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Wie das Gehirn entscheidet. Dominik Groos erforscht die uralten Schaltkreise hinter Verhalten und Motivation

Mit Humboldt-Stipendium von Zürich nach Würzburg und zur eigenen Emmy Noether-Forschungsgruppe

Dominik Groos vor einer Glastür mit der Beschriftung ikn Institut für Klinische Neurobiologie
Der experimentelle und theoretische Neurowissenschaftler, Dr. Dominik Groos, baut am Universitätsklinikum Würzburg eine eigene Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. © Katrin Walter / UKW
Die beiden Wissenschaftler sitzen am Tisch - vor sich der Ausdruck einer Publikation
Mit einem Humboldt-Forschungsstipendium kam Dr. Dominik Groos (rechts) von der Universität Zürich ans Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie zu Prof. Dr. Philip Tovote. © Katrin Walter / UKW

Der experimentelle und theoretische Neurowissenschaftler Dr. Dominik Groos kommt mit einem Humboldt-Forschungsstipendium von der Universität Zürich zu Prof. Dr. Philip Tovote ans Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie und baut am Universitätsklinikum Würzburg demnächst eine eigene Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. Seine Forschung zeigt, wie evolutionär alte Hirnnetzwerke Risiko, Belohnung und Körperzustand miteinander verbinden – und eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis psychischer und metabolischer Erkrankungen.

Würzburg. Sein Fokus liegt auf wertebasierten Entscheidungsfindungen. Um diese zu erforschen taucht der Neurowissenschaftler Dr. Dominik Groos in evolutionär alte Hirnstrukturen wie den Hypothalamus ab, der Informationen aus Körper und Gehirn zusammenführt. Diese alten Hirnnetzwerke entstanden bereits vor vielen Millionen Jahren im Verlauf der Evolution und steuern bis heute sowohl bei Menschen als auch bei anderen Wirbeltieren grundlegende Funktionen wie Hunger, Schmerz oder Stress, aber auch Bewertungs- und Motivationsprozesse. Dies zeigen unter anderem die neuesten Arbeiten von Dominik Groos.

Spezifischer Hypothalamus-Habenula-Kreislauf steuert die Risikobereitschaft

In einer international beachteten Studie (Groos, D., et al. A distinct hypothalamus–habenula circuit governs risk preference, Nature Neuroscience 28, 361–373, 2025,  https://doi.org/10.1038/s41593-024-01856-4) identifizierte Groos mit seinen damaligen Kolleginnen und Kollegen der Universität Zürich beispielsweise bei Mäusen einen bislang unbekannten neuronalen Schaltkreis zwischen Hypothalamus und lateraler Habenula. Dieser beeinflusst die individuelle Bereitschaft, Risiken einzugehen. Während der Hypothalamus innere Zustände wie Hunger, Durst, Schlaf, oder Sexualverhalten steuert, bewertet die Habenula – eine winzige Region im Zwischenhirn – ob eine Handlung das Risiko wert ist. Dabei arbeitet das System keineswegs nach dem Prinzip „Stop“ oder „Go“. Denn überraschenderweise setzen diese hypothalamischen Nervenzellen sowohl den erregenden Neurotransmitter Glutamat als auch die hemmende Gamma-Aminobuttersäure (GABA) frei und senden somit gleichzeitig aktivierende und bremsende Signale an die Habenula.

Information zum Mausexperiment: Konkret bot Groos mit seinem Team an der Universität Zürich den Mäusen die Wahl zwischen einer sicheren Option, bei der sie in jedem Fall eine mittelgroße Belohnung in Form von kleinen Mengen Zuckerwasser erhielten, und einer riskanteren Option, nach deren Wahl die Belohnung entweder wesentlich größer oder wesentlich kleiner ausfiel. Die meisten Tiere waren risikoavers und gingen auf Nummer sicher. Ein Drittel der Mäuse hingegen ging vermehrt ein höheres Risiko ein. Diese Ergebnisse decken sich mit Beobachtungen am Menschen. Die meisten Menschen sind sinnvollerweise risikoavers. Wären alle risikofreudig, wäre die Spezies auf Dauer wegselektioniert. 

Gerade diese feinmodulierte Abstimmung könnte erklären, warum manche Individuen eher Risiken eingehen, während andere vorsichtiger entscheiden. Diese Präferenz war übrigens unabhängig von Geschlecht und zeigte sich als erstaunlich stabile Eigenschaft, die sich sogar vorab erkennen ließ, wie moderne Aktivitätsmessungen und Optogenetik zeigten. So beobachteten die Forschenden mittels Calcium-Imaging, dass die Nervenzellen bereits vor der Wahlhandlung ein Aktivitätsmuster zeigten, das mit der späteren Entscheidung zusammenhing. Durch gezielte Manipulation der zuständigen Hypothalamus-Habenula-Verbindung mittels Optogenetik konnte Groos demonstrieren, dass genau dieser Schaltkreis die Risikobewertung beeinflusst.

Die Optogenetik, die vor über 20 Jahren die Neurowissenschaften revolutioniert hat, ermöglicht inzwischen den Nachweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen einem evolutionär alten Hirnschaltkreis und einem Verhalten. Mithilfe lichtempfindlicher Proteine lassen sich einzelne Nervenzellen und ihre Verbindungen nämlich gezielt mit Licht aktivieren oder hemmen. Dadurch können Forschende heute nicht nur beobachten, welche Hirnschaltkreise bei einer Entscheidung aktiv sind, sondern auch nachweisen, welche davon das Verhalten tatsächlich steuern.

