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Hautkrankheit HS besser verstehen und Rückfälle verhindern: Würzburger Projekt kombiniert Immunforschung und App-Technologie

Projekt HS-ORIGINS soll immunologische und digitale Rückfallmuster bei Hidradenitis suppurativa (HS) unter IL-17- und TNF-α-Blockade entschlüsseln

Das Team steht in zwei Reihen bei gutem Wetter unter Bäumen vor der Hautklinik.
Gruppenbild: Das HS-Team an der Hautklinik v.l.n.r. Bachelorstudentin Emilia Haid, Doktorandin Mariele Sieben, Praktikantin Leonie Straus, Biologin und Post-Doc Julia Krug, Biologe Marco Stumpf, Bioinformatikerin und Post-Doc Yamila Rocca, Doktorand Aaron Ziegler, Oberärztin Dagmar Presser, Oberarzt Andreas Kerstan, Projektkoordinatorin Astrid Schmieder, Doktorand Jiahong Yuan und Doktorandin Luca Pölzer. © Marion Berthold / UKW
Das Bild zeigt Knoten und Falten unter der Achsel eines Patienten.
Achselhöhle: Hidradenitis suppurativa (HS) kommt häufig in Hautfalten, wie beispielsweise in der Achselhöhle (Axilla), vor. Der Schweregrad der Erkrankung beträgt hier nach dem Hurley-Score II bis III – Stadium I ist das niedrigste, Stadium III das höchste. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Das Gewebe der HS wurde im typischen lilafarbenen Ton eingefärbt.
Histologie: Das Gewebe einer Hidradenitis suppurativa (HS) im Stadium II–III wurde mit einer Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE-Färbung) histologisch untersucht. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Komplexe Abbildung mit verstopfter Haarfollikel, Immunzellen etc. unter der Haut
Pathophysiologie der Erkrankung: Im oberen Teil des Schaubilds sind die Risikofaktoren der Hidradenitis suppurative (HS) dargestellt: Nikotinkonsum und Adipositas. Fast alle HS-Patientinnen und Patienten rauchen oder haben geraucht. Der Nikotinkonsum führt zu einer sogenannten Hyperplasie (Verdickung der Oberhaut) und Hyperkeratose (vermehrte Verhornung), wodurch der Ausgang des Haarfollikels verstopft wird. Zudem sind viele Betroffene übergewichtig. Dies kann zu einer dauerhaften, leichten Entzündung im Körper (subklinische Entzündung), Stoffwechselveränderungen und einer vermehrten Bildung von Hautfalten führen. Letzteres sorgt für mehr mechanische Reibung, die wiederum die Follikel reizt und die Erkrankung fördert. Die Pathophysiologie im Zentrum der Abbildung zeigt, wie HS entsteht. Die Wissenschaft vermutet, dass sich durch die Verhornung der Oberhaut im Haarfollikel Talg, Schweiß und Bakterien anstauen, bis der Follikel wie ein überfüllter Ballon platzt. Dadurch gelangt der Follikelinhalt fälschlicherweise in die tiefere Hautschicht (Dermis). Zudem liegt oft eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Bakterienbesiedlung der Haut vor, das die Entstehung der Entzündung begünstigt. Das Immunsystem reagiert auf den Inhalt des geplatzten Follikels: Makrophagen, auch Fresszellen genannt, werden aktiviert. Sie erkennen die „Eindringlinge“, wie zum Beispiel Keratin und Bakterien, und schütten proinflammatorische Zytokine, also entzündungsfördernde Botenstoffe, aus. Diese rekrutieren wiederum verschiedene Immunzellen aus den Blutgefäßen, darunter Neutrophile, Monozyten, T-Zellen und B-Zellen. Die Immunantwort wird durch verschiedene Hautzellen (Keratinozyten und Fibroblasten) verstärkt, indem diese Chemokine ausschütten. Diese massive und unkontrollierte Entzündungsreaktion ist für die sichtbaren und spürbaren Symptome der Krankheit verantwortlich: Es bilden sich tiefsitzende Abszesse. Verschmelzen diese unter der Haut miteinander, entstehen schmerzhafte, tunnelartige Fistelgänge. Sie sind ein charakteristisches Merkmal für schwere, chronische HS. Ihr Entstehungsmechanismus ist jedoch noch nicht vollständig verstanden. Bei der Abheilung kommt es zu starker Vernarbung, die das Gewebe dauerhaft verändert. © Jiahong Yuan / Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW / erstellt mit BioRender

Das von Astrid Schmieder vom Uniklinikum Würzburg (UKW) geleitete Forschungsprojekt HS-ORIGINS untersucht bei der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Hidradenitis suppurativa immunologische Mechanismen sowie digitale Rückfallmuster unter Therapie mit IL-17- und TNF-α-Inhibitoren. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Informatik II der Universität Würzburg und der Health-Study-Club GmbH wird dabei die Smartphone-App „Wunderkint“ weiterentwickelt, um mithilfe von KI sogenannte Rückfallkarten zu erstellen und Krankheitsverläufe digital zu erfassen. Das Ziel besteht darin, Biomarker und digitale Werkzeuge zu entwickeln, die Therapieansprechen und Rückfälle frühzeitig vorhersagen können. Das Projekt wird von Sanofi gefördert und verbindet moderne Immunologie mit digitaler Medizin.

Würzburg. Bei Hidradenitis suppurativa (HS), auch Akne inversa genannt, handelt es sich um eine chronische, entzündliche Hauterkrankung. Betroffene leiden unter schmerzhaften Knoten und Abszessen, die sich vor allem in Hautfalten an den Achseln, der Leiste und in der Gesäßregion bilden. Die Erkrankung tritt meist im jungen Erwachsenenalter auf, verläuft oft schubweise und kann durch Narbenbildung und Schmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu sozialer Isolation führen. Dadurch erhöht sich das Risiko für Depressionen, Angststörungen und Suizid signifikant. In Studien liegt die Zahl der Betroffenen bei 0,4 Prozent. „Wir gehen jedoch von einer erheblichen Dunkelziffer aus”, sagt Prof. Dr. Astrid Schmieder, leitende Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). „Viele Fälle werden nicht oder erst spät diagnostiziert – unter anderem, weil die Erkrankung häufig mit anderen Hautproblemen verwechselt wird und Betroffene oft erst nach Jahren medizinische Hilfe suchen.“ 

Zwar stehen mittlerweile moderne Medikamente zur Verfügung, sogenannte Biologika, die gezielt in das Immunsystem eingreifen, doch profitiert nur etwa jede zweite Patientin bzw. jeder zweite Patient ausreichend davon. Häufig lässt die Wirksamkeit im Verlauf nach oder die Erkrankung kehrt zurück. Bislang fehlen verlässliche Marker, die dabei helfen, die passende Therapie auszuwählen oder Rückfälle frühzeitig zu erkennen.

Das will Astrid Schmieder mit ihrem Team ändern. Sie leitet in der Hautklinik die Sektionen Immundermatologie und Digitale Medizin. Genau diese beiden Richtungen sind in dem neuen Projekt HS-ORIGINS verbunden. Das Projekt wird vom Biopharmaunternehmen Sanofi über ORIGINS, ein beschleunigtes innovatives Forschungsförderungsprogramm von Sanofi zur Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit finanziell gefördert.

TNF-α- und IL-17-Inhibitoren unterbrechen zentrale Entzündungswege und reduzieren überschießende Immunreaktion bei HS

Im Rahmen des Projekts werden zunächst zwei zugelassene Wirkstoffklassen untersucht, die den Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-α) beziehungsweise das Interleukin-17 (IL-17) blockieren. 

