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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Gezielte Hirnstimulation gegen Bewegungsstörungen

Innovative Therapiestrategien für Menschen mit Bewegungsstörungen: Daran arbeitet ein neuer Transregio-Sonderforschungsbereich. Federführend sind Wissenschaftler der Uni und des Uniklinikums Würzburg sowie der Charité Berlin.

Viele neurologische Erkrankungen, die mit einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit einhergehen, sind Ausdruck einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen motorischen Hirnarealen. Von „Netzwerkerkrankungen“ sprechen Mediziner in diesen Fällen.
Für diese Erkrankungen stehen eine Reihe vielversprechender Behandlungsverfahren zur Verfügung – beispielweise die tiefe Hirnstimulation mit Schrittmachersystemen –, die durch die gezielte Stimulation von Nervenzellen die motorische Netzwerkaktivität regulieren und damit erfolgreich Symptome von Patienten mit Parkinson, schwerem Zittern oder Dystonien lindern können. Neuromodulation lautet dafür der entsprechende Fachbegriff.

Zehn Millionen Euro für die kommenden vier Jahre

Welche Mechanismen der Neuromodulation bei verschiedenen Erkrankungen zugrunde liegen, untersucht ein neuer überregionaler Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihn jetzt genehmigt und für zunächst vier Jahre mit zehn Millionen Euro ausgestattet.

Der SFB trägt den Titel „Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation“; er wurde von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Universitätsklinikum Würzburg konzipiert.

Die im SFB gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, innovative Therapiestrategien für Menschen mit Bewegungsstörungen zu entwickeln und die Anwendung auf bislang schlecht behandelbare Krankheitssymptome, wie Gangstörungen oder Schlaganfallfolgen, auszudehnen.

Das Verbundprojekt bringt international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Klinik der beiden Hauptstandorte sowie der Hebrew University of Jerusalem, der Universität Düsseldorf, des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, der Universität Potsdam und der Universität Rostock zusammen.

Hirnaktivität selektiv unterdrücken

„Unsere Vision ist es, Neuromodulationsverfahren für die klinische Praxis zu entwickeln, die netzwerkspezifisch ansetzen, um komplexe klinische Syndrome behandeln zu können“, sagt Professorin Andrea Kühn, Sprecherin des Verbundes und Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation an der Klinik für Neurologie und Experimenteller Neurologie der Charité. „Dazu wollen wir mit minimaler Invasivität an spezifischen Knotenpunkten des Netzwerkes im Gehirn eingreifen, um die pathologisch veränderte Hirnaktivität selektiv zu unterdrücken.“

Ein Schwerpunkt der Forschung an der Charité ist die Entwicklung bedarfsgesteuerter Schrittmachersysteme, die nur dann aktiv werden, wenn die wechselhaften Krankheitssymptome im Alltag auftreten. Hierzu sollen die Hirnsignale entschlüsselt werden, die für gesunde und krankhafte Bewegungsabläufe charakteristisch sind, um sie gezielt zu beeinflussen.

Individuell optimierte Stimulations-Algorithmen

Arbeitsgruppen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ergänzen diese Forschung mit ihrer Expertise in Modellsystemen von Bewegungsstörungen, an denen grundlegende Mechanismen der Interaktion von Neurostimulation und Gehirnfunktion untersucht werden sollen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen im Rahmen des SFB-Projekts klinische und tierexperimentelle Befunde in gemeinsame Computermodelle übertragen, die zukünftig individuell optimierte Stimulationsalgorithmen vorhersagen können.

Damit soll es möglich werden, das individuelle Beschwerdebild einzelner Patienten durch eine personalisierte Neuromodulation zu lindern.

„Die koordinierte Zusammenarbeit von international ausgewiesenen Grundlagenwissenschaftlern, Experten für digitale Medizin und Klinikern mit dem Ziel einer raschen Übertragung von Forschungsergebnissen in verbesserte Neuromodulationstherapien bei Patienten macht diese Verbundinitiative weltweit einmalig“, erklärt Professor Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg und Mitinitiator des SFB.

Der Sonderforschungsbereich wird an den beteiligten Standorten Strukturen etablieren, die darüber hinaus der Nachwuchsförderung im Bereich der Neuromodulation dienen, die in den konventionellen Studiengängen noch unzureichend abgebildet ist.

JMU-Präsident Alfred Forchel hat den Prozess der Antragstellung eng begleitet: „Ich freue mich, dass durch die Bewilligung des Sonderforschungsbereichs die Würzburger Universitätsmedizin ihre Spitzenstellung in der klinischen Anwendung und Erforschung der Neuromodulation weiter ausbauen kann.“

Sonderforschungsbereiche der DFG

Sonderforschungsbereiche (SFB) sind langfristige Forschungseinrichtungen, die die Bearbeitung innovativer und anspruchsvoller Forschungsvorhaben im Verbund ermöglichen. Im Gegensatz zu einem klassischen SFB wird ein SFB/Transregio (TRR) nicht von einer, sondern von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt und getragen. Die Projekte werden von der DFG zunächst für vier Jahre finanziell gefördert. Die Förderung kann nach erfolgreicher Evaluation um zwei weitere Förderperioden von je vier Jahren verlängert werden.

Kontakt

Prof. Dr. Jens Volkmann, Neurologische Klinik und Poliklinik, T: +49 931 201-23751, volkmann_j@ ukw.de

 

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Halbstarke Wanderfalken am Uniklinikum Würzburg

Auch in diesem Jahr gab es bei den Wanderfalken des Uniklinikums Würzburg wieder gesunden Nachwuchs. Aktuell kann man auf dem Altgelände des Krankenhauses an der Josef-Schneider-Straße die Jungvögel bei ihren Flugübungen beobachten – oder ihnen von Fall zu Fall auch am Boden begegnen.

