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Interview: Mit der neuen Pflegeausbildung gezielt berufliche Handlungskompetenz erwerben

Im September dieses Jahres startet der neue Ausbildungsberuf zur/zum Pflegefachfrau/Pflegefachmann am Staatlichen Schulzentrum für Gesundheitsberufe Würzburg. Im Interview beantwortet dessen Leiterin, Christine Hildebrandt, Fragen zu dieser zukunftsweisenden, generalistischen Karrierechance.

Frau Hildebrandt, was ist denn nun neu an der neuen Pflegeausbildung?

Christine Hildebrandt: Aus drei Berufen entsteht ein Beruf: Die Pflegefachfrau/der Pflegefachmann. Mit diesem Abschluss kann man sowohl in der Altenpflege, in der Kinderkrankenpflege wie in der Pflege des Erwachsenen arbeiten. Damit verbunden sind ein neuer Lehrplan mit neuem pädagogischem Konzept sowie viele organisatorische, rechtliche und finanzielle Änderungen.


Gibt es für die neuen Pflegefachkräfte dennoch Spezialisierungen?

Hildebrandt: Ja, durch die Vertiefungsgebiete. Wir bieten die Vertiefungen Pflege am Kind und Pflege am Erwachsenen an.


Wie unterscheidet sich dabei die Ausbildung?

Hildebrandt: Wer „Pflege am Kind“ wählt, verbringt im praktischen Einsatz mehr Zeit in der Kinderklinik. Wer „Pflege am Erwachsenen“ wählt, ist länger auf den allgemeinen Stationen.


Welche praktischen Einsätze sind außerdem vorgesehen?

Hildebrandt: In der Altenpflege, in der ambulanten Pflege –- d.h. in Sozialstationen – und in der Psychiatrie.


Am Uniklinikum Würzburg gibt es ja keine Altenpflegeplätze. Wie funktioniert das dann?

Hildebrandt: Wir kooperieren mit externen Einrichtungen wie der AWO, der Caritas und dem Kommunalunternehmen Würzburg. Unsere Schülerinnen und Schüler lernen dort die Pflege kennen. Im Austausch kommen Schülerinnen und Schüler dieser Einrichtungen ans Uniklinikum Würzburg.


Was ändert sich im Unterricht?

Hildebrandt: Die Schülerinnen und Schüler lernen exemplarisch anhand von konkreten beruflichen Situationen, zum Beispiel „Badeunfall“ oder „Im Leben mit Demenz unterstützen“. Aus den einzelnen Fächern wird dann das jeweilig Relevante erarbeitet, also beispielsweise medizinisches Fachwissen, pflegerische Fertigkeiten, rechtliche Grundlagen und soziale Fähigkeiten. Nicht mehr die einzelnen Fachsystematiken stehen im Vordergrund, sondern das konkrete berufliche Problem, das zu lösen ist. Das Besondere ist, dass der schuleigene Lehrplan von den Lehrkräften gemeinsam entwickelt wurde.


Wie verändert sich das Würzburger Schulzentrum räumlich?

Hildebrandt: Die Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege zieht im September 2020 aus ihren Räumen am Berliner Platz aus und kommt mit in das Gebäude der jetzigen Krankenpflegeschule am Straubmühlweg. Derzeit wird dort fleißig umgebaut, so dass im Herbst genügend Klassenzimmer und Büros für die Lehrkräfte zur Verfügung stehen werden.


Wie stehen die Lehrkräfte zu der Veränderung?

Hildebrandt: Am Anfang waren schon viele traurig und hätten lieber in der gewohnten Art und Weise weitergearbeitet. Dadurch, dass wir seit eineinhalb Jahren gemeinsam mit allen Lehr- und Verwaltungskräften die neue Pflegeschule entwickelt haben und beide Teams sich stark in die Entscheidungen und in die Gestaltung eingebracht haben, ist aus meiner Sicht jetzt ein tolles neues Team gewachsen. Inzwischen sind alle auf den Beginn der neuen Ausbildung gespannt und freuen sich, wenn es im September losgeht.


Wer leitet die neue Pflegeschule?

Hildebrandt: Das machen Amal Abbas Harraz, die Leiterin der Kinderkrankenpflege, und Frank Engels, der Leiter der Krankenpflegeschule, gemeinsam als „Doppelspitze“.


Was gewinnen die Schülerinnen und Schüler durch die neue Ausbildung?

Hildebrandt: Weniger pauken, mehr lernen im Sinne von „berufliche Handlungskompetenz erwerben“. Der Unterricht orientiert sich an echten beruflichen Situationen, nicht an Fachsystematik. Praxis und Theorie sind unmittelbar verknüpft. Die Praxisanleiterinnen und -anleiter des Uniklinikums auf den Stationen können durch das neue Pflegegesetz die Schülerinnen und Schüler länger und intensiver begleiten.


Was bringt die neue Ausbildung nach dem Examen?

