Würzburg. Bei schweren Verkehrsunfällen, Stürzen aus großer Höhe oder anderen Zwischenfällen mit lebensbedrohlichen Verletzungen zählt jede Minute. Umso wichtiger ist es, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die richtigen Prioritäten setzen, schnell entscheiden, alle Handgriffe beherrschen und reibungslos zusammenarbeiten. Genau diese Fähigkeiten standen am 3. und 4. Oktober 2026 im Mittelpunkt eines ATLS-Kurses am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). ATLS steht für „Advanced Trauma Life Support“ und bezeichnet ein seit Jahrzehnten international etabliertes Ausbildungskonzept. Die Kurse werden etwa alle vier bis sechs Jahre inhaltlich und strukturell überarbeitet. Die Veranstaltung in Würzburg war bundesweit der erste Kurs der 11. ATLS-Edition.
Lebensbedrohliche Verletzungen systematisch erkennen und behandeln
An der zweitägigen Fortbildung nahmen 20 Ärztinnen und Ärzte teil. Die Hälfte von ihnen arbeitet am UKW – in der Unfallchirurgie, der Allgemeinchirurgie oder der Anästhesie. Die übrigen Teilnehmenden kamen aus anderen Kliniken des Traumanetzwerks Nordbayern-Würzburg. Angeleitet wurden sie von einer Kursdirektorin sowie sechs Instruktorinnen und Instruktoren – unter letzteren Privatdozentin Dr. Mila Paul, Prof. Dr. Johan Lock und Dr. Daniel Röder, alle drei vom UKW. „Das gemeinsame Training mit Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerkliniken fördert nicht nur die medizinische Kompetenz, sondern auch das gegenseitige Verständnis und die Kooperation der beteiligten Einrichtungen“, schildert PD Dr. Paul. Laut der Unfallchirurgin ist gerade bei schwer verletzten Patientinnen und Patienten eine enge Abstimmung zwischen den verschiedenen Einrichtungen von großer Bedeutung. Sie fügt hinzu: „Einheitliche Behandlungsstandards erleichtern die Zusammenarbeit und schaffen wichtige Voraussetzungen für eine durchgängige, qualitativ hochwertige Versorgung.“
Bei dem vom American College of Surgeons entwickelten und in Deutschland von der Akademie für Unfallchirurgie (AUC) angebotenen Kurskonzept steht der Grundsatz „Treat first what kills first“ im Mittelpunkt – behandle zuerst, was zuerst zum Tod führen kann. Nach einem festgelegten Untersuchungsschema werden zunächst die Atemwege, die Atmung und der Kreislauf überprüft, bevor die neurologische Beurteilung und die weitere körperliche Untersuchung folgen. Lebensbedrohliche Probleme sollen dabei nicht nur möglichst schnell erkannt, sondern unmittelbar behandelt werden.
Realitätsnahe Übungen mit neuen Trainingsmodellen
Neben theoretischen Unterrichtseinheiten bildeten praktische Übungen einen Schwerpunkt des Kurses. Anhand simulierter Notfallsituationen trainierten die Teilnehmenden, Verletzungsmuster zu beurteilen, lebensbedrohliche Zustände zu erkennen und die erforderlichen Behandlungsschritte einzuleiten. Eine weitere Besonderheit des Würzburger Kurses war der erstmalige Einsatz spezieller medizinischer Simulationsmodelle des Magdeburger Start-ups Phantoms. Sie erweiterten die Möglichkeiten, realitätsnah zu üben – wie zum Beispiel eine chirurgische Atemwegssicherung, eine Punktion des Herzbeutels oder die Anlage einer Thoraxdrainage.
„Letztlich tragen die am UKW durchgeführten ATLS-Kurse dazu bei, dass Notfallpatientinnen und -patienten in den Schockräumen der nordbayerischen Kliniken auf hervorragend ausgebildete und sehr gut vorbereitete Teams treffen“, fasst Mila Paul den Hauptnutzen der Fortbildung zusammen.
Text: Pressestelle / UKW