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Wenn eine alte Virusinfektion die Heilung des Herzens stört

Ein Herpesvirus, das die meisten von uns in sich tragen, kann die Erholung des Herzens nach einem Herzinfarkt beeinträchtigen

Oben der Verlauf eines Herzinfarktes bei einer nicht CMV-infizierten Person: Normalzustand, Herzinfarkt, Entzündungs- und Reparaturphase; unten der Verlauf bei einer latenten CMV-Infektion: Veränderte Zellen im Herzgewebe, verstärkte Entzündung und schlechterer Krankheitsverlauf.
Eine latente Cytomegalievirus-Infektion verändert das Immunmilieu des Herzens dauerhaft und begünstigt die Ansiedlung CMV-spezifischer Immunzellen im Herzmuskel. Nach einem Herzinfarkt kann sie Entzündungsprozesse verstärken und die ungünstige Umgestaltung der Herzkammer fördern. Auch bei Patientinnen und Patienten ist eine übermäßige Immunantwort gegen das Virus mit schlechteren langfristigen Herzfunktionen verbunden. Bild: Anpassung des Graphical Abstracts Dapergola et al 2026 https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.327799

Rijeka / Würzburg. Die Heilung des Herzens nach einem Infarkt ist kein passiver Prozess. Sie wird vom Immunsystem orchestriert. In den ersten Tagen beseitigen Entzündungszellen das abgestorbene Gewebe. Anschließend muss die Entzündung rechtzeitig abklingen, damit eine feste und stabile Narbe aufgebaut werden kann. Ist die Entzündung zu stark oder hält sie zu lange an, kann sich die Schädigung ausweiten und das Herz ungünstig umgebaut werden.

Das Ergebnis eines Infarkts hängt daher nicht nur davon ab, wie viel Herzmuskel verloren gegangen ist. Es wird auch vom individuellen Immunsystem beeinflusst. Genau diese kardio-immunen Schnittstellen untersucht der Sonderforschungsbereich SFB 1525 des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Im Mittelpunkt stehen die Fragen, inwiefern das Immunsystem Herzkrankheiten beeinflusst und ob sich Wechselwirkungen therapeutisch nutzen lassen. 

Veröffentlichung in Circulation Research

Ein Fokus liegt dabei auf Infektionen, die ein Mensch im Laufe des Lebens hatte und die das Immunsystem prägen, wie etwa das Zytomegalievirus (CMV). In einer kürzlich im Fachjournal Circulation Research veröffentlichten Studie fand eine Forschungsgruppe des SFB 1525 gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität von Rijeka (Kroatien) heraus, dass eine Infektion mit dem weit verbreiteten Virus die Immunreaktion verändern und dadurch die Erholung des Herzens nach einem Infarkt erheblich beeinträchtigen kann. 

Zytomegalievirus: ein unbemerkter Begleiter fürs Leben

Das Zytomegalievirus gehört zur Familie der Herpesviren, zu der auch die Viren gehören, die Lippenherpes, Windpocken oder das Pfeiffersche Drüsenfieber verursachen. Allen Herpesviren gemein ist, dass sie nach der Erstinfektion im Körper verbleiben und dort lebenslang in einem ruhenden Zustand, der sogenannten Latenz, überdauern können. Das Immunsystem muss das Virus daher ständig überwachen, was zu einer chronischen, unterschwelligen Entzündung im Körper führt. Eine Infektion mit dem Zytomegalievirus ist sehr häufig und verläuft bei gesunden Menschen meist unbemerkt. Viele Menschen wissen daher gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. 

Von der Maus zum Menschen

Da sich das murine Zytomegalievirus bei Mäusen ähnlich wie das humane Virus beim Menschen verhält, ist das Mausmodell ideal, um diese Infektionen genauer zu untersuchen. Hier kommen die Expertise des Zentrums für Proteomik in Rijeka und des Instituts für Systemimmunologie in Würzburg (WüSI) ins Spiel. Beide Einrichtungen sind international anerkannte Forschungszentren auf dem Gebiet der viralen Immunologie und erforschen den Einfluss von CMV-Infektionen auf das Immunsystem und die Gewebe. Auch im Würzburger SFB werden die Mechanismen analysiert, die mit altersbedingten Veränderungen des Immunsystems, der sogenannten Immunseneszenz, einhergehen und das Heilungspotenzial nach einem Herzinfarkt negativ beeinflussen. „Wir untersuchen, wie Infektionen mit häufigen Krankheitserregern wie CMV die sogenannte Immunoseneszenz beeinflussen und somit die Reparaturkapazität nach einem Herzinfarkt beeinträchtigen“, erläutert Prof. Dr. Gustavo Ramos, korrespondierender Autor der aktuellen Studie.

Gemeinsam konnten die Forschenden nachweisen, dass die Herzen latent infizierter Mäuse deutlich mehr Immunzellen enthalten und ihr Gewebe Anzeichen einer stillen, Entzündung auf molekularer Ebene aufweist. Dieser Zustand allein schädigt das Herz oder die allgemeine Gesundheit der Tiere jedoch nicht. Erleidet eine latent infizierte Maus jedoch einen Infarkt, verstärkt sich das Entzündungsmilieu und beeinträchtigt die Heilung, so dass sich die Herzfunktion nicht so gut wie bei nicht infizierten Mäusen erholen kann. 

Befund beim Menschen bestätigt

Tatsächlich fanden die Forschenden in zwei retrospektiv ausgewerteten Patientenkohorten aus Würzburg und Newcastle einen Zusammenhang zwischen CMV-spezifischen Zellen und Antikörpern einerseits und dem Krankheitsverlauf nach einem Myokardinfarkt andererseits. 

„Diese Ergebnisse zeigen zunächst eine Assoziation“, erklärt Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I (Med I) am UKW und Sprecher des SFB 1525. „Ob und inwieweit eine stärkere Immunantwort auf CMV mit einer schlechteren Erholung der Herzfunktion einhergeht, müssen weitere prospektive klinische Studien klären. Unsere experimentelle Forschung liefert jedoch neue Einblicke in die Mechanismen, die hinter diesem klinischen Zusammenhang stehen könnten.“

Weitere gemeinsame Untersuchungen sollen nun klären, wie Virusinfektionen die Herzgesundheit beeinflussen und ob sich daraus neue Möglichkeiten für die Behandlung nach einem Herzinfarkt ergeben.

Aus Konkurrenz wird Kooperation

„Ich freue mich sehr, dass unsere Forschungsgruppen zueinander gefunden haben und wir unsere Kräfte so erfolgreich bündeln können“, sagt Gustavo Ramos, der Letztautor der Studie ist. 

Beide Gruppen, in Kroatien und Deutschland, waren nämlich zunächst unabhängig voneinander auf dieselbe wissenschaftliche Frage gestoßen. Während die Forschenden in Rijeka den Einfluss einer latenten CMV-Infektion auf das Herz untersuchten, beschäftigte sich die Würzburger Gruppe um Gustavo Ramos am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) und Georg Gasteiger in der Würzburger Max-Planck-Forschungsgruppe für Systemimmunologie (WüSI) mit einer ähnlichen Fragestellung. Statt um die schnellste Publikation zu konkurrieren, beschlossen die Teams, ihre Expertise zu verbinden. 

Ramos und Gasteiger organisierten daraufhin im Sommer 2024 am Würzburger Institut für Systemimmunologie ein Mini-Symposium zu viralen Infektionen und Herzmuskelerkrankungen, auf dem die Forschenden ihre Forschungsideen zusammenführen und die gemeinsame Arbeit weiterentwickeln konnten. 

So teilen sich denn auch Eleni Dapergola (WüSi), Marko Šustić (Universität Rijeka) und DiyaaElDin Ashour (DZHI, Med I) die Erstautorenschaft der Publikation. Geleitet wurde die Arbeit von Gustavo Campos Ramos (DZHI, MED I) und Georg Gasteiger (WüSI) sowie Ilija Brizić in Rijeka. Maßgeblich an der Studie beteiligt waren zudem Ioakim Spyridopoulos mit seinem Forschungsteam aus Newcastle sowie Arbeitsgruppen aus Paris und Graz. 

Drei Posterpreise zu CMV und Myokarderkrankungen bei der III. Cardioimmunology Conference

„Der Zusammenhang zwischen CMV und Erkrankungen des Herzmuskels entwickelt sich derzeit zu einem wichtigen Thema an der Schnittstelle von Kardiologie und Immunologie“, sagt Prof. Dr. Georg Gasteiger. Der Direktor des Würzburger Instituts für Systemimmunologie verweist auf drei Posterpreise, die gerade in diesem Themenfeld bei der III. Cardioimmunology Conference verliehen wurden. Die Konferenz fand vom 30. September bis zum 2. Oktober in der Nähe von Madrid statt. Eleni Dapergola, Doktorandin am WüSI, erhielt einen Posterpreis für die in Circulation Research veröffentlichte Publikation. Marko Šustić wurde für ein Poster ausgezeichnet, das an diese Studie anknüpfte. Einen weiteren Posterpreis erhielt Alexandra Cirnu, Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Brenda Gerull am DZHI. Im Rahmen des SFB-Projekt A4 untersuchte Cirnu mögliche Zusammenhänge zwischen CMV und genetisch bedingten Kardiomyopathien. Die Ergebnisse wurden kürzlich als Preprint veröffentlicht (https://doi.org/10.64898/2025.12.11.693827) und werden derzeit wissenschaftlich begutachtet.

