Aktuelle Pressemitteilungen

Ab 1. Oktober: FFP2-Maskenpflicht bei Besuchen am UKW

Würzburg. Ab dem 1. Oktober gilt am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) FFP2-Maskenpflicht für Patienten, Besucher und Begleitpersonen ab 14 Jahren auf Basis des aktuellen  Infektionsschutzgesetzes. Auch weiterhin sind nur Besucherinnen und Besucher zugelassen, die einen tagesaktuellen negativen Testnachweis vorlegen können. Mehr Informationen zu den Besuchsregelungen hat das UKW auf seiner Homepage zusammengestellt.

Stimme als Indikator für Herzschwäche

Start des BMBF-geförderten Innovationsprojekts UNISONO zur Entwicklung eines neuartigen Sensorsystems mit KI-gesteuerten stimmlichen Biomarkern für Menschen mit Herzinsuffizienz. Mit UNISONO wollen die Projektpartner Zana, DZHI und Cosinuss° einen wichtigen Beitrag zur effektiveren Behandlung von Herzinsuffizienz, Früherkennung von Dekompensationen und Reduzierung von Krankenhausaufenthalten leisten.

 

Würzburg. Ob Freud oder Leid, Wut, Angst oder Enttäuschung – unsere Gefühle schlagen sich wie die Persönlichkeit auf die Stimme nieder. Auch Krankheiten können hörbar sein. In den vergangenen Jahren ist ein neues Forschungsgebiet entstanden, in dem untersucht wird, wie sich Krankheitsverläufe an Veränderungen der Stimme festmachen lassen und wie sich stimmliche Biomarker in die Gesundheitsversorgung integrieren lassen. Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) am Uniklinikum Würzburg ist an der Entwicklung eines neuartigen Sensorsystems mit durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuerten stimmlichen Biomarkern für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz beteiligt. Das DZHI liefert die klinische Expertise für das Innovationsprojekt UNISONO während die Cosinuss° GmbH mit ihrem patentierten Ohrsensor die Hardware in das Projekt einbringt. Zana Technologies GmbH koordiniert das Projekt und entwickelt als Anbieter von Konversations- und Sprach-KI-Lösungen für das Gesundheitswesen die neuartige Technologie. Das Projekt wird seit August drei Jahre lang vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 1,248 Mio Euro gefördert.

Wassereinlagerungen können Stimme beeinflussen

„Eine Herzinsuffizienz ist insbesondere durch häufig wiederkehrende Wassereinlagerungen im Körper gekennzeichnet. Betreffen diese sogenannten Ödeme die Stimmlippen und die Lunge, kann sich das auf die Stimme der Betroffenen auswirken“, erklärt Dr. Fabian Kerwagen, Projektleiter von UNISONO am DZHI. Veränderungen in der Stimme könnten sich somit als Frühindikatoren einer beginnenden Dekompensation, also einer Verschlechterung oder ganz allgemein von Veränderungen des Gesundheitszustands der Betroffenen eignen.

Die ersten Stimmanalysen sollen Anfang nächsten Jahres am DZHI und in der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Uniklinikum Würzburg durchgeführt werden. Dazu nehmen die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer zunächst über eine mobile Anwendung, App, mehrere Wochen lang ihre Stimme auf, und zwar in verschiedenen Phasen ihrer Erkrankung, angefangen beim stationären Aufenthalt aufgrund einer akuten Dekompensation bis hin zum rekompensierten Zustand.

Stimm-Biomarker für klinische Phänotypisierung mittels Ohr-Sensor

Primäres Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Stimmanalysen mit Hilfe eines Sensors, der am Ohr getragen wird, und vermittels neuer KI-Technologien durchzuführen. Der Cosinuss°-In-Ear-Sensor wird bereits erfolgreich zur Erfassung physiologischer Körpersignale wie Körpertemperatur, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz angewendet. Um eine gleichzeitige Sprachinteraktion zu ermöglichen, soll der Sensor nun um Mikrofon und Lautsprecher erweitert werden. Ein intelligenter Sprachassistent analysiert über Gespräche mit den Nutzerinnen und Nutzern die Stimme. Für die Entwicklung neuartiger Sprach-Biomarker und die digitale Erkennung von Krankheitszuständen entwickelt Zana innovative Methoden, die die bereits bestehende KI-Plattform erweitern.