Würzburg als Standort für systemische Neurowissenschaften

Dass Groos seine Forschung am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) mit anfänglicher Unterstützung eines Humboldt-Stipendiums für Postdocs fortsetzt, ist kein Zufall. Er arbeitet mit Prof. Dr. Philip Tovote zusammen, dem Direktor des Instituts für Klinische Neurobiologie (IKN) und Inhaber des Lehrstuhls für Systemische Neurobiologie. Tovote ist einer der international führenden Experten für evolutionär alte Hirnschaltkreise wie das Zentrale Höhlengrau, das beispielsweise Reaktionen wie die sogenannte Schockstarre oder das Fluchtverhalten während Angstzuständen steuert. 

„Wir haben hier eine Forschungsinfrastruktur mit kontrollierten Bedingungen, exzellenter Mauszucht und Experimentalhaltung sowie anspruchsvollen In-vivo-Methoden aufgebaut, die Forschung auf höchstem Niveau ermöglicht. Solche Voraussetzungen gibt es in Deutschland nur an wenigen Standorten – und genau das macht ihn für ambitionierte Nachwuchswissenschaftler so attraktiv“, sagt Philip Tovote. „Ich war hocherfreut, als sich Dominik bei uns bewarb. Mit seinem Forschungsprofil, seiner Leidenschaft und seinem Know-how ergänzt er unser Forschungsprofil der systemischen Neurowissenschaften hervorragend.“ 

Das Forschungsprofil „Systemische Neurowissenschaften“ des UKW: Die Universitätsmedizin Würzburg baute in den vergangenen Jahren den systemischen Blickwinkel auf die Funktion des Nervensystems und das Zusammenspiel von Gehirn und Körpernervensystem sukzessive aus. Ziel ist es, einen Campus für translationale Neurowissenschaften zu etablieren. Einerseits soll die bereits bestehende exzellente Expertise in den verschiedenen Kliniken gebündelt werden, andererseits sollen ambitionierte und herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Dominik Groos die Möglichkeit erhalten, sich hier zu etablieren und ihr Wissen zu teilen. 

Von grundlegenden Mechanismen im Tiermodell hin zum besseren Verständnis menschlicher Erkrankungen

Doch welche Perspektiven eröffnen diese Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung am Tiermodell für die Humanmedizin? „Wir haben viele interessante Puzzleteile aus der systemischen Mausforschung, die zu dem passen, was wir im Menschen sehen“, sagt Dominik Groos. „Wir wissen zum Beispiel, dass bei vielen neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und Suchterkrankungen wertebasiertes Entscheidungsverhalten gestört ist. Auf der anderen Seite gibt es eine starke Überlappung mit metabolischen Erkrankungen.“ Groos verweist auf zahlreiche aktuelle Studien, die belegen, dass zahlreiche Menschen mit psychischen Erkrankungen gleichzeitig Veränderungen des Stoffwechsels aufweisen. Die Forschung geht zunehmend davon aus, dass beiden Krankheitsgruppen gemeinsame biologische Mechanismen zugrunde liegen, etwa in den neuronalen Netzwerken, die Verhalten, Stress und Stoffwechsel miteinander verbinden. Tovote nennt die Abnehmspritze Semaglutid als Beispiel. Neben dem reinen Gewichtsverlust hat der Wirkstoff auch einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden und das Suchtverhalten, da er GLP-1-Rezeptoren in Hirnnetzwerken beeinflusst, welche Hunger, Motivation und Belohnungsverhalten steuern.

Die spannende translationale Frage lautet also: Wie entscheidet das Gehirn, was es will, was es braucht und welches Verhalten sich lohnt? Genau an dieser Schnittstelle zwischen Stoffwechsel, Motivation und Verhalten gibt es viele offene Fragen, die für Erkrankungen wie Adipositas, Essstörungen, Depressionen oder Stressstörungen relevant sind. Wie werden Signale aus dem Körper in neuronale Entscheidungen übersetzt und wie können Fehlregulationen dieser Systeme zu Erkrankungen beitragen?

Humboldt-Forschungsstipendium, IZKF-Förderung und Emmy Noether-Gruppe 

Dominik Groos absolvierte seinen Master in Molekularer Medizin an der FAU Erlangen-Nürnberg. Anschließend promovierte er an der Universität Zürich (UZH), und arbeitete dort weitere vier Jahre als Postdoktorand. Im Juni 2026 kam er mit einem Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung für Postdocs ans Universitätsklinikum Würzburg. Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert überdurchschnittlich qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, indem sie Postdocs wie Dominik Groos beispielsweise einen Forschungsaufenthalt in Deutschland für sechs bis 24 Monate finanziert. Die Förderung ist Teil des 1.000 Köpfe-Plus-Programms des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Ebenfalls im Juni warb er erfolgreich eine eigene Emmy Noether-Gruppe ein. Das Emmy-Noether-Programm, benannt nach der deutschen Mathematikerin Emmy Noether, wurde 1997 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeführt, um herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu fördern und ihre Forschung langfristig in Deutschland durchzuführen. Mit dem Aufbau und der eigenverantwortlichen Leitung einer sogenannten Emmy Noether-Gruppe haben junge Forschende in der frühen Phase ihrer Karriere die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von sechs Jahren für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. Eine Anschubfinanzierung erhält Dominik Groos zudem vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Universität Würzburg. 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Dominik Groos vor einer Glastür mit der Beschriftung ikn Institut für Klinische Neurobiologie
Der experimentelle und theoretische Neurowissenschaftler, Dr. Dominik Groos, baut am Universitätsklinikum Würzburg eine eigene Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. © Katrin Walter / UKW
Die beiden Wissenschaftler sitzen am Tisch - vor sich der Ausdruck einer Publikation
Mit einem Humboldt-Forschungsstipendium kam Dr. Dominik Groos (rechts) von der Universität Zürich ans Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie zu Prof. Dr. Philip Tovote. © Katrin Walter / UKW

Das 300ste MIAI-Baby ist da!

