Aktuelle Meldungen

Uniklinikum Würzburg: Gruppen-Kunstwerk wird zugunsten frühgeborener Kinder versteigert

Noch bis zum 28. Juni 2019 ist die Schau „Der Mensch im Dialog“ am Uniklinikum Würzburg zu besichtigen. Genauso lang kann man noch Gebote für ein Gemeinschaftsgemälde der ausstellenden KreARTivgruppe um die Würzburger Künstlerin Beate Hemmer abgeben. Der Erlös geht an die „Kiwanis Nachsorge Frühgeborener“.

Seit Februar dieses Jahres schmücken die Gemälde, Zeichnungen und Drucke von elf Künstlerinnen und einem Künstler die Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) des Uniklinikums Würzburg (UKW) an der Oberdürrbacher Straße. Die Bilder entstanden in den vergangenen vier Jahren in der KreARTivwerkstatt von Beate Hemmer. Bei der Vernissage der Schau am 28. März 2019 machte die Würzburger Künstlerin auf eine die Ausstellung begleitende Benefizaktion aufmerksam. Sie versteigert ein Gemälde, das bei einer öffentlichen Kunstaktion im März 2019 im ZOM als Gemeinschaftswerk von mehreren Künstlerinnen der Gruppe geschaffen wurde.

Erlös dient der Nachsorge Frühgeborener

Der Erlös geht an das „Das Würzburger Modell: Kiwanis Nachsorge Frühgeborener“. Bei diesem in den letzten Jahren zusammen mit Prof. Dr. Christian P. Speer, dem Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik, aufgebauten System betreuen fünf Kinderkrankenschwestern und eine Sozialpädagogin sehr unreife frühgeborene Kinder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus intensiv weiter. Die vom Kiwanis Club Würzburg-Mainfranken finanzierte sozialmedizinische Nachsorge erleichtert Eltern und Kindern den Übergang von der Klinik in den normalen Alltag und bietet den Eltern eine wertvolle Hilfestellung.

Assoziationen zum Themenfeld Geborgenheit

„Unser Gemeinschaftsgemälde nimmt dazu thematisch passende Assoziationen auf“, schildert Beate Hemmer. So finden sich nach ihrer Schilderung auf der 1,5 m x 1,5 m großen Leinwand Aspekte wie Geborgenheit, sich getragen fühlen, die Einheit von Erwachsenem und Kind sowie der Kontakt mit dem „Inneren Kind“ wieder.
Vor den rund 120 Gästen der Vernissage nannte sie 1.500 Euro als Mindestgebot. Interessierte haben noch bis zum Ausstellungsende am 28. Juni 2019 Gelegenheit, das besonders gekennzeichnete Werk zu betrachten und bei Beate Hemmer unter E-Mail info@hemmer-art.de ein Gebot abzugeben.
Die ausstellenden Kunstschaffenden der Schau „Mensch im Dialog“ sind: Andrea Barbera, Gilla Böhm, Rosi Bug, Dr. Christine Burger, Martina Burger, Nina Ćosić, Hannelore Dörrich, Christoph Janssen, Ruth Kornherr, Marika Ugrai, Heike Uibel und Ulrike Ulmer.

Gruppenbild KreArtivgruppe
Bei der Vernissage: Die ausstellende Gruppe mit ihrer Leiterin Beate Hemmer (Mitte) vor dem Gemälde, das zugunsten frühgeborener Kinder versteigert wird. Bild: Helmuth Ziegler / Uniklinikum Würzburg

Chor-Konzert bringt über 7.100 Euro für die Würzburger Schlaganfallforschung

Der Gospel-Rock-Pop-Chor Voices überreichte die gesamten Einnahmen seines Jubiläumskonzerts in Höhe von 7.131 Euro an die Hentschel-Stiftung „Kampf dem Schlaganfall“. Das Geld kommt der Schlaganfallforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zugute.

