Aktuelle Pressemitteilungen

Für noch mehr Nähe von Mutter und Kind: „Pforzheimer Bettchen“ in der Würzburger Universitäts-Frauenklinik

Die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg bietet den Wöchnerinnen und ihren Neugeborenen jetzt Babybettchen an, die direkt ans Bett der Mutter angehängt werden. Diese „Nischenlösung“ ermöglicht maximale Nähe und Sicherheit.

„Die erste Zeit, die Mütter mit ihrem Neugeborenen verbringen, ist sehr wichtig für die Bindung“, betont Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik, und fährt fort: „Deshalb tun wir alles dafür, dass die Wöchnerinnen ihr Kind möglichst rund um die Uhr nahe bei sich haben können.“ Als jüngste Maßnahme dazu hat die Klinik kürzlich sogenannte Pforzheimer Bettchen angeschafft. Dabei handelt es sich um eine Baby-Schlafstätte, die seitlich in das Bett der Mutter eingehängt wird. Auf der Außenseite der abgerundeten Nische verhindert eine Wandung das Herausfallen des Kindes. 

Viele positive Effekte

„Dieses andernorts schon vielfach erprobte System hat zahlreiche positive Effekte“, weiß Veronika Pietzko, die pflegerische Leiterin der Geburtshilfe am Uniklinikum Würzburg. So könne die Mutter damit ihrem Neugeborenen leichter Wärme und ein Gefühl von Sicherheit geben. Außerdem werde das Stillverhalten positiv beeinflusst. „Im Unterschied zu den bislang bei uns eingesetzten fahrbaren Bettchen müssen die Mütter zudem nicht aufstehen, wenn das Kind weint. Gerade von der Geburt stark erschöpfte oder durch einen Kaiserschnitt beeinträchtigte Frauen wissen das zu schätzen“, sagt Pietzko.
Mit der „Nischenlösung“ ist das Beieinanderliegen zudem völlig gefahrlos: Das Baby kann nicht aus dem Bett fallen oder von der Mutter im Schlaf versehentlich erdrückt werden.
„Die Pforzheimer Bettchen runden unser Angebot des 24-Stunden-Rooming-in ab“, sagt Prof. Wöckel und ergänzt „Sollte eine Mutter jedoch einmal eine Auszeit brauchen, stehen selbstverständlich nach wie vor die erfahrenen Pflegekräfte unseres Kinderzimmers bereit, um den Neuankömmling liebevoll und kompetent zu betreuen.“

 

Link zur Pressemitteilung

 

 

 

Was Helfer zu Helfern macht

Mitleid, Egoismus, Pflichtbewusstsein: Es gibt viele Gründe, warum Menschen anderen Menschen helfen. Die Neurowissenschaftlerin Grit Hein erforscht ihre Motive und wirft dabei einen Blick ins Gehirn.

 

Die Corona-Pandemie macht es mal wieder deutlich: Menschen sind nicht nur auf ihren Vorteil aus. So haben sich beispielsweise im ersten Lockdown schnell Nachbarschaftsinitiativen gegründet, deren Mitglieder Einkäufe für ältere Menschen erledigten. Wer in Quarantäne geschickt wurde und seine Wohnung nicht mehr verlassen durfte, konnte sich darauf verlassen, dass ihm Freunde und Bekannte regelmäßig Taschen mit Lebensmitteln vor die Türe stellten. Auch die Bereitschaft, im öffentlichen Raum Mund-Nasen-Masken zu tragen, ist im Prinzip ein Ausdruck der Rücksichtnahme gegenüber Dritten.

Prosoziales Verhalten: So bezeichnet die Wissenschaft menschliche Verhaltensweisen, die darauf abzielen, anderen Personen zu nützen – Verhaltensweisen wie beispielsweise Helfen, Teilen, Trösten und Kooperieren. Eine Expertin auf diesem Gebiet ist Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Universität Würzburg. Hein forscht an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums. Sie interessiert sich dafür, auf welche Weise unterschiedliche Motive prosoziales Verhalten beeinflussen und welche Strukturen im Gehirn damit in Verbindung stehen.

Fünf Motive für prosoziales Verhalten

„In der Psychologie kennen wir eine Reihe von Motiven, die dazu beitragen, dass Menschen sich prosozial verhalten“, sagt Grit Hein. Altruismus und Egoismus dürften auch Laien bekannt sein; Prinzipalismus, Kollektivismus und Reziprozität eher nicht. Während Prinzipalismus das Ziel hat, ein moralisches Prinzip oder eine soziale Norm – „Das tut man nicht“ – aufrechtzuerhalten, geht es beim Kollektivismus darum, das Wohlergehen einer Gruppe zu steigern, mit der man sich selbst identifiziert. Ein Fußball-Fan ist demnach eher dazu bereit, einem Anhänger „seiner“ Mannschaft ein Bier auszugeben, als einem Fan aus dem gegnerischen Lager.

Reziprozität hingegen ist eines der wichtigsten Prinzipien in westlichen Gesellschaften und wird definiert als „die individuelle Tendenz, das Verhalten anderer zu erwidern“. Oder anders formuliert: Wer mir schon mal geholfen hat, ein schweres Möbelstück die Treppe hoch zu tragen, dem gebe ich gerne einen Liter Milch, wenn seine am Sonntag sauer geworden ist.

220.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

„Natürlich wirken diese verschiedenen Motive fast nie isoliert. In den meisten Fällen werden mehrere von ihnen gleichzeitig aktiviert“, sagt Grit Hein. Um menschliches Verhalten zu verstehen und vorherzusagen, sei es daher wichtig zu verstehen, wie diese Motive zusammenwirken und wie die damit einhergehenden Wechselwirkungen die tatsächlichen sozialen Entscheidungen beeinflussen.

