Mit künstlichem Gewebe neue Therapien fürs Auge erforschen

Würzburger Augenheilkunde auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) für neues Bindehautmodell ausgezeichnet – DOG fördert zudem Forschung zu Pilzinfektionen der Hornhaut

Würzburg. Wie lässt sich menschliches Gewebe möglichst realistisch nachbilden? Und wie können solche Modelle dazu beitragen, neue Therapien für Augenerkrankungen zu entwickeln und Tierversuche zu reduzieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsteam um Dr. Malik Salman Haider an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) unter der Leitung von Prof. Dr. Jost Hillenkamp. Auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin wurde die Arbeit des Teams mit einem Posterpreis ausgezeichnet. 

Bindehautgewebe im Labor herstellen 

Im Mittelpunkt der ausgezeichneten und vom Doktoranden Zhi Liang vorgestellten Arbeit steht ein neu entwickeltes Gerüst für die Herstellung von Bindehautgewebe. Die Bindehaut schützt die empfindliche Augenoberfläche und hilft dabei, sie feucht und widerstandsfähig zu halten. Nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen kann jedoch Gewebe verloren gehen. Für die Entwicklung von Gewebeersatz und neuen Behandlungsmöglichkeiten sind deshalb realistische Modelle der Bindehaut gefragt. 

Das Projekt ist das Ergebnis einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem von Professor Jürgen Groll geleiteten Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde (FMZ). Wahaj ul Haq aus der Augenklinik, Dr. Camilla Mussoni und Muhammad Aslam vom FMZ sowie Zhi Liang aus der Augenklinik entwickelten gemeinsam ein präzise strukturiertes Gerüst. Es verfügt über klar voneinander abgegrenzte obere und untere Bereiche, welche es ermöglichen, Epithelzellen und Fibroblasten entsprechend ihrer natürlichen Anordnung zu organisieren. So entsteht ein gewebeähnliches zweischichtiges Konstrukt. 

„Ich bin sehr stolz auf das gesamte Team. Diese Auszeichnung spiegelt die harte Arbeit, Kreativität und Ausdauer unserer jungen Forschenden wider, deren Engagement unsere Forschung voranbringt“, kommentiert Malik Salman Haider den Erfolg. „Besonders freut mich, dass ihre Arbeit auf einem so bedeutenden Kongress Anerkennung findet.“ 

Die Plattform bildet eine Grundlage für die weitere Entwicklung von Bindehautgewebeersatz und standardisierten dreidimensionalen Modellen der Augenoberfläche. Sie könnte zudem die Untersuchung neuer Behandlungsmöglichkeiten und Wirkstoffverabreichungssysteme unterstützen und gleichzeitig dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen und zu reduzieren.

Gemeinsame Leistung

„Ich danke unseren Kooperationspartnern am FMZ, insbesondere Dr. Taufiq Ahmad und Prof. Dr. Jürgen Groll, von ganzem Herzen für ihr Fachwissen, ihre kontinuierliche Unterstützung und den partnerschaftlichen Geist, den sie in unsere Arbeit einbringen. Ebenso dankbar bin ich unserem Direktor, Prof. Dr. Jost Hillenkamp, dessen Vertrauen, Ermutigung und Engagement für die Verbindung von experimenteller Forschung mit klinischen Bedürfnissen dazu beitragen, ein Umfeld zu schaffen, in dem junge Wissenschaftler sich entfalten können,“ betont Malik Salman Haider.

DOG-Anschubfinanzierung für die Forschung an Pilzkeratitis 

Neben dem Posterpreis erhielt das Forschungsteam im Zusammenhang mit dem DFG-geförderten Projekt zur Pilzkeratitis der Klinik eine DOG-Anschubfinanzierung in Höhe von 2.500 Euro. Bei einer Pilzkeratitis infizieren Pilze die Hornhaut und können schwere Gewebeschäden verursachen. Im schlimmsten Fall droht ein Verlust des Sehvermögens. Ziel des geförderten Projekts ist es, neue Möglichkeiten zu entwickeln, Medikamente gezielt an die betroffene Stelle zu bringen. Eine wirksamere Wirkstoffverabreichung könnte dabei helfen, die Behandlung von Pilzinfektionen der Hornhaut zu verbessern.

Von der Zelle zum Sehen

Neben den eigenen Forschungsarbeiten war Malik Salman Haider auf dem DOG-Kongress auch als Co-Vorsitzender des Symposiums „From Cells to Sight: 3D In-Vitro Platforms Transforming Ophthalmic Research“ beteiligt. Im Mittelpunkt standen dort fortschrittliche Labormodelle, die Forschenden dabei helfen können, Krankheitsmechanismen zu untersuchen, Therapien zu testen und regenerative Ansätze zu entwickeln. 

Der DOG-Kongress, der vom 24. bis 27. September in Berlin stattfand, brachte in diesem Jahr mehr als 3.100 Fachdelegierte und insgesamt mehr als 4.600 Teilnehmende zusammen.

Mitarbeitende stehen hinter großen blauen 3D-Buchstaben DOG
Forschungsteam und klinisch tätige Kolleginnen und Kollegen der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg beim DOG-Kongress 2026 in Berlin. © Raoul Verma
Professor Hattenbach und Zhi Liang stehen auf der Bühne, DOG-Forum steht auf blauem Hintergrund, beide halten Urkunde in den Händen
Kongresspräsident Professor Dr. Lars-Olof Hattenbach (rechts) überreichte Zhi Liang die Urkunde über den DOG-Posterpreis. © DOG2026/Christian Augustin
Zhi Liang präsentiert sein Wissenschaftsposter auf dem DOG-Kongress - er steht vor dem Ausdruck an der Posterwand und hält Arm in die Höhe
Zhi Liang stellte die Gemeinschaftsarbeit auf dem DOG-Kongress vor. © Zih Liang / UKW
Malik Salman Haider steht am Rednerpult und spricht ins Mikro, das Bild ist von der Seite aufgenommen worden.
Dr. Malik Salman Haider präsentierte zwei Projekte auf dem DOG-Kongress und er war der Co-Vorsitzender des Symposiums „From Cells to Sight: 3D In-Vitro Platforms Transforming Ophthalmic Research“. © DOG

Forschungsteam und klinisch tätige Kolleginnen und Kollegen der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg beim DOG-Kongress 2026 in Berlin. © Raoul Verma

Kongresspräsident Professor Dr. Lars-Olof Hattenbach (rechts) überreichte Zhi Liang die Urkunde über den DOG-Posterpreis. © DOG2026/Christian Augustin

Zhi Liang stellte die Gemeinschaftsarbeit auf dem DOG-Kongress vor. © Zih Liang / UKW

Dr. Malik Salman Haider präsentierte zwei Projekte auf dem DOG-Kongress und er war der Co-Vorsitzender des Symposiums „From Cells to Sight: 3D In-Vitro Platforms Transforming Ophthalmic Research“. © DOG