Aktuelle Meldungen

Großzügige Spende fördert neues Immuntherapie-Projekt am Uniklinikum Würzburg

Mit einer großzügigen Spende kurbeln die Eheleute Merete und Alexander Knauf vom gleichnamigen Iphöfer Baustoffunternehmen ein vielversprechendes Grundlagenforschungsprojekt der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg an. Bei dem von Prof. Andreas Beilhack geleiteten Vorhaben geht es darum, mit einem völlig neuartigen Ansatz die möglichen Abstoßungsreaktionen zwischen einem Stammzelltransplantat und den Körperzellen des Empfängers noch präziser in den Griff zu bekommen.

„Meine Frau und ich engagieren uns regelmäßig in Projekten, bei denen wir den Eindruck haben, mit einer finanziellen Förderung wichtige Verbesserungen in unserer Gesellschaft wirklich voranbringen zu können“, sagt Alexander Knauf, der geschäftsführende Gesellschafter des weltweit aktiven Baustoffunternehmens Knauf aus Iphofen. Nicht zuletzt, weil seine Frau Merete selbst Medizinerin ist, sei auch dieser Themenbereich in ihrem gemeinsamen Förderfokus. Auf der Suche nach einem passenden Vorhaben wandten sich die Mäzene kürzlich an Prof. Dr. Alfred Forchel. Der Präsident der Würzburger Universität unterbreitete ihnen einen Fächer aktueller lokaler Projekte. Unter diesen wählten die Eheleute Knauf ein Vorhaben von Prof. Dr. Andreas Beilhack von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg aus.
Prof. Beilhack leitet eine Forschungsgruppe zur experimentellen Stammzelltransplantation am Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin (ZEMM). Er erläutert: „In Europa werden jährlich über 40.000 Knochenmark-Stammzelltransplantationen durchgeführt. Mehr als 16.000 Patienten erhalten dabei eine Stammzelltransplantation von einem gesunden Fremdspender, wovon derzeit fast jeder zweite Patient nicht überlebt.“ Der Grund hierfür ist eine unerwünschte Immunreaktion, die Graft-versus-Host Erkrankung. Ziel des jetzt geförderten Forschungsprojekts ist es, die Grundlage dafür zu schaffen, diese Nebenwirkungen zu lindern und diese Leben zu retten.

Herausforderung: Gefährliche T-Lymphozyten unterdrücken, hilfreiche erhalten

Die schädlichen Abstoßungsreaktionen in den Griff zu bekommen, ist keine einfache Aufgabe. „Mit dem Transplantat erhält der Patient einen ganzen Pool von fremden, unterschiedlichen T-Lymphozyten. Ein Teil dieser Abwehrzellen kann die Körperzellen des Empfängers attackieren. Diese gefährlichen Zellen gilt es, zu unterdrücken. Ein anderer Teil jedoch verhindert Infektionen und sorgt für einen Anti-Tumoreffekt. Diese müssen wir nach Möglichkeit in ihrer Funktionsfähigkeit erhalten“, schildert Prof. Beilhack. Mit den bisher verfügbaren Behandlungsmethoden gelingt diese Selektion nach seinen Worten leider nicht: Sie beeinträchtigen unspezifisch alle T-Lymphozyten – auch diejenigen, die für den gewünschten Anti-Tumorkampf verantwortlich sind.