In ihrer aktuellen Studie untersucht Hein deshalb das neuronale Zusammenspiel zwischen dem egoistischen Motiv und einer Reihe anderer prosozialer Motive. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt sie dabei mit rund 220.000 Euro. Hein möchte vor allem die Bedingungen bestimmen, unter denen Egoismus andere Motive und die damit verbundenen prosozialen Entscheidungen untergräbt beziehungsweise verstärkt.

Zwar unterscheiden sich Empathie und Egoismus deutlich. Dennoch können beide bewirken, dass Menschen Dritte unterstützen. Wer sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen vermag, also empathisch ist, will ihm aus seiner schlechten Lage heraushelfen. Wer Hilfe aus einem egoistischen Motiv heraus leistet, hat in erster Linie den Wunsch, sich hinterher gut zu fühlen. Kompliziert wird es, wenn beide Motive gemeinsam auftreten.

Öffentliche Belohnung bremst die Hilfe

„Frühere Studien von uns haben gezeigt, dass das egoistische Motiv das Empathie-Motiv verstärkt. Das allerdings steht im Gegensatz zu Befunden, die einen Rückgang prosozialen Verhaltens zeigen, wenn Menschen dafür eine Belohnung erhalten“, sagt Grit Hein. Beispielsweise spenden Menschen seltener Blut, wenn sie dafür bezahlt werden. Die Erklärung für diesen Widerspruch ist möglicherweise ganz einfach: „Wir vermuten, dass Anreize prosoziales Verhalten nur dann untergraben, wenn sie öffentlich angeboten werden“, sagt Hein. Wenn also andere wissen, dass ich für meine Blutspende Geld erhalte, gehe ich seltener in die Blutbank. Bleibt die Bezahlung hingegen geheim, steigt meine Bereitschaft zum Spenden.

In ihrer aktuellen Studie setzt Hein auf eine Reihe klassischer Experimente, die darauf ausgelegt sind, prosoziales Verhalten unter dem Einfluss verschiedener Motive zu messen. Die Teilnehmer müssen wiederholt entscheiden, ob sie einen geringen Geldbetrag entweder für sich behalten oder mit einer zweiten Person teilen. Sie können also den Gewinn des zweiten Mitspielers erhöhen und dadurch ihren eigenen verringern – dies entspricht einer prosozialen Entscheidung. Oder sie verhalten sich egoistisch und maximieren ihren eigenen Gewinn. Dabei dürfen sie mal davon ausgehen, dass ihre Entscheidung allen anderen Beteiligten verborgen bleibt. Mal wird ihnen gesagt, dass alle erfahren, ob sie das Geld teilen oder sich selbst zuschanzen.

Experimente im Magnetresonanz-Scanner

Dieses experimentelle Grundgerüst wird anschließend variiert – abhängig davon, welches Motiv betrachtet werden soll. Um das egoistische Motiv zu untersuchen, wird den Teilnehmern mitgeteilt, dass sie einen finanziellen Bonus erhalten, wenn sie sich in der Mehrzahl der Versuche prosozial gegenüber der anderen Person verhalten. Um Empathie zu erzeugen, müssen die Teilnehmer mitansehen, wie ihre jeweiligen Partner eine unangenehme Stimulation an der Hand erhalten. Wenn es darum geht, das Reziprozitätsmotiv zu erforschen, müssen die Teilnehmer selbst mit dieser Stimulation an der Hand rechnen. Allerdings bietet ihnen ihr Mitspieler an, freiwillig auf Geld zu verzichten, um so sie so vor diesem unangenehmen Erlebnis zu bewahren. Dieses Szenario induziert in der Regel Dankbarkeit, von der bekannt ist, dass sie reziprozitätsbasiertes Verhalten auslöst.

Es sind vor allem die neuronalen Grundlagen, für die sich Grit Hein interessiert, wenn sie Motive bestimmter Verhaltensweisen erforscht. Mit den klassischen Methoden der Verhaltensbeobachtung allein kommt sie dabei nicht weit. Sie kombiniert deshalb diese mit der funktionellen Magnetresonanztomographie und einer computergestützten Modellierung, um so mit dem direkten Blick auf die Vorgänge im Gehirn verschiedene Motive unterscheiden zu können, die zum gleichen Verhalten führen. Die Teilnehmer an diesen Experimenten sitzen deshalb in einem Magnetresonanz-Scanner und interagieren mit Personen, die neben dem Scanner sitzen.

„Das neuronale Zusammenspiel zwischen dem egoistischen Motiv und bestimmten anderen prosozialen Motiven aufdecken und die Bedingungen spezifizieren, unter denen das egoistische Motiv andere Motive und die damit verbundenen prosozialen Entscheidungen untergräbt oder verstärkt“: So fasst Hein die Ziele ihres Forschungsprojekts zusammen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können ihrer Meinung nach dazu beitragen Anreizstrukturen zu entwickeln, die, wie sie sagt, „das Verhalten von Individuen steuern, ohne wichtige prosoziale Motive zu untergraben“.

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de, grit-hein.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13.04.2021

Digitaler FortschrittsHub für die vernetzte Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen

Das Projekt CAEHR zeigt am Beispiel verschiedener Herz-Kreislauferkrankungen modellhaft auf, wie Digitalisierung der Medizin die Versorgungserfolge im Alltag verbessern kann. Koordiniert vom Institut für Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Beteiligt sind unter anderem die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Medizinische Hochschule Hannover sowie das Universitätsklinikum Würzburg. Gefördert als „Digitaler FortschrittsHub Gesundheit“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 10 Mio. Euro.

(umg) Werden Herz-Kreislauferkrankungen rechtzeitig erkannt, können sie oft gut behandelt werden. In den verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung – von der Notfallversorgung bis hin zur Rehabilitation und der ambulanten Versorgung beim Haus- oder Facharzt – entstehen viele wertvolle Informationen und Daten. Der Austausch dieser Daten zwischen den verschiedenen Einrichtungen ist bisher kaum möglich, aber für eine optimale und effiziente Behandlung der Patient*innen sehr wichtig.