Der Nistkasten im Kuppeldach des markanten Heizkraftwerkkamins des Uniklinikums Würzburg (UKW) an der Josef-Schneider-Straße ist auch in diesem Jahr wieder die Brutstätte für ein Wanderfalkenpärchen. Vor rund sieben Wochen schlüpften zwei männliche und ein weibliches Küken. Mittlerweile sind sie groß genug, um erste Ausflüge zu machen. „Allerdings gelingt es ihnen anfangs manchmal nicht, aus eigener Kraft ins Nest zurückzukehren oder auf einem erhöhten, sicheren Ort zu landen“, sagt Prof. Dr. Ulrike Kämmerer. Die Biologin der Würzburger Universitäts-Frauenklink ist geprüfte Falknerin und eine der Personen, die am Klinikum die Wanderfalken betreuen. Sie fährt fort: „Die halbstarken Vögel landen dann am Boden, von wo aus sie zunächst nicht mehr starten können. Das sind die Momente, in denen man ihnen als Fußgänger begegnen kann.“ So zum Beispiel am 20. Mai dieses Jahres, als die Beschäftigten des Technischen Betriebs des UKW Prof. Kämmerer darüber informierten, dass einer der Greifvögel über ihren Parkplatz hüpfe. Gemeinsam fingen sie das streng geschützte Tier vorsichtig ein und brachten es zurück in den Nistkasten auf dem Abgasschlot. Am selben Tag wurde außerdem die Schwester des männlichen Vogels am Boden gesichtet und gefangen. „Diese haben wir auf dem Dach des UKW-Gebäudes D16 ausgesetzt, auf dem wir schon einige Tage zuvor den zweiten Bruder und einen Gast aus dem Würzburger Stadtgebiet mit etwas Futter platziert haben“, berichtet Prof. Kämmerer. Der Gast ist ein Jungfalke, der nicht mehr in seinen Nistkasten auf der Kirche Stift Haug zurückgebracht werden konnte und von der Greifvogelhilfe Würzburg versorgt wurde. Der Nachwuchs inklusive „Gastkind“ wird auch auf dem „Außenposten“ von den Falkeneltern mit Futter versorgt, bis es mit dem eigenen Fliegen und Jagen zuverlässig klappt.

Besser nicht selbst anfassen

Alfred Eberl, Elektriker vom Technischen Dienst des UKW, der sich in seiner Freizeit in der Kreisgruppe Würzburg des Landesbundes für Vogelschutz engagiert, gibt ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit Wanderfalken in Bedrängnis: „Wenn Sie braune Greifvögel auf dem Klinikumsgelände am Boden sitzen oder herumhüpfen sehen, rufen Sie bitte in der Elektrowerkstatt des UKW-Heizkraftwerks unter der Telefonnummer 0931/20155550 an. Die Kollegen sind informiert und geben Ihre Nachricht an mich weiter.“ Vom Versuch, die Tiere selbst anzufassen, rät der Greifvogel-Experte dringend ab – zu groß sei die Gefahr, durch die mächtigen Krallen oder den starken, scharfen Schnabel verletzt zu werden.

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einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg: Der Pandemie einen Schritt voraus

Krankenversorgung, Forschung, Lehre: Das Coronavirus hat das Universitätsklinikum Würzburg in den vergangenen Wochen vor große Herausforderungen gestellt. In einem Bericht schildern die Verantwortlichen die Ereignisse.

 

Die COVID-19-Pandemie hat wesentliche Auswirkungen auf die Arbeit des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Im Katastrophenfall muss die Versorgung der Patienten entsprechend politischen Bekanntmachungen, Verordnungen und Verfügungen regelmäßig angepasst werden, die Vermeidung von Infektionen bei Patienten und Personal hat höchste Priorität. Während der ersten Infektionswelle wurden Pläne für eine eskalierende Versorgung bis hin zum Stadium der Katastrophenmedizin entwickelt, die bei einem erneuten Wiederanstieg aktiviert werden können. Die Rückführung des Klinikums in Richtung Regelbetrieb stellt die Verantwortlichen jetzt vor neue Herausforderungen.

Tägliche Besprechung der Einsatzleitung

Das UKW hat bereits am 27.01.2020 mit Bekanntwerden der ersten Münchener COVID-19-Fälle eine „Coronavirus-Arbeitsgruppe“ gegründet, in der Verantwortliche der Kliniken, Institute und Verwaltungsbereiche mitwirken und in die auch Vertreter der Universität und des Klinikums Würzburg Mitte eingeladen wurden. Diese Arbeitsgruppe war sehr wichtig für die Erstellung der Hygienepläne und die Abstimmung verschiedener Aufgaben. Mit zunehmender Fallzahl wurde auf bereits etablierte Katastrophen- und Notfallpläne zurückgegriffen und die Klinikumseinsatzleitung (KEL) einberufen, in der seit 06.03.2020 täglich alle mit SARS-CoV-2 verbundenen Fragen erörtert und die erforderlichen Entscheidungen getroffen werden. Die KEL wird durch den Ärztlichen Direktor oder seinen Stellvertreter geleitet, ihr gehören weitere Mitglieder des UKW-Vorstands sowie die Leiter verschiedener Bereich der kritischen Infrastruktur an. Dieses Gremium bewertet die medizinische, personelle und materielle Lage und kann so im Krisen- und Katastrophenfall, der jeweiligen Situation angepasst, sehr schnell und flexibel entscheiden.

Für die anschließende Durchdringung und Akzeptanz der Entscheidungen der KEL ist eine transparente und zeitnahe Kommunikation aller Maßnahmen außerordentlich wichtig. Ein täglicher Newsletter informiert alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter per E-Mail über die Lageentwicklung sowie über die aktuellen Entscheidungen der KEL. Eine Intranetseite mit einer Liste der wesentlichen Dokumente und einer FAQ-Sektion ergänzt den täglichen Newsletter.

Kapazität von Intensivstationen erhöht

Das Klinikum hat die politischen Forderungen nach einer Erhöhung der Kapazität von Intensivstationen und Beatmungsplätzen sowie das Freihalten von Betten auf Allgemeinstationen durch eine medizinisch vertretbare Reduktion des elektiven, planbaren Behandlungsprogramms auf der Basis einer Kategorisierung von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen nach fachspezifischer medizinischer Dringlichkeit mit Augenmaß umgesetzt. Die Notfallversorgung war zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt. Täglich wurde bewertet, welche weiteren Patienten entsprechend einer Einteilung nach vier Dringlichkeitsstufen versorgt werden konnten - die diesbezügliche Zuordnung blieb in der Verantwortung jeder einzelnen Fachdisziplin. In der gemeinsamen Abstimmung entsprechender Kapazitäten spielte die Materiallage, die in verschiedenen Bereichen (Schutzausrüstung, Medikamente, Anästhesiebedarf) mehrfach kritisch war, eine wesentliche Rolle.

