Aktuelle Meldungen

Uniklinikum Würzburg: 4,6 Millionen Euro für eine bessere Nachsorge nach chirurgischer Adipositasbehandlung

Der Innovationsausschuss des GBA fördert das Projekt „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ zur Nachsorge nach einer chirurgischen Adipositasbehandlung mit rund 4,6 Millionen Euro. Die medizinische Leitung des Vorhabens hat das Interdisziplinäre Adipositaszentrum des Uniklinikums Würzburg.

 

Bariatrische-metabolische Operationen, wie der Magenbypass oder der Schlauchmagen, sind die aktuell wirksamste Behandlungsoption bei krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Für einen nachhaltigen Therapieerfolg ist nach einem solchen Eingriff eine langfristige Nachsorge und lebenslange Betreuung wichtig. Auch mögliche postoperativen Komplikationen, Ernährungsprobleme oder Mangelzustände müssen rechtzeitig identifiziert und behandelt werden. Da es hierfür noch keine strukturierten Nachsorgeprogramme gibt, versorgen meist die jeweiligen Adipositaszentren die Patienten weiter. „Es ist dringend notwendig, ein strukturiertes Nachsorgekonzept zu etablieren, das flächendeckend anwendbar ist, die lebenslang erforderliche Nachsorge sicherstellt und mögliche Langzeitkomplikationen verhindert“, betont Prof. Dr. Martin Fassnacht, der Leiter der Endokrinologie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Er ist Teil des Interdisziplinären Adipositaszentrums des UKW und hat die medizinische Leitung des Anfang Juli dieses Jahres gestarteten Projekts „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ inne.

Ziel: Strukturierte, disziplinen- und sektorenübergreifende Nachsorge

Das dahinterstehende Konsortium zielt darauf ab, dass Adipositas-Zentren sowie niedergelassene Haus- und Fachärzte gemeinsam eine strukturierte, disziplinen- und sektorenübergreifende Nachsorge für Patienten nach einer bariatrisch-metabolischen Operation in Bayern etablieren. Zu den innovativen Elementen dabei zählen laut Dr. Ann-Cathrin Koschker, der Leiterin der Würzburger Adipositas-Ambulanz, eine Adipositas-App und speziell geschulte Adipositas-Lotsen, die über eine persönliche und individuelle Betreuung die Koordination der Nachsorgeprozesse und die Therapietreue der Patienten verbessern sollen. Patienten, Zentren und niedergelassene Ärzte werden über eine digitale Fallakte vernetzt.

Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Vorhaben wird vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) mit rund 4,6 Millionen Euro gefördert.

Acht bayrische Adipositaszentren involviert

In dem von der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke geleiteten Konsortium arbeiten – neben dem UKW – folgende Partner zusammen: das Helmholtz Zentrum München, die AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, die symeda GmbH sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Wie Privatdozent Dr. Florian Seyfried, der Leiter des zertifizierten Würzburger Adipositaszentrums, berichtet, bilden neben dem Würzburger Zentrum sieben weitere bayerische Adipositaszentren die Kernstruktur von ACHT. Gemeinsam mit spezialisierten Partnerpraxen sollen sie die Nachsorge der Patienten sichern. Ein Expertenbeirat aus themennahen Verbänden und Vereinen sowie der Medizintechnik unterstützt das Projekt.
Erste bei der AOK Bayern versicherte Patienten sollen im Januar 2020 aufgenommen werden. Ergebnisse der Evaluation werden Ende 2022 erwartet.

Weitere Details zu „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ gibt es bei der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke unter www.dsck.de.

Link zur Pressemitteilung

 

 

Vortrag: Geheilt, aber nicht gesund – Spätfolgen nach Krebs

Bei einem kostenlosen Vortrag im Rahmen der Patientenseminare des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken am Mittwoch, den 11. September 2019, geht es um die möglichen Spätfolgen bei überstandenen Krebserkrankungen – und um Wege aus diesen Belastungen.

 

Bis zu zwei Dritteln der Krebspatienten leiden auch nach dem Behandlungsende an den Folgen der Erkrankung oder ihrer Therapie. Dies kann sich körperlich äußern, zum Beispiel durch Neuropathie, Fatigue oder Änderungen im Hormonstoffwechsel. Auch psychosoziale Probleme, wie ein gestörtes Zusammenleben in der Familie oder im Freundeskreis durch veränderte Rollen, sind keine Seltenheit. Last but not least können finanzielle Aspekte die Patienten und ihre Angehörigen weiterhin belasten.

