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Herzschwäche: Wer profitiert von Telemedizin?

DZHI-Studie zeigt: Erfolg der Fernbetreuung hängt stark von Lebenssituation und Geschlecht ab

Herzinsuffizienz-Pflegekraft sitzt am Schreibtisch und hält Telefon am Ohr.
HI-Nurses wie Constanze Richter vom DZHI riefen im Rahmen der E-INH-Studie die Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang regelmäßig an, schulten sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck und Herzschlag sowie im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie Wassereinlagerungen in den Knöcheln, fragten die Ergebnisse des Selbstmonitorings ab und optimierten die medikamentöse Therapie gemeinsam mit dem ärztlichen Personal. © Arnika Hansen / UKW

Eine neue Analyse der E-INH-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg zeigt, dass eine Fernbetreuung durch spezialisierte Pflegekräfte nicht für alle Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz gleichermaßen wirksam ist. Das Geschlecht und der Familienstand beziehungsweise die soziale spielen eine wichtige Rolle: Verheiratete Frauen und unverheiratete Männer profitierten am stärksten von der Intervention, während unverheiratete Frauen mit Fernbetreuung sogar schlechter abschnitten als mit der üblichen Versorgung.

Würzburg. Telemedizinische Betreuung kann Menschen mit Herzinsuffizienz helfen, länger zu leben und ihre Lebensqualität zu verbessern. Das zeigten bereits einige Studien, unter anderem die vom Forschungsministerium (BMFTR) geförderte erweiterte INH-Studie (E-INH = Extended Interdisciplinary Network Heart Failure (DOI: 10.1016/j.jchf.2022.10.016). Darin untersuchte das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) die langfristigen Auswirkungen eines von spezialisierten Pflegekräften koordinierten telemedizinischen und betreuenden Programms (HeartNetCare-HF). Eine Herzinsuffizienz-Pflegekraft rief die Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang regelmäßig an, schulte sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck und Herzschlag sowie im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie Wassereinlagerungen in den Knöcheln, fragte die Ergebnisse des Selbstmonitorings ab und optimierte die medikamentöse Therapie gemeinsam mit dem ärztlichen Personal. Die 42-monatige Nachbeobachtung erfolgte ohne Intervention. 

Wechselwirkungen zwischen den Faktoren Geschlecht, Familienstand und Versorgung

Das Studienteam wollte nun in einer Zweitauswertung wissen, ob wirklich alle gleichermaßen von einer Betreuung durch eine sogenannte HI-Nurse profitieren? „Offenbar nicht“, resümiert Dr. Fabian Kerwagen, Kardiologie und Erstautor der im Journal Circulation: Population Health and Outcomes publizierten Ergebnisse. „Unsere Analysen ergaben spannende und aufschlussreiche Wechselwirkungen zwischen den Faktoren Geschlecht, Familienstand und Versorgung.“ 

Unverheiratete Frauen zogen keine Vorteile aus der Fernbetreuung

Verheiratete Frauen profitierten am meisten von der 18-monatigen Fernbetreuung. Nach fünf Jahren betrug die Gesamtsterblichkeit 28 Prozent. Im Vergleich dazu lag diese bei unverheirateten Männern, welche die übliche Versorgung erhielten, bei 60 Prozent. „Es hat uns daher nicht überrascht, dass für alleinlebende Männer die telemedizinische Betreuung durch eine spezialisierte Pflegekraft von Vorteil war“, sagt Fabian Kerwagen. „Überrascht hat uns jedoch, dass unverheiratete Frauen keinen Nutzen aus der Fernbetreuung ziehen. In unserer Analyse schnitten unverheiratete Frauen mit Fernbetreuung sogar etwas schlechter ab als diejenigen mit Standardversorgung.“ 

Telemedizin funktioniert offenbar nicht nach einer einheitlichen Schablone

Warum die unterschiedlichen Wechselwirkungen zwischen Geschlecht und Familienstand bestehen und die Art der Betreuung nicht für alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen passend war, lässt sich aus den vorliegenden Daten noch nicht beantworten. „Die Ergebnisse zeigen uns jedoch, dass wir genau hinschauen müssen, wie Patientinnen und Patienten unsere Betreuung tatsächlich erleben. Ein regelmäßiger Anruf kann für den einen Menschen eine wertvolle Unterstützung sein, während er bei einem anderen vielleicht nicht die gleiche Wirkung entfaltet. Deshalb sollten wir bei telemedizinischen Interventionen künftig auch die sozialen und psychologischen Bedürfnisse und die Lebenssituation unserer Patientinnen und Patienten berücksichtigen“, kommentiert Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz am DZHI. 

Bei alleinstehenden Frauen könnte die Beziehung zur in der Regel weiblichen betreuenden Pflegekraft beispielsweise eine andere Rolle spielen als bei alleinstehenden Männern. Auch die Art und Weise, wie die telefonischen Gespräche geführt wurden und wie sie wahrgenommen wurden, könnte einen Einfluss haben. Ebenso ist denkbar, dass die regelmäßigen Kontakte bei alleinlebenden Frauen nicht die gewünschte soziale Unterstützung bieten oder diese sogar als zusätzliche Belastung empfunden werden.