Die Ausweitung von Intensivkapazitäten wurde durch eine Erhöhung des Bestandes an Beatmungsgeräten, eine Umwandlung von Überwachungs- in Intensivbetten sowie Schulungen des ärztlichen und pflegerischen Personals unter Einbeziehung von Studierenden der Medizin realisiert. Besonders wichtig war die Planung einer stufenweisen räumlichen Ausweitung der Intensiv- und Beatmungskapazitäten im Zentrum Operative Medizin durch eine konsekutive Einbeziehung benachbarter Stationen bis hin zu einer potenziellen Nutzung von Aufwach- und OP-Räumen. Durch eine Verdoppelung der entsprechenden Kapazitäten wäre es auch im Fall eines massiven Anstiegs von intensivpflichtigen Patienten über lange Zeit möglich gewesen, am UKW die Individualmedizin, d.h. die bestmögliche Versorgung jedes einzelnen Patienten, aufrechtzuerhalten. Die in Deutschland flächendeckend getroffenen und in Würzburg an die lokalen Bedürfnisse angepassten Pandemie-Maßnahmen haben erfreulicherweise so gut gewirkt, dass diese Pläne bisher nur in den ersten Stufen umgesetzt werden mussten und uns Verhältnisse wie in Norditalien oder New York erspart geblieben sind.

Hilfreiche Unterstützung von Studierenden

Die notwendige Trennung von Patienten mit Symptomen einer Atemwegserkrankung bereits an allen Klinikeingängen wurde durch intensive Planungs- und Schulungsarbeit realisiert. Während der ersten Erkrankungswelle unterstützten studentische Hilfskräfte die Lenkung der Patienten in besonders hilfreicher Weise. Jede Klinik erarbeitete Pläne für eine frühestmögliche Detektion von Verdachtsfällen und die räumliche Trennung fachspezifischer COVID-19-Stationen. Diese wurden unter Einbeziehung aller erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen eingerichtet und vorübergehend in Betrieb genommen. Aufgrund einer erfreulichen Abnahme der Infektionszahlen konnten diese Stationen mittlerweile zu einem großen Teil wieder ihrer vorherigen Bestimmung zugeführt werden. Die Pläne können bei Bedarf jederzeit reaktiviert werden.

Hoher Grad an Sicherheit für Patienten und Personal

In den vergangenen Monaten wurden verschiedene krankenhaushygienische Voraussetzungen für eine Infektionskontrolle von SARS-CoV-2 geschaffen. Wesentliche Meilensteine waren die Anordnung einer generellen Mund-Nasen-Schutz-Pflicht für alle Mitarbeiter/innen am 23.03.2020, die Einführung eines PCR-Screenings auf SARS-CoV-2 bei allen stationär aufzunehmenden Patienten am 26.03.2020 sowie die Aufforderung an alle Mitarbeiter/innen, sich bei jedem Symptom einer Atemwegsinfektion sofort auf das neue Coronavirus testen zu lassen. Zusammen mit der intensiven Kontaktnachverfolgung durch das Hygienefachpersonal bedeuten diese Maßnahmen einen hohen Grad der Sicherheit für Patienten und Personal. So hat die Stabsstelle Krankenhaushygiene im Zeitraum vom 12.03.2020 bis zum 28.04.2020 insgesamt lediglich 34 Mitarbeiter/innen des UKW, davon 16 im Pflegedienst und 8 im ärztlichen Bereich, mit SARS-CoV-2-Infektionen registriert. Bei über 100 behandelten Patienten, die in der Mehrzahl einer intensivmedizinischen Betreuung bedurften, ist es bemerkenswert, dass sich nur 6 Personen nosokomial infiziert haben.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Hygienepläne anhand ständig neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie intensivierte Personalschulungen ergänzen das Hygienekonzept.

Täglich mehr als 800 Tests auf SARS-CoV-2

PCR-Untersuchungen auf SARS-CoV-2 sind eine entscheidende Säule der Bekämpfung der Erkrankung. Die hohen Laborkapazitäten in Deutschland werden als ein Grund für die erfolgreiche Bekämpfung hierzulande angesehen. Am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg wurde die Testkapazität ständig ausgeweitet und liegt mittlerweile bei mehr als 800 Tests pro Tag. Sie könnte bei einer erneuten Zunahme der Krankheitsaktivität durch das Institut für Hygiene und Mikrobiologie ergänzt werden, das ebenfalls Tests etabliert hat. Für das Gesundheitsamt der Stadt Würzburg, v.a. aber für die Mitarbeiter/innen des UKW wurde im Gebäude D20 eine Untersuchungsstelle etabliert, die das Institut für Hygiene und Mikrobiologie gemeinsam mit dem UKW betreibt. Hier können Abstriche der Rachenhinterwand entnommen werden. Durch das Abflachen der Infektionskurve ist die Untersuchungsstelle zunehmend weniger ausgelastet, ihre Kapazität wird aber bei einer weiteren Erkrankungswelle von großem Nutzen sein.

Moderne Datenverarbeitung erleichtert die Lagebewertung

Die tägliche Bewertung der Lage durch die KEL wird durch eine moderne Datenverarbeitung deutlich erleichtert. Das Servicezentrum Medizininformatik (SMI) hat für die KEL ein automatisiertes Berichtswesen entwickelt, das die Fallzahlen, die Belegung der Krankenhausbetten, die Lagerhaltung und die Daten des Robert Koch-Instituts darstellt. Zahlreiche andere Funktionalitäten wurden in kurzer Zeit etabliert, wie die Integration der Patienteneingangsbefragung zur Abschätzung des COVID-19-Risikos in die digitale Krankenakte. Das SMI hat sich als flexible Einheit bewiesen, die die für die Pandemiebekämpfung notwendigen digitalen Werkzeuge in kurzer Zeit bereitstellen kann.

Das Klinikum ist in der Pandemie-Bekämpfung sehr eng in die Netzwerke von Stadt und Landkreis eingebunden. Vertreter der KEL nehmen an wöchentlichen Treffen der Behörden von Stadt und Landkreis teil. Das UKW hat einen Pandemiebeauftragten berufen, der aktiv in der Führungsgruppe Katastrophenschutz mitarbeitet. Auch der Ärztliche Leiter dieser Führungsgruppe ist Oberarzt am UKW. Die Stabsstelle Krankenhaushygiene hat sich an Schulungsmaßnahmen für Personal in der Altenpflege beteiligt. Und nicht zuletzt leistet das UKW internationale Unterstützung: Drei italienische COVID-19-Patienten wurden hier intensivmedizinisch behandelt.

