. Dr. Leo Rasche vom Myelomzentrum des Uniklinikums Würzburg (UKW) eine echte Erfolgsgeschichte. Denn früher gab es kaum wirksame Therapien für das Multiple Myelom. Heute sitzen Patientinnen und Patienten vor einem, die sieben verschiedene Medikamentenklassen erhalten haben: Je zwei Proteasom-Inhibitoren und Immunmodulatoren, monoklonale und bispezifische Antikörper sowie eine CAR-T-Zelltherapie. „Das heißt, sie haben schon viele Jahre mit der Erkrankung gelebt und sind dank der schonenderen, neuartigen Immuntherapien relativ fit“, sagt Rasche. Doch was ist zu tun, wenn der Patient nach der siebten Therapie ein Rezidiv hat, der Krebs zurückgekehrt ist und therapeutisch am Ende der Fahnenstange angelangt ist? Leo Rasche und sein Team in der Medizinischen Klinik II des UKW haben den Begriff hepta-refraktär eingeführt, also resistent gegen sieben (griech. hepta) wichtige Behandlungsarten. 

Rasche forscht bereits seit Langem an den Resistenzmechanismen, die solche Rückfälle antreiben. Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend für die Entwicklung geeigneter Behandlungsstrategien. „Wichtig ist jedoch, unsere Erkenntnisse aus dem Elfenbeinturm auf die Straße zu bringen. Das ist uns jetzt mit unserer neuesten Studie gelungen, in der wir Whole-Genome-Sequencing mit Immunhistochemie kombiniert haben“, freut sich Leo Rasche. 

Myelom-Therapien hinterlassen Spuren im Genom 

Gemeinsam mit Dr. Christine Riedhammer und Partnerinnen und Partnern aus Würzburg, München, Hamburg, Heidelberg und dem kanadischen Calgary konnte er zeigen, dass zahlreiche Therapien des Multiplen Myeloms Spuren im Genom der Tumorzellen hinterlassen. Mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung ließen sich komplexe Vortherapien rekonstruieren – man könnte es einen genomischen Arztbrief nennen. „Tatsächlich können wir für einige Therapien ganz klar sagen, dass man diese nicht noch einmal einsetzen muss. Der Tumor ist definitiv resistent dagegen. Bei anderen konnten wir jedoch noch Angriffspunkte für eine erneute Therapie entdecken, sodass eine Wiederholung durchaus Sinn macht“, berichtet Christine Riedhammer. Die Hämatoonkologin teilt sich mit Marietta Truger die Erstautorenschaft der in der nature-Fachzeitschrift Leukemia veröffentlichten Erkenntnisse.

Insgesamt wurden 37 Patientinnen und Patienten, bei denen alle verfügbaren Therapien ausgeschöpft waren, in die multizentrische Studie aufgenommen. Bei 17 von ihnen führte das Münchner Leukämielabor (MLL) eine Ganzgenomsequenzierung durch. 

Antigenverlust und Mutation bei der Hälfte der Patienten

Die Ergebnisse zeigen, dass bei etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten die Tumorzellen selbst die Resistenz verursachen. Das bedeutet, dass der Tumor durch Mutationen dafür gesorgt hat, dass die Immuntherapie nicht mehr wirkt. In diesem Fall spricht man von tumorintrinsischer Resistenzentwicklung. Bei der anderen Hälfte sind die Mechanismen hingegen noch völlig ungeklärt. Möglicherweise liegen diese in der Epigentik, im Immunsystem oder in der Mikroumgebung, also den gesunden Zellen in der Umgebung des Tumors. An dieser Stelle gibt es noch viel zu entdecken. 

Sind Zielantigene BCMA oder GPRC5D auf den Myelomzellen noch intakt, kann die Immuntherapie ein zweites Mal gegeben werden

Was bedeuten diese Erkenntnisse für die weitere Behandlung? Sind die Schlüsselantigene für die Immuntherapie noch intakt, kann diese ein zweites Mal gegeben werden. Das Protein BCMA ist der Angriffspunkt für CAR-T-Zellen und GPRC5D für einen bispezifischen Antikörper. „In unserer Kohorte am UKW haben alle Patientinnen und Patienten mit vorhandenen Antigenen auf die erneute Immuntherapie angesprochen und waren im Median neun Monate in Remission“, berichtet Christine Riedhammer. Bei der Therapie des Multiplen Myeloms gehe es letztendlich in erster Linie noch um eine Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität. 

Letztendlich veranschaulicht die Studie, wie dringend neue Therapien und genaue diagnostische Untersuchungen sind. Denn sie verdeutlicht noch einmal die genetische Komplexität des Multiplen Myeloms sowie die Tumor-Evolution. Jede Therapie, die die Tumorzelle überlebt, macht sie stärker. Die Tumorzelle kann immer leichter überleben und sich teilen, da sie die Tumorsuppressor-Gene sukzessive ausschaltet. Diese Gene sorgen normalerweise dafür, dass kein Tumor entsteht. „Dadurch wird die Biologie immer wilder und die Zellen immer entfesselter“, schildert Leo Rasche. Der Letztautor der Studie zeichnet das Bild einer völlig vernarbten, aber starken Myelomzelle, die durch den Kampf gegen die zahlreichen Medikamentenklassen noch stärker geworden ist. 