Wenn soziale Verbundenheit Teil der Therapie wird

Fabian Kerwagen nennt das Stichwort Einsamkeit, zu dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gerade eine Aktionswoche veranstaltete. „Unsere neue E-INH-Auswertung liefert einen interessanten neuen Aspekt zur Debatte um Social Connectedness – also wie stark Menschen sozial eingebunden sind und wie sehr sie sich mit anderen verbunden fühlen“, sagt der Clinician Scientist. Wie wichtig soziale Beziehungen für die Gesundheit sind, zeigte eine große Metaanalyse von Julianne Holt-Lunstad et al. (https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1000316): Menschen mit stärkeren sozialen Beziehungen hatten eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Menschen mit schwächeren sozialen Beziehungen. Die Bedeutung sozialer Beziehungen für die Sterblichkeit ist demnach vergleichbar mit etablierten Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol. 

„Unsere Analyse wirft nun eine weiterführende Frage auf: Was passiert, wenn eine medizinische Intervention selbst eine soziale Interaktion beinhaltet?“, fragt Kerwagen.  Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht jede Form der sozialen Unterstützung für alle Menschen gleichermaßen funktioniert. Geschlecht und soziale Lebenssituation könnten demnach beeinflussen, wie eine solche Betreuung angenommen wird und welchen Nutzen sie entfaltet. „Wenn Einsamkeit ein Gesundheitsrisiko ist und soziale Beziehungen Teil der Medizin sind, dann müssen wir soziale Interventionen möglicherweise ebenso individuell anpassen wie andere Therapien“, resümiert Fabian Kerwagen. 

Um zu untersuchen, ob und welche Anpassungen der telemedizinischen Interventionen an das Geschlecht und den Familienstand der Patientinnen und Patienten die Behandlungsergebnisse bei Menschen mit Herzinsuffizienz optimieren, sind laut den Autorinnen und Autoren zukünftige Studien erforderlich.

Daten zur erweiterten INH-Studie: 

An der E-INH-Studie nahmen 1.022 Personen teil, die zwischen den Jahren 2004 und 2007 aufgrund einer akuten systolischen Herzinsuffizienz mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von 40 Prozent oder niedriger* ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Darunter waren 292 Frauen (28 %) und 730 Männer. Das Durchschnittsalter war 68 Jahre. 1.008 der Studienteilnehmenden machten Angaben zu ihrem Familienstand. 111 Frauen (63 %) gaben an, verheiratet zu sein, 174 waren unverheiratet, verwitwet oder geschieden. Bei den Männern waren 522 verheiratet und 201 unverheiratet, verwitwet oder geschieden. 

Die Hälfte der Teilnehmenden erhielt zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang eine Fernbetreuung durch eine auf Herzinsuffizienz spezialisierte Pflegekraft. Die 42-monatige Nachbeobachtung erfolgte ohne Intervention. Die Wechselwirkungen zwischen Fernbetreuung, Geschlecht und Familienstand hinsichtlich Gesamtmortalität und/oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz wurden nach 18 und 60 Monaten untersucht. 

Nach 60 Monaten reichte die Gesamtmortalität von 28 % bei verheirateten Frauen, die die Fernbetreuung erhielten, bis zu fast 60 % bei unverheirateten Männern, die die übliche Versorgung erhielten.

Die ersten Ergebnisse wurden im Jahr 2023 im Journal of the American College of Cardiology (JACC): Heart Failure veröffentlicht. Fazit: Im Vergleich zur üblichen Versorgung führte die zusätzliche Betreuung mit HeartNetCare-HF insgesamt zu einer höheren Überlebensrate und besseren Lebensqualität. Zudem mussten die telemedizinisch betreuten Patientinnen und Patienten seltener wegen einer Herzschwäche ins Krankenhaus.

* Bei einer systolischen Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr kräftig genug, um ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Die linke Herzkammer pumpt dabei pro Herzschlag höchstens 40 Prozent der Blutmenge aus, die sie enthält. Bei einer diastolischen Herzinsuffizienz kann sich der Herzmuskel nicht ausreichend entspannt bzw. ist versteift und füllt sich dadurch schlechter mit Blut.

Publikation: Fabian Kerwagen, Susanne Sehner, Judith Albert, Caroline Morbach, Gülmisal Güder, Karl Wegscheider, Hermann Faller, Stefan Frantz, Georg Ertl, Christiane E. Angermann*, Stefan Störk*. Effect modification of remote patient management by sex and marital status among patients with heart failure in Germany: Findings from the Extended Interdisciplinary Network Heart Failure Trial. Circulation: Population Health & Outcomes. Aug 17, 2026, doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.125.012770
*geteilte Letztautorenschaft

 

Herzinsuffizienz-Pflegekraft sitzt am Schreibtisch und hält Telefon am Ohr.
HI-Nurses wie Constanze Richter vom DZHI riefen im Rahmen der E-INH-Studie die Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe zusätzlich zur Standardversorgung 18 Monate lang regelmäßig an, schulten sie in der Selbstüberwachung von Blutdruck und Herzschlag sowie im Erkennen von Herzinsuffizienzzeichen wie Wassereinlagerungen in den Knöcheln, fragten die Ergebnisse des Selbstmonitorings ab und optimierten die medikamentöse Therapie gemeinsam mit dem ärztlichen Personal. © Arnika Hansen / UKW