Erfahrungen fließen in die Forschung ein

Durch die intensive und reibungslose interdisziplinäre Zusammenarbeit konnte die erste Welle der SARS-CoV-2-Pandemie sehr erfolgreich bewältigt werden. Zudem wurden die Voraussetzungen geschaffen, bei einem erneuten Anstieg der Erkrankungsaktivität rasch und gut vorbereitet reagieren zu können. Dazu gehört auch, dass die behandelnden Ärzte wertvolle klinische Erfahrungen sammeln konnten. Diese fließen wiederum in Forschungsprojekte ein, die sowohl klinisch und epidemiologisch als auch grundlagenwissenschaftlich ausgerichtet sind und auch bereits zu ersten Publikationen geführt haben. Zudem beteiligen sich verschiedene Kliniken und universitäre Institute an dem durch das Bundesforschungsministerium finanzierten Nationalen Netzwerk der Universitätsmedizin im Kampf gegen COVID-19.

Digitalisierung der Lehre

Die Coronakrise hat auch die universitäre Lehre für Studierende der Human- und Zahnmedizin erheblich beeinflusst. Das Studiendekanat steht in ständigem Austausch mit der KEL, um Lösungen zu finden, die sowohl der Weiterentwicklung der Lehre unter Corona-Bedingungen als auch der Patienten- und Mitarbeitersicherheit in der klinischen Lehre dienen. So wurde in extrem kurzer Zeit die Digitalisierung vieler Lehrveranstaltungen umgesetzt. Unter klinisch-praktischen Gesichtspunkten wurde die studentische Mitarbeit auf den Stationen und in verschiedenen Abteilungen durch das Studiendekanat gemeinsam mit der Pflegedienstleitung, dem Betriebsarzt und der Verwaltung so organisiert, dass sie zu einer unverzichtbaren Unterstützung für das Klinikum geworden ist. Zugleich stellt diese Arbeit für die angehenden Mediziner auch eine wichtige Lern- und Lebenserfahrung dar.

Schrittweiser Übergang in den Regelbetrieb

Nach der akuten ersten Welle der Pandemie ist der schrittweise Übergang in den „Regelbetrieb“ nun wieder in anderer Weise herausfordernd. Vor uns liegt eine Phase, die noch viele Monate dauern wird und in der wir gemeinsam lernen müssen, auch langfristig mit neuen Anforderungen an Hygiene und Infektionsschutz umzugehen. Abstandsregeln und menschliche Nähe sind kein Widerspruch, Gespräche mit Mund-Nasen-Schutz im Umgang mit Patienten sind für viele ungewohnt, aber möglich. In Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen sowie aufgrund kurzfristiger Verfügungen und Verordnungen werden wir auch weiterhin oft sehr schnell entscheiden müssen. Wir verfolgen die Strategie, das Klinikum auf die kommenden Belastungen so vorzubereiten, dass auch bei steigenden Infektionszahlen die Versorgung sowohl von COVID-19- als auch aller übrigen Patienten sichergestellt ist. Die jetzt zu erarbeitenden Konzepte reichen von der Schaffung flexibler und zugleich verlässlicher intensivmedizinischer und operativer Kapazitäten bis zur Anpassung von Personalplänen und Versorgungsstrukturen. Die bemerkenswerten Erfahrungen der letzten Wochen begründen unsere Zuversicht, dass wir auch die kommenden Aufgaben gemeinsam bewältigen werden!

Kontakt

Prof. Dr. Ulrich Vogel, Stabsstelle Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg, T +49 931 31 46802, vogel_u@ ukw.de

Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus, Neurochirurgische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Würzburg, T +49 931 201 24800, ernestus.r-i@ ukw.de

Prof. Dr. Georg Ertl, Ärztlicher Direktor, Universitätsklinikum Würzburg, T +49 931 201 55000, ertl_g@ ukw.de

Prof. Dr. Thomas Wurmb, Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Würzburg, +49 931201 30411, wurmb_t@ ukw.de

Videobesuche für Krebspatienten per gesponserte Tablets

Über zwei gesponserte Tablet-PCs können Krebspatienten, die am Uniklinikum Würzburg in stationärer Behandlung sind, mit ihren Liebsten in Wort und Bild kommunizieren. Erste Anwenderin ist Julia A., die während ihrer anstehenden Stammzelltransplantation vor allem mit ihrem einjährigen Sohn in Kontakt bleiben will.

Zum Start der bundesweiten Initiative „Getrennt und doch verbunden“ stellt die MediaMarktSaturn Retail Group zusammen mit der Deutschen Technikberatung vornehmlich Pflege-, Behinderten- und Seniorenheimen kostenlos 450 Tablet-PCs zur Verfügung. Durch die vorfigurierten Geräte können die Nutzer mit Angehörigen und Freunden per Videochats kommunizieren – eine Option, die gerade auch unter den Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie besonders interessant ist. Kürzlich ging jeweils ein solches Gerät auch an den Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ und die Stiftung „Forschung hilft“, die die Krebsforschung an der Uni Würzburg fördern. Beide Institutionen werden von Gabriele Nelkenstock geleitet. Sie erläutert: „Wir werden die Tablets vornehmlich an Patientinnen und Patienten des Uniklinikums Würzburg ausleihen, die aufgrund einer stationären Krebstherapie keinen oder nur sehr reduzierten Kontakt zur ‚Außenwelt‘ haben können.“

 

Wertvolle Kontakte durch „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“

Julia A. ist die erste Nutzerin dieses kostenlosen Service. Bei der 38-Jährigen wurden massive Schwellungen im Hals-Schulter-Bereich im November vergangenen Jahres – nach einer monatelangen Ärzte-Odyssee – als Symptome eines Mantelzell-Lymphoms diagnostiziert. Diese seltene Unterform des Lymphknotenkrebses gilt derzeit als noch nicht heilbar, kann aber durch diverse Therapien erfolgreich zurückgedrängt werden. Der seelische Schock über diese Diagnose ging bei Julia A. tief – vor allem auch, weil ihr 71-jähriger Vater erst zwei Wochen zuvor mit Akuter lymphatischer Leukämie ins Uniklinikum Würzburg (UKW) eingeliefert worden war. „Neben der Angst, wie es mit mir selbst weitergeht, war meine größte Sorge: Was wird aus meinem einjährigen Sohn?“, berichtet die Würzburgerin. Ein nach eigenen Worten großes Glück in dieser ungewissen, angstvollen Situation war es für sie, dass sie auf Anraten einer Freundin umgehend Kontakt mit „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ aufnahm. „Gabriele Nelkenstock wurde sofort aktiv. Sie vermittelte mich an genau die richtigen Gesprächspartnerinnen, die mir als ehemalig krebskranke Mütter viele Ängste nehmen konnten“, lobt Julia A. Auch der parallel geschlossene Kontakt zu Dr. Elisabeth Jentschke war für sie sehr wichtig. Unter anderem empfahl die Leiterin der Abteilung für Psychoonkologie am Comprehensive Cancer Center Mainfranken den Einsatz einer Familienpflegerin. „Durch deren Hilfe weiß ich meinen Sohn während meiner Krebstherapie in guten Händen“, ist Julia A. höchst erleichtert.

