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Würzburger Forschung entdeckt neuen Weg zu sicherem Thromboseschutz

Eine teilweise Verringerung des GPVI-Rezeptors erzeugt neuen Thrombozyten-Phänotyp, der vor Thrombosen schützt, ohne die lebenswichtige Blutstillung zu beeinträchtigen

Collage der beiden Porträts von Nieswandt und Navarro - der Hintergrund ist sehr unscharf.
Stefano Navarro (links) ist Erstautor und Bernard Nieswandt Letztautor der Studie die zeigt: Eine partielle Herunterregulierung des Glykoproteins VI der Thrombozyten durch Antikörper mit geringer Affinität sorgt für einen anhaltenden und sicheren antithrombotischen Schutz. @ Collage mit Canva / Bernhard Nieswandt / UKW
Zwei Mikroskopische Bilder - links Kontrollgruppe, rechts Maus mit reduziertem GPVI
Eine teilweise Verringerung des GPVI-Rezeptors (GPVILO) schützt vor Thrombosen und akuten Lungenschäden. In Mäusen mit reduziertem GPVI lagerten sich nach einer Behandlung, die eine akute Entzündungsreaktion auslöst, deutlich weniger Blutplättchen und neutrophile Granulozyten in der Lunge ab. Die beiden Bilder zeigen den Unterschied: Links ist ein Beispiel aus der Kontrollgruppe zu sehen, rechts eine Maus mit reduziertem GPVI. Die Blutgefäße sind magenta, Blutplättchen cyan und neutrophile Granulozyten gelb dargestellt. © Bernhard Nieswandt / UKW

Ein Forschungsteam der Experimentellen Biomedizin I des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) präsentiert in der renommierten Fachzeitschrift „Signal Transduction and Targeted Therapy“ einen neuartigen Ansatz zur Vorbeugung von arteriellen Thrombosen und entzündlichen Gewebeschäden, so genannten thrombo-inflammatorischen Erkrankungen, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen. Anstatt den Thrombozytenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI) zu blockieren, haben die Forschenden ihn teilweise herunterreguliert. Eine gezielte Verringerung der Rezeptordichte auf der Oberfläche der Blutplättchen könnte krankhafte Signale zur Bildung von Blutgerinnseln abschwächen und gleichzeitig die normale Blutgerinnung weitgehend erhalten.

Würzburg. Glykoprotein VI, kurz GPVI, ist ein Oberflächenrezeptor, der ausschließlich in Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen, den Megakaryozyten im Knochenmark, vorkommt. GPVI ist vor allem für die Bindung von Kollagen an der verletzten Gefäßwand verantwortlich, was die Aktivierung und das Verklumpen der Blutplättchen auslöst. GPVI spielt somit eine Rolle bei der sogenannten Hämostase, der Blutstillung. Eine übermäßige Aktivierung des Rezeptors GPVI kann jedoch zur Bildung krankhafter Thromben und damit zu Gefäßverschlüssen führen, wodurch der Blutfluss zu lebenswichtigen Organen behindert wird. Ein Infarkt droht. 

Prof. Dr. Bernhard Nieswandt beschrieb im Jahr 2001 im Journal of Experimental Medicine erstmals die Funktion des Rezeptors GPVI. Mit seiner Forschung legte der Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Forschungsgruppenleiter am Rudolf-Virchow-Zentrum (RVZ) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in den vergangenen Jahren das Fundament für die Entwicklung und klinische Erprobung von sogenannten GPVI-Inhibitoren. Erst vor wenigen Wochen unterzeichneten Boehringer Ingelheim und das unterfränkische Biotech-Unternehmen EMFRET Analytics einen Kooperations- und Lizenzvertrag für das präklinische Entwicklungsprogramm des GPVI-blockierenden Antikörpers EMA601. Dessen Entwicklung wurde maßgeblich von der Universitätsmedizin Würzburg begleitet (siehe Pressemeldung zur Vertragsunterzeichnung und Historie von EMA601). Nieswandt und sein Team, allen voran Dr. Stefano Navarro als Erstautor, zeigten im Jahr 2024 im European Heart Journal, dass EMA601 den GPVI-Signalweg der Thrombozyten äußerst wirksam blockiert und so Thrombosen und thrombo-inflammatorische Krankheitsprozesse verhindert, ohne die lebensnotwendige Blutgerinnung zu beeinträchtigen. 

Aktuelle Studie zeigt unerwartete Alternative zu GPVI-Inhibitoren

Jetzt präsentieren Navarro und Nieswandt gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen und Emfret Analytics in der hochrangigen Fachzeitschrift „Signal Transduction and Targeted Therapy“ einen weiteren vielversprechenden Ansatz zur Vorbeugung von Thrombosen und thrombo-inflammatorischen Erkrankungen, bei dem die normale Blutgerinnung erhalten bleibt. 

Anstatt die Aktivität von GPVI durch eine Blockade zu hemmen, verringerten sie die GPVI-Rezeptordichte auf der Oberfläche der Thrombozyten. Gänzlich entfernen könne man GPVI nicht, wie frühe Untersuchungen ergaben. Ein GPVI-Mangel schützte Mäuse zwar vor Thrombosen, könnte jedoch in Kombination mit anderen Thrombozytenaggregationshemmern wie Aspirin die Hämostase beeinträchtigen.

Das Team der Experimentellen Biomedizin I fand nun mithilfe eines humanisierten Mausmodells und menschlicher Blutplättchen heraus, dass bestimmte Antikörper mit geringer Bindungsstärke – in diesem Fall JAQ1-Antikörper – die Anzahl der GPVI-Rezeptoren auf den Blutplättchen um etwa die Hälfte verringern. Zur Überraschung der Forschenden kam der Rezeptorabbau konstant auf halbem Weg zum Stillstand. Anstatt also GPVI-defiziente Thrombozyten zu erzeugen, schien JAQ1 durchweg einen völlig neuen Thrombozytenzustand zu erzeugen, einen stabilen „GPVI-low“-Phänotyp (GPVILO).