Hoffnungsträger: Neue Fusionsproteine

In einem völlig neuartigen, am ZEMM vorangetriebenen Ansatz sollen jetzt per Gentechnik designte Eiweißmoleküle geschaffen werden, die genau diesen Nachteil überwinden und gezielt nur die gefährlichen T-Lymphozyten eliminieren oder – alternativ dazu – diese in tolerante Zellen umwandeln.
„Wir sprechen hier zwar von Grundlagenforschung, aber von einer extrem zielorientierten“, unterstreicht Musga Qureischi, die in der Arbeitsgruppe von Prof. Beilhack seit Mai dieses Jahres das Projekt maßgeblich vorantreibt. Dieses zielt nach Angaben der Nachwuchswissenschaftlerin zwar konkret auf Verbesserungen in der Stammzelltherapie ab, bei einem Erfolg könne das Prinzip aber durchaus auch auf viele Autoimmun- und Entzündungskrankheiten übertragen werden. „Hier kommt dem Projekt auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Molekularbiologen Prof. Dr. Harald Wajant sowie den Kinderonkologen Prof. Dr. Paul-Gerhardt Schlegel und Privatdozent Dr. Matthias Wölfl vom Uniklinikum Würzburg zugute“, ergänzt Prof. Beilhack.

Private Spende hilft, die Wirksamkeit nachzuweisen

„Die großzügige Spende des Ehepaars Knauf hilft, eine typische Hürde in der deutschen Förderlandschaft zu überspringen“, freut sich Universitätspräsident Forchel und erläutert: „Für das Erlangen von öffentlichen Geldern müssen Projekte wie dieses eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit wissenschaftlich nachweisen. Aber schon um diesen Nachweis führen zu können, sind beträchtliche Mittel erforderlich. Wir sind für das herausragende Engagement des Ehepaars Knauf ganz besonders dankbar, durch das diese Lücke überbrückt werden kann.“
Bei gutem Verlauf des Vorhabens kann der angestrebte Nachweis laut Prof. Beilhack innerhalb der kommenden zwei Jahre gelingen.

Pressemitteilung als PDF zum Download.

(von links): Prof. Andreas Beilhack und Musga Qureischi von der Forschungsgruppe zur experimentellen Stammzelltransplantation, die Mäzene Merete und Alexander Knauf sowie Prof. Alfred Forchel, der Präsident der Würzburger Universität.
In einem Labor des Zentrums für Experimentelle Molekulare Medizin (von links): Prof. Andreas Beilhack und Musga Qureischi von der Forschungsgruppe zur experimentellen Stammzelltransplantation, die Mäzene Merete und Alexander Knauf sowie Prof. Alfred Forchel, der Präsident der Würzburger Universität. Bild: Arnika Hansen / Uniklinikum Würzburg
Prof. Andreas Beilhack und seine Mitarbeiterin Musga Qureischi erläuterten bei einem Ortstermin im Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin des Uniklinikums Würzburg den Gästen Unipräsident Prof. Alfred Forchel sowie Alexander und Merete Knauf (von links) die Hintergründe des neuen Forschungsvorhabens. Das eingefärbte Mikroskopie-Schnittbild zeigt eine Abwehrattacke von T-Lymphozyten (in Grün- und Blautönen) auf eine Darmwand.
Prof. Andreas Beilhack und seine Mitarbeiterin Musga Qureischi erläuterten bei einem Ortstermin im Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin des Uniklinikums Würzburg den Gästen Unipräsident Prof. Alfred Forchel sowie Alexander und Merete Knauf (von links) die Hintergründe des neuen Forschungsvorhabens. Das eingefärbte Mikroskopie-Schnittbild zeigt eine Abwehrattacke von T-Lymphozyten (in Grün- und Blautönen) auf eine Darmwand. Bild: Arnika Hansen / Uniklinikum Würzburg

Einladung zur Vernissage der Medizin II

Vernissage mit musikalischer Begleitung im Haus A4, Ebene +2

Die MEDIZIN II  ist sehr dankbar, dass sie der Fotoclub seit Jahren unterstützt. Mit viel Herzblut erhalten sie Bilder aus aller Welt in verschiedenen Formen und Rahmen kostenfrei gestellt. In diesem Jahr konnte die Medizin II Frau Kreft mit Bildern aus Afrika gewinnen, die gerne auf M52 die Ausstellung übernommen hat.
Damit die Patienten auch einen musikalische Bereicherung zur Eröffnung erleben, wird das Duo Frau Grimmer (Querflöte) und Herr Steiner (Gitarre) zwei Stücke spielen.
Alle  Patienten und Gäste sind herzlich eingeladen zur Vernissage um 18:00 Uhr auf der Station M42 (Haus A4, Ebene +2).