Projektleiterin Astrid Schmieder erläutert die Hintergründe: „Hidradenitis suppurativa wird durch eine Verstopfung und das Aufreißen von Haarfollikeln verursacht, was eine Entzündungsreaktion auslöst. Diese wird durch Zellen des angeborenen Immunsystems, insbesondere Makrophagen, sowie durch Zellen des adaptiven Immunsystems wie T- und B-Zellen verstärkt. Dabei spielen die Entzündungsbotenstoffe TNF-α und IL-17 eine zentrale Rolle. Mit TNF-α- und IL-17-Inhibitoren blockieren wir diese Entzündungs-Signalstoffe und dämpfen die überschießende Immunreaktion.“ 

Verständnis individueller Therapieantworten

Das Team möchte diese beiden Entzündungsbotenstoffe und weitere Mitglieder aus der IL-1-Familie sowie die Rezeptoren OX40 und ihre Bindungspartner (OX40-Ligand) auf anderen Immunzellen und ihr Zusammenspiel genauer analysieren. Ziel ist es, zu verstehen, warum Patientinnen und Patienten unterschiedlich auf TNF-α oder IL-17-Inhibitoren ansprechen. Dazu kombinieren die Forschenden moderne Laboranalysen von Gewebe- und Blutproben, wie beispielsweise räumliche Genexpressionsanalysen, Durchflusszytometrie und umfassende Zytokinmessungen, mit digitalen Methoden und künstlicher Intelligenz. Die Immunreaktionen in den entzündeten Hautarealen werden dabei longitudinal und detailliert untersucht und durch Blutanalysen über mehrere Monate ergänzt. 

Mit weiterentwickelter App „Wunderkint“ immunologische Hotspots und Regionen mit hohem Rückfallrisiko erkennen 

Damit die Patientinnen und Patienten ihre Haut regelmäßig dokumentieren und so frühzeitig Hinweise auf einen möglichen Rückfall liefern können, wird die Smartphone-App „Wunderkint“ weiterentwickelt. Die App hat Schmieders Arbeitsgruppe bereits in einem früheren Projekt gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Software-Engineering der Universität Würzburg und der Health Study Club GmbH entwickelt, um mithilfe von KI und Smarthpone-Fotos chronische Wunden zu analysieren und digital zu überwachen. Für HS wird sie nun um sogenannte Rückfallkarten erweitert. Diese sollen helfen, Gewebeproben gezielt zu entnehmen – auch aus Bereichen, die klinisch noch unauffällig erscheinen, aber ein potenziell hohes Rückfallrisiko aufweisen. 

Muster erkennen, die den Behandlungserfolg vorhersagen können

Durch die Verknüpfung dieser molekularen Entwicklungen mit digitalen Rückfallkarten soll das Projekt biologisch fundierte Biomarker und digitale Werkzeuge liefern, die sich direkt in der klinischen Praxis anwenden lassen. Ziel ist es, die Behandlung von HS und ähnlichen entzündlichen Erkrankungen zu verbessern: Patientinnen und Patienten sollen schneller die für sie passende Behandlung erhalten, ein Wirkverlust sowie Rückfälle sollen möglichst früh erkannt und verhindert werden.

„Die Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg verbindet fundierte klinische Forschung mit moderner Immunologie und digitalen Ansätzen“, betont Dr. Mohammed Mosa, HS Research Disease Lead bei Sanofi.Wir unterstützen dieses Projekt, um die Krankheitsmechanismen der Hidradenitis suppurativa besser zu verstehen, insbesondere mögliche Resistenzmechanismen.” Denn der Einsatz von künstlicher Intelligenz und prädiktiven Modellen kann dazu beitragen, Krankheitsverläufe besser abzubilden und die klinische Vorhersage bei komplexen chronisch-entzündlichen Erkrankungen weiterzuentwickeln. „So können translationale Forschungsprojekte wie diese langfristig innovative Therapien für Patientinnen und Patienten mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf schneller in die klinische Praxis bringen,“ ergänzt Mohammed Mosa.

„Wir freuen uns sehr, dass Sanofi unser Projekt unterstützt“, kommentiert Astrid Schmieder. Während Schmieder sich in ihrer Forschung insbesondere auf den medizinisch-translationalen Aspekt des Projekts und die Koordination konzentriert, hat die Bioinformatikerin Dr. Yamila Rocca das Zusammenspiel des gesamten Immunsystems im Blick. Darüber hinaus sind Marco Stumpf, Biologe mit einem Faible fürs Programmieren, die medizinischen Doktoranden Jiahong Yuan und Mariele Sieben, die HS-Expertin und Operateurin Oberärztin Dr. Dagmar Presser, der Experte für chronisch-entzündliche Erkrankungen und Dermatopathologie Oberarzt PD Dr. Andreas Kerstan, die Fachärztin Dr. Caroline Glatzel sowie Prof. Dr. Samuel Kounev, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik II, und sein Software-Engineering-Team mit Vanessa Borst am Projekt HS-ORIGINS beteiligt.

Das Team steht in zwei Reihen bei gutem Wetter unter Bäumen vor der Hautklinik.
Gruppenbild: Das HS-Team an der Hautklinik v.l.n.r. Bachelorstudentin Emilia Haid, Doktorandin Mariele Sieben, Praktikantin Leonie Straus, Biologin und Post-Doc Julia Krug, Biologe Marco Stumpf, Bioinformatikerin und Post-Doc Yamila Rocca, Doktorand Aaron Ziegler, Oberärztin Dagmar Presser, Oberarzt Andreas Kerstan, Projektkoordinatorin Astrid Schmieder, Doktorand Jiahong Yuan und Doktorandin Luca Pölzer. © Marion Berthold / UKW
Das Bild zeigt Knoten und Falten unter der Achsel eines Patienten.
Achselhöhle: Hidradenitis suppurativa (HS) kommt häufig in Hautfalten, wie beispielsweise in der Achselhöhle (Axilla), vor. Der Schweregrad der Erkrankung beträgt hier nach dem Hurley-Score II bis III – Stadium I ist das niedrigste, Stadium III das höchste. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Das Gewebe der HS wurde im typischen lilafarbenen Ton eingefärbt.
Histologie: Das Gewebe einer Hidradenitis suppurativa (HS) im Stadium II–III wurde mit einer Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE-Färbung) histologisch untersucht. © Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW
Komplexe Abbildung mit verstopfter Haarfollikel, Immunzellen etc. unter der Haut
Pathophysiologie der Erkrankung: Im oberen Teil des Schaubilds sind die Risikofaktoren der Hidradenitis suppurative (HS) dargestellt: Nikotinkonsum und Adipositas. Fast alle HS-Patientinnen und Patienten rauchen oder haben geraucht. Der Nikotinkonsum führt zu einer sogenannten Hyperplasie (Verdickung der Oberhaut) und Hyperkeratose (vermehrte Verhornung), wodurch der Ausgang des Haarfollikels verstopft wird. Zudem sind viele Betroffene übergewichtig. Dies kann zu einer dauerhaften, leichten Entzündung im Körper (subklinische Entzündung), Stoffwechselveränderungen und einer vermehrten Bildung von Hautfalten führen. Letzteres sorgt für mehr mechanische Reibung, die wiederum die Follikel reizt und die Erkrankung fördert. Die Pathophysiologie im Zentrum der Abbildung zeigt, wie HS entsteht. Die Wissenschaft vermutet, dass sich durch die Verhornung der Oberhaut im Haarfollikel Talg, Schweiß und Bakterien anstauen, bis der Follikel wie ein überfüllter Ballon platzt. Dadurch gelangt der Follikelinhalt fälschlicherweise in die tiefere Hautschicht (Dermis). Zudem liegt oft eine Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Bakterienbesiedlung der Haut vor, das die Entstehung der Entzündung begünstigt. Das Immunsystem reagiert auf den Inhalt des geplatzten Follikels: Makrophagen, auch Fresszellen genannt, werden aktiviert. Sie erkennen die „Eindringlinge“, wie zum Beispiel Keratin und Bakterien, und schütten proinflammatorische Zytokine, also entzündungsfördernde Botenstoffe, aus. Diese rekrutieren wiederum verschiedene Immunzellen aus den Blutgefäßen, darunter Neutrophile, Monozyten, T-Zellen und B-Zellen. Die Immunantwort wird durch verschiedene Hautzellen (Keratinozyten und Fibroblasten) verstärkt, indem diese Chemokine ausschütten. Diese massive und unkontrollierte Entzündungsreaktion ist für die sichtbaren und spürbaren Symptome der Krankheit verantwortlich: Es bilden sich tiefsitzende Abszesse. Verschmelzen diese unter der Haut miteinander, entstehen schmerzhafte, tunnelartige Fistelgänge. Sie sind ein charakteristisches Merkmal für schwere, chronische HS. Ihr Entstehungsmechanismus ist jedoch noch nicht vollständig verstanden. Bei der Abheilung kommt es zu starker Vernarbung, die das Gewebe dauerhaft verändert. © Jiahong Yuan / Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKW / erstellt mit BioRender

