Aktuelle Pressemitteilungen

1.000 Patienten sei Dank!

Ziel erreicht! 1.000 Patienten wurden seit August 2014 ins AHF Register (Acute Heart Failure) aufgenommen. Sie wurden allesamt mit einer Akuten Herzinsuffizienz ins Universitätsklinikum Würzburg eingeliefert und haben zugestimmt, dass ihr Krankheitsverlauf genau dokumentiert wird – sowohl auf der Station als auch nach der Entlassung. Das bedeutet: ein halbes Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt sowie in den folgenden fünf Jahren einmal pro Jahr werden die Patienten zu umfangreichen Kontrolluntersuchungen in das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) eingeladen. Patienten, die nicht ins DZHI kommen können, werden von einer speziell geschulten Studienschwester telefonisch nach dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden befragt. Diese Fachkraft holt auch Informationen bei den behandelnden Hausärzten ein. Von der umfangreichen Dokumentation der Daten erhoffen sich die Wissenschaftler, das Krankheitsbild und den Verlauf der Herzinsuffizienz besser zu verstehen, die Versorgungsbedürfnisse jedes einzelnen Patienten besser kennen zu lernen, und Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Die 1.000 Patientin im AHF Register, Manuela Henn, mit Ehemann Klaus, den Studienschwestern und der Studienärztin. © Floran Sahiti
Das AHF-Team v.l.n.r.: Nina Scholz, Daniela Vilsmeier, Anett Heyne, Gabriele Hartner, Caroline Morbach und Stefan Störk. © Floran Sahiti

Manuela Henn ist 51 Jahre alt und kam in der vergangenen Woche ins Uniklinikum Würzburg, da ihr Körper zu viel Wasser eingelagert hatte – ein typisches Symptom einer Herzinsuffizienz.  „Ich konnte mich schon so lange nicht mehr konzentrieren, war müde und wusste nicht warum“, sagt die Mitarbeiterin im Amt für Familienangelegenheiten. „Dank der ausführlichen Beratung im Rahmen der AHF Register-Studie wissen mein Mann und ich jetzt, wie wir mit der Krankheit umzugehen haben und was wir im Alltag beachten müssen.“ Sie ist die 1.000 Patientin im AHF Register, genauer gesagt die 399ste Patientin, denn 601 Studienteilnehmer sind männlich. Im Schnitt sind die Probanden auch 26 Jahre älter als Manuela Henn, nämlich 77 Jahre alt.

„Erstmals entsteht ein komplettes Bild aller Patienten mit Akuter Herzinsuffizienz“

Von 1.000 weiteren Herzinsuffizienz-Patienten, die nicht an der Beobachtungsstudie teilnehmen können, dürfen zusätzlich die klinischen Informationen über ihren stationären Aufenthalt anonymisiert wissenschaftlich ausgewertet werden. Dies sind vorwiegend Patienten, die ein besonderes Krankheitsprofil und eine höhere Sterblichkeit aufweisen. „So entsteht erstmals ein komplettes Bild aller Patienten mit einer akuten Herzinsuffizienz, auch der Schwerstkranken“, resümiert Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am DZHI und Leiter der Studie.

Die klinische Studiendatenbank des AHF Register erlaubt die Analyse zahlreicher wissenschaftlicher Fragestellungen. So haben sich bereits bei der Erhebung der Daten zwölf Doktoranden mit der Qualität und der Bedeutung für die Kurzzeitprognose der Patienten beschäftigt und wertvolle Erkenntnisse daraus gewonnen. Sie haben unter anderem die Bedeutung der Informationen untersucht, die aus EKG, Röntgenbildern, verschiedensten Laboruntersuchungen und Echokardiografien ableitbar sind. „Die Anwendung innovativer Echokardiografie-Methoden wie zum Beispiel die Untersuchung der Herzarbeit (Myocardial Work), könnte dazu beitragen, das Krankheitsbild besser zu verstehen und die Therapie gezielter anzuwenden“, berichtet Dr. Caroline Morbach, Leiterin des Echo-Labors im DZHI.