In der MIAI-Studie wird untersucht, wie Kinder in den ersten Lebensjahren lernen, sich gegen Viren wie Influenza, RSV oder SARS-CoV-2 zu verteidigen

Säugling liegt mit Windel auf der Wickelkommode
Die kleine Mia-Sophie ist das dreihundertste Baby, das an der Geburtskohortenstudie MIAI teilnimmt. © Kirstin Linkamp / UKW
Säugling liegt auf Wickelkommode, Studienärztin nimmt mit Wattepad einen Abstrich von der Haut, im Hintergrund steht die Studynurse mit Mundschutz
Studienärztin Dr. Judith Wohlleben nimmt gemeinsam mit Studienbetreuerin Elena Fries zwei Tage nach der Geburt von Mia-Sophie Abstriche in der Nase, im Rachen und auf der Haut. © Kirstin Linkamp / UKW
Eltern, Studienärztin und Säugling im Wickelraum der Frauenklinik.
Die Erstuntersuchung im Rahmen der MIAI-Studie findet wenige Tage nach der Geburt statt. Weitere Untersuchungen folgen nach vier Wochen, einem halben Jahr, einem Jahr und fünf Jahren. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Mutter hält den Säugling auf dem Arm, der Vater steht daneben.
Die Eltern von Mia-Sophie, Lisa-Marie und Michael, leisten gern einen Beitrag für die Wissenschaft. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Mia-Sophie ist gerade einmal zwei Tage alt und schon jetzt ein kleiner Star auf der Geburtsstation des Uniklinikums Würzburg (UKW). Sie ist das dreihundertste Baby, das an der Geburtskohortenstudie MIAI teilnimmt. Das Akronym steht für „Maturation of Immunity Against Influenza”. Das Studienteam um Prof. Dr. Dorothee Viemann möchte mithilfe der gesammelten Daten, Untersuchungsergebnisse und Bioproben der Babys Faktoren identifizieren, die die Reifung des Immunsystems fördern, und herausfinden, warum manche Kinder anfälliger für schwere Virusinfektionen sind als andere. Das Ziel besteht darin, schwere virale Atemwegserkrankungen zu verhindern. Diese sind nach wie vor ein großes weltweites Problem und verursachen zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle. Ein besseres Verständnis dieser Reifungsprozesse wird künftig die Entwicklung evidenzbasierter Empfehlungen und gezielter Maßnahmen ermöglichen, mit denen sich Kinder besser gegen Viren wehren können. 

Körperliche Untersuchung, Abstriche, Stuhlprobe

Mia-Sophie und die 299 weiteren MIAI-Kinder leisten deshalb einen wichtigen Beitrag mit ihren Informationen. So nahm Studienärztin Dr. Judith Wohlleben zwei Tage nach der Geburt von Mia-Sophie mit dem Einverständnis der Eltern Lisa-Marie und Michael, Abstriche in der Nase, im Rachen und auf der Haut. Darüber hinaus untersuchte die Ärztin den Muskeltonus des Säuglings und hörte Herz und Lunge ab. Da im Rahmen der U2-Vorsorgeuntersuchung ohnehin Blut für ein Stoffwechselscreening abgenommen wird, bittet das Studienteam darum, auch eine geringe Menge Blut für die MIAI-Studie gewinnen zu dürfen. Außerdem werden Proben von Mia-Sophies erstem Stuhlgang sowie von der Muttermilch genommen. Hinzu kommen einige Fragebögen zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Gesundheit der Familie und Lebensumstände. 

Kohorte wurde auf fünf Jahre verlängert und um weitere Landkreise erweitert

In vier Wochen wird das Studienteam Mia-Sophie zur nächsten Untersuchung und Entnahme weiterer Proben in der Studienambulanz der Kinderklinik wiedersehen. Wenn Mia-Sophie ein halbes Jahr, ein Jahr und fünf Jahre alt wird, werden weitere Einladungen folgen. Das Screening zum fünften Geburtstag ist neu. Ebenso wie der erweiterte Radius der Kohorte. Denn jetzt dürfen auch Familien aus dem Umland in die Studie aufgenommen werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Kinder am UKW geboren werden und zu den Untersuchungen in die Kinderklinik kommen.

Beitrag zur Forschung, zum Gemeinwohl und zur Verbesserung der Prävention und Versorgung 

Die MIAI-Studie hat gerade ihren vierten Geburtstag gefeiert und genießt große Akzeptanz. Viele Familien nehmen teil, um die Forschung des kindlichen Immunsystems zu unterstützen und somit langfristig die Gesundheit zukünftiger Generationen zu fördern. Auch für die Eltern von Mia-Sophie stand die Teilnahme außer Frage. Ihr Vater Michael ist selbst Wissenschaftler und weiß, wie wertvoll die Beiträge der Bürgerinnen und Bürger für die Forschung sind.