Das am Uniklinikum Würzburg (UKW) angesiedelte Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken greift dieses Thema im Rahmen seiner kostenlosen Patientenseminare auf. Am Mittwoch, den 11. September 2019, erläutert Dr. Claudia Löffler in einem kostenlosen Vortrag die Hintergründe dieser Phänomene. Außerdem informiert die auf komplementäre Onkologie spezialisierte Ärztin des UKW über Unterstützungsangebote, die den Betroffenen helfen sollen, wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.

Die Veranstaltung richtet sich an Patienten, Angehörige und sonstig Interessierte. Sie geht von 17:00 bis 18:00 Uhr, Ort ist der Seminarraum 2/3 im Haus A1 des Zentrums für Operative Medizin des UKW an der Oberdürrbacher Straße.

Wichtig ist eine Anmeldung unter Tel: 0931/201-35350 oder E-Mail: anmeldung_ccc@ ukw.de.

Link zur Pressemitteilung

Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider: Entwicklungspsychiatrie mit vielen hochrelevanten Themen

Mit Sarah Kittel-Schneider gibt es seit Juli dieses Jahres eine neue Professorin für Entwicklungspsychiatrie am Uniklinikum Würzburg. Zu ihren Schwerpunkten zählen affektive Erkrankungen beim Übertritt zum Erwachsenenalter sowie psychische Krankheiten der Eltern in Schwangerschaft und Stillzeit.

 

Seit Anfang Juli 2019 gibt es an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (KPPP) des Uniklinikums Würzburg eine neue W2-Professur zum Thema Entwicklungspsychiatrie. Besetzt wurde sie mit Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider, die zusätzlich auch zur Stellvertretenden Direktorin der von Prof. Dr. Jürgen Deckert geführten Klinik ernannt wurde. In den fünf Jahren davor arbeitete die Ärztin an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Frankfurt a. M., zuletzt als Stellvertretende Direktorin. Die Berufung war für Prof. Kittel-Schneider eine Rückkehr, denn ein Großteil ihrer bisherigen Karriere fand in Würzburg statt. Auf das Studium der Humanmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg folgte ab dem Jahr 2008 die Arbeit und Facharztausbildung für Psychiatrie und Psychotherapie an der KPPP. „Seit dem Beginn meiner Doktorarbeit war ich fasziniert von biologischer und translationaler Psychiatrie“, schildert die Neu-Professorin. Dabei bildete sich ein Schwerpunkt bei den neurobiologischen Grundlagen von ADHS bei Erwachsenen und der bipolaren Störung heraus. Im Jahr 2014 folgte die Ärztin ihrem früheren Doktorvater und Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Andreas Reif – einem bundesweit anerkannten Experten für bipolare Störung – von Würzburg nach Frankfurt. Dort habilitierte sie sich im Jahr 2018 zum Thema „Mehrebenen-Biomarker der bipolaren Störung und der adulten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Ihre im Lauf der Jahre aufgebaute Expertise dokumentieren unter anderem der Jules-Angst-Preis der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen, der der engagierten Forscherin im Jahr 2017 von dem in der Psychiatrie berühmten Namensgeber selbst verliehen wurde, sowie der Nachwuchspreis der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie, den sie in diesem Jahr erhielt.

Forschen an der Übertrittsphase zum Erwachsenenalter

Zukünftig will Sarah Kittel-Schneider sich der Transitionspsychiatrie widmen – seelischen Problemen in der Zeit des Übertritts von der Jugend zum Erwachsenenalter. Hier geht es vor allem um die Interaktion von verschiedenen Risikofaktoren, wie genetischer Veranlagung mit Umwelt- und Entwicklungsfaktoren. „Wir wollen Wege finden, Risikopatienten und Risikopersonen zu identifizieren, um diese Jugendlichen oder jungen Erwachsenen früher behandeln oder sogar Präventionsmaßnahmen für sie ergreifen zu können“, schildert die Professorin und fährt fort: „Dazu können wir zum Beispiel in Zellkulturen nachmodellieren, ob und wie Umwelteinflüsse – wie Nikotin und Paracetamol während der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel unter der Geburt – schädigend sind.“ Da es nach jetzigem Wissen keinen einzelnen, entscheidenden Risikomarker gibt, wird sich die Risikobeurteilung nach ihrer Einschätzung wahrscheinlich auf ein ganzes Set aus genetischen, epigenetischen, proteomischen und Bildgebungsbefunden stützen.
Zu ihren klinischen Vorhaben aus dem Bereich der Transitionspsychiatrie in den nächsten Monaten und Jahren zählt die Etablierung einer stationären Schwerpunktbehandlung von Adolenszenten und jungen Erwachsenen sowie einer Früherkennungs- und Transitionsambulanz. Beispielweise ist nach ihren Worten ADHS bei jungen Erwachsenen immer noch unterbehandelt. „Viele Patienten gehen uns mit 18 Jahren in der Behandlung verloren, weshalb wir eine noch bessere Vernetzung mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie anstreben. Die entsprechende, bestehende Sprechstunde dazu wollen wir weiter ausbauen“, kündigt Prof. Kittel-Schneider an.