Prognose hängt von Art und Zeitpunkt der Diagnose ab

Akute Herzschwäche ist nach wie vor mit einer schlechten Prognose verbunden. Leider leben inzwischen nur noch etwa 60 Prozent der 1.000 Patienten aus dem Register. Gut ein Drittel ist an den Folgen der Herzinsuffizienz bereits verstorben. Diese Zahl stimmt überein mit anderen Studienergebnissen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die nächsten fünf Jahre nach der Diagnosestellung zu überleben, liegt bei etwa 50 Prozent. Jede Krankenhauseinweisung wegen einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz mindert die Prognose.

„Das klingt zunächst erschreckend. Ist es auch“, sagt Prof. Störk. „Doch für etwa die Hälfte der Patienten – diejenigen, die an einer systolischen Herzinsuffizienz leiden – stehen immer bessere Therapien zur Verfügung. Mit der richtigen Behandlung und der Bereitschaft des Patienten, sich und seine Werte kontinuierlich im Auge zu behalten und die Medikamente regelmäßig einzunehmen, sind die Chancen auf ein längeres Leben und mehr Lebensqualität stark verbessert. Für die sogenannte diastolische Herzinsuffizienz, an der die andere Hälfte der Patienten leidet, sind die Behandlungsstrategien noch nicht so gut entwickelt. Doch die Wissenschaftler arbeiten mit Hochtouren daran, auch hier am DZHI.“

Von entscheidender Bedeutung für beide Patientengruppen sei jedoch laut Störk die gut strukturierte Versorgung im Netzwerk. „Dies bedeutet, dass alle Versorger, vom Hausarzt über den Kardiologen bis hin zur Klinik, kontinuierlich und gut informiert sind über den Gesundheitszustand ihres Patienten. Am DZHI wurden hierzu Netzwerkstrukturen entwickelt und wird gezielt Personal für diese Netzwerke ausgebildet.“

Am besten ist die Prognose natürlich, wenn es erst gar nicht zur Krankenhauseinweisung kommt. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser kann die Herzinsuffizienz oftmals behandelt werden.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF.

 

Selten sind viele: Infostand zum Tag der Seltenen Erkrankungen am 29.02.2020

Auch in diesem Jahr organisiert der „Würzburger Arbeitskreis Seltene Erkrankungen“ (WAKSE) in Zusammenarbeit mit dem Aktivbüro der Stadt Würzburg wieder eine Aktion zum internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen.

Am Samstag, 29.02.2020 von 11.00 – 13.00 Uhr soll mit einem Infostand auf dem Unteren Markt auf die Situation von Menschen mit einer seltenen Erkrankung aufmerksam gemacht werden. Denn Seltene Erkrankungen gelten zu Recht immer noch als Waisen der Medizin. Die meisten von ihnen sind kaum erforscht, es gibt fast keine ursächlichen Therapien und selbst vielen Ärzten sind diese Krankheiten unbekannt.

Rund 300 Millionen Menschen weltweit leben mit einer Seltenen Erkrankung. Selten ist also gar nicht so selten.

Der Würzburger Arbeitskreis für Seltene Erkrankungen gründete sich 2007, um Aufklärung, Unterstützung und Vernetzung zu Seltenen Erkrankungen zu ermöglichen. Zu den Mitgliedern zählen Vertreter*innen von regionalen Selbsthilfegruppen, Mitglieder von Bundesvorständen und europäischen Patientenorganisationen. Darüber hinaus arbeitet der WAKSE mit dem Zentrum für Seltene Erkrankungen Nordbayern (ZESE) der Uniklinik Würzburg zusammen.

Weitere Informationen:
Aktivbüro der Stadt Würzburg, Telefon: 0931 373468

Von der DGE erneut bestätigt: Das Uniklinikum Würzburg ernährt seine Patienten vorbildlich

Mit der erneuten Bestätigung des Zertifikats „Station Ernährung – Klinikum“ bescheinigt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) dem Uniklinikum Würzburg höchste Qualitätsstandards bei der Lebensmittelauswahl, der Speisenzubereitung und dem Service rund um die Patientenernährung.

