Aktuelle Pressemitteilungen

Neuer Therapieansatz gegen COVID-19

Im Januar 2021 startet ein überregionales Forschungsprojekt, das eine zielgerichtete Therapie gegen SARS-CoV-2 entwickeln will. Mit dabei sind Wissenschaftler der Universität Würzburg.

Ein schnellstmögliches Ende der Corona-Pandemie: Das wünschen sich vermutlich alle Menschen weltweit. Deshalb ist es neben präventiven Maßnahmen, wie Impfkampagnen und Kontaktreduzierungen, ebenso wichtig, möglichst schnell wirksame Therapien und Medikamente gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln. Denn bis heute gibt es nur wenige vielversprechende Therapieansätze.

2,3 Millionen Euro vom Bund

Forschende des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (Leibniz-HKI), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie des Heinrich-Pette-Instituts, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg vereinen deshalb jetzt ihre Expertisen in den Bereichen Wirkstoffentwicklung, Infektionsmedizin und Virologie, um gemeinsam einen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Konsortiums InfectControl mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert. 

Ziel des Projekts ist, einen neuartigen Therapieansatz für SARS-CoV-2-Infektionen zu entwickeln, mit dem das Virus zielgerichtet vom Immunsystem eliminiert werden kann. Die neuen Erkenntnisse sollen außerdem dazu beitragen, bei möglichen zukünftigen Infektionsausbrüchen mit anderen Erregern rasch neue Therapeutika entwickeln zu können.

Unterstützung des Immunsystems

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen das menschliche Immunsystem in die Lage versetzen, die Viruspartikel eigenständig zu erkennen und zielgerichtet zu beseitigen. Dabei machen sie sich die hochspezifische Wechselwirkung zwischen Virus und menschlicher Zelle zu Nutze: Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip interagiert ein Oberflächenprotein – das sogenannte Spike-Protein – des SARS-Coronavirus-2 mit Rezeptoren menschlicher Zellen. Aufgrund der geringen Größe von Viren und deren Aufnahme ins Zellinnere können menschliche Immunzellen das Virus nicht direkt aufnehmen und zerstören.
Axel Brakhage ist Sprecher von InfectControl und Direktor des Leibniz-HKI. „Wir entwickeln maßgeschneiderte Aggregate, die dem Rezeptor der menschlichen Zelle nachempfunden sind. Unsere Hoffnung ist, dass die Viren schließlich an den künstlichen Rezeptor binden und nicht an die menschliche Zelle. So könnten die Zellen des Immunsystems die Viren erkennen und eigenständig eliminieren“, so der Molekularbiologe, der auch einen Lehrstuhl an der Universität Jena innehat.  

Der Chemiker Florian Kloß ergänzt: „Wir werden die potenziellen neuen Wirkstoffe durch Laboruntersuchungen auf Funktionalität und Verträglichkeit analysieren und Möglichkeiten für die therapeutische Nutzung prüfen.“ Er leitet die Transfergruppe Antiinfektiva am Leibniz-HKI und widmet sich mit seinem Team der präklinischen und frühen klinischen Entwicklung aussichtsreicher Wirkstoffe. 

„Die Basis der maßgeschneiderten Aggregate sind synthetische Makromoleküle, die mit den Rezeptor-Einheiten dekoriert werden. Diese Makromoleküle werden nachfolgend zu Nanopartikeln formuliert. Mit den Rezeptor-Einheiten auf der Oberfläche sind die Partikel bereit, die Viren an sich zu binden“, erklärt Ulrich S. Schubert, Chemiker und Materialwissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er leitet als Sprecher den Sonderforschungsbereich „PolyTarget“ der DFG, der sich mit neuen Pharmapolymeren und innovativen Nanopartikeln für die personalisierte Nanomedizin beschäftigt.

Prüfung auf Wirksamkeit in Würzburg

Die Würzburger Virologin Simone Backes und der Immunologe Georg Gasteiger, Leiter der Max Planck Forschungsgruppe für Systemimmunologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, werden dann untersuchen, ob die am Leibniz-HKI entwickelten Wirkstoffe eine Coronavirus-Infektion verhindern können: Sie wollen herausfinden, ob die künstlichen Aggregate die Coronaviren tatsächlich blocken und so markieren, dass sie für einen Angriff durch das menschliche Immunsystem „sichtbar“ werden.