 

Therapie an der Medizinischen Klinik II des UKW

Anfang Januar dieses Jahres startete sie zunächst in eine Chemotherapie bei Prof. Dr. Max Topp an der von Prof. Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik II des UKW. „Hier fühle ich mich sehr gut aufgehoben, denn Prof. Topp ist ein international anerkannter Spezialist für das Mantelzell-Lymphom“, schildert Julia A. Außerdem ist sie begeistert von der Freundlichkeit, die ihr am UKW zuteilwurde – gerade auch von den Pflegekräften und Stationsärzten, die sie während der körperlich und seelisch oft belastenden, insgesamt rund viermonatigen Chemotherapie betreuten. Mit der in dieser Zeit in Deutschland aufkommenden Corona-Pandemie hatte sie übrigens keine Probleme. „Ich habe mich durch die vielen am UKW getroffenen Schutzmaßnahmen immer sicher gefühlt“, unterstreicht die Patientin.

 

Videobesuche während der Stammzelltherapie

Mit der Anfang Mai abgeschlossenen Chemotherapie konnte ihr Lymphom erfolgreich zurückgedrängt werden. Als weiterer Behandlungsschritt steht ihr nun eine Stammzelltherapie am UKW bevor. Julia A.: „Ab Anfang Juni werde ich hierzu in Isolation behandelt und werde meinen Sohn, meinen Mann und meine Angehörigen für etwa drei Wochen nicht persönlich sehen können. Ich freue mich deshalb sehr, dass mir das Tablet die Möglichkeit gibt, mit diesen per Videoübertragung verbunden zu bleiben.“

Danach soll das desinfizierte Gerät laut Gabriele Nelkenstock an die nächste Nutzerin oder den nächsten Nutzer weitergegeben werden.

 

Wer die Projekte von Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. am Uniklinikum Würzburg unterstützen will, kann auf folgendes Konto spenden:

 

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Castell Bank Würzburg

IBAN: DE74 7903 0001 0000 0092 45

BIC: FUCEDE77XXX

 

www.kampfgegenkrebs.de

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Uniklinikum Würzburg: Prof. Dr. Christoph Härtel für eine weiterhin breit aufgestellte Kinderheilkunde

Prof. Dr. Christoph Härtel ist der neue Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. Der Neonatologe will das breite therapeutische und wissenschaftliche Spektrum der Einrichtung fortführen – ergänzt um neue Impulse in Klinik, Forschung und Lehre.

Seit Anfang Mai dieses Jahres leitet Prof. Dr. Christoph Härtel die Kinderklinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Er trat damit die Nachfolge von Prof. Dr. Christian Speer an, der nach 21 Jahren in dieser Position Ende April 2020 in den verdienten Ruhestand ging. Vor seinem Wechsel an den Main war Prof. Härtel als Oberarzt und außerplanmäßiger Professor an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck tätig.

Übergabe der Klinik kollegial und transparent gestaltet

Dem Ruf ans UKW folgte er aus verschiedenen Gründen sehr gerne. „Die Kinderklinik des UKW ist sehr gut strukturiert. Sie bietet exzellente medizinische Leistungen, die neben der ärztlichen Kompetenz und der technischen Ausstattung nicht zuletzt auch auf einer personell hervorragend aufgestellten Pflege beruhen“, lobt der neue Chef. Außerdem machten ihm sowohl der scheidende Direktor und das Leitungsteam der Klinik als auch der Klinikumsvorstand den Start in Würzburg leicht. „Bei mehreren vorbereitenden Besuchen wurden mir die Stärken, Besonderheiten und Herausforderungen der Kinderklinik vollkommen transparent dargestellt. Es zeigte sich zudem, dass hier auch von Seiten der Klinikumsleitung in Klinik, Forschung und Lehre eine ganzheitliche Pädiatrie gewünscht ist, die sich nicht nur an ökonomischen Gesichtspunkten orientiert“, freut sich Prof. Härtel. Seinem Vorgänger zollt er – neben dem Dank für die intensive und sehr kollegiale Vorbereitung auf die Klinikübernahme – hohe Anerkennung für dessen fachliche Leistungen. „Prof. Speer, den ich schon als Lehrbuchautor meiner Studienzeit und später natürlich von vielen neonatologischen Fachkongressen kenne, war für mich als Pädiater immer ein Vorbild. Ähnlich wie ihm liegt auch mir der Blick auf die gesamte Vielfalt der Kinderheilkunde am Herzen.“

Pädiatrisch breit ausgebildet

Basis für diese generalistische Perspektive Härtels ist seine breite Ausbildung. Das Medizinstudium startete er im Jahr 1992 in seinem Geburtsort Rostock. Ein Stipendium führte ihn 1995 für ein Jahr an die Universität von Cincinnati/USA, wo er Immunologie und Biochemie studierte sowie einen ersten Zugang zu wissenschaftlichem Arbeiten fand. Zurück in Deutschland setzte er sein Humanmedizinstudium in Lübeck fort, wo er im Jahr 2000 auch seine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Immunologie abschloss.

Auf die Facharztausbildung in Kinder- und Jugendmedizin in der Hansestadt folgte eine zweijährige Ausbildung mit den Schwerpunkten Neonatologie und Pädiatrische Onkologie in Sydney/Australien. Ab dem Jahr 2009 bis zum Dienstantritt in Würzburg arbeitete er schließlich als Oberarzt beziehungsweise Geschäftsführender Oberarzt erneut in Lübeck, wo er unter anderem die Bereiche Pädiatrische Infektiologie, Immunologie und Rheumatologie leitete. „Trotz meiner starken klinischen und wissenschaftlichen Fokussierung auf die Frühgeborenenmedizin bin ich kein reiner Neonatologe, sondern in der Kinderheilkunde breit interessiert“, fasst Prof. Härtel sein fachliches Selbstverständnis zusammen.