Mit einem Benefiz-Konzert feierte der Chor Voices im November vergangenen Jahres in der Würzburger Neubaukirche sein 20-jähriges Jubiläum. Ein Gastauftritt des weithin bekannten Saxophon-Quartetts Passion4Saxxes aus Schweinfurt ergänzte das musikalische Erlebnis. Durch den Kartenverkauf der nahezu ausverkauften Veranstaltung kamen 7.131 Euro zusammen. Dieses Geld überreichte eine Delegation des Chors kürzlich der Hentschel-Stiftung „Kampf dem Schlaganfall“. Die Organisation fördert seit zehn Jahren die an der Würzburger Universität geleistete Forschungsarbeit zu den Ursachen und Mechanismen der Volkskrankheit. Ziel ist es, akute Schlaganfälle besser behandeln zu können und das Auftreten im Vorfeld soweit möglich zu verhindern.

Der Stiftungsgründer Günter Hentschel bedankte sich im Beisein des ehemaligen Ärztlichen Direktors des Uniklinikums Würzburg, Prof. Dr. Christoph Reiners, herzlich für die fortgesetzte Unterstützung durch den beliebten Gospel-Rock-Pop-Chor.
Um auch in Zukunft den Kampf gegen den Schlaganfall vorantreiben zu können, sind nach seinen Worten weitere Spenden auf folgendes Konto jederzeit willkommen:

Kampf dem Schlaganfall, HypoVereinsbank Würzburg
BIC: HYVEDEMM455 / IBAN: DE45790200760347390402
Die Stiftung ist vom Finanzamt Würzburg unter der Steuernummer 257/147/00343 als gemeinnützig anerkannt. Zustiftungen und Spenden sind daher steuerlich absetzbar.

Gruppenbild Spendenübergabe
Stiftungsgründer Günter Hentschel (Mitte) und Prof. Dr. Christoph Reiners als Vertreter des Uniklinikums Würzburg (links) freuten sich über die Spendenübergabe von Chorleiter Fred Elsner, die stellvertretende Vorsitzende Susanne Vitzthum und Chormanager Rolf Schlegelmilch vom Gospel-Rock-Pop-Chor Voices (von links). Bild: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Rumford-Preis für Georg Nagel

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 12. April 2019.

Zellen mit Licht steuern: Für seine Beiträge zur Entdeckung und Entwicklung der Optogenetik hat Professor Georg Nagel erneut eine Auszeichnung bekommen. Er nahm sie mit fünf weiteren Preisträgern in den USA entgegen.

Als *Durchbruch des Jahrzehnts* bezeichnete das Wissenschaftsmagazin Science im Jahr 2010 die Optogenetik.
Vereinfacht gesagt geht es auf diesem Gebiet darum, die elektrische Aktivität von Zellen mit Lichtimpulsen zu steuern.

Mit Lichtsignalen lassen sich zum Beispiel Nervenzellen aktivieren. Auf diese Weise hat die Forschung viele neue Einblicke in die Parkinson-Krankheit gewonnen. Durch die Optogenetik ist aber auch das Wissen über andere neurologische und psychiatrische Krankheiten gewachsen, etwa über Depression und Schizophrenie.

Zu den Pionieren der Optogenetik gehört Georg Nagel, seit 2004 Professor am Julius-von-Sachs-Institut für Biowissenschaften der Universität Würzburg. Er zeigte zusammen mit Ernst Bamberg 1995 am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt erstmals, dass sich eine lichtempfindliche Ionenpumpe aus Archaebakterien in Wirbeltierzellen einbauen lässt und dort funktioniert. 2003 gelang dieser Nachweis dann auch mit lichtempfindlichen Ionenkanälen aus Algen. In den folgenden Jahren trieb Nagel gemeinsam mit anderen Forschern die Optogenetik weiter voran.

Preisverleihung in Cambridge

Für diese Leistungen wurde Nagel nun ausgezeichnet: Am 11. April 2019 erhielt er in Cambridge (USA) gemeinsam mit anderen Optogenetik-Pionieren den Rumford-Preis der American Academy of Arts and Sciences. Die weiteren Preisträger sind Ernst Bamberg (Frankfurt/Main), Ed Boyden (Cambridge), Karl Deisseroth (Stanford), Peter Hegemann (Berlin) und Gero Miesenböck (Oxford).

Den Rumford-Preis vergibt die im Jahr 1780 gegründete Akademie seit 1839 für Entdeckungen auf den Gebieten der Wärmelehre und Optik. Die Auszeichnung wird in unregelmäßigen Abständen verliehen; zuletzt war das 2015 der Fall. Sie besteht aus einer vergoldeten Silbermedaille.