Genau hier setzt das Projekt CAEHR an. Der Projektname steht für “CArdiovascular diseases – Enhancing Healthcare through cross-sectoral Routine data integration”. In drei Regionen Deutschlands – Hannover/Göttingen, Berlin und Würzburg/Mainfranken – wird das Projekt CAEHR digitale Lösungen für eine bessere sektorenübergreifende Versorgung der Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen entwickeln und erproben.

Wie die digitale Vernetzung von strukturierten Daten funktionieren kann, wird CAEHR für verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen an mehreren Punkten der Versorgungskette exemplarisch aufzeigen: für die Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten, für die Rehabilitation von Patient*innen nach einer Herzklappenintervention sowie für die ambulante Versorgung von Menschen mit koronaren Herzerkrankungen und Herzschwäche. CAEHR vereinheitlicht und strukturiert Gesundheitsdaten aus der ambulanten und stationären Regelversorgung mittels medizin-informatischer Maßnahmen. So werden diese Daten in einer elektronischen Gesundheitsakte für die individuelle Versorgung von Patient*innen an den verschiedenen Versorgungsschnittstellen nutzbar gemacht.

Entwickelt wurde CAEHR von Expert*innen des Konsortiums HiGHmed im Verbund mit über 20 weiteren Partnern von Unternehmen der Gesundheitswirtschaft bis zu Patientenvertreter*innen. Am Projekt beteiligt sind neben der Universitätsmedizin Göttingen unter anderem die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Medizinische Hochschule Hannover sowie das Universitätsklinikum Würzburg. Die Koordination des Projekts CAEHR liegt bei Prof. Dr. Dagmar Krefting, Leiterin des Instituts für Medizinische Informatik an der UMG. CAEHR wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Fördermodul „Digitale FortschrittsHubs Gesundheit“ des Förderkonzepts Medizininformatik mit rund 10 Millionen Euro gefördert. Das Projekt startet am 1. August 2021 und hat eine Laufzeit bis 31. Juli 2025

„Für optimale und personalisierte Therapieentscheidungen müssen Ärztinnen und Ärzte an jedem Punkt des Gesundheitssystems das Gesamtbild eines individuellen Krankheitsverlaufes beurteilen können. Das Projekt CAEHR will vor allem den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems verbessern“, sagt Prof. Dr. Dagmar Krefting, Koordinatorin von CAEHR. „Dafür sollen künftig an allen Punkten des Versorgungssystems Daten strukturiert und nach einheitlichen Standards erhoben werden. So werden diese Daten aus allen Etappen der Versorgung über die gesamte Versorgungskette nutzbar“, so Prof. Krefting.

„Digitale Lösungen eröffnen ein enormes Potential für die Behandlung und auch Erforschung von kardiovaskulären Erkrankungen“, sagt Prof. Dr. Udo Bavendiek, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Er übernimmt in CAEHR die klinische Leitung. „Mit Hilfe dieser Gesundheitsakte stehen die relevanten Gesundheitsinformationen einer Patientin oder eines Patienten zur richtigen Zeit am richtigen Ort den jeweiligen Akteur*innen zur Verfügung, um Patient*innen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Forschung bestmöglich zu versorgen. Zum anderen sollen diese Gesundheitsinformationen nutzbar gemacht werden, um Krankheiten und den Einfluss von medizinischen Maßnahmen auf den Behandlungserfolg besser zu verstehen“, so Prof. Bavendiek.

Die Förderung ermöglicht es, eine forschungskompatible elektronische Gesundheitsakte zu entwickeln. Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) sollen eingesetzt werden, um Prognosen zu Krankheitsverläufen präziser zu treffen, die Behandlung weiter zu verbessern und Präventionsmaßnahmen wirkungsvoller einzusetzen. Die in CAEHR entwickelten Lösungen werden umfassend evaluiert. „Wir wollen beispielsweise zeigen, wie wir mit digitalen Lösungen die Qualität der sektorenübergreifenden Versorgung von Patient*innen mit Herzkreislauferkrankungen verbessern sowie Krankenhausaufenthalte verkürzen oder gar vermeiden und dadurch auch die Kosten für das Gesundheitssystem senken können“, sagt Prof. Dr. Peter Heuschmann, Vorstand des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg, und im Projekt CAEHR zuständig für die Evaluation der Projektergebnisse. Die erfassten Daten sollen der Gesundheitsforschung nutzbar gemacht wer-den, um Herz-Kreislauferkrankungen besser zu verstehen, Therapien zu optimieren oder neue Versorgungsmodelle zu entwickeln.

„Mit dem digitalen FortschrittsHub CAEHR komplementieren wir die bisherigen Arbeiten der Medizininformatik-Initiative, insbesondere des HiGHmed Konsortiums“, sagt Prof. Dr. Roland Eils, Direktor des Zentrums für Digitale Gesundheit am Insti-tut für Gesundheitsforschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und seit 2016 Leiter des HiGHmed-Konsortiums. „CAEHR wird anhand des Behandlungspfads von Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen digitale Lösungen zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten entwickeln, die in weitere Regionen und Krankheitsfelder ausgerollt werden können“, so Prof. Dr. Eils.

CAEHR ist einer der sechs ab Mitte 2021 startenden „Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit“. Für diese Leitinitiative seiner Digitalstrategie stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2025 rund 50 Millionen Euro bereit. Aufgabe der FortschrittsHubs ist es, die Pionierarbeiten der Medizininformatik-Initiative zur Digitalisierung in der Medizin aus den Universitätskliniken in alle Bereiche des Gesundheitssystems einfließen zu lassen: von der ambulanten Versorgung in der Hausarztpraxis über den stationären Aufenthalt im örtlichen Krankenhaus bis zur Versorgung in Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen.