Forschung für die neue Generation der ALL-Therapie

Vier neue Forschungsprojekte am UKW zeigen die wissenschaftliche Bandbreite von KI über moderne Genomik bis hin zur geschlechtssensiblen Medizin bei Entwicklungsansätzen zu neuen ALL-Therapien

Anke Bergmann steht in weißem Kittel in einem Flur, der Hintergrund ist sehr unscharf. Das Bild ist im Querformat, Frau Bergmann ist bis zum Bauchnabel zu sehen.
Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann leitet das im Oktober 2025 gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin. © Anke K. Bergmann (Fotograf Mario Schmitt)
Mitarbeiterin mit weißem Kittel schaut ins Mikroskop - die Probe ist grün angeleuchtet, der Raum im bläulichen Licht.
Das Universitätsklinikum Würzburg übernahm Anfang 2026 die bundesweite genetische Referenzdiagnostik für Leukämien im Kindesalter. Hier wird ein Knochenmarkausstrich am Fluoreszenzmikroskop untersucht. Alles, was in Deutschland an ALL bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird, läuft über dieses Mikroskop. © Daniel Peter / UKW

Neue Daten, neue Methoden und neue Perspektiven für die Diagnostik und Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL). Das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg macht die ALL zu einem zentralen Forschungsschwerpunkt und stellt vier aktuelle Projekte vor. In einer Publikation zeigt das Team um Prof. Dr. Anke K. Bergmann, wie mithilfe künstlicher Intelligenz komplexe klinische und molekulare Daten für die T-zellige ALL nutzbar gemacht werden können. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert eine Studie, um mögliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen mit ALL zu untersuchen. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung unterstützt den Aufbau einer Forschungsgruppe, um mithilfe moderner Sequenzierverfahren genetische Veränderungen aufzuspüren. Und der Förderverein „Tour der Hoffnung e.V.“ fördert ein weiteres Projekt, um molekulare Mechanismen zu entschlüsseln, die der Aktivierung des Genes DUX4 in der ALL zugrunde liegen. Gemeinsames Ziel ist es, die unterschiedlichen Formen der Erkrankung ursächlich besser zu verstehen und somit langfristig eine präzisere Risikoeinschätzung und Behandlung zu ermöglichen.

Würzburg. Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Trotz großer Fortschritte in der Behandlung stellt die ALL die Medizin weiterhin vor wichtige Fragen: Warum verläuft die Erkrankung trotz ähnlicher Diagnose so unterschiedlich? Welche genetischen Veränderungen beeinflussen das Ansprechen auf eine Therapie? Und welche Rolle spielen Faktoren wie Alter und Geschlecht? Das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) widmet sich mit einem klaren wissenschaftlichen Schwerpunkt auf der ALL diesen Fragen. Vier aktuelle Projekte zeigen die Bandbreite der Forschung: Sie reichen von künstlicher Intelligenz und Präzisionsmedizin bis hin zu modernen Verfahren der Genomanalyse und geschlechtssensible Forschung.

„Wir sind nun mit den ersten Publikationen und eingeworbenen Förderungen auch wissenschaftlich in Würzburg angekommen“, freut sich Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann, die das im Oktober 2025 gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin leitet. „Wir wollen die ALL aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforschen und dabei klinische Fragestellungen mit modernen Technologien und großen Datensätzen verbinden. Was jetzt mit ersten erfolgreichen Projekten begonnen hat, möchten wir weiter ausbauen – und dafür auch neue Forschungsideen und Kooperationen nach Würzburg holen.“

clinTALL: Maschinelles Lernen zur Einteilung von T-ALL-Subtypen und Vorhersage des Behandlungsergebnisses 

Ein wichtiger Meilenstein ist die im Fachjournal „Genome Medicine“ veröffentlichte Studie zur Anwendung clinTALL. Das auf maschinellem Lernen basierende Verfahren ermöglicht eine automatisierte und präzise Einteilung der T-zelligen ALL (T-ALL) in genetische Untergruppen und kann das Behandlungsergebnis auf Grundlage verschiedener Datenarten abschätzen.

Bei der T-ALL, die etwa 15 bis 20 Prozent der kindlichen ALL-Fälle ausmacht, gehen die Leukämiezellen aus unreifen T-Zellen hervor. Im Vergleich zur bereits umfassend charakterisierten B-zelligen ALL stehen für die Einschätzung des Erkrankungsrisikos und die Wahl der Therapie bei der T-ALL bislang nur unzureichend definierte genetische Biomarker zur Verfügung. In aktuellen Analysen konnten jedoch bis zu 17 molekulare Untergruppen identifiziert werden, die sich durch unterschiedliche genetische Veränderungen und Genaktivitätsmuster auszeichnen. Dies könnte dabei helfen, Erkrankungsverläufe genauer vorherzusagen und Therapien noch gezielter anzupassen. Die dafür benötigten Genom- und Transkriptomdaten sind allerdings äußerst komplex.

Hier setzt clinTALL an. Gemeinsam mit Forschenden aus Italien sowie der ALL-BFM Studiengruppe hat das Würzburger Team um Anke Bergmann mittels Deep Learning ein System entwickelt, das unterschiedliche Datenarten aus klinischen und genetischen Untersuchungen analysiert und auswertet. 

Die Methode konnte die molekularen Untergruppen mit einer Genauigkeit von 92,2 Prozent klassifizieren. „Das Besondere an clinTALL ist aber nicht nur die hohe Genauigkeit, sondern auch die Möglichkeit, anhand der Daten einen späteren Krankheitsverlauf abzuleiten. Durch die gemeinsame Analyse klinischer, genomischer und transkriptomischer Informationen war eine bessere Einschätzung des ereignisfreien Überlebens möglich als bei der Betrachtung einzelner Datenarten“, kommentiert Dr. Jiangyan Yu, die verantwortliche Bioinformatikerin des Würzburger Teams. 

Die Studie zeigt das Potenzial der gemeinsamen Analyse verschiedener molekularer Daten für die zukünftige Präzisionsmedizin bei T-ALL. Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch die Nachnutzbarkeit. „Wir stellen clinTALL als Docker-Anwendung sowie den vollständigen Quellcode öffentlich zur Verfügung. Damit können andere Forschungsgruppen das Verfahren testen und weiterentwickeln“, sagt Dr. Claudia Davenport. Die Naturwissenschaftlerin koordiniert die Forschung am Institut. 