Laut Lucia Rothman-Denes, Mitglied im Preiskomitee der Akademie, hat die Optogenetik die Neurowissenschaften revolutioniert. Die nun ausgezeichneten Forscher hätten mit ihren Arbeiten einen tiefgreifenden Einfluss auf Zellbiologie und Mikrobiologie ausgeübt. Akademiepräsident David W. Oxtoby zeigte sich sehr erfreut, die sechs Forscher in die Riege der bislang ausgezeichneten Persönlichkeiten aufnehmen zu können.

Aktuelle Forschung von Georg Nagel

An der Universität Würzburg arbeitet Georg Nagel aktuell mit lichtempfindlichen Ionenkanälen aus der Gruppe der Rhodopsine und lichtaktivierten Adenylylcyclasen. Sein Team kooperiert mit Physiologen, die diese Photorezeptoren als Werkzeuge einsetzen, um Zellfunktionen durch sichtbares Licht zu beeinflussen. Nagel prüft außerdem, ob sich diese Lichtrezeptoren auch in Pflanzenzellen einbauen lassen.

Für seine Beiträge zur Optogenetik wurde Nagel bereits mehrfach ausgezeichnet. Er ist Träger des Karl-Heinz-Beckurts-Preises (2010), des Wiley Prize in Biomedical Sciences (2010), des Klaus-Joachim-Zülch-Preises (2012), des Prix Louis-Jeantet (2013) und des Grete Lundbeck Brain Prize (2013). Im Jahr 2015 wurde er zum Mitglied der EMBO (European Molecular Biology Organisation, Heidelberg) gewählt.

Kontakt
Prof. Dr. Georg Nagel, Julius-von-Sachs-Institut für Biowissenschaften der Universität Würzburg, Telefon +49 931 31-86143, georg.nagel@ botanik.uni-wuerzburg.de

Professor Georg Nagel
Professor Georg Nagel. (Foto: privat)

Erster Fachkongress für OP-Personal am Uniklinikum Würzburg

Das Uniklinikum Würzburg lädt Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten sowie Fachpersonal aus dem OP zu einem Kongress am Zentrum für Operative Medizin ein. Am Freitag, den 17. Mai 2019, geht es unter dem Titel „Zukunft gestalten – Chancen ergreifen“ sowohl um Themen aus der Berufspolitik, wie auch aus der Praxis im Operationssaal.

Seit rund zwei Jahrzehnten prägt das Berufsbild der Operationstechnischen Assistentinnen und Assistenten (OTA) neben der Fachkrankenpflege die Arbeit in den Operations-, Diagnostik- und Interventionsbereichen von Kliniken aller Versorgungsstufen. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) begleitete diese Entwicklung und gründete unter anderem im Jahr 2013 eine eigene, seither erfolgreich agierende OTA-Schule. Basierend auf dieser Expertise vor Ort und ergänzt durch das Know-how externer Referenten veranstaltet das UKW am 17. Mai 2019 erstmals einen Kongress für Fachkräfte im OP. Im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin an der Oberdürrbacher Straße gibt es zwischen 8:30 und 16:30 Uhr Vorträge zu Fragen der Berufspolitik und Ausbildung, wie auch zu technologischen Entwicklungen und der interprofessionellen Kooperation im Operationssaal. Eine Ausstellung zu neuen medizintechnischen Produkten und Behandlungsmöglichkeiten rundet das Informationspaket des Tages ab.

Das detaillierte Programm des Fachkongresses „Zukunft gestalten – Chancen ergreifen“, die Teilnahmekonditionen und ein Anmeldeformular finden sich unter www.ukw.de/ota-kongress. Die Anmeldung ist bis zum 30. April 2019 möglich.

Pressemitteilung als PDF zum Download.