Links:

Studienwebseite: Universitätsklinikum Würzburg: Kinderklinik: Translationale Pädiatrie - MIAI-Studie: Geburtskohortenstudie zur Reifung des Immunsystems

PM zum vierten Geburtstag: Universitätsklinikum Würzburg: MIAI feiert vierten Geburtstag und verlängert Nachbeobachtung bis zum fünften Lebensjahr

PM zum 200. Baby: Universitätsklinikum Würzburg: Schon zweihundert MIAI-Babys

PM zum 100. Baby: Universitätsklinikum Würzburg: Selina ist das 100ste MIAI-Baby

Säugling liegt mit Windel auf der Wickelkommode
Die kleine Mia-Sophie ist das dreihundertste Baby, das an der Geburtskohortenstudie MIAI teilnimmt. © Kirstin Linkamp / UKW
Säugling liegt auf Wickelkommode, Studienärztin nimmt mit Wattepad einen Abstrich von der Haut, im Hintergrund steht die Studynurse mit Mundschutz
Studienärztin Dr. Judith Wohlleben nimmt gemeinsam mit Studienbetreuerin Elena Fries zwei Tage nach der Geburt von Mia-Sophie Abstriche in der Nase, im Rachen und auf der Haut. © Kirstin Linkamp / UKW
Eltern, Studienärztin und Säugling im Wickelraum der Frauenklinik.
Die Erstuntersuchung im Rahmen der MIAI-Studie findet wenige Tage nach der Geburt statt. Weitere Untersuchungen folgen nach vier Wochen, einem halben Jahr, einem Jahr und fünf Jahren. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Mutter hält den Säugling auf dem Arm, der Vater steht daneben.
Die Eltern von Mia-Sophie, Lisa-Marie und Michael, leisten gern einen Beitrag für die Wissenschaft. © Kirstin Linkamp / UKW

Let’s talk about sex!

Interviewstudie des UKW mit Patientinnen und Patienten sowie hausärztlichem Fachpersonal zu sexuell übertragbaren Infektionen, ihrer Diagnose und Behandlung

Rebekka Falke sitzt am Tisch und spricht mit dem Studienteam, links im Bild ist Michael Huber zu sehen, der ebenfalls am Tisch sitzt.
Die Doktorandin Rebekka Falke und der Doktorand Michael Huber führen die Interviews über die Erfahrungen der Behandlung und Betreuung von sexuell übertragbaren Infektionen im deutschen Gesundheitssystem entweder persönlich am UKW oder online durch. © Nicolas Schwager / UKW
Die drei Männer und die Doktorandin stehen nebeneinander im Raum des Instituts für Allgemeinmedizin.
Das Team der Interviewstudie STI-Bay v.l.n.r.: Nicolas Schwager, Michael Huber, Alexander Kurotschka und Rebekka Falke. © Nicolas Schwager / UKW

Würzburg. Sexuell übertragbare Infektionen (STI, englisch: Sexually Transmitted Infections) nehmen in Europa seit Jahren stark zu und haben zuletzt einen neuen Höchststand erreicht. Aktuelle Daten des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen, dass sich die Gonorrhö-Fälle in Europa seit 2015 vervierfacht und die Syphilis-Fälle verdoppelt haben. Am häufigsten wurden Infektionen mit Chlamydien gemeldet.

Sexuell übertragbare Infektionen können mit Beschwerden einhergehen, verlaufen jedoch häufig auch ohne erkennbare Symptome. Dadurch bleiben sie oft unbemerkt und können unwissentlich weitergegeben werden. Zudem können diese Infektionen schwerwiegende Komplikationen wie chronische Schmerzen, Unfruchtbarkeit oder Schäden am Herzen oder Nervensystem verursachen. Im Jahr 2024 wurden dem Robert Koch-Institut in Deutschland 9.519 Syphilis-Fälle gemeldet.

„Der Schutz der sexuellen Gesundheit umfasst sowohl Präventionsmaßnahmen als auch eine frühzeitige Diagnostik“, sagt Prof. Dr. Ildikó Gágyor. Die Hausärztin und Wissenschaftlerin leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Anne Simmenroth das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Sie empfiehlt: „Barrieremethoden wie Kondome können das Risiko einer STI-Übertragung reduzieren. Bei erhöhtem Expositionsrisiko können regelmäßige Testungen auch bei Beschwerdefreiheit sinnvoll sein. Und bei Verdacht auf eine Infektion sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen, um Komplikationen und weitere Übertragungen zu vermeiden.“ 

Rahmenbedingungen der Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen besser verstehen

Mit ihrem Studienteam führt Ildikó Gágyor gerade die Interviewstudie STI-Bay durch. „Wir wollen verstehen, wie derzeit in Bayern die Diagnose und Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen abläuft und diese gegebenenfalls verbessern“, erklärt Nicolas Schwager, ärztlicher Koordinator der STI-Bay-Studie. Interviewt werden sowohl Hausärztinnen und Hausärzte aus Bayern als auch Patientinnen und Patienten.

Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten sollten mindestens 18 Jahre alt sein und in den vergangenen fünf Jahren eine STI-Diagnose in einer bayrischen Praxis erhalten haben. „Wir suchen explizit Personen jeden Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung“, so Nicolas Schwager. „In dem etwa 60-minütigen, vertraulichen Interview möchten wir gern über die Erfahrungen sprechen. Wie haben die Betroffenen die Behandlung und Betreuung im Gesundheitssystem erlebt?“ 

Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und erfolgt unter Einhaltung strenger Datenschutzvorkehrungen. Die Interviews werden entweder persönlich am UKW oder online durchgeführt. Nach dem Interview erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung in Form eines Wunschgutscheins im Wert von 40 Euro. 