Publikation: Lukas Stoiber, Željko Antić, Stefano Rebellato, Grazia Fazio, Annika Rademacher, Lennart Lenk, Franco Locatelli, Adriana Balduzzi, Gunnar Cario, Carmelo Rizzari, Giovanni Cazzaniga, Jiangyan Yu & Anke Katharina Bergmann. clinTALL: machine learning-driven multimodal subtype classification and treatment outcome prediction in pediatric T-ALL. Genome Med 18, 108 (2026). https://doi.org/10.1186/s13073-026-01733-8

Gender4ALL: Geschlecht und Alter als mögliche Einflussfaktoren

Die Frage, ob sich ALL bei Mädchen und Jungen unterschiedlich verhält, rückt zunehmend in den Fokus. Mit Gender4ALL startet am Institut für Klinische Genetik und Genommedizin ein Forschungsprojekt, das mögliche geschlechts- und altersabhängige Unterschiede bei der Erkrankung systematisch untersucht.

Das Projekt wird im BMFTR-Programm „Reduzierung des Gender Data Gap in der klinischen Forschung“ gefördert. Zunächst werden bereits vorhandene Daten aus ALL-Studien retrospektiv ausgewertet. Die Forschenden wollen unter anderem prüfen, ob sich die Diagnoseprofile, molekulargenetischen Subtypen, der Therapieverlauf, das Therapieansprechen und wichtige Krankheitsverläufe von Mädchen und Jungen unterschiedlichen Alters unterscheiden. „Darauf aufbauend können sich neue Forschungsfragen ergeben. Gerade bei einer Erkrankung wie der ALL, bei der große Mengen klinischer und molekularer Daten vorliegen, bietet sich eine solche systematische Analyse an“, sagt Anke Bergmann. Die Förderung ist zugleich ein erster Schritt, um geschlechtssensible Fragestellungen stärker in die ALL-Forschung des Instituts zu integrieren.

Neue Genomdaten für bisher schwer einzuordnende ALL

Eine weitere Förderung durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung gibt dem Schwerpunkt moderner Genomik Rückenwind und unterstützt Dr. Dr. Zeljko Antic beim Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe. 

Im Mittelpunkt steht die sogenannte B-other-ALL, die etwa zehn Prozent der Kinder mit B-ALL betrifft. Bei ihnen lassen sich mit den herkömmlichen Untersuchungsmethoden keine genetischen Veränderungen feststellen, die eine eindeutige Einordnung in eine Risikogruppe erlauben. Deshalb werden diese Kinder nach einheitlichen Behandlungsschemata therapiert, obwohl sich ihre Erkrankungen genetisch deutlich unterscheiden können.

Das Forschungsteam möchte mit besonders leistungsfähigen Verfahren zur Genomanalyse, dem sogenannten Long-Read-Sequencing, nach bislang übersehenen genetischen und epigenetischen Veränderungen suchen. Die Forschenden wollen zusätzlich molekulare und klinische Daten mit Verfahren des maschinellen Lernens verbinden. So sollen Veränderungen identifiziert werden, die künftig als Biomarker für eine präzisere Risikoeinschätzung dienen könnten. Für die besonders relevanten Kandidaten sind anschließend Untersuchungen in Zellmodellen geplant.

„Unser Ziel ist es, die genetische Vielfalt dieser bislang schwer einzuordnenden ALL besser zu verstehen“, erklärt Zeljko Antic. „Wenn wir neue Biomarker finden, könnten diese langfristig dazu beitragen, Therapien genauer an das individuelle Risiko anzupassen.“

Die Erkenntnisse sind nicht nur für Kinder, sondern perspektivisch auch für andere Altersgruppen mit ALL relevant. 

Translationale onkogenomische Forschung mit neuesten Technologien

Ein weiteres, gerade bewilligtes Forschungsprojekt wird es der Arbeitsgruppe ermöglichen, neueste genomische Technologien zu evaluieren und zu prüfen, welchen zusätzlichen Nutzen sie für die Patientenversorgung bieten können. Der Förderverein „Tour der Hoffnung“ unterstützt ein Forschungsprojekt von Jiangyan Yu, das eine genetisch komplexe Subgruppe der kindlichen akuten lymphatischen Leukämie (ALL), die sogenannte DUX4-r ALL, genauer untersucht.

Ziel des Projekts ist es, die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, die der Aktivierung von DUX4 zugrunde liegen, und verbesserte diagnostische Verfahren zu entwickeln. Langfristig soll die Forschung dazu beitragen, eine präzisere Diagnosestellung und bessere Risikoeinschätzung zu ermöglichen und damit individuellere Behandlungsstrategien für Kinder mit DUX4-r ALL zu entwickeln.

Anke Bergmann steht in weißem Kittel in einem Flur, der Hintergrund ist sehr unscharf. Das Bild ist im Querformat, Frau Bergmann ist bis zum Bauchnabel zu sehen.
Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann leitet das im Oktober 2025 gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin. © Anke K. Bergmann (Fotograf Mario Schmitt)
Mitarbeiterin mit weißem Kittel schaut ins Mikroskop - die Probe ist grün angeleuchtet, der Raum im bläulichen Licht.
Das Universitätsklinikum Würzburg übernahm Anfang 2026 die bundesweite genetische Referenzdiagnostik für Leukämien im Kindesalter. Hier wird ein Knochenmarkausstrich am Fluoreszenzmikroskop untersucht. Alles, was in Deutschland an ALL bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird, läuft über dieses Mikroskop. © Daniel Peter / UKW

Weniger Biofilm, mehr Überlebenschance

Internationales Forschungsteam unter Würzburger Leitung entdeckt überraschende Anpassungsstrategie.

Bei mehreren weltweit untersuchten Fluconazol-resistenter Candida parapsilosis-Ausbrummstämmen war eine abgeschwächte Biofilmbildung mit einer besonders guten Anpassung an den menschlichen Wirt verbunden.

 

Mikroskopische Aufnahme des Candida parapsilosis mit leuchtenden grünen und blauen Hefezellen
Candida parapsilosis: Die grünen Hefezellen bilden im Gegensatz zu den blauen Hefezellen nur wenig Biofilm. Die Makrophagen wurden im Verhältnis 1:1 zugeführt, sie neigen hier augenscheinlich dazu, die Hefezellen, die viel Biofilm bilden, effektiver zu verschlingen. Die Aufnahmen wurden mittels Konfokalmikroskopie mit einem 100-fachen Objektiv angefertigt. © Amir Arastehfar / UKW

Würzburg. Candida parapsilosis ist ein Hefepilz, der häufig auf der menschlichen Haut lebt. Für gesunde Menschen ist er in der Regel unproblematisch. Gefährlich wird er vor allem für Personen, deren Immunabwehr geschwächt ist oder deren natürliche Schutzbarrieren durch medizinische Eingriffe beeinträchtigt sind. Wenn der Pilz beispielsweise über einen Katheter oder eine verletzte Hautbarriere in die Blutbahn gelangt, kann er schwere Infektionen verursachen. Darüber hinaus kann Candida parapsilosis von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. In den vergangenen Jahren kam es weltweit immer wieder zu Krankenhausausbrüchen, bei denen sich Stämme des Pilzes ausgebreitet haben, die gegen das häufig eingesetzte Antipilzmittel Fluconazol resistent sind.

Warum Biofilm bislang als Vorteil galt  

Bislang galt eine ausgeprägte Biofilmbildung als wichtiger Faktor für die Widerstandsfähigkeit solcher Erreger. Sowohl Bakterien als auch Pilze können einen zementartigen Schutzschild um sich herum aufbauen. Dieser hilft ihnen, sich in der Umwelt zu behaupten und Angriffen durch Antibiotika, Antimykotika sowie weiße Blutkörperchen unseres Immunsystems standzuhalten. 