Hohe Auszeichnung für Heike Rittner: Würzburger Schmerzforscherin gehört nun der Leopoldina an

Heike Rittner, Inhaberin des Lehrstuhls für Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Würzburg, wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften aufgenommen

Porträtbild von Heike Rittner - sie trägt schwarzen Rolli, schwarzes Jacket und ein Tuch um den Hals
Die Würzburgerin Prof. Dr. Heike Rittner, Inhaberin des ersten Lehrstuhls für Schmerzmedizin in Deutschland, wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Die Aufnahme in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina habe sie unendlich gefreut, sagt Prof. Dr. Heike Rittner. „Eine Mitgliedschaft in der ehrwürdigen und renommierten Gelehrtenakademie ist die größte Anerkennung und wichtigste Auszeichnung für meine wissenschaftliche Leistung, die es hierzulande gibt. Darüber hinaus gibt sie meinem Forschungsgebiet, dem Schmerz, mehr Sichtbarkeit.“ 

Heike Rittner gründete 2017 das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) und leitet seit 2023 Deutschlands ersten Lehrstuhl für Schmerzmedizin. Meilenstein war die Bewilligung der DFG-geförderten Klinischen Forschungsgruppe KFO5001 „ResolvePAIN“, in der die Mechanismen der Schmerzauflösung erforscht werden.

Schmerzmedizin braucht mehr politische Aufmerksamkeit und bessere Rahmenbedingungen

Als Fachärztin für Anästhesiologie, Schmerztherapeutin und Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hofft sie, mit ihrer Mitgliedschaft, neue Impulse für die Schmerzmedizin zu setzen und dazu beizutragen, das Thema chronischer Schmerz in Wissenschaft, Gesundheitspolitik und Gesellschaft stärker zu verankern. 

Angesichts der wachsenden Bedeutung chronischer Schmerzen, insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparats und im Zusammenhang mit psychischer Belastung sieht Heike Rittner großen Handlungsbedarf. Denn trotz der hohen Zahl chronisch schmerzkranker Menschen sei die Versorgung vielerorts unzureichend und durch die Krankenhausreform mehr denn je gefährdet. „Evidenzbasierte, interdisziplinäre Schmerztherapien werden im derzeitigen Vergütungssystem oft benachteiligt, während invasive Eingriffe mit teils begrenztem Nutzen häufig attraktiver vergütet werden“, sagt Rittner. 

Ganzheitlicher Blick: Molekül, Mechanismen, Mensch und Miteinander

Ihr zufolge befindet sich die Schmerzforschung derzeit in einer besonders dynamischen Phase. Denn erste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der vergangenen zwei Jahrzehnte gelangen nun in die klinische Anwendung. Neue Wirkstoffe und molekular zielgerichtete Therapien eröffnen vielversprechende Perspektiven. Fortschritte sind jedoch nur möglich, wenn moderne Medikamente mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz verbunden werden, der auch psychische Faktoren, Behandlungserwartungen sowie die Lebenssituation der Patientinnen und Patienten berücksichtigt.

Genau dieser ganzheitliche Ansatz macht das Fachgebiet Schmerz so besonders. „Er zwingt uns, klein und gleichzeitig groß zu denken: von Molekülen und biologischen Mechanismen bis hin zum Menschen mit seiner psychischen, sozialen und beruflichen Lebenssituation, also dem Miteinander“, erklärt Heike Rittner. Gerade chronischer Schmerz ist das Ergebnis eines engen Zusammenspiels von körperlichen Prozessen, Gehirn, Psyche und sozialem Umfeld. Deshalb müssen Forschung und Therapie all diese Ebenen gemeinsam berücksichtigen.

Schmerz ist ein gesellschaftliches Phänomen

Heike Rittner freut sich auch deshalb über ihre Mitgliedschaft in der Leopoldina. Zwar ist sie der Fachsektion „Chirurgie, Orthopädie und Anästhesiologie“ zugeordnet, doch der fachübergreifende Austausch zwischen den 28 Fachsektionen und den vier Klassen Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin sowie Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften zählt zu den zentralen Aufgaben der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Gerade für ihre interdisziplinäre Schmerzforschung eröffnet sich dadurch eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Vernetzung und zum wissenschaftlichen Dialog. „Schmerz ist kein rein medizinisches Thema, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Deshalb brauchen seine Erforschung und Behandlung unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven“, betont Heike Rittner.