„Mit UNISONO untersuchen wir, wie sich Sprach- und Vitaldaten kombinieren lassen und wie die Datenqualität durch einen intelligenten Sprachassistenten verbessert werden kann, um sie als Gesundheitsprädiktor bei Herzinsuffizienz zu nutzen“, legt Dr. Julia Hoxha dar, Geschäftsführerin von Zana und koordinierende Projektpartnerin. „Unser Ziel ist es, aus den gesammelten Daten neuartige stimmliche Biomarker für die KI-gestützte klinische Phänotypisierung von Menschen mit Herzinsuffizienz abzuleiten“, fasst Dr. Johannes Kreuzer, Geschäftsführer von Cosinuss°, zusammen.

Großes Potential für Telemonitoring und Prävention bei Herzinsuffizienz

Fabian Kerwagen zufolge haben stimmliche Biomarker ein enormes Potential für die Verbesserung der Patientenversorgung bei Herzinsuffizienz, da sie nicht-invasiv, kostengünstig und einfach zu erheben sind und aus der Ferne beurteilt werden können. „Die Kombination der Patientenstimme mit der am Ohr getragenen Technologie wird eine umfassende digitale Phänotypisierung von Menschen mit Herzinsuffizienz ermöglichen. Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten für Telemonitoring und Prävention bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz.“

Herzinsuffizienz, an der fast vier Millionen Menschen in Deutschland leiden, ist hierzulande der Nummer-1-Grund für Krankenhauseinweisungen und mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als die meisten Tumorerkrankungen.

www.unisono-projekt.com 

Das Bild zeigt einen Sensor im Ohr und Sprechblasen.
Im Projekt UNISONO wird geprüft, wie sich Vitaldaten und Stimme kombinieren lassen und wie die Datenqualität durch einen intelligenten Sprachassistenten verbessert werden kann, um diese als Gesundheitsindikator bei Herzinsuffizienz zu nutzen. © Cosinuss GmbH & Zana Technologies GmbH

Personalia vom 27. September 2022 - Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Sven Flemming, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie, wurde mit Wirkung vom 06.09.2022 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Chirurgie“ erteilt.

Anja Kurz, Ph.D., Technische Leiterin, Comprehensive Hearing Center, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen, wurde mit Wirkung vom 31.08.2022 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Experimentelle und klinische Audiologie und Neurootologie“ erteilt.

Gustavo Campos Ramos, Ph.D., wissenschaftlicher Angestellter, Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz, wurde mit Wirkung vom 31.08.2022 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Experimentelle Kardiologie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 27. September 2022

 

 

 

Von Mwanza nach Würzburg

Fünf Medizinstudierende aus Mwanza (Tansania) wurden an der Medizinischen Fakultät begrüßt. Sie durchlaufen im Rahmen ihrer Ausbildung verschiedene Stationen am Universitätsklinikum.

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung macht es möglich: Sie fördert den Austausch von Medizin-Studierenden zwischen Würzburg und Mwanza – einer Stadt, die in Tansania am Südufer des Victoriasees liegt. Nun hat die Medizinische Fakultät der Uni Würzburg fünf Neuankömmlinge begrüßt, und zwar Alicia Adiberth, Gloria Kanimba, James Mushi, Glorian Nnko und Faustine Temu.

Die tansanischen Studierenden durchlaufen sieben Wochen lang verschiedene Stationen am Universitätsklinikum. Sie bekommen unter anderem Einblicke in Kardiologie, Nephrologie, Kinderchirurgie und Unfallchirurgie. Außerdem nehmen sie an einer internationalen Summer School zum Thema „Planetary Health“ teil.

Vom Austauschprogramm zum Else Kröner Center

Die Kontakte der Würzburger Universitätsmedizin mit Mwanza sind seit langem etabliert. 2008 startete das Austauschprogramm mit der Catholic University of Health and Allied Sciences und mit dem Bugando Medical Center. 2020 wurde das Programm dann in das neu gegründete Else Kröner Center (EKC) for Advanced Medical & Medical Humanitarian Studies Würzburg-Mwanza eingebettet.