Offene Fragen rund um Schwangerschaft und Stillzeit

Die zweite Hauptlinie ihrer Professur beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen der Eltern in Schwangerschaft und Stillzeit. „Beispielsweise herrscht bei der Behandlung von Frauen mit ADHS oder bipolarer Störung, die einen Kinderwunsch haben oder bereits schwanger sind, noch große Unsicherheit. Welche Auswirkungen haben Psychopharmaka auf das Ungeborene? Und wie finden sich die Wirkstoffe in der Muttermilch wieder? Hier ist noch so vieles unklar, dass noch keine Richt- oder Leitlinien existieren,“ erläutert Prof. Kittel-Schneider. Nach ihren Angaben gibt es deutschlandweit nur eine Handvoll Wissenschaftler/innen, die sich bislang mit diesem wichtigen Thema beschäftigen. „Zudem wollen wir besser verstehen, welche Auswirkungen psychische Erkrankungen bei den Eltern und deren Therapie auf die Entwicklung der Kinder haben – und das möglichst auch über einen langen Zeitraum“, betont die Forscherin und fährt fort: „Die wenigen Studien, die es hierzu bislang gibt, gehen maximal bis ins Grundschulalter. Aus diesen können wir ableiten, dass die Therapie der Mutter den Kindern offenbar nicht schadet. Aber wie sieht es aus, wenn die Kinder 20 Jahre alt sind? Und wie muss die Therapie aussehen, damit die Kinder eine positive Entwicklung nehmen?“ Deshalb sei eines ihrer großen Ziele, Familien über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren wissenschaftlich zu begleiten. „Jung genug dafür bin ich noch“, schmunzelt die Ärztin.

Bei den von affektiven Erkrankungen betroffenen Müttern ist bekannt, dass das Risiko, innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder krank zu werden, besonders hoch ist. „Hier müssen wir Lösungen finden, in dieser Zeit möglichst nahe an den Frauen dranzubleiben“, sagt die Professorin. Die in Würzburg bereits bestehenden Angebote einer Sprechstunde zu peripartalen psychischen Erkrankungen und einer Mutter-Kind-Tagesklinik sollen noch um weitere teilstationäre und stationäre Plätze sowie zusätzliche therapeutische Angebote ausgebaut werden.

Wochenbettdepression auch bei den Vätern möglich

Ein weiteres, vergleichsweise neues und bislang ebenfalls wenig bearbeitetes Thema für peripartale Forschung und neue Therapieangebote sind die Wochenbettdepressionen bei den Vätern. „Schätzungsweise fünf Prozent aller Männer entwickeln nach der Geburt ihres Kindes eine behandlungsbedürftige Depression“, berichtet Sarah Kittel-Schneider. Ihre diesbezüglich in Frankfurt begonnenen Forschungen zum System Familie stießen im vergangenen Jahr gerade auch in den Publikumsmedien auf hohes Interesse. Um den betroffenen Männern und damit indirekt auch den Müttern und Kindern weiterzuhelfen, ist geplant, eine spezielle Vätersprechstunde einzurichten. „Möglicherweise in Form eines Stammtischs, denn Stuhlkreise werden von dieser Zielgruppe eher abgelehnt“, weiß die Professorin.