„Ohne Impfung ist das menschliche Immunsystem nur bedingt in der Lage, sich gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu wehren“, sagt Georg Gasteiger. So wird es erst dann alarmiert, wenn das Virus bereits Zellen befallen hat, und auch dann ist die Immunantwort unspezifisch. Das wird sich ändern, wenn das Projekt erfolgreich ist: Dann könnten Immunzellen das Virus erkennen, noch bevor es in Zellen eingedrungen ist, um es mit einer gezielten Reaktion zu bekämpfen.

Backes und Gasteiger arbeiten dabei mit sogenannten „Pseudo-Viren“. Diese imitieren die Hülle des Coronavirus, ohne aber dessen schädliche Eigenschaften zu besitzen. Sitzt das maßgeschneiderte Aggregate der Kollegen aus Leipzig auf dieser Hülle, kann das Würzburger Team untersuchen, ob die Immunzellen wie erhofft darauf reagieren. Im Erfolgsfall stünde damit der Wissenschaft eine Art Baukasten für neue Medikamente gegen Vireninfektionen zur Verfügung. „Wenn in ein paar Jahren eine neue Pandemie ausbricht, verursacht durch ein neues Virus, könnte man mit dieser Technik vielleicht sehr schnell neue Wirkstoffe entwickeln“, sagt Gasteiger.

„Im Vorhaben werden wir zusätzlich die antiviralen Eigenschaften der neuen Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 in einem humanen Lungenmodell evaluieren“, fügt Gülsah Gabriel hinzu. Sie leitet die Abteilung „Virale Zoonosen-One Health“ am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Team erforscht sie die molekularen Mechanismen der Virusübertragung zwischen verschiedenen Arten sowie die Pathogenese von zoonotischen Viren. 

InfectControl – gemeinsam stark gegen Infektionen

Das Forschungsnetzwerk InfectControl vereint Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die gemeinsam neue Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten entwickeln. Die Forschungsprojekte des im BMBF-Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation geförderten Konsortiums überschreiten die Grenzen von klassischen Fachdisziplinen und betrachten Infektionen konsequent nach dem One Health-Ansatz. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt von InfectControl ist die medizinische Forschung und Versorgung. Forschende des Netzwerks suchen nach neuen Wirkstoffen und widmen sich dem verbesserten Transfer von Grundlagenforschung in die Industrie.

Kontakt
Prof. Dr. Georg Gasteiger, Lehrstuhl für Systemimmunologie II, T: +49 931 31-89599, georg.gasteiger@uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 15. Januar 2021

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Corona und die Angst

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie langfristig auf die psychische Gesundheit? Diese Frage steht im Zentrum eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Würzburg.

Keine Frage: Wenn eine potenziell tödliche und überdies hochansteckende Krankheit sich weltweit ausbreitet, stellt dies die Gesellschaft im Ganzen, aber auch jeden Einzelnen ganz persönlich vor enorme Herausforderungen. Das Pendeln zwischen Lockdown, Lockerung, Lockdown light und erneutem Lockdown, die Aufforderung, persönliche Kontakte zu reduzieren, die Angst um den Arbeitsplatz, die Sorge um Angehörige und natürlich auch die Furcht davor, selbst zu erkranken: All diese Punkte bestimmen seit nunmehr bald einem Jahr den Alltag sehr vieler Menschen – und stellen eine enorme Belastung dar.

Dass sich Corona und seine Begleiterscheinungen negativ auf das psychische Wohlbefinden auswirken, scheint auf der Hand zu liegen. Ob dies tatsächlich so ist und welche Auswirkungen die Corona-Pandemie langfristig auf die psychische Gesundheit und Psychopathologie der Bevölkerung Deutschlands hat: Das untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in einem neuen Forschungsprojekt.

Verantwortlich dafür sind Professor Paul Pauli, Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie I, Matthias Gamer, Professor für Experimentelle Klinische Psychologie, sowie Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der JMU. Die VolkswagenStiftung finanziert das Projekt mit rund 120.000 Euro.