Den Flyer zur Vernissage gibt es hier zum Download.

Vernissage am 30. November 2017, Haus A4, Ebene +2
Vernissage am 30. November 2017 um 18:00 Uhr im Haus A4, Ebene +2
Vernissage am 30. November 2017, Haus A4, Ebene +2
Vernissage am 30. November 2017 um 18:00 Uhr im Haus A4, Ebene +2

5.000 Würzburger Herzen untersucht!

Wie stark sind die Herzen, und was macht sie schwach? Dieser Frage gehen Herzforscher in der STAAB-Studie nach.

Zwischenziel erreicht! Die STAAB-Studie hat jetzt nach knapp vier Jahren die 5.000ste Probandin untersucht. Ziel der Kohortenstudie am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) ist es, herauszufinden, wie häufig eine noch unentdeckte Herzschwäche in der Bevölkerung auftritt und welche Faktoren diese tückische Erkrankung auslösen. Immerhin leiden mehr als 2 Millionen Bundesbürger an einer Herzinsuffizienz. Die Studienteilnehmer – alle zwischen 30 und 79 Jahre alt – wurden von der Stadt Würzburg nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und angeschrieben. Die ersten Ergebnisse werden derzeit von den beiden Kooperationspartnern, dem DZHI und dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) der Universität Würzburg ausgewertet.

„Die Rücklaufquote der Bevölkerung mit 31 Prozent war ausgezeichnet. Ohne diese breite Unterstützung in der Bevölkerung und natürlich der Stadt Würzburg hätten wir das nie geschafft. Je mehr der ausgewählten Bürger an der Studie teilnehmen, umso besser ist die Aussagekraft der Studie. Aus den Ergebnissen wollen wir dann Strategien für die Vorbeugung und Behandlung einer Herzschwäche entwickeln“, erklärt der Kardiologe Stefan Störk, der gemeinsam mit dem Epidemiologen Peter Heuschmann die Studie leitet. Beide Forscher bedanken sich stellvertretend für das Studienteam bei der Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake für das Engagement der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger.

„Die Stadt Würzburg hat dieses groß angelegte Forschungsprojekt von Beginn an gern unterstützt. Schließlich liegt uns die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger sehr am Herzen“, erklärt Marion Schäfer-Blake. „Wer daran teilgenommen hat, erfährt ja nicht nur, ob seine Herzfunktion beeinträchtigt ist oder eines Tages sein könnte, sondern auch, wie der komplette Gesundheitsstand ist.“

Karin Westgate-Kokoschka, die 5.000ste Probandin, hat diese Gelegenheit gern genutzt: „Ich bin keine gute Arztgängerin und hatte schon lange keine umfassende Untersuchung mehr. Deshalb hat mich die Einladung zur Teilnahme an der STAAB-Studie voll motiviert.“ Und nach dreieinhalb Stunden hatte sie die Gewissheit: Alles ist gut! Auch die Befürchtung, dass nun die ersten Tabletten ins Haus kommen, hat sich nicht bewahrheitet.

Die Teilnehmer der Studie erhielten am DZHI eine ausführliche Untersuchung zu ihrem Gesundheitszustand, unter anderem mit umfangreicher Untersuchung des Herzens und der Gefäße, des Zucker-und Fettstoffwechsels sowie der Gedächtnisleistung. Im Anschluss an die etwa dreieinhalbstündige Untersuchung wurde jedem Teilnehmer seine Untersuchungsergebnisse in einem ausführlichen Abschlussgespräch mitgeteilt. Alle Daten der Freiwilligen wurden selbstverständlich anonymisiert

