Dr. Nadine Baumgart

Biologin und Leiterin des 3R-Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg

Nadine Baumgart (Jahrgang 1981) wuchs in der kleinen hessischen Ortschaft Herzhausen auf. Sie studierte Biologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Biologie, promovierte zu regulatorischen T-Zellen und baute an der Universitätsmedizin Mainz ein TARCforce3R-Zentrum auf. Ihre Expertise zur Reduktion und Verbesserung von Tierversuchen bringt sie seit Anfang 2026 am UKW ein. Sie lebt mit ihrem Mann, Jan Baumgart, der an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) den neu geschaffenen Lehrstuhl für Tierschutz und Versuchstierkunde übernahm, und ihrer gemeinsamen Tochter in Winterhausen bei Würzburg. 

Wie war Ihre Kindheit?

Mein Vater war Bauingenieur, meine Mutter Hausfrau. Dank medizinischer Fortschritte kam ich als absolutes Wunschkind auf die Welt und wuchs in einem kleinen Dorf als Einzelkind auf. 

Wann kamen Sie erstmals mit Wissenschaft in Kontakt? 

Da mein Vater beim Staatsbauamt arbeitete, war ich oft an der Universitätsklinik in Marburg. Ich habe mit ihm in der Mensa gegessen und durfte auch einmal die großen Forschungslabore besichtigen, die mein Vater mit all den speziellen Anforderungen mitgebaut hatte. Es war ziemlich aufregend für mich, dass hier Wissenschaft stattfand. Biologie, Physik und Chemie waren auch immer meine Lieblingsfächer.

Ihr schulischer und beruflicher Werdegang umfasst viele Stationen. Erzählen Sie mal. 

Nach meinem Realschulabschluss war ich ziemlich ratlos, wie es nun weitergehen sollte. Krankenschwester, Friseurin, Erzieherin - das waren alles Berufe, für die ich weder Talent noch die Nerven hatte. Per Zufall bin ich an einer weiterführenden Schule für Wirtschaft und Verwaltung gelandet, um das Fachabitur zu machen. Nach einem frustrierenden Praktikum im Finanzamt habe ich jedoch abgebrochen und beschlossen das richtige Abitur zu machen.

Das Abitur haben Sie dann trotz aller Warnungen durchgezogen.

Viele haben mir das tatsächlich nicht zugetraut. Es herrschte so eine Kultur der Missgunst. Ein Mädchen, das seine Träume verwirklichen möchte, passte irgendwie nicht ins Bild. Das war sehr schade. Denn ich hatte ein Ziel. Ich wollte ein naturwissenschaftliches Fach studieren. Zum Glück haben mich meine Eltern immer unterstützt. Sie haben an mich geglaubt. Das war immens wichtig. 

Und Sie haben sich selbst und allen anderen bewiesen, dass Sie es können. 

Ja, und zwar ohne Extrarunde mit einem Schnitt von 2,1. Das war in Ordnung hat aber natürlich nicht für Medizin und leider auch nicht für Humanbiologie gereicht. Also bin ich zunächst einmal nach England gegangen und habe ein Jahr als Au-pair gearbeitet. Danach habe ich mich an der Universität Mainz für das Diplomstudium der klassischen Biologie eingeschrieben. Das hat mir mit all seinen Nebenfächern extrem viel Spaß gemacht – vor allem die Theorie. 

Sie haben sich 2008 in Ihrer Diplomarbeit mit einem Thema befasst, für das 2025 der Nobelpreis verliehen wurde.

Shimon Sakaguchi war damals der Held meiner Diplomarbeit. Er erhielt den Nobelpreis gemeinsam mit Mary E. Brunkow und Fred Ramsdell für die Entdeckung und Erforschung sogenannter Tregs. Tregs sind regulatorische T-Zellen, also Zellen des Immunsystems. Normalerweise sind T-Zellen dafür bekannt, Krankheitserreger oder Tumore anzugreifen. Tregs sorgen jedoch dafür, dass das Immunsystem bei einer Entzündung oder Krebserkrankung nicht gänzlich Amok läuft und auch gesundes Gewebe angreift. Tregs regulieren also das Immunsystems. Und genau daran habe ich in der Immunologie der Universität Mainz geforscht – übrigens ein tolles Labor und eine nette Gruppe.

