Forschung

Wir betreiben exzellente Forschung mit dem Ziel, neue Erkenntnisse und vielversprechende Ansätze möglichst schnell in die Praxis umzusetzen. So tragen wir dazu bei, die Patientenversorgung stetig zu verbessern.

Schwerpunkte der Forschung

Klinische und labortechnische Studien befassen sich mit modernen, zahnfarbenen Werkstoffen, Bildgebung, biomechanischen Fragestellungen und Funktionsstörungen des Kauorgans.

Zahnfarbene Werkstoffe

Insbesondere die neuen Entwicklungen im Bereich der computergestützt gefertigten (CAD/CAM) vollkeramischen Restaurationen ermöglichen die ästhetisch und funktionell hervorragende Wiederherstellung von geschädigten Zähnen, aber auch deren Ersatz. Viele Fragen in diesem Bereich werden derzeit sowohl labortechnisch als auch klinisch erfasst. So wird im Rahmen eines DFG-Projekts der Einsatz vollkeramischer Kronen bei Bruxern (Menschen, die nachts oder tagsüber mit den Zähnen knirschen und/oder pressen) untersucht. Weiterhin wird der Einfluss des Einschleifens auf die mechanischen Eigenschaften der keramischen Werkstoffe untersucht. In einem anderen Projekt wird die monolithische Verwendung von neuartigen zahnfarbenen Restaurationsmaterialien erforscht. Der Einsatz dieser neuen Werkstoffe ermöglicht, auch im Zusammenspiel mit implantatgetragenem Zahnersatz, neue prothetische Versorgungsmöglichkeiten. Um diese Einsatzmöglichkeiten noch weiter auszubauen wurde der Einsatz minimalinvasiver, vollkeramischer Restaurationen genauer untersucht. Hierzu wurden Klebebrücken aus Vollkeramik angefertigt und labortechnisch geprüft.

Postendodontische Versorgungen

Stark zerstörte Zähne werden durch Stifte und entsprechende Aufbauten versorgt. Dies ermöglicht den Erhalt von Zähnen, die normalerweise verloren gewesen wären. Obgleich zu diesem Themenkomplex multiple Studien vorliegen, sind einige Fragen noch immer nicht beantwortet. In mehreren systematischen Übersichtsarbeiten wurden diese Fragestellungen zusammen mit der Poliklinik für Zahnerhaltung genauer untersucht und es konnten Antworten gefunden werden.

Bildgebung

Eine fakultätsübergreifende Arbeitsgruppe (Lehrstuhl für Experimentelle Physik V, Prof. Dr. P. Jakob) beschäftigte sich seit 2006 mit der Entwicklung der dentalen Magnetresonanztomographie (dMRT). Langfristiges Ziel dieser Untersuchungen war der Ersatz von Röntgenstrahlung in der zahnärztlichen Diagnostik sowie das Etablieren von MRT-gestützten therapeutischen Maßnahmen. So können zum Beispiel die Anatomie der Zähne und des Alveolarfortsatzes sowie das Knochenangebot bei allgemein zahnärztlichen, chirurgischen und kieferorthopädischen Fragestellungen erfasst werden. Die gewonnenen Erkenntnisse resultierten in technischen Verfahren, die klinisch anwendbar sind. Vor dem Hintergrund des Fehlens einer gerichtsverwertbaren Altersbestimmung von jugendlichen Menschen wurde in einer fachübergreifenden Kooperation mit dem Ludwig- Bolzmann-Institut in Graz Grundlagenforschung zur forensischen Altersbestimmung durchgeführt. Dabei wurden verschiedene dentale Parameter in konventionellen Röntgenbildern und Magnetresonanztomographien derselben Patienten erhoben und statistisch ausgewertet. Es flossen circa 300 Datensätze in diese Untersuchung ein. Im Ergebnis wurde eine weitere Methode zur Altersbestimmung vorgeschlagen.

Biomechanische Fragestellungen

Weitere interdisziplinäre und fächerübergreifende Forschungsprojekte bezüglich biomechanischer Aspekte des Kausystems laufen derzeit an. So sollen neben kinematischen auch kinetische Daten bei der Bewegung des Unterkiefers erfasst werden. Dies geschieht im Rahmen eines DFG-Projekts, welches voraussichtlich in circa 3 Jahren abgeschlossen sein wird. Im Rahmen dieses Projektes werden in enger Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie computerbasierte Simulationen des gesamten Schädels erzeugt. Dies ermöglicht erstmals die Erfassung von Belastungen verschiedener Gewebe bei unterschiedlichen Bezahnungs-, Bewegungs- und Restaurationssituationen am Computermodell. Zusätzlich wird dieses Modell die computergestützte Fertigung von Zahnersatz weiter optimieren, da insbesondere die Kauflächen der künstlichen Kronen besser an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden können. Ebenso wird im Jahr 2019 ein DFG-Antrag im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Bio-Motion-Center des Institutes für Sport und Sportwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie gestellt werden. Mit diesem interdisziplinären Forschungsansatz von Zahnmedizin und Bewegungswissenschaften sollen die bisherigen gemeinsamen Arbeiten zum Zusammenhang zwischen dem kraniomandibulären System und den posturalen Kontrollprozessen des menschlichen Körpers zielgerichtet fortgesetzt werden.

Funktionsstörungen des Kausystems

Schmerzen, Kieferöffnungseinschränkungen, Gelenkgeräusche, verspannte Muskulatur im Kiefer- und Gesichtsbereich können Anzeichen einer Funktionsstörung sein. Die Ursachen können vielfältig sein: Bruxismus, psychosoziale Aspekte, zunehmendes Alter, Traumata etc. In verschiedenen Forschungsschwerpunkten werden diese Faktoren analysiert und therapeutische Ansätze entwickelt. Diese Forschungsprojekte beinhalten die Anwendung elektromyographischer, bildgebender und klinischer Untersuchungsverfahren. Aber auch psychosoziale Aspekte werden untersucht. In einer aktuellen Studie wird - zusammen mit der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie - untersucht, ob psychosoziale Aspekte bei Kindern mit einer erhöhten Aktivität der Kaumuskulatur einhergehen. Zusätzlich wurde - zusammen mit der Poliklinik für Kieferorthopädie und der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde - eine Sprechstunde für Schlaf-Apnoe-Patienten aufgebaut. In der Arbeitsgruppe „Orale Physiologie“ der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik werden zusätzlich beispielsweise die Auswirkung von nächtlichem Zähneknirschen unter anderem auf die Schmerzentwicklung im Nackenbereich untersucht. In weiteren, interdisziplinären Projekten sollen auch genetische Aspekte dieser Funktionsstörungen näher beleuchtet werden.

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