Partner im Digitalen FortschrittsHub CAEHR

Koordination 

Universitätsmedizin Göttingen

Beteiligtes Konsortium der Medizininformatik-Initiative

• HiGHmed

Partner

  • Medizinische Hochschule Hannover
  • Universitätsklinikum Würzburg und Universität Würzburg
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Hochschule Osnabrück
  • Georg-August-Universität Göttingen
  • Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin
  • HiGHmed e.V., Heidelberg
  • Vitasystems GmbH, Mannheim
  • AOK Niedersachsen
  • SVA System Vertrieb Alexander GmbH, Wiesbaden
  • Klinik Fallingbostel
  • Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen
  • Klinik- und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg GmbH
  • MEDIAN Ambulantes Gesundheitszentrum Hannover GmbH
  • Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt
  • Klinikum Main-Spessart Lohr
  • Bayerisches Rotes Kreuz
  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
  • Deutsche Herzstiftung e.V.
  • Deutsche Stiftung für chronisch Kranke
  • Deutscher Pflegerat
  • Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
  • MEYTEC GmbH Medizinsysteme, Werneuchen (Brandenburg)
  • Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen GmbH
  • Phönix-PACS GmbH, Freiburg
  • Kassenärztliche Vereinigung Berlin
  • Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der stationären Versorgung

 

Darüber hinaus arbeitet CAEHR mit weiteren hier nicht aufgeführten Kliniken und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammen. CAEHR ist grundsätzlich offen für weitere Partner.

Fördermodul „Digitaler FortschrittsHub Gesundheit“ des Förderkonzepts Medizininformatik

Ziel der BMBF-geförderten Medizininformatik-Initiative ist die Verbesserung der Forschung und Patientenversorgung durch die standortübergreifende Verknüpfung von Forschungs- und Versorgungsdaten. Die Medizininformatik-Initiative fokussiert zu-nächst auf die Universitätskliniken, weil hier die engste Verbindung zwischen Krankenversorgung und klinischer Forschung besteht. Eine besondere Herausforderung ist es jedoch, auch Patientendaten, die an nicht universitären medizinischen Einrichtungen entstehen, für die Gesundheitsforschung nutzbar zu machen. Dabei stellen sich neben technischen und rechtlichen vor allem organisatorische Fragen, etwa nach einem angemessenen zeitlichen und finanziellen Aufwand für das beteiligte medizinische Personal. In den Digitalen FortschrittsHubs soll erprobt werden, wie, ausgehend von den an der Medizininformatik-Initiative beteiligten Universitätskliniken, verschiedene regionale Partner, beispielsweise Krankenhäuser, Arztpraxen, Forschungseinrichtungen, Krankenkassen, Industriepartner, an digitalen Versorgungsansätzen zusammenarbeiten können.

Weitere Informationen:

CAEHR:https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/caehr-die-versorgung-von-menschen-mit-herz-kreislauferkrankungen-optimieren-13019.php

Digitale FortschrittsHubs Gesundheit:

https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/Digitale-FortschrittsHubs-Gesundheit.php

HiGHmed – Medizininformatik-Konsortium: http://www.highmed.org/

WEITERE INFORMATIONEN:

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-UniversitätInstitut für Medizinische InformatikProf. Dr. Dagmar KreftingTelefon 0551 / 39-61500mi.leitung@med.uni-goettingen.deVon-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen

https://medizininformatik.umg.eu/

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-UniversitätUnternehmenskommunikation, Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitStefan WellerTelefon 0551 / 39-61020presse.medizin@med.uni-goettingen.deVon-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen

www.umg.eu

 

Link zur Pressemitteilung der Universität Göttingen vom 13.04.2021

Schneller von der Forschung zur Behandlung

Der Bund fördert ein Programm der Medizinischen Fakultät der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg. Ziel ist es, die Forschungsmöglichkeiten für Fachärzte, die gleichzeitig auch Patienten betreuen, zu verbessern.

Die schnelle Bereitstellung von Corona-Impfstoffen hat gezeigt: Medizinische Forschung lässt sich oftmals rasch in innovative Behandlungskonzepte überführen. Diese „Translation“ wissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem Labor ans Krankenbett und zurück erfordert Ärztinnen und Ärzte, die forschen und gleichzeitig patientennah tätig sind – sogenannte Clinician Scientists.

Allerdings wird die Tätigkeit von Clinician Scientists oftmals als wenig attraktiv empfunden, da die Gleichzeitigkeit von Forschung und ärztlicher Behandlungstätigkeit zu einer erheblichen Mehrbelastung führt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht selten erschwert. Auch gibt es momentan (zu) wenig Karriereperspektiven und Zielpositionen für forschende Fachärztinnen und -ärzte.

Hindernisse für forschende Ärztinnen und Ärzte beseitigen

Um die Situation von fortgeschrittenen Clinician Scientists zu verbessern, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bundesweit Programme, die forschenden Fachärztinnen und Fachärzten an Universitätskliniken bessere Rahmenbedingungen verschaffen.

„Unser Advanced Clinician Scientist-Programm ‚INTERACT – Interfaces in translational Research‘ zielt auf Disziplinen übergreifende Förderung von forschenden Fachärztinnen und Fachärzten auf den Profilfeldern der Medizinischen Fakultät“, so Professorin Stefanie Hahner, Prodekanin für Nachwuchs- und Frauenförderung.  

In einem hochkompetitiven Auswahlverfahren konnten die Antragstellenden, Stefanie Hahner sowie die Professoren Nicolas Schlegel, Matthias Goebeler (Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung IZKF) und Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), die internationale Expertenkommission von INTERACT überzeugen. Aus insgesamt 29 Bewerbungen wurden acht deutsche Universitätsstandorte zur Förderung ausgewählt.  

Struktur und Transparenz

INTERACT bietet forschenden Fachärztinnen und -ärzten in einem strukturierten mehrjährigen Programm geschützte Zeiten für wissenschaftliche Forschung sowie klare Karrierewege, die zu verschiedenen beruflichen Zielpositionen wie zum Beispiel Professuren führen.

Zusätzlich legt INTERACT großen Wert auf Gleichstellung, transparente Zugangsvoraussetzungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie überregionale wissenschaftliche Vernetzung.