„Zurzeit werten wir die Untersuchungsergebnisse der ersten 2.500 Studienteilnehmer aus und werden diese alsbald veröffentlichen“, berichtet Studienleiter Peter Heuschmann, der als Epidemiologe die Häufigkeit von Krankheiten in der Bevölkerung erforscht. „Aus den Daten des STAAB-Forschungsprogramms wollen wir gezieltere Vorsorgestrategien entwickeln. Das würde vor allem den Menschen helfen, die ein erhöhtes Risiko für Herzschwäche haben oder bereits eine im Ultraschall nachweisbare Herzfunktionsstörung zeigen. Man spricht dann von den Stadien A oder B, daher auch der Name STAAB.“

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie ein erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche haben, diese sind im Stadium A. Dazu gehören Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, oder Übergewicht. Andere sind bereits erkrankt, sie haben jedoch keine Symptome – sie sind im Stadium B. Da Betroffene keine Beschwerden haben, werden diese frühen Stadien oft nicht vom Arzt erkannt. Dabei kann eine frühzeitige Prävention, Erkennung und Behandlung entscheidend sein und dem Fortschreiten entgegenwirken. Denn eine Herzschwäche ist tückisch. Sie steht in vielfältiger Wechselwirkung mit anderen Organen. In der Todesursachenstatistik nimmt die Herzinsuffizienz den dritten Platz ein.

Um das bestehende Gesamtrisiko in der Bevölkerung noch besser abschätzen zu können und ein umfassendes Bild über die Veränderung des Gesundheitszustandes zu bekommen, werden alle Teilnehmer demnächst zu einer erneuten freiwilligen Nachuntersuchung eingeladen. Ziel ist es, Veränderungen aufzudecken, die sich im Laufe der letzten drei bis fünf Jahre eingestellt haben.

Erfolgreicher Zwischenziel der STAAB-Studie
Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake (links) begrüßt die 5.000ste Teilnehmerin der STAAB-Studie, Karin Westgate-Kokoschka, und gratuliert den Studienleitern Peter Heuschmann (links) und Stefan Störk zum erfolgreichen Zwischenziel der STAAB-Studie. Bild: A. Hansen / Uniklinikum Würzburg

Seltene Erbkrankheit im Blick

Schäden an Knochen und Gelenken, dazu starke chronische Schmerzen: So äußert sich die Hypophosphatasie, eine seltene Erbkrankheit. Bei der Suche nach neuen Therapiemöglichkeiten könnten Zebrafische weiterhelfen.

Stephanie Graser und Daniel Liedtke vor Aquarien mit Zebrafischen. (Foto: Julia Kühl)
Stephanie Graser und Daniel Liedtke vor Aquarien mit Zebrafischen. (Foto: Julia Kühl)
Zebrafische
Zebrafische sind ideal, um die frühe Embryonalentwicklung zu erforschen. (Foto: Julia Kühl)

Was dem Auge (nicht) verborgen bleibt

Psychologen der Universität Würzburg wollen den direkten Blickkontakt zwischen Menschen genauer erforschen. Professorin Anne Böckler-Raettig organisiert hierfür den Aufbau einer Emmy-Noether-Forschergruppe.

Ein ausdauernder Blick direkt in die Augen, ein langes Anstarren, das Ausweichen eines unangenehmen Blickes: Unsere Augen sind wesentlicher Bestandteil der menschlichen Kommunikation. Unter dem Titel „More than meets the eye“ widmen sich Psychologen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in einer neuen Emmy-Noether-Forschergruppe den Aspekten der menschlichen Interaktion, die mit dem direkten Blickkontakt zusammenhängen.
 
Gruppenleiterin  Anne Böckler-Raettig arbeitet bereits länger an der Frage, welche affektiven und kognitiven Aspekte  der menschlichen Koordinations- und Kooperationsfähigkeit zugrunde liegen.
 