Neue Impulse bei Neuropädiatrie, Sozialpädiatrie und psychosomatischen Erkrankungen

Entsprechend gut gefällt ihm die klinisch weitgespannte Struktur der Würzburger Universitäts-Kinderklinik, die zum Beispiel 17 Spezialambulanzen betreibt. Neben dem Erhalt und der Weiterentwicklung der schon vorhandenen Kompetenzen plant der neue Klinikdirektor eine Stärkung speziell der Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie. Außerdem will er die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie vertiefen. „Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten die psychosomatischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen, wie Essstörungen oder frühes Burn-out, zugenommen haben. Im Schulterschluss mit den psychiatrischen Kliniken des UKW sowie gerne auch im Netzwerk mit den anderen Kliniken und Einrichtungen in Stadt und Region können wir hier viel erreichen“, ist sich Christoph Härtel sicher.

Immunologie, Infektiologie und Eltern als Forschungsthemen

Die Infrastruktur der Kinderklinik ist im exzellenten Forschungsumfeld des UKW nach Einschätzung des neuen Direktors sehr gut für wissenschaftliche Studien geeignet. In Ergänzung zu den bereits etablierten Themen bringt er als einen persönlichen Schwerpunkt die Erforschung der Immunabwehr von Frühgeborenen mit nach Würzburg. So leitet er zum Beispiel die multizentrische Studie PRIMAL (Prägung der Immunantwort am Lebensbeginn). „Frühgeborene tragen aufgrund ihrer Unreife ein hohes Risiko für Infektionen und langfristige Erkrankungen, bei denen Entzündungen eine wichtige Rolle spielen“, erläutert Prof. Härtel und fährt fort: „Bei der mittlerweile schon weit fortgeschrittenen PRIMAL-Studie wollen wir herausfinden, ob diese Empfindlichkeit unter anderem durch eine Störung der frühen Prägung der Immunabwehr und des Wechselspiels der Darmbakterien bedingt ist – und was wir gegebenenfalls gegen diese Störungen tun können.“

Die verschiedenen Bereiche der Kinderheilkunde können sich nach seiner Vorstellung in Zukunft noch stärker an interdisziplinären Kooperationen mit den Grundlagenwissenschaften und den anderen klinischen Fachgebieten beteiligen. Prof. Härtel sieht dabei die „kurzen Wege“, die exzellenten wissenschaftlichen Serviceeinrichtungen und vor allem auch den freundlichen, wertschätzenden Umgang miteinander als entscheidende Erfolgsfaktoren für die Forschungslandschaft am UKW an. „Ferner werden wir auch die Eltern von kranken Kindern zum wissenschaftlichen Thema machen: Wie fühlen sich diese, welchen Stressfaktoren sind sie ausgesetzt?“, kündigt Prof. Härtel – selbst dreifacher Vater – an.

Ausbildung in Patientennähe und mit Simulationslösungen

Bei der Lehre strebt der Klinikdirektor eine gute Mischung aus patientennaher Ausbildung in Kleingruppen und dem Training von diversen Fähigkeiten ohne Patientenkontakt an. „Bei Letzterem werden wir die modernen Möglichkeiten der Patientensimulation und der virtuellen Realität nutzen“, schildert Härtel und fährt fort: „Beispielsweise werden wir Simulationspuppen anschaffen, die mit ihrer integrierten, hochsensiblen Technologie viele spezifische Krankheitszeichen der unterschiedlichen Altersgruppen der Kinder- und Jugendmedizin lebensecht simulieren können. Damit werden Studierende, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte in berufsgruppenübergreifenden Teamtrainings realitätsnahe Szenarios üben.“

Eine weitere Zielgruppe der Lehre sind für ihn die Eltern, „denn gerade bei Frühgeborenen oder chronisch kranken Kindern ist es wichtig, dass die Eltern sehr gut über die gesundheitliche Situation oder Krankheit ihrer Tochter oder ihres Sohns Bescheid wissen.“

„Lobbyarbeit“ für Kinder und Jugendliche

Neben dem klassischen Dreiklang der Universitätsmedizin aus Klinik, Forschung und Lehre sieht Prof. Härtel die Gremienarbeit für sich als viertes wichtiges Aufgabenfeld: „Als Pädiater müssen wir auch Anwälte der Interessen von Kindern und Jugendlichen in Politik und Gesellschaft sein. Zum Beispiel greifen die beschlossenen Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie tief in die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen ein. Die spezifischen Bedürfnisse junger und jüngster Menschen für eine gesunde körperliche, psychische und soziale Entwicklung müssen allgegenwärtig berücksichtigt werden. Sie brauchen eine öffentliche Stimme.“

 

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Wie gesund sind Würzburger Herzen?

Die erste große Auswertung der STAAB-Kohortenstudie ist da. Die Untersuchung von 5.000 Würzburgern auf Vorstufen einer Herzinsuffizienz sorgt für einige Überraschungen. 42 Prozent der Studienteilnehmer befinden sich im Vorläuferstadium A einer Herzinsuffizienz. Damit haben sie mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor, der die Wahrscheinlichkeit für die künftige Entstehung einer Herzinsuffizienz erhöht. 45 Prozent von ihnen haben Bluthochdruck, 20 Prozent sind adipös. Im Stadium A befinden sich bereits auffällig viele junge Menschen zwischen 30 und 39 Jahren. Eine strukturelle Veränderung am Herzen weisen 17 Prozent der Studienteilnehmer auf. Stutzig gemacht hat das Studienteam aus dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) und dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B), dass jeder Dritte von ihnen keinen Risikofaktor aufweist, also das Stadium A nicht durchlaufen hat. Zu dieser Gruppe gehören vorwiegend Frauen mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren. Die Studie wurde jetzt im European Journal of Preventive Cardiology publiziert.

 

Über die Annahme der ersten Auswertungsergebnisse zur Publikation im internationalen wissenschaftlichen Journal der European Society of Cardiology freuen sich die Studienleiter Professor Stefan Störk, Leiter der klinischen Forschung am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), und Professor Peter U. Heuschmann, Direktor des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B), mit dem gesamten Studienteam. Die beiden Wissenschaftler hatten die STAAB-Studie vor sieben Jahren als gemeinsames Projekt der beiden Einrichtungen an der Universität und am Universitätsklinikum Würzburg initiiert.  Der Dank der Forscher gilt an dieser Stelle den 5.000 Würzburgerinnen und Würzburgern, ohne deren Teilnahme und Bereitschaft, ihre medizinischen Daten zur Verfügung zu stellen, dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre.

