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Forschung

Die Forschung der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg über Störungen gruppiert sich in die Themenfelder Angststörungen, Autismus-Spektrumsstörungen (ASS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Weitere Forschungstätigkeiten widmen sich Biomarkern und dem Thema Pharmakovigilanz und Therapeutisches Drug Monitoring. Die Arbeitsgruppe Developmental Neuroimaging beschäftigt sich mit Prozessen der hirnorganischen Reifung sowie der Entwicklung von kognitiven Fähigkeiten. Im Forschungsschwerpunkt Entwicklungspsychiatrische Neurobiologie geht es um die Entwicklung von biologischen Modellen neuropsychiatrischer Erkrankungen.

Schwerpunkte der Forschung

Angststörungen

In Kooperation mit der Psychologie (Prof. Pauli) sowie Psychiatrie (Prof. Deckert) ist die KJPPP Teil des Zentralprojekts Z02 des Sonderforschungsbereichs Angst (SFB TRR 58). Wir konnten zeigen, dass gesunde Kinder im Alter von 8-12 Jahren eine stärkere Furchtgeneralisierung aufweisen als Erwachsene und die Generalisierung mit der Ausprägung von Angstsymptomen korreliert. Aktuell untersuchen wir die Kohorte longitudinal weiter und überprüfen, inwiefern eine verstärkte Angstgeneralisierung für die Entwicklung von Angststörungen prädisponiert. Weiterhin werden in dieser Phase klinische Kohorten mit pathologischen
Angstformen rekrutiert.

Ansprechpartner:
Univ. Prof. Dr. med. Marcel Romanos
Dr. rer. nat. Julia Reinhard

Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Mit der DFG-geförderten Klinischen Forschergruppe KFO 125 (2004-2012) und der BMBF-geförderten Psychotherapiestudie ADHD-Net besteht in Würzburg langjährige Expertise in großen Studien zu ADHS. Im Rahmen der nationalen BMBF-Psychotherapenetzwerke beinhaltet das ESCAlife-Konsortium vier multizentrischerandomisierte klinische Studien unter maßgeblicher Beteiligung der KJPPP. In dem Konsortium werden insgesamt 1200 Patienten mit ADHS verschiedener Altersgruppen in einem aufwändigen gestuften Versorgungsdesign randomisiert-kontrolliert untersucht. Die Studie wird im Jahr 2020 abgeschlossen werden. In einem von der KJPPP und dem ZI Mannheim geführten Querschnittsprojekt (ESCAmark) wird Blut und Speichel zur Identifikation von Biomarkern gewonnen.

Ansprechpartner:
Univ. Prof. Dr. med. Marcel Romanos
Dr. rer. nat. Julia Geissler
PD Dr. phil. Thomas Jans

Autismus-Spektrumsstörungen (ASS)

In einer DFG-geförderten klinischen randomisierten Multicenter-Studie (A-FFIP) wird in Würzburg an einem von vier Standorten in Deutschland eine intensive Frühintervention bei Kindern mit Autismus im Alter von 2-5 Jahren hinsichtlich ihrer Effektivität untersucht. Ein Wirksamkeitsnachweis dieser Intervention wird die Therapiemöglichkeiten für diese Patientengruppe erheblich verbessern.

In einer BMBF-geförderten randomisiert-kontrollierten Multicenter Studie (ASD-Net) untersuchen wir, inwiefern die Wirksamkeit eines Gruppentraining für Adoleszente mit Autismus druch die Gabe des Hormons Oxytocin gesteigert werden kann.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Regina Taurines
PD Dr. phil. Thomas Jans
Dr. rer. nat. Julia Geissler
Anke Leben

Biomarker

Ein „biologischer Marker“ ist definiert als ein charakteristisches Merkmal, das - nach der Validierung - der objektiven Messung normaler biologischer und pathogenetischer Prozesse oder der pharmakologischen Ansprechbarkeit auf eine therapeutische Intervention dient. Mithilfe verschiedener Verfahren (Real-time PCR, Proteomics, Epigenetik, Riechtestungen, transcranielle Sonografie) werden potenzielle Messparameter als Biomarkerevaluiert, um eine wesentliche Verbesserung der Diagnostik und eine personalisierte Therapie von psychiatrischen Krankheiten zu erreichen.

