Zwei Schmerzforscherinnen aus Würzburg ausgezeichnet

Die Deutsche Schmerzgesellschaft würdigt Dr. Ankita Rawat und Celine Panzer für ihre Forschung an Nervenendigungen und Immunzellen.

Sowohl der Förderpreis als auch der Nachwuchsförderpreis der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. gingen in diesem Jahr an Schmerzforscherinnen des Universitätsklinikums Würzburg (UKW).
Celine Panzer erhielt den mit 6.000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis Schmerz für ihre Analyse der neutrophilen Granulozyten beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom mittels CITE-seq. 
Dr. Ankita Rawat wurde für ihre in der Zeitschrift Pain veröffentlichten proteomische Analyse isolierter Nervenendigungen aus NaV1.9-Knockout-Mäusen mit dem mit 7.000 Euro dotierten Förderpreis in der Kategorie Grundlagenforschung ausgezeichnet.
Die Preise wurden auf dem Deutschen Schmerzkongress verliehen, der vom 21. bis zum 24. Oktober 2026 in Mannheim stattfand. 

Würzburg. Chronische Schmerzen betreffen Millionen von Menschen und beeinträchtigen ihren Alltag erheblich: Sie schränken die Beweglichkeit und den Schlaf ein, mindern die Arbeitsfähigkeit und beeinträchtigen die allgemeine Lebensqualität. Nach wie vor ist eine wirksame Behandlung von Schmerzen schwierig. „Um bessere Ansätze zur Schmerzbehandlung zu entwickeln, müssen wir verstehen, wie Schmerzsignale an ihrem Ursprungsort im Körper entstehen und reguliert werden“, sagt Dr. Ankita Rawat. Die Naturwissenschaftlerin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinischen Forschungsgruppe ResolvePAIN (KFO 5001) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und konzentriert sich in ihrer Forschung auf die peripheren Nervenendigungen. Diese winzigen Strukturen können schmerzhafte Reize erkennen und leiten sie weiter an das Gehirn. 

Eine neue Methode, um Schmerzsignale direkt am Ursprungsort zu untersuchen

Rawat hat eine Methode entwickelt, mit der sich die Nervenendigungen aus der Haut von Mäusen und Menschen isolieren lassen. Bislang wurde diese Isolierung nur in der Hirnforschung eingesetzt. Rawat hat nun eine Möglichkeit geschaffen, die Proteine direkt an den peripheren Endigungen der sensorischen Nervenzellen zu untersuchen, an denen die Schmerzsignale entstehen. 

Zunächst verglich sie die Nervenendigungen normaler Mäuse mit denen von Mäusen, denen der Natriumkanal NaV1,9 fehlt. Dieser Kanal beeinflusst, wie empfindlich schmerzleitende Nervenfasern auf Reize wie Wärme, Druck oder Gewebeschädigungen reagieren. Tatsächlich entdeckte sie Unterschiede bei Proteinen, die mit wichtigen zellulären Signalwegen, insbesondere den ERK1/2- und MAPK-Signalwegen, verbunden sind. Darüber hinaus identifizierte sie Proteine, die an der Proteinproduktion und Energiegewinnung beteiligt sind. Dies deutet darauf hin, dass Nervenendigungen über wichtige lokale Mechanismen verfügen, um ihre Funktion aufrechtzuerhalten und anzupassen. 

Von der Maus zum Menschen

Ein weiteres wichtiges Ergebnis ihrer Arbeit war die erfolgreiche Anwendung dieser Technik auf menschliche Hautbiopsien. „Dieser Ansatz könnte Forschende künftig dabei unterstützen, Unterschiede in den Schmerzmechanismen zwischen einzelnen Menschen oder Patientengruppen zu untersuchen und potenzielle Angriffspunkte für neue Therapien zu identifizieren“, sagt Ankita Rawat. Die in der Fachzeitschrift Pain veröffentlichten Ergebnisse schaffen somit eine wichtige Grundlage für die zukünftige translationale Forschung, die darauf abzielt, chronische Schmerzen besser zu verstehen und ihre Behandlung zu verbessern. 

Publikation: Rawat A, Vu DT, Erbacher C, Stigloher C, Üçeyler N, Metousis A, Mann M, Briese M, Sendtner M. Proteomic analysis of isolated nerve terminals from Na V 1.9 knockout mice reveals pathways relevant for pain perception. Pain. 2025 Dec 1;166(12):e770-e787. doi: 10.1097/j.pain.0000000000003743. Epub 2025 Jul 29. PMID: 40719881; PMCID: PMC12617664.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. zeichnete diese herausragende Arbeit mit dem Förderpreis in der Kategorie „Grundlagenforschung” aus. Das von der Grünenthal GmbH gesponserte Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro gibt Rawat Rückenwind für ihre weitere Forschung. So untersucht sie unter anderem, wie bestimmte Krebsmedikamente beim multiplen Myelom Nervenschäden verursachen können. 