Fast jeder zweite hat mindestens einen Risikofaktor

In der STAAB-Studie wird erforscht, wie häufig die Vorstufen der Herzinsuffizienz, die Stadien A und B, in der Bevölkerung im Alter von 30 bis 79 Jahren auftreten, wie sie mit verschiedenen Risikofaktoren wie Lebensstil und Vorerkrankungen zusammenhängen und wie oft und wie schnell Betroffene in ein höheres Stadium der Herzinsuffizienz übergehen. Die Studienteilnehmer wurden von der Stadt Würzburg nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und vom Studienteam angeschrieben. Diejenigen, die keine vorbekannte Herzinsuffizienz hatten, wurden innerhalb von rund vier Jahren zweimal untersucht.

Von den in der Studie Untersuchten befanden sich 42 Prozent im Stadium A. Das heißt: Sie haben einen oder mehrere Risikofaktoren für Herzschwäche, aber im Ultraschall ein normales Erscheinungsbild des Herzens. Mit 45 Prozent am meisten verbreitet ist der Risikofaktor Bluthochdruck. An zweiter Stelle steht mit 20 Prozent starkes Übergewicht. Diese Risikofaktoren findet man bereits zu einem erheblichen Teil in jüngeren Menschen von 30 bis 39 Jahren; elf Prozent hatten Bluthochdruck, zehn Prozent Adipositas.

Sind 60 Prozent der Bevölkerung herzkrank?

Weitere 17 Prozent der Studienteilnehmer sind bereits im Stadium B: Bei ihnen wurde im Ultraschall eine strukturelle Veränderung am Herzen gefunden, die noch keine Symptome verursacht, zum Beispiel verdickte Herzwände, erweiterte Herzkammern oder Einschränkungen der Pump- oder Füllungsfunktion.

Bedeutet das, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung für herzkrank erklärt werden? „Nein!“, sagt Götz Gelbrich, Professor für Biometrie am IKE-B. „Die Stadien A und B sind Vorstufen einer Herzinsuffizienz. So wie Sehschwäche nicht zwingend Blindheit zur Folge hat, so mündet eine Vorstufe der Herzinsuffizienz nicht zwingend in eine klinische Herzschwäche. Aber so wie die Sehschwäche ein Warnzeichen ist, das ärztlich abgeklärt werden sollte, so sind auch die Stadien A und B der Herzinsuffizienz Warnzeichen, die ernst genommen werden sollten, zumal diese Risiken auch zahlreiche andere gesundheitliche Folgen haben können. Bluthochdruck kann Schlaganfall, Nierenversagen und viele andere Organschäden verursachen. Starkes Übergewicht kann zu Diabetes, Arteriosklerose, Bluthochdruck und orthopädischen Problemen führen, um nur einige zu nennen.“


Suche nach dem unbekannten Risikofaktor

Für eine Überraschung sorgte ein Sachverhalt, der in den Daten festgestellt wurde: Etwa jeder dritte Teilnehmer im Stadium B hatte keinen der bekannten Risikofaktoren, der für Stadium A qualifizieren würde. Diese Subgruppe scheint die Vorstellung von der Entstehung der Herzschwäche in Frage zu stellen: vom Risikofaktor (Stadium A) über die Veränderung der Herzstruktur (Stadium B) zur klinisch manifesten Herzinsuffizienz (Stadium C). Diese Subgruppe war mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren auffällig jung und vorwiegend weiblich (78%).

Was schädigt vor allem die Herzen jüngerer Frauen? Dr. Caroline Morbach, Kardiologin und Studienärztin am DZHI: „Wir können uns derzeit nicht erklären, was dazu beiträgt, dass so viele überwiegend jüngere Frauen eine vergrößerte linke Herzkammer haben, ohne dass wir einen der bekannten Risikofaktoren finden. Wir haben sehr viele Faktoren unter die Lupe genommen, Alkohol, Bewegung, Depression, eine Anämie, also einen Mangel an rotem Blutfarbstoff, der den Sauerstoff transportiert. Aber wir haben keine eindeutige Ursache gefunden. Die B-Gruppe ohne klassischen Risikofaktor lebt sogar tendenziell gesünder als die Studienteilnehmer, die eine normale Größe und Funktion des Herzens aufweisen.“

Stefan Störk ergänzt: „Es liegt nahe, dass es Risikofaktoren gibt, die bislang nicht als solche bekannt sind und nach denen daher bisher auch in der Vorsorge nicht gesucht wird. Das zeigt uns, dass bei dieser Gruppe die derzeitigen Präventionsmaßnahmen nicht greifen.“

Was ist, wenn die Grenzwerte nicht stimmen?

Götz Gelbrich neigt eher zu skeptischen Interpretationen: „Das kann sein, aber was ist, wenn die Grenzwerte nicht stimmen? Die Grenzwerte, jenseits derer ein Messwert aus dem Ultraschall als abnormal gilt, sind unterschiedlich für Männer und Frauen. Wir müssen klären, ob die Messwerte der Betroffenen tatsächlich eine ungünstige Prognose darstellen, oder ob nur die Grenzwerte unglücklich festgelegt wurden.“

In einem ist sich das Studienteam aber einig: Ein statistischer Zufall ist aufgrund der Auswertungsmethodik eher unwahrscheinlich. Die Forscher hatten nämlich zunächst die erste Hälfte der Studienteilnehmer analysiert und statistisch auffällige Sachverhalte als Hypothesen formuliert. Diese wurden dann am zweiten Teil überprüft und nur bei einer Bestätigung als Tatsachen gewertet. Auf diese Weise wird weitgehend vermieden, statistische Auffälligkeiten in den Daten vorschnell als neue Entdeckungen zu präsentieren.

Peter U. Heuschmann resümiert: „Im Rahmen der geplanten Folgeuntersuchungen aller Studienteilnehmer werden wir zum einen untersuchen, ob diese spezielle Gruppe wirklich ein höheres Risiko hat, eine Herzschwäche zu entwickeln, und zum anderen der Frage nach weiteren möglichen Risikofaktoren detailliert nachgehen.“

Studienteam hofft auf weiterhin große Bereitschaft der Würzburger

Die Folgeuntersuchungen der Studienteilnehmer sollen im Abstand von drei bis vier Jahren stattfinden. Die erste Welle war bereits in vollem Gange: Mehr als 3.000 Probanden hatten erfreulicherweise schon ihren Folgetermin. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Untersuchungen im Interesse der Sicherheit aller Beteiligten unterbrochen. Das Studienteam wünscht allen STAAB-Teilnehmern, diese Zeit gut zu überstehen, und hofft auf die weiterhin große Bereitschaft der vielen Würzburger, die Gesundheitsforschung durch ihre Teilnahme zu unterstützen.