Gute Aussichten für zielführende Kooperationen

Neben der Zusammenarbeit mit den Kollegen innerhalb des Zentrums für psychische Gesundheit sucht die nach Würzburg Zurückgekehrte die Kooperation mit vielen weiteren Disziplinen und Einrichtungen vor Ort, wie zum Beispiel der Gynäkologie und Pädiatrie, dem Institut für Klinische Neurobiologie sowie dem Fraunhofer-Institut und dem Lehrstuhl für Tissue-Engineering und regenerative Medizin. Die beiden Letzteren können durch ihre Arbeit mit Stammzellen relevante Partner sein. „Ich bin hier in Würzburg allseits sehr herzlich willkommen geheißen worden und – wie erhofft – auf eine sehr offene, kooperationsbereite Atmosphäre gestoßen“, freut sich Sarah Kittel-Schneider über den gelungenen Neustart an alter Wirkungsstätte.

Link zur Pressemitteilung

„Strahlenschutz und Medizin“ - Tagung des Fachverbands für Strahlenschutz vom 09.09.19 bis 12.09.19 in Würzburg

Aktuelle Regelungen und Empfehlungen zum Strahlenschutz in Deutschland, der Schweiz und Österreich, die Auswirkungen auf das medizinische Fachpersonal, Patienten und den Bürger haben, prägen die Veranstaltung.

Die Tagung richtet sich an Strahlenschutzexperten aus den Bereichen Biologie, Physik und Chemie, an Behördenvertreter und an Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Assistenzpersonal aus der Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie, Arbeitsmedizin und Notfallmedizin.

Veranstaltungsort der Jahrestagung, die vom 9.-12. September 2019 stattfindet, ist das Rudolf-Virchow-Zentrum auf dem Gelände des Uniklinikums Würzburg.

Das Programm bietet eine Reihe von Highlights zu den Neuerungen auf dem Gebiet des Strahlenschutzes in der Radiologie, Radioonkologie, Nuklearmedizin und Arbeitsmedizin aus Sicht der Patienten, Beschäftigten und der Gesellschaft. Beispielsweise seien hier erwähnt: 

  • Erstes Highlight der Tagung ist der Eröffnungsvortrag des Astronauten Prof. Reinhold Ewald, der sich u.a. mit der erhöhten Strahlenexposition bei Weltraum-Missionen befasst.

  • Die Strahlenexposition der Bevölkerung durch die Computertomographie (CT) oder die Positronen-Emissionstomographie (PET) steigt mit deren Anwendungshäufigkeit in den letzten Jahren kontinuierlich. Zur Begrenzung der Strahlenexposition spielt die sogen. rechtfertigende Indikation eine große Rolle.

  • Die Verpflichtung des fachkundigen Arztes, Patienten über die Strahlenexposition bei radiologischen und nuklearmedizinischen Untersuchungen zu informieren, ist in der neuen Strahlenschutzverordnung explizit vorgegeben. Diese Anforderungen müssen in der täglichen Routine in Praxen und Krankenhäusern in für den Patienten verständlicher Form umgesetzt werden.

  • Bei der Strahlenbehandlung bösartiger Tumoren können neue, relativ aufwändige Methoden der sogen. Partikeltherapie von Vorteil sein. Diese Verfahren setzen sich aber nur langsam durch.

  • Das medizinische Personal stellt in Deutschland mit rund 300.000 überwachten Personen die weitaus größte Gruppe des individuell dosimetrisch überwachten strahlenexponierten Personals dar. Bei der beruflichen Strahlenexposition in der Medizin spielen die kürzlich deutlich reduzierten Grenzwerte für die Augenlinse eine wichtige Rolle.

  • Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie ist der medizinische Notfallschutz für nukleare Großschadensfälle (z.B. bei KKW-Unfällen im benachbarten Ausland oder terroristischen Attacken) weiterhin von relevanter Bedeutung für die Bevölkerung.

Diese und auch andere Themen werden auf der Tagung von Experten aus dem In- und Ausland vorgetragen, darunter auch von Referenten aus dem Uniklinikum Würzburg.

Weitere Informationen und Anmeldung unter https://fs-ev.org/jahrestagung-2019/

„Entlass-Schwester“ koordiniert die Nachsorge

Mit fast 400.000 Fällen pro Jahr ist die Herzinsuffizienz die häufigste Diagnose, die hierzulande zu Krankenhauseinweisungen führt. Die Versorgung des hochkomplexen Krankheitsbildes ist nicht nur im Klinikverlauf, sondern auch nach der Entlassung, in der poststationären Phase, eine der größten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das Risiko erneut hospitalisiert zu werden oder an Komplikationen zu versterben ist trotz therapeutischer Fortschritte extrem hoch. Um dem entgegen zu wirken und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, startet am Uniklinikum Würzburg jetzt ein Pilotprojekt namens Discharge Heart Failure Nurse. Eine speziell ausgebildete Herzinsuffizienz-Pflegekraft schult die Patienten und managt sowohl die Entlassung als auch die Zuweisung zum Haus- und Facharzt für die poststationäre Weiterversorgung. Das Projekt wird von der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke mit 20.000 Euro gefördert.