GPVILO ist ein neuer eigenständiger Thrombozytenphänotyp

„Für mich war die überraschendste Erkenntnis, dass ein teilweiser Rezeptorverlust nicht einfach ein Zwischenzustand zwischen normalen Thrombozyten und einem GPVI-Mangel ist“, erklärt Erstautor Dr. Stefano Navarro. „Stattdessen führte er zu einem eigenständigen Thrombozytenphänotyp, der die hämostatische Funktion aufrechterhielt und gleichzeitig eine starke antithrombotische Wirksamkeit bewahrte.“

Bemerkenswerterweise konnten die Blutplättchen trotz der geringeren Rezeptorzahl weiterhin an verletzten Blutgefäßen haften und Blutungen stillen. Im Gegensatz zur vollständigen GPVI-Depletion blieb die hämostatische Funktion selbst in Kombination mit hochdosiertem Aspirin bei einer partiellen Reduktion von GPVI erhalten. Gleichzeitig waren die Signale, die zur Bildung und Stabilisierung von Blutgerinnseln beitragen, sowie die gerinnungsfördernde Aktivität der Blutplättchen deutlich abgeschwächt. 

Gezielte Steuerung der Rezeptordichte könnte zum therapeutischen Prinzip werden

Die Studie eröffnet damit einen neuen Ansatz für die Entwicklung sichererer Medikamente zur Vorbeugung von Thrombosen. Anstatt GPVI vollständig auszuschalten, könnte die gezielte Steuerung der Rezeptordichte künftig selbst zum therapeutischen Prinzip werden, indem pathologische Signalwege selektiv unterdrückt werden. In experimentellen Modellen boten GPVILO-Thrombozyten einen zuverlässigen Schutz vor arterieller Thrombose und entzündlichen Lungenschäden.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die biologische Funktion von GPVI nicht nur von seiner Aktivität, sondern auch von seiner Anzahl auf der Thrombozytenoberfläche abhängt. Damit eröffnet sich ein neues pharmakologisches Konzept, bei dem die Rezeptordichte selbst zum therapeutischen Ziel wird“, erläutert Bernhard Nieswandt. „Eine langfristige Anti-GPVI-Therapie könnte über die Prävention thrombotischer Erkrankungen hinaus auch zur Behandlung entzündlicher Krankheitszustände wie des ischämischen Schlaganfalls, akuter Lungenverletzungen und möglicherweise von Krebsmetastasen beitragen.“

Publikation: Stefano Navarro, Sarah Beck, Sabrina I. Bonfiglio, Ernesto J. Cuenca-Zamora, Lukas J. Weiß, Marijke Kuijpers, Johan Heemskerk, David Stegner, Bernhard Nieswandt. Partial downregulation of platelet Glycoprotein VI by low affinity antibodies confers sustained and safe antithrombotic protection. Signal Transduct Target Ther. 2026;11(1):264. doi: 10.1038/s41392-026-02864-5.

Weitere Links:

Studie von 2001: https://doi.org/10.1084/jem.193.4.459

Studie von 2024: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482

Pressemeldung zur Vertragsunterzeichnung und Historie von EMA601: Universitätsklinikum Würzburg: Vielversprechender GPVI-Inhibitor macht wichtigen Schritt in Richtung klinische Entwicklung

Collage der beiden Porträts von Nieswandt und Navarro - der Hintergrund ist sehr unscharf.
Stefano Navarro (links) ist Erstautor und Bernard Nieswandt Letztautor der Studie die zeigt: Eine partielle Herunterregulierung des Glykoproteins VI der Thrombozyten durch Antikörper mit geringer Affinität sorgt für einen anhaltenden und sicheren antithrombotischen Schutz. @ Collage mit Canva / Bernhard Nieswandt / UKW
Zwei Mikroskopische Bilder - links Kontrollgruppe, rechts Maus mit reduziertem GPVI
Eine teilweise Verringerung des GPVI-Rezeptors (GPVILO) schützt vor Thrombosen und akuten Lungenschäden. In Mäusen mit reduziertem GPVI lagerten sich nach einer Behandlung, die eine akute Entzündungsreaktion auslöst, deutlich weniger Blutplättchen und neutrophile Granulozyten in der Lunge ab. Die beiden Bilder zeigen den Unterschied: Links ist ein Beispiel aus der Kontrollgruppe zu sehen, rechts eine Maus mit reduziertem GPVI. Die Blutgefäße sind magenta, Blutplättchen cyan und neutrophile Granulozyten gelb dargestellt. © Bernhard Nieswandt / UKW

Mit einer Spende gegen den Muskelschwund

Nach seiner erfolgreichen Tumortherapie am Uniklinikum Würzburg wollte Mario Zura gerne etwas zurückgeben. Gemeinsam mit Familie, Freunden und seinem Sportverein sammelte er über 1.600 Euro für einen Bewegungstrainer. Das Gerät hilft Patientinnen und Patienten der Station M84 dabei, auch während des Krankenhausaufenthalts ihre Muskelfunktion zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Gerät Bewegungstrainer mit Spender und Mitarbeiterinnen Station
Der Spender Mario Zura mit der stellvertretenden Pflegeleiterin Christina Steinmann, Physiotherapeutin Edith Stadler und Oberärztin PD Dr. Monika Rau (von links). © Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. Mario Zura kennt das Uniklinikum Würzburg (UKW) – speziell die Station M84 – aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr wurde er hier mehrere Monate lang wegen eines bösartigen Knochentumors am rechten Schienbein behandelt. Nach Chemotherapie und Operation befindet er sich inzwischen in der Nachsorge und kommt weiterhin zu Kontrolluntersuchungen ans Würzburger Krankenhaus der Maximalversorgung.