Die Folgen der Kontaktbeschränkungen

„Wir wollen herausfinden, wie Menschen mit coronabedingten Belastungen, wie etwa den Kontaktbeschränkungen, umgehen und wie sie sich den Folgen der Krise anpassen – und zwar in Abhängigkeit von ihren psychologischen Persönlichkeitsmerkmalen“, beschreibt Pauli das zentrale Ziel der Studie. Kontaktbeschränkungen seien zwar wichtig, um die Pandemie zu verlangsamen, so Pauli. Gleichzeitig erhöhen sie aber das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen.

Deshalb soll sich die Studie auf Merkmale konzentrieren, die für die Entwicklung von Ängsten und Depressionen von Bedeutung sind. Sollte sich herausstellen, dass Menschen mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur in Pandemiezeiten verstärkt dazu neigen, eine Angststörung oder eine Depression zu entwickeln, könnte die Wissenschaft für sie Präventionsangebote und eine gezielte Behandlung entwickeln – beispielsweise in Form von virtuellen Kontakten an Tablet oder PC.

Aber natürlich interessieren sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch für den entgegengesetzten Fall, sprich: für Persönlichkeitsmerkmale von Menschen, die sich als besonders resilient – also widerstandsfähig – gegen die Belastungen der Corona-Pandemie erweisen.

Ein Messinstrument für die Einsamkeit

Um speziell die negativen psychologischen Effekte von Kontaktbeschränkungen zu untersuchen, wurde am Zentrum für Psychische Gesundheit der JMU ein Messinstrument entwickelt: die sogenannte Würzburg Social Distancing Scale. „Mit dieser Skala können wir erfassen, wie stark Menschen unter einer sozialen Distanzierung und dem daraus resultierenden Gefühl von Einsamkeit leiden“, erklärt Hein. Zusätzlich liefere die Skala Informationen über Persönlichkeits- und Umweltfaktoren, die mit dem allgemeinen Bedürfnis einer Person nach sozialem Kontakt und Rückzug zusammenhängen.

Wie sehen die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die geistige Gesundheit und das psychische Wohlbefinden der Betroffenen aus? Diese Frage soll die Studie am Ende beantworten. Dafür wirft sie einen genauen Blick auf die jeweilige Persönlichkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und untersucht, mit welchen Veränderungen sie auf die von der Politik beschlossenen Gegenmaßnahmen – insbesondere die Kontaktbeschränkungen – zum Höhepunkt der Pandemie reagierten. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, besser gewappnet zu sein, wenn es in Zukunft zu vergleichbaren Ereignissen kommt. Schließlich sei zu befürchten, dass die derzeitige Corona-Pandemie nicht die letzte sein wird, mit der sich die Menschheit konfrontiert sieht.

Studie mit mehreren tausend Teilnehmenden

Wer Aussagen darüber treffen will, ob und wie sich Corona und seine Begleiterscheinungen auf die Betroffenen auswirken, muss diese vor, während und nach dem Abflauen der Pandemie untersuchen. Nur dann ist es möglich, Aussagen über die Folgen der jeweils getroffenen Maßnahmen auf die psychische und körperliche Gesundheit treffen und Rückschlüsse auf die langfristigen Auswirkungen ziehen zu können.

„Glücklicherweise erfüllt unser Projekt diese Anforderungen, da wir Zugang zu zwei gut beschriebenen und gut aufeinander abgestimmten großen Stichproben haben“, sagt Grit Hein. Sie und ihre Kollegen können auf die Daten zweier Untersuchungen zurückgreifen – eine mit rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die vor der aktuellen Corona-Pandemie durchgeführt wurde, und eine zweite mit mehr als 4.000 Teilnehmenden vom April 2020 – einem ersten Höhepunkt der Krise in Deutschland. „Beide Stichproben stehen uns für Folgeuntersuchungen nach dem Abflauen der Corona-Pandemie, was hoffentlich in der zweiten Hälfte 2021 passieren wird, zur Verfügung“, so die Professorin.