Publikation: Dapergola E, Šustić M, Ashour D, Melika ET, Cokarić Brdovčak M, Materljan Franki J, Golemac M, Lisnić B, Bellulovich E, Boivin-Jahns V, Krammer T, Le Gouge K, Rech L, Stangl V, Kashofer K, Rainer PP, Jahns R, Mariotti-Ferrandiz E, Marwan H, Terekhov M, Keshtkar M, Saliba AE, Cochain C, Arampatzi P, Srivastava M, Plein S, Ekinci Y, Spyridopoulos I, Jonjić S, Hofmann U, Frantz S, Brizić I, Gasteiger G, Campos Ramos G. Cytomegalovirus Latency Fuels Inflammation Following Myocardial Infarction. Circ Res. 2026 Sep 14. https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.327799

 

 

Oben der Verlauf eines Herzinfarktes bei einer nicht CMV-infizierten Person: Normalzustand, Herzinfarkt, Entzündungs- und Reparaturphase; unten der Verlauf bei einer latenten CMV-Infektion: Veränderte Zellen im Herzgewebe, verstärkte Entzündung und schlechterer Krankheitsverlauf.
Eine latente Cytomegalievirus-Infektion verändert das Immunmilieu des Herzens dauerhaft und begünstigt die Ansiedlung CMV-spezifischer Immunzellen im Herzmuskel. Nach einem Herzinfarkt kann sie Entzündungsprozesse verstärken und die ungünstige Umgestaltung der Herzkammer fördern. Auch bei Patientinnen und Patienten ist eine übermäßige Immunantwort gegen das Virus mit schlechteren langfristigen Herzfunktionen verbunden. Bild: Anpassung des Graphical Abstracts Dapergola et al 2026 https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.327799

Neue Ära der Immunzelltherapie: CAR-T-Zellen könnten künftig das Herz schützen

Internationales Forschungskonsortium unter Leitung des UKW erhält 7 Millionen Euro aus Horizon Europe für Projekt CARDIO

Illustration - links CAR-Tregs, oberer Teil zeigt wie sie chronische Entzündungen im Gefäß bekämpfen und zur Plaque-Stabilisierung beitragen, unterer Teil, wie sie das Gewebe im Herz nach Infarkt schützen bzw. zur Heilung beitragen. Zu sehen ist eine regulatorische Zelle mit CAR, Gefäße mit Plaque und Herz nach Infarkt.
Im Projekt CARDIO werden CAR-Tregs entwickelt, um akute und chronische Entzündungen bei Herzinfarkt und Atherosklerose zu bekämpfen. © Maik Luu / UKW
Die Collage zeigt die freigestellten Personen Hudecek, Luu, Zernecke-Madsen und Ramos in weißen Kitteln vor blauem Hintergrund.
Das Projekt CARDIO wurde am Universitätsklinikum Würzburg initiiert, v.l.n.r.: Michael Hudecek, Maik Luu (Leitung), Alma Zernecke-Madsen und Gustavo Ramos. © UKW / Collage mit Canva

Würzburg. Was bislang vor allem als hochwirksame Therapie gegen bestimmte Blutkrebserkrankungen bekannt ist, könnte künftig auch Menschen nach einem Herzinfarkt helfen oder sie langfristig sogar davor schützen. Ein internationales Forschungskonsortium unter der Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) entwickelt erstmals CAR-T-Zelltherapien, die Entzündungsreaktionen nach einem Herzinfarkt gezielt bremsen und die Heilung des Herzmuskels fördern sollen. Darüber hinaus wollen die Forschenden einen zweiten Therapieansatz entwickeln, der chronische Entzündungen in atherosklerotischen Plaques reguliert und somit langfristig Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen könnte. Atherosklerotische Plaques sind Ablagerungen in den Gefäßwänden, welche die Herzkranzgefäße verengen können. Wenn eine solche Plaque aufreißt, kann sich ein Blutgerinnsel bilden, das das Gefäß plötzlich verschließt und somit einen Herzinfarkt auslöst. Für das Projekt CARDIO stehen rund sieben Millionen Euro aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe der Europäischen Union zur Verfügung. Davon fließen rund 2,8 Millionen Euro an den Standort Würzburg. Das Projektmanagement wird unterstützt durch die Bayerische Forschungsallianz.

CAR-T-Zellen zerstören Krebszellen, CAR-Tregs regulieren fehlgeleitete Immunreaktionen

CAR-T-Zellen gelten als Meilenstein in der Krebsmedizin. Dabei werden bestimmte Immunzellen, die T-Zellen, gentechnisch so verändert, dass sie an ihrer Oberfläche sogenannte Chimäre Antigen-Rezeptoren (CAR) bilden. Mithilfe dieser Rezeptoren können die Immunzellen die Krebszellen anhand ihrer charakteristischen Oberflächenmoleküle gezielt erkennen und zerstören. „Dieses Grundprinzip übertragen wir nun erstmals konsequent auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Unsere CAR-T-Zellen sollen nicht töten, sondern schützen. Anstelle aggressiver Killerzellen entstehen regulatorische CAR-T-Zellen, sogenannte CAR-Tregs. Diese wandern gezielt in geschädigtes Herzgewebe ein und dämpfen dort überschießende Entzündungsreaktionen“, erklärt Dr. Maik Luu das Prinzip. Der Juniorprofessor für Translationale Medizin am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie koordiniert das innovative Projekt.

Würzburger Expertise

Dass das Projekt am UKW initiiert wurde, ist kein Zufall: Es vereint langjährige Expertise aus den Bereichen Immunkardiologie, Gefäßbiologie und Zelltherapie. Forschende aus mehreren Instituten bringen ihre komplementären Stärken ein – von den immunologischen Grundlagen der Gefäßentzündungen und Herzheilung über die Identifizierung geeigneter Zielstrukturen bis hin zur Entwicklung und präklinischen Erprobung neuer Zelltherapien.

„Nach einem Herzinfarkt muss das Immunsystem eine Balance finden: Einerseits sind Entzündungsreaktionen notwendig, um geschädigtes Gewebe zu beseitigen und die Reparatur einzuleiten. Andererseits kann eine überschießende Immunaktivierung die Herzfunktion weiter beeinträchtigen“, erläutert Prof. Dr. Ulrich Hofmann. Der Oberarzt der Medizinischen Klinik I fand bereits 2012 heraus, dass T-Zellen eine zentrale Rolle bei der Heilung nach einem Herzinfarkt spielen. Der Biologe Prof. Dr. Gustavo Ramos knüpfte daran an. Er identifizierte gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) in Würzburg das Strukturprotein der Herzmuskelzellen, Myosin, als entscheidende Zielstruktur der Immunantwort. 

Myosinspezifische regulatorische T-Zellen begrenzen Entzündungsprozesse im geschädigten Herzen

„Nach einem Herzinfarkt wird Myosin aus zerstörten Herzmuskelzellen freigesetzt. Während bestimmte T-Zellen dadurch Entzündungen verstärken können, erkennen regulatorische T-Zellen dieselben Strukturen und helfen dabei, die Immunreaktion zu begrenzen und die Heilung einzuleiten“, erläutert Gustavo Ramos. Für seine wegweisenden Erkenntnisse in der Immunkardiologie wurde er gerade von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) mit dem bedeutenden Arthur-Weber-Preis ausgezeichnet. 

Im EU-Projekt CARDIO werden nun erstmals T-Zellen mit einem CAR ausgestattet, der gegen das Myosin-Protein im Herzen greift. Zusätzlich erhalten sie den Transkriptionsfaktor FOXP3, der ihnen ihre entzündungshemmenden Eigenschaften verleiht. 

CAR-T-Zellen als akute Therapie beim Herzinfarkt und zur Prävention von Atherosklerose 

„Während wir in der Krebsbehandlung die T-Zellen dazu anregen, inflammatorische Botenstoffe zu entwickeln, damit der Tumor besser erkannt wird, wollen wir hier das Gegenteil erreichen. Wir möchten, dass die T-Zellen blockierende Substanzen produzieren“, schildert Maik Luu das Konzept. Seine ehemalige Doktorandin und nun Postdoktorandin Dr. Sarah Staudt hat für den Antrag wesentliche Vorarbeiten geleistet. Luus Expertise liegt vor allem in der metabolischen Optimierung und funktionellen Verstärkung der therapeutischen T-Zellen. Bislang zielten seine Arbeiten darauf ab, zelluläre Immuntherapien so weiterzuentwickeln, dass sie bei guter Verträglichkeit länger wirksam bleiben und künftig auch gegen solide Tumoren erfolgreich eingesetzt werden können. Das Projekt CARDIO erweitert das Portfolio der Anwendungsgebiete: nicht nur in der Behandlung von Herzinfarkten, sondern auch in der Prävention, die hier in den Blutgefäßen beginnt, nämlich bei der Behandlung von Atherosklerose. 