Die erfolgreiche Therapie und die von ihm als sehr empathisch erlebte Versorgung weckten bei Zura den Wunsch, etwas Konkretes und Sinnvolles zurückzugeben. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Station M84, der Schwerpunktstation für Hepatologie und Onkologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, wurde dafür ein Bewegungstrainer als geeignetes Spendenziel ausgewählt.

1.615 Euro von Familie, Freunden und Sportgemeinschaft

Dafür brachte Mario Zura insgesamt 1.615 Euro zusammen. Etwa die Hälfte der Summe stammt aus seinem Familien- und Freundeskreis, die andere Hälfte von der Sportgemeinschaft Dietershausen/Friesenhausen im Landkreis Fulda. Dort engagiert sich Zura als Fußballtrainer.

Das mit diesem Geld im Frühjahr 2026 angeschaffte Gerät wird nach den Beobachtungen von Christina Steinmann, der stellvertretenden Stationsleitung von M84, von den Patientinnen und Patienten intensiv genutzt. Und das ist gut so. „An jedem Tag im Krankenbett wird Muskelmasse abgebaut – mit weitreichenden Folgen“, erläutert Privatdozentin Dr. Monika Rau. Laut der Oberärztin der Station M84 wurde erst im vergangenen Jahr am UKW eine Studie veröffentlicht, die am Beispiel von Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose eindrücklich zeigt, dass eine Sarkopenie – also der krankheitsbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft – mit einer deutlich ungünstigeren Prognose verbunden ist.

Individuell steuerbares Eigentraining 

Mit dem gespendeten Bewegungstrainer können sowohl Arme als auch Beine trainiert werden. Dabei ist das Gerät sehr unterschiedlich einsetzbar. Ein Motor ermöglicht bei Bedarf auch ein passives Bewegen der Gliedmaßen. Je nach körperlicher Verfassung lässt sich die Belastung schrittweise steigern und ein aktives, fordernderes Training durchführen.

„Unser Hauptziel ist es, die Ausdauer und die Muskelfunktion der Patientinnen und Patienten zu fördern“, erklärt die für die Station M84 zuständige Physiotherapeutin Edith Stadler und fährt fort: „Mit dem Gerät ist dabei neben den regulären physiotherapeutischen Behandlungen ein zusätzliches Eigentraining möglich.“ Zu Beginn werden die Patientinnen und Patienten von den Physiotherapeutinnen und -therapeuten in die richtige Nutzung eingewiesen.
Besonders sinnvoll sind laut Stadler mehrere kurze Trainingseinheiten über den Tag verteilt statt einer einzelnen, langen Trainingsphase. So könne der Bewegungstrainer dazu beitragen, auch während eines längeren Krankenhausaufenthalts möglichst viel körperliche Aktivität in den Alltag zu integrieren.

Das Team der Station M84 bedankte sich im Namen der Patientinnen und Patienten herzlich bei Mario Zura für sein großartiges Engagement.

 

Text: Pressestelle / UKW

Gerät Bewegungstrainer mit Spender und Mitarbeiterinnen Station
Der Spender Mario Zura mit der stellvertretenden Pflegeleiterin Christina Steinmann, Physiotherapeutin Edith Stadler und Oberärztin PD Dr. Monika Rau (von links). © Helmuth Ziegler / UKW

Besser verstehen, sicherer behandeln. Würzburg trainiert kultursensible Medizin

Von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördertes Lehrprojekt schult Umgang mit Sprach- und Kulturbarrieren in der Anamnese

Im Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ schlüpfen Studierende der Medizin und Hebammenwissenschaften in die Rolle der Behandelnden und führen mit fremdsprachlichen Schauspielpatientinnen und -patienten – Schülerinnen und Schüler der Würzburger Dolmetscherschule – Anamnesegespräche nach einem vorgeschriebenen Skript. Einmal nutzen sie dabei Übersetzungs-Apps, einmal dolmetscht eine Schülerin oder ein Schüler der Dolmetscherschule. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen vom Institut für Allgemeinmedizin ein Anamnesegespräch mit einer Laiendolmetscherin © Kirstin Linkamp / UKW
Porträts der beiden Medizinerinnen im Büro des Instituts, im Hintergrund ein Fenster, durch das unscharf grüne Bäume des Campus zu sehen sind.
Prof. Dr. Anne Simmenroth (links) und Dr. Janina Zirkel leiten am Uniklinikum Würzburg das Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“, das von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Programm Freiraum gefördert wird. © Angie Wolf / UKW

Verständigungsprobleme können zu verzögerten Diagnosen oder fehlerhaften Behandlungen führen. So schildern Patientinnen und Patienten ihre Beschwerden häufig mit kulturell geprägten Bildern oder Redewendungen, die medizinisch missverstanden werden können. Hinzu kommen unterschiedliche Vorstellungen von Krankheit, Therapie oder der Rolle der Familie bei medizinischen Entscheidungen. Mit neuen Modulen im Pflichtcurriculum schließt die Universitätsmedizin Würzburg eine Lücke im Medizinstudium und vermittelt Kompetenzen für kultursensible Kommunikation. Das über drei Semester angelegte Lehrkonzept wird durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) im Programm „Freiraum” mit knapp 400.000 Euro gefördert. Eine Zwischenbilanz.