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert dieses Zentrum mit 2,5 Millionen Euro. Unter seinem Dach laufen neben dem Austausch von Studierenden, Forschenden und Lehrenden auch gemeinsame Forschungsprojekte und Maßnahmen zur klinischen Fortbildung. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung in der Region um Mwanza weiter zu verbessern.

Offizielle Begrüßung im Hörsaal

Zu einer kleinen Begrüßungsfeier waren die fünf Studierenden am 19. September 2022 in den Hörsaal des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie eingeladen. Professor Oliver Kurzai, Mitglied im EKC-Direktorium, hieß sie dort willkommen. Er machte die Studierenden unter anderem darauf aufmerksam, dass sie im Rahmen des Else Kröner Centers später auch für Forschungsprojekte nach Würzburg kommen können.

Das können zum Beispiel Projekte sein, die sich mit Antibiotikaresistenzen oder Infektionskrankheiten wie Schistosomiasis befassen. Darüber informierte Dr. Franziska Pietsch, wissenschaftliche Koordinatorin am EKC. Die Schistosomiasis ist eine schwerwiegende Krankheit, die von den Larven des Pärchenegels verursacht wird. Sie ist rund um den Victoriasee weit verbreitet.

In einem Projekt zur Schistosomiasis forscht derzeit beispielsweise Doktorand Nyanda Justine aus Mwanza, der ebenfalls vom EKC gefördert wird. Weitere vom EKC geförderte Promovierende waren bei der Begrüßung dabei, um Fragen der neuen Austausch-Studierenden zu beantworten.

Bilateraler Masterstudiengang in Vorbereitung

Lilly Brandstetter vom Institut für klinische Epidemiologie und Biometrie stellte schließlich den neuen bilateralen Masterstudiengang „Biostatistics and Epidemiology“ vor, den die Würzburger Universitätsmedizin gemeinsam mit ihren Partnern in Mwanza plant.

Abgerundet wurde die Begrüßungsveranstaltung mit Kaffee und Kuchen. Danach trafen sich die Studierenden für eine Stadtführung mit dem Prodekan für Internationalisierung, Professor Jürgen Deckert, vor der Residenz.

Weblink

Else Kröner Center Würzburg-Mwanza: https://www.wuerzburg-mwanza.de/ 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 27. September 2022

Renommierter Preis für Jürgen Groll

Für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Biofabrikation erhält Professor Jürgen Groll den Senior Investigator Award 2022. Das ist die höchste Auszeichnung der International Society for Biofabrication.

Bei der Biofabrikation geht es darum, mit automatisierten 3D-Druck-Prozessen menschliche Zellen auf Gerüststrukturen aufzutragen. Diese ausgeklügelten Konstrukte werden dann zu funktionsfähigen Gewebemodellen weiterentwickelt, etwa für Haut oder Knorpel.

Ziel der Forschungen ist es, „künstliche“ Gewebe oder sogar organähnliche Gebilde herzustellen. Sie haben das Potenzial, Tierversuche zu ersetzen, die Pharma- und Krebsforschung voranzubringen und krankes oder zerstörtes Gewebe zu regenerieren.

Der Würzburger Professor Jürgen Groll hat auf diesem Wissenschaftsgebiet herausragende Leistungen vorzuweisen. Dafür erhält er nun den Senior Investigator Award 2022 der Internationalen Gesellschaft für Biofabrikation.

Preisverleihung in Pisa

Der Preis wird ihm bei der Jahrestagung der Fachgesellschaft überreicht, die vom 25. bis 28 September 2022 in Pisa (Italien) stattfindet. Mit der Auszeichnung geht die ehrenvolle lebenslange Mitgliedschaft in der Gesellschaft einher. Groll ist außerdem eingeladen, bei der Schlussveranstaltung der Tagung einen Vortrag zu halten.