Auf den offiziellen Grafiken des Nobelpreises sind Mäuse und ihre Verwendung abgebildet, die Sakaguchi zu dieser bahnbrechenden Forschung verhalfen. Haben Sie für Ihre Diplomarbeit ebenfalls mit Tieren geforscht?

Ja, Tierversuche sind in der Immunologie nach wie vor unverzichtbar. Das Immunsystem ist schließlich ein sehr komplexes Netzwerk. Wenn der Körper Krankheiten abwehrt, arbeiten dabei unzählige verschiedene Zellen, Gewebe und Organe eng zusammen. Alternative Methoden wie Zellkulturen können zwar einzelne Vorgänge oder Reaktionen sehr genau abbilden. Sie können jedoch nicht das gesamte Zusammenspiel im Körper abbilden – zum Beispiel wie sich Abwehrzellen über den Blutkreislauf im Körper verteilen oder wie komplexe Immunantworten entstehen.  

Ich habe zwar viele Zellkulturexperimente durchgeführt, allerdings mit frisch aus Mäusen präparierten Zellen aus der Milz. Das heißt, ich musste die Mäuse töten, um ihre Milz zu entnehmen und die T-Zellen mithilfe magnetischer Beads aufzureinigen. 

Wie sind Sie als junge Studentin mit den Tierversuchen umgegangen?

Natürlich hat mich das Töten der Mäuse emotional beschäftigt. Aber es hat mich nicht traumatisiert. Ich bin da von Anfang an sehr wissenschaftlich rangegangen. Der Forschungsaspekt stand für mich immer im Zentrum. Ein wichtiger Punkt war für mich, mit dieser medizinischen Grundlagenforschung, etwas bewegen zu können, und einen Teil dazu beitragen zu können, dass wir das Immunsystem ein bisschen besser verstehen.

Was genau haben Sie herausgefunden?

Ich habe ein kleines Puzzlestück zu einem besseren Verständnis darüber geliefert, wie Tregs andere Zellen supprimieren können. Konkret ging es um die Rolle von ICER. Das steht für Inducible cAMP Early Repressor. Die Arbeit war Teil der 2011 von Martin Vaeth veröffentlichten Publikation. Ich stehe noch mit meinem Mädchennamen Nadine Grebe in der Autorenliste. 

M. Vaeth, T. Gogishvili, T. Bopp, M. Klein, F. Berberich-Siebelt, S. Gattenloehner, A. Avots, T. Sparwasser, N. Grebe, E. Schmitt, T. Hünig, E. Serfling & J. Bodor. Regulatory T cells facilitate the nuclear accumulation of inducible cAMP early repressor (ICER) and suppress nuclear factor of activated T cell c1 (NFATc1), Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 108 (6) 2480-2485, 2011. https://doi.org/10.1073/pnas.1009463108

In der Studie wird untersucht, wie natürliche regulatorische T-Zellen (nTregs) die Immunantwort von konventionellen CD4+-T-Zellen und B-Zellen gezielt unterdrücken. Über den Botenstoff cAMP sorgt der Zellkontakt dafür, dass sich das hemmende Protein ICER/CREM im Zellkern der Zielzellen ansammelt. Dort blockiert es die Aktivierung der Schlüsselprozesse NFATc1 und IL-2, wodurch die Zellvermehrung und die Entzündungsreaktion gestoppt werden. Erstautor Martin Vaeth war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Doktorand am Institut für Pathologie der Universität Würzburg, heute ist er in Würzburg W2-Professor für Immunmetabolismus. 

Sie sind in der Forschung geblieben. Nach Ihrer Diplomarbeit haben Sie promoviert.

In meiner Promotion habe ich mich erneut mit regulatorischen T-Zellen befasst und dazu ein humanisiertes Mausmodell untersucht. Dazu wurden menschliche Blutstammzellen aus Nabelschnurblut in immundefiziente Mäuse übertragen, sodass sich dort ein menschliches Immunsystem entwickeln konnte. Anschließend habe ich untersucht, ob und wie sich Tregs entwickeln und wie funktionsfähig diese sind. Die Promotion hat etwa vier Jahre gedauert.