Schädliche Entzündungsprozesse in Blutgefäßen stoppen

Mit regulatorischen T-Zellen im Herzen, aber auch in der Gefäßimmunologie und Atherosklerose beschäftigt sich Prof. Dr. Alma Zernecke-Madsen. Die Leiterin des Instituts für Experimentelle Biomedizin II und stellvertretende Sprecherin des Würzburger Sonderforschungsbereichs SFB 1525 „Kardiovaskuläre Schnittstellen“ hat mit ihrer Forschung wesentlich zu dem heutigen Verständnis beigetragen, dass Atherosklerose keine reine Fettstoffwechselerkrankung, sondern eine chronische Entzündung der Gefäßwand ist. Dabei hat sie vor allem untersucht, wie Immunzellen in die Gefäßwand gelangen, wie sie dort miteinander kommunizieren und ob sie die Entzündung anheizen oder bremsen. 

„Das Immunsystem wirkt auch bei Atherosklerose wie ein zweischneidiges Schwert. Manche Zelltypen fördern die Entzündung, andere – etwa T-Zellen oder bestimmte Makrophagen – können sie begrenzen und damit Gefäßschäden eindämmen. Das Ziel unserer neuen CAR-T-Zell-Therapie besteht deshalb nicht darin, das Immunsystem vollständig zu unterdrücken, sondern die schädlichen Entzündungsprozesse gezielt zu bremsen und die schützenden zu fördern“, sagt Alma Zernecke-Madsen. „Indem wir die Entzündungsprozesse in den Gefäßwänden beeinflussen, könnten wir langfristig vor den Folgen chronischer Gefäßentzündungen schützen und damit möglicherweise Herzinfarkten vorbeugen.“

Antikörper gegen relevante Zielstrukturen in Plaques

Das Würzburger Team erhält hierbei Unterstützung von Professorin Almudena Ramiro. Sie erforscht am Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares Carlos III (CNIC) in Madrid unter anderem krankheitsspezifische Zielmoleküle in atherosklerotischen Plaques. Die von ihrer Arbeitsgruppe entwickelten Antikörper dienen als Vorlage für neuartige CARs, mit denen sich Immunzellen gezielt gegen krankhafte Zellen in atherosklerotischen Plaques richten lassen.

Genetische Analyse und Optimierung einzelner Zellprodukte und Bindemoleküle durch Protein-Engineering

Weitere wichtige Projektpartner forschen in Wien. So nutzt das Team um Prof. Dr. Christoph Bock am CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – zum Beispiel modernste CRISPR- und Einzelzelltechnologien, um weitere Rezeptoren und genetische Schalter zu identifizieren, die regulatorische T-Zellen noch wirksamer machen könnten. Die Verfahren erlauben es, die Auswirkungen einzelner genetischer Veränderungen auf die Funktion und das Verhalten der Immunzellen mit bisher unerreichter Präzision zu untersuchen. Prof. Dr. Michael Traxlmayr, ausgewiesener Experte für Protein Engineering an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), wird mit seiner Expertise dazu beitragen, eine neue Generation von Bindemolekülen zu erzeugen und Proteine zu entwickeln, die entzündungsfördernde Signale gezielt ausschalten. 

Off-the-Shelf-CAR-T-Zellen

Ein wichtiger Partner im CARDIO-Konsortium ist außerdem die DKMS. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei verfügt über eine der größten und am besten charakterisierten Spenderdatenbanken weltweit. Davon profitieren nicht nur Patientinnen und Patienten mit Blutkrebs. Die umfassende genetische Charakterisierung eröffnet auch für neue Zelltherapien wertvolle Möglichkeiten.

Denn im Gegensatz zu den in der Onkologie zugelassenen CAR-T-Therapien, die individuell für jede Patientin und jeden Patienten hergestellt werden, müssen die CAR-T-Zellen bei der Behandlung von Herzinfarkten sofort verfügbar sein. „Deshalb arbeiten wir an einer allogenen Therapie. Das heißt, die Zellen stammen dann von gesunden Spenderinnen und Spendern, sind bereits vorproduziert und werden tiefgefroren gelagert – sogenannte Off-the-Shelf-CAR-T-Zellen. Oder anders ausgedrückt: CAR-T-Zellen von der Stange“, berichtet Maik Luu. Mithilfe des DKMS-Registers sollen Spenderinnen und Spender mit möglichst häufig vorkommenden HLA-Merkmalen ausgewählt werden. HLA steht für humanes Leukozyten-Antigen. Je ähnlicher die HLA-Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist das Risiko einer Abstoßungsreaktion oder – bei Stammzelltransplantationen – einer Graft-versus-Host-Erkrankung. Auf dieser Grundlage können CAR-T-Zellen entwickelt werden, die für einen möglichst großen Teil der Bevölkerung geeignet sind. „Wenn die körperfremden Zellen nach kurzer Zeit wieder abgestoßen werden, ist das nicht so tragisch wie bei der Krebsbehandlung, bei der die Zellen möglichst lange persistieren und wirken sollen“, so Luu. 

Translation von Beginn an mitgedacht 

Die neuen Zellprodukte werden zunächst in Zellkulturen und Tiermodellen untersucht und anschließend an menschlichem Gewebe getestet. Das Ziel besteht darin, bis zum Ende des vierjährigen Projekts ausreichend Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten zu generieren, um diese Innovation möglichst schnell in die klinische Anwendung zu überführen. Für die Translation arbeitet das Projektteam mit dem Biotech-Unternehmen T-Curx zusammen, eine Ausgründung der Universitätsmedizin Würzburg von Prof. Dr. Michael Hudecek, Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie. T-Curx entwickelt unter anderem neue Verfahren, mit denen sich CAR-T-Zelltherapien einfacher, schneller und kostengünstiger herstellen lassen – im Idealfall direkt in der Klinik.

CAR-T-Technologie erobert neue Krankheitsfelder

Das Projekt CARDIO zeigt, dass die in Würzburg aufgebaute Expertise in der Entwicklung von CAR-T-Zelltherapien zunehmend auch auf neue Krankheitsfelder übertragen wird. „Wir sehen großes Potenzial für Zelltherapien auch außerhalb der Onkologie“, sagt Michael Hudecek. „Insofern ist die Förderung im Rahmen von Horizon Europe ein toller Erfolg. Sie zeigt die hohe wissenschaftliche Relevanz des Projekts und eröffnet für uns die Chance, mit starken Partnerinnen und Partnern die Möglichkeiten der CAR-Technologie für völlig neue medizinische Anwendungen zu erschließen.“

Hinweis: CARDIO wird finanziert durch die Europäische Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor(en) und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HADEA) wider. Weder die Europäische Union noch die Förderstelle können dafür haftbar gemacht werden.

Text: KL/Wissenschaftskommunikation

Illustration - links CAR-Tregs, oberer Teil zeigt wie sie chronische Entzündungen im Gefäß bekämpfen und zur Plaque-Stabilisierung beitragen, unterer Teil, wie sie das Gewebe im Herz nach Infarkt schützen bzw. zur Heilung beitragen. Zu sehen ist eine regulatorische Zelle mit CAR, Gefäße mit Plaque und Herz nach Infarkt.
Im Projekt CARDIO werden CAR-Tregs entwickelt, um akute und chronische Entzündungen bei Herzinfarkt und Atherosklerose zu bekämpfen. © Maik Luu / UKW
Die Collage zeigt die freigestellten Personen Hudecek, Luu, Zernecke-Madsen und Ramos in weißen Kitteln vor blauem Hintergrund.
Das Projekt CARDIO wurde am Universitätsklinikum Würzburg initiiert, v.l.n.r.: Michael Hudecek, Maik Luu (Leitung), Alma Zernecke-Madsen und Gustavo Ramos. © UKW / Collage mit Canva

Herzschwäche: Wer profitiert von Telemedizin?

DZHI-Studie zeigt: Erfolg der Fernbetreuung hängt stark von Lebenssituation und Geschlecht ab

Herzinsuffizienz-Pflegekraft sitzt am Schreibtisch und hält Telefon am Ohr.
HI-Nurses wie Constanze Richter vom DZHI riefen im Rahmen der E-INH-Studie die Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang regelmäßig an, schulten sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck und Herzschlag sowie im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie Wassereinlagerungen in den Knöcheln, fragten die Ergebnisse des Selbstmonitorings ab und optimierten die medikamentöse Therapie gemeinsam mit dem ärztlichen Personal. © Arnika Hansen / UKW

Eine neue Analyse der E-INH-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg zeigt, dass eine Fernbetreuung durch spezialisierte Pflegekräfte nicht für alle Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz gleichermaßen wirksam ist. Das Geschlecht und der Familienstand beziehungsweise die soziale Lebenssituation spielen eine wichtige Rolle: Verheiratete Frauen und unverheiratete Männer profitierten am stärksten von der Intervention, während unverheiratete Frauen mit Fernbetreuung sogar schlechter abschnitten als mit der üblichen Versorgung.