Hepta-refraktär ist das neue „Normal“ im klinischen Alltag 

In den letzten Jahrzehnten hat keine andere hämatologische Krebserkrankung mehr neue Medikamentenzulassungen erlebt als das Multiple Myelom, darunter einige der modernsten Wirkstoffklassen. Dennoch bleibt die Erkrankung bislang unheilbar. Patientinnen und Patienten, die gegenüber zwei immunmodulatorischen Substanzen (IMiDs), zwei Proteasom-Inhibitoren (PIs) und einem CD38-Antikörper resistent sind, werden als „penta-refraktär“ bezeichnet. Früher betrug ihr medianes Überleben nur 5,6 Monate. Durch das Aufkommen neuartiger Immuntherapien, wie CAR-T-Zellen und bispezifische T-Zell-aktivierende Antikörper (T-Cell Engagers, TCE), die gegen Plasmazell-Antigene wie BCMA und GPRC5D gerichtet sind, haben sich die Behandlungsergebnisse für diese Patientengruppe deutlich verbessert. Ein Drittel der Patientinnen und Patienten sind fünf Jahre nach der CAR-T-Zellbehandlung noch rezidivfrei. Bei den meisten Patienten konnten diese neuen Immuntherapien bislang jedoch kein dauerhaftes Überlebensplateau erreichen, viele erleiden letztlich einen Rückfall. Diese „hepta-refraktären“ Patienten (penta-refraktär plus Resistenz gegenüber BCMA- und GPRC5D-gerichteten Therapien) werden im klinischen Alltag zunehmend häufiger gesehen. Am UKW werden derzeit rund 40 hepta-refraktäre Patientinnen und Patienten betreut. Solange die Erkrankung nicht geheilt werden kann, wird dieses hepta-refraktäre Stadium laut Leo Rasche bald das neue „Normal“.

Publikation: Riedhammer, C., Truger, M., Lee, H. et al. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation 

Die beiden Forschenden stehen auf der Terrasse der Medizinischen Klinik II des UKW, im Hintergrund der Helikopter-Landeplatz
Christine Riedhammer und Leo Rasche vom Myelomzentrum des Uniklinikums Würzburg zeigen in einer multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. © Christine Riedhammer / UKW
Die Grafik zeigt eine Zusammenfassung, Circos plot, der genetischen Veränderungen bei 17 Myelom-Patientinnen und -Patienten, deren Tumorerbgut mit Whole Genom Sequencing vollständig untersucht wurde. Schwarze Linien markieren größere Umbauten zwischen verschiedenen Chromosomen. Blaue Bereiche stehen für zusätzliche Kopien von Erbgut, rote für verlorenes Erbgut. Im äußeren Ring sind Gene mit wichtigen Mutationen (rot und schwarz) sowie Veränderungen mit noch unklarer Bedeutung (grau) an ihrer jeweiligen Position im Erbgut dargestellt. © Quelle: Riedhammer, C., Truger, M., Lee, H. et al. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3
Hier wurde ein modifizierter Arztbrief eines Patienten mit hepta-refraktärem Myelom den Ergebnissen des Whole-Genome-Sequencing der Myelomzellen gegenübergestellt, um die therapiebedingten „Spuren” im Tumorerbgut zu verdeutlichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, warum manche Folgetherapien wirkungslos geblieben sind: Die Schlüsselantigene, die als Angriffspunkte für die jeweiligen Therapien dienen, waren nicht mehr intakt. © Christine Riedhammer / UKW

Gemeinsam bewegen und Gutes tun

Der TV Marktbreit spendet an die Elterninitiative Regenbogen

Helmut Vetter, Erika Rupp und Tanja Vetter vom TV Marktbreit und Nadine Kempa von der Elterninitiative Regenbogen bei der Scheckübergabe.
Helmut Vetter, Erika Rupp und Tanja Vetter vom TV Marktbreit und Nadine Kempa von der Elterninitiative Regenbogen bei der Scheckübergabe (von links). Foto: Denise Lampert

Der TV 1861 Marktbreit e.V. unterstützt die Elterninitiative Regenbogen e.V. mit einer Spende in Höhe von 1.000€. Zusammengekommen ist dieser Betrag im Rahmen einer Gymnastikstunde, bei welcher der Turnverein für jeden Teilnehmer 10€ für den guten Zweck spendete. Zahlreiche Sportlerinnen und Sportler fanden sich am 27. Januar in der Turnhalle der Grundschule in Marktbreit ein und unterstützen die Aktion in Form von zusätzlichen Spenden. Trainerin Tanja Vetter zeigte sich überrascht von der Teilnehmerzahl, die ihre Erwartungen überstieg, und betonte im Gespräch mit der Elterninitiative die Hilfsbereitschaft der Teilnehmer. Vergangene Woche konnte der Spendenbetrag an die Elterninitiative Regenbogen übergeben werden. Mit der Spende unterstützt der TV Marktbreit das vielfältige Angebot der Elterninitiative für krebskranke Kinder und Jugendliche und deren Familien. Für sportliche Abwechslung sorgt die Elterninitiative auf den Kinderkrebsstationen des Uniklinikums mit der Finanzierung zweier Sporttherapeuten, die bei den Patienten für mehr Bewegung sorgen. Darüberhinaus begleitet die Elterninitiative verwaiste Eltern und Geschwister mit speziell auf diesen zugeschnittenen Angeboten wie gemeinsamen Wanderungen oder Gesprächskreisen.

Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich beim TV Marktbreit sowie allen Teilnehmern der Gymnastikstunde für ihre Unterstützung.

Text: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.
 

Helmut Vetter, Erika Rupp und Tanja Vetter vom TV Marktbreit und Nadine Kempa von der Elterninitiative Regenbogen bei der Scheckübergabe.
Helmut Vetter, Erika Rupp und Tanja Vetter vom TV Marktbreit und Nadine Kempa von der Elterninitiative Regenbogen bei der Scheckübergabe (von links). Foto: Denise Lampert

Genetische Herzmuskelerkrankung ARVC: Experten, Ärzte und Betroffene im Austausch

ARVC erkennen, verstehen, behandeln und mit der seltenen Herzmuskelerkrankung leben: Hochkarätiges Fach- und Patientensymposium in Würzburg

Die meisten Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Vereins ARVC-Selbsthilfe e.V. bereichern die Würzburger Symposien zu Arrhythmogenen Kardiomyopathien am 6./7. März 2026 mit ihrer Expertise. Der Sprecher des Beirats, Eric Schulze-Bahr vom Universitätsklinikum Münster (hintere Reihe, 2. v. r.) moderiert gemeinsam mit Brenda Gerull (vordere Reihe, links) das Ärztesymposium. Die Düsseldorfer Sportkardiologin Susanne Berrisch-Rahmel (vorne rechts) referiert zum Beispiel über den jungen athletischen Patienten, Grundlagenforscherin. Larissa Fabritz vom UKE (hinten links) spricht u. a. über medikamentöse Therapien. Hendrik Milting (vorne, Mitte) aus Bad Oeynhausen beleuchtet die genetische Diagnostik. Eimo Martens aus München (2. Reihe, links) stellt bei dem von Ruth Biller (2. v.r.) organisierten ARVC-Symposium ICDs vor, Matthias Paul aus Münster (2. Reihe, 2. v.l.) leitet einen Workshop zu ARVC-Basics. © Andreas Reiter

Rund um den Tag der Seltenen Erkrankungen laden das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz und die ARVC-Selbsthilfe e. V. zu zwei kostenfreien Symposien über Arrhythmogene Kardiomyopathien in Würzburg ein - mit aktuellen Erkenntnissen zu Diagnostik und Therapie der seltenen, genetisch bedingten Herzmuskelerkrankung und Prävention des plötzlichen Herztods.

Würzburg. Wenn das Herz aus dem Takt gerät oder schwächer wird, kann eine seltene Erkrankung dahinterstecken: die arrhythmogene (rechtsventrikuläre) Kardiomyopathie (ARVC/ACM). Bei dieser genetisch bedingten, eher seltenen Herzmuskelerkrankung verändert sich der Herzmuskel – oft in der rechten, aber auch der linken Herzkammer – schleichend. Dabei wird gesundes Muskelgewebe durch Fett- und Bindegewebe ersetzt, was das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz deutlich erhöht. Besonders tragisch ist, dass ARVC/ACM häufig junge, sportlich aktive Menschen betrifft und zu den wichtigsten Ursachen für den plötzlichen Herztod im jungen Erwachsenenalter zählt. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Betreuung können Leben retten.

Freitag: Ärztesymposium des DZHI „Arrhythmogene Kardiomyopathien (ACM): Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven“ 

Wann sollte man bei der Differentialdiagnostik an eine ARVC/ACM denken? Welche innovativen Therapien kommen in Frage? Und warum macht eine molekulare Autopsie Sinn? Diese und weitere Fragen werden beim Ärztesymposium „Arrhythmogene Kardiomyopathien (ACM): Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven“ am Freitag, dem 6. März, von 14 bis 18 Uhr im Hörsaal des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) auf dem Gelände des Uniklinikums Würzburg (UKW) beantwortet. „Wir werden viele interessante Themen besprechen, die auch für andere genetisch bedingte Kardiomyopathien und Herzrhythmusstörungen relevant sind. Neben der klinischen und genetischen Diagnostik sowie aktuellen Therapien stehen auch Aspekte wie Sport und psychokardiologische Aspekte auf der Agenda“, kündigt Prof. Dr. Brenda Gerull an. Die Kardiologin der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des UKW leitet das Department für Kardiovaskuläre Genetik am DZHI. Für das Symposium konnte sie zahlreiche hochkarätige Referentinnen und Referenten aus ganz Deutschland gewinnen und freut sich über einen regen Austausch, der am nächsten Tag um den Kreis der Patientinnen und Patienten erweitert wird. 