Ende November vergangenen Jahres besuchte eine Auditorin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) drei Tage lang das Uniklinikum Würzburg (UKW). In Begehungen der Krankenhausküche und ausgewählter Klinikbereiche überprüfte sie die Umsetzung von Qualitätskriterien der Patientenernährung. Ergebnis: Die nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgestellten Anforderungen werden zu 98 Prozent erfüllt. Damit darf sich das UKW weiterhin mit dem im Jahr 2015 erstmals erreichten Zertifikat „Station Ernährung – Klinikum“ und dem dazugehörigen Logo schmücken.

Hervorragende Bewertung der Patientenverpflegung

„Die volle Punktzahl erzielten wir in den Bewertungskriterien Speiseplanung, Umsetzung der Hygieneanforderungen und Lebenswelt Patient“, berichtet Judith Bielek, die Leiterin der Küche des UKW. Unter „Lebenswelt Patient“ werden der Service und die Kommunikation bezüglich der Verpflegung zusammengefasst. Lediglich im Bewertungskriterium Lebensmittelauswahl besteht aufgrund des Zuckergehaltes einzelner Nahrungsmittel noch Optimierungsbedarf. „Hier werden wir bis zur nächsten Rezertifizierung die Produktauswahl anpassen“, verspricht Bielek.

Vorgaben zu allen Abläufen der Patientenernährung

Ziele der DGE sind die Vorbeugung von Mangelernährung in der Gemeinschaftsverpflegung, die Gewährleistung eines abwechslungsreichen und nährstoffoptimierten Speisenangebots sowie eine Kostenentlastung des Gesundheitswesens durch gesunde Ernährung und Bewegung. Lebensmittelauswahl, Rezepte, Hygiene, Kochverfahren, Essenszeiten, Service und Kommunikation – die präzisen Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung betreffen alle Abläufe der Krankenhausküche und der Patienten-Ernährung.

Anspruch: Ein Vorbild für gesunde Ernährung sein

Im Jahr 2012 entschied sich das Uniklinikum Würzburg, eine Zertifizierung nach den DGE-Standards anzustreben, die dann drei Jahre später erstmals erteilt und 2017 schon einmal wiederholt wurde. „Die Qualität der Verpflegung an deutschen Krankenhäusern ist erst jüngst wieder in die Kritik geraten. Mit der Rezertifizierung durch die DGE zeigt das UKW, dass es kontinuierlich die hohen Qualitätsstandards in der Patientenverpflegung erfüllt“, betont Anja Simon, die Kaufmännische Direktorin des Würzburger Uniklinikums.
Nach dem sehr guten Ergebnis im November 2019 wird die nächste Auditierung für das Zertifikat „Station Ernährung – Klinikum“ im Jahre 2021 erfolgen.

 

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Dankbarkeit für 250 Blutspenden am Uniklinikum Würzburg

Ende Januar dieses Jahres ehrte das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des Uniklinikums Würzburg Werner Tremmel für 250 Blutspenden innerhalb der letzten drei Jahrzehnte.

Am 2. Februar 1989 spendete Werner Tremmel das erste Mal Thrombozyten am Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Damals, lange bevor es die das heutige Klinikum prägenden Zentren für Operative und Innere Medizin gab, fanden die Blutspenden noch im Bau 15 auf dem Altgelände an der Josef-Schneider-Straße statt. Aus dieser Premiere wurde eine Partnerschaft von mittlerweile 31 Jahren: Im Januar 2020 absolvierte Tremmel seine 250. Thrombozytenspende an dem von Prof. Dr. Markus Böck geleiteten Institut. Im Namen der vielen Menschen, denen mit diesem überlebenswichtigen Engagement geholfen werden konnte, bedankten sich der Institutsdirektor und sein Team herzlich bei dem treuen Spender und übereichten eine Urkunde.

Wer selbst Spender werden möchte, wendet sich bitte an die Anmeldung der Blutspende unter Tel: 0931/201-31230.

