Dass ein Mitglied der Universität deren Kunstsammlungen bereichert, hat in Würzburg Tradition: Hätte der „Deutsch-Römer“ Martin von Wagner die rund fünftausend italienischen Zeichnungen in seinem Besitz nicht kurz vor seinem Tod 1858 an die Universität seiner Heimatstadt gestiftet, wäre die Graphische Sammlung des nach ihm benannten Museums weitaus weniger bedeutend.
An diese Tradition knüpfte ein prominenter Mediziner der Julius-Maximilians-Universität an: Professor Karl-Heinz Weis (1927–2025), Anästhesiologe von Weltruf, hat dem Martin von Wagner Museum über ein Vierteljahrhundert hinweg eine große Zahl von Kunstwerken übereignet, die er eigentlich für sich erworben hatte. Vor einem Jahr ist er im Alter von 98 Jahren gestorben, jetzt zeigt das Museum eine Auswahl seiner Schenkungen.
Promotion nach der Emeritierung
Weis‘ Verhältnis zur Kunst war sehr eng. Nicht nur umgaben er und seine Frau Ricarda sich privat mit viel moderner und zeitgenössischer Malerei, Skulptur und Graphik. Auch studierte Weis nach seiner Emeritierung das Fach Kunstgeschichte, in dem er 2008 mit einer Studie über den Maler Karl Hofer promoviert wurde.
Der Betreuer seiner Dissertation, Professor Stefan Kummer, war damals nicht nur Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Kunstgeschichte, sondern in Personalunion auch Direktor des Martin von Wagner Museums. Über diese Verbindung kam es zu den ersten Schenkungen, die nach und nach den Moderne-Bestand des Museums vergrößerten.
Die prominentesten Stücke werden jetzt in einer Sonderausstellung präsentiert – 44 Werke, von Zeichnungen und Druckgraphik der Leipziger Schule bis hin zu Skulpturen von Ernst Barlach oder Igor Mitoraij. Natürlich fehlt auch die 1924/25 von Karl Hofer geschaffene „Junge Frau mit Tulpenvase“ nicht, die 2019 ans Martin von Wagner Museum ging. Das Bild ist der mit Abstand kostbarste Neuzugang zur Moderne-Sammlung, die durch Weis‘ Schenkungen um ein Vielfaches vermehrt wurde.
Die Ausstellung heißt „Conditio humana“. Damit wird einem bestimmten Interesse des Sammlers Rechnung getragen, für den die von ihm erworbenen Werke immer Anlass waren, nach dem Menschen „an sich“ zu fragen, seinen Bedingungen und Bedingtheiten. In den von ihm so intensiv angeschauten Kunstwerken wird Weis‘ eigener Blick noch einmal lebendig.
Zeit und Ort
Die Ausstellung wird am Freitag, 23. Oktober um 19 Uhr im Martin von Wagner Museum eröffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. „CONDITIO HUMANA | Karl-Heinz Weis, Mediziner und Mäzen“ läuft bis 23. Dezember und kann zu den regulären Öffnungszeiten des Museums besucht werden (dienstags bis samstags 13.30–17 Uhr, sonntags 10–13.30 Uhr im Wechsel mit der Antikensammlung).
einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 20.10.2026