Operationsroboter „DaVinci“ im Einsatz
Der Operationsroboter „DaVinci“ im Einsatz am Uniklinikum Würzburg. Bild: Alexander Wilm / Uniklinikum Würzburg

Weniger Angst und mehr Lebensqualität bei ICD-Patienten nach Internetschulung

Die Angst vor dem Schock ist bei vielen Patienten mit einem implantierten Kardioverter-Defibrillator (kurz ICD oder Defi) groß. Zum einen, weil der heftige Stromschlag in der Brust schmerzhaft sein kann, zum anderen weil man ohne ihn möglicherweise tot wäre. Dass ein Defi die Angst beim Patienten verstärken kann, hat der Würzburger Psychologe Professor Paul Pauli mit seinem Team bereits wissenschaftlich belegt. Auch, dass eine telefonische Betreuung die Angst mildern kann. Nun haben die Psychologen der Universität Würzburg gemeinsam mit Kardiologen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) eine moderne, unkomplizierte und vor allem nachhaltige Lösung gefunden, wie man das Leben von Herzkranken, bei denen der Defi zu erheblichen psychischen Problemen geführt hat, langfristig verbessern und Ängste, aber auch die häufig damit einhergehende Depression nachweislich reduzieren kann: ein sechswöchiges, moderiertes Internet-Training mit Hilfe zur Selbsthilfe. Das Ergebnis der Studie wurde gerade in der renommierten kardiologischen Fachzeitschrift „European Heart Journal“ online publiziert.

Extrem ermutigend findet Professor Paul Pauli das Interesse des European Heart Journals an seiner randomisierten und kontrollierten ICD-Forum-Studie, in der die Wirksamkeit einer webbasierten Intervention zur Verbesserung des psychosozialen Wohlbefindens bei Patienten mit implantierten Kardioverter-Defibrillatoren untersucht wurde. „Das ist für mich das Signal, dass die kardiologische Community den Bedarf an IT-basierter psychologischer Intervention erkennt.“ Es ist schon länger bekannt, dass eine Herzinsuffizienz häufig mit einer Depression einhergeht. Seit Jahren empfehlen die Leitlinien, herzkranke Patienten auf eine depressive Belastung zu screenen. Wie Dr. Stefan M. Schulz, der Leiter der Multi-Center Studie erklärt, fehlten bislang aber nachhaltige und vor allem im klinischen Alltag realisierbare psychologische Interventionen, um den Patienten nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch zu helfen. „Unsere Studie hat hier einen Durchbruch geleistet“, sagt Paul Pauli. „Wir konnten zeigen, dass eine Internetintervention nicht nur nachhaltige Erfolge hat, sondern auch organisatorisch zu leisten ist und man sie in Kliniken implementieren kann. Es ist eine moderne Form, mit der man viele Patienten erreichen kann.“

Senioren erstaunlich gut versiert mit dem Internet

Für die Studie wurden mehr als 1.200 Patienten in Würzburg und sechs weiteren Zentren gescreent. Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war ein implantierter Defibrillator sowie eine erkennbare und messbare psychische Belastung. „Der Bedarf für eine psychologische Intervention musste vorhanden sein“, erläutert Schulz. Und das war sicher auch ein Faktor für den Erfolg der Studie.“ Außerdem sollten alle Studienteilnehmer dem Internet gegenüber aufgeschlossen sein. „Das war überraschenderweise gar kein Problem“, so Schulz. Die meisten Patienten in der Altersgruppe um 65 kannten sich mit dem Internet erstaunlich gut aus, was die Zukunftsfähigkeit dieses Mediums unterstreicht.“

118 Patienten haben schließlich an der Studie teilgenommen. Während die Hälfte von ihnen Teil einer randomisierten Kontrollgruppe ohne Internetintervention war, nahm die andere Hälfte in Gruppen zwischen 10 und 20 Teilnehmern an einer sechswöchigen Webschulung unter der Moderation von Schulz teil. Mit einem Passwort konnten sie sich ab einem bestimmten Stichtag anonym einloggen. Die Teilnehmer durften Fragen stellen, sich mit den anderen in einem Diskussionsforum unterhalten, mussten aber auch an den wöchentlichen Schwerpunktthemen, die sukzessive freigeschaltet wurden, interaktiv teilnehmen.

Von Angst bis Krisen meistern: jede Woche ein neues Thema!