Koordination, Kommunikation und Kooperation funktionieren bei Menschen in der Regel sehr gut. Die Psychologie hat sich in den letzten Jahren zunehmend damit beschäftigt herauszufinden, was denn die Mechanismen sind, die dem zugrunde liegen. "Das sind - und das ist das Schöne - oft die ganz einfachen Dinge", sagt Professorin Anne Böckler-Raettig. Einfache Dinge, wie ausgetauschte Blicke - bewusst oder unbewusst.
Erforschung des direkten Blickkontaktes
Gut erforscht ist mittlerweile die Blickfolge; die automatische Tendenz, mit der Aufmerksamkeit den Blicken anderer Menschen zu folgen. "Wir machen das die ganze Zeit und merken es oft gar nicht. Und das hat einen Rieseneinfluss", erklärt die Psychologin, die seit Oktober 2015 eine Juniorprofessur am Institut für Psychologie der Uni Würzburg innehat. Dadurch könnten Menschen unter anderem die Perspektive des Gegenübers – also was der Andere sieht, was ihn interessiert oder was er haben oder tun möchte – besser verstehen.
Direkter Blickkontakt stand bisher weniger im Fokus der Forschung. Hier setzt die neue Emmy-Noether-Forschergruppe "More than meets the eye: Untersuchungen zur Integration, Funktion und Beeinträchtigung der Verarbeitung von direktem Blickkontakt" an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) an.
Das Antragsthema basiert grob auf einem einfachen Experiment aus Böckler-Raettigs Doktorandenzeit. Mit Kollegen aus den USA und Kanada fand sie heraus, dass Blickkontakt, vor allem plötzlicher, unsere Aufmerksamkeit bannt. "Das ist erstmal ein recht einfacher Befund. Spannend jedoch ist die Frage, warum das so ist und wie das funktioniert", sagt die Professorin.
 

Funktion und Bedeutung im Fokus

Das Forschungsvorhaben gliedert sich in drei Teile. Im ersten wollen die Forscher klären, wie der direkte Blickkontakt funktioniert. "Welche Rolle spielt dabei die zeitliche Komponente", fragt Anne Böckler-Raettig etwa. Und insgesamt stellt sich die Frage, wie sich dieser Reiz in andere Reize integriert, etwa den Emotionsausdruck auf einem Gesicht des Gegenübers: "Mich interessiert, wie daraus ein Gesamtbild entsteht und das "Sich-Anschauen" mit anderen Reizen zusammenspielt."
In diesem Bereich der Grundlagenforschung arbeiten die Wissenschaftler unter anderem mit der Eye-tracking-Methode. Dabei werden Probanden sehr einfache Reize präsentiert, zum Beispiel Gesichter, die einen anblicken oder eben nicht anblicken. Die Bewegungen der Augen und der Weg des Blickes werden aufgezeichnet und können analysiert werden. Hier arbeitet die neue Forschergruppe eng mit den Professoren Lynn Huestegge (Psychologische Methodenlehre) und Winfried Kunde, dem Leiter des Lehrstuhls für Psychologie III der JMU zusammen.
Im Fokus des zweiten Teils steht die Bedeutung des Blickkontakts in der sozialen Interaktion und im sozialen Verstehen. Und zwar für denjenigen, der beispielsweise bei einem Gespräch zuhört, genauso wie für denjenigen, der gerade etwas sagt. Bereits in den Sechzigerjahren gab es erste Versuche, die das Blickverhalten in einem Gespräch untersucht haben. Das Ergebnis: Blicke haben eine doppelte Funktion: Etwa: Hört mein Gegenüber zu? "Gleichzeitig kommuniziere ich auch, etwa kurz bevor ich das Wort abgebe, schaue ich meinem Gesprächspartner in der Regel in die Augen", erklärt Böckler-Raettig. Aber verstehen wir einander? Und wenn nein - warum nicht?  
 