Werdegang von Prof. Dr. Heike Rittner 

Heike Rittner wurde 1968 in Berlin geboren und wuchs in Oldenburg in Niedersachsen auf. Nach ihrem Medizinstudium in Wien und Würzburg und weiteren Ausbildungsstationen, unter anderem an den Universitäten Yale und Basel, führte ihr wissenschaftlicher Weg sie zunächst an die Mayo Clinic in Rochester (USA). Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin, wo sie den Grundstein für ihre Karriere in der Schmerzforschung legte, wechselte sie im Jahr 2008 an die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie das Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Zu diesem Zeitpunkt verfügte das UKW bereits über eine der ersten Schmerzambulanzen in Deutschland sowie eine universitäre Schmerztagesklinik. Die Fachärztin für Anästhesiologie baute diesen Schwerpunkt sukzessive zum Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) aus, welches sie seit 2017 leitet. Im Jahr 2020 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die von ihr und Prof. Dr. Claudia Sommer geleitete Klinische Forschungsgruppe KFO 5001 ResolvePAIN, in der sie die molekularen Mechanismen der Schmerzauflösung besser verstehen wollen, um personalisierte und passgenaue Therapien zu entwickeln. 2021 wurde Heike Rittner auf die W2 Professur für klinische und experimentelle Schmerztherapie berufen und 2023 übernahm sie den neu eingerichteten und in Deutschland einzigartigen Lehrstuhl für Schmerzmedizin. Ihre Spezialgebiete sind entzündlicher und neuropathischer Schmerz, Barrieren als Schutz für das Nervensystem, sowie persistierende Schmerzen nach Operationen und das komplexe, regionale Schmerzsyndrom. Seit 2025 ist sie Prodekanin und gehört dem Fakultätsvorstand an. Heike Rittner ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und lebt mit der Familie in Würzburg.

Porträt von Heike Rittner in der UKW-Serie #WomenInScience: Universitätsklinikum Würzburg: Forschung: WomenInScience – Prof. Dr. Heike Rittner

Über die Leopoldina: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zählt zu den ältesten und renommiertesten Wissenschaftsakademien der Welt. Als „Academia Naturae Curiosorum" 1652 in Schweinfurt gegründet, beschäftigten sich die ersten Mitglieder der „Akademie der Naturforscher“ vor allem mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen und trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Aufklärung bei. Bis heute steht die Leopoldina, die seit 1878 ihren Hauptsitz in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) hat, für wissenschaftliche Exzellenz und interdisziplinären Austausch. Um ihre Stärke der Akademie zu erhalten, wählt die Leopoldina jedes Jahr in einem mehrstufigen Auswahlverfahren etwa 50 neue Mitglieder. Die rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern sind in Fachsektionen organisiert, die wiederum vier Klassen mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin sowie Verhaltens-, Sozial- und Geisteswissenschaften zugeordnet sind. Unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen und beraten die deutsche Politik und internationale Institutionen in wichtigen Fragen. Ihre Stellungnahmen zu Themen wie Gesundheit, Klimawandel oder Technologie haben großes Gewicht. Darüber hinaus setzt sich die Leopoldina für die Achtung der Menschenrechte ein. 

Porträtbild von Heike Rittner - sie trägt schwarzen Rolli, schwarzes Jacket und ein Tuch um den Hals
Die Würzburgerin Prof. Dr. Heike Rittner, Inhaberin des ersten Lehrstuhls für Schmerzmedizin in Deutschland, wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen. © Daniel Peter / UKW

Mit Sphäroid-Plattform Bindehautentzündungen besser verstehen und Tierversuche reduzieren

SET-Stiftung fördert Würzburger Entwicklung eines pathophysiologischen 3D-Modells der menschlichen Bindehaut

Abb. 5A der Publikation. Sie zeigt die Immunfluoreszenzfärbung der am 10. Tag kultivierten Bindehaut-Sphäroide: CK19 in Grün, Vimentin in Rot und Zellkerne in Blau (DAPI). Die Autoren beschreiben dabei, dass CK19 vor allem in der äußeren epithelialen Schicht und Vimentin im fibroblastenreichen Inneren des Sphäroids zu finden ist.
Immunfluoreszenzfärbung eines zweischichtigen Bindehaut-Sphäroids nach 10 Tagen. Die Zellkerne sind blau dargestellt (DAPI), die Epithelzellen der Bindehaut grün (CK19), die darunterliegenden Bindegewebszellen rot (Vimentin) rot. Die Aufnahme zeigt, dass sich die verschiedenen Zelltypen im Sphäroid ähnlich wie im natürlichen Bindehautgewebe räumlich anordnen. Maßstab: 50 µm. Quelle: Liang, Z., Aslam, M., Haq, W. U., Wiesler, M., Mutlu, S. N., Stahlhut, P., ... & Haider, M. S. (2026). A high-throughput 3D conjunctival spheroid model for standardized in vitro testing. Scientific Reports, 16(1), 23101. https://doi.org/10.1038/s41598-026-63887-0

Die Stiftung zur Förderung und Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen (SET) unterstützt die Entwicklung eines 3D-Modells der menschlichen Bindehaut am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) mit rund 100.000 Euro. Dr. Malik Salman Haider, Leiter der Forschungslabore der Würzburger Universitäts-Augenklinik, und sein Team wollen mithilfe der neuen Sphäroid-Plattform die Wirkstoffforschung beschleunigen, die Vorhersage von Behandlungsergebnissen verbessern und gleichzeitig den Bedarf an Tierversuchen in der Augenheilkunde erheblich reduzieren.

