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Wilms-Tumoren: Wie Gene und Prägung den Weg für Krebs ebnen

Ein Forschungsteam der Universität Würzburg hat neue Erkenntnisse zur Entstehung von Nierentumoren bei Kleinkindern gewonnen. Diese können die Grundlage für ein gezieltes Screening und eine verbesserte Früherkennung bilden.

Grafik zeigt das Ergebnis: die Verteilung der genetischen und epigenetischen Wilms-Tumor-Prädisposition bei 129 untersuchten Kindern
Wo im Erbgut liegen die Auslöser sogenannter Wilms-Tumoren bei Kindern? Dieser Frage ist ein Forschungsteam unter Würzburger Leitung nachgegangen. Die Grafik zeigt das Ergebnis: die Verteilung der genetischen und epigenetischen Wilms-Tumor-Prädisposition bei 129 untersuchten Kindern. (Bild: AG Gessler)

Ein Forschungsteam am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat zusammen mit Kooperationspartnern am Wellcome Sanger Institute in Cambridge (UK) einen bedeutenden Schritt zum Verständnis von Wilms-Tumoren, bösartigen Nierentumoren bei Kleinkindern, gemacht. Mithilfe der Proben der Wilms-Tumor-Biobank konnte das Team die erbliche Veranlagung (Prädisposition) für Wilms-Tumoren an einer großen Stichprobe systematisch entschlüsseln. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Genome Medicine“ veröffentlicht; sie eröffnen neue Wege für die genetische Beratung und Überwachung von Risikopatienten.

Ein wissenschaftlicher Schatz: Die Wilms-Tumor-Biobank an der JMU

Die am Biozentrum der JMU angesiedelte Biobank für Wilms-Tumoren ist das Herzstück dieser Forschung. Im Zeitraum von knapp 30 Jahren (1994 bis 2022) haben die Verantwortlichen im Rahmen der deutschen Wilms-Tumor-Studie Proben von rund 1.800 betroffenen Kindern gesammelt. Unter diesen befanden sich 20 familiäre, also auch bei Eltern und/oder Geschwistern aufgetretene, Tumoren sowie 109 beidseitige (bilaterale) Tumoren, bei denen man von einer genetischen Prädisposition ausgeht.

„Bei über 90 Prozent dieser Fälle gelang es uns, die zugrundeliegende Veranlagung zu identifizieren“, erklärt Dr. Jenny Wegert, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Entwicklungsbiochemie und Erstautorin der Studie.

Schrittweise Tumorentstehung und stereotype Muster

Vor über 50 Jahren bereits postulierte Alfred Knudsen die sogenannte “Two-hit Hypothese“, welche erbliche Formen kindlicher Tumoren wie den Wilms-Tumor erklären sollte. Diese schrittweisen genetischen Veränderungen während der Tumorentstehung konnten die Forschenden jetzt in ihrer Studie im molekularen Detail nachweisen.

Am häufigsten fanden sie Mutationen in WT1, einem Tumorsuppressor-Gen, wobei zunächst eine der beiden Kopien des WT1-Gens in allen Körperzellen inaktiviert vorliegt. Dies allein kann schon mit einem erhöhten Risiko für Nierenschäden und bei Jungen mit Störungen der Geschlechtsentwicklung einhergehen.

Zur eigentlichen Tumorbildung kommt es jedoch erst, wenn auch die zweite Kopie des WT1-Gens in Nierenzellen ausfällt und gleichzeitig der Wachstumsfaktor IGF2 aktiviert wird, was zur Bildung von Tumorvorstufen führt. Ein letzter Schritt, die zusätzliche Aktivierung des WNT-Signalwegs, der viele Wachstums- und Differenzierungsprozesse steuert, ist dann für die Entwicklung des bösartigen Tumors verantwortlich.