Blicke haben große Wirkung für die soziale Interaktion

Ob wir unsere Mitmenschen verstehen, hat eine emotionale und eine kognitive Komponente. Bei der emotionalen Komponente, Empathie, geht es etwa darum, ob jemand verstehen kann, wie der Gegenüber sich gerade fühlt. Genauer: sich in ihn oder sie "hineinfühlen" kann - und das passiert weitgehend automatisch.
Der kognitive Zugang beschreibt die Möglichkeit zur Perspektivübernahme. Was denkt jemand, was glaubt jemand, was plant jemand? Hier ist laut Böckler-Raettig eine spannende Frage: "Sind Menschen, die anderen Menschen beim Zuhören viel in die Augen gucken, empathischer und fällt ihnen die Perspektivübernahme leichter?"

Interaktionsdefizite und die mögliche Überwindung davon stehen im Fokus des dritten Teils. "Es gibt die Ansicht, dass viele Psychopathologien auch Interaktionsstörungen sind - sonst würde es uns ja in der Regel auch nicht auffallen", sagt die Professorin. Beispiele sind soziale Ängstlichkeit, Anpassungsstörungen und Autismus.

Soziale Ängstlichkeit und Anpassungsstörungen

Soziale Ängstlichkeit und Anpassungsstörung sind die beiden Defizite, die die Wissenschaftlerin untersuchen möchte. "Die hier betroffenen Menschen wissen gewissermaßen nicht, wie es sozial 'richtig' funktioniert", sagt Böckler- Raettig. Bei ihnen ist beispielsweise die Empathie reduziert, wofür sie nichts können. "Bei sozialer Ängstlichkeit weiß man, dass die Betroffenen ein etwas anderes Blickverhalten haben", sagt die Psychologin. "Möglicherweise sind es diese ganz einfachen Mechanismen, die ursächlich sind für unsere sozialen Fähigkeiten", sagt die Professorin.
 
Gemeinsam mit Marcel Romanos, dem Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum der Universität, versucht die Psychologin, diese Krankheitsbilder besser zu verstehen. Eine Motivation dahinter: Erkenntnisse in neue Therapien einfließen lassen zu können. Dann könnte das Erlernen einfacher Verhaltensweisen, etwa in Bezug auf den Blickkontakt, komplexere soziale Zusammenhänge positiv beeinflussen.
 
Kontakt
Prof. Dr. Anne Böckler-Raettig, E-Mail: anne.boeckler@ uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Anne Böckler-Raettig
Die DFG möchte mit diesen Forschergruppen jungen Forschenden einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbstständigkeit eröffnen. Im Rahmen der Gruppe von Anne Böckler-Raettig bedeutet dies eine Förderung von bis zu 800.000 Euro in fünf Jahren. Dadurch werden unter anderem ein Postdoc, drei Doktoranden und zwei Hilfskräfte finanziert.

Jobmesse auf dem Campus der Universität Würzburg

Praktika, Werkstudententätigkeiten, Stellen für Absolventen: All das haben die rund 70 Unternehmen im Gepäck, die am Donnerstag, 16. November, zur Jobmesse study & stay auf den Hubland-Campus kommen.

Circa 70 Aussteller von s.Oliver und Knauf, Brose und dm bis hin zu Fujitsu und Würth. Bewerbungsgespräche bei Unternehmen. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen von Firmen und Workshops rund um die Themen Jobsuche und Bewerbung. Ein kostenloser Bewerbungsmappen-Check mit dem Career Centre der Universität und der Agentur für Arbeit. Und ein Bewerbungsfoto-Shooting. So sehen die Rahmendaten der Jobmesse study & stay 2017 aus.

Messezelt am Hubland von 10 bis 16 Uhr

Die Messe richtet sich an Studierende der Würzburger Hochschulen und andere Interessierte. Sie findet am Donnerstag, 16. November, von 10 bis 16 Uhr auf der Campus-Wiese am Hubland in einem beheizten Messezelt statt. Organisiert wird die mittlerweile sechste Ausgabe der Messe wie bisher vom Career Centre.
„Alle Studierenden haben hier die Möglichkeit, Kontakte zu regionalen wie überregionalen Firmen zu knüpfen und sich über potenzielle Berufswege zu informieren“, sagt Krischan Brandl vom Career Centre.