Überraschende Kehrtwende: Weniger Biofilm, weniger Angriffsfläche 

Dr. rer. nat. Amir Arastehfar, Junior-Forschungsgruppenleiter in der Arbeitsgruppe „Invasive Pilzinfektionen“ von Prof. Dr. Jürgen Löffler am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), brachte mit seiner jüngsten Forschungsarbeit zu Fluconazol-resistenten Stämmen des Candida parapsilosis, sogenannten FLCR-CP-Isolaten, jedoch eine überraschende Wendung zutage. „Anstatt noch stärkere Festungen zu errichten, gehen die Ausbrüche verursachenden Stämme ein riskantes Wagnis ein. Sie reduzieren bewusst ihren schützenden Biofilm-Schild. Im Gegenzug gewinnen sie zwei enorme Vorteile: Menschliche Immunzellen können sie nicht erkennen und sie können sich unter extremen Stress viel schneller vermehren.“ 

Offensichtlich kann es für den Pilz vorteilhaft sein, den Biofilm unter dem Druck des Immunsystems zurückzufahren und sich stattdessen besser an die Bedingungen im Körper anzupassen.

Ein Muster, das weltweit auftaucht

Durch die Analyse genomischer Daten aus Krankenhäusern in mehreren Ländern hat das internationale Forschungsteam festgestellt, dass dieser Wandel weltweit unabhängig voneinander stattfindet. „Die häufige Übertragung von einem Wirt auf den anderen trainiert den Pilz gewissermaßen dazu, ein uraltes Überlebensmerkmal gegen ein modernes einzutauschen. Dadurch kann er unserem Immunsystem entgehen und in Gesundheitsrichtungen fortbestehen“, sagt Amir Arastehfar. 

Anpassung als Schlüssel zum Erfolg 

Die im Fachjournal PLOS Biology veröffentlichten Ergebnisse verändern somit die Sichtweise darauf, warum sich resistente Candida parapsilosis-Stämme in Krankenhäusern langfristig halten können. Entscheidend könnte nicht allein die Widerstandsfähigkeit gegenüber Medikamenten oder die Fähigkeit in der Krankenhausumgebung zu überleben, sein. Auch die Anpassung an die menschliche Immunabwehr spielt offenbar eine wichtige Rolle. Amir Arastehfar: „Wir wollen deshalb das weltweite Gesamtgenom von Candida parapsilosis sorgfältig analysieren, um herauszufinden, welche genetischen Merkmale dem Pilz die Fähigkeit verleihen, sich vor Immunzellen zu verstecken und dauerhaft im Krankenhaus zu verbleiben.“

Die Studie im Detail

Das Forschungsteam untersuchte Candida parapsilosis-Stämme aus verschiedenen Ländern und kombinierte genetische Analysen mit Untersuchungen der Genaktivität sowie Experimenten mit Immunzellen und im Tiermodell. Dabei zeigte sich, dass die sogenannten Low-Biofilm-Produzenten (LBP) unter verschiedenen Stressbedingungen besser wuchsen als Stämme mit ausgeprägter Biofilmbildung. Noch entscheidender war ihr Verhalten im Kontakt mit Immunzelle. Neutrophile Granulozyten und Makrophagen töteten die Pilze weniger effektiv ab. Zudem zeigten sie Veränderungen ihrer Zellwand, durch die sie für das Immunsystem offenbar weniger gut erkennbar waren. Auch im Tiermodell zeigte sich ein Vorteil: Die biofilmarmen Stämme konnten sich in Organen mit vielen Immunzellen besser halten. Die Forschenden schließen daraus, dass die verringerte Biofilmbildung für den Pilz einen evolutionären Vorteil innerhalb des Wirts darstellen kann. Besonders interessant ist: Die genomweiten Analysen von Stämmen aus mehreren Ländern zeigten, dass sich die abgeschwächte Biofilmbildung offenbar mehrfach unabhängig voneinander entwickelt hat. Die Veränderungen beruhen dabei nicht auf einer einzigen Mutation. Vielmehr fanden die Forschenden komplexe Veränderungen, die teilweise mehrere Gene betreffen. Eingriffe in verschiedene Regulatoren der Biofilmbildung konnten die Überlebensfähigkeit der Pilze im Kontakt mit Immunzellen ebenfalls erhöhen.

An der Studie waren Forschende aus mehreren Ländern beteiligt. Von Würzburger Seite waren neben Amir Arastehfar unter anderem Forschende des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie um Prof. Dr. Oliver Kurzai sowie die Doktoranden Tobias Köhler und Gabriel Braune beteiligt. Amir Arastehfars Forschung wurde vom WüConnect-Programm des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) finanziell unterstützt. 
 

Publikation: Farnaz Daneshnia, Deepika Gunasekaran, Sean Bergin, Lisa Lombardi, Austin M. Perry, Liuyang Cai, Louise A. Walker, Tibor Nemeth, Süleyha Hilmioglu-Polat, Letal I. Salzberg, Arefeh Ebadati, Tobias Köhler, Gabriel Braune, João N. de Almeida, Giuseppina Caggiano, Julianne V. Kus, Pegah Mosharaf Ghahfarokhy, Julieta Munoz, Daniel J. Floyd, Diego Fuentes-Palacios, Samuel M. Gonçalves, Relber A. Gonçales, Mostafa Salehi, Jigar V. Desai, Agostinho Carvalho, Shenglin Mei, Carol A. Munro, Alex Hopke, Toni Gabaldón, Attila Gacser, Oliver Kurzai, Geraldine Butler, David S. Perlin, Wenjie Fang, Clarissa J. Nobile, Michael K. Mansour, Amir Arastehfar (2026) Outbreaks of fluconazole-resistant Candida parapsilosis are driven by low-biofilm-producing isolates that emerge under host selection. PLoS Biology. 24(9): e3003973. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3003973

Mikroskopische Aufnahme des Candida parapsilosis mit leuchtenden grünen und blauen Hefezellen
Candida parapsilosis: Die grünen Hefezellen bilden im Gegensatz zu den blauen Hefezellen nur wenig Biofilm. Die Makrophagen wurden im Verhältnis 1:1 zugeführt, sie neigen hier augenscheinlich dazu, die Hefezellen, die viel Biofilm bilden, effektiver zu verschlingen. Die Aufnahmen wurden mittels Konfokalmikroskopie mit einem 100-fachen Objektiv angefertigt. © Amir Arastehfar / UKW

Uniklinik warnt: Betrugsmasche täuscht Klinikanrufe vor

Den Schockmoment des Angerufenen nutzen die Betrüger aus, um das Opfer zu unüberlegten Handlungen zu drängen, etwa zu einer hohen Geldzahlung

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) warnt erneut vor sogenannten „Schockanrufen“. Damit werden Betrugsversuche bezeichnet, bei denen sich Kriminelle am Telefon z.B. als Ärzte, Polizisten oder Familienangehörige ausgeben und eine Notlage oder gar die Lebensgefahr von Angehörigen vorgaukeln. Den Schockmoment des Angerufenen nutzen die Betrüger dann aus, um das Opfer zu unüberlegten Handlungen zu drängen, in der Regel zu einer hohen Geldzahlung.

Dem UKW sind nun zwei konkrete Fälle bekannt geworden, bei denen sich die Anrufer als Mitarbeitende des UKW ausgegeben haben. Die Anrufer forderten die Gesprächspartner auf, unmittelbar eine hohe Summe für die Behandlung eines Angehörigen zu zahlen. Die Anrufe stellten sich sehr schnell als Betrugsmasche heraus, denn die Angerufenen nahmen direkt Kontakt zu den Angehörigen auf.