Samstag: Symposium der ARVC-Selbsthilfe e. V. für Betroffene, Angehörige und Interessierte 

Am 7. März findet im DZHI nämlich das erste Würzburger ARVC-Symposium des Vereins ARVC-Selbsthilfe e. V. statt. Die Organisation hat federführend die Vorstandsvorsitzende und Gründerin des Vereins, Dr. Ruth Biller, übernommen. „Als unsere älteste Tochter Judith 2011 aus vermeintlich völliger Gesundheit heraus am plötzlichen Herztod verstarb, wurde mein Leben, das ich bis dahin auf der Sonnenseite verbracht hatte, komplett auf den Kopf gestellt. Die Diagnose ARVC erhielt unsere Familie erst ein Jahr später nach einer in dieser Situation extrem belastenden Odyssee“, erzählt sie und fügt hinzu: „Heute trage ich auf vielfältigen Wegen mit der ARVC-Selbsthilfe dazu bei, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern, ihnen ein ähnliches Familienschicksal zu ersparen und eine Zukunftsperspektive zu bieten.“ Dafür vernetzt sie sich national und international mit Expertinnen und Experten aus Klinik, Praxis und Forschung sowie mit anderen Patientenorganisationen.

Veranstaltung rund um den Tag der Seltenen Erkrankungen

Ruth Biller und Brenda Gerull, die im wissenschaftlichen Beirat der ARVC-Selbsthilfe aktiv ist, versprechen einen abwechslungsreichen Tag mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und erstmalig Workshops und Live-Q&A-Sessions für Betroffene und Angehörige. Durch den Tag führt die Moderatorin Ulrike Ostner vom Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, „Notizbuch/Gesundheitsgespräch“). Die Veranstaltung, die bewusst um den Tag der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar gelegt wurde, wird finanziell vom BKK-Dachverband und dem European Reference Network (ERN GUARD-Heart) unterstützt. 

Die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist kostenfrei. Für das Ärztesymposium, das mit vier Fortbildungspunkten zertifiziert wird, ist keine Anmeldung erforderlich. Für das ARVC-Symposium gibt es bereits weit über 100 Anmeldungen, sodass inzwischen eine Warteliste geführt wird. Interessierte können auf der Webseite arvc-selbsthilfe.org und unter der E-Mail-Adresse info@arvc-selbsthilfe.org weitere Informationen einholen.

Programm des Ärztesymposiums

Programm des ARVC-Symposiums

Die meisten Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Vereins ARVC-Selbsthilfe e.V. bereichern die Würzburger Symposien zu Arrhythmogenen Kardiomyopathien am 6./7. März 2026 mit ihrer Expertise. Der Sprecher des Beirats, Eric Schulze-Bahr vom Universitätsklinikum Münster (hintere Reihe, 2. v. r.) moderiert gemeinsam mit Brenda Gerull (vordere Reihe, links) das Ärztesymposium. Die Düsseldorfer Sportkardiologin Susanne Berrisch-Rahmel (vorne rechts) referiert zum Beispiel über den jungen athletischen Patienten, Grundlagenforscherin. Larissa Fabritz vom UKE (hinten links) spricht u. a. über medikamentöse Therapien. Hendrik Milting (vorne, Mitte) aus Bad Oeynhausen beleuchtet die genetische Diagnostik. Eimo Martens aus München (2. Reihe, links) stellt bei dem von Ruth Biller (2. v.r.) organisierten ARVC-Symposium ICDs vor, Matthias Paul aus Münster (2. Reihe, 2. v.l.) leitet einen Workshop zu ARVC-Basics. © Andreas Reiter

Neuer Hybrid-Operationssaal erfolgreich im Einsatz

Mehr Sicherheit, kürzere Wege und präzisere Eingriffe: Hybrid-OP des UKW vereint Bildgebung und operative Therapie

Der 66 Quadratmeter große Hybrid-OP wird von verschiedenen Klinikbereichen des UKW genutzt. © Kim Sammet / UKW
Der 66 Quadratmeter große Hybrid-OP wird von verschiedenen Klinikbereichen des UKW genutzt. Auf dem Bild: Dr. Khaled Hamouda, Prof. Stefan Frantz, Privatdozent Frank Schönleben, Kristin Uhl. © Kim Sammet / UKW
OP-Pflegekraft Ayse Ceylan steuert die neue Röntgenanlage im Hybrid-OP des UKW. © Kim Sammet / UKW
OP-Pflegekraft Ayse Ceylan steuert die neue Röntgenanlage im Hybrid-OP des UKW. © Kim Sammet / UKW
Einblicke in den neuen Hybrid-OP am UKW

Würzburg. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) wird nun in einem neuen Hybrid-Operationssaal operiert. Der 66 Quadratmeter große Raum vereint modernste hochauflösende radiologische Bildgebung und voll ausgestattete operative Infrastruktur.

Ein konkretes Beispiel: Bei einem Aortenaneurysma, einer potenziell lebensbedrohlichen Erweiterung der Hauptschlagader, ist die exakte und zügige Platzierung eines Stents zur Stabilisierung der Arterie und Ausschaltung des Aneurysmas entscheidend für den Behandlungserfolg. Gefäßchirurginnen und -chirurgen implantieren diesen Stent im Hybrid-OP. Dank integrierter Echtzeit-Bildgebung lassen sich dessen Platzierung und der Blutfluss unmittelbar kontrollieren – ohne Umlagerung des Patienten und ohne Zeitverlust zwischen Diagnostik und Therapie.

„Mit unserem neuen Hybrid-OP setzen wir Maßstäbe in der intraoperativen Diagnostik und Behandlung. Er stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit und ermöglicht hochkomplexe Eingriffe auf universitärem Spitzenniveau“, sagt Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW.