 

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Stern-Arbeitgeber-Ranking: Uniklinikum Würzburg bestes Universitätsklinikum in Bayern

Das Nachrichtenmagazin Stern veröffentlichte kürzlich ein Ranking der 500 besten Arbeitgeber Deutschlands. In der Kategorie „Gesundheit und Soziales“ kam das Uniklinikum Würzburg auf Platz 10 – und ist damit das am besten bewertete Universitätsklinikum in Bayern.

Mitte Januar dieses Jahres veröffentlichte das Nachrichtenmagazin Stern erstmals ein Ranking der 500 besten Arbeitgeber Deutschlands, aufgeteilt in 24 Branchenlisten. In der Branche „Gesundheit und Soziales“ steht auf Platz 10 das Uniklinikum Würzburg (UKW). Von den deutschen Uniklinika waren nur Münster (Platz 7) und die Charité in Berlin (Platz 8) besser platziert. Bezogen auf die bayerischen Uniklinika ist das UKW als Arbeitgeber demnach führend.

Über die Methodik

Bei der Umfrage konnten alle Unternehmen ausgezeichnet werden, die in Deutschland mindestens 500 Mitarbeiter/innen beschäftigen sowie insgesamt mindestens 100 Bewertungen von eigenen Beschäftigten und Beschäftigten aus der Branche erhielten. Die Befragung fand über Online-Access-Panels statt, was nach Angaben des Nachrichtenmagazins für Anonymität und Unabhängigkeit vom Arbeitgebereinfluss sorgte. Befragt wurde 45.000 Arbeitnehmer/innen die zusammen über 1,3 Millionen Bewertungen lieferten. Eine Kernfrage war dabei: Können Sie Ihren Arbeitergeber weiterempfehlen? Erstellt wurde die Liste von dem weltweit aktiven Marktforschungsunternehmen Statista.

 

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Uniklinikum Würzburg von der „Aktion Saubere Hände“ zertifiziert

Das Uniklinikum Würzburg hat in der bundesweiten Kampagne „Aktion Saubere Hände“ gezeigt, dass es bei der Händedesinfektion gut aufgestellt ist und wurde mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

 

Die „Aktion Saubere Hände“ ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Compliance bei der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Getragen wird sie vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen, dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. und der Gesellschaft für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen. Unter anderem können sich Krankenhäuser und Reha-Kliniken bei der Einrichtung um ein Zertifikat bemühen, das den Umfang und die Qualität ihrer jeweiligen Maßnahmen zur Händedesinfektion dokumentiert.

Bronze-Zertifikat für 2019/2020

Im Dezember vergangenen Jahres beantragte das Uniklinikum Würzburg (UKW) das mit der Stufe Bronze beginnende Zertifikat. Mit Erfolg: Im Januar 2020 wurde dem UKW für die Jahre 2019 und 2020 das Bronze-Zertifikat überreicht. „Das Zertifikat ist ein gutes Instrument, um die Händehygiene bei Beschäftigten, Patienten und Besuchern noch stärker ins Bewusstseins zu rücken. Es ergänzt unser sonstiges Engagement in diesem Bereich hervorragend“, freut sich Dr. Marc Hagemeister von der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW. So war für das Zertifikat zum Beispiel hilfreich, dass das Würzburger Uniklinikum schon seit vielen Jahren am jährlichen Aktionstag Saubere Hände teilnimmt und „Hand-KISS“ zur freiwilligen Selbstkontrolle nutzt. Mit diesem Überwachungsmodul kann das Krankenhaus den Händedesinfektionsmittel-Verbrauch an seinen mehreren tausend Spendern ermitteln. Um das Zertifikat zu erhalten, musste das UKW zudem eine Lenkungsgruppe mit Mitgliedern aus Ärzteschaft und Pflege etablieren.