Würzburg. Telemedizinische Betreuung kann Menschen mit Herzinsuffizienz helfen, länger zu leben und ihre Lebensqualität zu verbessern. Das zeigten bereits einige Studien, unter anderem die vom Forschungsministerium (BMFTR) geförderte erweiterte INH-Studie (E-INH = Extended Interdisciplinary Network Heart Failure (DOI: 10.1016/j.jchf.2022.10.016). Darin untersuchte das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) die langfristigen Auswirkungen eines von spezialisierten Pflegekräften koordinierten telemedizinischen und betreuenden Programms (HeartNetCare-HF). Eine Herzinsuffizienz-Pflegekraft rief die Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang regelmäßig an, schulte sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck und Herzschlag sowie im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie Wassereinlagerungen in den Knöcheln, fragte die Ergebnisse des Selbstmonitorings ab und optimierte die medikamentöse Therapie gemeinsam mit dem ärztlichen Personal. Die 42-monatige Nachbeobachtung erfolgte ohne Intervention. 

Wechselwirkungen zwischen den Faktoren Geschlecht, Familienstand und Versorgung

Das Studienteam wollte nun in einer Zweitauswertung wissen, ob wirklich alle gleichermaßen von einer Betreuung durch eine sogenannte HI-Nurse profitieren? „Offenbar nicht“, resümiert Dr. Fabian Kerwagen, Kardiologie und Erstautor der im Journal „Circulation: Population Health and Outcomes“ publizierten Ergebnisse. „Unsere Analysen ergaben spannende und aufschlussreiche Wechselwirkungen zwischen den Faktoren Geschlecht, Familienstand und Versorgung.“ 

Unverheiratete Frauen zogen keine Vorteile aus der Fernbetreuung

Verheiratete Frauen profitierten am meisten von der 18-monatigen Fernbetreuung. Nach fünf Jahren betrug die Gesamtsterblichkeit 28 Prozent. Im Vergleich dazu lag diese bei unverheirateten Männern, welche die übliche Versorgung erhielten, bei 60 Prozent. „Es hat uns daher nicht überrascht, dass für alleinlebende Männer die telemedizinische Betreuung durch eine spezialisierte Pflegekraft von Vorteil war“, sagt Fabian Kerwagen. „Überrascht hat uns jedoch, dass unverheiratete Frauen keinen Nutzen aus der Fernbetreuung ziehen. In unserer Analyse schnitten unverheiratete Frauen mit Fernbetreuung sogar etwas schlechter ab als diejenigen mit Standardversorgung.“ 

Telemedizin funktioniert offenbar nicht nach einer einheitlichen Schablone

Warum die unterschiedlichen Wechselwirkungen zwischen Geschlecht und Familienstand bestehen und die Art der Betreuung nicht für alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen passend war, lässt sich aus den vorliegenden Daten noch nicht beantworten. „Die Ergebnisse zeigen uns jedoch, dass wir genau hinschauen müssen, wie Patientinnen und Patienten unsere Betreuung tatsächlich erleben. Ein regelmäßiger Anruf kann für den einen Menschen eine wertvolle Unterstützung sein, während er bei einem anderen vielleicht nicht die gleiche Wirkung entfaltet. Deshalb sollten wir bei telemedizinischen Interventionen künftig auch die sozialen und psychologischen Bedürfnisse und die Lebenssituation unserer Patientinnen und Patienten berücksichtigen“, kommentiert Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz am DZHI. 

Bei alleinstehenden Frauen könnte die Beziehung zur in der Regel weiblichen betreuenden Pflegekraft beispielsweise eine andere Rolle spielen als bei alleinstehenden Männern. Auch die Art und Weise, wie die telefonischen Gespräche geführt wurden und wie sie wahrgenommen wurden, könnte einen Einfluss haben. Ebenso ist denkbar, dass die regelmäßigen Kontakte bei alleinlebenden Frauen nicht die gewünschte soziale Unterstützung bieten oder diese sogar als zusätzliche Belastung empfunden werden.

Wenn soziale Verbundenheit Teil der Therapie wird

Fabian Kerwagen nennt das Stichwort Einsamkeit, zu dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gerade eine Aktionswoche veranstaltete. „Unsere neue E-INH-Auswertung liefert einen interessanten neuen Aspekt zur Debatte um Social Connectedness – also wie stark Menschen sozial eingebunden sind und wie sehr sie sich mit anderen verbunden fühlen“, sagt der Clinician Scientist. Wie wichtig soziale Beziehungen für die Gesundheit sind, zeigte eine große Metaanalyse von Julianne Holt-Lunstad et al. (https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1000316): Menschen mit stärkeren sozialen Beziehungen hatten eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Menschen mit schwächeren sozialen Beziehungen. Die Bedeutung sozialer Beziehungen für die Sterblichkeit ist demnach vergleichbar mit etablierten Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol. 

„Unsere Analyse wirft nun eine weiterführende Frage auf: Was passiert, wenn eine medizinische Intervention selbst eine soziale Interaktion beinhaltet?“, fragt Kerwagen.  Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht jede Form der sozialen Unterstützung für alle Menschen gleichermaßen funktioniert. Geschlecht und soziale Lebenssituation könnten demnach beeinflussen, wie eine solche Betreuung angenommen wird und welchen Nutzen sie entfaltet. „Wenn Einsamkeit ein Gesundheitsrisiko ist und soziale Beziehungen Teil der Medizin sind, dann müssen wir soziale Interventionen möglicherweise ebenso individuell anpassen wie andere Therapien“, resümiert Fabian Kerwagen. 

Um zu untersuchen, ob und welche Anpassungen der telemedizinischen Interventionen an das Geschlecht und den Familienstand der Patientinnen und Patienten die Behandlungsergebnisse bei Menschen mit Herzinsuffizienz optimieren, sind laut den Autorinnen und Autoren zukünftige Studien erforderlich.

Daten zur erweiterten INH-Studie: 

An der E-INH-Studie nahmen 1.022 Personen teil, die zwischen den Jahren 2004 und 2007 aufgrund einer akuten systolischen Herzinsuffizienz mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von 40 Prozent oder niedriger* ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Darunter waren 292 Frauen (28 %) und 730 Männer. Das Durchschnittsalter war 68 Jahre. 1.008 der Studienteilnehmenden machten Angaben zu ihrem Familienstand. 111 Frauen (63 %) gaben an, verheiratet zu sein, 174 waren unverheiratet, verwitwet oder geschieden. Bei den Männern waren 522 verheiratet und 201 unverheiratet, verwitwet oder geschieden. 

Die Hälfte der Teilnehmenden erhielt zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang eine Fernbetreuung durch eine auf Herzinsuffizienz spezialisierte Pflegekraft. Die 42-monatige Nachbeobachtung erfolgte ohne Intervention. Die Wechselwirkungen zwischen Fernbetreuung, Geschlecht und Familienstand hinsichtlich Gesamtmortalität und/oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz wurden nach 18 und 60 Monaten untersucht. 

Nach 60 Monaten reichte die Gesamtmortalität von 28 % bei verheirateten Frauen, die die Fernbetreuung erhielten, bis zu fast 60 % bei unverheirateten Männern, die die übliche Versorgung erhielten.

Die ersten Ergebnisse wurden im Jahr 2023 im Journal of the American College of Cardiology (JACC): Heart Failure veröffentlicht. Fazit: Im Vergleich zur üblichen Versorgung führte die zusätzliche Betreuung mit HeartNetCare-HF insgesamt zu einer höheren Überlebensrate und besseren Lebensqualität. Zudem mussten die telemedizinisch betreuten Patientinnen und Patienten seltener wegen einer Herzschwäche ins Krankenhaus.

* Bei einer systolischen Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr kräftig genug, um ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Die linke Herzkammer pumpt dabei pro Herzschlag höchstens 40 Prozent der Blutmenge aus, die sie enthält. Bei einer diastolischen Herzinsuffizienz kann sich der Herzmuskel nicht ausreichend entspannt bzw. ist versteift und füllt sich dadurch schlechter mit Blut.