Die parallele Durchführung von Diagnostik und Therapie hat spürbare Vorteile für Patientinnen und Patienten sowie für die Behandlungsteams, darunter kürzere Eingriffszeiten, maximale Präzision durch Echtzeit-Bildgebung, der größtmögliche Erhalt gesunden Gewebes und zusätzliche Sicherheit durch direkte intraoperative Kontrollmöglichkeiten. 

Umbau und Modernisierung in Eigenregie

Im April 2025 begann unter der Leitung des Geschäftsbereichs „Technik und Bau“ des UKW der Umbau des spezialisierten Operationsbereichs. Dabei wurde der Hybrid-OP in den zentralen OP-Bereich des Zentrums für Operative Medizin integriert. Zudem wurde auch ein großer Teil des Operationstrakts modernisiert und reorganisiert. Nach einer Bauzeit von neun Monaten ging der neue Hybrid-Operationssaal am 19. Januar 2026 erfolgreich in Betrieb.

Mit dem Umzug wurde die technische Ausstattung des Hybrid-OP‘s modernisiert und deutlich erweitert. Die Bildgebung erfolgt nun über einen flexibel steuerbaren, bodengebundene Roboterarm, während früher eine fest an der Decke montierte Anlage genutzt wurde. „Die neue Bauart ermöglicht eine optimale Flächennutzung, optisch ähnelt der Hybrid-OP einem konventionellen OP-Saal“, erläutert Dr. András K. Szabó, Leiter des OP-Managements am UKW. „Dadurch finden sich die unterschiedlichen chirurgischen Teams schnell zurecht und der Saal kann sehr flexibel für verschiedene Eingriffe genutzt werden.“ 

Flexible Nutzung für mehrere Fachdisziplinen 

Der Hybrid-OP wird für Eingriffe der Gefäßchirurgie sowie gemeinsame Eingriffe der Kardiologie und Herzchirurgie genutzt. Perspektivisch wird auch die Unfallchirurgie des UKW im Hybrid-OP operieren.

„Bei kathetergestützten Herzklappentherapien werden die Herzklappen in der Mehrzahl der Fälle über die Leistenarterie eingebracht. Wir haben also bei der Implantation keine direkte Sicht auf die zu ersetzende Klappe, sondern sind auf präzise Bildinformationen angewiesen. Gleichzeitig wird aber das komplette Arbeitsumfeld eines OP-Saals benötigt; in seltenen Fällen muss auch einmal auf einen offenen Eingriff gewechselt werden. Der Hybrid-OP ist also das ideale Arbeitsumfeld, um modernste Herzklappen exakt und sicher zu implantieren“, betont Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I.

„Mit dem neuen robotergestützten Angiografie-System im Hybrid-OP können wir unsere Patientinnen und Patienten noch gezielter und schonender behandeln. Insbesondere bei komplexen arteriellen Erkrankungen wie Aneurysmen unterstützt die Anlage wie ein Navigationssystem dabei, die notwendigen Prothesen punktgenau an den betroffenen Stellen einzusetzen. Die neu angeschaffte Röntgenanlage lässt sich sehr präzise steuern und liefert hervorragende Bilder. Diese exzellenten Rahmenbedingungen tragen wesentlich zu einer gesteigerten Patientensicherheit bei“, ergänzt Privatdozent Dr. Frank Schönleben, Leiter der Gefäßchirurgie in der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des UKW.

Verbesserte Arbeitsbedingungen für OP-Pflegekräfte

In der OP-Schleuse wurde im Zuge der Umbauarbeiten ein deckenmontierter Patientenlifter installiert. Dieser erleichtert das Umlagern narkotisierter Patientinnen und Patienten zwischen Klinikbett und OP-Tisch. „Der Lifter ermöglicht den Pflegekräften rückenschonendes und sicheres Arbeiten und gewährleistet zugleich ein hohes Maß an Patientensicherheit“, erklärt Kristin Uhl, Gesamtleitung der OP-Pflege im Zentral-OP.

Weitere Informationen zum Zentral-OP und weiteren OP-Bereichen des UKW

Im Zentral-OP des Zentrums für Operative Medizin operieren fünf Kliniken des UKW in 18 Operationssälen:

  • die Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie,
  • die Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie,
  • die Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie,
  • die Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie und
  • die Medizinische Klinik I.

Weitere OP-Bereiche des UKW befinden sich in der Kopfklinik (Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Neurochirurgie und Augenklinik), der Frauenklinik, der Dermatologie sowie in der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie.