Wichtige Ergänzung etablierter Programme

„Das Programm bildet einen wichtigen Baustein für die Nachwuchsförderung in der medizinischen Forschung an der Medizinischen Fakultät und am Universitätsklinikum Würzburg – und fügt sich nahtlos in die Reihe der bereits etablierten Clinician Scientist-Programme der Medizinischen Fakultät ein“, betont Matthias Frosch.

Momentan werden bereits 43 Clinician Scientists sowie vier Advanced Clinicians Scientist am Universitätsklinikum Würzburg in strukturierten Programmen gefördert. Mit der BMBF-Förderung über zunächst fünf Jahre in einem jährlichen Umfang von 1,5 Millionen Euro können Advanced Clinician Scientists durch Personal-, Sachkosten- und Reisemittel sowie weitere gezielte Karrierefördermaßnahmen intensiv unterstützt werden.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13.04.2021

Medizin: Aus dem Praxisalltag der Renaissance

Wie haben Ärzte vor 500 Jahren gearbeitet? Wie haben sie Krankheiten erkannt und behandelt? Und wie sind sie mit Patienten umgegangen? Michael Stolberg von der Uni Würzburg hat dies untersucht – mit überraschenden Ergebnissen.

Georg Handsch war Arzt im 16. Jahrhundert. Kein herausragender oder revolutionärer Arzt, aber er brachte es nach dem Studium in Padua und Prag immerhin zum Leibarzt von Ferdinand II. von Tirol. Und er hat der heutigen Zeit ein großes Geschenk hinterlassen: Nämlich mehr als 4.000 Seiten handschriftlicher Notizen über seinen Arbeitsalltag als Arzt in der Renaissance.

Vor etwa zehn Jahren hat Professor Michael Stolberg, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg, diese Notizen in einer Wiener Bibliothek entdeckt und ausgewertet.

Entstanden ist daraus und aus weiteren Quellen ein einzigartiges Buch, das nicht nur neue Erkenntnisse über die medizinische Praxis in der Renaissance liefert, sondern auch einen Fokus legt auf die Beziehungen zwischen Arzt, Patienten und deren Angehörigen in der damaligen Zeit. Die Arbeit „Gelehrte Medizin und ärztlicher Alltag in der Renaissance“ erschien vor kurzem im Verlag De Gruyter.

Der Medizineralltag vor rund 500 Jahren

Die medizinischen Theorien aus der Renaissance – also vom 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert – sind weitestgehend bekannt. Wissenschaftliche Schriftstücke aus den damaligen Universitäten sind keine Seltenheit. „In meinem Buch geht es aber nicht um medizinische Theorien. Mir geht es vor allem um die Alltagspraxis“, erklärt Stolberg.

Dafür hat er gezielt nach Nachlässen und Manuskripten Ausschau gehalten – für viele eine eher unliebsame Aufgabe. Doch die hat sich gelohnt. Stolberg nennt Handschs Manuskripte einen „einzigartigen Schatz“. Sie zeigen unter anderem: Die damalige wissenschaftliche Theorie hatte mit der tatsächlichen Praxis weniger gemein als bisher angenommen.

Gravierende Unterschiede von Wissenschaft und Praxis

Die Vier-Säfte-Lehre war damals wissenschaftlicher Konsens. Waren die vier Körpersäfte – Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle – im Ungleichgewicht, so die Theorie, wurde der Mensch krank und es galt das Gleichgewicht wiederherzustellen. Doch Stolberg entnahm den Aufzeichnungen von Handsch und weiteren Manuskripten von Medizinstudierenden einen ganz anderen Grundgedanken: „Unsere Vorstellung davon, wie Ärzte damals Krankheiten verstanden haben, musste ich grundlegend revidieren. Im Vordergrund stand nicht das Säftegleichgewicht, sondern das Bemühen, die Krankheitsstoffe aus dem Körper zu entfernen“, sagt Stolberg.

Die wesentlichen Therapien, die Handsch und seine Kollegen anwandten, waren daher auch entleerende Verfahren. Sie sollten die Krankheitsstoffe nach draußen befördern.

„Das waren an erster Stelle Abführ- und Brechmittel“, so Stolberg. Außerdem Mittel, die den Schleim aus Nase und Hirn lösten, die Menstruation förderten, oder auch Schwitzbänke. Und natürlich durfte der Aderlass nicht fehlen. Die Blutentleerung war dabei „nah an der Krankheit“. Bei Problemen mit dem Kopf gab es den Aderlass zum Beispiel an der Schläfe. Eine weitere beliebte Methode war das blutige Schröpfen mit warmen Gefäßen, die auf die angeritzte Haut aufgesetzt wurden und beim Abkühlen Blut ansaugten.

Umgang mit den Patienten im Fokus

Ein anderer zentraler Punkt in Stolbergs Buch betrifft die Beziehung von Arzt und Patient. Diese war oft enger und auch verständnisvoller als bislang vermutet. Handsch hatte in seinen Notizen viele Beispiele, wie er und seine Kollegen Patienten und deren Angehörigen ein Krankheitsbild und die dazugehörige Behandlung erklärten. Für ihn war es zudem wichtig zu sehen, wie er mit Patienten und Angehörigen umgehen sollte. Er notierte beispielsweise ihre Reaktionen auf seine Gespräche.

Scheinbar haben viele Mediziner damals vorwiegend negative Prognosen zur Genesung ausgesprochen – und wurden bei Heilungen dann umso mehr verehrt. Eine Eigenart, die Handsch nicht unbedingt teilte. „Er wollte ihnen offenbar den Schrecken einer Prognose ersparten“, so Stolberg – „und fiel damit oft auf die Nase.“

Zwei bis drei Patienten am Tag waren laut Stolberg für die akademischen Ärzte der Renaissance die Regel. „Man kann dabei sehr gut sehen, dass die Ärzte damals Zeit hatten für ihre Patienten“, erklärt der Medizinhistoriker. Und wenn es sein musste, sprangen viele Ärzte über ihren Schatten und hatten ein enges Verhältnis zu Laienheilern und zur „Volksmedizin“. Kräutermedizin wurde daher auch aus Erfahrung genutzt – selbst wenn man nicht wusste, warum es gegen diese oder jene Krankheit half.