Welche Rolle spielen Immunzellen bei chronischen Schmerzen 

Das Preisgeld von Celine Panzer hat hingegen ein konkretes Ziel: die Analyse der neutrophilen Granulozyten beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) mittels CITE-seq. Die Assistenzärztin der Würzburger Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie erforscht als Clinician Scientist im Rahmen von ResolvePAIN die Rolle des Immunsystems bei CRPS. Dabei handelt es sich um eine schwere Schmerzerkrankung, die beispielsweise nach Verletzungen oder Operationen auftreten kann. Die Schmerzen können über das ursprüngliche Verletzungsgebiet hinausgehen und mit Veränderungen der Beweglichkeit, der Hauttemperatur oder der Empfindlichkeit einhergehen. Warum die Schmerzen bei manchen Betroffenen anhalten, während sie bei anderen zurückgehen, ist bislang nur unzureichend verstanden. Möglicherweise sind neutrophile Granulozyten an der Entstehung und Aufrechterhaltung dieser chronischen Schmerzen beteiligt. Obwohl die Bedeutung dieser Immunzellen für Entzündungsprozesse bekannt ist, ist ihre Rolle bei der Entstehung und Chronifizierung von CRPS aber noch weitgehend unbekannt.

Erste Untersuchungen von Celine Panzer zeigen, dass diese Zellen bei Patientinnen und Patienten mit CRPS eine veränderte Expression eines Aktivierungsmarkers der neutrophilen Granulozyten aufweisen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen untersucht die von der Deutschen Schmerzgesellschaft ausgezeichnete Nachwuchsforscherin nun, welche biologischen Programme dahinterstecken und ob sich unterschiedliche Zustände neutrophiler Granulozyten bei CRPS identifizieren lassen, die möglicherweise mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen. Dazu kombiniert sie die moderne Durchflusszytometrie mit der CITE-seq-Methode, die es ermöglicht, die Aktivität von Genen und gleichzeitig bestimmte Oberflächenproteine einzelner Zellen zu untersuchen. So lassen sich Unterschiede erkennen, die mit herkömmlichen Methoden möglicherweise verborgen bleiben.

Nicht nur das Entstehen, sondern auch das Abklingen von Schmerzen verstehen

„Besonders spannend ist die Frage, ob bestimmte Immunzellzustände nicht nur mit anhaltenden Schmerzen, sondern auch mit einer erfolgreichen Schmerzrückbildung zusammenhängen. Damit richtet sich der Blick insbesondere auf die biologischen Mechanismen, die die Schmerzauflösung ermöglichen könnten. Daraus könnten sich neue Ansatzpunkte für eine frühzeitigere und gezieltere Behandlung ergeben“, sagt Celine Panzer. Ihr Projekt wird mit Unterstützung der Merz Therapeutics GmbH mit 6.000 Euro gefördert. 

„Diese Auszeichnungen sind eine wunderbare Anerkennung für die wissenschaftliche Exzellenz, die Neugier und das Engagement der beiden Forscherinnen. Wir sind sehr stolz, Ankita und Celine im ResolvePAIN-Team zu haben, und freuen uns darauf, die weitere Entwicklung ihrer Forschung mitzuverfolgen“, sagt Prof. Dr. Heike Rittner, wissenschaftliche Leiterin der KFO 5001 ResolvePAIN.

Die freigestellten Forscherinnen stehen mit Urkunde und Trophäe vor einem blauen Hintergrund.
Zwei ausgezeichnete Schmerzforscherinnen aus Würzburg: Celine Panzer (links) erhielt den 1. Nachwuchsförderung Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V, Dr. Anikita Rawat wurde mit dem Förderpreis Schmerzforschung geehrt. © Fotos Ben van Skyhawk / Collage mit Canva
Preisträgerin steht mit weiteren Personen auf der Bühne, sie hält die Trophäe in der Hand, der Juryvorsitzender hält ihre Urkunde
Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryvorsitzender Förderpreis für Schmerzforschung), Dr. Ankita Rawat (Preisträgerin), Jan Jastoff (Vertreter Sponsor Grünenthal GmbH) © Ben van Skyhawk
Die drei Preisträger stehen mit ihren Urkunden auf der Bühne, daneben Jurymitglieder und Sponsoren.
Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury Nachwuchsförderpreis Schmerz), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Luisa Pötzsch (2. Preis), Celine Panzer (1. Preis), Dr. Regine Klinger (Juryvorsitzende Nachwuchsförderpreis Schmerz), Benjamin Waeschle (Vertreter Sponsor Merz Therapeutics) © Ben van Skyhawk

Zwei ausgezeichnete Schmerzforscherinnen aus Würzburg: Celine Panzer (links) erhielt den 1. Nachwuchsförderung Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V, Dr. Anikita Rawat wurde mit dem Förderpreis Schmerzforschung geehrt. © Fotos Ben van Skyhawk / Collage mit Canva

Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryvorsitzender Förderpreis für Schmerzforschung), Dr. Ankita Rawat (Preisträgerin), Jan Jastoff (Vertreter Sponsor Grünenthal GmbH) © Ben van Skyhawk

Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury Nachwuchsförderpreis Schmerz), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Luisa Pötzsch (2. Preis), Celine Panzer (1. Preis), Dr. Regine Klinger (Juryvorsitzende Nachwuchsförderpreis Schmerz), Benjamin Waeschle (Vertreter Sponsor Merz Therapeutics) © Ben van Skyhawk