Hildebrandt: Wie schon gesagt, kann man mit dem Abschluss „Pflegefachfrau/-mann“ in allen drei Bereichen arbeiten. Zudem ist der Abschluss europaweit anerkannt. Das Besondere ist, dass den so ausgebildeten Frauen und Männern bestimmte Aufgaben vorbehalten sind, wie zum Beispiel die Pflegeplanung. Das stärkt auch die Pflege gegenüber anderen Berufsgruppen wie der Ärzteschaft.


Was wünschen Sie sich persönlich?

Hildebrandt: Dass alles klappt bis zum Start am 8. September – also der Umbau, der Umzug, keine neue Corona-Welle usw.


Worüber freuen Sie sich bei dem Projekt?

Hildebrandt: Dass so viele Lehrkräfte und Verwaltungskräfte so ausdauernd, kreativ und fleißig mit an der neuen Schule arbeiten und sie mitgestalten. Das finde ich richtig toll – das bewegt mich!

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Christine Hildebrandt, die Leiterin des Staatlichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Würzburg. Bild: Reiner Gerber
Als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann kann man sowohl in der Kinderkrankenpflege, in der Pflege des Erwachsenen wie auch in der Altenpflege arbeiten. Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg
Baustellenbesichtigung: Aus dem ehemaligen Speisesaal der Krankenpflegeschule am Straubmühlweg in Würzburg entstehen Klassenzimmer und Büros – von links: Florian Geißler, stellv. Schulleiter des Staatlichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Würzburg (BSZG), Amal Abbas Harraz, Leiterin der Kinderkrankenpflegeschule, Bertram Bräutigam, Leiter des Geschäftsbereichs Technik und Bau des Uniklinikums Würzburg, Stephan Haas, Architekt, Michael Kuhlmann, stellv. Leiter der Krankenpflegeschule, Frank Engels, Leiter der Krankenpflegeschule, Christine Hildebrandt, Schulleiterin des BSZG. Bild: Carina Bischof / Uniklinikum Würzburg

Universität Würzburg: Spezifisches Steuerungsmolekül in Blutplättchen identifiziert

Das bislang weitgehend unbekannte Molekül namens bridging integrator 2 (BIN2) spielt bei der Aktivierung der Blutplättchen eine zentrale Rolle, wie Würzburger Forscherinnen und Forscher jetzt in einem Gemeinschaftsprojekt des DFG-Sonderforschungsbereichs / Transregio 240 und des Universitätsklinikums Würzburg zeigen konnten.

Kalzium ist in fast allen Zellen ein wichtiges Signalmolekül. Auch Blutplättchen, in der Fachsprache Thrombozyten genannt, werden durch Kalzium aktiviert und tragen dann zur Blutstillung und zum Wundverschluss bei. Allerdings kann eine fehlgeleitete Aktivierung der Blutplättchen durch unkontrollierte Kalzium-Signale auch zu akut lebensbedrohlichen Ereignissen wie Thrombosen, Herzinfarkten und Schlaganfällen führen, sowie Entzündungsreaktionen in den Blutgefäßen auslösen.

Mitspieler der Thrombozyten-Aktivierung identifiziert

Bisher war vor allem das Molekül stromal interaction molecule 1 (STIM1) als essentieller Baustein bei der Regelung von Kalziumsignalen bekannt. Allerdings hat es diese Funktion in fast allen Zellen des Körpers inne und ein Verlust von STIM1 hat daher starke Auswirkungen wie die Schwächung des Immunsystems. Aus diesem Grund eignet es sich nicht als Zielstruktur für die Entwicklung von Medikamenten.

„In unserer Studie konnten wir das bisher recht unbekannte Molekül BIN2 als neuen Interaktionspartner von STIM1 in Blutplättchen identifizieren und darüber hinaus zeigen, dass BIN2 auch mit einem weiteren Baustein der Kalzium-Maschinerie interagiert“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg. Das Besondere an BIN2 ist, dass es sehr spezifisch in Blutplättchen vorkommt und nicht, wie STIM1, in vielen anderen Zellen. „Dadurch können wir die Thrombozyten zielgenau ansteuern, ohne die Funktionen in anderen Zellen zu stören“, ergänzt Doktorandin Julia Volz, die entscheidend an der Studie mitwirkte.

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Die Entdeckung wurde durch die Zusammenarbeit mehrerer Forschungsgruppen aus dem
Sonderforschungsbereich Transregio 240, der Universität Würzburg und des Uniklinikums Würzburg und deren breites Methodenspektrum möglich. „Durch Superhochauflösende
Fluoreszenzmikroskopie konnten wir nachweisen, dass die Moleküle STIM1 und BIN2 im Plättchen in gewissen Abständen kolokalisieren und damit die biochemischen Daten untermauern“, erklärt Charly Kusch, der ebenfalls als Doktorand maßgeblich an der Arbeit beteiligt war.