Störungen der genomischen Prägung als Tumorauslöser

Für etwa die Hälfte der Patienten konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genetische Veränderung in der Keimbahn und damit in allen Körperzellen als Ursache nachweisen. Neben WT1 waren davon auch zahlreiche weitere Gene betroffen, dies aber deutlich seltener.

„Ein überraschender Befund war jedoch, dass etwa ein Drittel der Kinder nicht eine der klassischen erblichen Mutationen aufwies, sondern eine Störung der sogenannten genomischen Prägung des IGF2-Gens“, sagt Jenny Wegert. Diese Prägung wird erst während der Embryonalentwicklung festgelegt und ist daher nicht vererbbar. „Das bedeutet, dass für Geschwisterkinder kein erhöhtes Risiko besteht und auch Betroffene die Tumorprädisposition nicht weitervererben“, so die Wissenschaftlerin.

Kinder mit dieser epigenetischen Prädisposition wiesen häufig „Mosaike“ auf, besaßen also nebeneinander Zellen mit normaler und Zellen mit gestörter IGF2-Prägung. Traten in Nierenzellen mit IGF2-Störung Mutationen in weiteren Genen auf, entwickelten sich Tumoren.

Konsequenz: Genetisches Screening für Risikopatienten

"Unsere neuen Erkenntnisse belegen eindrücklich, dass ein signifikanter Teil der kindlichen Nierentumoren eine erbliche Komponente hat", so Professor Manfred Gessler, Inhaber des Lehrstuhls für Entwicklungsbiochemie und Leiter der Studie. "Dies hat wichtige Folgen für die Klinik: In solchen Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für Geschwister, und auch die Patienten selbst können später Zweittumoren entwickeln oder ein frühzeitiges Nierenversagen erleiden."

Die Studie spricht daher klar für eine breit angelegte molekulare Untersuchung von Blut- und Tumorproben der kleinen Patientinnen und Patienten. Ziel ist es, Fälle mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren und eine engmaschige Überwachung zu gewährleisten.

Originalpublikation

Wegert et al.: Distinct pathways for genetic and epigenetic predisposition in familial and bilateral Wilms tumor. Genome Medicine 17, 49 (2025). https://doi.org/10.1186/s13073-025-01482-0

Kontakt

Prof. Dr. Manfred Gessler, Lehrstuhl für Entwicklungsbiochemie, T: +49 931 31-84159, manfred.gessler@ uni-wuerzburg.de
Dr. Jenny Wegert, Lehrstuhl für Entwicklungsbiochemie, T: +49 931 31-81365, jenny.wegert@ uni-wuerzburg.de

Von Pressestelle JMU

Aus einBLICK, dem Online-Magazin der Universität Würzburg (Ausgabe 03.06.2025)

Grafik zeigt das Ergebnis: die Verteilung der genetischen und epigenetischen Wilms-Tumor-Prädisposition bei 129 untersuchten Kindern
Wo im Erbgut liegen die Auslöser sogenannter Wilms-Tumoren bei Kindern? Dieser Frage ist ein Forschungsteam unter Würzburger Leitung nachgegangen. Die Grafik zeigt das Ergebnis: die Verteilung der genetischen und epigenetischen Wilms-Tumor-Prädisposition bei 129 untersuchten Kindern. (Bild: AG Gessler)

Denn im Danken da liegt Segen

Quellentag – Auszeit für Leib und Seele

Weinberge
Bild: Gunter Koch

Am Sonntag, den 18. Mai 2025, war eine Gruppe von 17 Mitarbeitenden des UKW unterwegs rund um die Vogelsburg. Die Wanderung mit Impulsen und Gesprächen soll eine Auszeit vom Alltag und eine Quelle für den Alltag sein. Dazu eingeladen hatte Dieter Hammer vom Seelsorge-Team unterstützt von der Seelsorgerin Anita Reichert.

In Escherndorf sind wir um 10 Uhr losgelaufen zunächst am wunderschönen Altmain entlang. Die Anregungen des Seelsorge-Teams dienten dazu, um dem Guten im eigenen Leben auf die Spur zu kommen. 