Das UKW rät zur Vorsicht und betont:

Das UKW fordert nicht zur Zahlung von Behandlungen per Telefon auf. Mitarbeitende des UKW werden zu keiner Zeit über einen Telefonanruf einen Geldbetrag fordern, um eine lebenswichtige dringliche Behandlung bei einer erkrankten oder verletzten Person durchzuführen. Betroffene sollten niemals auf derartige Zahlungsaufforderungen eingehen und sich immer vergewissern, wenn der Anrufer großen Zeitdruck erzeugt.

Das Bundeskriminalamt rät dazu, bei solchen Schockanrufen, die tatsächlichen Angehörigen unter den bekannten Daten zu kontaktieren. Weitere Hinweise gibt es u.a. auf dieser Website des Bundeskriminalamtes. Personen, die einen solchen Schockanruf erhalten, wenden sich bitte an die örtlich zuständige Polizeidienststelle oder auch direkt an die 110.

Krankenhäuser deutschlandweit – auch das UKW – werden immer wieder im Rahmen von betrügerischen Schockanrufen missbraucht, um einen Notfall oder die schwere Erkrankung eines Angehörigen vorzutäuschen und so hohe Geldsummen einzufordern. Es wird z.B. fälschlicherweise behauptet, dass für eine Behandlung oder ein besonders teures Medikament dringend ein hoher Geldbetrag bereitzustellen sei. Diese Art der Schockanrufe ist in den letzten Jahren leider deutschlandweit zu beobachten. Bereits im Mai wurden dem UKW solche Fälle in der Region berichtet.

Hinweise zum richtigen Verhalten bei Schockanrufen stellt die Polizei im Internet z.B. auch hier zur Verfügung:

https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/schockanrufe-panikmache-am-telefon-legen-sie-sofort-auf/

Auch dort stellt die Polizei nochmals klar:

„Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen. Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu oder verständigen Sie die Polizei.“

Nach 17 Jahren: Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus nimmt Abschied von der Neurochirurgischen Klinik des UKW

Große Verdienste um Würzburger Universitätsmedizin

Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus wurde 2009 Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Von 2016 bis 2025 war er zudem als Stellvertretender Ärztlicher Direktor Vorstandsmitglied der Uniklinik. Foto: UKW / Anna Wenzl
Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus wurde 2009 Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Von 2016 bis 2025 war er zudem als Stellvertretender Ärztlicher Direktor Vorstandsmitglied der Uniklinik. Foto: UKW / Anna Wenzl

Würzburg. Eigentlich wollte er ja „Hausarzt auf dem Land“ werden. „Mit Kontakt zu den Familien und eng eingebunden in deren soziales Umfeld. So habe ich mir das früher vorgestellt“, blickt Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus auf seine ersten Berufspläne zurück. Doch es kam anders, sein Weg führte ihn in die Neurochirurgie. 2009 wurde er als Nachfolger von Prof. Dr. Klaus Roosen Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Von 2016 bis 2025 war er zudem als Stellvertretender Ärztlicher Direktor Vorstandsmitglied der Uniklinik. Ende September scheidet Prof. Ernestus nun nach 17 Jahren aus dem Amt des Klinikdirektors aus. Der Universitätsmedizin Würzburg bleibt er allerdings erhalten.

„Zufall und Inspiration“ 

Der Weg in die Neurochirurgie sei vor allem durch zwei Dinge geprägt gewesen, so der gebürtige Potsdamer: „Purer Zufall und Inspiration durch meine damaligen medizinischen Lehrer.“ Der Zufall ist eng mit einem seiner Hobbies, der Fotografie, verbunden: „Während meines Medizinstudiums in Köln wollte ich gerne ein neues Teleobjektiv kaufen, aber es fehlte das Geld. Dann sah ich einen Aushang, auf dem studentische Nachtwachen für die neurochirurgische Intensivstation der Uniklinik gesucht wurden. Das war mein erster Kontakt mit dem Fach“, so Prof. Ernestus.

Dazu kamen dann seine medizinischen Lehrer, Prof. Dr. Reinhold A. Frowein und Prof. Dr. Norfrid Klug, die ihn für das Fach inspirierten, ihn ermutigten und förderten. 1984 wurde er Assistenzarzt in der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Köln. 1990 ging er als junger Mediziner zu Prof. Dr. Konstantin-Alexander Hossmann an das damalige Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln. „Diese Zeit war Wissenschaft pur. Aber ich merkte, dass mir die Patienten fehlten.“ Also kehrte er in die Klinik zurück und setzte seine Laufbahn am Universitätsklinikum Köln fort – bis hin zum Kommissarischen Direktor der dortigen Neurochirurgischen Klinik. 2009 nahm er dann den Ruf nach Würzburg an. Seine Verbundenheit mit der Domstadt ist übrigens auch heute noch in seinem Büro sichtbar: An der Wand hängt seit seinem Dienstantritt eine Pop-Art-Version des Kölner Doms.

Fortschritt, Vernetzung, Entscheidungsfindung

Bei der Rückschau auf die 17 Jahre als Klinikdirektor in Würzburg nennt er zum einen die großen Fortschritte in der Neuroonkologie sowohl apparativ-technisch als auch organisatorisch. „Die bildgebende Diagnostik und die OP-Methoden wurden und werden immer präziser. Hier profitieren unsere Patienten sehr von unserer Zusammenarbeit mit der Neuroradiologie innerhalb der Kopfklinik, aber auch mit vielen weiteren Fachdisziplinen“, so Prof. Ernestus. Gleichzeitig sei es gelungen, Strukturen aufzubauen, die auch weit in die Region wirken „2009 gab es noch kein Comprehensive Cancer Center (CCC) und kein Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Würzburg. Zu dieser erfolgreichen Entwicklung in der Onkologie konnten auch wir mit der Neurochirurgie unseren Teil beitragen.“ Die Versorgung von Notfällen im Zusammenhang mit Erkrankungen der Hirngefäße wurde zudem 2023 mit der Gründung des Neurovaskulären Netzwerks Unterfranken gestärkt.

Neben den großen Fortschritten in der Patientenversorgung ist ihm ein Aspekt besonders wichtig: „Als Neurochirurgen müssen wir zum Teil auch sehr schnell Entscheidungen treffen und diese umsetzen. Das gelingt nur mit klarer und vertrauensvoller Kommunikation im Team, damit alle nötigen Informationen in die Entscheidungen einfließen. Mein Ziel war es immer, eine offene Kommunikation im Team zu fördern und auch jüngere Kolleginnen und Kollegen schnell zu integrieren.“ Auch diesen Aspekt will er zukünftig im Rahmen einer Seniorprofessur an der Würzburger Universitätsmedizin den Medizin-Studierenden in einem Coaching-Angebot vermitteln. Der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die medizinische Entscheidungsfindung soll ebenfalls ein Aspekt seiner künftigen Tätigkeit, die auch eine den Klinikumsvorstand beratende Funktion umfassen wird, sein.

Corona, Klinikums-Einsatz-Leitung und Kommunikation

Entscheidungsfindung unter großem Zeitdruck: Das prägte auch die Zeit der Corona-Pandemie. In dieser Zeit war der Neurochirurg Mitglied im Führungsstab der Klinikums-Einsatz-Leitung (KEL) am UKW. „Das war eine enorme Herausforderung mit anfangs täglichen Krisensitzungen. Teilweise gab es mehrmals täglich neue Verordnungen und Erkenntnisse, an denen wir die Versorgung am UKW ausrichten mussten. Dies ist uns gelungen, weil wir verschiedene Fachdisziplinen und Expertisen verknüpfen konnten.“ Unter seiner Federführung entstand dabei auch der interne UKW-Newsletter, den Prof. Ernestus redaktionell verantwortete. Stand dieser Newsletter zunächst im Zeichen der Pandemie, wird er auch aktuell noch als wichtiges internes Informationsmedium genutzt.