Würzburg. Der Patient spricht kaum Deutsch. Da kein Dolmetscher verfügbar ist, wird mit Händen und Füßen sowie einer Übersetzungs-App kommuniziert. Ob die Beschwerden richtig verstanden wurden, weiß am Ende jedoch niemand. Solche Situationen gehören in vielen Arztpraxen und Kliniken längst zum Alltag. Doch auch wenn Verwandte mitkommen und dolmetschen, ist nicht sicher, ob die Anamnese aus Scham oder zum Schutz wortgetreu übersetzt wird. Selbst wenn die Sprache kein Hindernis ist, lauern Missverständnisse, die unnötige Untersuchungen oder Fehldiagnosen nach sich ziehen können. So ist der Ausdruck „Mir ist die Gallenblase geplatzt“ in der Regel kein medizinischer Notfall. Im Türkischen kann diese Redewendung beispielsweise einen starken Schreck oder eine große seelische Belastung ausdrücken. Ärztinnen und Ärzte, die diese kulturellen Besonderheiten und sprachlichen Codierungen nicht kennen, können solche Symptome leicht falsch einordnen.

StIL fördert Projekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ im Programm Freiraum

Genau hier setzt ein innovatives Lehrprojekt am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) an. Seit dem Wintersemester 2025 lernen Medizinstudierende ab dem achten Semester sowie Studierende der Hebammenwissenschaften ab dem dritten Semester gemeinsam im Rahmen eines neuen Pflichtcurriculums, wie sie professionell mit Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden und einem anderen Gesundheits- und Krankheitsverständnis umgehen. „Gelingende Kommunikation verbessert nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Behandelnden und Patientinnen und Patienten, sondern kann auch dazu beitragen, unnötige Diagnostik, Fehlbehandlungen und langwierige Behandlungspfade zu vermeiden“, sind sich die Projektleiterinnen Prof. Dr. Anne Simmenroth und Dr. Janina Zirkel vom Institut für Allgemeinmedizin einig. Das Lehrkonzept wird durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) im Programm „Freiraum“ mit knapp 400.000 Euro gefördert und befindet sich inzwischen im dritten Semester.

Die Projektleiterinnen kennen die Problematik aus ihrem eigenen Arbeitsalltag: Janina Zirkel ist Internistin und Infektiologin. Neben ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für Allgemeinmedizin arbeitet sie in der Infektionsambulanz des UKW. Anne Simmenroth leitet gemeinsam mit Ildikó Gágyor das Institut und ist dort unter anderem für die Lehre zuständig. Beide Direktorinnen praktizieren zudem als Allgemeinmedizinerinnen in niedergelassenen Praxen. Auch die Ärztin Dr. Anne Weißbrich vom Gesundheitsamt Würzburg bringt umfangreiche Praxiserfahrung in das Projekt mit ein. In der Tuberkulosevorsorge hat sie täglich mit Menschen zu tun, bei denen Sprach- und Kulturbarrieren die Kommunikation erschweren können. Ergänzt wird das interprofessionelle Projektteam durch eine Hebamme sowie zwei Kulturwissenschaftlerinnen. 

Würzburger Lehrkonzept verbindet Online-Module, Seminare und praktische Übungen

Der Pflichtkurs beginnt mit interaktiven Online-Modulen. „Hier schaffen wir zunächst das Problembewusstsein“, erläutert Janina Zirkel. Wie beeinflussen sprachliche und interkulturelle Barrieren die Qualität der Gesundheitsversorgung – und welche konkreten Ressourcen fehlen in der Praxis, um diese Barrieren zu überwinden. 

Im zweiten Modul geht es um Kommunikation im interkulturellen Kontext, Gesundheitskompetenz und Diskriminierung. Die Studierenden reflektieren, welche Stationen und Erfahrungen sie geprägt haben und wie die eigene Sozialisation den Blick auf andere Menschen beeinflusst. Wie erkenne ich überhaupt, dass ich gerade in ein Vorurteil abrutsche? Ein solcher Perspektivwechsel kann überraschend sein. „Ein Aha-Moment war für mich die Erkenntnis, dass ich mir selbst wünsche, kulturell verstanden zu werden“, berichtet eine Studentin. Genau diese Haltung möchten die Lehrenden fördern: die Bereitschaft, die eigene Perspektive immer wieder zu hinterfragen und Patientinnen und Patienten offen und unvoreingenommen zu begegnen. Denn trotz aller Schwierigkeiten sollte die Motivation sein, Menschen zu helfen.

Das dritte Online-Modul bereitet auf das praktische Modul vor und thematisiert die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Sprachmittlungstools. Die Kosten für professionelle Sprachmittlung werden in der ambulanten Versorgung in der Regel nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Als Alternative bleiben nur Laiendolmetschende oder Apps. Doch wie sieht es hier mit der Schweigepflicht oder dem Datenschutz aus? Und was ist besser? 

„Die Apps übersetzen oft Unsinn“

Anne Simmenroth weiß aus eigener Erfahrung, wie unbefriedigend die Kommunikation mit Übersetzungs-Apps ist: „Es dauert immer viel länger. Jeder schreibt etwas, reicht das Handy weiter, der andere liest und schaut fragend zurück, weil die App Fehler bei der Übersetzung macht.“ Die Apps rauben nicht nur Zeit und erschweren den Kontakt, sondern führen auch oft zu Missverständnissen, wie die Rollenspiele im Praxis-Modul gezeigt haben. 

Hier schlüpfen die Studierenden in die Rolle der Behandelnden und führen mit fremdsprachlichen Schauspielpatientinnen und -patienten – Schülerinnen und Schüler der Würzburger Dolmetscherschule – Anamnesegespräche nach einem vorgeschriebenen Skript. Einmal nutzen sie dabei Übersetzungs-Apps, einmal dolmetscht eine Schülerin oder ein Schüler der Dolmetscherschule. Im Anschluss werden die Gespräche gemeinsam ausgewertet. Wie groß die Qualitätsunterschiede zwischen menschlicher Sprachmittlung und Übersetzungs-Apps tatsächlich sind, überraschte nicht nur die Studierenden, sondern auch das Projektteam. 