Mäuse ohne BIN2 sind vor schweren Verläufen des Schlaganfalls geschützt

Mäuse die kein BIN2 haben weisen stark reduzierte Kalziumsignale in den Thrombozyten auf. Dadurch kommt es in ihren Blutgefäßen nach Beschädigung der Gefäßwand zu kleineren Blutgerinnseln, die Tiere sind teilweise geschützt vor arterieller Thrombose und Schlaganfälle haben einen milderen Verlauf. Das zeigt, dass Moleküle wie BIN2 ein Ansatzpunkt für die Medikamentenentwicklung gegen Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle sein könnten. Dazu müssen nun die genauen molekularen Mechanismen und weitere Interaktionspartner untersucht werden.

Publikation
Julia Volz, Charly Kusch, Sarah Beck, Michael Popp, Timo Vögtle, Mara Meub, Inga Scheller, Hannah S.Heil, Julia Preu, Michael K. Schuhmann, Katherina Hemmen, Thomas Premsler, Albert Sickmann, Katrin G. Heinze, David Stegner, Guido Stoll, Attila Braun, Markus Sauer, Bernhard Nieswandt: BIN2 orchestrates platelet calcium signaling in thrombosis and thrombo-inflammation The Journal of Clinical Investigation

Die Forschung wurde gefördert durch
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Europäische Union (Thrombo-Inflame, EFRE –
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, Bavaria), die German Excellence Initiative to the Graduate School of Life Sciences, University of Würzburg, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Personen
Prof. Dr. Bernhard Nieswandt ist Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin mit
Schwerpunkt Vaskuläre Biologie und Leiter des Instituts für Experimentelle Biomedizin, das vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und dem Rudolf-Virchow-Zentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg gemeinsam getragen wird. Er ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs/Transregio 240, der seit 2018 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

Julia Volz forschte bis Mai 2020 in der Arbeitsgruppe Nieswandt am Rudolf-Virchow-Zentrum der
Universität Würzburg.
Charly Kusch forscht in der Arbeitsgruppe Nieswandt am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität
Würzburg.

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Über das Rudolf-Virchow-Zentrum
Das Rudolf-Virchow-Zentrum gehört als zentrale Einrichtung zur Universität Würzburg. Die
Forschungsgruppen arbeiten auf dem Gebiet der Schlüsselproteine, die für die Funktion von Zellen und damit für Gesundheit und Krankheit besonders wichtig sind.
 
Kontakt

Prof. Dr. Bernhard Nieswandt (Rudolf-Virchow-Zentrum und Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin, Universitätsklinikum Würzburg) Tel. +49 (0)931 31 80406, bernhard.nieswandt@ uni-wuerzburg.de

Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel. +49 931 31-85822, judith.flurer@ uni-wuerzburg.de

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Aufklärung der Kolokalisierung von BIN2 (grün) und STIM1 (magenta) mit Hilfe von superhochauflösender Fluoreszenzmikroskopie (dSTORM) im aktivierten Blutplättchen.

Internationaler Beirat stellt DZHI erstklassiges Zeugnis aus

Vor zehn Jahren wurde das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) in Würzburg gegründet und als eines von insgesamt acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren (IFB) in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Zum Ende der Bundesförderung zieht der wissenschaftliche Beirat mit insgesamt 14 namhaften Medizinern aus ganz Europa Bilanz. „Das DZHI hat sich in den letzten zehn Jahren ausgezeichnet entwickelt. Es ist gelungen, eine einzigartige Struktur zu etablieren, die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine Forschung nutzt, die von grundlegenden Mechanismen über neuartige Diagnosemethoden bis hin zum klinischen Management und speziellen Patientenversorgungsprogrammen reicht“, resümiert der Vorsitzende des External Scientific Advisory Boards (ESAB), Prof. Dr. Huibert Pols, ehemaliger Rektor der Erasmus Universität Rotterdam. „Die Ergebnisse bestätigen, dass sowohl das DZHI selbst als auch das IFB-Förderprogramm des BMBF insgesamt Erfolgsgeschichten sind.“ Das ESAB sieht viele weitere Potenziale basierend auf der interdisziplinären Zusammenarbeit im Zentrum und die exzellente Vernetzung mit anderen Gruppen auf dem Würzburger Campus und weltweit.

Die Departments und Forschungsgruppen haben dem Beirat zufolge beeindruckende Ergebnisse geliefert. Zu den Highlights zählen neue Einblicke in die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Herzinsuffizienz und psychiatrischen und neurologischen Störungen, die Inbetriebnahme des 7 Tesla-MRT für die kardiovaskuläre Bildgebung beim Menschen, der Aufbau einer translationalen Forschungsinfrastruktur, die Einrichtung eines Zentrums für genetisch bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die STAAB-Studie mit 5.000 Teilnehmern aus der Würzburger Bevölkerung zur Analyse der Entwicklung früher Stadien der Herzinsuffizienz.