Bei Interesse an einer Studienteilnahme können Sie sich über diesen Link anmelden. Alternativ können Sie das Studienteam per E-Mail unter STI-Bay@ ukw.de kontaktieren.

Hier geht es zur Webauftritt der Studie, und hier zum PDF der Studie. 

ECDC sieht Handlungsbedarf
Um die steigenden STI-Zahlen umzukehren, sind laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) leicht zugängliche Präventionsangebote, ein einfacher Zugang zu Tests, schnellere Behandlungen und eine bessere Benachrichtigung von Sexualpartnern erforderlich, um weitere Übertragungen zu verhindern. Das ECDC fordert die Gesundheitsbehörden daher auf, nationale STI-Strategien dringend zu aktualisieren und Überwachungssysteme auszubauen, um die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen besser beurteilen zu können. Ohne entschlossenes Handeln werden die aktuellen Trends voraussichtlich anhalten – mit zunehmenden gesundheitlichen Folgen und wachsenden Ungleichheiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung. Zur Pressemeldung der ECDC vom 21. Mai 2026.

Rebekka Falke sitzt am Tisch und spricht mit dem Studienteam, links im Bild ist Michael Huber zu sehen, der ebenfalls am Tisch sitzt.
Die Doktorandin Rebekka Falke und der Doktorand Michael Huber führen die Interviews über die Erfahrungen der Behandlung und Betreuung von sexuell übertragbaren Infektionen im deutschen Gesundheitssystem entweder persönlich am UKW oder online durch. © Nicolas Schwager / UKW
Die drei Männer und die Doktorandin stehen nebeneinander im Raum des Instituts für Allgemeinmedizin.
Das Team der Interviewstudie STI-Bay v.l.n.r.: Nicolas Schwager, Michael Huber, Alexander Kurotschka und Rebekka Falke. © Nicolas Schwager / UKW

Interdisziplinäre Intensivmedizin: Neues Wahlfach für Medizinstudierende

Sieben Kliniken am UKW verstärken ihre Zusammenarbeit und bündeln ihre Kompetenzen für eine zukunftsweisende studentische Lehre auf dem Gebiet der Intensivmedizin.

Intensivmedizin als Kernelement moderner Hochleistungsmedizin

Die Intensivmedizin ist der Bereich der modernen Medizin, der sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Krankheitsbilder beschäftigt. Im Einzelfall handelt es sich oft um hochkomplexe Patientinnen und Patienten. Multimodale Therapiekonzepte aus konservativen, interventionellen und chirurgischen Ansätzen sind erforderlich, um diese Patientinnen und Patienten adäquat versorgen zu können. Wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Neuerungen und zunehmende Digitalisierung eröffnen den Behandelnden stetig neue Möglichkeiten.

Interdisziplinarität und Interprofessionalität als Schlüssel für zukunftsweisende Lehre

Um den rasanten Entwicklungen in der Intensivmedizin Rechnung zu tragen und diesen integralen Bereich in der studentischen Lehre zu verankern, gehen sieben Kliniken und Einrichtungen des UKW ab dem Sommersemester 2026 einen neuen Weg. Studierenden der Humanmedizin ab dem 8. Semester wird ermöglicht, das neue UaK-Wahlfach „Interdisziplinäre Intensivmedizin“ zu belegen. Unter Leitung der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie wurde dieses Wahlfach in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgische Klinik I), der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie (Chirurgische Klinik II), der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, der Neurologischen Klinik und Poliklinik und der Pflegedirektion entwickelt. Ziel ist es, den Studierenden die Bedeutung von Interdisziplinarität und Interprofessionalität in der modernen Intensivmedizin zu vermitteln. Dies umfasst neben medizinischen Aspekten auch organisatorische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Überlegungen.

Organbezogenes und patientenzentriertes Lehrkonzept – das Curriculum im Überblick

Die Lehrinhalte sind in zwölf thematische Schwerpunkte gegliedert, welche die gesamte Bandbreite der modernen Intensivmedizin organbezogen und systemisch abbilden: Typische Erkrankungsbilder aus den Bereichen des Zentralen Nervensystems, des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, des Gastrointestinaltrakts, der Nieren, des Skelettsystems oder der Blutgerinnung werden behandelt, ebenso wie entsprechende Organersatzverfahren. Hinzu kommt die interdisziplinäre Schockraumversorgung sowie der Umgang mit Therapiezieländerungen, palliativen Therapieansätzen und Tod.

Die Veranstaltung findet während des Semesters als UaK-Wahlfach in Kleingruppen direkt auf den Intensivstationen des UKW statt. Die wöchentlichen Seminare zu je 2 Unterrichtseinheiten beinhalten Theorieelemente, Falldiskussionen und praktische Aspekte inklusive Intensivvisiten.

Erste Evaluationsergebnisse als weiterer Ansporn für die Lehrenden

Die ersten sechs Studierenden haben im Sommersemester 2026 das Wahlfach besucht. Besonders positiv bewerteten die Studierenden die Organisation, die Motivation der Dozierenden, die Möglichkeit der aktiven Beteiligung sowie den hohen Praxisbezug. Weiterhin wurde der „Kontakt auf Augenhöhe“ zwischen Lehrenden und Studierenden gelobt. Alle Studierenden gaben an, dass ihr Interesse für Intensivmedizin geweckt wurde („stimme zu“ bzw. „stimme ganz zu“). Über alle Veranstaltungstermine hinweg konnte für das neue Wahlfach eine Benotung von 1,4 erzielt werden. Diese äußerst positiven Evaluationsergebnisse bieten reichlich Ansporn für die Dozierenden und zeigen das immense Potenzial, das in diesem Format steckt.