Janina Zirkel kommentiert: „Bei uns waren die Fachkompetenz der angehenden Dolmetscherinnen und Dolmetscherinnen sowie das Schauspielskript das Korrektiv. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Apps in unseren Rollenspielen teilweise gravierend fehlerhafte Übersetzungen lieferten. Oder anders ausgedrückt: Die Apps übersetzen oft totalen Unsinn.“

Im Alltag bleiben solche fehlerhaften Übersetzungen jedoch oft unbemerkt. Die Feedbackrunden zeigten: Während der Arzt oder die Ärztin das Gefühl hatte, dass alles passt, wurden aus Sicht der Patientin oder des Patienten wesentliche Probleme nicht adressiert oder falsch verstanden. Darüber hinaus fühlten sich die Patientinnen und Patienten oft unwohl und nicht ernst genommen, insbesondere, wenn das Gegenüber über die fehlerhaften App-Übersetzungen lachen musste.

Laiendolmetschenden muss klar sein: Wir reden nicht über den Patienten, sondern mit dem Patienten

„Doch auch ein Gespräch mit Laien, die dolmetschen, muss gut vorbereitet werden“, weiß Anne Simmenroth. Idealerweise führt man ein Vorgespräch, in dem man die dolmetschende Person über die Schweigepflicht, den Inhalt der Anamnese und bestimmte Regeln aufklärt, sowie ein Nachgespräch im Anschluss. „Es ist wichtig, das Gesagte ganz genau wiederzugeben, ohne Interpretationen, und immer in Ich-Form. Wir reden nicht über den Patienten, sondern mit dem Patienten“, so Simmenroth. 

Janina Zirkel empfiehlt zudem, vorab die kulturellen Besonderheiten zu besprechen und während des Gesprächs auf nonverbale Signale zu achten. So muss beispielsweise ein Kopfschütteln nicht Ablehnung bedeuten. 

Alle Patientinnen und Patienten profitieren von sensibler Kommunikation

Die Projektverantwortlichen betonen, dass sich das Lehrangebot nicht ausschließlich an der Versorgung von Menschen mit Migrationsgeschichte orientiert. Auch deutsche Patientinnen und Patienten ohne Migrationshintergrund haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was Krankheit bedeutet oder wie eine Behandlung wirkt. „Gute Medizin beginnt damit, diese Perspektiven zu verstehen und sich in die Lebensrealität der Patientin oder des Patienten hineinzuversetzen“, sagt Anne Simmenroth. Die Kunst besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen und letztlich eine empathische, diversitätssensible und fachlich sichere Anamnese zu erstellen. 

Und in dieser Kunst haben sich die Studierenden nachweislich geübt. Die Evaluationen zeigen deutlich, dass die Fähigkeit im zweiten Kurs, eine diversitätssensible Anamnese zu erheben, nach den Übungen signifikant von einem niedrigem auf ein hohes Niveau stieg. Fast alle Teilnehmenden halten den Inhalt der Kurse für sehr praxisrelevant. 

Ausblick: Kompetenzen in die gesamte Patientenversorgung tragen

Obwohl Sprachbarrieren, unterschiedliche Gesundheitsvorstellungen und kulturell geprägte Kommunikationsmuster längst zum Alltag in Kliniken und Praxen gehören, spielen sie im Medizinstudium bisher kaum eine Rolle. Das Würzburger Lehrkonzept schließt diese Lücke in der medizinischen Ausbildung. 

Zwar endet die Förderung des Projekts im Frühjahr 2027, doch das Team hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema, das angesichts einer immer vielfältigeren Gesellschaft weiter an Bedeutung gewinnen wird, dauerhaft im Curriculum zu verankern und schrittweise auf weitere Berufsgruppen auszuweiten. Denn von einer sicheren und kultursensiblen Kommunikation profitieren nicht nur angehende Ärztinnen und Ärzte und Hebammen, sondern auch Pflegekräfte, therapeutische Berufe und bereits tätige Ärztinnen und Ärzte. Dafür braucht es Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den verschiedenen Berufsgruppen, die diese Kompetenzen dorthin tragen, wo sie gebraucht werden: bei der täglichen Versorgung von Patientinnen und Patienten.  

Information: Zwar gibt es auch an anderen Universitätsstandorten Angebote zur interkulturellen Medizin, doch die Kombination aus kultursensibler Kommunikation, effizienter Sprachmittlung und praktischen Simulationstrainings ist in dieser Form bislang einzigartig. Das Team steht daher im engen Austausch mit anderen Hochschulen, teilt seine Erfahrungen und möchte weitere Standorte ermutigen, ähnliche Lehrangebote aufzubauen. Zum Projekt.

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Im Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ schlüpfen Studierende der Medizin und Hebammenwissenschaften in die Rolle der Behandelnden und führen mit fremdsprachlichen Schauspielpatientinnen und -patienten – Schülerinnen und Schüler der Würzburger Dolmetscherschule – Anamnesegespräche nach einem vorgeschriebenen Skript. Einmal nutzen sie dabei Übersetzungs-Apps, einmal dolmetscht eine Schülerin oder ein Schüler der Dolmetscherschule. Hier demonstrieren Mitarbeiterinnen vom Institut für Allgemeinmedizin ein Anamnesegespräch mit einer Laiendolmetscherin © Kirstin Linkamp / UKW
Porträts der beiden Medizinerinnen im Büro des Instituts, im Hintergrund ein Fenster, durch das unscharf grüne Bäume des Campus zu sehen sind.
Prof. Dr. Anne Simmenroth (links) und Dr. Janina Zirkel leiten am Uniklinikum Würzburg das Lehrprojekt „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“, das von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Programm Freiraum gefördert wird. © Angie Wolf / UKW

Kühlmittel-Austritt im Gebäude C16 am Zinklesweg

Am heutigen Nachmittag gegen 14.15 Uhr kam es am Zinklesweg im Bereich der Ambulanzen im Gebäude C16 zu einem technischen Defekt an einer Kälteanlage. Dabei trat Kältemittel aus und verdampfte. Der entstehende Dampf löste die Brandmeldeanlage aus. Ein Brand hat zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.