Publikation: Fabian Kerwagen, Susanne Sehner, Judith Albert, Caroline Morbach, Gülmisal Güder, Karl Wegscheider, Hermann Faller, Stefan Frantz, Georg Ertl, Christiane E. Angermann*, Stefan Störk*. Effect modification of remote patient management by sex and marital status among patients with heart failure in Germany: Findings from the Extended Interdisciplinary Network Heart Failure Trial. Circulation: Population Health & Outcomes. Aug 17, 2026, doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.125.012770
*geteilte Letztautorenschaft

 

Herzinsuffizienz-Pflegekraft sitzt am Schreibtisch und hält Telefon am Ohr.
HI-Nurses wie Constanze Richter vom DZHI riefen im Rahmen der E-INH-Studie die Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang regelmäßig an, schulten sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck und Herzschlag sowie im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie Wassereinlagerungen in den Knöcheln, fragten die Ergebnisse des Selbstmonitorings ab und optimierten die medikamentöse Therapie gemeinsam mit dem ärztlichen Personal. © Arnika Hansen / UKW

Wichtiger Meilenstein bei HI-PLUS: Jetzt beginnt die Auswertung der Herzinsuffizienz-Versorgungsstudie

Die bundesweite HI-PLUS-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) hat die Nachbeobachtung der letzten Teilnehmenden abgeschlossen

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

In der HI-PLUS-Studie werden bekannte Defizite in der Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz adressiert. Dabei wird eine neue, sektorenübergreifende Versorgungsform untersucht, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren soll. Im Mittelpunkt der neuen Versorgungsform stehen speziell für die Versorgung herzinsuffizienter Menschen qualifizierte Medizinische Fachangestellte (HI-MFA). Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, erfassen Vitaldaten telemonitorisch und unterstützen den Informationsaustausch zwischen Hausarztpraxis und kardiologischer Praxis über eine digitale Fallakte. Insgesamt wurden 712 Patientinnen und Patienten in die bundesweite HI-PLUS-Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Mit deren Abschluss beginnt nun die wissenschaftliche Auswertung. Erweist sich das Versorgungsmodell als wirksam, könnte es als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen.

Würzburg. Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz werden häufig sowohl hausärztlich als auch kardiologisch betreut. Im Versorgungsalltag funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behandelnden jedoch nicht immer optimal. Das kann dazu führen, dass Therapien nicht rechtzeitig angepasst werden und die Patientinnen und Patienten Betreuung nicht in der Intensität erhalten, die sie benötigen. Genau hier setzt die HI-PLUS-Studie an. Die bundesweite Versorgungsstudie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg untersucht, ob eine engere Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen und kardiologischen Praxen sowie speziell in Herzinsuffizienz geschulten Medizinischen Fachangestellten (HI-MFA) die Versorgung von Menschen mit Herzschwäche verbessern kann. Die Ergebnisevaluation der Studie wird durch das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) der Universität Würzburg durchgeführt. Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung der letzten Studienteilnehmenden hat HI-PLUS nun einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Innerhalb von drei Jahren wurden 712 Patientinnen und Patienten in die zweiarmige, parallelgruppen-geführte, cluster-randomisierte, kontrollierte Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden, von denen 24 Prozent weiblich waren, lag bei rund 69 Jahren. Der überwiegende Teil der Teilnehmenden wies eine leichte oder mittelschwere Einschränkung durch die Herzinsuffizienz auf: 67,5 Prozent wurden der NYHA-Klasse II und 25,8 Prozent der NYHA-Klasse III zugeordnet.

HI-MFA haben Schlüsselrolle in sektorenübergreifender patientenindividueller Versorgungsform

Insgesamt wurden 55 kardiologische Praxen deutschlandweit rekrutiert und 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen in sieben Kursen nach einem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am DZHI geschult. Die HI-MFA übernehmen bei HI-PLUS eine Schlüsselrolle, indem sie das Care- und Case-Management der Erkrankten durchführen. Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, unterstützen das Selbstmanagement, überwachen die Therapie und koordinieren die Versorgung zwischen kardiologischen und hausärztlichen Praxen. Eine eigens für HI-PLUS entwickelte digitale eHealth-Plattform unterstützt den Austausch relevanter Informationen und die Erfassung von Telemonitoring-Daten wie Gewicht, Blutdruck und EKG.

Studiendesign und Pilotstudie in Clinical Research in Cardiology veröffentlicht

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Clinical Research in Cardiology“ veröffentlichte Pilotstudie evaluierte die Studienabläufe und zeigte, dass sich diese erfolgreich in den Praxisalltag integrieren lassen. Die Studienabläufe und die digitale Plattform erwiesen sich als praktikabel und wurden von den Teilnehmenden – sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von den beteiligten Praxen – gut angenommen. Nun beginnt die Phase der wissenschaftlichen Auswertung.

„Die HI-PLUS-Studie befasst sich mit anerkannten Lücken in der Herzinsuffizienzversorgung. Sollte sie sich als wirksam erweisen, könnte sie als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen“, kommentiert Martha Schutzmeier. Die Erstautorin der Pilotstudie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am IKE-B der Universität Würzburg und ist dort für die Projektkoordination zuständig.

Hier werden in den kommenden Monaten die umfangreichen Datensätze evaluiert. Wird sich das neue Versorgungsmodell tatsächlich positiv auf die Lebens- und Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz auswirken? Kann eine engere Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxis, Kardio-Praxis und HI-MFA die Lebensqualität der Studienteilnehmenden verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren?

Drohende Dekompensationen frühzeitig erkennen

„Jeder vermiedene Krankenhausaufenthalt bedeutet für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz mehr Lebensqualität und geht häufig mit einer besseren Prognose einher. Entscheidend ist deshalb, eine drohende Dekompensation frühzeitig zu erkennen und ambulant zu behandeln, bevor eine Klinikeinweisung notwendig wird,“ sagt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) am DZHI. „Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung haben wir eine entscheidende Etappe erreicht. Nun können wir erstmals umfassend untersuchen, welchen Nutzen das neue Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im Versorgungsalltag hat."

Publikation des Studienprotokolls mit Ergebnissen einer vorgeschalteten Pilotstudie: Schutzmeier, M., Rücker, V., Widmann, J. et al. HI-PLUS: design of a cluster-randomized trial evaluating structured case management with telemonitoring to improve quality of life in heart failure. Clin Res Cardiol (2026) https://doi.org/10.1007/s00392-026-02904-8

Studien-Webseite

Pressemeldung vom 01.12.2023 zum Start der Studie und Fortbildung der HI-MFA

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

First-in-human-Studie: Vielversprechender neuer PET-Tracer zeigt hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems

Erste Anwendung beim Menschen von [18F]Fluproxadin für die PET-Bildgebung des Noradrenalin-Transporters

Gruppenbild der AG vor einem PET-Gerät
Prof. Dr. Takahiro Higuchi (3. v. links) und seine Arbeitsgruppe am DZHI Würzburg. © Katrin Heyer
Vier Mitarbeiterinnen der AG von Takahiro Higuchi arbeiten in weißen Kitteln mit Mundschutz und Handschuhen im Labor der Nuklearmedizin
In-vivo-Testung neuer Radiotracer am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI). © Katrin Heyer
Mitarbeiter mit Schutzausrüstung - hier Kittel, Mundschutz, Handschuhe und eine Bleischürze - im Labor
Radiosynthese: Hier wird der Tracer radioaktiv markiert. © Katrin Heyer

Die Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) entwickelte mit [18F]Fluproxadine einen neuartigen und vielversprechenden PET-Radiotracer zur Darstellung des Noradrenalin-Transporters (NET). Ziel ist eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems. In einer im “Journal Clinical Nuclear Medicine” veröffentlichten First-in-Human-Studie zeigt das Team nun gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München und Partnern aus Japan, dass eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems beim Menschen mit [18F]Fluproxadine sicher und technisch gut möglich ist.

Würzburg. Das sympathische Nervensystem ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems. Es steuert viele unbewusste Körperfunktionen, darunter Herzfrequenz, Blutdruck und Stressreaktionen. Bei zahlreichen Erkrankungen, wie Herzkrankheiten, neurodegenerativen Erkrankungen und bestimmten Tumoren, sind Veränderungen in der Aktivität des sympathischen Nervensystems sichtbar, oft noch bevor es zu strukturellen Schäden kommt. Deshalb spielt die Bildgebung mit sogenannten Tracern für die Diagnose, Prognose und Therapie dieser Erkrankungen eine zentrale Rolle. 

Ein Tracer ist ein radioaktiv markierter Stoff, der bei einer PET-Untersuchung (Positronen-Emissions-Tomographie) bestimmte Vorgänge im Körper sichtbar macht. Je nach Fragestellung binden sich die Tracer an bestimmte Zellen, Rezeptoren oder Eiweiße. Eine Kamera misst die dabei entstehende Positronenstrahlung. Das heißt, beim Zerfall des radioaktiven Bestandteils entsteht ein Positron, welches auf ein Elektron trifft. Beide Teilchen vernichten sich gegenseitig und erzeugen messbare Gammastrahlen. 

Die bisherigen zur Darstellung des sympathischen Nervensystems zugelassenen Tracer weisen jedoch Limitationen hinsichtlich Bildqualität, Sensitivität und diagnostischer Aussagekraft auf. 