Der Rotkreuzhof wird zum Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung

Der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ startet die Planungen für ein neuartiges Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung im historischen Rotkreuzhof in Würzburg. Das Projekt soll eine Lücke zwischen Klinik, ambulanter Behandlung und Zuhause schließen und Familien während schwerer Erkrankungen unterstützen. Geplant sind barrierearme Appartements, Beratungs- und Schulungsangebote sowie Räume für Begegnung und Selbsthilfe.

Gebäude von oben
Luftaufnahme des Rotkreuzhofs © Benedikt Knüttel / Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.
Gebäude
Der Rotkreuzhof © Benedikt Knüttel / Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Würzburg. Nach dem Willen des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ soll imRotkreuzhof in Würzburg-Oberdürrbach ein Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung entstehen. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen während medizinischer Behandlungen, ambulanter Therapien oder in Übergangsphasen nach einem Klinikaufenthalt einen gemeinsamen Aufenthaltsort zu bieten. Das Vorhaben verbindet Wohnen auf Zeit mit psychosozialer Unterstützung, Beratung, Bildung und Selbsthilfeangeboten. Die Stiftung Juliusspital Würzburg unterstützt dieses Vorhaben, indem sie dem Verein die historische Hofanlage im Rahmen eines Erbbaurechts langfristig zur Verfügung stellt.

Warum wird ein solches Zentrum gebraucht?

Die moderne Medizin ermöglicht immer kürzere Krankenhausaufenthalte und zunehmend ambulante oder teilstationäre Behandlungen. Gleichzeitig reisen viele Patientinnen und Patienten für hochspezialisierte Therapien über weite Strecken zum Behandlungsort an. „Für Angehörige bedeutet dies häufig lange Fahrwege, fehlende Übernachtungsmöglichkeiten in Kliniknähe sowie eine räumliche Trennung in einer ohnehin belastenden Situation“, berichtet Gabriele Nelkenstock. Die Vorsitzende von „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ fährt fort: „Gerade an einem führenden Gesundheitsstandort wie Würzburg mit Universitätsmedizin, Transplantations- und Krebszentren sowie hochspezialisierten Einrichtungen für Kinder- und Palliativmedizin wächst der Bedarf an ergänzenden Unterstützungsangeboten.“ Nach ihren Worten soll das geplante Zentrum diese Versorgungslücke schließen und die medizinische Spitzenversorgung um soziale Nähe ergänzen.

Welche Angebote macht das Zentrum?

Kern des Projekts sind rund 18 barrierearme Appartements für Patientinnen, Patienten und Angehörige. Ergänzt werden sie durch Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereiche, Beratungsräume sowie Seminar- und Schulungsräume. Inhaltlich basiert das Konzept auf drei Säulen:

  • Wohnen auf Zeit: Betroffenen und ihren Familien wird eine bezahlbare Unterkunft in Kliniknähe geboten.
  • Begleitung: Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten Beratungsleistungen, psychosoziale Unterstützung sowie ehrenamtliche Hilfsangebote.
  • Bildung und Austausch: Geplant sind Angehörigenschulungen, der Kontakt zu Selbsthilfegruppen sowie Fortbildungen und Veranstaltungen.

Wichtig ist den Initiatoren die klare Abgrenzung: Der Rotkreuzhof wird weder Pflegeheim noch Hospiz, Rehabilitationsklinik oder klassisches Hotel sein. Vielmehr versteht er sich als sozialmedizinische Begleitinfrastruktur zwischen Klinik und Zuhause.

Wer kann das Zentrum nutzen?

Das Angebot richtet sich an Menschen, die aufgrund einer schweren Erkrankung oder einer komplexen medizinischen Behandlung vorübergehend Unterstützung benötigen. Dazu zählen Patientinnen und Patienten ebenso wie ihre Angehörigen. Besonders profitieren sollen Familien, die während einer Therapie oder nach einem Krankenhausaufenthalt beieinanderbleiben möchten. „Auch wenn der Initiator des Vorhabens ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘ heißt, sind die Leistungen des Zentrums keineswegs auf onkologische Patientinnen und Patienten beschränkt“, unterstreicht Nelkenstock

Darüber hinaus sollen Selbsthilfegruppen, soziale Einrichtungen, Beratungsdienste und Fortbildungsangebote die Räume am Rotkreuzhof nutzen können.

Wer steht hinter dem Projekt und organisiert es?

Der gemeinnützige Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ verantwortet das Projekt als Bauherr und organisatorischer Träger. Die ehrenamtliche Projektgruppe wird von Gabriele Nelkenstock geleitet. Unterstützt wird sie von Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Finanzierung, Fundraising, Kommunikation und Recht.

Das Projekt setzt zudem auf Kooperationen mit Kliniken, Selbsthilfeorganisationen und sozialen Einrichtungen der Region.

Wie soll das Vorhaben finanziert werden?

Rechtliche Grundlage des Projekts ist ein Erbpachtmodell mit dem Eigentümer des Anwesens, der Stiftung Juliusspital Würzburg. Die Finanzierung basiert auf mehreren Säulen. Geplant sind Großspenden und Zuwendungen von Mäzenen, Fördermittel von Stiftungen und öffentlichen Programmen, Förderdarlehen, Eigenmittel des Trägers sowie bürgerschaftliches Engagement. Ziel ist laut Nelkenstock eine langfristig tragfähige Finanzierung sowohl des Umbaus als auch des späteren Betriebs.