Belastbare Aussagen dank statistischer Zwillinge

Studientechnisch wäre es natürlich ideal gewesen, wenn für die Untersuchung die immer gleiche Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu den drei Zeitpunkten hätte herangezogen werden können. Das war allerdings nicht möglich, da der Corona-Ausbruch zu schnell und unerwartet kam. Ein Handicap ist das nicht: „Unser Projekt kommt dieser optimalen Forschungsstrategie sehr nahe, da es auf zwei Stichproben beruht, die die notwendigen Beurteilungspunkte abdecken“, sagt Matthias Gamer. Wichtig sei, dass beide Stichproben hinsichtlich grundlegender Merkmale übereinstimmen – was in diesem Fall gegeben ist.

Um damit zu belastbaren Aussagen zu kommen, werden Pauli, Hein und Gamer die zwei Stichproben mit identischen Erhebungsinstrumenten neu untersuchen und darauf basierend über die zwei Gruppen hinweg sogenannte „statistische Zwillinge“ identifizieren. Dabei handelt es sich um Personen, die in ihren demographischen Daten, wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Familienstand, übereinstimmen und die einen ähnlichen psychologischen Status nach dem Corona-Abschwung aufweisen.

„Diese übereinstimmenden Teilstichproben werden uns Aussagen darüber ermöglichen, wie bestimmte Merkmale vor dem Corona-Ausbruch in Kombination mit der Belastung durch die Pandemie und die verordneten Maßnahmen zum psychologischen Wohlbefinden in der Nachbeurteilung beitragen“, so Matthias Gamer. Darüber hinaus erlaube das Studiendesign, diese Veränderungen auf stabile psychologische Merkmale, persönliche Erfahrungen während der Krise, wie beispielsweise Covid-19-Erkrankungen in Familie und Freundeskreis, und auf politische Maßnahmen, wie etwa harte Kontaktbeschränkungen, zurückzuführen. Mit ersten Ergebnissen ist Anfang 2022 zu rechnen.

Kontakt

Prof. Dr. Paul Pauli, Lehrstuhl für Psychologie I - Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, T: +49 931 31-82843, pauli@ psychologie.uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg

Ehrenmedaille der Stadt Würzburg für Prof. Dr. Georg Ertl

Beim diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt Würzburg erhielt Prof. Dr. Georg Ertl – bis vor Kurzem der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Würzburg – die Ehrenmedaille des Oberbürgermeisters.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs am 10. Januar 2021 ehrte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt Prof. Dr. Georg Ertl mit der „Ehrenmedaille des Oberbürgermeisters“. In seiner Laudatio sagte Schuchardt: „Sie haben sich um das nationale und internationale Renommee Würzburgs als Stadt des Wissens und der Bildung, um die Stärkung unseres Wissenschaftsstandorts und der Gesundheitsregion Mainfranken sowie um die Gesundheitsversorgung der Menschen in unserer Region herausragende Verdienste erworben.“ Im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie habe das UKW unter Ertls Führung eine regionale Vorreiterrolle übernommen.

Georg Ertl war im Jahr 1981 als Wissenschaftlicher Assistent an die Medizinische Klinik der Würzburger Julius-Maximilians-Universität gekommen. Er leitete von 1999 bis 2017 als Direktor die Medizinische Klinik I und einen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät. Dieser Fakultät stand er darüber hinaus von 2004 bis 2006 als Dekan vor. Von 2016 bis Ende 2020 war er als Ärztlicher Direktor Teil des Vorstandes des Uniklinikums Würzburg (UKW) und damit für dessen strategische Ausrichtung maßgeblich mitverantwortlich. In dieser Funktion führte er laut dem Oberbürgermeister das UKW im letzten Jahr höchst erfolgreich durch die Corona-Krise.

Als Wissenschaftler gehört Prof. Ertl zu den weltweit führenden Experten für Herzinsuffizienz und für moderne Bildgebungsverfahren des Herzens. Auf seine Initiative wurde im Jahr 2011 das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz auch zu einer zentralen Einrichtung der Gesundheitsversorgung für die Region. Er genießt hohes Ansehen in der Fachwelt, belegt – neben vielen Preisen – insbesondere durch die Berufung in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina.

