Translationale Intervention und Prävention

Aus den Erkenntnissen der Grundlagenforschung, wie und wodurch psychische Störungen entstehen, entwickeln wir lebensweltbezogene Präventionsprogramme. Diese testen und bewerten wir im Rahmen von klinischen Studien an ausgewählten Personengruppen. Aktuell laufen Projekte gegen selbstverletzendes Verhalten, Borderline-Störungen sowie emotionale Dysregulation.

Hintergrund

Psychische Störungen gelten als eine der größten gesundheitsbezogenen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und betreffen rund 13  Prozent der Kinder und Jugendlichen weltweit sowie jedes vierte Kind in Deutschland. Der Verlauf von psychischen Störungen ist durch Chronizität, ein geringes Maß an psychosozialer Funktion und Suizidalität gekennzeichnet sowie mit erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden. Gesellschaftspolitisch genießt das Thema der Prävention psychischer Störungen mittlerweile eine hohe Priorität. In Relation zur steigenden Anzahl der Publikationen, Programme und Studien im deutschsprachigen Raum ist der Beleg wirksamer Methoden jedoch weiter als gering einzuschätzen. 

Deutsches Zentrum für Präventionsforschung und Psychische Gesundheit (DZPP)

Zur Umsetzung wissenschaftlicher Standards sowie zur umfassenden Verbreitung wirksamer Präventionsprogramme wurde nicht zuletzt auch deshalb das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung und psychische Gesundheit (DZPP) 2019 in Würzburg gegründet. Durch die national einzigartige Vernetzung von Kooperationspartnerinnen und -partnern entstand eine innovative und nachhaltige Struktur für die Präventionsarbeit gegen psychische Störungen.

Zu den Inhalten des DZPP

Forschungsziele 

Die Arbeitsgruppe „Translationale Prävention und Intervention“ der KJPPP ist Teil des DZPP und verfolgt folgende Ziele:

  • Ursachenforschung zur Entstehung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter
  • Entwicklung, Evaluation und Bereitstellung von lebensweltbezogenen Präventionsprogrammen auf breiter Fläche
  • Früherkennung und Verhinderung von schweren Krankheitsverläufen im Sinne einer zielgerichteten – targetierten – Prävention

Aktuelle Projekte

Meta- und Bedarfsanalyse zu Prävention

Im Rahmen der Entwicklung einer evidenzbasierten Leitlinie (S2e) zum Thema „Prävention, Diagnostik und Therapie von Angststörungen des Kindes- und Jugendalters“ suchen wir weltweit und im internationalen Vergleich nach bereits erprobten und durch Studien belegten Programmen und Vorgehensweisen. Im Sinne einer Metaanalyse ermitteln wir daraus die erfolgversprechendsten Elemente und Konzepte. In Folge prüfen wir, ob sich mit diesen Ergebnissen die deutsche S2e Leitlinie vor allem hinsichtlich präventiver Maßnahmen ergänzen und somit verbessern lässt

Virtuelle Realität bei Emotionsregulationsstörungen

Aversive emotionale Anspannung – also unangenehme Gefühle, die nicht adäquat verarbeitet werden – kann zu selbstverletzenden Verhalten führen und ist mit Störungen der Emotionsregulation verbunden. Den Jugendlichen gelingt es nicht mit ihren Emotionen umzugehen. Lässt sich solch eine aversive emotionale Anspannung in der virtuellen Realität (VR) erzeugen? In experimentellen Versuchen analysieren wir die Möglichkeiten, VR zu Diagnostik und Therapie vor allem bei Jugendlichen mit Emotionsregulationsstörungen und subsyndromaler oder manifester Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) einzusetzen.

Bedeutung

Könnte man mit Hilfe der VR emotionale Anspannung ähnlich triggern wie im echten Leben, würde das die therapeutischen Möglichkeiten enorm erweitern: Frustrationsgeprägte Situationen ließen sich abrufbar gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten durchleben und bearbeiten. Ebenso könnte der Level der Frustrationstoleranz virtuell überprüft und damit der therapeutische Erfolg eingeordnet werden.

DUDE

„Du und deine Emotionen“ (DUDE) ist ein Projekt, das sich an junge Menschen richtet, die sich in nicht suizidaler Absicht selbst verletzen. Mit einem Präventionsprogramm sollen die Fähigkeiten zur Emotionskontrolle verbessert werden. Dabei werden mit Kompetenzstärkung sowie Mentaltraining sogenannte Life-Skill-Ansätze verfolgt. Aktuell wird eine Studie an 3.200 Schülerinnen und Schüler in Franken durchgeführt, um das Präventionsprogramm zu testen und den Erfolg zu bewerten.