Anmeldung für Bewerbungsgespräche

Wer die Messe besuchen und sich unverbindlich informieren möchte, kann das problemlos spontan tun. Der Eintritt ist frei. Studierende, die zusätzlich die Chance auf ein Bewerbungsgespräch wahrnehmen wollen, können sich über das Karriereportal der Uni, CareerLink, dafür bewerben. Dort finden sie neben Informationen zur Jobmesse auch Stellenangebote für Nebenjobs, Praktika, Traineeships und vieles mehr.
Zum Karriereportal CareerLink: go.uniwue.de/careerlink
Spannend für Studierende aller Fachrichtungen
Messepartner sind die Unternehmen Knauf und s.Oliver. Die meisten der vertretenen Firmen sind als Arbeitgeber vorwiegend für Natur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler und für Informatiker spannend.

Aber auch Studierende der Geisteswissenschaften können auf der Messe fündig werden: Viele Unternehmen seien an guten Bewerbungen von Geisteswissenschaftlern interessiert. Das könne man an zahlreichen Ausschreibungen der Aussteller sehen, sagt Krischan Brandl, der selbst ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat. Oft seien zudem Quereinstiege möglich, wenn sich Studierende stark für spezielle Unternehmen interessieren.
„Es lohnt sich also für Studierende aus allen Fachbereichen, auf der Messe das Gespräch mit Personalern zu suchen – und dabei vielleicht auf Job- und Praktikumsmöglichkeiten zu stoßen, die man zuvor nicht auf dem Schirm hatte“, so Brandl.
Homepage der Jobmesse study & stay:
https://www.uni-wuerzburg.de/career/veranstaltungen/jobmesse_study_stay

Study & Stay Universitätsklinikum Stand 6

Welt-Frühgeborenen-Tag: Frühchen und ihre Eltern am Uniklinikum Würzburg in besten Händen

Der Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November ist ein guter Anlass, auf die ausgezeichnete Versorgung dieser jungen Patienten und ihrer Eltern an der Würzburger Universitäts-Klinik aufmerksam zu machen.

Eine Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Kommt ein Kind schon vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt, spricht man von einer Frühgeburt. Laut dem Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. betrifft dies pro Jahr in Deutschland rund 60.000 Kinder. Demnach ist eines von zehn Neugeborenen ein Frühchen! Obwohl sie die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands darstellen, werden ihre spezifischen Probleme nach Angaben des Verbands nicht adäquat wahrgenommen. Daher machen jährlich am 17. November weltweit Elternvertreter mit einem Aktionstag auf die Belange von Frühgeborenen und ihren Familien aufmerksam.

Gefragt ist ein ganzheitliches Angebot

„Eine Frühgeburt ist in vielen Fällen ein kritisches Lebensereignis für die junge Familie. Unsere Aufgabe ist es, das Frühgeborene bestmöglich medizinisch zu versorgen und auch die jungen Eltern auf vielerlei Ebenen optimal zu unterstützen. Zusätzlich versuchen wir stets ein Maximum an Natürlichkeit, Nähe und Intimität zu ermöglichen.“, umreißt Prof. Dr. Christian P. Speer die Herausforderungen der modernen Frühgeborenenmedizin. Der Direktor der Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) leitet gemeinsam mit dem Direktor der Universitäts-Frauenklinik, Prof. Dr. Achim Wöckel, eines der drei größten Perinatalzentren in Bayern. Aus diesem Spezialangebot für Früh- und Neugeborene ergeben sich ein Einzugsradius von bis zu 100 km um Würzburg und ein hohes Patientenaufkommen. „Von den 2.029 an der Würzburger Universitätsfrauenklinik im Jahr 2016 geborenen Kindern waren über 350 Frühgeborene“, berichtet Prof. Dr. Johannes Wirbelauer, der Leitende Oberarzt der Würzburger Universitäts-Kinderklinik, und ergänzt, dass 82 dieser Frühgeborenen ein Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm hatten.