 

Pressemitteilung der Stadt Würzburg

Uniklinikum Würzburg: Neue Chancen für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs

Durch die enge Zusammenarbeit von internistischen Onkologen und erfahrenen Chirurgen kann mit einem neuen Behandlungskonzept auch Patienten mit lokal fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) eine Heilungschance eröffnet werden. Das ist eine der zentralen Botschaften einer am Uniklinikum Würzburg initiierten und geleiteten, multizentrischen Studie, die kürzlich in einer hochrangigen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde.

Das Pankreaskarzinom ist höchst aggressiv und gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose. Als einzige Therapieoption mit Heilungsaussichten gilt bislang die komplette chirurgische Entfernung des Tumors. Da die Krankheit in frühen Stadien kaum Symptome verursacht, ist das Karzinom bei der Erstdiagnose dafür allerdings häufig schon zu weit fortgeschritten. „Es kann daher sinnvoll sein, zunächst eine möglichst effektive medikamentöse Vorbehandlung in Form einer Chemotherapie anzuwenden, die den Tumor verkleinert, um ihn dann zu einem späteren Zeitpunkt doch noch chirurgisch entfernen zu können“, berichtet Prof. Dr. Volker Kunzmann. Der Leiter des Schwerpunkts Medizinische Onkologie an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Bislang war aber noch nicht klar, welche der zur Verfügung stehenden Chemotherapeutika – beziehungsweise welche Kombination aus diesen – die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Operation schafft.“

Um hier weiteres Wissen zu gewinnen, initiierte Prof. Kunzmann vor einigen Jahren die NEOLAP-Studie. An dieser Phase II-Studie der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO), die von November 2014 bis April 2018 dauerte, waren insgesamt 28 Krebszentren in Deutschland beteiligt. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2020 in der Fachzeitschrift „The Lancet Gastroenterology & Hepatology“ veröffentlicht.

Zweiarmige Studie mit unterschiedlichen Chemotherapie-Schemata

Im Rahmen der von Prof. Kunzmann geleiteten Studie erhielten 165 Patienten mit unbehandeltem, nicht-operablen Pankreaskarzinom zunächst zwei Monate eine Chemotherapie-Kombination bestehend aus Gemcitabin und nab-Paclitaxel. Blieben Progress oder Unverträglichkeit aus, spaltete sich die weitere Behandlung randomisiert in zwei unterschiedliche Arme auf: Eine Patientengruppe erhielt zwei weitere Monate lang Gemcitabin und nab-Paclitaxel, die andere zwei Monate Folfirinox. Folfirinox ist ein intensives Chemotherapie-Schema, das drei Wirkstoffe kombiniert: 5-Fluorouracil, Irinotecan und Oxaliplatin.

Anschließend wurden alle Patienten einer explorativen Laparatomie zugeführt – also einem chirurgischen Eröffnen der Bauchhöhle – mit dem Ziel, den Tumor komplett zu entfernen. „Die Operation von Pankreaskarzinomen gehört aufgrund der Lage des Organs und seiner Beziehung zu lebensnotwendigen Gefäßen zu den schwierigsten chirurgischen Eingriffen“, beschreibt Prof. Dr. Christoph Germer, Direktor der Chirurgischen Klinik I des UKW und Co-Autor der Studie.

Explorative Laparatomie statt nur Bildbefunde


Ob ein solcher Tumor entfernbar ist oder nicht, entschieden die Chirurgen bislang anhand von bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie. Die NEOLAP-Studie verfolgte ein hiervon abweichendes, neues Konzept: Es wurden erstmals systematisch auch Patienten operiert, die unter Umständen nur minimal auf die Chemotherapie angesprochen hatten und bei denen die Bildbefunde nach wie vor nicht für eine chirurgische Entfernung des Tumors sprachen. „Während der Operation zeigte sich, dass bei vielen dieser vorbehandelten Patienten der jeweilige Tumor soweit geschrumpft oder in Narbengewebe umgewandelt war, dass er sicher von den lebensnotwendigen Gefäßen gelöst und komplett entfernt werden konnte“, berichtet Prof. Germer.