[18F]Fluproxadin macht den Noradrenalin-Transporter NET präzise sichtbar 

Prof. Dr. Takahiro Higuchi, Leiter der präklinischen Bildgebung in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am UKW, entwickelte mit seinem Team einen neuen, vielversprechenden PET-Tracer zur Darstellung des Noradrenalin-Transporters (NET): [18F]Fluproxadin. Das Transportprotein NET sitzt in der Zellmembran von Nervenzellen, die den Botenstoff Noradrenalin verwenden. Noradrenalin beeinflusst neben Blutdruck und Stressreaktionen auch Stimmung und Konzentration. Der Transporter bestimmt mit, wie lange und wie stark Noradrenalin wirkt.

Umfassende Voruntersuchungen des Tracers in Zell- und Tiermodellen verliefen vielversprechend, sodass [18F]Fluproxadin nun im Rahmen einer internationalen Kooperation erstmals im gesunden Menschen eingesetzt wurde.

„Unsere Studie zeigte, dass sich der Tracer gut und interpretierbar im Körper verteilt, die Strahlenbelastung war akzeptabel, und es gab keinen Hinweis auf relevante Nebenwirkungen“, schildert Takahiro Higuchi. Neben den positiven Ergebnissen zur Verteilung, Strahlendosis und Sicherheit freut sich der Wissenschaftler vor allem über die Bildqualität: „Mit [18F]Fluproxadin konnten wir die Aktivität des sympathischen Nervensystems sehr präzise sichtbar machen.“ 

Verbesserte Darstellung des sympathischen Nervensystems könnte Diagnostik und Therapie verbessern

Dies deute darauf hin, dass der Tracer künftig ein wertvolles neues bildgebendes Verfahren zur Untersuchung von Erkrankungen des autonomen Nervensystems sein könnte. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer sowie Tumoren des Nervensystems wie Neuroblastom, Phäochromozytom und Ganglioneurom. 

„Eine verbesserte Darstellung des sympathischen Nervensystems kann Ärztinnen und Ärzten dabei helfen, solche Erkrankungen früher und genauer zu erkennen“, so Higuchi. Langfristig könnte dies zu einer besseren Diagnostik und individuelleren Behandlung führen.

Im nächsten Schritt wird [18F]Fluproxadin bei Patientinnen und Patienten mit Herz-, Nerven- und Tumorerkrankungen weiter untersucht. Zusätzlich wird geprüft, wie gut sich der Tracer im klinischen Alltag einsetzen lässt.

An der im Fachjournal Clinical Nuclear Medicine veröffentlichten Studie waren neben der Würzburger Klinik für Nuklearmedizin das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI), die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am LMU Klinikum unter der Leitung von Prof. Dr. Rudolf Werner, der auch der Antragsteller der Studie war, das Universitätsklinikum Augsburg sowie die Okayama University und das Kobe City Medical Center General Hospital beteiligt. Das Projekt wurde teilweise finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unter der Projektnummer 507803309 und dem Titel Bildgebungsgesteuerte Neurohumorale Therapie-Interventionen nach Myokardinfarkt.

Publikation: Yamane, Tomohiko; Iimori, Hitoshi; Akamatsu, Go; Ikari, Yasuhiko; Hoda, Yuki; Shimizu, Keiji; Matsumoto, Keiichi; Senda, Michio; Werner, Rudolf A.; Nose, Naoko; Chen, Xinyu; Higuchi, Takahiro. First-In-Human Evaluation of [18F]Fluproxadine for Norepinephrine Transporter PET: Biodistribution, Dosimetry, and Safety. Clinical Nuclear Medicine 51(7):p 555-564, July 2026. | DOI: 10.1097/RLU.0000000000006504

Gruppenbild der AG vor einem PET-Gerät
Prof. Dr. Takahiro Higuchi (3. v. links) und seine Arbeitsgruppe am DZHI Würzburg. © Katrin Heyer
Vier Mitarbeiterinnen der AG von Takahiro Higuchi arbeiten in weißen Kitteln mit Mundschutz und Handschuhen im Labor der Nuklearmedizin
In-vivo-Testung neuer Radiotracer am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI). © Katrin Heyer
Mitarbeiter mit Schutzausrüstung - hier Kittel, Mundschutz, Handschuhe und eine Bleischürze - im Labor
Radiosynthese: Hier wird der Tracer radioaktiv markiert. © Katrin Heyer

Genetische Herzmuskelerkrankung ARVC: Experten, Ärzte und Betroffene im Austausch

ARVC erkennen, verstehen, behandeln und mit der seltenen Herzmuskelerkrankung leben: Hochkarätiges Fach- und Patientensymposium in Würzburg

Die meisten Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Vereins ARVC-Selbsthilfe e.V. bereichern die Würzburger Symposien zu Arrhythmogenen Kardiomyopathien am 6./7. März 2026 mit ihrer Expertise. Der Sprecher des Beirats, Eric Schulze-Bahr vom Universitätsklinikum Münster (hintere Reihe, 2. v. r.) moderiert gemeinsam mit Brenda Gerull (vordere Reihe, links) das Ärztesymposium. Die Düsseldorfer Sportkardiologin Susanne Berrisch-Rahmel (vorne rechts) referiert zum Beispiel über den jungen athletischen Patienten, Grundlagenforscherin. Larissa Fabritz vom UKE (hinten links) spricht u. a. über medikamentöse Therapien. Hendrik Milting (vorne, Mitte) aus Bad Oeynhausen beleuchtet die genetische Diagnostik. Eimo Martens aus München (2. Reihe, links) stellt bei dem von Ruth Biller (2. v.r.) organisierten ARVC-Symposium ICDs vor, Matthias Paul aus Münster (2. Reihe, 2. v.l.) leitet einen Workshop zu ARVC-Basics. © Andreas Reiter

Rund um den Tag der Seltenen Erkrankungen laden das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz und die ARVC-Selbsthilfe e. V. zu zwei kostenfreien Symposien über Arrhythmogene Kardiomyopathien in Würzburg ein - mit aktuellen Erkenntnissen zu Diagnostik und Therapie der seltenen, genetisch bedingten Herzmuskelerkrankung und Prävention des plötzlichen Herztods.

Würzburg. Wenn das Herz aus dem Takt gerät oder schwächer wird, kann eine seltene Erkrankung dahinterstecken: die arrhythmogene (rechtsventrikuläre) Kardiomyopathie (ARVC/ACM). Bei dieser genetisch bedingten, eher seltenen Herzmuskelerkrankung verändert sich der Herzmuskel – oft in der rechten, aber auch der linken Herzkammer – schleichend. Dabei wird gesundes Muskelgewebe durch Fett- und Bindegewebe ersetzt, was das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz deutlich erhöht. Besonders tragisch ist, dass ARVC/ACM häufig junge, sportlich aktive Menschen betrifft und zu den wichtigsten Ursachen für den plötzlichen Herztod im jungen Erwachsenenalter zählt. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Betreuung können Leben retten.

Freitag: Ärztesymposium des DZHI „Arrhythmogene Kardiomyopathien (ACM): Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven“ 

Wann sollte man bei der Differentialdiagnostik an eine ARVC/ACM denken? Welche innovativen Therapien kommen in Frage? Und warum macht eine molekulare Autopsie Sinn? Diese und weitere Fragen werden beim Ärztesymposium „Arrhythmogene Kardiomyopathien (ACM): Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven“ am Freitag, dem 6. März, von 14 bis 18 Uhr im Hörsaal des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) auf dem Gelände des Uniklinikums Würzburg (UKW) beantwortet. „Wir werden viele interessante Themen besprechen, die auch für andere genetisch bedingte Kardiomyopathien und Herzrhythmusstörungen relevant sind. Neben der klinischen und genetischen Diagnostik sowie aktuellen Therapien stehen auch Aspekte wie Sport und psychokardiologische Aspekte auf der Agenda“, kündigt Prof. Dr. Brenda Gerull an. Die Kardiologin der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des UKW leitet das Department für Kardiovaskuläre Genetik am DZHI. Für das Symposium konnte sie zahlreiche hochkarätige Referentinnen und Referenten aus ganz Deutschland gewinnen und freut sich über einen regen Austausch, der am nächsten Tag um den Kreis der Patientinnen und Patienten erweitert wird. 