Universitätsmedizin ermöglicht multidisziplinäre Versorgung

Wie Prof. Speer ist Prof. Wirbelauer ein bundesweit anerkannter Experte in der Neu- und Frühgeborenenmedizin. Fünf weitere Oberärzte sowie rund 70 Fachkinderkrankenschwestern umsorgen auf den Neugeborenen-Stationen rund um die Uhr die jungen und jüngsten Patienten. Die Frühchen profitieren bei Bedarf nicht nur von den Experten der Kinderklinik, sondern auch von weiteren Medizinern aus anderen Fachbereichen – den Kinderchirurgen und Kinder-Neurochirurgen, Augenärzten und vielen weiteren Spezialisten, die am UKW tätig sind.

Für ein Maximum an Natürlichkeit

„Ungeachtet unserer vielen und modernsten therapeutischen Möglichkeiten haben wir in den letzten Jahren gelernt, dass in der Frühgeborenenmedizin weniger oft mehr ist“, sagt Prof. Speer. Er meint damit weniger Medikamente und weniger künstliche Beatmung, aber auch weniger Geräusche und weniger Licht auf der Intensivstation. „Wir versuchen, auch im Rahmen des Krankenhausbetriebes eine warme und heimelige Atmosphäre zu schaffen. Wo irgend möglich fördern wir den Körperkontakt zwischen dem Früh- oder Neugeborenen und seinen Eltern“, schildert Prof. Wirbelauer.
Natürlich, bindungsfördernd und für das Immunsystem von Frühgeborenen wichtig ist die Ernährung mit Muttermilch. Obwohl viele Frühgeborene nicht gleich nach der Geburt angelegt werden können, gelingt eine Muttermilchernährung der meisten Frühgeborenen am UKW durch eine einfühlsame Begleitung und Anleitung durch Still- und Laktationsberaterinnen.

Unterstützung auch nach dem stationären Aufenthalt

Je nach Reifegrad dauert der Aufenthalt eines Frühchens in der Klinik zwischen wenigen Tagen und bis zu vier Monaten. „Gerade nach einem langen Krankenhausaufenthalt ist der Übergang von der High-Tech-Versorgung in der Klinik ins heimische Kinderzimmer für die Familien eine große Herausforderung“, weiß Prof. Wirbelauer. Ein wertvolles Hilfsangebot macht hier nach seinen Worten der Bunte Kreis Würzburg. Bei dem Projekt unterhalten die Kinderklinik und die Diakonie Würzburg ein Nachsorgeteam, das die Eltern bei der oft komplizierten Pflege ihrer Kinder unterstützt, begleitet und berät.

Dank an Sponsoren und Unterstützer

„Viele der heute am UKW bestehenden Angebote für Familien mit Frühgeborenen basieren auf dem Engagement unserer Unterstützer, denen ich ein weiteres Mal herzlich für ihre Hilfe danke“, unterstreicht Prof. Speer. Neben der Interessengemeinschaft zur Förderung der Kinder der Würzburger Intensivstation KIWI e.V, sind dies der Kiwanis-Club Würzburg-Mainfranken e.V., die Aktion Mensch sowie sehr viele Einzelpersonen, die diese Hilfen von Anfang an unterstützt und begleitet haben.

Frühchenfest: Ein fröhliches „Was-wurde-aus“

Einmal pro Jahr veranstaltet die Würzburger Universitäts-Kinderklinik mit Unterstützung von KIWI ein Sommerfest für Familien mit Frühgeborenen. Das Fest ist für viele Eltern eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Familien auszutauschen. „Für unsere Pflegekräfte und Ärzte, wie auch für uns persönlich ist es immer wieder eine große Freude, stolze Eltern und fröhliche Kindern wiederzusehen, die wir durch teils sehr schwierige Startbedingungen begleitet haben“, sind sich Prof. Speer und Prof. Wirbelauer einig.

Presseinfo zum Download.