Jürgen Groll (46) leitet seit 2010 den Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und der Zahnheilkunde am Würzburger Universitätsklinikum. Seit 2020 ist er zudem an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geschäftsführender Direktor des neu geschaffenen Instituts für Funktionsmaterialien und Biofabrikation. An der JMU hat er auch das Center of Polymers for Life initiiert – der Neubau für dieses interdisziplinäre Forschungszentrum wächst derzeit auf dem Hubland-Campus heran.

Verdienste von Jürgen Groll

„Er ist ein international führender Pionier der Biofabrikation.” So heißt es in einem Schreiben, mit dem drei Fachkollegen Jürgen Groll für den Award vorgeschlagen haben.

Wichtige Fortschritte habe der Würzburger Professor unter anderem bei der Entwicklung von Biotinten erzielt – das sind die Flüssigkeiten, mit denen lebende Zellen per 3D-Druck auf Gerüstmaterialien aufgebracht werden. Auch mit Blick auf die dreidimensionalen Trägergerüste seien ihm wesentliche Fortschritte zu verdanken: Hier habe er eine völlig neue Strategie gefunden, um in einem einstufigen Verfahren Gerüste herzustellen, die sehr gut die Matrix des Bindegewebes nachahmen.

Preise und Publikationen

Für seine Erfolge wurde Jürgen Groll mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 2013 einen millionenschweren Preis des Europäischen Forschungsrats, einen ERC Consolidator Grant. Auf sein Konto gehen bislang mehr als 230 Publikationen in renommierten Fachjournalen wie Nature Chemistry, Advanced Materials and Angewandte Chemie.

Biofabrikation in der Lehre

Der Professor engagiert sich auch für die Lehre. Unter seiner Federführung wurde an der JMU einer der weltweit ersten Master-Studiengänge für Biofabrikation etabliert. Er sorgte außerdem dafür, dass in Würzburg 2016 die deutschlandweit erste Professur für Biofabrikation eingerichtet wurde.

Kontakt

Prof. Dr. Jürgen Groll, juergen.groll@ fmz.uni-wuerzburg.de 

Webseite seines Lehrstuhls: http://fmz.uni-wuerzburg.de/ 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 26. September 2022

Erneut gelungener Ausbildungsstart am Uniklinikum Würzburg

Im September 2022 konnte das Uniklinikum Würzburg (UKW) über 280 Auszubildende und Studierende willkommen heißen.

Würzburg. Am Uniklinikum Würzburg und in den angegliederten Berufsfachschulen haben in den letzten Wochen über 280 junge Frauen und Männer eine Ausbildung oder ein Studium begonnen. Damit zählt das Klinikum zu den größten Ausbildungsstätten der Region, und zeigt, wie wichtig die Förderung von qualifiziertem Nachwuchs ist.

Das Spektrum an Ausbildungen und Studiengängen, für das sich die Neuankömmlinge entschieden haben, ist breit:

Anästhesietechnische Assistentinnen und Assistenten,

Diätassistentinnen und -assistenten,Duales Studium Gesundheitsmanagement, Fachinformatikerinnen und -informatiker für Systemintegration,Fachlageristinnen, Kaufleute für Büromanagement,Kaufleute im Gesundheitswesen, Masseurinnen und Masseure und med. Bademeisterinnen und Bademeister,Medizinische Fachangestellte, Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und -assistenten,Medizinisch-technische Radiologieassistentinnen und -assistenten,Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten,Pflegefachfrau/-mann, Physiotherapeutinnen und -therapeuten,Tierpflegerinnen, Zahnmedizinische Fachangestellte.

Darüber hinaus werden am Uniklinikum weitere Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge angeboten, die zu einem anderen Zeitpunkt oder nicht jährlich starten.

Der Vorstand heißt alle neuen Kolleginnen und Kollegen herzlichst am Klinikum willkommen und wünscht eine spannende, lehrreiche Ausbildungszeit.

Informationen zu den verschiedenen Ausbildungsberufen und Studiengängen unter https://www.ukw.de/karriere 

Alle Gruppenfotos der neuen Ausbildungsklassen und Studierenden finden Sie hier in der Bildergalerie.