Nachdem in der ersten Woche das System erklärt wurde, stand in der zweiten Woche der Defi im Fokus, wie funktioniert er, was darf ich. „Die Patienten haben enorme Wissenslücken, aus denen wiederum Ängste entstehen“, so Stefan Schulz. „Einige Patienten haben zum Beispiel Angst, die Schranken in den Eingangstüren großer Geschäfte zu passieren, weil Gerüchte kursieren, dass die Elektrik die Defibrillatoren ausschaltet. In der dritten Woche ging es um Depressionen, wie sie entstehen, wie die Betroffenen damit umgehen. „Vielfach haben wir Bausteine genommen, die wir von der kognitiven Verhaltenstherapie und von evidenzbasierten Methoden abgeleitet haben. Wichtig war uns, Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln, so dass Gelerntes auch nach Beendigung der Programms weiter wirksam sein kann.“, erläutert Stefan Schulz. Die vierte Woche war auf Ängste fokussiert. Wichtige Themen sind hier zum Beispiel die Vorbereitung auf die letzte Lebensphase und das Lebensende. Was passiert mit dem Defi, wenn ich sterbe? Sollte ich ihn irgendwann abschalten lassen? Unsicherheiten zu reduzieren, etwa in Form von Patientenverfügungen, ist hier ein wichtiger Schritt. Denn wenn man grübelt, steigert das die Angst und verschlechtert sich die Lebensqualität. Die fünfte Woche war vergleichbar mit einem Werkzeugkasten, aus dem sich jeder Patient individuell das passende herausnehmen konnte. Welche Methoden helfen beim Umgang mit Stress? Wo bekomme ich

Hilfe, die über das Forum hinausgeht? Wie kann ich ein eigenes Krankheitsmanagement betreiben? In der sechsten und letzten Woche ging es darum, diesen individuellen Fokus zu vertiefen, die eigene Agenda zu definieren und deren Umsetzung im Alltag. „Wir haben ganz bewusst nach sechs Wochen ein Ende gesetzt, sonst wäre die Verlockung groß, wichtige Fragen zu verschieben“, sagt Stefan Schulz.

Den Samen erfolgreich gesät

Der psychische Status der Patienten wurde vor und nach der sechswöchigen Schulung erfasst und ein Jahr später erneut beurteilt. Ergebnis: Bereits direkt nach der Schulung zeigte sich, dass die Teilnehmer von der Schulung profitierten. Eine leichte Verbesserung der psychischen Belastung war aber auch bei Patienten zu erkennen, die nicht an der Webschulung teilgenommen hatten. Eventuell hat bereits die Zuwendung im Rahmen des Rekrutierungsgesprächs den Patienten geholfen. Nach einem Jahr standen die geschulten Patienten jedoch deutlich besser da als die Patienten ohne Behandlung, die eine starke Rückkehr zu Angst und Depression aufwiesen. „Das zeigt eindrücklich, dass die Patienten während des sechswöchigen Trainings eine Kompetenz erworben haben, wie sie mit der Angst umgehen können“, resümiert Professor Pauli. „Wir haben einen Samen für etwas gesät, das wächst, wenn es gebraucht wird. Die Patienten wurden für bestimmte Problemstellungen sensibilisiert und haben sich im späteren Verlauf an die Werkzeuge erinnert, die wir ihnen mitgegeben haben.“

Praktikabler Weg, um Lebensqualität zu verbessern

Für die Psychologen und Kardiologen aus der Universität Würzburg und dem DZHI ist diese Studie, die als erste diese positiven Effekte zeigt, ein Türöffner. Wir können uns gut vorstellen, die Internetintervention deutschlandweit anzubieten, aber auch auf andere Zielgruppen zu erweitern“, erläutert Paul Pauli. „Viele Belastungsfaktoren, die wir in unserer Studie in den Fokus genommen haben, betreffen nämlich auch Herzpatienten ohne Defi. Unsere webbasierte Schulung eröffnet einen praktikablen Weg, die Lebensqualität von psychisch belasteten herzkranken Patienten nachhaltig zu verbessern“.

Über diesen innovativen Therapieansatz freut sich auch Professorin Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz, der die Verbindung von Kardiologie und Psychologie besonders am Herzen liegt: „Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie gehört zu den Gründungsstudien des DZHI. Sie symbolisiert die multidisziplinären Kooperationen, die ohne die Infrastruktur des DZHI, wo Forschung und Versorgung zum Wohl des Patienten eng verzahnt werden, nicht möglich gewesen wäre.“

*Link zum Abstract "Efficacy of a web-based intervention for improving psychosocial well-being in patients with implantable cardioverter-defibrillators – the randomised controlled ICD-FORUM trial": https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article-abstract/doi/10.1093/eurheartj/ehz134/5431178

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF.