Große Verdienste um Würzburger Universitätsmedizin

Der Vorstand des Universitätsklinikums Würzburg dankt Prof. Ernestus für seine großen Verdienste um die Würzburger Universitätsmedizin. Prof. Dr. Tim von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW, betont: „Viele Patienten haben von seinem Können und seinem Wissen enorm profitiert, nicht nur am UKW, sondern auch durch die von ihm initiierten Versorgungsnetzwerke in der Region. Als Stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKW erwarb er sich bleibende Verdienste für die Universitätsmedizin durch seine Weitsicht, sein Engagement und die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven in Entscheidungsfindungen einfließen zulassen.“

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät: „Wir freuen uns sehr, dass er im Rahmen einer Seniorprofessur sein Wissen und seine Erfahrung an die Studierenden weitergibt. Das wird die medizinische Ausbildung in Würzburg bereichern.“

„Ein Stück Wehmut dabei“

Von zahlreichen Patienten, die er über Jahre im Rahmen der Nachsorge betreute, hat er sich in den vergangenen Wochen schon verabschiedet. Auch so manche Gremiensitzung war für ihn die letzte als Klinikdirektor. Ernestus: „Da ist natürlich Wehmut dabei. Die Arbeit als Arzt mit den Patienten sowie im Team mit den Mitarbeitern wird mir fehlen, ganz klar.“ Gleichzeitig betont er offen: „Die Verantwortung und auch den Druck einer Klinikleitung abzugeben – das wird sicher ein Stück weit entlastend sein, vor allem aber auch Perspektiven für neue Dinge eröffnen.“

Pläne für die Zukunft neben der Seniorprofessur hat er schon. Dazu zählen Reisen mit seiner Ehefrau, ein stärkeres ehrenamtliches Engagement und natürlich sein Hobby, die Fotografie.

Die Würzburger Klinik ist die älteste eigenständige neurochirurgische Abteilung in Deutschland. Aus der Abteilung ging dann die spätere Klinik hervor. Sie wurde von Wilhelm Tönnis geleitet, der nach dem Krieg 1948 auf den ersten ordentlichen Lehrstuhl für Neurochirurgie in Köln berufen wurde. Und genau dort erhielt Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus 2009 den Ruf nach Würzburg. 

Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus wurde 2009 Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Von 2016 bis 2025 war er zudem als Stellvertretender Ärztlicher Direktor Vorstandsmitglied der Uniklinik. Foto: UKW / Anna Wenzl
Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus wurde 2009 Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Von 2016 bis 2025 war er zudem als Stellvertretender Ärztlicher Direktor Vorstandsmitglied der Uniklinik. Foto: UKW / Anna Wenzl

Translation und Transfer im Fokus: Würzburg will seine Forschungsinfrastruktur für die Medizin der Zukunft weiter ausbauen

Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft stand die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, wie Forschungsinfrastruktur, Translation und Transfer gestärkt werden können, um Würzburgs starke Position weiter auszubauen. Ein wichtiges Signal setzte die Vogel Stiftung mit drei Millionen Euro für die CAR-T-Zellforschung am Universitätsklinikum Würzburg.

Sieben Männer stehen auf der Bühne der MS Wissenschaft, in der Mitte bzw. dritter von links Michael Hudecek mit Scheck in der Hand, im Hintergrund Roll-ups.
Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft überreichte die Vogel Stiftung einen Scheck über drei Millionen Euro zur Unterstützung der CAR-T-Zellforschung an das Team von Prof. Michael Hudecek vom Universitätsklinikum Würzburg. V.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Michael Hudecek, Rolf Lenertz, Prof. Dr. Michael Müßig, Dr. Gunther Schunk, Prof. Dr. Tim J. von Oertzen © Thomas Berberich / UKW

Würzburg als starken medizinischen Wissenschaftsstandort sichtbar machen und den Austausch über aktuelle Forschung und innovative Entwicklungen fördern: Das war das Ziel des „Würzburger Tags der Zukunftsmedizin“. Rund 150 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft kamen dazu am Mittwoch, 09. September an Bord der MS Wissenschaft zusammen. Das schwimmende Science Center – eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Wissenschaft im Dialog – tourt seit Mai unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ durch Deutschland und machte in Würzburg als letzten Stopp Station, bevor es weiter nach Wien schippert. 

CAR-T-Zelltherapie ist ein Aushängeschild des Standorts

Mit an Bord der MS Wissenschaft ist ein vom Universitätsklinikum und Universität Würzburg entwickeltes Exponat zur CAR-T-Zelltherapie. Die Immuntherapie mit gentechnisch veränderten T-Zellen ist ein Aushängeschild des Standorts. Würzburg war das erste Zentrum in Deutschland, an dem diese Therapie bei der Behandlung von Blutkrebs eingesetzt wurde, und zählt heute zu den Zentren mit den höchsten Behandlungszahlen.

Um diese Position weiter auszubauen und neue Forschungsergebnisse möglichst schnell in die klinische Anwendung zu bringen, sind Investitionen in die gesamte Innovationskette notwendig, war man sich auf dem hochkarätig besetzten Panel einig. 

Drei Millionen Förderung für CAR-T-Zellforschung

Ein starkes Zeichen war daher auch die symbolische Scheckübergabe der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp von 3 Millionen Euro. Die Stiftung fördert die Arbeit von Professor Hermann Einsele und Professor Michael Hudecek am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) schon seit einigen Jahren und diese Forschungsförderung ist nun auf insgesamt 3 Millionen angewachsen. Diese Summe stärkt das Gesamtprojekt der CAR-T-Zellforschung und setzt zugleich einen Schwerpunkt in die Unterstützung der Nachwuchsforschung im Bereich Protein Engineering sowie beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Kampf gegen Krebs.

„Mit unserer Unterstützung möchten wir die wichtige Forschung zur CAR-T-Zelltherapie am Universitätsklinikum stärken. Wir haben hier die Chance, gezielt in die Dynamik und das Wachstum eines Spitzenthemas zu investieren und damit die Leuchtturmfunktion Würzburgs zu stärken“, begründete Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, die Förderung. „Wir wünschen Professor Hudecek und seinem gesamten Team viel Erfolg und vor allem, dass die Ergebnisse ihrer Forschung möglichst schnell den Weg zu den Patientinnen und Patienten finden.“

Forschung konsequent in Translation und Transfer bringen

Prof. Dr. Michael Hudecek, Inhaber des UKW-Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie und Leiter der Außenstelle Würzburg des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) sagte: „Für diese großzügige Unterstützung sind wir der Vogel Stiftung sehr dankbar. Die CAR-T-Zelltherapie zeigt bereits heute, welchen Unterschied innovative Forschung für Patientinnen und Patienten machen kann. Unser Ziel in Würzburg ist es, Forschung konsequent in Translation und Transfer zu bringen und so möglichst schnell in die klinische Anwendung zu überführen.“ 

Der Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg, Prof. Dr. med. Matthias Frosch ergänzte: „Die drei Millionen Euro der Vogel Stiftung sind für das Universitätsklinikum und seine Forschung von großem Wert. Gerade neue und innovative Forschung braucht Freiräume - insbesondere dann, wenn sich ein Thema noch nicht in etablierten Förderstrukturen wiederfindet. Stiftungen schaffen diesen Spielraum und bringen Forschungsprojekte voran, die sonst so nicht möglich wären.“

Würzburg als Standort für Gen- und Zelltherapie ausbauen

Im Mittelpunkt der beiden von Johannes Keppner moderierten Panel-Diskussionen beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ stand die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in die klinische Anwendung überführt werden können und welche Voraussetzungen Innovation am Standort Würzburg dafür braucht. 