Das übergeordnete Thema des DZHI ist die Vorbeugung und Behandlung von Herzinsuffizienz und ihren Komplikationen als systemische Erkrankung. Entsprechend liegt ein besonderer Fokus der aktuellen und zukünftigen Forschung auf der Interaktion zwischen Herz und anderen Organen und insbesondere auf dem Zusammenspiel von neuroendokriner Aktivierung, Entzündung und Stoffwechsel. Dem Konzept, das als „Herzinsuffizienz-Schnittstellen“ (Heart Failure Interfaces) zusammengefasst wird, spricht der wissenschaftliche Beirat großes Potenzial zu.  „Das DZHI und die damit verbundenen Institute und Kliniken sind jetzt in einer hervorragenden Position, um sich interdisziplinär auf diese neuartigen Forschungsbereiche zu konzentrieren“, stellt Huibert Pols fest. Die Zusammenarbeit von Kardiologen mit Forschern aus Fächern, die normalerweise nicht primär auf dem Gebiet der Herzkrankheiten tätig sind, zum Beispiel Psychiatern, Neurologen, Physikern oder Psychologen ist international einmalig.

Ein weiterer starker Schwerpunkt des DZHI ist die Einrichtung neuer Patientenversorgungsprogramme. Sie reichen von der individuellen Patientenversorgung bis zur Etablierung fortschrittlicher Netzwerke in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, für die das DZHI deutschlandweit die Ausbildung von Pflege- und Assistenzpersonal speziell für die Behandlung von Herzinsuffizienz durchführt.

Auch die Förderung junger Forscher sowie die Aktivitäten, um das Wissen über das Krankheitsbild und entsprechende Präventionsmaßnahmen zu verbreiten, wurden lobend hervorgehoben. „Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Aktivitäten auch nach Auslaufen der Bundesförderung auf ähnliche Weise in Zukunft weiter durchgeführt werden können“, gibt Huibert Pols mit auf den Weg.

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Uniklinikum Würzburg: Medikamenten-Duo gegen Lymphknotenkrebs sehr erfolgreich

Die multizentrische Phase-2-Studie L-MIND zeigte, dass Patienten mit einem wiederkehrenden oder therapieresistenten diffus großzelligen B-Zell-Lymphom von einer Kombinationstherapie aus dem Antikörper Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid deutlich profitieren können. Auch die Langzeitanalyse bestätigte diese exzellenten Daten. Die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg hatte einen maßgeblichen Anteil sowohl an der Studie, wie auch an der kürzlich erfolgten Veröffentlichung in der Zeitschrift Lancet Oncology.

„Alles deutet daraufhin, dass wir mit der Kombination aus dem Antikörper Tafasitamab und dem Immunmodulator Lenalidomid Patienten mit aggressivem B-Zell-Lymphom zukünftig eine aussichtsreiche, vergleichsweise gut verträgliche und chemotherapie-freie Behandlungsoption anbieten können“, freut sich Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) bezieht sich damit auf die Ergebnisse der Phase-2-Studie L-MIND. Seine Klinik hatte sieben von insgesamt 80 teilnehmenden Patienten und damit den größten Anteil in das multizentrische, internationale Forschungsvorhaben eingeschlossen. Sie stellt mit Oberarzt Dr. Johannes Düll, Leiter der Studie am UKW, einen der Erstautoren der dazugehörigen Publikation, die im Juni dieses Jahres in der hoch renommierten britischen Fachzeitschrift Lancet Oncology erschien.

Bislang nur beschränkte Therapieoptionen
An der Studie konnten Patienten mit einem wiederkehrenden oder therapieresistenten diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) teilnehmen, die nicht für eine Stammzelltransplantation in Frage kamen. DLBCL ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Diese aggressive Form des Lymphdrüsenkrebses schreitet schnell voran und ist vor allem bei einem Rezidiv sehr schwer zu behandeln. „Für die bei der Studie selektierten Patienten bietet die CAR-T-Zell-Therapie aktuell nur in ausgewählten Fällen eine vernünftige Option“, schildert Prof. Einsele. Diese Therapie geht beim Rezidiv des DLBCL laut Dr. Düll einher mit einem gewissen Risikoprofil, ist komplex und zeitintensiv. Hier spielt nach seinen Worten die neue Medikamentenkombination ihre Vorteile aus. Sie erfordert keine Chemotherapie, zeigt eine sehr gute Verträglichkeit, ist sofort einsetzbar und kann ambulant gegeben werden.