 

 

v.l.n.r.: Die Kardiologen Stefan Störk und Christiane Angermann vom DZHI und die Psychologen Paul Pauli und Stefan Schulz von der Universität Würzburg freuen sich über die Publikation ihrer Studie im European Heart Journal.

Uniklinikum Würzburg: Ausgezeichnete Auszubildende in der Zahnmedizin

Das Uniklinikum Würzburg ist stolz auf zwei Zahnmedizinische Fachangestellte, die ihre Ausbildung in diesem Frühjahr mit Bravour abschlossen.

WSelina Vogel und Stella Zankova wurden im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit (ZMK) des Uniklinikums Würzburg zu Zahnmedizinischen Fachangestellten ausgebildet. Aufgrund ihrer guten Kenntnisse und Fähigkeiten konnten beide im Februar 2019 vorzeitig die Abschlussprüfung ablegen. Zudem sprach die Regierung von Unterfranken Selina Vogel für ihren hervorragenden Abschluss der Berufsschule eine besondere Anerkennung aus. Sie kam an der Klara-Oppenheimer-Schule in Würzburg auf eine Abschlussnote von 1,3. Stella Zankova schloss mit einem Notendurchschnitt von 1,7 ab.
„Glücklicherweise konnten wir Selina Vogel für eine Weiterbeschäftigung in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik gewinnen“, freut sich Prof. Dr. Gabriel Krastl. Der Geschäftsführende Direktor des ZMK gratulierte der frischgebackenen Fachangestellten mit einem Blumenstrauß.

Gruppenbild ausgezeichnete ZMF und Professor Krastl
Die ausgezeichnete Zahnmedizinische Fachangestellte Selina Vogel mit Prof. Dr. Gabriel Krastl, dem Geschäftsführenden Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit des Uniklinikums Würzburg. Bild: Uniklinikum Würzburg

Neue Forschungsgruppe genehmigt

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 04.04.2019

Die Entwicklung neuer diagnostischer, prophylaktischer und therapeutischer Ansätze gegen Zytomegalieviren ist das Ziel einer neuen, international zusammengesetzten Forschungsgruppe. Ihr Sprecher ist der Würzburger Virologe Lars Dölken.
 „Zytomegalieviren werden diese Forschergruppe fürchten“:  Unter diesem Motto könnte eine neue Forschungsgruppe stehen, die jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) genehmigt wurde. Ihr Name: „Neue Konzepte in der zellulären Immunkontrolle von Zytomegalieviren“.

Sprecher der Forschergruppe ist Professor Lars Dölken, Inhaber des Lehrstuhls für Virologie am Institut für Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Daran beteiligt sind Forscherinnen und Forscher aus Würzburg, Freiburg, Tübingen, Hannover, Braunschweig und Kroatien. Für die ersten drei Jahre erhält die Forschungsgruppe von der DFG 3,4 Millionen Euro. Etwa 1,4 Million davon gehen nach Würzburg.