Wie war das Geschlechterverhältnis während des Studiums und danach?

Zu meiner Zeit gab es im Studium etwas mehr Frauen, vielleicht ein Verhältnis von 60/40. Auf den unteren Ebenen war es sehr ausgeglichen, aber je höher man kam, desto männerlastiger wurde es.

Nach Ihrer Promotion sind Sie zunächst in Mainz geblieben und wurden mit der harten Realität befristeter Stellen und der Abhängigkeit von Drittmitteln konfrontiert. 

Zunächst habe ich noch als Postdoc am Institut für Immunologie gearbeitet. Diesmal ohne Tierversuche. In Kooperation mit einem Kinderwunschzentrum haben wir untersucht, warum Embryonen immer wieder abgestoßen werden. Da ich jedoch nur eine halbe Stelle hatte, bin ich vom Projekt abgesprungen. 150 Prozent arbeiten und nur 50 Prozent davon bezahlt zu bekommen, fand ich nach der Promotion ziemlich ungerecht. Ich musste mein Leben bestreiten. Doch eine 100-Prozent-Stelle gaben die Drittmittel nicht her. Da ich mit meiner Doktorarbeit auch kein herausragendes Paper publiziert hatte, war es nicht einfach, in der Wissenschaft Fuß zu fassen. 

Haben Sie versucht, wie viele andere Biologinnen und Biologen, in der Pharmaindustrie Fuß zu fassen?

Ich war damals schon mit meinem Mann, Jan Baumgart, zusammen. Wir hatten uns im Labor kennengelernt. Er hätte als Tierarzt leichter einen Job gefunden. Daher bewarb ich mich in ganz Deutschland. Wir sind dann aber doch in Mainz geblieben. 

Weil Ihr Partner an der Universitätsmedizin Main 2013 die Tierhausleitung, das Translational Animal Research Center (TARC) übernahm.

Genau, das war ein großer Karriereschritt für ihn, sodass wir an den Standort gebunden waren. Und so entwickelte sich langsam die Idee, gemeinsam zu forschen. Das ist als Paar natürlich gefährlich. Wir sind sehr auf Augenhöhe, und nun sollte Jan mein Chef sein. Aber ein Versuch war es wert. 

Wie war es, die Frau beziehungsweise Freundin des Chefs zu sein?

Nicht einfach. Mir wurde nachgesagt, ich hätte den Job nur deshalb bekommen. Daher musste ich mich immer ein bisschen mehr anstrengen. Aber selbst das wurde nicht immer anerkannt. 

Anfangs habe ich ihm auch noch viel zugearbeitet und ihm bei Publikationen geholfen. Doch dann pochte ich mehr und mehr auf eine 3R-Forschungsgruppe. Und ich musste ihn genauso mit Argumenten überzeugen wie den Vorstand, denn damals steckte das 3R-Prinzip noch in den Kinderschuhen. 

Erläutern Sie bitte die Aufgaben einer 3R-Forschungsgruppe.

Die R’s stehen für „Replace“, „Reduce“ und „Refine“.  Das Ziel besteht darin, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen, die Anzahl der benötigten Versuchstiere zu reduzieren, und die Versuche so zu verbessern, dass die Belastungen für die Tiere möglichst gering sind. Eine 3R-Forschungsgruppe entwickelt und erforscht also neue, tierärmere oder tierfreie Methoden und unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, diese in der Forschung einzusetzen. 

Ich danke heute allen, die das von Anfang an mitgetragen haben. Auch wenn wir anfangs belächelt wurden – beispielsweise aufgrund des Clicker-Trainings für Mäuse –, so gab uns der Erfolg recht. Inzwischen ist es üblich, dass Mäuse trainiert werden. Und sie lieben Schokolade als Belohnung. Zum Schluss bestand meine Gruppe aus zwei Postdocs, einer Doktorandin, einer Tierpflegerin und zwei technischen Assistenten. Ein schöner Erfolg für zwölf Jahre Aufbau. 

Zunächst legten Sie Ihren Fokus auf das dritte R – Refinement.