Würzburg. Fast jeder Mensch hat schon einmal gerötete, gereizte und schmerzende Augen erlebt. Häufig ist eine Entzündung der Bindehaut die Ursache – ausgelöst etwa durch Allergene, Infektionen, Umweltschadstoffe, Chemikalien, Kosmetika oder die langfristige Anwendung von Augenmedikamenten. Dementsprechend besteht ein hoher Bedarf an wirksamen und sicheren Therapien.

Die Entwicklung neuer Medikamente und Medizinprodukte erfordert jedoch umfangreiche präklinische Tests, um die vielversprechendsten Kandidaten zu identifizieren, bevor sie in die klinische Entwicklung eintreten. Derzeit werden viele Wirkstoffe noch anhand von Tierversuchen bewertet. Diese sind jedoch kostspielig und zeitaufwendig und werfen ethische Bedenken auf. „Daher besteht ein wachsender Bedarf an zuverlässigen, am Menschen orientierten Labormodellen, die Tierversuche reduzieren oder ersetzen und gleichzeitig die Vorhersage menschlicher Reaktionen verbessern können“, erklärt Dr. Malik Salman Haider. Der Leiter der Forschungslabore in der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bietet mit der Entwicklung eines sogenannten Sphäroids der menschlichen Bindehaut eine solche Alternative. 

Die Stiftung zur Förderung und Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (SET) unterstützt das Forschungsprojekt „A Human Conjunctival Spheroid Platform for Inflammation and Ocular Safety Testing“ mit 99.972 Euro. 

Sphäroid soll Wirkstoffforschung beschleunigen, Therapievorhersage verbessern und Tierversuche reduzieren

„Unser Ziel ist es, ein zuverlässiges 3D-Modell der menschlichen Bindehaut zu entwickeln, das die Biologie der Augenoberfläche möglichst genau nachbildet und uns dabei hilft, Entzündungen in der Bindehaut besser zu verstehen und zu erforschen, wie diese auf neue Wirkstoffe reagieren. Darüber hinaus werden wir untersuchen, ob sich das pathophysiologische Entzündungsmodell als robuste Plattform für Augenverträglichkeitstests eignet, um ein prädiktiveres und für den Menschen relevanteres präklinisches Screening zu ermöglichen“, erläutert Malik Salman Haider. 

Die im Projekt entwickelte Plattform soll ein Hochdurchsatz-Screening neuer therapeutischer Wirkstoffe ermöglichen und die Untersuchung der Augenverträglichkeit sowie der entzündungshemmenden Eigenschaften unter kontrollierten Laborbedingungen erlauben. Dadurch könnten vielversprechende Wirkstoffe schneller identifiziert und ihre Sicherheit bereits in frühen Entwicklungsphasen zuverlässiger bewertet werden. „Wir wollen mit der neuen Plattform die Wirkstoffforschung beschleunigen, die Vorhersage von Behandlungsergebnissen verbessern und gleichzeitig den Bedarf an Tierversuchen in der Augenheilkunde erheblich reduzieren“, fasst Malik Salman Haider zusammen. 

Krankheitsmodell basiert auf einem gut charakterisierten gesunden physiologischen Modell

Die Entwicklung dieses Entzündungsmodells basiert auf einem bereits gut charakterisierten 3D-Sphäroidmodell der gesunden menschlichen Bindehaut, das kürzlich in Scientific Reports publiziert wurde (Liang et al., 2026, doi:10.1038/s41598-026-63887-0). An der Entwicklung und umfassenden Charakterisierung dieser Plattform waren mehrere Mitglieder des Forschungsteams beteiligt. Besonderer Dank gilt Zhi Liang, der wesentlich zur Entwicklung, Etablierung und erfolgreichen Charakterisierung des Modells beigetragen hat. Das Team dankt außerdem den Kooperationspartnern Dr. Taufiq Ahmad und Prof. Dr. Jürgen Groll vom Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und der Zahnheilkunde (FMZ) für die wertvolle Zusammenarbeit.

Das Projekt ist Teil der kontinuierlichen Weiterentwicklung der translationalen ophthalmologischen Forschung an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde unter der Leitung von Prof. Dr. Jost Hillenkamp. Gemeinsam treiben Prof. Jost Hillenkamp, Dr.  Malik Salman Haider und das Forschungsteam sowohl die Entwicklung humanrelevanter experimenteller Modelle als auch neuer therapeutischer Ansätze für Augenerkrankungen voran. Dazu gehören fortschrittliche In-vitro- und Ex-vivo-Modelle, nanocarrierbasierte Wirkstoffformulierungen, Biomaterialien sowie hydrogelbasierte Ansätze, unter anderem zur Entwicklung neuartiger Glaskörperersatzmaterialien.