Drei Gedanken-Schritte auf dem eigenen Weg der Dankbarkeit waren: bitten und wünschen – erkennen und anerkennen – staunen und danken
Damit konnte jede und jeder von uns auf den Wegstrecken, die wir in Stille gegangen sind, überlegen: 
Was sind meine Wünsche und Bitten für mein Leben? Wo erkenne ich gute Erfahrungen und schöne Erlebnisse, die schon da sind? Wofür und vor allem welchen Menschen will ich Danke sagen?

Bei diesen persönlichen Gedanken und dem gemeinsamen Erzählen über „Gott und die Welt“ haben wir die schöne Natur in den Weinbergen genossen auf unserem Weg nach Astheim, wo wir auch die Kartause besichtigen konnten. Über den Quittenweg sind wir zur Vogelsburg und dem nahe gelegenen „terroir f-Punkt“ gekommen, wo wir bei einer längeren Pause die grandiose Aussicht über die Mainschleife und darüber hinaus erleben konnten.

Mit einem Segen und der Ermutigung für ein achtsames und aufmerksames Gehen sind wir wieder in Escherndorf angekommen, mit vielen schönen Eindrücken bereichert, die uns über diesen Tag hinaus begleiten werden.

Text: Dieter Hammer

 

Weinberge
Bild: Gunter Koch

2. Inkontinenz-Informationstag am Uniklinikum Würzburg

Die Klinik für Urologie und die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg organisieren am Samstag, den 28. Juni 2025 gemeinsam den 2. Würzburger Inkontinenz-Tag. Ein Schwerpunkt der Vortragsveranstaltung, die sich an Betroffene und deren Angehörige richtet, liegt auf den Behandlungsmöglichkeiten bei Frauen.

Wassertropfen
Dem ungewollten Abgang von Urin kann man auf höchst unterschiedlichen Wegen entgegenarbeiten. Bild: Pixabay

Würzburg. Harninkontinenz ist nach wie vor ein Tabuthema. „Durch die damit verbundene mangelnde Kommunikation wissen viele Patientinnen und Patienten gar nicht, dass es heutzutage viele sowohl konservative als auch operative Behandlungsmethoden gibt, die natürlich auch in Unterfranken unkompliziert verfügbar sind“, sagt Prof. Dr. Hubert Kübler. Um hier weitere Aufklärungsarbeit zu leisten, organisiert die von ihm geleitete Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) zusammen mit der Universitäts-Frauenklinik am Samstag, den 28. Juni 2025 den 2. Würzburger Inkontinenz-Tag. 

Schwerpunkt: Inkontinenz bei Frauen

Einen Schwerpunkt setzt die Veranstaltung auf die Inkontinenz bei Frauen, da diese durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger betroffen sind als Männer. Diese Tatsache macht die von Prof. Dr. Achim Wöckel geleitete Würzburger Universitäts-Frauenklinik zu einer wichtigen Kooperationspartnerin beim Infotag. 

Verstärkt durch niedergelassene Kolleginnen und Kollegen bieten die beiden Klinken zwischen 10:00 und 12:45 Uhr eine Abfolge von jeweils etwa 20-minütigen Vorträgen an. Hierbei gibt es Antworten auf Fragen wie: Welche neuen Therapien helfen bei Dranginkontinenz? Für wen bietet sich ein künstlicher Schließmuskel an? Müssen wiederkehrende Harnwegsinfekte immer mit Antibiotika behandelt werden? Welche Angebote macht die moderne Beckenbodenchirurgie? Und was kann man bei Belastungsinkontinenz mit Physiotherapie erreichen? 

Porträt der verschiedenen Sprechstunden und Diskussionsmöglichkeit 

Außerdem werden die verschiedenen Spezialsprechstunden zum weiten Krankheitsfeld Inkontinenz vorgestellt. Zum Abschluss haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit den Fachleuten zu diskutieren.