Publikation der Studie "Prevalence and determinants of the precursor stages of heart failure: results from the population-based STAAB cohort study” im European Journal of Preventive Cardiology: https://doi.org/10.1177/2047487320922636


Informationen zu den Stadien A, B, C und D

Die amerikanischen kardiologischen Fachgesellschaften haben eine Einteilung in Stadien definiert, welche die Ausbildung einer Herzinsuffizienz als langfristigen Prozess abbildet. Wer klinische Anzeichen hat, vor allem Luftnot bei körperlicher Belastung, und krankhafte Veränderungen im Herzultraschall, wird in Stadium C eingestuft. Patienten mit schweren körperlichen Einschränkungen – für sie ist das Aufstehen von einem Stuhl oder das Gehen auf kurzen Strecken mühsam - werden dem Stadium D zugeordnet. Im Stadium A hat ein Patient einen oder mehrere Risikofaktoren, zum Beispiel starkes Übergewicht (BMI von mehr als 30kg/m2, Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Arteriosklerose. Im Stadium B liegt eine Veränderung am Herzen vor, die im Ultraschall messbar ist, wovon der Betroffene jedoch zunächst nichts verspürt. Dies kann eine anatomische Veränderung sein - vergrößertes Herz, verdickte Herzwände - oder eine funktionelle Störung wie etwa eine verminderte Pumpfunktion oder eine reduzierte Füllung der linken Herzkammer.

Pressemitteilung als PDF.

 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg: Auszeichnung für Krebsforscherin

Dr. Barbara Altieri hat den von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie verliehenen Anke-Mey-Preis für maligne Nebennieren-Erkrankungen erhalten. Ausgezeichnet wurde damit eine von ihr im Februar veröffentlichte Studie.

 

Die Diagnose „Nebennierenkrebs“ wird vergleichsweise selten gestellt: Ein bis zwei unter einer Million Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Krebsart. Ihre Überlebensrate schwankt stark. Gut ein Fünftel aller Patienten stirbt innerhalb der ersten zwei Jahre. Auf der anderen Seite leben gut zehn Prozent der Patienten, bei denen bereits bei der Erstdiagnose Metastasen festgestellt wurden, auch noch fünf Jahre später.

Was die Behandlung erschwert: Es gibt derzeit für das Nebennierenkarzinom keine zuverlässigen molekularen Prognosefaktoren, keine Prädiktoren für das Ansprechen auf eine Behandlung, keine wirksame zielgerichtete Krebstherapie und keinen personalisierten Behandlungsansatz.

Und auch die Behandlung mit dem einzigen zugelassenen Medikament, dem Wirkstoff Mitotane, verspricht keinen zuverlässigen Erfolg: Nur etwa 30 Prozent der Patienten profitieren davon. Dabei leiden sie häufig unter schweren Nebenwirkungen – angefangen bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfall über Stoffwechselstörungen bis hin zu Störungen des zentralen Nervensystems. Nicht wenige Patienten brechen deshalb die Behandlung vorzeitig ab.

Publikation in der Fachzeitschrift „Cancers“

Biomarker zu identifizieren, die eine Vorhersage ermöglichen, bei welchen Patienten Mitotane anspricht und bei welchen nicht: Das war das Ziel einer internationalen Multicenter-Studie, die der Schwerpunkt Endokrinologie & Diabetologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I unter der Leitung von Dr. Cristina Ronchi und Professor Martin Fassnacht koordinierte. Dr. Barbara Altieri hat die Ergebnisse ausgewertet und in der Fachzeitschrift Cancers Anfang des Jahres veröffentlicht.

Dafür wurde sie jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie mit dem Anke-Mey-Preis ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis geht an herausragende wissenschaftliche Originalarbeiten auf dem Gebiet maligner Nebennierenerkrankungen. Gestiftet hat ihn Anke Mey nach ihrer Genesung von einer solchen Erkrankung. Anliegen der Stifterin ist es, sowohl die Ursachen als auch mögliche Therapien dieser Krankheiten zu erforschen, damit mehr Patienten behandelt und geheilt werden können.

Studie mit 182 Patienten

Im Mittelpunkt der Studie mit 182 Patientinnen und Patienten standen Mitglieder der sogenannten „CYP-Superfamilie“. Dabei handelt es sich um das wichtigste Enzymsystem im menschlichen Körper, das an der Verstoffwechslung körpereigener wie auch von außen zugeführter Substanzen – und damit auch von Arzneimitteln – beteiligt ist. „Mitglieder der CYP-Superfamilie sind weit verbreitet und beeinflussen in der Regel die katalytische Aktivität des Enzyms, wodurch der Arzneimittelstoffwechsel modifiziert wird, was zu therapeutischem Versagen oder verstärkten Nebenwirkungen führen kann“, erklärt Barbara Altieri.

Vier potenzielle Marker haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter die Lupe genommen und deren feine genetische Variabilität zwischen Patienten in Korrelation gesetzt mit dem jeweiligen Stadium der Krebserkrankung sowie dem Erfolg der Mitotane-Therapie. Dabei zeigte sich, dass die Marker in unterschiedlicher Kombination und je nach Stadium der Krankheit sich mal besser, mal schlechter zur Vorhersage des Therapieerfolgs eignen.

Mit diesem Wissen können sie nun so eingesetzt werden, dass die jeweiligen Werte Prognosen darüber erlauben, ob ein Patient eine gute Chance hat, dass bei ihm Mitotane wirkt. Dies sei ein erster Schritt hin zu einer personalisierten Mitotan-Therapie bei Patienten mit Nebennierenkrebs.

Originalpublikation

Effects of Germline CYP2W1*6 and CYP2B6*6 Single Nucleotide Polymorphisms on Mitotane Treatment in Adrenocortical Carcinoma: A Multicenter ENSAT Study. Barbara Altieri, Silviu Sbiera, Sabine Herterich, Silvia De Francia, Silvia Della Casa, Anna Calabrese, Alfredo Pontecorvi, Marcus Quinkler, Tina Kienitz, Massimo Mannelli, Letizia Canu, Anna Angelousi, Vasileios Chortis, Matthias Kroiss, Massimo Terzolo, Martin Fassnacht and Cristina L. Ronchi. Cancers 2020, 12, 359; doi:10.3390/cancers12020359

Kontakt

Dr. Barbara Altieri, Medizinische Klinik und Poliklinik I, E-Mail: altieri_b@ ukw.de