Publikation

Michael Stolberg: Gelehrte Medizin und ärztlicher Alltag in der Renaissance, De Gruyter Oldenbourg, 2021, DOI: doi.org/10.1515/9783110707380

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Michael Stolberg, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin, Universität Würzburg, T: +49 931 31-83090, michael.stolberg@ uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13.04.2021

 

 

Prof. Dr. Werner Bohndorf gestorben

Am 9. März dieses Jahres verstarb Prof. Dr. Werner Bohndorf nach kurzer Krankheit im Alter von 94 Jahren. Der ehemalige Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des Uniklinikums Würzburg gilt als einer der Vordenker seines Fachgebiets.

„Prof. Werner Bohndorfs großes Verdienst als Arzt und Wissenschaftler beruht vor allem in den Forschungen zur individualisierten Strahlentherapie sowie in deren Einführung in die klinische Routine. Viele seiner Visionen sind heute unverzichtbare Grundlagen einer hochwirksamen und verträglichen Strahlenbehandlung“, unterstreicht Prof. Dr. Michael Flentje, der damit seinem Vorgänger als Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW) würdigt. Der Tod von Prof. Bohndorf Anfang März dieses Jahres ist Anlass für einen Rückblick auf dessen Karriere und Leistungen.

Facharzt für Radiologie

Werner Bohndorf wurde am 24. April 1926 in Böblingen am See nahe der Lutherstadt Eisleben geboren. Nach dem Abitur begann er 1946 mit dem Medizinstudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und legte 1952 das Staatsexamen ab. Ab 1955 absolvierte Bohndorf die Facharztausbildung zum Radiologen an der Geschwulstklinik der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch bei dem ihn prägenden Prof. Dr. Hans-Jürgen Eichhorn.

Seit 1961 am Uniklinikum Würzburg

Nach der Flucht aus der DDR Anfang 1960 arbeitete er zunächst als Oberarzt im Städtischen Krankenhaus in Hanau. Um wieder wissenschaftlich tätig sein zu können, wechselte er im Jahr 1961 an die von Prof. Dr. Horst Ludwig Wullstein geleitete HNO-Klinik der Würzburger Universität. Dort unterstanden ihm die Betreuung der Cobalt-60-Gammabestrahlungsanlage und die Röntgendiagnostik der Hautklinik. Wissenschaftlich beschäftigte sich Bohndorf mit strahlenbiologischen Problemen und apparativen Verbesserungen für die Bestrahlungsplanung. Dies führte im Jahr 1965 zur Habilitation. 1970 übernahm er die neu gegründete Hartstrahlenabteilung der HNO, die in die damals neue Kopfklinik umzog. 

Nach seiner Auffassung sollte jeder Strahlentherapeut auch diagnostisch gut ausgebildet sein. Deshalb gehörten zur Hartstrahlenabteilung auch die entsprechenden Geräte für die Röntgendiagnostik. Die Ernennung zum Professor erfolgte 1971, und im Jahr 1974 übernahm er die Leitung der nun selbstständig gewordenen „Abteilung für Therapeutische Radiologie“. 

Erster Direktor der Klinik für Strahlentherapie

1977 erhielt er den Ruf auf den neuen Lehrstuhl für Strahlentherapie, dem ersten der radiologischen Fächer an der Universität Würzburg. Gleichzeitig wurde die von ihm geführte Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie gegründet. Obwohl das dazugehörige Klinikgebäude erst 1987 eingeweiht werden konnte, wurden unter der Leitung von Prof. Bohndorf schon ab 1977 viele Projekte realisiert. Dazu zählt die Entwicklung einer Datenbank, die alle an der Klinik behandelten Patienten einschließlich der Nachsorge enthielt und dadurch umfangreiche statistische Untersuchungen ermöglichte. Die Installation eines 3D-Programms zur Berechnung von Dosisverteilungen am Universitäts-Rechenzentrum bildete die Voraussetzung für eine individuelle Bestrahlungsplanung und die Entwicklung neuer Bestrahlungstechniken, vor allem der Bewegungsbestrahlung. Prof. Bohndorf erkannte frühzeitig die große Bedeutung der Computertomografie (CT), um individuelle Körperquerschnitte für die Bestrahlungsplanung einzusetzen. Bereits zu Beginn der 1980er Jahre schaffte die Uni Würzburg ein CT-Gerät an, dass zur Hälfte der Strahlentherapie zur Verfügung stand. 

Mit Werner Bohndorfs ständiger Unterstützung wurden durch die Entwicklung der Computersteuerung eines Beschleunigers dynamische Bestrahlungstechniken am Uniklinikum Würzburg möglich, die kommerziell erst zehn Jahre später verfügbar wurden.

Bohndorf verfasste über 120 Publikationen. Sein Auftreten in der Öffentlichkeit war zurückhaltend und bescheiden. Im Jahr 1994 wurde er emeritiert. 

 

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Wechsel in der Universitätsleitung

Ab 1. April 2021 hat die Universität Würzburg einen neuen Präsidenten sowie drei neue Vizepräsidentinnen und zwei neue Vizepräsidenten. Kanzler ist weiterhin Dr. Uwe Klug.

Am 31. März 2021 ist Würzburgs Universitätspräsident Alfred Forchel nach fast zwölf Jahren im Amt in den Ruhestand getreten. Am 1. April übernimmt sein Nachfolger Paul Pauli die Amtsgeschäfte.

Paul Pauli wird die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in den kommenden Jahren gemeinsam mit den neuen Vizepräsidentinnen Doris Fischer, Caroline Kisker und Anja Schlömerkemper, den neuen Vizepräsidenten Matthias Bode und Andreas Dörpinghaus sowie mit dem bisherigen Kanzler Uwe Klug leiten.