Schneller Aufstieg in den Silber-Rang geplant

Laut Dr. Hagemeister ist geplant, schon in der nächsten Periode, also für die Jahre 2021 und 2022, das Silber-Zertifikat zur erzielen und in der Folge das Gold-Zertifikat in Angriff zu nehmen. Herausforderungen auf diesem Weg werden nach seinen Worten die geforderten Compliance-Beobachtungen und die jährlichen Schulungen auf allen Stationen sein, da diese einen hohen Personal- und Zeitaufwand erfordern.

 

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Grundlegend neue Ansätze gegen multiresistente Keime entwickeln: Das ist das Ziel des neuen bayerischen Forschungsnetzwerks bayresq.net. Der Freistaat stellt dafür über zehn Millionen Euro zur Verfügung. Forschungsgruppen der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg sind an zwei der sechs geförderten Projekte beteiligt. Sie erhalten in den kommenden fünf Jahren rund 2,7 Millionen Euro.

Mit digitalen Methoden zu RNA-Antibiotika

Herkömmliche Antibiotika wirken üblicherweise gegen ein breites Spektrum von Bakterien. So wirkungsvoll sie sein mögen, fördern sie leider auch die Entwicklung multiresistenter Keime. Außerdem zerstören sie die schützende Mikrobiota – dazu gehören zum Beispiel Bakterien, die im Darm des Menschen nützliche Effekte ausüben.

Mit einem interdisziplinären Ansatz will ein JMU-Team um Professor Jörg Vogel, Juniorprofessor Lars Barquist und Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Franziska Faber neue Antibiotika erforschen, mit denen sich gezielt einzelne Bakterienarten behandeln lassen. Prinzipiell können solche neuartigen Antibiotika auf Basis der Nukleinsäure RNA nach einfachen chemischen Prinzipien „programmiert“ und beim Auftreten von Resistenzen auch wieder umprogrammiert werden.

„Die Digitalisierung ist längst in den Lebenswissenschaften angekommen und das Problem der Antibiotikaresistenz muss aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden“, sagt Jörg Vogel. „Die Förderung durch bayresq.net wird es uns erlauben, digitale Strategien, die Hand in Hand mit unserer Arbeit im Labor gehen, zur Bekämpfung multiresistenter Keime zu entwickeln.“

Ziel des Projekts am Institut für Molekulare Infektionsbiologie / Zentrum für Infektionsforschung (IMIB / ZINF) der JMU ist es, universale Regeln zur Programmierung wirksamer Antibiotika zu entwickeln und die zu Grunde liegenden Mechanismen zu entschlüsseln. Dazu setzt das Team unter anderem eine Kombination aus Hochdurchsatz-Sequenzierung und maschinellem Lernen ein. Damit soll eine sehr leistungsfähige, digitale Plattform für die zukünftige Anwendung RNA-basierter Antibiotika gegen eine Vielzahl von Bakterien geschaffen werden.

Salmonellen und Campylobacter im Stresstest

Krankheitserreger sind während des Infektionsprozesses vielen unterschiedlichen chemischen Reizen und Stressbedingungen ausgesetzt. Diese Reize gehen vom Wirtsorganismus, der Mikrobiota und der Nahrung sowie von Antibiotika und anderen Medikamenten aus.

Um sich diesen wechselnden Bedingungen anzupassen oder sie zu umgehen, besitzen Krankheitserreger diverse Überlebens- und Anpassungsstrategien. Hier ist aber noch weitgehend unklar, welche Stressantworten auf bestimmte Reize folgen und welche molekularen Mechanismen dem zu Grunde liegen.

Hier setzt das StressRegNet-Konsortium an, das von Professorin Cynthia Sharma vom IMIB / ZINF und von Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Ana Rita Brochado vom ZINF / Biozentrum gemeinsam mit Professor Christian Müller vom Institut für Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität München geleitet wird.

Das Team will unterschiedliche chemische Reize und regulatorische Signalwege untersuchen, welche die Wirtsanpassung von Salmonellen und Campylobacter steuern. Beides sind weitverbreitete Lebensmittelkeime, die vor kurzem von der Weltgesundheitsorganisation WHO mit hoher Priorität für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika eingestuft wurden.