Auf Anweisung der Feuerwehr wurde das Gebäude zur Sicherheit umgehend evakuiert. Durch die frühzeitige Evakuierung bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für Patientinnen, Patienten oder Mitarbeitende. Medizinische Notfälle wurden umgehend in die Zentrale Notaufnahme beziehungsweise in die Frauenklinik verlegt und dort weiterversorgt.

Nach Prüfung wurde das Kühlmittel als nicht giftig eingestuft. Patienten und Beschäftigte waren zu keiner Zeit gefährdet. Das Zusammenspiel der Feuerwehr, der Hilfsorganisationen und der Universitätsklinik hat zur zügigen Evakuierung und Weiterversorgung der Patienten reibungslos funktioniert.

Neues CT-Gerät: UKW setzt Maßstäbe in der Radiologie

Strahlungsdosis um die Hälfte reduziert und kürzere Untersuchungszeiten durch photonenzählenden Computertomographen

Über die zusätzliche Präzision des neuen Computertomographen am UKW freuen sich: Theresa Riedel, leitende Medizinische Technologin für Radiologie (MTR), Dr. Pauline Pannenbecker, Prof. Dr. Thorsten Bley, PD Dr. Andreas Kunz und Inge Krafft, MTR, Bereichsleitung CT, v.l. Foto: UKW / PD Dr, Henner Huflage.
Über die zusätzliche Präzision des neuen Computertomographen am UKW freuen sich: Theresa Riedel, leitende Medizinische Technologin für Radiologie (MTR), Dr. Pauline Pannenbecker, Prof. Dr. Thorsten Bley, PD Dr. Andreas Kunz und Inge Krafft, MTR, Bereichsleitung CT, v.l. Foto: UKW / PD Dr. Henner Huflage.

Würzburg. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ist jetzt der dritte photonenzählende Computertomograph (CT) im Einsatz und bringt enorme Vorteile für die Patienten. Durch das neue Gerät kann die Strahlendosis um die Hälfte reduziert werden. Ganzkörperscans können in wenigen Sekunden durchgeführt werden.

Zudem profitieren Patienten und Ärzte von der neuen Qualität und Präzision der CT-Aufnahmen: „Selbst feinste Strukturen, die wir im herkömmlichen CT oft nur unscharf sehen, sind exakt dargestellt. Wir können z.B. die kleinen Seitenäste der Herzkranzgefäße erkennen oder minimale Ablagerungen in der Gefäßwand exakt darstellen. Auch Tumorzellnester im Knochenmark lassen sich im neuen CT schneller und besser erkennen“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Bley, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKW. Dort wurde das neue Gerät installiert.

Jedes Photon wird einzeln gezählt

Der Grund für diese Präzision liegt in der Technik des Gerätes, das jedes einzelne Photon, also die kleinste physikalische Einheit des Lichts, zählen und dessen Energie messen kann. Herkömmliche CT-Geräte können das nicht und müssen sehr viele Photonen zu einem Lichtstrahl bündeln. Die photonenzählende Computertomographie liefert daher eine deutlich bessere räumliche Auflösung.

Mehr Komfort für die Patienten / 50 Prozent weniger Kontrastmittel

Das neue Gerät wird seit Juli in der täglichen Patientenversorgung eingesetzt. Prof. Bley ist überzeugt: „Solche photonenzählenden CT-Geräte werden sich im klinischen Alltag der Radiologie weiter durchsetzen. Die hohe Auflösung bei verbessertem Komfort für die Patienten dank kürzerer Scanzeit, eine niedrigere Strahlendosis und potentiell geringere Nebenwirkungen sind starke Argumente. Wir setzen damit am UKW bereits jetzt neue Maßstäbe in der Versorgung. Das ist ein Riesengewinn für alle Disziplinen der Krankenversorgung am UKW – auch für die Notfallmedizin.“ Durch die neue Technik kann zudem die Menge des eingesetzten Kontrastmittels um die Hälfte reduziert werden. 

„Ausstattung ist einzigartig“

Das Team um Prof. Bley hat bereits umfangreiche Erfahrung mit der Technik: Seit 2021 konnte ein solcher photonenzählender Computertomograph bereits durch Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Forschung am UKW eingesetzt werden. Insgesamt sind an der Würzburger Uniklinik nun drei dieser photonenzählenden CT-Geräte im Einsatz: Zwei im Institut von Prof. Bley, ein drittes Gerät wird im Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie (Direktor Prof. Dr. Mirko Pham) in der Kopfklinik genutzt. Prof. Bley: „Eine solche Ausstattung ist wirklich einzigartig und ein großer Gewinn für unsere Patienten.“

Ein anderer Aspekt ist dem Würzburger Radiologen aber genauso wichtig: „Die Geräte werden natürlich von Kolleginnen und Kollegen genutzt, die dafür die erforderliche Kompetenz haben und ebenso die nötige Empathie im Umgang und im Gespräch mit den Patienten. Denn für uns mag eine solche Untersuchung klinische Routine sein, für viele Patienten ist eine Untersuchung im CT aber eine neue bzw. nicht alltägliche Erfahrung. Auch darauf gehen wir ein. Das ist ein wichtiger Baustein für eine patientenorientierte Radiologie.“

Über die zusätzliche Präzision des neuen Computertomographen am UKW freuen sich: Theresa Riedel, leitende Medizinische Technologin für Radiologie (MTR), Dr. Pauline Pannenbecker, Prof. Dr. Thorsten Bley, PD Dr. Andreas Kunz und Inge Krafft, MTR, Bereichsleitung CT, v.l. Foto: UKW / PD Dr, Henner Huflage.
Über die zusätzliche Präzision des neuen Computertomographen am UKW freuen sich: Theresa Riedel, leitende Medizinische Technologin für Radiologie (MTR), Dr. Pauline Pannenbecker, Prof. Dr. Thorsten Bley, PD Dr. Andreas Kunz und Inge Krafft, MTR, Bereichsleitung CT, v.l. Foto: UKW / PD Dr. Henner Huflage.