Zielmolekül CD19 als Angriffspunkt
Bei der Studie erhielten die Patienten mindestens eine Dosis sowohl von Tafasitamab als auch von Lenalidomid. „Tafasitamab ist ein humanisierter, monoklonaler Antikörper in klinischer Entwicklung. Er richtet sich gegen das Zielmolekül CD19, das unter anderem auf der Oberfläche von bösartigen B-Zellen breit exprimiert wird und so einen geeigneten Angriffspunkt bildet“, erläutert Dr. Düll und fährt fort: „Das parallel verabreichte Lenalidomid ist ein für die Behandlung von Multiplem Myelom bereits zugelassener Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren. Es stimuliert das eigene Immunsystem, um die Wirkung des Antikörpers zu verstärkten.“

Bislang unerreichte Wirksamkeit
Bei der Studie zeigten 61 Prozent der Patienten ein Ansprechen auf die Therapie und bei 43 Prozent konnte kein aktiver Tumor mehr nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse sind vergleichbar gut wie bei der CAR-T-Zell-Therapie und ebenfalls langanhaltend. „Diese sehr hohe Wirksamkeit geht weit über das hinaus, was man bisher beim Einsatz von Antikörpern bei aggressiven Lymphomen gesehen hat“, zeigt sich Prof. Einsele – wie viele andere Blutkrebsexperten weltweit – sehr beeindruckt. „Die Kombination von Tafasitamab und Lenalidomid wurde gerade von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen und wird die Therapie des DLBCL entscheidend verändern“, ist sich der Würzburger Krebsexperte sicher. Dr. Düll arbeitet im Rahmen von First mind – einer weiteren Studie – bereits daran, diese Medikamentenkombination schon bei der Erstdiagnose zu testen.


Literatur:
Tafasitamab plus lenalidomide in relapsed or refractory diffuse large B-cell lymphoma (L-MIND): a multicentre, prospective, single-arm, phase 2 study.

Salles G, Duell J, González Barca E, Tournilhac O, Jurczak W, Liberati AM, Nagy Z, Obr A, Gaidano G, André M, Kalakonda N, Dreyling M, Weirather J, Dirnberger-Hertweck M, Ambarkhane S, Fingerle-Rowson G, Maddocks K.
Lancet Oncol. 2020 Jul;21(7):978-988. doi: 10.1016/S1470-2045(20)30225-4. Epub 2020 Jun 5.
PMID: 32511983

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Würzburger Forscher erzielen Durchbruch im Verständnis des Schlaganfalls

Einem interdisziplinären Forscherteam des Uniklinikums Würzburg ist es gelungen, im Gehirn direkt nach einem Blutgefäßverschluss ein neues Bindemolekül (CD84) zu entdecken. Es steuert das Zusammenspiel zwischen Thrombozyten und bestimmten Entzündungszellen in der Frühphase nach dem Schlaganfall. CD84 ist somit ein neuer, vielversprechender Ansatz für die zukünftige Medikamentenentwicklung in der Schlaganfalltherapie.

Ischämische Schlaganfälle entstehen durch den plötzlichen Verschluss eines hirnversorgenden Blutgefäßes. „Zwar können wir mit einem winzigen Katheter den Gefäßverschluss eröffnen und damit gerade schwer betroffenen Patienten wirkungsvoll helfen. Dennoch bleiben viele Patienten, bei denen auch die Gefäßwiedereröffnung nicht genug Gehirngewebe retten kann“, schildert Prof. Dr. Mirko Pham, der Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie am Uniklinikum Würzburg (UKW). Mit den Gründen hierfür beschäftigte sich ein interdisziplinäres Forscherteam des UKW unter Beteiligung von Experten der Neurologie und Neuroradiologie sowie des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie und des Instituts für experimentelle Biomedizin der Uni Würzburg. Die in der Studie gewonnenen, wegweisenden Erkenntnisse publizierten sie Ende Juli dieses Jahres in der Online-Ausgabe von „Circulation Research“, einem der weltweit führenden wissenschaftlichen Fachmagazine für Herz-Kreislauf- und Schlaganfallerkrankungen.

 

Gewebszerstörende Prozesse laufen trotz Wiedereröffnung weiter

„Grundsätzlich geht man davon aus, dass trotz Wiederherstellung des Blutflusses in der Mikrozirkulation, d.h. dem nachgeschalteten Geflecht kleiner Gefäße im Gehirn, gewebszerstörende Prozesse einfach weiterlaufen und dadurch in vielen Fällen die Rettung von Hirngewebe verhindert oder zunichtegemacht wird“, erklärt Prof. Dr. Guido Stoll, Leiter der AG Schlaganfall und Neuroinflammation der Neurologischen Klinik des UKW.

 

CD84 steigert die Aktivität von Entzündungszellen

„Aus früheren Studien wissen wir, dass durch Thrombozyten – also Blutplättchen – und Lymphozyten gelenkte Entzündungsprozesse entscheidend für das fortschreitende Infarktwachstum sind“, berichtet Dr. Michael Schuhmann. Der Leiter des Klinischen Labors der Neurologischen Klinik und Erstautor der Studie fährt fort: „Wir konnten jetzt mit CD84 das erste Molekül entdecken, das die Aktivität von Thrombozyten und T-Lymphozyten direkt nach einem akuten Schlaganfall verknüpft.“ Die Wissenschaftler arbeiteten zunächst mit Mäusen, denen das Gen für CD84 fehlt. Bei den Tieren waren die Hirnschäden nach einem Schlaganfall deutlich reduziert und es wurden deutlich weniger dieser spezifischen Entzündungszellen vom minderdurchbluteten Gehirn angelockt. Mithilfe von Zellkulturexperimenten konnte dann gezeigt werden, dass das von Thrombozyten freigesetzte CD84-Molekül die Aktivität von T-Lymphozyten steigert.

