Würzburg. Erfolgreiche Premiere am Universitätsklinikum Würzburg (UKW): Dort wurde erstmals ein neuartiges Kunstherz bei einem Patienten mit weit fortgeschrittener Herzschwäche eingesetzt.
Zu den Stärken des neuen Systems BrioVAD des Herstellers Briohealth zählen seine geringe Größe, sein niedriges Gewicht und seine einfache Bedienung. Als Studienzentrum gehört die Klinik für Herz-, Thorax- und Thorakale Gefäßchirurgie des UKW zu den ersten zehn Einrichtungen in Europa, die das neue System einsetzen. In Deutschland ist es bislang an drei Kliniken verfügbar.
Modernste Technik zur Behandlung der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz
Das neue System ist ein sogenanntes linksventrikuläres Herzunterstützungssystem (LVAD). Es wird in die linke Herzkammer eingesetzt und unterstützt das Herz, indem es das Blut parallel zum eigenen Herzen in den Körperkreislauf pumpt. „Durch das System wird die Gesamt-Herzleistung normalisiert und zeitgleich das eigene Herz entlastet. Die Durchblutung und Sauerstoffversorgung wichtiger Organe verbessern sich“, erklärt die Klinikdirektorin Prof. Dr. Gloria Färber.
Das implantierte Herzunterstützungssystem wird über ein externes Steuergerät und leistungsstarke Akkus angetrieben. Diese Einheiten werden außerhalb des Körpers in einer kleinen Tasche getragen und sind über ein Kabel - Fachbegriff „Driveline“ - mit der Pumpe verbunden. „Eine weitere wichtige Weiterentwicklung beim neuen System ist die deutlich dünnere und flexiblere Driveline. Dies erleichtert die Handhabung im Alltag enorm“, erklärt Oberarzt Dr. Dejan Radakovic.
Gewinn an Lebensqualität und Lebenszeit
Herzunterstützungssysteme gewinnen zunehmend an Bedeutung und eröffnen viele Einsatzmöglichkeiten: von der Überbrückung zur Herztransplantation über die dauerhafte Unterstützung bis hin zur Möglichkeit, dem eigenen Herzen Zeit zur Erholung zu geben.
„Durch die LVAD-Unterstützung können Patientinnen und Patienten ihren Alltag wieder aktiv gestalten und die Linderung der Beschwerden ermöglicht einen Alltag mit deutlich mehr Lebensqualität. Natürlich werden sie entsprechend im Umgang mit dem System ausführlich geschult. Es ist einfacher als ein Handy zu bedienen“, erklärt Prof. Färber.
Zurück in den neuen Alltag
Noch muss sich der 60-jährige Patient aus Bayern an sein System gewöhnen. Ihm geht es seit seiner Operation im August sehr gut und er konnte bereits eine Reha-Maßnahme erfolgreich abschließen. Und er hat bereits ein Ziel vor Augen für die Zukunft: „Ich möchte wieder durch den heimischen Weinberg gehen. Darauf freue ich mich.“