Abb. 5A der Publikation. Sie zeigt die Immunfluoreszenzfärbung der am 10. Tag kultivierten Bindehaut-Sphäroide: CK19 in Grün, Vimentin in Rot und Zellkerne in Blau (DAPI). Die Autoren beschreiben dabei, dass CK19 vor allem in der äußeren epithelialen Schicht und Vimentin im fibroblastenreichen Inneren des Sphäroids zu finden ist.
Immunfluoreszenzfärbung eines zweischichtigen Bindehaut-Sphäroids nach 10 Tagen. Die Zellkerne sind blau dargestellt (DAPI), die Epithelzellen der Bindehaut grün (CK19), die darunterliegenden Bindegewebszellen rot (Vimentin) rot. Die Aufnahme zeigt, dass sich die verschiedenen Zelltypen im Sphäroid ähnlich wie im natürlichen Bindehautgewebe räumlich anordnen. Maßstab: 50 µm. Quelle: Liang, Z., Aslam, M., Haq, W. U., Wiesler, M., Mutlu, S. N., Stahlhut, P., ... & Haider, M. S. (2026). A high-throughput 3D conjunctival spheroid model for standardized in vitro testing. Scientific Reports, 16(1), 23101. https://doi.org/10.1038/s41598-026-63887-0

"Regenbogenfahrt" zu Besuch an der Kinderklinik

Eine besondere Fahrradttour schenkt krebskranken Kindern Mut

Gruppenfoto der Regenbogenfaher vor der Kinderklinik. Alle Teilnehmer haben ein T-Shirt mit Regenbogen an und teilweise auch mit Regenbogen-Fahnen.
Die „Regenbogenfahrer“ vor der Uni-Kinderklinik. (Foto: Denise Lampert)
Eine Gruppe Regenbogenfahrer auf ihren Fahrrädern die Grombühlstraße hochradeln und ins Klinikgelände einfahren.
Einfahrt auf das Klinikgelände. (Foto: Denise Lampert)

Würzburg, 25. August 2026 - Eine Fahrradtour der anderen Art machte am vergangenen Donnerstag in Würzburg Halt: die Regenbogenfahrt der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Insgesamt rund 60 Fahrradfahrer besuchten im Rahmen einer einwöchigen Tour von Kassel nach Nürnberg verschiedene Kliniken entlang der Route. Was die Tour so besonders macht, ist die Tatsache, dass die Fahrradfahrer im Kindes- oder Jugendalter von einer Krebserkrankung betroffen waren. Bei ihren Besuchen auf den Kinderkrebsstationen der besuchten Kliniken schenken sie den Kindern und Familien Mut und Zuversicht, um die schwere Zeit der Krankheit zu überstehen. Bei der 34. Regenbogenfahrt war die Würzburger Uni-Kinderklinik eine Etappe der Tour. Bei der feierlichen Einfahrt auf das Klinikgelände am Donnerstagnachmittag, den 20. August, wurden die Fahrradfahrer unter anderem von der Elterninitiative Regenbogen begrüßt. Im Mittelpunkt dieses Zwischenziels stand der Besuch auf den Kinderkrebsstationen, auf denen die "Regenbogenfahrer" gemeinsam ein Lied für die Patienten sangen, das ihnen Kraft spenden sollte.

Anschließend hatten die besonderen Besucher die Möglichkeit, in den Austausch mit den Patientenfamilien zu gehen und anhand ihrer eigenen Erfahrungen zu zeigen, dass ein erfülltes Leben und sportliche Betätigung auch nach einer überwundenen Krebserkrankung möglich sind. Als einer der Gastgeber des Würzburger Etappenstopps begleitete auch die Elterninitiative Regenbogen den Besuch. Der Verein unterstützt betroffene Familien während und nach der Erkrankung und weiß aus seiner täglichen Arbeit, welchen Stellenwert neben der medizinischen Behandlung auch positive Perspektiven für die jungen Patienten haben. Ganz im Sinne des Vereinsmottos "Die Diagnose können wir nicht ändern, aber das Umfeld positiv beeinflussen" sorgten die Regenbogenfahrer mit ihrem Besuch für besondere Momente auf den Stationen.

Text: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.
 

Gruppenfoto der Regenbogenfaher vor der Kinderklinik. Alle Teilnehmer haben ein T-Shirt mit Regenbogen an und teilweise auch mit Regenbogen-Fahnen.
Die „Regenbogenfahrer“ vor der Uni-Kinderklinik. (Foto: Denise Lampert)
Eine Gruppe Regenbogenfahrer auf ihren Fahrrädern die Grombühlstraße hochradeln und ins Klinikgelände einfahren.
Einfahrt auf das Klinikgelände. (Foto: Denise Lampert)

Gesunde als Kontrollpersonen für Schmerzstudie gesucht

Das Uniklinikum Würzburg erforscht in einer aktuellen Studie das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS). Für eine Kontrollgruppe werden noch gesunde Personen gesucht, die nicht von dieser chronischen Schmerzerkrankung betroffenen sind.

C-Faserstimulation zur Untersuchung kleiner Hautnerven
Zur Studienteilnahme der Kontrollgruppe gehört auch die Durchführung einer sogenannten C-Faserstimulation zur Untersuchung kleiner Hautnerven. © Celine Panzer / UKW

 

Würzburg. Das CRPS (Complex Regional Pain Syndrome oder komplexes regionales Schmerzsyndrom) tritt meist nach Verletzungen oder Operationen an Armen oder Beinen auf. Der Körper reagiert dabei mit einer überschießenden, fehlgesteuerten Entzündungsreaktion. Um die chronische Schmerzerkrankung besser zu verstehen, führt das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) des Uniklinikums Würzburg (UKW) derzeit die Studie ResolveCRPS 2.0 durch. Unter der Leitung von Prof. Dr. Heike Rittner werden dabei CRPS-Patientinnen und -Patienten über ein Jahr lang begleitet. 