Vor zwölf Jahren hatten wir noch drei Millionen Tierversuche pro Jahr. Da lag es nahe, etwas zu tun, das den Versuchstieren zugutekommt. So haben wir beispielsweise durch Verhaltenstests ermittelt, ob es einer Maus gut oder schlecht geht. Später haben wir uns breiter aufgestellt und unter anderem 3D-Modelle gedruckt, mit denen Forschende Vorab-Experimente durchführen konnten. Außerdem haben wir viele Videos für unsere versuchstierkundlichen Kurse aufgenommen und den Forschenden das Handling und Training von Versuchstieren beigebracht. Zudem haben wir uns in europaweiten Projekten vernetzt und viele internationale Expertinnen und Experten zu dem Thema eingeladen.

Sie arbeiten auch an den Strukturen. Stichwort compassion fatigue – Mitgefühlserschöpfung.

Viele Menschen, die beruflich mit Labortieren arbeiten, sind emotional, geistig oder körperlich sehr erschöpft. Diesem Zustand, der lange ein Tabuthema war, möchten wir vorbeugen, indem wir unter anderem eine offene Kommunikation etablieren. Mitarbeitende in den Laboren müssen ein offenes Gehör finden für das, was sie beschäftigt.

Sie sind bewusst in die Öffentlichkeit gegangen und haben für die Kommunikation von tierexperimenteller Forschung sogar Preise gewonnen.

Einerseits wollte ich denjenigen, die gegen Tierversuche sind und vehement protestieren, nicht das Narrativ überlassen. Ich wollte aber auch eine klare Kommunikation. Denn manchmal sind Tierversuche einfach nötig, wenn wir medizinischen Fortschritt wollen. Ich finde es wichtig, dass wir Forscherinnen und Forscher immer klar kommunizieren, wenn wir mit Versuchstieren arbeiten. Dazu gehört auch, dass die Institute, an denen Tierversuche stattfinden, dies auf ihren Webseiten klar kommunizieren. Für mich gibt es gar kein Argument, das nicht für diese Transparenz spricht. 

Der von vielen befürchtete shitstorm ist übrigens nie eingetreten. Im Gegenteil. Von der Initiative „Tierversuche verstehen“ sind wir mehrfach mit dem „Qualitätssiegel für Best Practice Beispiele in der Tierversuchs-Kommunikation“ ausgezeichnet worden. 

Die Regularien für Tierversuche in Deutschland gehören im weltweiten Vergleich zu den strengsten und werden am detailliertesten kontrolliert.

Die Bürokratie ist extrem aufwendig. Jedes Tier muss gerechtfertigt werden. Als Forscherin erstelle ich eine statistische Planung. Wenn die Behörde, oder Tierschutzkommission damit nicht einverstanden sind, wie ich meine Tierzahlen geplant habe, genehmigen sie mir die Versuche nicht. Und dieser Genehmigungsprozess kann sehr lang dauern, manchmal sogar so lang, dass die Doktoranden ihre Versuche gar nicht mehr durchführen können. Selbst die Änderung der Kanülengröße, um Zellen zu injizieren, muss beantragt werden.

Ihr Mann hat zum WiSe 2025/26 den neu geschaffenen Lehrstuhl für Tierschutz und Versuchstierkunde an der JMU übernommen. War es für Sie selbstverständlich, dass Sie ihm gefolgt sind?

Für uns beide war klar, dass wir nur gemeinsam wechseln. Schließlich haben wir eine kleine Tochter. Eine Trennung der Familie kam für uns nicht in Frage. Zudem bietet Würzburg optimale Bedingungen, auch für mich. Denn ein 3R-Zentrum gibt es hier noch nicht. Mit unserem Konzept sind wir bei der Würzburger Universitätsmedizin auf offene Ohren gestoßen.

Was haben Sie für Würzburg geplant?