Samstag: Symposium der ARVC-Selbsthilfe e. V. für Betroffene, Angehörige und Interessierte 

Am 7. März findet im DZHI nämlich das erste Würzburger ARVC-Symposium des Vereins ARVC-Selbsthilfe e. V. statt. Die Organisation hat federführend die Vorstandsvorsitzende und Gründerin des Vereins, Dr. Ruth Biller, übernommen. „Als unsere älteste Tochter Judith 2011 aus vermeintlich völliger Gesundheit heraus am plötzlichen Herztod verstarb, wurde mein Leben, das ich bis dahin auf der Sonnenseite verbracht hatte, komplett auf den Kopf gestellt. Die Diagnose ARVC erhielt unsere Familie erst ein Jahr später nach einer in dieser Situation extrem belastenden Odyssee“, erzählt sie und fügt hinzu: „Heute trage ich auf vielfältigen Wegen mit der ARVC-Selbsthilfe dazu bei, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern, ihnen ein ähnliches Familienschicksal zu ersparen und eine Zukunftsperspektive zu bieten.“ Dafür vernetzt sie sich national und international mit Expertinnen und Experten aus Klinik, Praxis und Forschung sowie mit anderen Patientenorganisationen.

Veranstaltung rund um den Tag der Seltenen Erkrankungen

Ruth Biller und Brenda Gerull, die im wissenschaftlichen Beirat der ARVC-Selbsthilfe aktiv ist, versprechen einen abwechslungsreichen Tag mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und erstmalig Workshops und Live-Q&A-Sessions für Betroffene und Angehörige. Durch den Tag führt die Moderatorin Ulrike Ostner vom Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, „Notizbuch/Gesundheitsgespräch“). Die Veranstaltung, die bewusst um den Tag der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar gelegt wurde, wird finanziell vom BKK-Dachverband und dem European Reference Network (ERN GUARD-Heart) unterstützt. 

Die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist kostenfrei. Für das Ärztesymposium, das mit vier Fortbildungspunkten zertifiziert wird, ist keine Anmeldung erforderlich. Für das ARVC-Symposium gibt es bereits weit über 100 Anmeldungen, sodass inzwischen eine Warteliste geführt wird. Interessierte können auf der Webseite arvc-selbsthilfe.org und unter der E-Mail-Adresse info@arvc-selbsthilfe.org weitere Informationen einholen.

Programm des Ärztesymposiums

Programm des ARVC-Symposiums

Die meisten Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Vereins ARVC-Selbsthilfe e.V. bereichern die Würzburger Symposien zu Arrhythmogenen Kardiomyopathien am 6./7. März 2026 mit ihrer Expertise. Der Sprecher des Beirats, Eric Schulze-Bahr vom Universitätsklinikum Münster (hintere Reihe, 2. v. r.) moderiert gemeinsam mit Brenda Gerull (vordere Reihe, links) das Ärztesymposium. Die Düsseldorfer Sportkardiologin Susanne Berrisch-Rahmel (vorne rechts) referiert zum Beispiel über den jungen athletischen Patienten, Grundlagenforscherin. Larissa Fabritz vom UKE (hinten links) spricht u. a. über medikamentöse Therapien. Hendrik Milting (vorne, Mitte) aus Bad Oeynhausen beleuchtet die genetische Diagnostik. Eimo Martens aus München (2. Reihe, links) stellt bei dem von Ruth Biller (2. v.r.) organisierten ARVC-Symposium ICDs vor, Matthias Paul aus Münster (2. Reihe, 2. v.l.) leitet einen Workshop zu ARVC-Basics. © Andreas Reiter

METAHEART: Europäisches Netzwerk zur Erforschung metabolischer Veränderungen bei Herzschwäche

In ihrer Sonderausgabe zu Stoffwechselveränderungen bei Herzinsuffizienz veröffentlicht die kardiologische Fachzeitschrift „Nature Reviews Cardiology“ vier Artikel aus dem EU-geförderten Netzwerk COST Action EU-METAHEART sowie ein Editorial von Prof. Dr. Christoph Maack, dem Vorsitzenden des Konsortiums und Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI).

Ein Herz und ein Schriftzug METAHEART mit Verlauf von blau zu rot
Collage von Katrin Streckfuß-Bömeke mit Bluse und dunklem Blazer und Christoph Maack im Kittel. Im Hintergrund Glasfront des Seminarraums im DZHI.
Prof. Dr. Christoph Maack ist Vorsitzender der COST Action EU-METAHEART, Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke koordiniert im Netzwerk die Short-Term Scientific Missions. © Universitätsmedizin Würzburg / Collage mit Canva
eine hellgraue Landkarte von Europa mit Flugzeugstrecken von Ländern zu anderen Ländern, um die Forschungsaufenthalte zu verdeutlichen.
Durch die Short-Term Scientific Missions (STMS) findet ein großer wissenschaftlicher Austausch innerhalb Europas statt. © Design by Boutik.pt, for the EU-METAHEART COST Action CA22169

Würzburg. Zehn bis 20 Prozent der über 70-Jährigen in Europa leiden an Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt. Entweder pumpt ihr Herz nicht mehr stark genug oder es füllt sich nicht richtig. Bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF, Heart Failure with reduced Ejection Fraction) liegt in der Regel eine direkte Schädigung des Herzens vor, beispielsweise durch einen Herzinfarkt. Im Gegensatz dazu wird die Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion, kurz HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction), häufig durch nicht herzspezifische Begleiterkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck und Niereninsuffizienz verursacht. Aber auch Diabetes ist ein wichtiger Risikofaktor. Umgekehrt kann Herzinsuffizienz Diabetes, Niereninsuffizienz und andere Erkrankungen begünstigen.

COST Action EU-METAHEART: EUropean network to tackle METAbolic alterations in HEART failure

Deshalb wird die Herzinsuffizienz inzwischen nicht mehr als isolierte Organerkrankung, sondern als Systemerkrankung des gesamten Körpers betrachtet. Das Herz steht in ständigem Austausch mit anderen Organen, beispielsweise über Hormone, Entzündungsprozesse und den Stoffwechsel. Der Stoffwechsel, auch Metabolismus genannt, umfasst insbesondere die Umwandlung von Nahrungsstoffen wie Zucker, Fetten und Aminosäuren in zelluläre Energie in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen. Genau diese metabolischen Veränderungen bei Herzschwäche stehen im Forschungsfokus des Europäischen Netzwerks EU-METAHEART (EUropean network to tackle METAbolic alterations in HEART failure). METAHEART ist eine sogenannte COST Action (CA22169), die am 18. Oktober 2023 in Brüssel ihren Kick-off hatte und vier Jahre lang gefördert wird. COST steht für „European Cooperation in Science and Technology“, und Action für das geförderte Forschungsnetzwerk, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 40 Ländern und mit unterschiedlichen Karrierestufen zu einem gemeinsamen Thema zusammenarbeiten. 

Sonderausgabe von Nature Reviews Cardiology zu Stoffwechselveränderungen bei Herzinsuffizienz 

Einen Überblick über die vier Forschungsschwerpunkte von METAHEART (Zellstoffwechsel im Herzmuskel, Stoffwechselveränderungen auf die Blutgefäße, Immunmetabolismus, Mechano-Energetik bei Herzinsuffizienz) liefert die aktuelle Sonderausgabe der renommierten kardiologischen Fachzeitschrift „Nature Reviews Cardiology“ zum Thema Stoffwechselveränderungen bei Herzinsuffizienz. Sie erschien im Rahmen des Kongresses der Society for Heart and Vascular Metabolism, der vom 22. bis 25. Juni in Bordeaux stattfand. Das Editorial schrieb Prof. Dr. Christoph Maack, Initiator von EU-METAHEART und Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI), an dem er die Translationale Forschung leitet. Neben Maack sind eine Reihe weiterer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Klinikerinnen und Kliniker aus der Universitätsmedizin Würzburg an dem Netzwerk beteiligt. 

Mechano-Energetik: Wenn Pumpfunktion und Energieversorgung aus dem Gleichgewicht geraten

Maacks Forschungsschwerpunkt ist die Mechano-Energetik bei Herzinsuffizienz, die in der vierten Arbeitsgruppe von METAHEART abgebildet wird. Im gesunden Herzen ist die Energieversorgung eng an den ständig wechselnden Bedarf angepasst. Bei Herzinsuffizienz kommt es jedoch zu einem Missverhältnis zwischen Energieversorgung und -bedarf. „Während dies bei Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion vor allem auf eine verringerte Energieversorgung aufgrund von Defekten der Mitochondrien zurückzuführen ist, wird bei Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion das anfangs noch gut funktionierende Herz mechanisch überlastet, beispielsweise durch hohen Blutdruck oder Übergewicht. In beiden Krankheitsbildern kommt es durch dieses Missverhältnis zu oxidativem Stress, der das Herz wiederum langfristig schädigt“, erklärt Christoph Maack. Klassische Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker oder sogenannte ARNI helfen vor allem bei eingeschränkter Pumpfunktion. Bei erhaltener Pumpfunktion wirken sie dagegen weniger gut. Maack ergänzt: „Diese Form der Herzschwäche ist derzeit eine unserer größten therapeutischen Herausforderungen.“

Therapieansätze, die schädlichen Sauerstoffstress in Herzmuskelzellen hemmen

Es gibt jedoch neue Therapieansätze, die gezielt am Stoffwechsel ansetzen und sich auch positiv auf Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion auswirken. Dazu zählen beispielsweise SGLT-2-Hemmer und GLP-1-Rezeptor-Agonisten, die ursprünglich für die Behandlung von Diabetes entwickelt wurden. Diese positiven Effekte hängen vermutlich mit einer besseren Energieverwertung im Körper und im Herzen zusammen. Auch bei der Mechano-Energetik spielen die Mitochondrien eine wichtige Rolle. Sind diese energetisch überlastet oder arbeiten im weiteren Verlauf nicht mehr richtig, entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffspezies (ROS). Diese stören die elektrische Steuerung und das Zusammenziehen des Herzens, also die elektromechanische Kopplung. Zudem werden schädliche Signalwege aktiviert, die zu Umbauprozessen des Herzens führen und dessen Struktur und Funktion weiter verschlechtern. In Tierversuchen zeigen neue Therapieansätze, die oxidativen Stress in den Zellen hemmen, vielversprechende Ergebnisse. In der Praxis sind diese Therapien allerdings noch nicht angekommen. 