Weitere Stimmen zum neuen Hybrid-OP 

  • „Wie der Name schon sagt, vereint der Hybrid-Saal die Vorteile einer chirurgischen Operation mit denen einer röntgengeführten Intervention. Dadurch können unsere Patientinnen und Patienten noch schonender und effizienter behandelt werden.“ – Dr. Khaled Hamouda, Stellvertretender Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie
  • „Aus anästhesiologischer Sicht ist der Hybrid-OP ein zentraler Baustein moderner Hochleistungsmedizin. Die Kombination aus Raum, Technologie und interdisziplinärer Zusammenarbeit schafft die Grundlage für eine individualisierte, hochpräzise Patientenversorgung.“ - Privatdozent Dr. Maximilan Kippnich, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie
  • „Da der OP-Betrieb uneingeschränkt weiterlaufen musste, wurden die Bauarbeiten für den neuen Hybrid-Operationssaal während des laufenden Betriebs realisiert. Das erforderte eine präzise Abstimmung aller Beteiligten sowie ein hohes Maß an Flexibilität. Zusätzlich zu den ausführenden Gewerken waren phasenweise mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden unserer Bauabteilung parallel im Projekt eingebunden.“ – Bertram Bräutigam, Leiter der Abteilung „Bau“ im Geschäftsbereich Technik und Bau
  • „Für die erfolgreiche Neugestaltung des Hybrid-OP‘s war vor allem das fachübergreifende Miteinander während der gesamten Projektdauer entscheidend. Nur durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Vorstand, Ärzteschaft, Pflege, Einkauf, Planern und Technikern konnte das Projekt im vorgesehenen Zeitplan umgesetzt werden.“ – Jörn Braungardt, Leiter des Geschäftsbereichs Technik und Bau
  • „Die minimalinvasive, Katheter-basierte Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen gehört zu den großen medizinischen Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. Gerade ältere, aber zunehmend auch jüngere Erkrankte profitieren maximal von einer stetig wachsenden Anzahl hocheffektiver, schonender Therapieverfahren. Der neue Hybrid-OP setzt hier neue Maßstäbe, um in diesem wichtigen Behandlungsfeld auch für die Zukunft die bestmögliche Therapie für unsere Patientinnen und Patienten am UKW zu ermöglichen.“ – Privatdozent Dr. Peter Nordbeck, Leiter der Kardiologie und des Herzkatheterlabors in der Medizinischen Klinik I

 

Text: Annika Wolf / UKW

Einblicke in den neuen Hybrid-OP am UKW

„Startschuss für Generationenvorhaben am Universitätsklinikum Würzburg“

Das bayerische Kabinett hat am 24. Februar den Startschuss für ein echtes Generationenvorhaben am Universitätsklinikum Würzburg gegeben

Das Modell zeigt den ersten Bauabschnitt für das Erweiterungsgelände Nord am UKW. Fotonachweis: H.-P. Wuthenow
Das Modell zeigt den ersten Bauabschnitt für das Erweiterungsgelände Nord am UKW. Fotonachweis: H.-P. Wuthenow

Schweinfurt/München. „Das bayerische Kabinett hat heute den Startschuss für ein echtes Generationenvorhaben am Universitätsklinikum Würzburg gegeben: Nordbayerns größte Baumaßnahme kann im Herbst starten! Dann beginnen die Bauarbeiten auf dem Erweiterungsgelände Nord mit der ersten Erschließungsmaßnahme. 116 Millionen Euro planen wir dafür ein. Die Hochbaumaßnahmen des ersten Bauabschnitts können dann ab 2029 folgen“, betont Wissenschaftsminister Markus Blume nach der heutigen Kabinettssitzung in Schweinfurt. „Damit senden wir das klare Signal in die Region: Die bayerische Staatsregierung steht zur Weiterentwicklung des Universitätsklinikums Würzburg und treibt den Ausbau kraftvoll voran“, so Blume. Eine Zustimmung des Haushaltsausschusses im Bayerischen Landtag zu den vorgezogenen Erschließungsmaßnahmen wird zeitnah eingeholt. 

Die Erschließung des Geländes ist Voraussetzung für die weitere Umsetzung des ersten Bauabschnitts. Die Vorabmaßnahme beinhaltet u.a. den notwendigen Oberbodenabtrag und Teilaushub, einen Interimsparkplatz, einen Interims-Hubschrauberlandeplatz, die Errichtung von Trafostationen zur Baustromversorgung, die Herstellung von Baustraßen außerhalb des Baufeldes und die Verlegung von Wasser-, Gas- und Wärmwärmeleitungen.

Wissenschaftsminister Blume weiter: „Die Weiterentwicklung des Universitätsklinikums Würzburg ist ein Vorzeigeprojekt der universitären Spitzenmedizin. Auch künftig wollen wir dort für die kommenden Generationen eine hochwertige medizinische und zeitgemäße Patientenversorgung gewährleisten und Forschung und Lehre auf höchstem Niveau anbieten. Dafür braucht es in zwei Bauabschnitten die Erweiterung des Universitätsklinikums im Stadtteil Grombühl.“

Der erste Bauabschnitt sieht Neubauten für das Kopfklinikum, das Zentrum Frauen-Mutter-Kind und auch eine Energiezentrale vor. Dort ist die Unterbringung der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Augenklinik, Frauenheilkunde, Operationssäle, Intensivpflege sowie Zentraleinrichtungen vorgesehen. Der zweite Bauabschnitt soll neben Planbetten u.a. Notaufnahme, Kinderchirurgie und -urologie, Kinder- und Jugendmedizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie, Neuroradiologie und einen OP-Bereich beherbergen.

Quelle: Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst vom 24.02.2026

Das Modell zeigt den ersten Bauabschnitt für das Erweiterungsgelände Nord am UKW. Fotonachweis: H.-P. Wuthenow
Das Modell zeigt den ersten Bauabschnitt für das Erweiterungsgelände Nord am UKW. Fotonachweis: H.-P. Wuthenow

Fachverbände fordern strikte Altersgrenzen für digitale Medien

Eine neue wissenschaftliche Stellungnahme warnt vor Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche durch digitale Medien. Fachgesellschaften fordern klare Altersgrenzen und stärkeren Kinderschutz.