Um die gewonnenen Erkenntnisse zu überprüfen und abzusichern, wird eine gesunde Kontrollgruppe benötigt, für die derzeit noch Teilnehmende gesucht werden. Mitmachen können Personen zwischen 18 und 85 Jahren, die noch nie von einem CRPS betroffen waren. Ausschlusskriterien sind eine Schwangerschaft, schwere Nieren- oder Lebererkrankungen, schweres Asthma, eine immunsuppressiv behandelte Autoimmunerkrankung, die aktuelle Einnahme von Cortison, eine Neuropathie oder eine chronische Schmerzerkrankung.

Das erwartet die Teilnehmenden 

Die Studienteilnahme umfasst unter anderem körperliche und neurologische Untersuchungen, eine Blutentnahme, verschiedene Funktions- und Krafttests, Untersuchungen der Nervenfunktion, Hautdurchblutung und Herzratenvariabilität sowie eine MRT-Untersuchung des Kopfes. Für die Teilnahme wird eine Aufwandsentschädigung von bis zu 70 Euro pro Person gezahlt.

Interessierte können sich für weitere Informationen bei Lea Grundei von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW unter E-Mail: grundei_l1@ ukw.de oder telefonisch unter 0931-201 30277 melden.

Text: Pressestelle / UKW

C-Faserstimulation zur Untersuchung kleiner Hautnerven
Zur Studienteilnahme der Kontrollgruppe gehört auch die Durchführung einer sogenannten C-Faserstimulation zur Untersuchung kleiner Hautnerven. © Celine Panzer / UKW

Schilddrüseninfotag informiert über Autoimmunerkrankungen

Bei einem Informationstag der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg stehen in diesem Jahr Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse im Mittelpunkt. Die Veranstaltung am 26. September 2026 bietet neben allgemeinverständlichen Kurzvorträgen auch kostenlose Schilddrüsen-Ultraschalluntersuchungen an.

Schilddrüse
Beim Schilddrüseninfotag 2026 informieren Expertinnen und Experten am Uniklinikum Würzburg über Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und bieten kostenlose Ultraschalluntersuchungen an. © UKW, KI-generiert

 

Würzburg. Die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) lädt am Samstag, den 26. September 2026, zum Schilddrüseninfotag ein. Die kostenfreie Veranstaltung richtet sich an Patientinnen und Patienten, deren Angehörige sowie alle Interessierten, die sich über Erkrankungen der Schilddrüse informieren möchten. Im Mittelpunkt stehen diesmal Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis und der Morbus Basedow. 

Zwischen 10:00 Uhr und etwa 11:30 Uhr referieren im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) an der Oberdürrbacher Straße Fachleute aus Nuklearmedizin, Endokrinologie und Endokriner Chirurgie über Ursachen sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten dieser Krankheiten. Die Vorträge erläutern unter anderem die Rolle des Immunsystems und stellen moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Szintigraphie vor. Außerdem werden operative und nuklearmedizinische Therapieoptionen beschrieben. 

Die Veranstaltung will Betroffenen Orientierung geben und häufige Fragen beantworten: Welche Symptome deuten auf eine Autoimmunerkrankung hin? Welche Laborwerte sind wichtig? Wann reichen Medikamente aus und wann kommen andere Therapieverfahren infrage? 

Im Anschluss an die Vorträge lädt das Organisationsteam zu einem kleinen Imbiss ein. Darüber hinaus bietet die Klinik für Nuklearmedizin von 12:00 bis 14:00 Uhr kostenlose Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse an. 

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis spätestens 18. September 2026 erforderlich. 

Ein Anmeldeformular gibt es unter https://www.ukw.de/nuklearmedizin/veranstaltungen

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse

Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse richtet sich das körpereigene Immunsystem irrtümlich gegen das Schilddrüsengewebe. Die häufigste Form ist die Hashimoto-Thyreoiditis, bei der eine chronische Entzündung langfristig zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen kann. Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und Konzentrationsstörungen.

Der Morbus Basedow führt dagegen meist zu einer Überfunktion der Schilddrüse. Betroffene leiden häufig unter Herzrasen, Nervosität, Gewichtsverlust, Schlafstörungen und starkem Schwitzen. In einigen Fällen können auch die Augen betroffen sein.

Beide Erkrankungen lassen sich heute in der Regel gut diagnostizieren und behandeln. Neben Laboruntersuchungen spielen Ultraschall und nuklearmedizinische Verfahren eine wichtige Rolle. Die Therapie reicht von Medikamenten über Radiojodtherapie bis hin zu operativen Eingriffen. 