 

Blutproben aus dem Gehirn

Eine Besonderheit dieser Arbeit ist es, dass dieses Molekül nicht nur durch experimentelle Grundlagenforschung entdeckt wurde, sondern auch unmittelbar im Schlaganfall beim Menschen nachgewiesen wurde. Dies gelang durch die Mikrokatheter, mit denen auch die Behandlung zur Gefäßwiedereröffnung durchgeführt wird. Mit ihnen konnten die Würzburger Wissenschaftler unschädlich wenige Tropfen Blut genau aus dem minderdurchbluteten Gehirnareal abnehmen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Große Mengen von CD84 auf der Thrombozytenoberfläche korrelieren mit einem schlechten neurologischen Ergebnis bei Schlaganfallpatienten.

Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, Sprecher des Würzburger Sonderforschungsbereichs (SFB) Transregio 240, der an der Studie maßgeblich beteiligt ist, betont, dass „diese Arbeit ohne die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Transregio 240 nicht möglich gewesen wäre und die Stärke der Verbundforschung unterstreicht.“

 

Vielversprechende Therapieidee: CD84 blockieren

Zusammengenommen erscheint CD84 als vielversprechender Ansatz für zukünftige Medikamente in der Schlaganfalltherapie. Derzeit arbeiten die Würzburger Forscher an gegen CD84 gerichtete Antikörper – der erste wichtige Schritt in der konkreten Medikamentenentwicklung. Besonders in der Schlaganfallforschung kommt der Sicherheit neuer Medikamente eine entscheidende Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund sagt Dr. David Stegner, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Experimentelle Biomedizin und Letztautor der Studie: „Das Fehlen von CD84 wirkt sich nicht auf die Blutungsneigung von Mäusen aus. Daher gehen wir davon aus, dass eine Blockade von CD84 nicht zu Blutungskomplikationen bei Patienten führen würde.“ Nach seinen Worten spricht vieles dafür, dass CD84 nicht nur beim Schlaganfall, sondern auch bei vielen anderen häufigen und schwerwiegenden Gefäßerkrankungen eine wichtige Rolle spielt. „Das erforschen wir zurzeit im Verbund mit verschiedenen Disziplinen der medizinischen Forschung“, so Dr. Stegner.

 

Literatur:

 

Schuhmann MK, Stoll G, Bieber M, Vögtle T, Hofmann S, Klaus V, Kraft P, Seyhan M, Kollikowski AM, Papp L, Heuschmann P, Pham M, Nieswandt B, Stegner D. „CD84 links T cell and platelet activity in cerebral thrombo-inflammation in acute stroke“. Circulation Research, 30. Juli 2020, https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.120.316655

 

Förderung:

 

Finanziell gefördert wurde die Arbeit im Würzburger Sonderforschungsbereich TR/SFB 240, der sich mit der Rolle von Thrombozyten in verschiedenen Erkrankungen befasst. 

 

Kontakt:

 

Dr. David Stegner, Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin, Uniklinikum Würzburg, Tel: 0931 31-80419, E-Mail: stegner@ virchow.uni-wuerzburg.de

 

 

 

 

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CD84 ein Rezeptor, der auf Thrombozyten und Entzündungszellen vorliegt spielt eine große Rolle beim Infarktwachstum im Schlaganfall. Die einzelnen Schritte sind in der Abbildung veranschaulicht. 1) Ein Blutgerinnsel führt zum Gefäßverschluss und wird entfernt, um die Blutversorgung wiederherzustellen. 2) Im minderversorgtem Gewebe spalten Thrombozyten (grau) den Rezeptor CD84 (rot) ab, woraufhin lösliches CD84 entsteht. 3) Lösliches CD84 bindet an CD84 auf T-Zellen (blau) und erhöht die Beweglichkeit der Entzündungszellen. 4) Dadurch kommt es in den betroffenen Gehirnarealen zur Thrombo-Inflammation, also zum schädlichen Zusammenspiel von Thrombozyten und Entzündungszellen, was das Infarktwachstum zur Folge hat, obwohl die Blutversorgung wiederhergestellt wurde. In wildtypischen (WT) Kontrolltieren ist daher ein großer Infarkt (weiße, umrahmte Region in der ansonsten roten Gehirnscheibe) zu sehen. In Tieren ohne CD84 (Cd84-/-) ist die Thrombo-Inflammation reduziert, weshalb diese Tiere kleinere Infarkte entwickeln. Bild: D. Stegner basierend auf Schuhmann et al., Circ Res 2020

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. fördert hochpräzise Tumordiagnostik für Myelom-Patienten am Uniklinikum Würzburg

Die Multiparameter-Durchflusszytometrie ist ein weiterer innovativer Baustein für eine individuell angepasste Versorgung von Myelom-Patienten am Uniklinikum Würzburg. Um das hochempfindliche Messverfahren künftig möglichst breit anbieten zu können, finanziert der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ für ein Jahr eine Personalstelle sowie eine erforderliche Analysesoftware mit insgesamt 56.000 Euro.