Die Universitätsleitung führt die laufenden Geschäfte der Universität. Sie legt unter anderem die hochschulpolitischen Ziele und die Grundsätze der Entwicklung der Universität fest. Die Amtszeit der Präsidentin oder des Präsidenten beträgt sechs Jahre. Die Vizepräsidentinnen und -präsidenten sind für drei Jahre gewählt.

Präsident Paul Pauli

Paul Pauli wurde am 12. Oktober 2020 vom Universitätsrat zum neuen JMU-Präsidenten gewählt. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler überreichte ihm die Ernennungsurkunde am 18. März 2021: „Mit Professor Pauli hat der Universitätsrat einen Präsidenten gewählt, der die Universität Würzburg aus unterschiedlichen Perspektiven kennt. Seit vielen Jahren gestaltet er das Hochschulleben erfolgreich in Lehre, Forschung und akademischer Selbstverwaltung mit. Damit verfügt er über einen großen Erfahrungsschatz, um wertvolle Impulse zu setzen und die Universität zukunftsorientiert im Sinne ihres Leitprinzips ‚Wissenschaft für die Gesellschaft’ weiterzuentwickeln. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit und wünsche ihm für die neue Aufgabe alles Gute.“

Pauli, Jahrgang 1960, stammt aus Biberach an der Riß. Er studierte von 1979 bis 1986 Diplom-Psychologie an der Universität Tübingen und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsstipendiat am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München sowie als wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Technischen Universität München.

1991 wurde Pauli promoviert; seine Habilitation schloss er 1997 im Fach „Medizinische Psychologie“ am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen ab. Von 2000 bis 2001 leitete er den Lehrstuhl für Clinical Psychology Research an der University of Southampton, England. Ab dem 1. April 2001 leitete er an der JMU den Lehrstuhl für Psychologie I, Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Angststörungen, Schmerzen und Sucht.

Neue Vizes

Die neuen Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten wurden vom Universitätsrat am 29. Januar 2021 gewählt. Sie teilen fünf Arbeitsfelder unter sich auf. Neu geschaffen wurde ein Ressort für Innovation und Wissenstransfer, um das Profil der JMU auf diesem Gebiet zu schärfen. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird erstmals in einen Aufgabenbereich aufgenommen.

Vizepräsident Matthias Bode

Matthias Bode ist als Vizepräsident für das neue Ressort „Innovation und Wissenstransfer“ verantwortlich. Bode leitet seit Juli 2010 den Lehrstuhl für Experimentelle Physik II.In seinem Resort möchte Bode dazu beitragen, die nationale und internationale Sichtbarkeit der Universität durch vermehrte Einwerbung innovativer und insbesondere kooperativer Forschungsvorhaben zu erhöhen. Den gesamtgesellschaftlich bedeutenden Wissens- und Technologietransfer möchte er bei Aufrechterhaltung der Forschungsfreiheit erleichtern. Darüber hinaus strebt er einen Ausbau der Digitalisierung für Forschung und Lehre an.

Bode, Jahrgang 1967, hat nach dem Studium der Physik an der TU Braunschweig und der Freien Universität Berlin 1996 an der Universität Hamburg promoviert und wurde dort im Jahr 2003 auch habilitiert. Von 2007 bis zu seinem Wechsel an die JMU war er Gruppenleiter am Center for Nanoscale Materials (Argonne National Laboratory, Illinois, USA). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Physik von Oberflächen, der Zusammenhang von strukturellen, elektronischen und magnetischen Eigenschaften ultradünner Schichten sowie Effekte der Spin-Bahn-Kopplung, die er mit der Rastertunnelspektroskopie untersucht.

Vizepräsident Andreas Dörpinghaus

Andreas Dörpinghaus, Leiter des Lehrstuhls für Systematische Bildungswissenschaft, ist für den Aufgabenbereich „Studium, Lehre und Qualitätsmanagement“ zuständig.

Zu den wichtigen Themen seiner Amtszeit werden unter anderem Lehrer- und Lehrerinnenbildung, Digitalisierung der Lehre, Studiengangentwicklung, Lehrprofil der JMU, Studium und Nachhaltigkeit, Organisationsentwicklung sowie Optimierungen von Lehr- und Prüfungsstrukturen gehören.

Dörpinghaus, Jahrgang 1967, hat an den Universitäten Duisburg, Düsseldorf und Essen die Fächer Pädagogik, Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert. 1997 hat er mit einer Arbeit über Arthur Schopenhauer promoviert; 2000 wurde er mit einer Schrift zur Logik der Rhetorik habilitiert.

Nach Forschungen als Postdoc der DFG und Tätigkeiten an den Universitäten Duisburg, Essen und Köln hat Dörpinghaus seit 2007 den JMU-Lehrstuhl für Systematische Bildungswissenschaft inne. Sechs Jahre war er Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem Bildungsphilosophie und -geschichte, Wissenschaftstheorie und -geschichte, Philosophie der Wahrnehmung sowie Ästhetische Bildung.

Vizepräsidentin Doris Fischer

„Internationalisierung und Alumni“: Um diese Felder kümmert sich Doris Fischer in ihrem Amt als Vizepräsidentin der JMU. Fischer leitet den Lehrstuhl für China Business and Economics.

Aus ihrer Arbeit in internationalen Forschungsteams und beim Aufbau internationaler Masterstudiengänge an der JMU bringt Fischer Erfahrungen über die Chancen und Herausforderungen im Prozess der Internationalisierung mit. Sie wird diese Erfahrungen einsetzen, um die Universität auf dem Weg zu mehr internationaler Sichtbarkeit und Zusammenarbeit, nicht zuletzt in der wissenschaftlich immer wichtiger werdenden Region Asien, zu unterstützen. Dabei ist es ihr ein Anliegen, dass die JMU als Organisation wahrgenommen wird, an der sich ausländische Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler willkommen, wertgeschätzt und zufrieden fühlen und zu der sie daher gerne eine langfristige Bindung aufbauen.