Kurativer Behandlungsansatz für rund ein Drittel der Patienten


Im Arm der mit Gemcitabin und nab-Paclitaxel vorbehandelten Patienten war bei 36 Prozent der Patienten eine solche vollständige Resektion des Tumors möglich, im sequentiellen Folfirinox-Arm bei 44 Prozent. Bei den anderen Patienten wurde der Eingriff als inoperabel frühzeitig beendet. „Zusammenfassend bedeutet das, dass wir rund einem Drittel der Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom eine kurative Behandlungsoption anbieten konnten, die ansonsten nur noch palliativ therapiert worden wären – ein bedeutender Fortschritt“, unterstreicht der Studien-Erstautor Kunzmann.
Die Chemotherapie-Schemata der beiden Armen zeigten bei der Wirksamkeit für die Vorbereitung der Operation keine signifikanten Unterschiede. „Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können sich also in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit für den Patienten für einen der vorgeschlagenen Vorbehandlungswege entscheiden“, schildert Prof. Kunzmann.

Schon jetzt Teil der Leitlinien

Welche Bedeutung die Studie für das Management von Pankreaskarzinom-Patienten in Deutschland und darüber hinaus hat, kann man unter anderem daran ablesen, dass das dahinterstehende Behandlungskonzept bereits in die neuen Leitlinien zur Behandlung dieser Erkrankung aufgenommen wurde. Und Prof. Kunzmann sieht noch einen weiteren vorteilhaften Aspekt: „Die im Rahmen dieser klinischen Studie gesammelten Blut- und Tumorproben stellen einen Ausgangspunkt für weitere, derzeit noch laufende Forschungsarbeiten am Uniklinikum Würzburg dar, welche die Behandlungsoptionen von Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zukunft noch weiter verbessern sollen.“

Literatur:
Kunzmann V et al., Nab-paclitaxel plus gemcitabine versus nab-paclitaxel plus gemcitabine followed by FOLFIRINOX induction chemotherapy in locally advanced pancreatic cancer (NEOLAP-AIO-PAK-0113): a multicentre, randomised, phase 2 trial. Lancet G&H 2020 Dec 15; S2468-1253(20)30330-7. doi: 10.1016/S2468-1253(20)30330-7.

 

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Corona-Spezial: Würzburger Experten informieren zur Schutzimpfung

Am Dienstag, den 26. Januar 2021, beantworten drei Experten der Würzburger Universitätsmedizin in einer Online-Veranstaltung laienverständlich zentrale Fragen rund um die Corona-Schutzimpfung. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Die Corona-Schutzimpfung ist eines der beherrschenden Themen in der aktuellen öffentlichen Diskussion. Viele Bürgerinnen und Bürger haben zu diversen Aspekten dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe noch Fragen. Was passiert im Körper nach der Impfung? Warum gibt es eine Priorisierung für die Impfung? Wer sollte sich impfen lassen – und wer nicht? Und wann ermöglicht das Impfprogramm wieder ein normales Leben? Kompetente Antworten auf diese und weitere Fragen gibt das zweite Corona-Spezial am 26. Januar 2021. An jenem Dienstag organisiert das Uniklinikum Würzburg (UKW) gemeinsam mit der Mediengruppe Main-Post ab 18:00 Uhr eine kostenlose Online-Vortragsveranstaltung mit drei Experten aus der Würzburger Universitätsmedizin: Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Würzburg, Prof. Dr. Ulrich Vogel, Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene am UKW sowie Prof. Dr. Johannes Liese, Leiter des Bereichs Pädiatrische Infektiologie und Immunologie an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. Neben ihren Vorträgen werden sie auch auf über die Chat-Funktion gestellte, individuelle Fragen eingehen.

Das Corona-Spezial unter dem Titel „Corona-Schutzimpfung – Was Sie unbedingt wissen sollten!“ nutzt die Plattform „Skype for Business“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6009 oder unter akademie.mainpost.de.

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Ehrenamtliches Online-Adventskonzert für die Patienten des Uniklinikums Würzburg

Durch die Bedingungen der Corona-Pandemie wurde das traditionelle Adventskonzert des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin des Uniklinikums Würzburg in 2020 zu einer stimmungsvollen Online-Veranstaltung für alle Patientinnen und Patienten des Krankenhauses.