Die kostenlose Veranstaltung findet im Großen Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums an der Josef-Schneider-Straße statt. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bei Astrid Breitenstein von der Urologischen Klinik erforderlich unter Tel. 0931/201-32012 oder E-Mail: Breitenste_A@ ukw.de.

Text: Pressestelle / UKW

Wassertropfen
Dem ungewollten Abgang von Urin kann man auf höchst unterschiedlichen Wegen entgegenarbeiten. Bild: Pixabay

Personalia vom 27. Mai 2025 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Jerry Easo, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie, wurde mit Wirkung vom 13.05.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Herzchirurgie erteilt.

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 27.05.2025

„Neue Horizonte“: Kinderkliniken aus Würzburg und Lübeck richteten Jahreskongress zusammen aus

Podiumsdiskussion: „Nicht über, sondern mit Kindern reden"

Über 2000 Teilnehmende kamen zur 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Foto: UKW / privat
Über 2000 Teilnehmende kamen zur 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Foto: UKW / privat

Würzburg/Lübeck. Über 2000 Teilnehmende kamen zur 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) nach Lübeck. Organisiert wurde die Tagung vom 22. bis 24. Mai gemeinsam von Teams aus Ärzten und Pflegenden der beiden Universitäts-Kinderkliniken in Würzburg und Lübeck.

„Die Pflege war in allen Kongress-Symposien aktiv vertreten, was die verschiedenen Perspektiven zu einem gemeinsamen Ganzen vereint“, so Prof. Dr. Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Auch weitere Berufsgruppen waren neben der Neugeborenen- und Kinderintensivmedizin breit vertreten, etwa aus den Bereichen Grundlagenwissenschaften, Medizintechnik/-informatik, Seelsorge und Eltern- bzw. Patientenvertretungen.

„Nicht über, sondern mit Kindern reden"

Zu den zentralen Themen der Tagung zählten u.a. intensivmedizinisch betreute akute und chronische Erkrankungen, deren Prävention, Diagnostik und bestmögliche Therapien, interprofessionelle und multidisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Familien als Teil des Teams, neue Fortbildungsformate (, z.B. „Simulationsszenarien auf der Bühne“ oder Podcasts) oder die zukünftigen Einsatzgebiete von künstlicher Intelligenz.

Die Podiumsdiskussion zur Eröffnung war ein besonderes Highlight und bewusst anders gestaltet: Ganz nach dem Motto „Nicht über, sondern mit Kindern reden“, diskutierte Moderatorin Linda Zervakis mit Kindern und jungen Erwachsenen, die teilweise intensivmedizinisch behandelt wurden, die Schwerpunktthemen des diesjährigen Kongresses, die Sorgen und die Zukunftsvisionen der Kinder und Jugendlichen.

Über 2000 Teilnehmende kamen zur 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Foto: UKW / privat
Über 2000 Teilnehmende kamen zur 51. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Foto: UKW / privat

Das Uniklinikum Würzburg weitet seine Solarstromerzeugung aus

Das Uniklinikum Würzburg hat seine Solarstromproduktion kürzlich um eine Anlage mit knapp 44 kWp erweitert. Damit wuchs seine Photovoltaik-Gesamtleistung auf fast 383 kWp. Mit den Kraftwerken auf verschiedenen Gebäuden des Großkrankenhauses ließen sich etwa 110 Drei-Personen-Haushalte mit grünem Strom versorgen.

die kürzlich erweitere Photovoltaik-Anlage auf dem Bettenhaus A4 des Zentrums für Innere Medizin
Blick über die kürzlich erweitere Photovoltaik-Anlage auf dem Bettenhaus A4 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg. Bild: Heiko Lösch / UKW

Würzburg. Ende Januar dieses Jahres schloss das Uniklinikum Würzburg (UKW) die Erweiterung seiner Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Bettenhauses A4 des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) ab. Durch die zusätzlich installierten Module stieg die elektrische Höchstleistung des dortigen Solarkraftwerks aus dem Jahr 2011 von knapp 20 auf etwa 64 Kilowatt an. Der erzeugte Strom dient vollständig dem Eigenverbrauch des Klinikums. 