Fischer, Jahrgang 1965, hat Betriebswirtschaftslehre und Sinologie in Hamburg und Wuhan studiert und in Volkswirtschaftslehre an der Universität Gießen promoviert. Im Mittelpunkt ihrer zahlreichen Forschungsarbeiten zu Wettbewerb, Regulierung sowie Industriepolitik stehen Chinas Wirtschaftspolitik und die damit verbundenen Anreizstrukturen für ökonomische Akteure.

Vor ihrer Berufung nach Würzburg arbeitete Fischer als Hochschulassistentin des Instituts für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg und als wissenschaftliche Referentin am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn. Sie war als Gastprofessorin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Seikei Universität (Tokio) und der Sinologie der Freien Universität Berlin tätig. Von 2010 bis 2012 koordinierte sie das internationale Forschungsprojekt Technological Trajectories for Climate Change Mitigation in China, Europe and India.

In ihren aktuellen Forschungsprojekten untersucht sie unter anderem die Rolle und Ausgestaltung von Industriepolitik für die Energiewende unter der Führung von Xi Jinping sowie die Auswirkungen des chinesischen Sozialpunktesystems auf Unternehmen und globale Regeln.

Vizepräsidentin Caroline Kisker

Caroline Kisker übernimmt als Vizepräsidentin den Aufgabenbereich „Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs“. Kisker leitet den Lehrstuhl für Strukturbiologie.

Ihre Forschungstätigkeit an einem lebenswissenschaftlichen Exzellenzzentrum sowie ihr Engagement in ihrer langjährigen Leitungsfunktion als Dekanin einer Graduiertenschule mit mittlerweile rund 700 Promovierenden, die die Bereiche der Naturwissenschaften, der Medizin und der Psychologie umfasst, prädestinieren Kisker für ihre neuen Aufgaben als Vizepräsidentin. Mit dieser Erfahrung wird sie sich dafür einsetzen, die JMU für die nächste Ausschreibungsrunde der Exzellenzstrategie bestmöglich zu positionieren und dem wissenschaftlichen Nachwuchs optimale Voraussetzungen für Forschung und Karriere zu bieten.

Kisker, Jahrgang 1964, hat an der Freien Universität Berlin Biochemie studiert, wo sie 1994 mit einer Arbeit in der Strukturbiologie und Biochemie promovierte. Danach forschte sie als Postdoktorandin am California Institute of Technology (USA) und lehrte ab 1998 als Assistenz-Professorin und später als Associate-Professorin an der Stony Brook University (USA). 2005 wurde sie Professorin am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der JMU. Von 2009 bis 2016 war sie stellvertretende Leiterin des Zentrums; seit 2016 leitet sie es gemeinsam mit Bernhard Nieswandt. Seit 2009 ist sie außerdem Dekanin der JMU Graduate School of Life Sciences, die sie erfolgreich durch die zweite Runde der Begutachtung in der Exzellenzinitiative geführt hat.

Kiskers Forschungsschwerpunkte sind die Reparaturmechanismen der DNA und das Struktur-basierte Wirkstoffdesign, um neue Medikamente gegen bestimmte Infektionskrankheiten, aber auch für die Tumorbehandlung zu entwickeln.

Vizepräsidentin Anja Schlömerkemper

Anja Schlömerkemper kümmert sich als Vizepräsidentin um die Themen „Chancengleichheit, Karriereplanung und Nachhaltigkeit“. Sie leitet seit April 2011 den Lehrstuhl für Mathematik in den Naturwissenschaften.

Schlömerkemper verantwortet als Vizepräsidentin einen Querschnittsbereich. Sie möchte die Erfolge der JMU in der Frauenförderung ausbauen und andere Bereiche der Chancengleichheit in der gesamten Universität fördern. Hier denkt sie etwa – auch in Verbindung mit dem Bereich Karriereplanung – an die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus nicht-akademischen Elternhäusern. Sie wird sich zudem dafür einsetzen, dass soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle in Forschung, Lehre und Verwaltung an der JMU einnimmt.

Schlömerkemper, geboren 1973, studierte Physik an der Universität Göttingen. Im Jahr 2002 promovierte sie an der Universität Leipzig im Fach Mathematik. Es folgten Stationen als Postdoktorandin am Mathematischen Institut der Universität Oxford, als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Analysis, Dynamik und Modellierung der Universität Stuttgart, am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig sowie am Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn. 2009/10 war sie Vertretungs- und Gastprofessorin an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ihre Forschungsinteressen liegen in der mathematischen Analysis, und hier im Gebiet der partiellen Differentialgleichungen und der Variationsrechnung. Ihre Arbeiten sind überwiegend durch Anwendungen in der Physik und den Materialwissenschaften motiviert. Insbesondere forscht sie an mathematischen Methoden, mit denen zum Beispiel das effektive Verhalten von elastischen oder magnetischen Materialien bestimmt werden kann, das durch Strukturen auf einer mikroskopischen Skala beeinflusst wird.

Kanzler Dr. Uwe Klug

Dr. Uwe Klug leitet als Kanzler die Universitätsverwaltung, ist Beauftragter für den Haushalt und Dienstvorgesetzter des nichtwissenschaftlichen Personals der Universität. Der promovierte Jurist begann 1993 seine Tätigkeit im JMU-Justiziariat, dessen Leitung er ein Jahr später übernahm. 2008 wurde er zum Vertreter des Kanzlers ernannt. Bis dahin war er in verschiedenen Gremien tätig. Unter anderem gehörte er dem Senat und der Haushaltskommission 13 Jahre lang an.

Von Oktober 2011 bis März 2012 war Uwe Klug bereits amtierender Kanzler der Universität. Ende März 2012 wurde er dann auf Vorschlag des Hochschulrats vom Universitätspräsidenten zum Kanzler ernannt.

 

Link zur Pressemitteilung

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 31. März 2021