Ansprechpartner:
Dr. rer. nat. Julia Geissler
PD Dr. med. Regina Taurines
Dr. rer. nat. Carsten Drepper
Prof. Dr. med. Marcel Romanos
Prof. Dr. rer. nat. Manfred Gerlach

Intelligenzminderung

In Kooperation mit dem Lehrstuhl Sonderpädagogik für Geistige Behinderung (Prof. Ratz) führen wir im im Rahmen des Projekts REDUGIA unter Förderung des bayerischen Sozialministeriums Untersuchungen in stationären Einrichtungen durch mit dem Ziel, freiheitsentziehende Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung und psychischen Erkrankungen zu reduzieren.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Marcel Romanos
Prof. Dr. Christoph Ratz

Kognitive Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie

Wir erforschen, wie junge Menschen lernen und Entscheidungen treffen und wie dies mit der Funktion und der Struktur ihres Gehirns zusammenhängt. So möchten wir einerseits die Motivation für Annäherung- und Vermeidungsverhalten verstehen und erkennen, wie sich daraus rigide und psychopathologische Verhaltensmuster entwickeln. Andererseits gilt besonderes Interesse auch der Entstehung von flexibler und zielgerichteter kognitiver Kontrolle, um Verhalten zu verändern. Unsere Forschung hat zum Ziel, neurokognitive Entwicklungstrajektorien zu identifizieren, um die transdiagnostische Entwicklung von impulsiven und kompulsiven Symptomen zu verstehen.

Beispielhafte manifeste entwicklungspsychiatrische Störungsbilder sind ADHS, Substanzmissbrauch, exzessive und restriktive Essstörungen sowie zwanghaft-ängstliche Störungen. Hier interessiert uns besonders, welche neurokognitiven Prozesse diesen Symptomdimensionen gemeinsam sind und welche diese unterscheiden. Eine zentrale Rolle nehmen dabei empirische und theoretische Kenntnisse über die Rolle des Neuromodulators Dopamin für Lernprozesse ein. Das langfristige Ziel ist es, Methoden aus der kognitiven und computationalen Neurowissenschaft auf ihre klinische Relevanz zu überprüfen, um zum Beispiel die heterogenen Therapieantworten unserer Patientinnen und Patienten auf bekannte psychopharmakologische Behandlungen zu erklären.

Unsere Forschungsmethoden umfassen Fragebögen, Verhaltensexperimente im Labor, online und auf dem Smartphone, neuronale Messungen, wie etwa funktionelle und strukturelle MRT, EEG, PET sowie pharmakologische Manipulationen. Wir verwenden computationale Modelle von Lern- und Entscheidungsprozessen, vor allem ‚reinforcement learning‘, um neurokognitive Prozesse detailliert zu verstehen und um die Analyse von neuronalen Daten im Sinne eines ‚computational neuroimaging’ zu informieren. Diese methodischen Ansätze werden häufig als ein Teil der breiteren Forschungsagenda ‚Computational Psychiatry‘ zusammengefasst.

Unsere Forschung wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Wir sind Teil des Sonderforschungsbereich TRR 265: Verlust und Wiedererlangung der Kontrolle bei Suchterkrankungen, an dem die Charité Berlin, die TU Dresden und das ZI Mannheim teilnehmen. 

Publikationen finden Sie unter Google Scholar.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Lorenz Deserno

Lernen und Motivation in Entwicklung, Psychopathologie und Psychotherapie

Unsere Arbeitsgruppe befasst sich mit Motivation, Lernen und Entscheiden im Entwicklungsverlauf. Uns interessiert dabei, wie sich diese kognitiven Prozesse über die Lebensspanne verändern und welche Umweltbedingungen, beispielsweise soziale Einflüsse oder die Kontrollierbarkeit und Unsicherheit der Umwelt, dabei in bestimmten Altersgruppen eine besonders wichtige Rolle spielen. Wir untersuchen diese Prozesse zum einen bei gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wir interessieren uns zum anderen gleichzeitig auch besonders dafür, ob und wie diese Prozesse in psychiatrischen Erkrankungsbildern und deren Risikofaktoren verändert sind. Viele psychischen Probleme entstehen schon im Kindes- und Jugendalter, weshalb diese Entwicklungsphasen besonders wichtig sind, um das Entstehen dieser Erkrankungen zu verstehen.

Ein besonderes Interesse gilt außerdem der Frage, ob diese Prozesse Prädiktoren, Mediatoren oder Moderatoren für die Wirksamkeit von lernbasierten Interventionen, beispielsweise der kognitiven Verhaltenstherapie, und Präventionsprogrammen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sein könnten. Ein langfristiges Ziel ist es dabei, Erkenntnisse zu gewinnen, die die psychotherapeutische Behandlung verbessern, zum Beispiel, weil sie helfen zu entscheiden, welches Behandlungsmodul für eine bestimmte Patientin oder einen Patienten besonders hilfreich ist. Ein weiteres übergeordnetes Ziel dieser Forschung ist auch, Mechanismen von Psychotherapie besser zu verstehen. Wir erhoffen uns durch unsere Forschung ein vertieftes Verständnis von psychischen Symptomen und deren Behandlung über diagnostische Grenzen hinweg.

