Würzburg. Sexuell übertragbare Infektionen (STI, englisch: Sexually Transmitted Infections) nehmen in Europa seit Jahren stark zu und haben zuletzt einen neuen Höchststand erreicht. Aktuelle Daten des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen, dass sich die Gonorrhö-Fälle in Europa seit 2015 vervierfacht und die Syphilis-Fälle verdoppelt haben. Am häufigsten wurden Infektionen mit Chlamydien gemeldet.
Sexuell übertragbare Infektionen können mit Beschwerden einhergehen, verlaufen jedoch häufig auch ohne erkennbare Symptome. Dadurch bleiben sie oft unbemerkt und können unwissentlich weitergegeben werden. Zudem können diese Infektionen schwerwiegende Komplikationen wie chronische Schmerzen, Unfruchtbarkeit oder Schäden am Herzen oder Nervensystem verursachen. Im Jahr 2024 wurden dem Robert Koch-Institut in Deutschland 9.519 Syphilis-Fälle gemeldet.
„Der Schutz der sexuellen Gesundheit umfasst sowohl Präventionsmaßnahmen als auch eine frühzeitige Diagnostik“, sagt Prof. Dr. Ildikó Gágyor. Die Hausärztin und Wissenschaftlerin leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Anne Simmenroth das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Sie empfiehlt: „Barrieremethoden wie Kondome können das Risiko einer STI-Übertragung reduzieren. Bei erhöhtem Expositionsrisiko können regelmäßige Testungen auch bei Beschwerdefreiheit sinnvoll sein. Und bei Verdacht auf eine Infektion sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen, um Komplikationen und weitere Übertragungen zu vermeiden.“
Rahmenbedingungen der Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen besser verstehen
Mit ihrem Studienteam führt Ildikó Gágyor gerade die Interviewstudie STI-Bay durch. „Wir wollen verstehen, wie derzeit in Bayern die Diagnose und Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen abläuft und diese gegebenenfalls verbessern“, erklärt Nicolas Schwager, ärztlicher Koordinator der STI-Bay-Studie. Interviewt werden sowohl Hausärztinnen und Hausärzte aus Bayern als auch Patientinnen und Patienten.
Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten sollten mindestens 18 Jahre alt sein und in den vergangenen fünf Jahren eine STI-Diagnose in einer bayrischen Praxis erhalten haben. „Wir suchen explizit Personen jeden Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung“, so Nicolas Schwager. „In dem etwa 60-minütigen, vertraulichen Interview möchten wir gern über die Erfahrungen sprechen. Wie haben die Betroffenen die Behandlung und Betreuung im Gesundheitssystem erlebt?“
Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und erfolgt unter Einhaltung strenger Datenschutzvorkehrungen. Die Interviews werden entweder persönlich am UKW oder online durchgeführt. Nach dem Interview erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung in Form eines Wunschgutscheins im Wert von 40 Euro.
Bei Interesse an einer Studienteilnahme können Sie sich über diesen Link anmelden. Alternativ können Sie das Studienteam per E-Mail unter STI-Bay@ukw.de kontaktieren.
Hier geht es zur Webauftritt der Studie, und hier zum PDF der Studie.
ECDC sieht Handlungsbedarf
Um die steigenden STI-Zahlen umzukehren, sind laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) leicht zugängliche Präventionsangebote, ein einfacher Zugang zu Tests, schnellere Behandlungen und eine bessere Benachrichtigung von Sexualpartnern erforderlich, um weitere Übertragungen zu verhindern. Das ECDC fordert die Gesundheitsbehörden daher auf, nationale STI-Strategien dringend zu aktualisieren und Überwachungssysteme auszubauen, um die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen besser beurteilen zu können. Ohne entschlossenes Handeln werden die aktuellen Trends voraussichtlich anhalten – mit zunehmenden gesundheitlichen Folgen und wachsenden Ungleichheiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung. Zur Pressemeldung der ECDC vom 21. Mai 2026.