Seit einigen Jahren bringen lokale Musikerinnen und Musiker in der Adventszeit bei einem Konzert ehrenamtlich vorweihnachtliche Stimmung auf die Palliativstation des Uniklinikums Würzburg (UKW). Im vergangenen Dezember machten die Infektionsschutzvorgaben der Covid-19-Pandemie einen Auftritt direkt in der Station unmöglich. Stattdessen organisierte Dr. Carmen Roch, Oberärztin des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin des UKW, unterstützt von tatkräftigen Helfern, eine Online-Live-Übertragung. Am Nachmittag des 22. Dezember 2020 kamen dazu im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin an der Oberdürrbacher Straße vier Blechbläser des Mainfranken Theaters Würzburg zusammen: die Trompeter Klaus Englert, Johannes Mauer und Michael Schmitt sowie Jürgen Gräßler am Horn. Ihr 45-minütiges Konzert wurde gefilmt und simultan über die Online-Plattform Skype for Business übertragen. Außerdem konnte die Aufzeichnung über das klinikinterne Fernsehprogramm abgerufen werden. „Durch diese Lösung konnten nicht nur auf der Palliativstation, sondern auch auf alle anderen Stationen des Klinikums Patientinnen und Patienten an der bewegenden Veranstaltung teilnehmen“, berichtet Dr. Roch und fährt fort: „In deren Namen bedanke ich mich herzlich bei den Künstlern für ihr großartiges musikalisches Geschenk. Vielen Dank auch an die Kollegen der Krankenhaushygiene und die Beschäftigten des Gesundheits- und Ordnungsamtes für die Genehmigung des für das Konzert eigens ausgearbeiteten Hygienekonzepts sowie an Günther Reimherr und sein Team vom Servicezentrum Medizin-Informatik des UKW für die technische Umsetzung!“

 

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Aktiver und bewusster leben mit COPD

Das Institut für Psychologie der Universität sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ein Online-Kursprogramm zur Verbesserung der Krankheitsbewältigung.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD stellt Betroffene in ihrem Alltag immer wieder vor Herausforderungen und bringt meist Belastungen mit sich. Psychologinnen der Universität Würzburg haben aus diesem Grund ein Online-Kursprogramm entwickelt, das Tipps und psychologische Strategien für den Umgang mit der Erkrankung beinhaltet.

In dem Kurs geht es zum Beispiel um Achtsamkeit, einen freundlichen Umgang mit sich selbst und die Bewältigung belastender Situationen. Auch das Thema „körperlich aktiv sein mit der Erkrankung“ wird aufgegriffen und aus psychologischer Sicht betrachtet.

Das Programm erstreckt sich über acht Wochen und in jeder Sitzung wird eine andere Übung vorgestellt. Ziel des Kurses ist, die Krankheitsbewältigung und damit die Lebensqualität zu verbessern.

Um die Wirksamkeit des Programms und die Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu untersuchen, werden nun COPD-Patientinnen und -Patienten gesucht, die das Programm absolvieren möchten. Die Teilnahme ist kostenlos. Voraussetzung ist ein Computer mit Internetzugang und circa eine Stunde Zeit pro Woche, um sich eine Sitzung anzusehen. Der Zeitpunkt innerhalb der Woche kann flexibel gewählt werden. Zudem sollten die Teilnehmenden daran interessiert sein, die Übungen auch in ihrem Alltag auszuprobieren. Trotz des Online-Formats bietet die Trainerin Sprechzeiten für den persönlichen Austausch an, falls gewünscht.

Der nächste Kurs startet Anfang Februar 2021. Im Januar finden bereits (telefonische) Vorgespräche statt. In den Vorgesprächen wird das Programm detailliert vorgestellt; offene Fragen können beantwortet werden. Voraussichtlich im Sommer 2021 wird das Programm dann noch einmal angeboten.

Interessierte können sich per E-Mail bei Psychologin Pauline Hüper melden,
pauline.hueper@ uni-wuerzburg.de, oder sie unter der Nummer 0931 31-85199 anrufen.

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 5. Januar 2021