Würzburg. Wie können Infektionskrankheiten frühzeitig erkannt, Impfstrategien verbessert und Patientinnen, Patienten sowie Bürgerinnen und Bürger in die Infektionsforschung einbezogen werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Besuchs von MdL Thomas Zöller, Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, beim Bayerischen Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) in Würzburg. Gemeinsam mit Manfred Dülk aus dem unterfränkischen Büro der FREIEN WÄHLER informierte er sich über die Ziele und aktuellen Forschungsaktivitäten des BZI.
Bayernweite Zusammenarbeit für wirksame Infektionsprävention
Das BZI ist ein Netzwerk der sechs bayerischen Standorte der Universitätsmedizin, das eng mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit kooperiert. Gemeinsame Forschungsstrukturen und abgestimmte Verfahren ermöglichen standortübergreifende Untersuchungen zu Infektionskrankheiten und Infektionsgeschehen und tragen entscheidend dazu bei, Bayern besser auf künftige Ausbruchsgeschehen und mögliche Pandemien vorzubereiten.
Impfprävention: Wirksamkeit analysieren und Impfbereitschaft stärken
Aktuelle Studien des BZI, an denen sich bereits in der Aufbauphase etwa 1.000 Patientinnen und Patienten beteiligen, untersuchen die Wirksamkeit von Impfungen gegen COVID-19, Influenza und Pneumokokken bei Menschen ab 60 Jahren sowie der RSV-Immunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern.
In neu anlaufenden Studien wird analysiert, wie unterschiedliche Formen der Impfberatung während eines Krankenhausaufenthalts die Impfbereitschaft beeinflussen. Vorgesehen sind eine individuelle Beratung zu empfohlenen Schutzimpfungen sowie bei Einverständnis ein Impfangebot noch im Krankenhaus.
Früherkennung: gefährliche Erreger erkennen und Betroffene einbeziehen
Nicht gegen alle gefährlichen Infektionserreger stehen Impfungen zur Verfügung. Das BZI untersucht deshalb die Häufigkeit und Verbreitung von besonders gefährlichen oder resistenten Erregern in Bayern. Ziel ist es, Veränderungen im Infektionsgeschehen frühzeitig zu erkennen, etwa die Ausbreitung neuer oder resistenter Erregervarianten, die schwer behandelbare Infektionen verursachen können. Die bayernweite Überwachung soll helfen, auf Basis epidemiologischer Daten effiziente Präventionsstrategien zu entwickeln.
Im Gespräch mit MdL Zöller wurde die Vision des BZI diskutiert, interessierte Patientinnen und Patienten auch nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus als „citizen scientists“ in die Arbeit des BZI einzubinden. Dies könnte einen neuen Weg eröffnen, Besiedlungsverläufe und mögliche Übertragungswege im häuslichen Umfeld besser zu verstehen. Verständliche Informationen und Beratungsangebote würden zugleich dabei helfen, Unsicherheiten im Alltag abzubauen – ein auch aus Sicht von MdL Zöller sehr wichtiger Ansatz.
Long COVID: Perspektiven von Betroffenen in die Forschung einbringen
Ein weiterer Schwerpunkt war das Bayerische Long-COVID-Register im BZI. Dafür werden an allen bayerischen Universitätsklinika nach einheitlichen Vorgaben medizinische Daten von Patientinnen und Patienten erfasst, die auch längere Zeit nach einer Infektion noch unter Beschwerden leiden. Ergänzend ist die Sammlung von Blut- und anderen biologischen Proben vorgesehen. MdL Zöller zeigte sich erfreut über die hohe Bereitschaft der Betroffenen, sich an dem Register des BZI zu beteiligen.
Forschung gemeinsam mit der Bevölkerung gestalten
Übergreifend ging es bei dem Austausch um mögliche Beteiligungsformate, in denen Patientinnen und Patienten ihre Erfahrungen einbringen, Forschungsfragen mitgestalten oder an der Entwicklung verständlicher Gesundheitsinformationen mitwirken können. Auch bereits bestehende Formate wie Bürgerforen und Ideenwerkstätten wurden als mögliche Anknüpfungspunkte angesprochen.
Prof. Dr. med. Oliver Kurzai, Präsident des BZI, resümierte nach dem Gespräch: „Das große Interesse von Herrn Zöller als Patienten- und Pflegebeauftragter freut uns sehr! Das Gespräch mit ihm hat uns bestärkt, dass wir in der Entwicklung des BZI auf dem richtigen Weg sind. Der weitere Ausbau des BZI ab 2027 wird entscheidend sein, um die mit Herrn Zöller diskutierten Visionen gemeinsam umsetzen zu können.“
Weitere Informationen: www.bzi-bayern.de
Über das Bayerische Zentrum für Präventive Infektionsmedizin BZI: Das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) ist ein bayernweites Forschungsnetzwerk, das die sechs Universitätsstandorte mit medizinischer Fakultät, ihre Universitätsklinika und den öffentlichen Gesundheitsdienst vernetzt, um Infektionskrankheiten frühzeitig zu erkennen, zu erforschen und wirksam vorzubeugen. Zu den Schwerpunkten zählen die Überwachung von Krankheitserregern, die Impfstoffforschung und die Untersuchung von Langzeitfolgen wie Long COVID. Das BZI wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen der Highmed-Agenda Bayern aktuell mit rund drei Millionen Euro jährlich gefördert. Geleitet wird es von einem Direktorium, das aus Vertretern aller bayerischen Standorte besteht, Präsident des BZI ist Prof. Dr. med. Oliver Kurzai, Universität Würzburg.
Link zur BZI-Pressemitteilung: Besuch aus der Bayerischen Staatsregierung
Pressemitteilung Bayerisches Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) 21.10.2026