Collage mit Gruppenfotos aller neuen Azubis und Studierenden zum Ausbildungsbeginn 2022 am Uniklinikum Würzburg
Mehr als 280 junge Frauen und Männer haben im September 2022 eine Ausbildung oder ein Studium am Uniklinikum Würzburg und den angeschlossenen Berufsfachschulen begonnen. Collage: UKW

Springen und stampfen für starke Knochen

Am Uniklinikum Würzburg wird in einer Machbarkeitsstudie geprüft, ob ein gezieltes Impact-Training bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom, deren Skelett aufgrund der Knochenmarkkrebserkrankung immer poröser wird, die Knochenstruktur wiederaufbauen kann.

In letzter Zeit wird es mächtig laut auf Ebene -3 in der Physiotherapie am Uniklinikum Würzburg. Es wird gestampft, gehüpft und gesprungen bis die Wände wackeln. Das so genannte Impact-Training, das die neue Studiengruppe von Franziska Jundt durchführt, hat es in sich. Zweimal pro Woche trainieren zwölf Männer und Frauen 30 Minuten lang unter medizinischer Anleitung und einmal zuhause. In der Kontrollgruppe der Studie „Machbarkeit vom Impact-Training bei Patienten mit Multiplem Myelom (MIMM)“ geht es wesentlich entspannter zu. Hier erhalten acht Personen ein Entspannungstraining. Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: das Multiple Myelom.

„Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark“, erklärt Franziska Jundt, Professorin für Hämatologie und Internistische Onkologie und Leiterin des Zentrums für das Myelom im Zentrum für Seltene Erkrankungen Nordbayern (ZESE). Franziska Jundt hat vor mehr als 20 Jahren einen Signalweg entdeckt, der auch beim Multiplen Myelom aktiv ist. Seither beschäftigt sie sich mit der Frage: Wie blockiere ich den Signalweg ohne schwerwiegende Nebenwirkungen? Denn leiden müssen die Betroffenen schon genug. „Die Tumorzellen infiltrieren das Skelett und zersetzen die Knochen. Selbst wenn die Tumorzellen abgeräumt wurden, haben die Betroffenen weiter Löcher im Knochen. Diese führen zu zahlreichen schmerzhaften Frakturen. 80 Prozent der Myelom-Patientinnen und Patienten leiden unter Knochenschmerzen und -frakturen“, verdeutlicht Franziska Jundt.

Ganzkörpervibrationstraining für starke Knochen

Schon lange treibt die Wissenschaftlerin und Mutter von drei Kindern die Frage um: Wie können wir den Knochen wiederaufbauen und Frakturen vermeiden? Bei einem einfachen Bruch wird heutzutage möglichst früh mobilisiert, um dadurch gezielt den heilenden Knochen zu stimulieren. Sobald der Knochen über Muskeln beansprucht wird, kann sich die Knochenstruktur verbessern. „Zur mechanischen Stimulation sind wir schließlich über die Arme von Tennisspielern gekommen, die eine unterschiedliche Knochendichte aufweisen. Beim Spielerarm ist die Knochendichte wesentlich höher im Vergleich zum nicht spielenden Arm“, berichtet die Medizinerin und verweist auf die Osteoporose, die heute bereits erfolgreich mit einem Ganzkörper-Vibrationstraining behandelt wird. Bei der Therapie stehen die Patientinnen und Patientinnen auf einer Art Rüttelplatte. Durch das sanfte Vibrieren werden Muskulatur und Knochen gestärkt. Könnte diese Therapie auch bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom funktionieren?