Wir führen quer- und längsschnittliche Untersuchungen durch, die Verhaltensmessungen mit Hilfe von kognitiven Experimenten und Fragebögen umfassen, teilweise kombiniert mit neuronalen Messungen wie (f)MRT oder EEG, um Entwicklungsprozesse auch auf neuronaler Ebene abzubilden. Bei der Auswertung dieser Daten kommen in unserer Forschung oft computationale Modelle zum Einsatz, die ein mechanistisch informiertes Verständnis zugrundeliegender kognitiver Prozesse im Sinne einer „Developmental Computational Psychiatry“ versprechen.

Unsere Forschung wird gefördert von der Deutschen Forschungsgesellschaft und der Brain and Behavior Science Foundation. Es bestehen enge nationale und internationale Kollaborationen, unter anderem mit der TU Dresden und dem dort ansässigen Sonderforschungsbereich SFB 940 Kognitive Kontrolle (Prof. Shu-Chen Li, Prof. Philipp Kanske, Dr. Dimitrije Markovic), mit dem University College London (Prof. Ray Dolan, Prof. Quentin Huys, Dr. Michael Moutoussis) und der Concordia University Montreal (Prof. Ben Eppinger).

Information in english (PDF)

Ansprechpartner:
Dr. rer nat. Andrea Reiter

Pharmakovigilanz und Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)

Als Nationales Pharmakovigilanzzentrum unter Leitung der KJPPP erfasst das Multicenter-Projekt TDM-VIGIL (gefördert durch BfArM) systematisch das Verordnungsverhalten von off-label Psychopharmaka, evaluiert das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Arzneimitteln sowie unerwünschte Arzneimittelwirkungen und minimiert Risiken durch Anwendung von Therapeutischem Drug Monitoring (TDM). Wir konnten an mehr als 20 Standorten in Deutschland, Österreich und Schweiz mehr als 700 Patienten, welche mit Antipsychotka und Antidepressiva behandelt werden, sowie 500 Patienten mit Stimulanzienmedikation in die Registerstudie einschließen. Die Studie wird Mitte 2019 abgeschlossen werden.

In dem Netzwerkprojekt KIDsafe, gefördert durch den Innovationsfonds, wird ein Arzneimittelinformationssystem in verschiedenen Regionen in Deutschland eingeführt, um die Rate von Nebenwirkungsbedingten stationären Aufenthalten in pädiatrischen Kliniken zu reduzieren. Die KJPPP Würzburg ist der einzige kinder- und jugendpsychiatrische Konsortialpartner in dem Netzwerk und untersucht in einem Teilprojekt die Anwendbarkeit des Informationssystems auf die psychopharmakologische Behandlung von Kindern und Jugendlichen.

Ansprechpartner:
Dr. med. Karin Egberts
Dr. med. Stefanie Fekete
Dr. med. Su-Yin Dang
Prof. Dr. med. Timo D. Vloet
PD Dr. med. Regina Taurines
Prof. Dr. med. Marcel Romanos
Prof. Dr. rer. nat. Manfred Gerlach

Zentrum Deletionssyndrom 22q11.2 (ZEDE22q11)

Das Deletionssyndrom 22q11.2 (DS22q11) ist die häufigste humane Deletion und stellt ein Hochrisikosyndrom für somatische sowie psychiatrische Erkrankungen dar.

Seit fast 15 Jahren kooperiert die Klinik mit dem nationalen Selbsthilfeverband Kids-22q11 e.V. In dem in 2018 gegründeten Zentrum wird ein interdisziplinäres Versorgungsangebot aufgebaut. In verschiedenen Forschungsprojekten werden Mechanismen psychiatrischer
und somatischer Krankheitsmechanismen untersucht.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Marcel Romanos
Prof. Dr. med. Manuel Mattheisen
Dr. med. Dr. rer. nat. Matthias Fischer
Prof. Dr. med. Jürgen Deckert

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Telefon

Klinik und Poliklinik für KJPPP
Poliklinik +49 931 201-78600
Privatambulanz +49 931 201-78010

Zentrale Dienstnummer & Dienstarzt
+49 931 201-78888

Pforte Zentrum für Psychische Gesundheit
+49 931 201-76050

Sekretariat Tagesklinik
+49 931 250-8040

Direktion
Prof. Dr. Marcel Romanos
+49 931 201-78000

Stellvertretende Direktion
PD Dr. Regina Taurines
+49 931 201-78010

E-Mail

kj_office@ ukw.de

Prof. Dr. Marcel Romanos
direktion@ ukw.de

PD Dr. Regina Taurines
taurines_r@ ukw.de

Fax

Klinik und Poliklinik
+49 931 201-78040

Ambulanzsekretariat
+49 931 201-78620

Stationssekretariat
+49 931 201-78809


Anschrift

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