Mittels Hochdurchsatz-Automationstechnologien basierend auf einer Roboterplattform wollen die Forscherinnen und Forscher die beiden bakteriellen Krankheitserreger mehr als 3.000 unterschiedlichen Signalmolekülen aussetzen. Dann werden die hiervon ausgelösten Genexpressionsantworten und Stressreaktionen gemessen, wobei der Fokus auf der Regulation durch kleine RNA-Moleküle liegt.

Die Messungen werden einen hoch komplexen Datensatz liefern. Dieser wird anschließend mit maschinellen Lernverfahren auf bestimmte Signale und Stressantworten im Zusammenhang mit Antibiotika-Sensitivität und Wirtsinteraktionen untersucht.

Das StressRegNet-Konsortium möchte damit einen bedeutenden Fortschritt im Hinblick auf die Automatisierung und Digitalisierung in der Infektionsbiologie erreichen. Seine Arbeit soll zugleich wertvolle neue Einblicke in die regulatorischen Netzwerke der Bakterien liefern. Für die Entwicklung neuer antimikrobieller Strategien ist dies von essentieller Bedeutung.

Fakten zum Forschungsnetzwerk bayresq.net

Die sechs Projekte des Netzwerks „Neue Strategien gegen multiresistente Krankheitserreger mittels digitaler Vernetzung – bayresq.net“ laufen an der JMU, der Universität Erlangen-Nürnberg, der LMU, der Technischen Universität München und an der Universität Regensburg. Eingebunden sind Forschungsgruppen aus Biologie, Bioinformatik, Chemie, Biophysik, Medizin und Mathematik.

In den Würzburger Projekten sind neben Juniorprofessor Lars Barquist von der JMU/HIRI zwei Nachwuchsgruppenleiterinnen des ZINF vertreten. Dr. Franziska Faber forscht seit 2018 am ZINF; Dr. Ana Rita Brochado wurde 2019 als Nachwuchsgruppenleiterin an das ZINF / Biozentrum (Lehrstuhl für Mikrobiologie, Professor Thomas Rudel) berufen. Sie wird zudem über das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

ZINF: Nachwuchsgruppen als Herzstück

Das Zentrum für Infektionsforschung (ZINF) der JMU wurde 1993 gegründet und ist die älteste universitäre Einrichtung Deutschlands, die sich interdisziplinär und fakultätsübergreifend der Erforschung von Infektionskrankheiten widmet. Seit 2010 ist es eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der JMU.

Herzstück des ZINF sind die Nachwuchsgruppen, die jungen, talentierten Forschenden nach ihrer Postdoc-Zeit die Möglichkeit geben, ihr eigenes Labor aufzubauen. Die ZINF-Nachwuchsgruppen haben sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem international renommierten Programm entwickelt. Dessen Erfolg lässt sich auch daran ablesen, dass viele ehemalige Nachwuchsgruppenleiter im Anschluss an ihre Zeit am ZINF auf nationale und internationale Professuren oder unbefristete Gruppenleiterstellen berufen wurden.

„Durch das ZINF-Nachwuchsgruppenprogramm konnte in den letzten Jahren immer wieder neue Expertise in hochaktuellen Technologien oder Forschungszweigen im Bereich der Infektionsforschung nach Würzburg rekrutiert werden. Beispielsweise ist die Expertise von Dr. Brochado im Bereich von genomweiten Screens mittels Hochdurchsatz-Automationstechnologien für unser StressRegNet-Konsortium essentiell“, sagt Cynthia Sharma.

Weblink

Bayerisches Forschungsnetzwerk bayresq.net (https://www.bayresq.net/)

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Vogel, Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie, T +49 931 31-82575, joerg.vogel@ uni-wuerzburg.de
Website (http://www.imib-wuerzburg.de)

Prof. Dr. Cynthia Sharma, Sprecherin des Zentrums für Infektionsforschung, +49 931 31-82560, cynthia.sharma@ uni-wuerzburg.de
Website (https://www.uni-wuerzburg.de/zinf/)

 

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