Das Team um Franziska Jundt hat zunächst drei Wochen lang Mäuse mit Multiplen Myelom einer Art Kompressionsstimulation unterzogen. „Und zu unserer Überraschung war es möglich, dass sich die Knochen sogar dort aufgebaut haben, wo die Tumorzellen saßen“, sagt Jundt. Daraufhin wurden in einer Pilotuntersuchung die Sicherheit sowie die spezifischen Auswirkungen eines Ganzkörper-Vibrationstrainings auf den Knochenstoffwechsel von Patientinnen und Patienten mit monoklonaler Gammopathie, einer Vorstufe des Multiplen Myeloms, untersucht (2020 Seefried et al Journal of Bone Oncology). Neun Frauen und sechs Männer trainierten zweimal pro Woche eine halbe Stunde über zwölf Wochen, zehn von ihnen verlängerten um weitere zwölf Wochen. Mit Erfolg. Schon nach drei Monaten war ein Knochenaufbau zu verzeichnen, der jedoch nach Abbruch des Trainings wieder auf das Ausgangsniveau sank. Bei Frauen war der Erfolg noch ausgeprägter als bei den Männern. Jundt vermutet, dass dies an der Postmenopause liegt, in der sich der Knochen zunächst abbaut, sodass sich dieser durch eine Stimulation auch wieder stärker aufbaut. In einer größer angelegten Studie in Kooperation mit den Uniklinika Hamburg, Essen und Köln sollen zukünftig Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom auf Rüttelplatten trainiert werden.

Stampf- und Sprungtraining

Auf Hochtouren läuft am Uniklinikum Würzburg jetzt bereits das Impact-Training, ein Stampf- und Sprungtraining. Studien haben gezeigt, dass sich diese Art von Krafttraining positiv auf die Knochendichte auswirkt, zum Beispiel bei Osteoropose und Prostatakrebs. „Wir vermuten, dass sich die durch das Springen und Stampfen verbundene Stimulation des muskuloskelettalen Systems die Knochendichte erhöht, die Mobilität von unseren Myelom-Patientinnen und Patienten verbessert und schließlich auch Frakturen vorgebeugt wird. Daher prüfen wir in unserer Machbarkeitsstudie, ob wir dieses Training, das wir in Zusammenarbeit mit Freerk Baumann, Professor für onkologische Bewegungswissenschaften an der Uniklinik Köln, einsetzen, auch unseren Patientinnen und Patienten zumuten können“, erklärt Franziska Jundt.

Das Projekt zeigt einmal mehr die interdisziplinäre Expertise und Zusammenarbeit, die sowohl die Erforschung als auch die Behandlung des Multiplen Myeloms erfordert und in Würzburg hervorragend funktioniert, so Jundt. Allein am Training sind neben der Hämatologie und Onkologie die Radiologie beteiligt, die Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus, wo geprüft wird, ob das Skelett der Teilnehmenden überhaupt stark genug für das Sprung- und Stampftraining ist, und das Institut für Sportwissenschaften an der Universität Würzburg. Nicht zu vergessen die Medizinstudierenden Marei Schallock und Ruben Ringeisen, die in der Inneren Medizin im Teilgebiet Hämatologie promovieren und jedes Training aktiv begleiten. Dabei stoßen sie oftmals ebenso an ihre Grenzen wie die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer. „Aber keine Sorge, wir holen jede Patientin und jeden Patienten dort ab, wo sie oder er gerade steht und steigern langsam die Intensität“, schildert Ruben Ringeisen. 

#WomenInScience

Wie Franziska Jundt Beruf und Familie verbindet, erläutert die Professorin in der UKW-Serie #WomenInScience.

 

 

Zwei Patientinnen, zwei Medizin-Studierende und Franziska Jundt springen in die Höhe.
Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom nehmen derzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie am Impact-Training teil. Es wird geprüft, ob sich das Stampf- und Sprungtraining positiv auf die Knochendichte auswirkt. © UKW / Daniel Peter
Die Patientinnen und Medizinstudierende kurz vor dem Absprung.
Die Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom stampfen und springen in kleinen Gruppen zweimal pro Woche 30 Minuten lang unter medizinischer Anleitung im Uniklinikum Würzburg und einmal zuhause. Das Impact-Training soll dabei helfen, die durch die Krebserkrankung angegriffene Knochenstruktur wiederaufzubauen. © UKW / Daniel Peter
Franziska Jundt in der Physiologie des Uniklinikums Würzburg
Professorin Franziska Jundt ist Oberärztin in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II mit dem Schwerpunkt Hämatologie und leitet die Studie „Machbarkeit vom Impact-Training bei Patienten mit Multiplem Myelom (MIMM)“. © UKW / Daniel Peter