Deutsche Krebshilfe fördert CCC Allianz WERA erneut als Onkologisches Spitzenzentrum

Der Förderzeitraum beginnt am 1. Januar 2027 und umfasst für vier Jahre eine Fördersumme von mehr als 6 Millionen Euro.

Das geschäftsführende Direktorium der CCC Allianz WERA (v. l.): Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Erlangen), Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg) und Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg). Foto:  Valerio Agolino/UKR
Das geschäftsführende Direktorium der CCC Allianz WERA (v. l.): Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Erlangen), Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg) und Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg). Foto: Valerio Agolino/UKR

Würzburg/Erlangen/Regensburg/Augsburg. Die Deutsche Krebshilfe hat den Förderantrag der Comprehensive Cancer Center Allianz Würzburg/Erlangen/Regensburg/Augsburg (CCC WERA) bewilligt und die Allianz erneut als „Onkologisches Spitzenzentrum“ ausgezeichnet. Nach positiver Begutachtung durch eine internationale Expertenkommission erteilten Vorstand und Stiftungsrat der Deutschen Krebshilfe (DKH) im Rahmen der 11. Ausschreibungsrunde den Förderbescheid für den Zeitraum 2027 bis 2030.

Starke Impulse für Forschung und Versorgung

Mit der erneuten Förderung zählt die CCC Allianz WERA weiterhin zu den bundesweit ausgezeichneten Onkologischen Spitzenzentren der Deutschen Krebshilfe. Der Förderzeitraum beginnt am 1. Januar 2027 und umfasst für vier Jahre eine Fördersumme von mehr als 6 Millionen Euro. 

„Die erneute Förderung als Onkologisches Spitzenzentrum durch die Deutsche Krebshilfe ist ein starkes Signal und ein wichtiger Meilenstein für die Weiterentwicklung der CCC Allianz WERA. Sie unterstreicht die hohe wissenschaftliche und klinische Qualität der beteiligten Einrichtungen und schafft optimale Rahmenbedingungen für eine gemeinsam gestaltete, hervorragende Krebsmedizin in der Region“, sagt Prof. Dr. Tobias Pukrop, Direktor des CCC Ostbayern. 

Vernetzte Strukturen für eine bessere Patientenversorgung

Die CCC Allianz WERA bündelt die onkologische Expertise der Universitätsklinika und Universitäten an den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg. Ziel des Verbunds ist es, Krebsforschung und -versorgung standortübergreifend weiterzuentwickeln, innovative Therapien schneller in die klinische Anwendung zu bringen sowie Patientinnen und Patienten eine Versorgung nach höchsten Qualitätsstandards zu ermöglichen.

Im neuen Förderzeitraum sollen die standortübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsame Studienkonzepte sowie der Ausbau vernetzter Infrastrukturen weiter gestärkt werden. Schwerpunkte liegen dabei auf besonders zielgerichteten Behandlungsansätzen und der Überprüfung neuer, wirksamer Therapien im Rahmen klinischer Studien.

„Mit der Förderung können wir unsere gemeinsamen Infrastrukturen weiter stärken und die Verzahnung von Forschung und klinischer Anwendung gezielt ausbauen, um Patientinnen und Patienten den größtmöglichen Nutzen und einen schnellen Zugang zu innovativen Therapien zu ermöglichen“, sagt Prof. Dr. Ralf Bargou, Direktor des CCC Mainfranken. Die nationale Förderung als Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) stellt zudem einen bedeutenden Standortvorteil für die Durchführung früher, klinischer Studien dar. „Zudem liegt uns auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit speziellen Ausbildungs- und Trainingsprogrammen am Herzen“, so Bargou.

Eine weitere Stärke von WERA ist die multidisziplinäre Patientenversorgung in den zertifizierten Onkologischen Zentren aller vier Standorte. Dazu zählen auch die personalisierte und digitale Onkologie, Psychoonkologie, Palliativmedizin sowie weitere Supportiv-Angebote. „Die multidisziplinäre Behandlung, moderne IT-Strukturen und eine verlässliche Tumordokumentation sind entscheidend für eine hochwertige onkologische Versorgung. Genau hier werden wir in den kommenden Jahren unsere Stärken weiter ausbauen“, sagt Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor des CCC Erlangen-EMN.

Forschung vorantreiben, Netzwerke stärken, Patienten befähigen

„Das Forschungsprofil der CCC Allianz WERA baut auf exzellenten Forschungsstrukturen und klaren Schwerpunkten an allen vier Standorten auf. Durch gemeinsame Forschung entstehen Synergien, die Innovationen fördern und die Versorgung nachhaltig verbessern“, erklärt Prof. Dr. Martin Trepel, Direktor des CCC Augsburg. Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten zählen Krebsimmuntherapie, Tumorheterogenität und Target-Identifikation, lokale Therapien, Theranostik und Bildgebung sowie Versorgungsforschung.

Ein weiterer Fokus der Allianz liegt auf dem Ausbau des regionalen Versorgungs- und Studiennetzwerks. Durch gezielte Outreach-Aktivitäten und die stärkere Einbindung kooperierender Zentren sollen insbesondere Patientinnen und Patienten in ländlichen Regionen einen besseren Zugang zu klinischen Studien und onkologischer Spitzenmedizin erhalten. „Wir werden das regionale Netzwerk weiter koordinieren und ausbauen sowie kooperierende Zentren stärker in klinische Studien einbinden, um für Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum den Zugang zu onkologischer Spitzenmedizin und klinischen Studien zu verbessern“, erläutert Prof. Dr. Tobias Pukrop.