Prävention von Borderline-Persönlichkeitsstörungen (BPS)

Unsere Spezialambulanz für Risikoverhalten und Selbstschädigung @Risk  dient der Früherkennung von subsyndromaler BPS, um vor den schwerwiegenden Krankheitsverläufen und psychosozialen Folgeschäden einer manifesten Erkrankung zu schützen. Ergeben sich konkrete Hinweise auf eine Gefährdung, erhalten Betroffene eine spezialisiere Psychotherapie, die sogenannten Dialected Behavioral Therapy (DBT) nach Marsha Linehan. Diese speziell für BPS entwickelte Verhaltenstherapie der dritten Welle verbessert die Affektregulation durch den Einsatz von Skills: In einem ersten Schritt werden Auslöser für Stimmungsschwankungen wahrgenommen und in einem zweiten Schritt Verhaltensmuster erarbeitet, welche helfen, die Emotionen zu kontrollieren.

Erste Ergebnisse zeigen, dass die Früherkennung und -behandlung nicht nur in der @Risk Ambulanz sondern auch international erfolgreich ist: Bereits durchschnittlich 20 Therapiesitzungen reichen aus, um das Vorliegen von Kriterien einer BPS signifikant zu reduzieren. 

Forschungsteam

Leitung

Prof. Dr. med. Marcel Romanos

Team

Dr. phil. Arne Bürger, Postdoktorand
Sabrina Mittermeier M.Sc., Doktorandin
Christin Scheiner M.Sc., Doktorandin
Alexandra Seidel M.Sc., Doktorandin
Felix Farschon, Hilfswissenschaftler
Sarah Franke, Hilfswissenschaftlerin
Viktoria Haase, Hilfswissenschaftlerin
Malin Hager, MasterandinSarah Franke, Masterandin
Sophia Hütter, Masterandin
Lea Panning, Masterandin

Klinisches Team

Dipl.-Psych. Lena Kittel
Dipl.-Psych. Isabel Paul

Ausgewählte Publikationen

Buerger A, Ernst V, Wolter V, Huss M, Kaess M, Hammerle F
Treating eating disorders in the real world - MaiStep: A skill-based universal prevention for schools.
Prev Med. 2019 June; 123:324-332
Zur Publikation 

Buerger A, Fischer-Waldschmidt G, Hammerle F, Auer KV, Parzer P, Kaess M
Differential Change of Borderline Personality Disorder Traits During Dialectical Behavior Therapy for Adolescents
J Pers Disord. 2019 Feb; 33(1):119-134. 
Zur Publikation 

Kolar DR, Hammerle F, Jenetzky E, Huss M, Bürger A
Aversive tension in female adolescents with Anorexia Nervosa: a controlled ecological momentary assessment using smartphones. 
BMC Psychiatry. 2016 Apr; 12; 16:97.
Zur Publikation  

Ansprechpartner

Portraitfoto von Dr. phil. Arne Bürger

Dr. phil.
Arne Bürger

Leitender Psychologe der Ambulanz

+49 931 201-78600

Portraitfoto von Univ. Prof. Dr. med. Marcel Romanos

Univ.-Prof. Dr. med.
Marcel Romanos

Klinikdirektor Kinder- und Jugendpsychiatrie

+49 931 201-78000

Portraitfoto von Prof. Dr. med. Lorenz Deserno

Prof. Dr. med.
Lorenz Deserno

W2-Professur für Experimentelle Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie

+49 931 201-78090

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Telefon

Klinik und Poliklinik für KJPPP
Poliklinik und Privatambulanz
+49 931 201-78600

Zentrale Dienstnummer & Dienstarzt
+49 931 201-78888

Pforte Zentrum für Psychische Gesundheit
+49 931 201-76050

Sekretariat Tagesklinik
+49 931 250-8040

Direktion
Prof. Dr. Marcel Romanos
+49 931 201-78000

Stellvertretende Direktion
PD Dr. Regina Taurines
+49 931 201-78010

E-Mail

Direktion / Prof. Dr. Marcel Romanos
kj_office@ ukw.de 

PD Dr. Regina Taurines
taurines_r@ ukw.de

Fax

Direktion
+49 931 201-78040

Ambulanzsekretariat
+49 931 201-78620


Anschrift

Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums | Margarete-Höppel-Platz 1 | 97080 Würzburg | Deutschland

schließen