 

Schon die Zahlen sind beeindruckend: Mit der Multiparameter-Durchflusszytometrie können pro Sekunde 70.000 Blutzellen analysiert werden. Das innovative Messverfahren kann dabei unter 10.000 gesunden Zellen eine einzelne Tumorzelle erkennen. „Wir haben die Technologie im letzten Jahr in unserem Forschungslabor in Betrieb genommen. Seit Beginn dieses Jahres führen wir diesen Bluttest als einzige Einrichtung in Deutschland als routinemäßige Untersuchung bei Patienten durch, die vom Multiplen Myelom betroffen sind“, berichtet Prof. Dr. Andreas Beilhack von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Nach seinen Worten sind die so gewonnenen Befunde zu der bösartigen Untergruppe des Lymphknotenkrebses eine wichtige Entscheidungshilfe für die behandelnden Mediziner/innen. „Mit dieser Technik sind wir in der Lage, quasi in Echtzeit die Krankheitsbelastung des Patienten zu messen. So können wir das Therapieansprechen präzise verfolgen, Übertherapien vermeiden oder – im entgegengesetzten Fall – rechtzeitig weitere Behandlungen einleiten“, erläutert der Forscher. Dieses Wissen zahle sich für die Patienten in einem Gewinn an Lebensqualität aus. Ein weiterer Vorteil ist die einfache und schmerzfreie Probengewinnung: 20 Milliliter aus der Armbeuge abgenommenes Blut reichen aus.

 

Roll-out auf alle Myelom-Patienten gewünscht

In den ersten Monaten seit der Inbetriebnahme wurde das neue Verfahren von Mitgliedern des Forschungsteams von Prof. Beilhack umgesetzt: Eine Medizinisch-technischen Assistentin (MTA) übernahm die Probenahme und deren aufwändige Aufbereitung, während die Wissenschaftlerin Dr. Paula Tabares und er selbst die Ergebnisse auswerteten. „Wir wollen in Zukunft diese prognostisch sehr aussagefähige Nachweismethode gerne möglichst allen Myelom-Patienten am UKW anbieten“, kündigt Prof. Beilhack an.

 

Anschubfinanzierung zum Wohl der Patienten

Um dies zu ermöglichen, schaltete sich kürzlich „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ ein und stellte 56.000 Euro zur Verfügung. „Mit diesem Geld finanzieren wir ein Jahr lang eine MTA-Stelle. Außerdem kann für rund 1.000 Euro eine neue Analysesoftware angeschafft werden“, erläutert Gabriele Nelkenstock, die Vorsitzende des Würzburger Vereins. Am UKW stößt diese großzügige Unterstützung auf große Dankbarkeit. So kommentiert Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II: „Hilfe im Kampf gegen Krebs unterstützte uns schon in der Vergangenheit dabei, diese Diagnostik aufzubauen. Die jetzt beschlossene Fortsetzung ist ein weiteres schönes Beispiel für die mustergültige Konsequenz und Verlässlichkeit von Gabriele Nelkenstock und ihrem Team.“ Und Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, ergänzt: „Mit diesem Modell der ‚Anschubfinanzierung‘ hat der Verein schon mehrfach neuen Ideen bei unserer Patientenversorgung aus den Startlöchern geholfen, die dann später in das Routine-Angebot des Klinikums übernommen wurden. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies auch hier – nach einem vorfinanzierten, erfolgreichen ersten Jahr – wieder der Fall ist.“

Aktuell läuft am UKW das Besetzungsverfahren für die neue MTA-Stelle.

 

 

Um die Arbeit des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ auch in Zukunft voranzutreiben, sind Spenden immer willkommen unter:

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Castell Bank Würzburg

IBAN: DE 74 7903 0001 0000 0092 45

BIC: FUCEDE77XXX

 

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Das Uniklinikum Würzburg verabschiedete seinen Pflegedirektor

Ende August dieses Jahres beendet Günter Leimberger seine Arbeit als Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg, um sich neuen beruflichen Aufgaben am Klinikum Nürnberg Nord zuzuwenden. Eine Abschiedsfeier würdigte seine Leistungen während der vergangenen neun Jahre.

Ab September 2011 leitete Günter Leimberger als Pflegedirektor die größte Berufsgruppe des Uniklinikums Würzburg (UKW). Nun verabschiedete sich das Vorstandsmitglied aus dieser Position, um in Zukunft als Standortmanager das Klinikum Nürnberg Nord weiterzuentwickeln. Bei einer Feier im Innenhof der ehemaligen Kinderkrankenpflegeschule des UKW dankten ihm Würzburger Weggefährten für sein Engagement und seine Leistungen in den vergangenen neun Jahren.