Auch die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen sowie die Stärkung von Patientinnen und Patienten durch umfassende Informationsprogramme und deren Einbindung in Entscheidungsprozesse sind zentrale Bestandteile der Allianzstrategie.

Über die CCC Allianz WERA

Die CCC Allianz WERA ist ein Zusammenschluss der Comprehensive Cancer Center an den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg mit ihren jeweiligen Universitätsklinika und Universitäten. Ziel ist es, strukturierte Krebsmedizin und Krebsforschung in (inter-)nationalen Forschungsnetzwerken weiterzuentwickeln und Spitzenmedizin zum Wohle der Patientinnen und Patienten bereitzustellen.  Darüber hinaus sieht sich die Allianz in der Verantwortung, mehr als 8 Millionen Menschen in ihrem Einzugsgebiet mit exzellenter onkologischer Versorgung zu erreichen. Strukturen des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) WERA sind in die Allianz integriert.

Über die Deutsche Krebshilfe 

Die Deutsche Krebshilfe fördert mit dem Programm „Onkologische Spitzenzentren“ ausgewählte Krebszentren in Deutschland, um eine qualitativ hochwertige, interdisziplinäre Versorgung und exzellente Forschung zu sichern. „Mit den von ihr initiierten und geförderten Comprehensive Cancer Center hat die Deutsche Krebshilfe ein europaweit einzigartiges Netzwerk der onkologischen Spitzenmedizin geschaffen. Die stetige Weiterentwicklung der Zentren bringt uns dem Ziel immer näher, dass alle Menschen mit Krebs in Deutschland von der Expertise der Spitzenzentren profitieren – unabhängig davon, wo sie behandelt werden. Dafür tragen die CCCs ihr Wissen und ihre Innovationen in die jeweiligen Regionen und stärken so die Krebsversorgung auch an anderen Kliniken und Facharztpraxen“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstand Stiftung Deutsche Krebshilfe.

Weitere Informationen

CCC Allianz WERA

Onkologische Spitzenzentren

Das geschäftsführende Direktorium der CCC Allianz WERA (v. l.): Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Erlangen), Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg) und Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg). Foto:  Valerio Agolino/UKR
Das geschäftsführende Direktorium der CCC Allianz WERA (v. l.): Prof. Dr. Ralf Bargou (Würzburg), Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Erlangen), Prof. Dr. Tobias Pukrop (Regensburg) und Prof. Dr. Martin Trepel (Augsburg). Foto: Valerio Agolino/UKR

Konferenz: CuttingGardens kommt nach Würzburg

EEG-Daten helfen dabei, Epilepsien zu diagnostizieren oder festzustellen, wie tief eine Person im Koma liegt. Die Konferenz CuttingGardens bringt Forschende, die mit solchen Daten arbeiten, zusammen. Anmeldeschluss: 31. August.

 

Luftaufnahme des Würzburger Mains. Im Hintergrund ist die Würzburger Stadt. Rechts im Bild das Logo mit Schriftzug Cutting Gardens 2026, welches sich in Blätter auflöst.
Thematischer Schwerpunkt des Würzburger CuttingGardens ist die Aufbereitung von EEG-Daten. (Bild: Würzburg CuttingGardens Team)

Bei einer Elektroenzephalografie (EEG) messen Forschende aus der medizinischen Diagnostik oder aus der Neurologie die elektrische Gehirnaktivität. Ein Elektroenzephalogramm stellt die Gehirnwellen grafisch dar. Zum Einsatz kommt eine EEG zum Beispiel bei der Diagnose und Verlaufskontrolle einer Epilepsie oder um zu bestimmen, wie tief eine Person im Koma liegt.

Um die verschiedenen Disziplinen, die mit EEG-Daten arbeiten, zusammenzubringen und den interdisziplinären Austausch zu ermöglichen, findet die Konferenz CuttingGardens an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) statt. Der thematische Fokus liegt auf der Aufbereitung von EEG-Daten. Die Konferenz bringt EEG-Forschende zusammen und schafft eine offene Dialogplattform mit Diskussionen, Plenarsitzungen und Grillabenden.

Zur Konferenz

Veranstaltungsort ist der JMU-Lehrstuhl für Psychologie I an der Marcusstraße 9 bis 11, 97070 Würzburg. Das Event startet Montag, 21. September 2026, und endet Freitag, 25. September 2026. Eingeladen sind alle Würzburger Forschenden, die mit EEG-Daten arbeiten. Eine Anmeldung ist bis Montag, 31. August 2026, möglich.

Zur Anmeldung und zum Programm

Bei Fragen können sich Interessierte an das Würzburger Organisationsteam unter psy-cuttinggarden2026@ uni-wuerzburg.de wenden.

Zu CuttingGardens

CuttingGardens ist eine Konferenz, organisiert von der CuttingEEG Community, die sich auf Methoden fokussiert, EEG-Daten zu analysieren. Das internationale Event findet gleichzeitig an mehreren Standorten – sogenannten Gardens – weltweit statt. Die Uni Würzburg veranstaltet das erste Mal einen lokalen Garden in der Domstadt.
 

Weitere Informationen 

 

einBlick - Das Online Magazin der Universität Würzburg vom 04.08.2026

Luftaufnahme des Würzburger Mains. Im Hintergrund ist die Würzburger Stadt. Rechts im Bild das Logo mit Schriftzug Cutting Gardens 2026, welches sich in Blätter auflöst.
Thematischer Schwerpunkt des Würzburger CuttingGardens ist die Aufbereitung von EEG-Daten. (Bild: Würzburg CuttingGardens Team)