„Die Versorgung von herzinsuffizienten Patienten ist sehr komplex und nur mit einem intersektoralen und interdisziplinären Behandlungsansatz zu lösen“, erklärt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Ambulanz am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz. „Das bedeutet, dass die Klinik-, Fach- und Hausärzte eng zusammenarbeiten müssen. Doch die individuelle und oft sehr umfängliche Behandlung sprengt leicht das Zeitkontingent der Ärzte. Zudem verstehen viele Patienten nicht die Hintergründe der Therapie und nehmen ihre Medikamente falsch oder gar nicht ein. Die Therapieadhärenz liegt lediglich bei 50 Prozent.“

Schulung der Patienten und strukturierte Übergabe in die Nachsorge

Umso wichtiger ist die Aufklärung des Patienten und ihrer Angehörigen über das Krankheitsbild, die Therapiemöglichkeiten und Prognose sowie eine strukturierte Betreuung nach der Entlassung. Eine spezialisierte Herzinsuffizienz-Schwester soll sich nun um die Patienten während des Klinikaufenthaltes und danach kümmern. Sie schult die Patienten, erklärt ihnen möglichst im Beisein der Angehörigen, wie sie welche Medikamente einnehmen sollen, sich gesund ernähren und ausreichend bewegen, ihre Risikofaktoren kontrollieren sowie Zeichen der Verschlechterung erkennen und entsprechend reagieren. Erforderliche Maßnahmen werden in der Patientenakte dokumentiert. Darüber hinaus nimmt die Pflegekraft Kontakt zum Hausarzt und Facharzt aus. Wird der Patient vom Klinikarzt als stabil eingestuft, stimmt sie das weitere Vorgehen mit dem Hausarzt ab. Ist der Patient jedoch fragil, organisiert die Pflegekraft einen zeitnahen Kontrolltermin, möglichst innerhalb von sieben Tagen, bei einem niedergelassenen Kardiologen. Auch nach der Entlassung hält die Nurse den Kontakt zu Patienten und Ärzten.

„Zahlreiche Studien belegen, dass die Langzeitprognose hinsichtlich Sterblichkeit, Hospitalisierung und Lebensqualität bei Herzinsuffizienz-Patienten durch ein effektives Entlassmanagement und eine standardisierte poststationäre Weiterversorgung signifikant verbessert werden kann“, berichtet Stefan Störk. Was bislang vielerorts fehlt, ist nichtärztliches Fachpersonal, das die Ärzte entlastet. Der Schlüssel zum Erfolg des Entlassmanagements sind Störk zufolge spezialisierte Schwestern, Pfleger und MFA. Diese sind gegenwärtig jedoch nicht im üblichen Versorgungsbudget vorgesehen.

Ideale Voraussetzungen durch Herzinsuffizienz-Netzwerke und Spezialisierungen

Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg ist das erste Zentrum in Deutschland, in dem eine Weiterbildung zur Herzinsuffizienz-Pflegekraft angeboten wurde. Darüber hinaus hat das DZHI mit dem Würzburger Weg und dem Krankenhausverbund MAHIN ein entsprechendes Herzinsuffizienz-Netzwerk aus Kliniken, Fachärzten und Hausärzten initiiert. Ideale Voraussetzungen also, um das Pilotprojekt „Discharge Nurse“ zu starten. Das Konzept hat auch die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke überzeugt. Im Rahmen einer Ausschreibung für den Aufbau von regionalen Arztnetzwerken für Herzinsuffizienzpatienten fördert sie den Einsatz einer Discharge Heart Failure Nurse am Uniklinikum Würzburg mit 20.000 Euro.