Spitzenforschende des Universitätsklinikums und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen Fraunhofer, Helmholtz und Max-Planck diskutierten den Weg von der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und die dafür erforderlichen Strukturen und Infrastrukturen.

Dabei wurde deutlich: Würzburg ist international sehr gut auf dem Gebiet der Gen- und Zelltherapie aufgestellt und hat sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Anwendung wichtige Erfolge erzielt. Diese Spitzenposition will Würzburg weiter ausbauen, insbesondere mit weiterer Forschungsinfrastruktur, die Translation und Transfer stärkt, direkt am Klinikum aber auch den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den hiesigen Biotechnologieunternehmen.

Grundlagenforschung über klinische Studien und geeignete Infrastrukturen bis hin zur Herstellung von Zellprodukten sollten in Würzburg abgebildet werden können. Auch Kooperationen mit Biotech- und Pharmaunternehmen sowie die Förderung von Ausgründungen spielen dabei eine wichtige Rolle. 

„Würzburg hat in der Gen- und Zelltherapie eine hervorragende Ausgangsposition. Jetzt gilt es, diese Stärke durch gezielte Investitionen und starke Partnerschaften weiter auszubauen, um Forschung schnell in die klinische Anwendung zu bringen“, fasste Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, zusammen.

Der „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ wurde unterstützt von Johnson & Johnson, AstraZeneca, Gilead Sciences, PlasmidFactory, T-CURX, T2EVOLVE und Wissenschaft im Dialog

Ausstellung „Medizin der Zukunft“ stieß auf großes Interesse

Großes Interesse weckte auch die Ausstellung „Medizin der Zukunft“, die vom 8. bis 11. September an Bord der MS Wissenschaft zu sehen war. Nach Angaben der Veranstalter, Wissenschaft im Dialog, gab es auf die Ausstellung eine ausgezeichnete Resonanz: An allen vier Tagen war das Schiff durchgehend sehr gut besucht und zog zahlreiche Würzburgerinnen und Würzburger an. 

Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp: Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp wurde im Jahr 2000 von dem Würzburger Verleger Dr. Kurt Eckernkamp und seiner Frau Nina Eckernkamp-Vogel gegründet. Die Stiftung fokussiert in ihrer Förderung auf vier Aktivitätsfelder: Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Kultur. Die Teilhabe am Leben – über alle Generationen hinweg – steht im Mittelpunkt des Handelns der Stiftung. Für ihre Unterstützung von Forschungsprojekten wurde die Stiftung 2020 mit dem Gütesiegel „Innovativ durch Forschung“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemeinnützige Ziele und ist dem Unternehmen Vogel Communications Group als Mitgesellschafterin verbunden.

Sieben Männer stehen auf der Bühne der MS Wissenschaft, in der Mitte bzw. dritter von links Michael Hudecek mit Scheck in der Hand, im Hintergrund Roll-ups.
Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft überreichte die Vogel Stiftung einen Scheck über drei Millionen Euro zur Unterstützung der CAR-T-Zellforschung an das Team von Prof. Michael Hudecek vom Universitätsklinikum Würzburg. V.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Michael Hudecek, Rolf Lenertz, Prof. Dr. Michael Müßig, Dr. Gunther Schunk, Prof. Dr. Tim J. von Oertzen © Thomas Berberich / UKW

Infektionen bei Kindern: Deutschlands größte Fortbildung kommt nach Würzburg

Ende September wird Würzburg zum Treffpunkt der pädiatrischen Infektiologie: Beim ausgebuchten Infektiologischen Intensivkurs der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie diskutieren Fachleute aktuelle Erkenntnisse zu Infektionskrankheiten bei Kindern und Jugendlichen. Die wissenschaftliche Leitung übernehmen mit Prof. Dr. Johannes Liese und Privatdozent Dr. Johannes Forster zwei Experten aus der Würzburger Universitätsmedizin.

Der 28. Infektiologische Intensivkurs findet in der Würzburger Universität am Sanderring statt. Foto: Daniel Peter
Der 28. Infektiologische Intensivkurs findet in der Würzburger Universität am Sanderring statt. Foto: Daniel Peter

Würzburg. Der Infektiologische Intensivkurs (iiK) der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) gilt als Deutschlands größte Fortbildungsveranstaltung zu Infektionskrankheiten im Kindes- und Jugendalter: Mehr als 400 Teilnehmende – vorwiegend Kinderärztinnen und Kinderärzte aus Kliniken und niedergelassenen Praxen – haben sich für die diesjährige Neuauflage vom 24. bis 26. September in Würzburg angemeldet. Über 50 Referentinnen und Referenten vermitteln ihr Wissen und zeigen auf, wie sich aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse auf die bestmögliche Versorgung von Kindern mit Infektionskrankheiten übertragen lassen. 

Zum zweiten Mal unter Leitung der Würzburger Experten

Die wissenschaftliche Leitung des 28. Infektiologischen Intensivkurses haben Prof. Dr. Johannes Liese von der Kinderklinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg sowie Privatdozent Dr. Johannes Forster vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Für beide ist es eine besondere Freude, die renommierte Veranstaltung erneut ausrichten zu dürfen. Bereits 2021 hatten sie den Kurs gemeinsam geleitet – damals aufgrund der Corona-Pandemie vollständig online. „Umso mehr freuen wir uns, den iiK nun in Präsenz und im besonderen Rahmen des Audimax der Universität Würzburg veranstalten zu können. Die unmittelbare Interaktion und der persönliche Austausch mit den Teilnehmenden sind wesentliche Bestandteile dieses Fortbildungsformats“, sagt Forster.

Bewährte Verfahren kritisch hinterfragen

Das Motto in diesem Jahr lautet „Alter Wein auf dem Prüfstand – Ist das Medizin oder kann das weg?“. „Damit stellen wir sowohl herkömmliche als auch neue diagnostische und therapeutische Vorgehensweisen zur Diskussion“, beschreibt Liese. Was ist wirklich sinnvoll – zum Beispiel welche der vielen diagnostischen Untersuchungen bieten Kindern mit Infektionen wirklich einen Mehrwert?

Im Fokus steht auch die erwünschte Reduktion des noch immer übermäßigen Einsatzes von Antibiotika: Wann sind sie tatsächlich notwendig, welches Präparat ist geeignet und wie lange sollte behandelt werden? Und ganz aktuell: Welche Unterstützung kann die künstliche Intelligenz hierbei leisten? 

Von schweren Infektionen bis zum Klimawandel

Weitere Schwerpunkte sind das frühzeitige Erkennen und Behandeln schwerer Infektionen und einer Sepsis. Darüber hinaus richtet die Veranstaltung den Blick auf neue und sich verändernde Herausforderungen, die sich unter anderem durch die Auswirkungen des Klimawandels auf das Auftreten und die Verbreitung von Infektionskrankheiten ergeben.

Tagungsort des iiK ist das Audimax der Julius-Maximilians-Universität, Sanderring 2 in Würzburg. Weitere Details zum Programm gibt es unter https://dgpi.de

Der 28. Infektiologische Intensivkurs findet in der Würzburger Universität am Sanderring statt. Foto: Daniel Peter
Der 28. Infektiologische Intensivkurs findet in der Würzburger Universität am Sanderring statt. Foto: Daniel Peter