Wann und wie geht es in die Umsetzung?

Mit der öffentlichen Vorstellung des Konzepts beginnt nun die nächste Phase der Projektentwicklung. Im ersten Bauabschnitt sollen die etwa 18 Appartements, Gemeinschaftsbereiche, Seminar- und Beratungsräume sowie Organisations- und Verwaltungsflächen geschaffen werden. Die vorhandenen Garten- und Außenanlagen können dabei weitgehend übernommen werden.

Parallel dazu sollen weitere Finanzierungsbausteine gesichert, Fördermittel eingeworben und die bauliche Planung konkretisiert werden.

Über den Rotkreuzhof

Der Rotkreuzhof liegt in der Oberdürrbacher Straße 100 in Würzburg-Oberdürrbach auf einem rund 9.500 Quadratmeter großen Grundstück. Das denkmalgeschützte Anwesen blickt auf eine fast 800-jährige Geschichte zurück und wird bereits seit 1232 als Ort der Fürsorge erwähnt. Seit 1580 gehört der Rotkreuzhof – mit zeitweisen Unterbrechungen – als landwirtschaftlicher Hof zur Stiftung Juliusspital Würzburg. Das nun vorgestellte Projekt des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ betrifft ausschließlich die Hofanlage des Rotkreuzhofs – die dortigen landwirtschaftlichen Flächen werden weiterhin vom Juliusspital bewirtschaftet.

Die historische Hofanlage umfasst mehrere Gebäude, die sich um einen Innenhof gruppieren. Neben den künftigen Wohn- und Begegnungsbereichen stehen großzügige Garten- und Freiflächen zur Verfügung. Mit der behutsamen Umnutzung des Ensembles soll die geschichtliche Bedeutung des Rotkreuzhofs bewahrt und zugleich eine neue soziale Aufgabe für die Region geschaffen werden. 

Karsten Eck, als Oberpflegamtsdirektor der Stiftung Juliusspital Würzburg quasi der Hausherr des Rotkreuzhofs, begrüßt die Initiative von „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ ausdrücklich: „Es freut uns sehr, dass unsere Hofanlage künftig einem so wichtigen sozialen Zweck dienen soll. Das geplante Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung fügt sich in besonderer Weise in unseren Stiftungsauftrag ‚Helfen & Heilen‘ ein. Dass hier ein Ort entstehen kann, der schwer erkrankten Menschen und ihren Familien in unmittelbarer Nähe zu den Würzburger Kliniken zugleich Ruhe, Natur und Raum zum Krafttanken bietet, ist eine echte Win-win-Situation. Wir danken Frau Nelkenstock und allen Beteiligten für ihr großes Engagement und freuen uns, zu diesem wegweisenden Vorhaben einen Beitrag leisten zu können.“

Gabriele Nelkenstock ergänzt: „Langfristig wollen wir hier ein Modellprojekt für eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung schaffen, das medizinische Behandlung und menschliche Begleitung miteinander verbindet.“

 

Wer die Arbeit von „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ und den Aufbau des Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung unterstützen möchte, kann dies tun unter Spendenkonto:

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.
Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE46 7905 0000 0000 0686 68
www.kampfgegenkrebs.de

Pressemitteilung Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. - 21. Juli 2026

Gebäude von oben
Luftaufnahme des Rotkreuzhofs © Benedikt Knüttel / Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.
Gebäude
Der Rotkreuzhof © Benedikt Knüttel / Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Kein Hinweis: Orale Kontrazeptiva beeinflussen die Impfantwort nicht

Große prospektive CoVacSer-Studie des UKW findet keine relevanten Unterschiede der humoralen oder zellulären Immunantwort

Verschiedene Blisterpackungen von Antibabypillen
Die Analyse der CoVacSer-Studie zeigt, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva die humorale oder zelluläre Immunantwort nach COVID-19-Boosterimpfungen nicht relevant verändert. © Isabell Wagenhäuser / UKW
Collage mit drei freigestellten Porträts vor hellblauem Hintergrund
PD Dr. Manuel Krone (links) ist Letztautor der Studie und Leiter der CoVacSer-Studie am UKW, Dr. Isabell Wagenhäuser ist Erstautorin und Dr. Alexander Gabel vom Centre for Integrative Infectious Disease Research (CIID) der Universität Heidelberg verantwortlich für die Biostatistik. © Collage mit Canva

Würzburg. Beeinflusst die Antibabypille die Wirksamkeit von Impfungen? Diese Frage wird seit einigen Jahren wissenschaftlich diskutiert. Mehrere ältere, kleinere Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die neueste Auswertung einer großen Kohortenstudie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), die im Fachjournal npj Vaccines veröffentlicht wurde, liefert nun eine neue Evidenz: Bei mehr als 1.000 Frauen fanden die Forschenden auch Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren keinen Hinweis darauf, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva die humorale oder zelluläre Immunantwort nach Boosterimpfungen gegen SARS-CoV-2 relevant verändert. 

Grundlage der Analyse war die prospektive CoVacSer-Studie des UKW, in der über 1.800 Mitarbeitende des Gesundheitswesens mehrere Jahre lang durch die Pandemie immunologisch begleitet wurden. Für die aktuelle Auswertung wurden 1.061 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren untersucht. Rund 20 Prozent von ihnen gaben an, orale Kontrazeptiva einzunehmen. Die Forschenden analysierten sowohl die Antikörperantwort als auch die T-Zell-Immunität vor und nach der dritten beziehungsweise vierten COVID-19-Impfung. Für keinen dieser Parameter zeigte sich ein statistisch signifikanter Einfluss der Einnahme oraler Kontrazeptiva.