Kinder und Jugendliche bei der Nutzung digitaler Medien.
Ob und wie die Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen reguliert werden soll, ist Gegenstand einer aktuellen Diskussion. (Bild: Drazen Zigic / AdobeStock)

Über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wird in Deutschland aktuell breit diskutiert. Dazu liegt nun eine aktuelle wissenschaftliche Stellungnahme vor, an der Professorin Andrea Reiter seit Sommer 2025 als Teil einer Ad-hoc-Experten-Arbeitsgruppe mitgewirkt hat. Andrea Reiter leitet an der Universität Würzburg die Professur für Psychotherapie und Interventionspsychologie.

Die Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) hat die Stellungnahme erarbeitet. Weitere führende Fachgesellschaften und Verbände aus Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie haben sie mit unterzeichnet. Die Stellungnahme basiert auf aktuellen Studien, internationalen Empfehlungen sowie neurobiologischen und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen.

Forschende sehen Chancen, aber auch erhebliche Risiken

Das Papier zeigt: Trotz großer Chancen der Digitalisierung bergen viele digitale Angebote erhebliche Risiken für die psychische, soziale und körperliche Entwicklung junger Menschen. Besonders betroffen sind Kleinkinder, Kinder im Vorschulalter und Schülerinnen und Schüler bis 14 Jahre.

Die Fachverbände fordern deshalb klare Altersgrenzen für Smartphones, Social Media und KI-Chatbots, ein Verbot manipulativer Designmechanismen, verbindliche Medienkonzepte in Kitas und Schulen sowie eine deutlich stärkere Verantwortung der Anbieter digitaler Dienste.

Sie fordern außerdem die Finanzierung weiterer Forschung: „Gerade bei Kindern ist die Studienlage bislang noch begrenzt“, sagt Professorin Andrea Reiter. „Wir können bislang zwar mögliche Zusammenhänge beschreiben, aber keine kausalen Aussagen treffen.“

Frühe Kindheit (0–5 Jahre): „Bildschirmfrei ist gesund“

Für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen die Fachgesellschaften eine weitgehende Bildschirmabstinenz – Ausnahmen sind zum Beispiel Videotelefonate mit Verwandten oder digitale Bilderrahmen.

Hintergrund für diese Empfehlung sind Studien, denen zufolge eine frühe Bildschirmnutzung zusammenhängen kann mit:

  • Störungen des Schlafs,
  • verzögerter Sprachentwicklung,
  • beeinträchtigter Aufmerksamkeitsentwicklung,
  • und einer Schwächung der Eltern-Kind-Interaktion.

Künftig sollten alle Bildschirmgeräte einen Hinweis tragen:

„Nicht geeignet für Kinder von 0–3 Jahren – die Bundesgesundheitsministerin empfiehlt: Dieser Bildschirm schadet der Entwicklung Ihres Säuglings und Kleinkindes.“

Kitas sollen bundesweit einheitliche Standards erhalten: keine Bildschirme für 0–3-Jährige, und nur begleitete, reflektierte Mediennutzung für 4–5-Jährige.

Smartphone und Social Media erst ab 14

Kinder erhalten in Deutschland immer früher ein eigenes Smartphone. Neuere Studien, die in der aktuellen Stellungnahme aufgegriffen werden, zeigen jedoch, dass ein früher Smartphone-Besitz mit höheren Risiken für Depressionen, Schlafprobleme und Übergewicht im Jugendalter einhergeht.

Die Fachgesellschaften fordern daher:

  • Kein Smartphone vor 14 Jahren
  • Keine Nutzung algorithmischer Sozialer Medien vor 14 Jahren (TikTok, Instagram, Snapchat etc.)
  • Begrenzte, begleitete Messenger-Nutzung
  • Kein Zugang zu KI-Chatbots vor 14 Jahren

Digitale Spiele sollen nur mit wirksamer Altersverifikation und ohne Kontaktmöglichkeiten zu Fremden erlaubt sein.

Zugleich wird eine Rückbesinnung auf analoge Freizeitaktivitäten gefordert – auch weil viele Kinder inzwischen weniger Zeit draußen verbringen und seltener lesen.

14–18 Jahre: Stärkerer Schutz vor Sucht, Manipulation und Missbrauch

Die Stellungnahme dokumentiert auch Zusammenhänge zwischen problematischer Mediennutzung und

  • Angststörungen
  • depressiven Symptomen
  • Schlafstörungen
  • Essstörungen
  • verminderter Schulleistung
  • vermehrtem Cybermobbing
  • erhöhtem Risiko für Verhaltenssüchte (Gaming, Social Media, Online-Shopping)

Besonders stark kritisieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler manipulative Designmechanismen („Dark Patterns“) wie Lootboxen (digitale Überraschungspakete in Videospielen), Endlos-Scrollen oder personalisierte Werbung. Diese sollen für Minderjährige verboten werden.

Für Schulen gilt laut der Empfehlung: Keine privaten Smartphones im Schulalltag. Stattdessen sollen pädagogisch verwaltete Geräte genutzt werden.