Zytomegalieviren – der schlummernde Feind

Zytomegalieviren gehören zur Familie der Herpesviren. Das humane Zytomegalievirus (HCMV) ist das größte Virus des Menschen und kodiert in seinem Genom hunderte viraler Proteine. „Mit deren Hilfe gelingt es dem Virus, so gut wie alle von uns im Laufe der Evolution entwickelten Abwehrmechanismen zu manipulieren“, erklärt Lars Dölken. Trotzdem versuche das Virus bei Immungesunden nur eher selten Probleme. „Es hat sich im Laufe der Evolution optimal an uns angepasst“, so der Virologe.
In Deutschland ist knapp die Hälfte aller Menschen mit HCMV infiziert. Weltweit sind es in manchen Ländern bis zu 90 Prozent. Die Betroffenen infizieren sich meist im Kleinkindalter. Nennenswerte Krankheitssymptome treten dabei allerdings erst einmal nur sehr selten auf – und wenn doch, zeigen sich in der Regel grippeartige Symptome, Fieber und Lymphknotenschwellungen ähnlich wie beim Pfeifferschen Drüsenfieber. Wie alle Herpesviren verbleibt auch HCMV anschließend lebenslang latent im Körper der Infizierten.
„Solang unser Immunsystem funktioniert, passiert nichts. Wird es aber beispielsweise im Rahmen der Therapie einer Tumor- oder Autoimmunerkrankung stark unterdrückt beziehungsweise ausgeschaltet, kommt es häufig zu lebensbedrohlichen Reaktivierungen des Virus“, erklärt Professor Hartmut Hengel, Inhaber des Lehrstuhls für Virologie am Freiburger Universitätsklinikum, der ebenfalls an der Forschungsgruppe beteiligt ist. Insbesondere Patienten mit Lymphomen oder Leukämien, die eine Stammzell-Transplantation erhalten haben, seien davon betroffen.
Neben medikamentösen Therapieansätzen haben daher in den vergangenen Jahren Immuntherapien, insbesondere die Herstellung und Gabe virusspezifischer T-Zellen, zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Während diese neuen Therapien bei einigen Patienten erstaunliche Erfolge zeigen, versagen sie leider bei anderen immer noch“, so Dölken.

Wiederherstellung immunologischer Kontrollmechanismen  

Der Fokus der neuen Forschergruppe liegt auf der Interaktion der virusinfizierten Zelle mit zwei zentralen Bestandteilen des Immunsystems, den T-Zellen und den Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Beide sind in der Lage, über spezielle Rezeptoren an ihrer Zelloberfläche die infizierten Zellen zu erkennen und in der Folge zu eliminieren. Zentrales Ziel der Forschungsgruppe ist es, zu verstehen:

  • wie virusinfizierte Zellen von menschlichen Immunzellen erkannt werden,
  • wie diese Immunzellen in der Folge aktiviert werden und ihre Kontrollfunktion wahrnehmen,
  • und wie sich diese Erkenntnisse für eine verbesserte immunologische Kontrolle bei Patienten mit eingeschränktem Immunsystem nutzen lassen.

Enge Zusammenarbeit von Grundlagenforschung und Klinik

Jedes dieser Ziele wird jeweils von drei Teilprojekten bearbeitet. Dabei bringt die Forschungsgruppe Grundlagenforscher mit Klinikern zusammen. In einem ersten Schritt wollen diese bestimmen, welche Genprodukte die Zytomegalieviren von Mensch und Maus überhaupt besitzen. „Bei dem großen Genom mit hunderten von Kandidatengenen kein leichtes Unterfangen“, so die Virologen. In der Folge wollen sie dann untersuchen, welche Genprodukte für die Erkennung virusinfizierter Zellen durch T-Zellen besonders relevant sind. Diese Daten werden anschließend genutzt, um die Herstellung virusspezifischer T-Zellen an den Universitätskliniken in Würzburg, Freiburg und Hannover zu verbessern.
Die Forschungsarbeiten erfordern ein breites Spektrum virologischer, immunologischer und methodischer  Expertise. Dementsprechend groß ist die Bandbreite der beteiligten Institutionen. Die Forschungsgruppe vereinigt dabei das große Potential moderner systembiologischer Analyseverfahren, neuester Bildgebungsverfahren wie der 2-Photonenmikroskopie, etablierter Tiermodelle und neuer  Knock-out-Modelle mit der Arbeit an klinischen Patientenproben.
Ziel hierbei ist die direkte Übertragung der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in neue diagnostische, prophylaktische und therapeutische Verfahren, um Risikopatienten sowie Patienten mit einer manifesten HCMV-Infektion in Zukunft besser identifizieren und behandeln zu können.

Forschungsgruppen der DFG

Forschungsgruppen der DFG ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Ihre Förderdauer beträgt für diese Forschergruppe derzeit noch zweimal drei Jahre, in Zukunft dann zweimal vier Jahre.

Kontakt

Prof. Dr. Lars Dölken, Lehrstuhl Virologie, Institut für Virologie und Immunbiologie
T: +49 931 31-88185, lars.doelken@ uni-wuerzburg.de

Professor Lars Dölken
Professor Lars Dölken, Inhaber des Lehrstuhls für Virologie am Institut für Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. (Foto: privat)