Relevanz für Impfstrategien

„Weltweit nehmen Millionen von Frauen orale Kontrazeptiva ein. Gleichzeitig spielen Impfungen eine zentrale Rolle in der Prävention von Infektionskrankheiten. Entsprechend wichtig ist die Frage, ob sie die Wirksamkeit von Impfungen beeinflussen können“ sagt Dr. Isabell Wagenhäuser, Erstautorin der Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen keinen relevanten Einfluss oraler Kontrazeptiva auf die Immunantwort nach COVID-19-Boosterimpfungen. Die Daten können dazu beitragen, bestehende Unsicherheiten wissenschaftlich einzuordnen und schaffen zugleich eine Grundlage für weitere Untersuchungen möglicher Wechselwirkungen zwischen häufig eingesetzten Medikamenten und Impfantworten auch bei zukünftigen Impfstoffen.“

Methodischer Fortschritt in einem schwer untersuchbaren Forschungsfeld

Warum ist diese Studie besonders aussagekräftig? „Die Fragestellung ist wissenschaftlich anspruchsvoll“, sagt der Biostatistiker Dr. Alexander Gabel vom Centre for Integrative Infectious Disease Research (CIID) der Universität Heidelberg. „Randomisierte kontrollierte Studien zur Einnahme oraler Kontrazeptiva sind aus ethischen Gründen kaum möglich. Deshalb sind große, gut charakterisierte Kohorten und robuste statistische Verfahren entscheidend, um mögliche Zusammenhänge verlässlich zu untersuchen."

Frühere Untersuchungen beschrieben teilweise Zusammenhänge zwischen hormoneller Kontrazeption und einzelnen immunologischen Parametern. Mögliche Störfaktoren konnten dabei jedoch häufig nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Die aktuelle Studie nutzte deshalb statistische Modelle, die Alter, Body-Mass-Index, Impfstoff, frühere SARS-CoV-2-Infektionen, Beruf und weitere potenzielle Einflussgrößen in die Auswertung einbezogen.

„Gerade bei Fragestellungen, die sich nicht ethisch akzeptabel randomisiert untersuchen lassen können große prospektive Kohortenstudien in Kombination mit geeigneten statistischen Verfahren wichtige Evidenz liefern. Unsere Ergebnisse zeigen, wie aussagekräftig solche Datensätze sei können“, fasst PD Dr. Manuel Krone, Letztautor und Leiter der CoVacSer-Studie, zusammen.

Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass die Studie auch Grenzen habe. So lagen beispielsweise keine Informationen über die genaue Zusammensetzung der verwendeten Kontrazeptiva oder den Zeitpunkt innerhalb des Menstruationszyklus vor. Unterschiede zwischen einzelnen Präparaten oder zyklusabhängige Effekte können deshalb nicht abschließend beurteilt werden. Diese Aspekte sollen in weiteren Studien künftig genauer untersucht werden.

Die CoVacSer-Studie

Die CoVacSer-Studie wurde als prospektive Langzeitstudie am Universitätsklinikum Würzburg zur Untersuchung der Immunantwort nach COVID-19-Impfungen und SARS-CoV-2-Infektionen durchgeführt. Von September 2021 bis Dezember 2023 wurden über 1.800 Beschäftigte des Gesundheitswesens begleitet. Ziel war es, Faktoren zu identifizieren, die die humorale und zelluläre COVID-19-Immunität nach Impfung und Infektion beeinflussen, sowie Erkenntnisse zur Impfstoffwirksamkeit, zu Auffrischungsimpfungen und zum Einfluss von SARS-CoV-2 Impfungen und Infektion auf Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit zu gewinnen. Seit April 2024 werden in der Fortsetzungsstudie ARIPro im Zentrallabor des Universitätsklinikums in modifiziertem Studiendesign prospektiv akute Atemwegsinfektionen durch Influenza, RSV und SARS-CoV-2 bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen untersucht. Ziel ist es, die Impfprävention, Immunantwort und Langzeitfolgen bei diesen respiratorischen Infektionen besser zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Präventionsmaßnahmen und Impfstrategien für respiratorische Infektionserkrankungen weiterzuentwickeln. 

Publikation: Isabell Wagenhäuser, Julia Reusch, Juliane Mees, Lukas B. Krone, Isabella Eiter, Thiên-Trí Lâm, Alexandra Schubert-Unkmeir, Carolin Curtaz, Anna Frey, Oliver Kurzai, Stefan Frantz, Sabine Wicker, Achim Wöckel, Nils Petri, Alexander Gabel & Manuel Krone. Oral contraceptive usage among healthcare workers and its impact on COVID-19 booster vaccination immunogenicity. npj Vaccines 11, 134 (2026). https://doi.org/10.1038/s41541-026-01510-z

Verschiedene Blisterpackungen von Antibabypillen
Die Analyse der CoVacSer-Studie zeigt, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva die humorale oder zelluläre Immunantwort nach COVID-19-Boosterimpfungen nicht relevant verändert. © Isabell Wagenhäuser / UKW
Collage mit drei freigestellten Porträts vor hellblauem Hintergrund
PD Dr. Manuel Krone (links) ist Letztautor der Studie und Leiter der CoVacSer-Studie am UKW, Dr. Isabell Wagenhäuser ist Erstautorin und Dr. Alexander Gabel vom Centre for Integrative Infectious Disease Research (CIID) der Universität Heidelberg verantwortlich für die Biostatistik. © Collage mit Canva

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