Forderungen an Politik und Plattformbetreiber

Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften fordern unter anderem:

  • Verbindliche Altersgrenzen für Gerätebesitz, Social Media, KI-Chatbots und Online-Games
  • Strenge Altersverifikation nach EU‑DSA
  • Verbot personalisierter Werbung an Minderjährige
  • Verbot manipulativer Designmechanismen
  • Schulische Medienkompetenz ab Klasse 1 – bundeslandübergreifend einheitlich
  • Forschungsförderung und regelmäßiges nationales Monitoring
  • Förderung der Medienkompetenz bei Eltern, die sich bislang oft wenig unterstützt fühlen
     

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Wissenschaftliche Stellungnahme "Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" (pdf)

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 25.02.2026

Kinder und Jugendliche bei der Nutzung digitaler Medien.
Ob und wie die Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen reguliert werden soll, ist Gegenstand einer aktuellen Diskussion. (Bild: Drazen Zigic / AdobeStock)

Infoabend: Endometriose ist behandelbar

„Endometriose – nicht heilbar, aber behandelbar“ – das ist der Titel eines Informationsabends, zu dem die Würzburger Universitäts-Frauenklinik am Dienstag, 24. März 2026, betroffene Frauen und alle sonstigen Interessierten herzlich einlädt. Angesprochen werden aktuelle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie die Chancen, die sich aus einer strukturierten Selbstfürsorge und aus der Beteiligung an einer neu entstehenden Selbsthilfegruppe ergeben.

 

Urkunde vom zertifizierten Endometriosezentrum.
Als zertifiziertes Endometriosezentrum verfügt die Würzburger Universitäts-Frauenklinik über umfassende Kompetenzen bei der Diagnostik, Behandlung und Erforschung der komplexen Erkrankung. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Endometriose ist eine häufige und komplexe gynäkologische Erkrankung. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Frauen davon betroffen. Grund genug für die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), der gutartigen Erkrankung jährlich einen kostenlosen Informationsabend zu widmen, jeweils unter wechselnden Aspekten. Die nächste Ausgabe findet am Dienstag, 24. März 2026 statt.
Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Frauenklinik, erläutert: „Bei der Endometriose wachsen gebärmutterschleimhautähnliche Zellverbände außerhalb der Gebärmutterhöhle, also zum Beispiel im Scheidenbereich, im Bauchfell, in den Eierstöcken oder in der Darmwand. Je nach Lokalisation und Einzelfall kann dies zu sehr unterschiedlichen Beschwerden führen.“

Endometriose verstehen – Schmerzen ernst nehmen

Diese unspezifischen Symptome und oft langen Diagnosewege führen dazu, dass Betroffene jahrelang mit Schmerzen leben, ohne eine klare Ursache zu kennen. Privatdozentin Dr. Saskia-Laureen Herbert, die stellvertretende Leiterin des zertifizierten Endometriosezentrums des UKW, klärt beim Infoabend über die Möglichkeiten der Diagnostik auf – von der strukturierten Anamnese über Ultraschall bis hin zur Magnetresonanztomographie (MRT). „Wir wollen Frauen ermutigen, anhaltende Schmerzen konsequent abklären zu lassen“, unterstreicht Dr. Herbert.

Präsentation der verschiedenen Therapieoptionen

„Wie es der Titel unseres Infoabends beschreibt, ist Endometriose zwar bisher nicht heilbar, aber die mit der Erkrankung verbundenen Beschwerden lassen sich durchaus gut therapieren“, sagt Dr. Anastasia Altides. Die Leiterin des Endometriosezentrums stellt in ihrem Vortrag medikamentöse, hormonelle und operative Behandlungswege vor. „Falls eine Operation die besten Ergebnisse verspricht, sollte diese grundsätzlich minimal-invasiv erfolgen. Hier können wir in der Universitäts-Frauenklinik Würzburg neben der konventionellen Laparoskopie auch robotisch unterstützte Systeme anbieten“, schildert Dr. Altides.

Chancen der Selbstfürsorge

Neben der Behandlung in einem spezialisierten Zentrum können auch die Patientinnen sich selbst viel Gutes tun. Welche Chancen in Selbstmanagement und Selbstfürsorge stecken, beschreibt Prof. Dr. Imad Maatouk, Schwerpunktleiter für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Klinik II des UKW. 

Als für seine Selbsthilfefreundlichkeit ausgezeichnetes Krankenhaus freut sich Würzburger Uniklinikum zudem, am Infoabend zu kommunizieren, dass sich derzeit auch für Endometriose eine Selbsthilfegruppe herausbildet. 

Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine ausführliche Diskussionsrunde mit dem Auditorium.

Der Informationsabend findet um 18:00 Uhr im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin des UKW an der Oberdürrbacher Straße 6 statt.
Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis spätestens 17. März 2026 erforderlich unter 
https://service.ukw.de/Formular/?u=ver_24_03_2026_frauenklinik 

Text: Pressestelle / UKW
 

Urkunde vom zertifizierten Endometriosezentrum.
Als zertifiziertes Endometriosezentrum verfügt die Würzburger Universitäts-Frauenklinik über umfassende Kompetenzen bei der Diagnostik, Behandlung und Erforschung der komplexen Erkrankung. © Daniel Peter / UKW