Einige Projekte, wie zum Beispiel die Trainings mit Mäusen und Ratten, nehme ich mit. Ich werde weiterhin meine Arbeit als Mitglied in der Bf3R-Kommission des Bundesinstituts für Risikobewertung machen. Natürlich planen wir auch neue Projekte für das Main3R – Würzburg Center for the 3Rs. Derzeit bauen wir das Team auf. Unser Ziel ist es, alle 3R-Bestrebungen hier zu zentralisieren, ein Netzwerk in der Universitätsmedizin aufzubauen und eine Anlaufstelle, vor allem für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, zu sein. Ich habe auch die Idee eines Doktorandenstammtisches für alle, die versuchstierkundlich arbeiten. Dort kann man sich austauschen, sich mal etwas von der Seele reden und Unterstützung erhalten. 

Darüber hinaus möchten wir SOPs entwickeln, diese mit Behörden besprechen und für alle bereitstellen. Das könnte Genehmigungsprozesse erleichtern. Auch die Lehre wollen wir optimieren und möglichst früh mit der Einführung in die Versuchstierkunde beginnen. 

Was das Replacement betrifft, ist der Standort Würzburg mit seiner Expertise auf dem Gebiet der Organoid-Technologie schon sehr weit. Organoide sind kleine, organähnliche Gewebe. Mithilfe von Organoiden können Krankheitsmechanismen verstanden und neuartige Therapieansätze getestet werden.

Sind Sie gut in Würzburg angekommen?

Ja, sehr gut sogar. Wenn wir morgens von Winterhausen zwischen Main und Weinbergen nach Würzburg fahren, fühlt es sich an, als lebten wir in einer Heimatfilm-Idylle. Alles ist ein bisschen kleiner und ruhiger als in Mainz. Und das gefällt uns sehr gut. 

Was sagen Sie heute denjenigen, die einst an Ihnen zweifelten?

Den Zweiflern würde ich gern Folgendes sagen: „Denkt noch einmal drüber nach, was Ihr sagt! Auch wenn Ihr Zweifel habt, formuliert es positiver!“ Zum Beispiel: „Toll, dass du den Mut hast. Probiere es aus! Versuch dein Glück! Ich wünsche dir alles Gute! Wenn ich gescheitert wäre, wäre es auch nicht schlimm gewesen, aber ich hätte es zumindest versucht. 

Wird an Frauen häufiger gezweifelt als an Männern?

Definitiv. Frauen werden als weniger tough wahrgenommen. 

Werden Sie immer noch als die Frau von Herrn Baumgart wahrgenommen?

Es hat lange gedauert, aber inzwischen habe ich mich freigeschwommen: Ich werde als Leiterin des 3R-Zentrums wahrgenommen und respektiert. 

Sie haben eine dreijährige Tochter. Hat das Mutterdasein Sie und Ihre Arbeit verändert? 

Meine Tochter hat mich weicher und empathischer gemacht. Ich habe viel mehr Verständnis für die unterschiedlichsten Familienkonstruktionen. Und ich rate allen Führungskräften, den Müttern in der Forschung mehr zu vertrauen. Wenn jemand wirklich für seine Arbeit brennt, dann schafft er das auch mit Kind. Meine Arbeit spielt in meinem Leben eine große Rolle. Ich brenne sehr für die Forschung. Deshalb verstehe ich die ganze Diskussion um die Work-Life-Balance nicht. Für mich ist Arbeit Leben.

Hat Ihr Mann Elternzeit genommen? 

Das hätte er gern gemacht, so hatten wir es immer geplant. Aber es war finanziell schwierig. Da ich viel im Homeoffice arbeiten kann, war ich aber recht früh wieder aktiv und bin auch heute noch sehr flexibel. 

Was geben Sie Ihrer Tochter mit auf den Weg, wenn Sie einmal vor bestimmten Entscheidungen steht?

Mach das, was sich zu dem Zeitpunkt gut und richtig anfühlt, und steh dazu. Jede Entscheidung bietet immer wieder Chancen, neue Optionen und Möglichkeiten, daran zu wachsen – auch wenn sie im Nachhinein nicht als die richtige erscheint.

Sie haben drei Wünsche frei. Wie lauten sie?

Erstens, dass meine Familie und ich gesund bleiben. Zweitens, dass wir weiterhin glücklich sind. Und drittens, dass die 3R-Community immer weiter wächst und wir uns immer über alle 3 R austauschen, nicht nur über Replacement und Reduction, sondern auch Refinement.