Würzburg. Die Mitgliedschaft in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Wissenschaft. Für seine herausragenden Beiträge zur Herz-Kreislauf-Forschung wählte das Präsidium nun Prof. Dr. Stefan Frantz als neues Mitglied in ihre Reihen. Der Aufnahme gingen die Nominierung durch ein bestehendes Mitglied sowie eine mehrstufige Prüfung seiner wissenschaftlichen Exzellenz voraus.
Mit der Aufnahme in die Leopoldina gehört der Kardiologe und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) nun auch offiziell zu den führenden Wissenschaftlern seines Fachgebiets. Der 1652 gegründeten Gelehrtengesellschaft gehören derzeit insgesamt 1.751 Mitglieder aus Deutschland und der Welt an, die sich in verschiedenen Klassen und Fachsektionen engagieren. Gemeinsam verfolgen sie die beiden übergeordneten Aufgaben der Leopoldina: die Vertretung der deutschen Wissenschaft im Ausland und die Beratung von Politik und Öffentlichkeit.
Der Kardiologe wird sich in der Leopoldina in der Fachsektion „Innere Medizin und Dermatologie“ engagieren. Als Herz-Kreislauf-Forscher beschäftigt er sich insbesondere mit kardiovaskulären Schnittstellen – also den Wechselwirkungen zwischen Herz, Immunsystem, Gehirn und weiteren Organsystemen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Mechanismen der Heilung und des Remodelings nach einem Myokardinfarkt sowie deren Bedeutung für die Entstehung und Progression der Herzinsuffizienz.
Werdegang von Prof. Dr. Stefan Frantz
Stefan Frantz wurde 1970 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach Schuljahren in Stuttgart und Paris legte er 1989 in München das Abitur ab. Sein Medizinstudium begann er mit einem Stipendium der Bayerischen Hochbegabtenförderung an der Universität Regensburg und setzte es nach dem Physikum an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) fort. Bereits seine Promotion im Jahr 1996 legte den Grundstein für seine translationale Forschung zu metabolischen Mechanismen kardiovaskulärer Erkrankungen und deren therapeutischer Modulation.
Von 1998 bis 2000 forschte Frantz mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Boston (USA). Anschließend kehrte er an das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) zurück, wo er seine Facharztausbildung absolvierte. 2005 erlangte er die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin, ein Jahr später habilitierte er sich und erhielt die Venia Legendi. Es folgten die Schwerpunktbezeichnung Kardiologie sowie die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin.
2007 wurde Frantz Oberarzt auf der Intensivstation, 2009 übernahm er die Leitung der Zentralen Notaufnahme und Aufnahmestation. Weitere Meilensteine sind die W2-Professur für „Translationale Forschung“ (2011), die Direktion der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) von 2014 bis 2017 sowie seit 2017 die Direktion der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am UKW.
Darüber hinaus engagiert sich Frantz in zahlreichen wissenschaftlichen Leitungsfunktionen. Er ist stellvertretender Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) sowie des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF). Von 2021 bis 2025 war er stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKW, seit 2026 ist er stellvertretender Dekan der Medizinischen Fakultät.
Zu den wichtigsten Meilensteinen seiner Karriere zählen die Mitgründung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz sowie die erfolgreiche Einwerbung des Sonderforschungsbereichs SFB 1525, dessen Sprecher er seit 2022 ist.
Stefan Frantz ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt mit seiner Familie in Würzburg.
Über die Leopoldina
Charles Darwin, Marie Curie, Albert Einstein, aber auch Emmanuelle Charpentier, Christiane Nüsslein-Volhard, Svante Pääbo und Harald zur Hausen - sie alle waren oder sind Mitglieder der Leopoldina. Die Nationale Akademie der Wissenschaften zählt zu den ältesten und renommiertesten Wissenschaftsakademien der Welt. Als „Academia Naturae Curiosorum" 1652 in Schweinfurt gegründet, beschäftigten sich die ersten Mitglieder der „Akademie der Naturforscher“ vor allem mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen und trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Aufklärung bei. Bis heute steht die Leopoldina, die seit 1878 ihren Hauptsitz in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) hat, für wissenschaftliche Exzellenz und interdisziplinären Austausch. Um ihre Stärke der Akademie zu erhalten, wählt die Leopoldina jedes Jahr in einem mehrtägigen Auswahlverfahren etwa 50 neue Mitglieder. Die Mitglieder sind in Fachsektionen organisiert, die wiederum vier Klassen mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin sowie Verhaltens-, Sozial- und Geisteswissenschaften zugeordnet sind. Unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen und beraten die deutsche Politik und internationale Institutionen in wichtigen Fragen. Ihre Stellungnahmen zu Themen wie Gesundheit, Klimawandel oder Technologie haben großes Gewicht. Darüber hinaus setzt sich die Leopoldina für die Achtung der Menschenrechte ein.