Dr. Thomas M. Helms, Vorstandsvorsitzender der Stiftung: „Ein zentrales Anliegen der Stiftung ist es, die behandelnden ambulant und stationär tätigen Akteure aller Fachrichtungen zu vernetzen und die Patienten aktiv in ihre Therapie einzubeziehen. Die Discharge Nurse birgt das Potenzial, die Versorgung der Patienten nachhaltig zu verbessern." Das Pilotprojekt läuft zunächst ein Jahr lang. Geplant ist die Betreuung und Dokumentation von 180 Patienten. „Wir hoffen, dass wir mit der Auswertung der Daten ein Zeichen setzen können und eine Discharge Nurse künftig zum festen Bestand jeder Klinik wird. Allein die Förderung ist ein positives Signal, über das wir uns sehr freuen“, so Störk.

Pressemitteilung als PDF.

Ausstellung am Uniklinikum Würzburg: Kunsttherapie als Weg aus der Sprachlosigkeit von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen

Kunsttherapie kann helfen, die Sprachlosigkeit und die Vertrauenslücke bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zu überwinden. Das macht eine Ausstellung von Werken aus der kunsttherapeutischen Arbeit am Uniklinikum Würzburg anschaulich.

Eine Ausstellung in der Magistrale des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) an der Oberdürrbacher Straße zeigt noch bis zum 17. Dezember 2019 Bilder, die in der kunsttherapeutischen Arbeit mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen im klinischen Kontext entstanden. Veranstalter der Schau mit dem Titel „Selbstbilder“ ist die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP).

 

Kreatives Gestalten stärkt die Autonomie und das Selbstwertgefühl

Bei der Vernissage am 18. Juli 2019 sagte deren Direktor, Prof. Dr. Marcel Romanos: „Manche unserer jungen Patienten können ihre Gefühle und psychischen Probleme zunächst nicht benennen. Dann brauchen wir alternative Strategien.“ Nach seinen Worten schafft es die Kunsttherapie immer wieder, Wege aus dieser Sprachlosigkeit zu finden und vorhandene Vertrauenslücken zu überwinden. Wie, das beschrieb Burghilt Henzel, eine der Kunsttherapeutinnen der KJPPP bei der Ausstellungseröffnung: „Die Kunstwerke entstehen in Einzel- oder Gruppenarbeit. Im Vordergrund steht dabei immer der Prozess, nicht das Schaffen eines schönen Bildes“. Eine der Ausdrucksformen dazu ist der therapeutische Triptychon. Hierbei werden drei zusammenhängende Bilder geschaffen, die eine mögliche Entwicklung sichtbar machen: von der problematischen Situation oder Gefühlswelt über Lösungsideen hin zu einer wünschenswerten Zukunft. „Eines der Ziele dabei ist es, durch das kreative Gestalten die Autonomie und das Selbstwertgefühl der Patienten zu steigern“, schilderte Burghilt Henzel.

 

Erläuterungen durch ehemalige Patientin

Für einen sehr authentischen und bewegenden Moment sorgte bei der Vernissage das öffentliche Interview mit Ailina, einer ehemaligen Patientin der Jugendstation der KJPPP. Die junge Frau erläuterte den rund 80 Gästen ihr erstes in der Kunsttherapie geschaffenes Werk. Dabei betonte sie: „Die Kunsttherapie hat mir eine Möglichkeit gegeben, mich auszudrücken, wie es sonst einfach nicht möglich war.“ Auch für ihren weiteren Lebensweg setzte dieses Erleben Ziele: Sie arbeitet derzeit an einer Präsentationsmappe für ein Kunsttherapie-Studium.

Die Ausstellung umfasst 40 Bilder aus den vergangenen fünf Jahren, denen Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, bei der Eröffnungsfeier eine „überwältigenden Qualität“ bescheinigte. Die mal lustigen, mal traurigen, mal zum Nachdenken anregenden Arbeiten können käuflich erworben werden.

 

Pressemitteilung als Download

Prof. Dr. Marcel Romanos (links) und Prof. Dr. Georg Ertl vom Uniklinikum Würzburg führten in die Schau ein. Bild: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg
Kuratiert wurde die Ausstellung von den Kunsttherapeutinnen Kristi Hillenkamp (links) und Burghilt Henzel. Bild: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg
Ailina, eine ehemalige Patientin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg, erläuterte den Gästen der Vernissage ihr erstes in der Kunsttherapie geschaffenes Werk. Bild: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg
Das „Selbstporträt als Hund“ stammt von einem zwölfjährigen Patient mit Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen.
Das Bild mit dem Titel „Ekel – Hoffnung“ wurde von einem 17-jährigen Patienten mit Depression gemalt.

Wir nehmen teil am Award "Deutschlands Beste Klinik-Website"