„Trotz bedeutender Fortschritte in der Forschung übersteigt die Komplexität des Stoffwechsels und die wechselseitige Abhängigkeit regulatorischer Mechanismen häufig die Möglichkeiten einzelner Disziplinen und Institutionen. Daher sind Konsortien wie METAHEART so wichtig, in denen Forschungsinitiativen in ganz Europa vernetzt werden“, betont Christoph Maack. 

Einfluss von Stoffwechselveränderungen auf Blutgefäße, Zellstoffwechsel im Herzmuskel und Immunmetabolismus

Die Arbeitsgruppe „Vaskuläre (Dys-)Funktion“, der auch einige Mitglieder der früheren COST Action EU-CARDIOPROTECTION (CA16225) angehören, analysiert den Einfluss von Stoffwechselveränderungen auf die Blutgefäße. Während es bei HFrEF aufgrund von Verengungen oder Verschlüssen oft in den großen Herzkranzgefäßen zu Durchblutungsstörungen kommt, ist bei HFpEF eher die Durchblutung in den kleinen Gefäßen des Herzmuskels gestört. In beiden Fällen bekommt der Herzmuskel zu wenig Blut und Sauerstoff und kann nicht mehr richtig arbeiten. Umgekehrt kann eine Herzschwäche die Durchblutung des Herzens verschlechtern – ein Teufelskreis.

Eine weitere Arbeitsgruppe untersucht, ob und wie Zwischenprodukte des Stoffwechsels die Herzmuskelzellen zusätzlich belastet. Metabolische Zwischenprodukte stehen im Verdacht, die Funktion wichtiger Eiweiße im Herzmuskel zu verändern und den Transport und Austausch von elektrisch geladenen Teilchen - sogenannten Ionen - wie zum Beispiel Kalzium, Natrium und Kalium in und aus den Herzmuskelzellen sowie die Energieübertragung zu stören. Dies erhöht den oxidativen Stress und schwächt das Herz langfristig. In der dritten Arbeitsgruppe, der Arbeitsgruppe „Immunmetabolismus“, steht das Zusammenspiel zwischen Stoffwechselveränderungen und Entzündungsprozessen im Vordergrund. Ist das Herz gestresst, reagiert das Immunsystem. Abwehrzellen wandern in den Herzmuskel ein und können, je nach Stoffwechsel, Entzündungen fördern oder hemmen. Diese Interaktionen zwischen Herz und Immunsystem werden auch im Sonderforschungsbereich SFB 1525 (Sprecher: Prof. Dr. Stefan Frantz) am Universitätsklinikum Würzburg intensiv erforscht. 

Zukunftsfähigkeit des gesamteuropäischen Wissenschaftsraums stärken 

Insgesamt sind Forscherinnen und Forscher aus 43 Ländern an METAHEART beteiligt, darunter 22 sogenannte ITCs. ITC steht für „Inclusiveness Target Countries“. Diese Länder gehören im Hinblick auf Forschung und Entwicklung zu den strukturschwächeren in Europa. Damit alle gleichermaßen vom wissenschaftlichen Austausch profitieren, müssen bei jeder COST Action mindestens 50 Prozent der beteiligten Länder ITCs sein. Ebenso ausgewogen sollte die Vertretung von Frauen und Männern in den Forschungsnetzwerken und Führungspositionen sein. Ein weiterer wichtiger Punkt der COST Actions ist die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, den sogenannten YRI, was für Young Researchers and Innovators steht. Damit soll der Wissenstransfer gesichert und die Zukunftsfähigkeit des gesamteuropäischen Wissenschaftsraums gestärkt werden. 

Short-Term Scientific Missions (STSM) 

Eine wichtige und beliebte Maßnahme der COST Actions sind die Kurzzeit-Forschungsaufenthalte, sogenannte Short-Term Scientific Missions (STSM). „Je nach wissenschaftlicher Fragestellung, Versuchsanordnung und Budget können unsere YRIs für einige Wochen ein wissenschaftliches Praktikum in einem anderen Labor absolvieren“, berichtet STSM-Koordinatorin Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke. Die Professorin für Molekulare Pharmakologie am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist Expertin für Erkrankungen des Herzmuskels, sogenannte Kardiomyopathien (siehe PM). Durch die STSM findet laut Streckfuß-Bömeke ein großer wissenschaftlicher Austausch innerhalb Europas statt. Ziel ist, dass jede Mission zu einer nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen zwei Arbeitsgruppen führt. Es müsse ja kein riesiges Projekt sein, aber eine gemeinsam erarbeitete Abbildung in einem Paper oder ein gemeinsames Review seien schon toll, vor allem, wenn es von YRIs aus einem Eingliederungszielland kommt. 

Drei Tage Training School und zwei Tage Konferenz in Würzburg

Neben den STSM profitieren die jungen Forschenden auch von Konferenzen, Workshops und Trainings. So fand im September 2024 in Würzburg eine dreitägige Training School mit 24 jungen Talenten aus verschiedenen Ländern statt, an die sich eine zweitägige Konferenz anschloss. Die Teams von Christoph Maack und Katrin Streckfuß-Bömeke gaben den YRIs in den Laboren des DZHI Kurse zu den Methoden Ionoptix, Oroboros und Seahorse, die sowohl theoretische als auch praktische Inhalte umfassten. Dabei wurden sie von Vertretern der Gerätefirmen unterstützt, die eigens dafür angereist waren. Zusätzlich wurden Mentoring-Vorträge und -Gespräche für die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angeboten. 

„In Europa gibt es viele exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet Metabolismus und Herzinsuffizienz. Aber die Fäden laufen oft in Würzburg zusammen. Die Kombination verschiedener Techniken auf dem Gebiet des Metabolismus ist hier einzigartig“, so Katrin Streckfuß-Bömeke, die bis 2021 in Göttingen geforscht hat. „Wir arbeiten mit Humangewebe, Mausgewebe und humanen Stammzellmodellen. Viele Länder haben nicht die Möglichkeit, all diese Modellsysteme und humanen Ressourcen zu nutzen.“

Die COST Action EU-METAHEART wird mit über 200.000 Euro pro Jahr für die genannten Netzwerkaktivitäten gefördert. Für ihr Engagement als Mitglieder des sogenannten Management Committee (MC) erhalten Streckfuß-Bömeke und Maack selbst keine direkten Fördergelder. Ihre Arbeit ist jedoch eine Investition in die Zukunft. So werden Kooperationspartner gefunden und neue Anträge für gemeinsame Projekte eingereicht. „Dieses Niveau, das in so kurzer Zeit erreicht wurde, und der Spirit, mit dem die Leute interagieren, habe ich so noch nie gesehen“, freut sich Katrin Streckfuß-Bömeke. Christoph Maack ergänzt: „Mit EU-METAHEART ist eine ganz neue Community entstanden. Man spürt förmlich, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Themen Metabolismus und Herzinsuffizienz brennen. Jetzt haben sie endlich eine Plattform, auf der sie gemeinsam viel bewegen können.“

Text: KL / Wissenschaftskommunikation 

 

Ein Herz und ein Schriftzug METAHEART mit Verlauf von blau zu rot
Collage von Katrin Streckfuß-Bömeke mit Bluse und dunklem Blazer und Christoph Maack im Kittel. Im Hintergrund Glasfront des Seminarraums im DZHI.
Prof. Dr. Christoph Maack ist Vorsitzender der COST Action EU-METAHEART, Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke koordiniert im Netzwerk die Short-Term Scientific Missions. © Universitätsmedizin Würzburg / Collage mit Canva
eine hellgraue Landkarte von Europa mit Flugzeugstrecken von Ländern zu anderen Ländern, um die Forschungsaufenthalte zu verdeutlichen.
Durch die Short-Term Scientific Missions (STMS) findet ein großer wissenschaftlicher Austausch innerhalb Europas statt. © Design by Boutik.pt, for the EU-METAHEART COST Action CA22169

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Öffnungszeiten der Herzinsuffizienz-Ambulanz

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