 

Weiterbildung vorangetrieben

So hob Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, die Weiterbildung als einen der Schwerpunkte des Pflegedirektors hervor. Beispielsweise öffnete im Jahr 2013 die Würzburger OTA-Schule ihre Pforten, an der seither Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten ausgebildet werden. Eine Maßnahme mit weitreichenden Vorteilen für das Würzburger Uniklinikum. „30 Prozent der Operationssäle des UKW könnten wir nicht betreiben, wenn wir nicht die OTA-Schule gegründet hätten, aus der wir exzellent ausgebildetes Personal beziehen“, verdeutlichte Günter Leimberger.

In seine Dienstzeit fällt außerdem die Gründung der Akademie als topmodernes Schulungszentrum des Klinikums im Jahr 2015. Besonderen Wert gewinnt diese Einrichtung laut dem – nun ehemaligen – Pflegedirektor gerade auch durch den Aspekt der Vernetzung: Die Akademie dient nach seinen Worten nicht nur der Wissensvermittlung, sondern ist auch ein Ort, an dem verschiedene Krankenhausberufsgruppen gemeinsam an Themen arbeiten. Zuletzt brachte Leimberger die Studiengänge Pflege und Hebammenwesen als hochwertige akademische Ausbildung federführend mit auf den Weg.

 

Erfolg bei Personalgewinnung und familienfreundlichem Arbeiten

Als weitere Erfolge seines Vorstandskollegen nannte Prof. Ertl die Personalgewinnung auch im Ausland sowie Weiterentwicklungen in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie am UKW. Ferner agierte der Pflegedirektor als einer der zentralen Motoren bei der erfolgreichen KTQ-Erstzertifizierung des Klinikums im Jahr 2013 und den folgenden Rezertifizierungen.

Philip Rieger, der Kaufmännische Direktor des UKW, lobte Leimberger für „den guten Überblick über seinen Verantwortungsbereich und darüber hinaus“. Außerdem unterstrich er, dass sich der Direktor bei allen relevanten Entscheidungen und Entwicklungen immer vor die Pflegekräfte gestellt habe.

Der Personalratsvorsitzende Christian Huß blickte in seiner Ansprache auf die ersten Begegnungen mit Günter Leimberger zurück. Dabei sei dem Personalrat schnell klargeworden: „Da haben wir nicht nur einen Pflegedirektor, sondern auch noch jemanden mit dem Blick des Controllers und Qualitätsmanagers.“ Es läge in der Natur der Sache, dass Personalrat und Pflegedirektion bei vielen Themen unterschiedliche Positionen vertreten hätten. Huß betonte allerdings, dass er einen durchaus guten und direkten Draht zum Pflegedirektor gehabt hätte, was sich in vielen Gesprächen und Runden als hilfreich im Sinne der Kolleginnen und Kollegen erwiesen habe.

 

Talent für die Personalentwicklung

Die Stellvertretende Pflegedirektorin Birgit Roelfsema bewunderte in ihren Dankesworten die Zielorientierung und die Stärke in der Personalentwicklung ihres Chefs. So habe er Gespräche immer absolut offen und ehrlich geführt sowie ein Händchen beim Erkennen von individuellen Stärken und der damit verbundenen richtigen Einsatzstelle am UKW gehabt. „Dein Blick war mit viel Realitätssinn und Pragmatismus immer nach vorne gerichtet“, fasste Roelfsema zusammen und fuhr fort: „Die Pflege am UKW hat Zukunft – unter anderem, weil sie durch Dein Engagement auf Augenhöhe mit allen anderen Berufsgruppen interagiert.“ Dass das Klinikum den Stresstest durch die Covid-19-Pandemie so gut bestanden habe, lag nach ihrer Auffassung auch an dem vom Pflegedirektor vorab gelegten Fundament.

 

Dank für die lösungsorientierte, professionelle und herzliche Zusammenarbeit

Günter Leimberger dankte für den persönlichen und herzlichen Abschied. Die Arbeit im Vorstand und zuletzt auch in der im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie installierten Klinikumseinsatzleitung bezeichnete er als „wunderbar lösungsorientiert“. Generell schätzte er die hohe Professionalität, Zwischenmenschlichkeit und Herzlichkeit in der Zusammenarbeit am UKW. Er habe sich die Entscheidung für einen Wechsel nicht leicht gemacht, der Abschied vom UKW falle ihm schwer. „Ich würde nirgendwo anders als Pflegedirektor arbeiten wollen“, betonte Leimberger. Ausschlaggebend für ihn sei gewesen, dass auf seiner künftigen Stelle als Standortmanager beim Klinikum Nürnberg Nord neue, übergeordnete Aufgaben auf ihn warten.

 

 

 

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Bei der Abschiedsfeier: Günter Leimberger, der scheidende Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg (Dritter von links), umgeben von wichtigen Weggefährten (von links): Philip Rieger, Birgit Roelfsema, Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg), Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus (Stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikums), Christian Huß und Prof. Dr. Georg Ertl. Bild: Rita Börste / Uniklinikum Würzburg