Das UKW nutzt weitere seiner Liegenschaften zur grünen Stromgewinnung – und das zum Teil schon seit vielen Jahren. So tragen auch die Dächer des Zentrums für Psychische Gesundheit (ZEP), des Zentrums für Altersmedizin (ZAM) und der Bettenhäuser A1 des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) und A3 des ZIM Photovoltaikanlagen. 

In Summe beträgt die installierte Solarstromleistung des UKW jetzt annähernd 383 kWp. Damit lässt sich so viel Strom erzeugen, wie ihn rund 110 Drei-Personen-Haushalte verbrauchen.

 

Text: Pressestelle / UKW

die kürzlich erweitere Photovoltaik-Anlage auf dem Bettenhaus A4 des Zentrums für Innere Medizin
Blick über die kürzlich erweitere Photovoltaik-Anlage auf dem Bettenhaus A4 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg. Bild: Heiko Lösch / UKW

Mit Antikörpern beladene Vliese sollen das Immunsystem stimulieren

Oft tauchen Jahre nach scheinbar überstandenen Brustkrebs-Erkrankungen doch noch Metastasen auf. In solchen Fällen haben Krebszellen unauffällig im Körper überdauert, sind gewandert und wachsen nun im Gehirn, der Leber, der Lunge oder der Haut weiter.

Vliese aus Kieselgelfasern
So sehen die Vliese aus Kieselgelfasern aus, die für einen Einsatz in der Krebstherapie weiterentwickelt werden. (Bild: Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC)
Immunzellen (rot) attackieren Brustkrebszellen (grün) in einem 3D-Gewebemodel
Immunzellen (rot) attackieren Brustkrebszellen (grün) in einem 3D-Gewebemodell. Die Zellkerne sind blau. Immunfluoreszenzfärbung eines Gewebeschnitts. (Bild: Universitätsklinikum Würzburg)
Gesponnenes Vlies
Ein gesponnenes Vlies soll als lokale Trägermatrix für T-Zell-aktivierende Antikörper dienen. (Bild: Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC)

Auf der Haut erscheinen die Metastasen als gut eingrenzbare Flächen. Theoretisch könnten sie darum relativ zielgenau lokal behandelt werden – doch in der Praxis sprechen sie meist nicht auf die gängigen Behandlungsformen an. Dieses Problem wollen Würzburger Forschende mit einer innovativen Herangehensweise lösen.

Die Idee: Hauchfeine Gewebe aus Kieselgel werden mit Antikörpern beladen und mit den Hautmetastasen in Kontakt gebracht. Die Antikörper stimulieren das Immunsystem dazu, die Krebszellen anzugreifen. Die Metastasen bilden sich zurück oder verschwinden im Idealfall komplett.

1,5 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich in Würzburg Forschende der Julius-Maximilians-Universität (JMU), des Universitätsklinikums (UKW) und des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC zusammengetan. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben des Verbunds mit 1,5 Millionen Euro für drei Jahre ab April 2025.

Der JMU-Immunologe Dr. Niklas Beyersdorf koordiniert den Verbund: „Am Ende der Projektlaufzeit möchten wir einen Medikamenten-Prototypen haben, der dann noch weiter studiert und entwickelt werden muss, bevor erste Tests an Menschen möglich sind.“ Als Fernziel seien pflasterartige Kieselgel-Vliese für größere, geschwürige Metastasen denkbar, aber auch sehr kleine Vliese, die in die Metastasen injiziert werden. So könnte Patientinnen am Ende eine sichere, kostengünstige und einfach zu handhabende zusätzliche Therapieoption zur Verfügung stehen.