 

Text: Pressestelle UKW

Schilddrüse
Beim Schilddrüseninfotag 2026 informieren Expertinnen und Experten am Uniklinikum Würzburg über Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und bieten kostenlose Ultraschalluntersuchungen an. © UKW, KI-generiert

Krebsforschung zum Anfassen: MS Wissenschaft kommt nach Würzburg

Vom 8. bis 11. September ankert die MS Wissenschaft nahe der Würzburger Mainkuh. Mit an Bord des Ausstellungsschiffs ist ein digitales Forschungsspiel aus Würzburg, das eine besondere Form der Krebstherapie verständlich macht.

CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie.
Eigene CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie. (Ilja C. Hendel / Wissenschaft im Dialog, CC BY-SA 4.0)

Die MS Wissenschaft ist ein 100 Meter langes Binnenfrachtschiff, das aktuelle Forschung als schwimmende Ausstellung in verschiedene Städte bringt. Seit Mai ist sie im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ unterwegs und steuert insgesamt rund 35 Städte an. An Bord sind rund 30 Ausstellungsstücke zu sehen.

Mit dabei ist in diesem Jahr auch ein Würzburger Exponat zu sogenannten CAR-T-Zellen. Das sind Immunzellen, die für die Behandlung von Krebs mit einem besonderen Rezeptor ausgestattet werden, der es ihnen erlaubt, Krebszellen zu erkennen und gezielt zu zerstören. 

Wie genau das funktioniert, können Gäste auf der MS Wissenschaft selbst nachvollziehen: Auf einem großen, berührungsempfindlichen Tisch stellen sie eigene CAR-T-Zellen zusammen. Mit dem passenden Rezeptor, dem „CAR“ (steht für: „chimärer Antigenrezeptor“), erhalten die Immunzellen eine „Superkraft“, um Krebszellen zu zerstören.

Entwickelt wurde das Exponat von einem interdisziplinären Team des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig. Es macht Krebsforschung und Immuntherapie für ein breites Publikum anschaulich und lädt dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Krebsforschung und Immuntherapie spielerisch vermitteln

„Das CAR-T-Zell-Spiel ist entlang der Strecke der MS Wissenschaft bereits auf großes Interesse gestoßen“, freut sich Professor Michael Hudecek, Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum und Leiter der Außenstelle Würzburg des IZI. „Wir haben schon viele Rückmeldungen von Besucherinnen und Besuchern bekommen, aber auch von Patientinnen und Patienten. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf den Stopp in Würzburg: Hier ist ein großer Teil der Forschung entstanden, die wir mit dem Exponat sichtbar machen.“

In einem gemeinsamen Projekt haben Teams der beiden Würzburger Lehrstühle für Immuntherapie und für Games Engineering das Spiel innerhalb von rund vier Monaten konzipiert, entwickelt und programmiert. Die technische Umsetzung übernahm die Games-Engineering-Studentin Marie Schramm im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in der Gruppe von Professor Sebastian von Mammen.

Die Idee für das Spiel stammt von Annika Dressler vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie. Die Spiel-Konzeptionierung und die wissenschaftliche Leitung übernahm Thomas Däullary. Christina Bornschein war für die organisatorische Leitung und Kommunikation verantwortlich. Beide arbeiten am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie. Nach der Tour des Ausstellungsschiffs will das Team das Projekt weiterentwickeln und zusätzlich strategischer ausrichten, sodass es über mehrere Level spielbar ist und noch komplexere Zusammenhänge vermittelt. 

Finanziert wurde das Exponat mit Unterstützung vom Comprehensive Cancer Center Allianz WERA (CCC WERA), dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA, der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, PlasmidFactory GmbH, Miltenyi Biotec und Johnson & Johnson.

Veranstaltungen an Bord

An Bord der MS Wissenschaft finden mehrere kostenfreie Veranstaltungen für die Öffentlichkeit statt, die vom Universitätsklinikum, der Julius-Maximilians-Universität und von der Fachzeitschrift Vogel IT Medien organisiert werden. Da die Plätze auf dem Schiff begrenzt sind, ist eine Teilnahme am 9. und 10. September nur mit vorheriger Anmeldung möglich (siehe Anmeldeseiten):

Die MS Wissenschaft

Die MS Wissenschaft ist seit Mai 2026 auf Tour. Von Berlin aus führte die Route des 100 Meter langen Frachtschiffs zunächst nach Polen, anschließend durch Deutschland und Österreich. Insgesamt werden rund 35 Städte angelaufen. Der Eintritt ist frei. Jedes Jahr besuchen etwa 100.000 Menschen die Ausstellung, darunter viele Schulklassen und Familien. Die MS Wissenschaft wird realisiert von der Wissenschaft im Dialog gGmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Der letzte Deutschland-Stopp ist vom 8. bis 11. September 2026 in Würzburg. Die schwimmende Ausstellung liegt in dieser Zeit in der Nähe der Mainkuh, Höhe Felix-Freudenberger-Platz (Koordinaten 49.789326, 9.927181).

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 24. August 2026

 

CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie.
Eigene CAR-T-Zellen zusammenstellen und damit Krebszellen besiegen – das können Gäste der MS Wissenschaft spielerisch am Würzburger Exponat zur Immunzelltherapie. (Ilja C. Hendel / Wissenschaft im Dialog, CC BY-SA 4.0)