Neben dem metastasierten Brustkrebs kommen auch andere Krebsformen für die Anwendung infrage, etwa das metastasierte maligne Melanom oder Kopf-Hals-Tumoren, etwa in der Mundhöhle oder der Nase. „Der neue Therapie-Ansatz stillt damit nicht nur einem sehr hohen medizinischen Bedarf, sondern verspricht auch wirtschaftliche Rentabilität“, sagt Beyersdorf.

Expertise aus drei Institutionen vereint

Die neuartige lokale Immuntherapie wird in einem interdisziplinären Ansatz zwischen Materialwissenschaften, Immunologie und Tissue Engineering (Gewebezüchtung) entwickelt.

Die auf Basis der RENACER®-Materialplattform hergestellten Vliese werden bei Dr. Jörn Probst am Fraunhofer ISC/TLZ-RT designt. Die eingesetzte Kieselgel-Variante ist ein biologisch gut verträgliches Material, das im Körper mit der Zeit von alleine zerfällt. Wie lange das Kieselgel in Faserform bleiben soll, bevor es vollständig zu Monokieselsäure abbaut, lässt sich bei der Produktion des Materials einstellen. Zu klären gilt es im Team von Dr. Probst unter anderem, welche Struktur die Vliese haben und wie sie mit Antikörpern beladen werden müssen, um ihren Job gegen Hautmetastasen so gut wie möglich erledigen zu können.

Die Wirkung der Vliese auf Zellen des Immunsystems, insbesondere auf T-Zellen, wird in der Gruppe von Dr. Niklas Beyersdorf am JMU-Institut für Virologie und Immunbiologie untersucht. Dabei geht es darum herauszufinden, welche Vlies-Typen besonders gut geeignet sind, T-Zellen zu aktivieren. Die Aktivierung durch die Vliese soll die T-Zellen in die Lage versetzen, die Brustkrebszellen in der Metastase anzugreifen und zu zerstören.

Das Team von Dr. Gudrun Dandekar am UKW-Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde (FMZ) ist in der Lage zu testen, wie gut die Aktivierung von T-Zellen mit Antikörper beladenen Vliesen gegen Metastasen wirkt. Das wird mit einem neu entwickelten 3D-Gewebemodell für den metastasierten Brustkrebs gemacht. Das Modell wird mit T-Zellen beladen und mit den Antikörper-Vliesen in Kontakt gebracht. So lässt sich deren Wirkung ganz ohne Tierversuche beurteilen. Weil das 3D-Testmodell ausschließlich aus menschlichen Zellen aufgebaut wird, hat es eine sehr hohe Vorhersagekraft für zukünftige Anwendung bei Patientinnen und Patienten.

Vorhaben der Fördermaßnahme VIP+

Das Verbundprojekt heißt „Krebs-Immuntherapie durch lokale T-Zell-Aktivierung über mit monoklonalen Antikörpern beschichtete Vliese“ (KITAMAKI). Das Bundesforschungsministerium fördert es im Rahmen der Maßnahme „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+“. Diese verfolgt das Ziel, die Anwendungspotenziale exzellenter Forschung noch schneller und effektiver zu identifizieren und für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.

 

Kontakt
PD Dr. Niklas Beyersdorf, KITAMAKI-Verbundkoordinator, Institut für Virologie und Immunbiologie, Universität Würzburg, niklas.beyersdorf@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg vom 26. Mai 2025

Vliese aus Kieselgelfasern
So sehen die Vliese aus Kieselgelfasern aus, die für einen Einsatz in der Krebstherapie weiterentwickelt werden. (Bild: Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC)
Immunzellen (rot) attackieren Brustkrebszellen (grün) in einem 3D-Gewebemodel
Immunzellen (rot) attackieren Brustkrebszellen (grün) in einem 3D-Gewebemodell. Die Zellkerne sind blau. Immunfluoreszenzfärbung eines Gewebeschnitts. (Bild: Universitätsklinikum Würzburg)
Gesponnenes Vlies
Ein gesponnenes Vlies soll als lokale Trägermatrix für T-Zell-aktivierende Antikörper dienen. (Bild: Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC)