Aktuelle Pressemitteilungen

„Forschung hilft“ vergibt 242.000 Euro für die Würzburger Krebsforschung

Seit dem Start im Jahr 2017 hat „Forschung hilft“ mehr als 1,4 Millionen Euro an Forschungsförderung vergeben

Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg, Staatssekretärin Dr. Silke Launert und Stiftungsratsvorsitzende Gabriele Nelkenstock (von links) präsentieren die Gesamtfördersumme, die in diesem Jahr an die Forschungsteams ausgeschüttet wurde. Foto: Daniel Peter / UKW
Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg, Staatssekretärin Dr. Silke Launert und Stiftungsratsvorsitzende Gabriele Nelkenstock (von links) präsentieren die Gesamtfördersumme, die in diesem Jahr an die Forschungsteams ausgeschüttet wurde. Foto: Daniel Peter / UKW
Gabriele Nelkenstock (7. von rechts) und Prof. Dr. Tim J. von Oertzen (6. von links) mit den fünf höchstdotierten Forschungsteams der Förderpreisvergabe 2027. Sie erhielten jeweils zwischen 16.750 und 20.000 Euro. Foto: Daniel Peter / UKW
Gabriele Nelkenstock (7. von rechts) und Prof. Dr. Tim J. von Oertzen (6. von links) mit den fünf höchstdotierten Forschungsteams der Förderpreisvergabe 2027. Sie erhielten jeweils zwischen 16.750 und 20.000 Euro. Foto: Daniel Peter / UKW
Der Barbara-Stamm-Gedächtnispreis ging an die dreiköpfige Arbeitsgruppe Löffler, hier umgeben von Domkapitular Clemens Bieber (links), Bischof Dr. Franz Jung und Gabriele Nelkenstock (beide rechts außen). Foto: Daniel Peter / UKW
Der Barbara-Stamm-Gedächtnispreis ging an die dreiköpfige Arbeitsgruppe Löffler, hier umgeben von Domkapitular Clemens Bieber (links), Bischof Dr. Franz Jung und Gabriele Nelkenstock (beide rechts außen). Foto: Daniel Peter / UKW
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Hülya Düber verdeutlichte in ihrer Ansprache die humanitäre Bedeutung des geplanten Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung. Foto: Daniel Peter / UKW
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Hülya Düber verdeutlichte in ihrer Ansprache die humanitäre Bedeutung des geplanten Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung. Foto: Daniel Peter / UKW

Würzburg. Seit der Gründung durch den Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ setzt sich die Stiftung „Forschung hilft“ dafür ein, neue Erkenntnisse in der Krebsmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) zu ermöglichen. Dafür sammelt sie Spenden und stellt die Mittel aussichtsreichen Forschungsvorhaben zur Verfügung. Ein besonderer Termin im Stiftungsjahr ist die feierliche Übergabe der Förderpreise. Am 29. Oktober dieses Jahres kamen dazu rund 200 Gäste im „Maschinenhaus“ auf dem Würzburger Bürgerbräu-Gelände zusammen. 23 Würzburger Forschungsteams erhielten bei der Veranstaltung Fördermittel von insgesamt knapp 242.000 Euro.

Wie stark sich das Engagement inzwischen summiert, verdeutlichte die Stiftungsratsvorsitzende Gabriele Nelkenstock: Seit dem Start im Jahr 2017 hat „Forschung hilft“ mehr als 1,4 Millionen Euro an Forschungsförderung vergeben. Inklusive der diesjährigen Auszeichnungen wurden bereits 113 Teams unterstützt. „Dieser kontinuierliche Erfolg ist nur möglich durch die vielen Menschen unserer Region, die die Forschungsleistungen am UKW wertschätzen und durch ihre anhaltende Spendenbereitschaft weiter voranbringen wollen“, unterstrich Nelkenstock.

Würdigung des Engagements für die Krebsforschung

Auch in diesem Jahr stand die Preisverleihung unter der Schirmherrschaft von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär. Als deren Vertreterin sprach Dr. Silke Launert zu den Gästen. Die Staatssekretärin würdigte die ausgezeichneten Forschungsarbeiten und lobte das vorbildliche Engagement der Stiftung, „um eine der größten Herausforderungen der Menschen zu lösen“. Dabei machte sie deutlich: „In der Krebsforschung gibt es keine einfachen Einzelerfolge. Hinter jedem Fortschritt steht Zusammenarbeit: Menschen, die Wissen teilen, Institutionen, die miteinander und nicht gegeneinander arbeiten, Förderer, die Vertrauen schenken sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereit sind, neue Wege zu gehen.“

Förderbeträge von 5.000 bis 20.000 Euro

Welche Projekte eine Unterstützung erhalten und wie hoch die jeweiligen Förderbeträge ausfallen, legt eine unabhängige externe Jury fest. Die einzelnen Teams bekommen zwischen 5.000 und 20.000 Euro. Ihre Arbeiten gehen unter anderem folgenden Fragen nach: Wie lässt sich die Bakteriengemeinschaft im Mund als Schlüssel zur personalisierten Immuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren nutzen? Kann ein Medikament, das normalerweise den Cholesterinspiegel senkt, möglicherweise auch verhindern, dass sich Brustkrebs über die Lymphknoten im Körper ausbreitet? Was kann man tun, damit körpereigene, gentechnisch veränderte T-Zellen bei der Bekämpfung des schwarzen Hautkrebses länger aktiv bleiben? Wie beeinflussen Hormone die Wirksamkeit von Immuntherapien? Warum sprechen manche Lebertumoren nicht auf die transarterielle Chemoembolisation – auch TACE-Therapie genannt – an? Lassen sich im Blut Proteinmuster finden, die bereits Jahre vor der Diagnose auf Leber- und Gallengangtumoren hinweisen? Darüber hinaus wollen einige der preiswürdigen Projekte die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz weiter ausloten, beispielsweise beim Erkennen von Hautmetastasen auf Fotos oder als Interpretationshilfsmittel bei der Darmspiegelung. 

Sonderpreis im Gedenken an Barbara Stamm

Neben den 22 regulären Förderpreisen vergab die Stiftung erneut den 2023 ins Leben gerufenen Barbara-Stamm-Gedächtnispreis. Die ehemalige Bayerische Landtagspräsidentin war bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 Ehrenpräsidentin von „Forschung hilft“. Der mit 5.000 Euro dotierte, in diesem Jahr von der Caritas-Stiftung finanzierte Sonderpreis soll gezielt patientenorientierte Forschungsprojekte würdigen, bei denen die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen im Mittelpunkt steht. Ausgewählt wurde in diesem Jahr die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Claudia Löffler von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II. In ihrem Projekt „Berührt werden – Zurück in den Körper nach Krebsoperation“ wird die Leiterin der Komplementären Onkologie Integrativ gemeinsam mit Dr. Michaela Arnold und der Pflegeexpertin Kerstin Deubner ein strukturiertes Nachsorgeprogramm entwickeln. Dieses soll Menschen nach Krebsoperationen durch gezielte Berührung und einfache Übungen dabei unterstützen, ihren Körper wieder bewusster wahrzunehmen, Schmerzen zu lindern und neues Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen. Die Laudatio zum Barbara-Stamm-Gedächtnispreis 2026 hielt Bischof Dr. Franz Jung. Er betonte: „Das Projekt der AG Löffler steht für vieles, was Barbara Stamm ausgezeichnet hat: genau hinsehen, gut zuhören, Mut machen und Menschen auf dem Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben zu begleiten.“

Spenden für das Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung

Der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ plant am Rotkreuzhof in Würzburg-Rottenbauer ein zukunftsweisendes Zentrum für Patienten- und Angehörigenbegleitung. In dem historischen Anwesen soll sich Wohnen auf Zeit verbinden mit Angeboten zur psychosozialen Unterstützung und Gelegenheiten zu zwischenmenschlichen Begegnungen. Vorgestellt wurde das Projekt von Dr. Hülya Düber. Die Bundestagsabgeordnete sagte zu, das Zentrum mit aller Kraft zu unterstützen.

Auch die von den Gästen des Abends gemeinschaftlich gespendeten 21.000 Euro sollen der Verwirklichung dieses Vorhabens dienen. Hinzu kam eine Einzelspende über knapp 38.000 Euro von Peter Scholz, Geschäftsführer der Spotlight Musicals GmbH. Weitere 9.000 Euro erbrachte eine spontane Versteigerungsaktion: Für diese Summe werden die drei Spitzenköche Markus Grein, Ralf Jakumeit und Stefan Marquard gemeinsam für bis zu zehn Personen exklusiv aufkochen.

Weitere Details im Netz und bei einer Ausstellung

Wer mehr über die ausgezeichneten wissenschaftlichen Arbeiten erfahren möchte, findet hier online eine Übersicht der 23 geförderten Projekte. Dort sind die jeweiligen Forschungsziele erläutert und weiterführende Projektbeschreibungen verlinkt. 

Zudem gibt demnächst eine Posterausstellung im Oberen Foyer des Würzburger Rathauses Einblicke in die Forschungsarbeiten. Bei der Vernissage am Mittwoch, 4. November, werden von 14:00 bis 18:00 Uhr viele UKW-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler vor Ort sein, um Fragen zum aktuellen Stand der Forschungen zu beantworten. Die Ausstellung „Forschung schafft Fortschritt. Menschlichkeit schafft Geborgenheit. Beides gehört zusammen.“ läuft bis Ende November 2026. Sie ist montags bis donnerstags von 8:00 bis 18:00 Uhr sowie freitags von 8:00 bis 13:00 Uhr zu besichtigen.

Mit einer Spende an die Stiftung „Forschung hilft“ können Interessierte weitere Krebsforschungsprojekte in Würzburg unterstützen. Dafür steht folgendes Konto zur Verfügung:

Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken 

IBAN DE19 7905 0000 0000 0655 65

www.forschung-hilft.de

Text: Pressestelle / UKW

Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg, Staatssekretärin Dr. Silke Launert und Stiftungsratsvorsitzende Gabriele Nelkenstock (von links) präsentieren die Gesamtfördersumme, die in diesem Jahr an die Forschungsteams ausgeschüttet wurde. Foto: Daniel Peter / UKW
Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg, Staatssekretärin Dr. Silke Launert und Stiftungsratsvorsitzende Gabriele Nelkenstock (von links) präsentieren die Gesamtfördersumme, die in diesem Jahr an die Forschungsteams ausgeschüttet wurde. Foto: Daniel Peter / UKW
Gabriele Nelkenstock (7. von rechts) und Prof. Dr. Tim J. von Oertzen (6. von links) mit den fünf höchstdotierten Forschungsteams der Förderpreisvergabe 2027. Sie erhielten jeweils zwischen 16.750 und 20.000 Euro. Foto: Daniel Peter / UKW
Gabriele Nelkenstock (7. von rechts) und Prof. Dr. Tim J. von Oertzen (6. von links) mit den fünf höchstdotierten Forschungsteams der Förderpreisvergabe 2027. Sie erhielten jeweils zwischen 16.750 und 20.000 Euro. Foto: Daniel Peter / UKW
Der Barbara-Stamm-Gedächtnispreis ging an die dreiköpfige Arbeitsgruppe Löffler, hier umgeben von Domkapitular Clemens Bieber (links), Bischof Dr. Franz Jung und Gabriele Nelkenstock (beide rechts außen). Foto: Daniel Peter / UKW
Der Barbara-Stamm-Gedächtnispreis ging an die dreiköpfige Arbeitsgruppe Löffler, hier umgeben von Domkapitular Clemens Bieber (links), Bischof Dr. Franz Jung und Gabriele Nelkenstock (beide rechts außen). Foto: Daniel Peter / UKW
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Hülya Düber verdeutlichte in ihrer Ansprache die humanitäre Bedeutung des geplanten Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung. Foto: Daniel Peter / UKW
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Hülya Düber verdeutlichte in ihrer Ansprache die humanitäre Bedeutung des geplanten Zentrums für Patienten- und Angehörigenbegleitung. Foto: Daniel Peter / UKW

Eine Impfung gegen Parkinson?

Manfred Moggert-Kemper-Präventionspreis der Parkinson Stiftung für das UKW / mRNA-Impfung soll das Immunsystem gezielt beeinflussen, um die Schädigung der dopaminproduzierenden Nervenzellen aufzuhalten

Porträts der drei Forscher vor beigefarbenem Hintergrund
Prof. Mathias Munschauer (links), Junior-Professorin Rhonda McFleder und Prof. Chi Wang Ip arbeiten mit Unterstützung des Manfred Moggert-Kemper-Präventionspreis der Parkinson Stiftung an einer mRNA-Impfung gegen die Parkinson-Krankheit. © UKHD / UKW (Collage mit Canva)

Die Parkinson Stiftung hat drei Innovationspreise 2026 vergeben, darunter erstmals den Manfred Moggert-Kemper-Präventionspreis. Über die Projektförderung in Höhe von 100.000 Euro freuen sich Prof. Dr. Chi Wang Ip und Juniorprofessorin Dr. Rhonda McFleder von der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) sowie Prof. Dr. Mathias Munschauer vom Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). Im Projekt „Preventive tolerogenic alpha-synuclein mRNA vaccination against Parkinson's disease“ befasst sich das Team mit der Entwicklung einer präventiven, verlaufsmodifizierenden Strategie, die schon angewendet werden kann, bevor der dauerhafte Verlust der dopaminergen Nervenzellen zu sichtbaren Symptomen führt. 

Würzburg. Impfungen zählen zu den größten Erfolgen der Präventivmedizin. Sie können nicht nur Infektionskrankheiten wie Grippe oder Corona verhindern, sondern auch schwerwiegende Folgeerkrankungen und langfristige Schäden abwenden. So senkt die HPV-Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs beispielsweise um bis zu 90 Prozent. Die Masern-Impfung verhindert einen gefährlichen Verlust der Immunabwehr und schützt vor Gehirnentzündungen, die zu bleibenden Hirnschäden oder gar zum Tod führen können. Und die Polio-Impfung kann Entzündungen des zentralen Nervensystems sowie irreversible Lähmungen verhindern. Diese Beispiele zeigen: Eine präventive immunologische Intervention kann spätere irreversible Gewebeschäden verhindern, sofern der ursächliche Auslöser bekannt ist.

100.000 Euro für tolerogene mRNA-Impfstrategie 

Dieses medizinische Prinzip wollen Chi Wang Ip, Rhonda Mc Fleder und Mathias Munschauer nun auf die Parkinson-Krankheit übertragen. Ihr Konzept und erste Vorarbeiten haben die Parkinson Stiftung überzeugt. Das Projekt erhielt den mit 100.000 Euro dotierten Innovationspreis der Stiftung, und zwar in der neuen Kategorie Prävention. 

Parkinson ist aber keine Grippe. Es gibt keinen Erreger, gegen den sich eine Impfung richten könnte. „Während klassische Impfungen das Immunsystem trainieren, damit es Viren besser abwehren oder bekämpfen kann, wollen wir mit unserem Impfstoff das Immunsystem gezielt dazu bringen, potenziell schädliche Immunreaktionen zu unterdrücken, statt sie zu verstärken. In unserem Fall, der Parkinson-Krankheit, soll das Immunsystem gegenüber bestimmten Formen des körpereigenen Proteins Alpha-Synuclein tolerant werden“, erklärt Prof. Dr. Chi Wang Ip das Prinzip der tolerogenen mRNA-Impfstrategie. Ip ist stellvertretender Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) sowie Professor für Translationale Neurologie. Gemeinsam mit Juniorprofessorin Dr. Rhonda McFleder erforscht er am UKW die neuroimmunologischen Mechanismen bei Morbus Parkinson. 

Die Rolle des Immunsystems bei Parkinson

„Immer mehr Studien – auch von uns – deuten darauf hin, dass das Immunsystem eine wichtige Rolle bei Parkinson spielt, möglicherweise sogar schon bei der Entstehung der Krankheit“, so Ip. Der Arzt und Wissenschaftler verdeutlichte beispielsweise die Beteiligung des Proteins Alpha-Synuclein (αSyn), das auf Nervenzellen exprimiert wird und bei Morbus Parkinson verändert ist. Dieses Protein aktiviert das Immunsystem. Immunzellen, insbesondere T-Zellen, werden im Gehirn überaktiviert, was zu Entzündungen führt. Diese schädigen wiederum die dopaminproduzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra. 

Ein Mangel an Dopamin ist für die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit verantwortlich: Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit und Zittern. Dopamin wirkt als chemischer Botenstoff, der Signale zwischen Nervenzellen überträgt und dem Gehirn dabei hilft, Bewegungen zu steuern und zu koordinieren. Gehen diese Nervenzellen verloren, entsteht ein Dopaminmangel. Das Ziel besteht also darin, die Nervenzellen zu erhalten, die Dopamin produzieren. 

mRNA schützte im Mausmodell dopaminproduzierende Nervenzellen

In einem eigens entwickelten und etablierten Mausmodell, das die Parkinson-Krankheit abbildet, konnte das Team bereits zeigen, dass die Gabe einer speziell entwickelten mRNA eine gezielte Immuntoleranz gegenüber αSyn fördert. Tatsächlich schützte die Behandlung dopaminproduzierende Nervenzellen, erhielt wichtige Nervenverbindungen im Gehirn und verringerte das Eindringen von CD8-T-Zellen ins Gehirn. Zudem wurde die Zahl regulatorischer T-Zellen (Tregs) im Blut erhöht. Tregs können Immunreaktionen bremsen und überschießende Abwehrreaktionen verhindern. 

„Allerdings konnte die Behandlung die Nervenzellen nicht vollständig schützen. Das deutet darauf hin, dass das therapeutische Zeitfenster möglicherweise bereits eingeschränkt ist, sobald die entzündliche und neurodegenerative Kaskade begonnen hat. Deshalb wollen wir nun einen Schritt früher ansetzen und versuchen mit einer mRNA-basierten Impfung Parkinson vorzubeugen“, sagt Rhonda McFleder. Die gebürtige US-Amerikanerin ist Ärztin und Biologin und kam 2020 mit einem Humboldt-Stipendium an das UKW in die Arbeitsgruppe von Chi Wang Ip. 

Das Immunsystem frühzeitig an Alpha-Synuclein gewöhnen

Bei der tolerogenen mRNA-Impfung werden dem Immunsystems mithilfe modifizierter mRNA-Moleküle, die in winzige Fettpartikel verpackt sind, ausgewählte Bestandteile des αSyn-Proteins präsentiert. „Wenn wir das Immunsystem frühzeitig an die ausgewählten Alpha-Synuclein Bestandteile gewöhnen, können wir schädliche Immunreaktionen und Entzündungsprozesse im Gehirn verhindern oder zumindest deutlich abschwächen und somit den Verlust dopaminproduzierender Nervenzellen verlangsamen oder sogar verhindern“, formuliert Prof. Dr. Mathias Munschauer die zugrunde liegende Hypothese. Munschauer ist Direktor der Abteilung „Molekulare Virologie“ am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD). Bevor der ausgewiesene Spezialist für RNA-Viren im Juli 2025 die W3-Professur für „Molekulare Virologie“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg antrat, leitete er eine Forschungsgruppe am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg. 

Vorbeugen - bevor die ersten Symptome auftreten

Mithilfe der Förderung durch die Parkinson-Stiftung möchte das Team die Zusammensetzung des mRNA-Impfstoffs weiter optimieren und seine vorbeugende Wirkung in zwei Mausmodellen mit unterschiedlichen Krankheitsverläufen testen. 

„Dabei wollen wir auch herausfinden, welche Immunmechanismen der Wirkung zugrunde liegen und welche biologischen Messwerte künftig helfen könnten, Menschen mit einem erhöhten Parkinson-Risiko frühzeitig zu erkennen“, fasst Chi Wang Ip zusammen. Langfristiges Ziel ist es, die Grundlage für eine mögliche vorbeugende Behandlung von Parkinson zu schaffen – bevor die ersten Symptome auftreten. Ob dieser Ansatz tatsächlich vor Parkinson schützen kann, muss in weiteren Untersuchungen geprüft werden.

Innovationspreise der Parkinson Stiftung

19 Anträge in drei Kategorien wurden bei der Parkinson Stiftung eingereicht. Drei Forschungsvorhaben wurden ausgewählt, die mit jeweils 100.000 Euro gefördert werden. Neben den Innovationspreisen für Grundlagenforschung und Versorgungsforschung verlieh die Stiftung erstmals einen Innovationspreis für Präventionsforschung. Dieser wurde durch eine private, zweckgebundene Zuwendung ermöglicht. Daher trägt der Präventionspreis den Namen des Stifters Manfred Moggert-Kemper. 

Den Innovationspreis für präklinische Forschung erhielten Prof. Dr. Franziska Richter und Kristina Lau, PhD, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie, für ihr Projekt „Investigation of miR-34a-driven priming of microglia in Parkinson’s disease (miRmic)“. Das Team erforscht die Bedeutung zellulärer Immunprozesse bei der Neurodegeneration. 

Den Innovationspreis für klinische Forschung erhielten Prof. Dr. Heiko Gaßner und Dr. Sabine Stallforth, Universitätsklinikum Erlangen, Molekulare Neurologie, werden für ihr Projekt „DigiRehaPD“. Im Mittelpunkt ihres Projektes steht eine digital gestützte Begleitung der Patientinnen und Patienten im Anschluss an eine Parkinson-Komplex-Therapie. 

Die Preisgelder der Parkinson Stiftung sind als Starthilfe gedacht: Sie sollen Schlüsselexperimente und Projektideen in einem frühen Stadium ermöglichen, die dank eigener Vorarbeiten vielversprechend sind, für klassische Förderprogramme aber noch als zu risikoreich gelten. So will die Parkinson Stiftung neue Impulse in der Parkinson-Forschung setzen – getreu ihrem Motto „Forschen. Informieren. Betroffenen helfen.“

Weitere Informationen: 

Parkinson Stiftung vergibt Innovationspreise 2026: Parkinsonstiftung

Universitätsklinikum Würzburg: Die Rolle des Immunsystems bei Parkinson

WomenInScience-Porträt von Juniorprofessorin Dr. Rhonda McFleder

Porträts der drei Forscher vor beigefarbenem Hintergrund
Prof. Mathias Munschauer (links), Junior-Professorin Rhonda McFleder und Prof. Chi Wang Ip arbeiten mit Unterstützung des Manfred Moggert-Kemper-Präventionspreis der Parkinson Stiftung an einer mRNA-Impfung gegen die Parkinson-Krankheit. © UKHD / UKW (Collage mit Canva)

Durchbruch bei der nicht-invasiven Leberuntersuchung

Internationaler Forschungsverbund LITMUS (Liver Investigation: Testing Marker Utility in Steatohepatitis) veröffentlicht zwei wegweisende Studien zu diagnostischen Tests bei Lebererkrankungen

einzelne Porträts der beiden Forscher nebeneinander gestellt
Professor Quentin Anstee (links) von der Newcastle University ist Mitautor beider Studien und Koordinator des LITMUS-Konsortiums, Professor Andreas Geier leitet die Hepatologie am UKW. Das UKW rekrutierte im LITMUS-Konsortium eine der größten Kohorten und fungierte in den Studien als nationales Leitzentrum für Deutschland. © Newcastle University / UKW

Zwei große internationale Studien haben die bislang aussagekräftigsten Belege dafür geliefert, mit welchen nicht-invasiven Tests sich die stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung (MASLD für Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) und ihre schwerere Form, die stoffwechselbedingte Fettleberentzündung (MASH für Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis), genau diagnostizieren und deren Schweregrad bestimmen lassen, wodurch die Notwendigkeit einer Leberbiopsie verringert wird.

Die in den Fachzeitschriften „The Lancet“ und „Nature Medicine“ veröffentlichten Studien sind Teil des LITMUS-Programms, der größten internationalen Initiative zur Bewertung von Diagnosewerkzeugen für Lebererkrankungen.

Die gerade in „The Lancet“ veröffentlichte Hauptstudie des LITMUS-Programms bewertete Bluttests und ultraschallbasierte Messungen der Lebersteifigkeit bei mehr als 1.500 Patienten – die größte internationale Studie dieser Art.

Die begleitende LITMUS-Bildgebungsstudie, die in „Nature Medicine“ veröffentlicht wurde, untersuchte fortschrittliche MRT- und Elastographie-Techniken bei mehr als 350 Patienten.

Zwei Studien, eine umfassende Evidenzbasis: ein neuer Maßstab für die Diagnose von Lebererkrankungen

Professor Quentin Anstee, Inhaber des Ruth & Lionel Jacobson-Lehrstuhls für personalisierte Medizin an der Newcastle University und ehrenamtlicher Facharzt für Hepatologie beim Newcastle Hospitals NHS Foundation Trust, ist Mitautor beider Studien und Koordinator des LITMUS-Konsortiums. Sein Resümee: „Zusammen liefern uns diese beiden Studien das bislang umfassendste Bild davon, welche diagnostischen Tests bei Lebererkrankungen wirksam sind und wie man sie zu einem Verfahren kombinieren kann, das Gesundheitssysteme problemlos umsetzen können. Für fortgeschrittene Lebervernarbung und Leberzirrhose verfügen wir nun über Instrumente, die gut genug sind, um sie mit echtem Vertrauen einzusetzen. Die Erkennung einer aktiven Leberentzündung bleibt weiterhin eine Herausforderung, doch es stehen zunehmend vielversprechende nicht-invasive Tests zur Verfügung.“

Das Universitätsklinikum Würzburg rekrutierte im LITMUS-Konsortium eine der größten Kohorten und fungierte in den Studien als nationales Leitzentrum für Deutschland. Professor Andreas Geier, Leiter der Hepatologie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am UKW kommentiert: „Die Validierung neuer nicht-invasiver Tests ist ein wichtiger Schritt für die Diagnostik der metabolischen Fettlebererkrankung (MASLD), von der rund 30 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Denn wir brauchen zuverlässige und effiziente Verfahren, um Menschen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Folgeuntersuchungen zu vermeiden. Die Ergebnisse sind daher ein bedeutender Fortschritt für die Diagnostik und Behandlung dieser Volkskrankheit.“ 

MASLD betrifft weltweit bis zu jeden dritten Erwachsenen und sogar sieben von zehn Menschen, die an Adipositas oder Typ-2-Diabetes leiden. Da die ersten zugelassenen medikamentösen Therapien für MASH nun in die klinische Praxis Einzug halten, steigt der Bedarf an präzisen, nicht-invasiven Methoden zur Diagnose und Überwachung der Erkrankung.

In den Studien wurden insgesamt Dutzende von Biomarkern aus Blutuntersuchungen, bildgebenden Verfahren und der Elastographie bewertet – darunter sowohl modernste als auch routinemäßige diagnostische Tests, die bereits von Ärzten eingesetzt werden –, und ihre Genauigkeit mit der einer Leberbiopsie verglichen, die von erfahrenen Pathologen ausgewertet wurde.

Die Ergebnisse liefern solide, prospektive und unabhängige Belege aus großen multinationalen Patientenkohorten und bieten nach Ansicht der Forschenden die bislang realistischsten Maßstäbe für nichtinvasive Tests zur Erkennung von Lebererkrankungen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studien lauten:

•    Bei fortgeschrittener Leberfibrose (Vernarbung) und Leberzirrhose erzielten das SOMAScan-Proteomik-Panel, die MR-Elastographie (MRE) sowie FibroScan-basierte Elastographie-Verfahren, einschließlich des Agile-3+-Scores, die höchste diagnostische Genauigkeit.

•    Auch die BLUTTESTS ELF und ADAPT übertrafen die vordefinierten Leistungsschwellenwerte für die Erkennung einer Leberzirrhose.

•    Bei der Identifizierung von „MASH-Risikopatienten“ – der Zielgruppe der meisten klinischen Studien – erfüllte nur das SOMAScan-Panel den vordefinierten Genauigkeitsschwellenwert.

•    Ein einfacher und kostengünstiger Gamma-GT-Bluttest übertraf den weit verbreiteten FIB-4-Score als Erstuntersuchungsinstrument und könnte in der Routineversorgung durch einen FibroScan- oder ELF-Test ergänzt werden, um den Schweregrad der Erkrankung zu bestätigen.

Auswahl der richtigen Patienten für die Überweisung an eine spezialisierte Leberversorgung

Die Ergebnisse sprechen für einen vereinfachten Diagnosepfad, der nach weiterer Validierung in allen Gesundheitssystemen eingeführt werden könnte: Einsatz von Gamma-GT als Erstscreening-Test, gefolgt von ELF oder FibroScan bei Patienten, die eine weitere Abklärung benötigen, wobei fortgeschrittene bildgebende Verfahren der spezialisierten Versorgung vorbehalten bleiben.

Dieser Ansatz könnte dazu beitragen, dass mehr Patienten eine genaue Diagnose erhalten, ohne sich einer invasiven Leberbiopsie unterziehen zu müssen, und gleichzeitig sicherstellen, dass spezialisierte Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Die Ergebnisse haben zudem wichtige Auswirkungen auf klinische MASH-Studien. Da die Zulassungsbehörden für die Aufnahme in Studien der späten Phasen eine Bestätigung des „MASH-Risikos“ verlangen, dürfte die Leberbiopsie vorerst weiterhin notwendig bleiben. Die überzeugende Leistung von SOMAScan unterstreicht jedoch dessen Potenzial für eine zukünftige Einführung.

Die LITMUS-Bildgebungsstudie zeigte zudem, dass Elastographieverfahren bei der Erkennung fortgeschrittener Fibrose und Zirrhose gute Ergebnisse lieferten, wobei die MRE die auf FibroScan basierenden Messungen der Lebersteifigkeit übertraf.

Über LITMUS

Das Programm „The Liver Investigation: Testing Marker Utility in Steatohepatitis“ (LITMUS) brachte 53 internationale Partner aus Wissenschaft und Industrie zusammen, um Biomarker zu entwickeln, zu validieren und zu bewerten, mit denen sich MASLD und MASH diagnostizieren und deren Schweregrad beurteilen lassen. Das Programm wurde durch das Gemeinsame Unternehmen „Europäische Initiative für innovative Arzneimittel 2“ finanziert.

Über die beiden Studien

•    Die Hauptstudie „LITMUS“: Vali et al., „Nichtinvasive Tests bei metabolisch bedingter steatotischer Lebererkrankung: Die prospektive, multizentrische LITMUS-Studie“, The Lancet, 2026. DOI: 10.1016/S0140-6736(26)01145-1 berichtete über die Analyse von 26 überwiegend blutbasierten Biomarkern bei 1.590 Patienten, die in 13 Ländern in Europa und den USA rekrutiert wurden. Neben der Bewertung einzelner Marker, Multi-Marker-Panels und der Ultraschall-Elastographie untersuchte diese Studie, wie Tests kombiniert werden könnten, um neue Kombinationen zu identifizieren, die sich leicht in die klinische Routinepraxis integrieren lassen, um die Diagnose von MASLD zu unterstützen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass ein einzelner, einfacher Routine-Bluttest namens Gamma-GT in Kombination mit einem fortgeschritteneren, aber weit verbreiteten Zweitlinientest für die Routineversorgung am effektivsten ist.
The LITMUS Studie (The Lancet): https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)01145-1/fulltext 

•    Die LITMUS-Bildgebungsstudie: Pavlides et al., „Prospektive Validierung bildgebender und serologischer diagnostischer Biomarker für Steatohepatitis und Fibrose bei MASLD“. Nature Medicine, 2026. DOI: 10.1038/s41591-026-04496-2. Die Studie berichtete über die Analyse von 24 verschiedenen diagnostischen Tests, wobei der Schwerpunkt auf Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschallbildgebung sowie Elastographie-Verfahren lag, und verglich diese mit einigen blutbasierten Biomarkern bei 357 Patienten mit gepaarten Biopsie- und Bildgebungsdaten, die in neun Ländern in Europa und den USA rekrutiert wurden.
Die LITMUS-Bildgebungsstudie (Nature Medicine): https://www.nature.com/articles/s41591-026-04496-2

Über MASLD und MASH

MASLD (früher als nichtalkoholische Fettlebererkrankung [NAFLD] oder „Fettleber“ bezeichnet) ist weltweit die häufigste chronische Lebererkrankung und betrifft 25–30 % der Bevölkerung. MASH (früher NASH), die schwere Form dieser Erkrankung, kann zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Zwei Medikamente haben kürzlich die Zulassung der FDA und der EMA zur Behandlung von präzirrotischer MASH erhalten, viele weitere befinden sich in der Entwicklung. Die derzeitige Abhängigkeit von Leberbiopsien macht solche Studien langwierig und kompliziert – sobald sie von den Zulassungsbehörden genehmigt sind, wird der Einsatz nicht-invasiver Tests solche Studien voraussichtlich erheblich straffen und für die Patienten akzeptabler sein.

Finanzierung und Offenlegungen

Das LITMUS-Konsortium wurde durch das Gemeinsame Unternehmen „Innovative Medicines Initiative 2“ sowie durch die beteiligten Industriepartner finanziert. Dieses Gemeinsame Unternehmen wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizont 2020“ der Europäischen Union und durch die EFPIA unterstützt.

The LITMUS Consortium: https://www.ihi.europa.eu/projects-results/project-factsheets/litmus

einzelne Porträts der beiden Forscher nebeneinander gestellt
Professor Quentin Anstee (links) von der Newcastle University ist Mitautor beider Studien und Koordinator des LITMUS-Konsortiums, Professor Andreas Geier leitet die Hepatologie am UKW. Das UKW rekrutierte im LITMUS-Konsortium eine der größten Kohorten und fungierte in den Studien als nationales Leitzentrum für Deutschland. © Newcastle University / UKW

Stiftung „Forschung hilft“ stellt im Rathaus aus: Projekte, die im Kampf gegen Krebs gefördert werden
Ausstellungsplakat

Am Universitätsklinikum Würzburg wird in zahlreichen Fachbereichen in mehr als 100 Projekten geforscht. Seit neun Jahren trägt die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) „Forschung hilft“ erfolgreich Spendengelder zusammen, um damit möglichst viele aussichtsreiche Projekte zu unterstützen. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum und die Unterstützung betroffener Patienten. 

Die Stiftung wurde 2017 vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.“ gegründet. Seitdem konnten laut Gabriele Nelkenstock, der Vorsitzenden des Stiftungsrats, bereits 90 Forschungsprojekte am Universitätsklinikum Würzburg mit insgesamt über 1,1 Millionen Euro gefördert werden. Höhepunkt jedes Stiftungsjahres ist die feierliche Förderpreisverleihung. Anlässlich der diesjährigen Förderpreisverleihung, die am 29. Oktober 2026 im Maschinenhaus auf dem Bürgerbräu-Gelände stattfindet, stellt die Stiftung die 23 Projekte der diesjährigen Förderpreisträger in einer Ausstellung im Oberen Foyer des Rathauses vor.

Die Ausstellung „Forschung schafft Fortschritt. Menschlichkeit schafft Geborgenheit. Beides gehört zusammen“ kann im Oberen Foyer des Rathauses von 03. bis 25. November 2026 besichtigt werden. 

Am Mittwoch, 04. November, werden von 14:00 bis 18:00 Uhr einige Forscherinnen und Forscher vor Ort sein, um Fragen zum aktuellen Stand der Forschungen zu beantworten. 

Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Donnerstag von 8.00 – 18:00 Uhr, Freitag von 8:00 – 13:00 Uhr. Die Ausstellung ist barrierefrei erreichbar. Der Eintritt ist frei.

Pressemitteilung Stadt Würzburg, 29. Oktober 2026

Ausstellungsplakat

Zwei Schmerzforscherinnen aus Würzburg ausgezeichnet

Die Deutsche Schmerzgesellschaft würdigt Dr. Ankita Rawat und Celine Panzer für ihre Forschung an Nervenendigungen und Immunzellen.

Die freigestellten Forscherinnen stehen mit Urkunde und Trophäe vor einem blauen Hintergrund.
Zwei ausgezeichnete Schmerzforscherinnen aus Würzburg: Celine Panzer (links) erhielt den 1. Nachwuchsförderung Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V, Dr. Anikita Rawat wurde mit dem Förderpreis Schmerzforschung geehrt. © Fotos Ben van Skyhawk / Collage mit Canva
Preisträgerin steht mit weiteren Personen auf der Bühne, sie hält die Trophäe in der Hand, der Juryvorsitzender hält ihre Urkunde
Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryvorsitzender Förderpreis für Schmerzforschung), Dr. Ankita Rawat (Preisträgerin), Jan Jastoff (Vertreter Sponsor Grünenthal GmbH) © Ben van Skyhawk
Die drei Preisträger stehen mit ihren Urkunden auf der Bühne, daneben Jurymitglieder und Sponsoren.
Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury Nachwuchsförderpreis Schmerz), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Luisa Pötzsch (2. Preis), Celine Panzer (1. Preis), Dr. Regine Klinger (Juryvorsitzende Nachwuchsförderpreis Schmerz), Benjamin Waeschle (Vertreter Sponsor Merz Therapeutics) © Ben van Skyhawk

Sowohl der Förderpreis als auch der Nachwuchsförderpreis der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. gingen in diesem Jahr an Schmerzforscherinnen des Universitätsklinikums Würzburg (UKW).
Celine Panzer erhielt den mit 6.000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis Schmerz für ihre Analyse der neutrophilen Granulozyten beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom mittels CITE-seq. 
Dr. Ankita Rawat wurde für ihre in der Zeitschrift Pain veröffentlichten proteomische Analyse isolierter Nervenendigungen aus NaV1.9-Knockout-Mäusen mit dem mit 7.000 Euro dotierten Förderpreis in der Kategorie Grundlagenforschung ausgezeichnet.
Die Preise wurden auf dem Deutschen Schmerzkongress verliehen, der vom 21. bis zum 24. Oktober 2026 in Mannheim stattfand. 

Würzburg. Chronische Schmerzen betreffen Millionen von Menschen und beeinträchtigen ihren Alltag erheblich: Sie schränken die Beweglichkeit und den Schlaf ein, mindern die Arbeitsfähigkeit und beeinträchtigen die allgemeine Lebensqualität. Nach wie vor ist eine wirksame Behandlung von Schmerzen schwierig. „Um bessere Ansätze zur Schmerzbehandlung zu entwickeln, müssen wir verstehen, wie Schmerzsignale an ihrem Ursprungsort im Körper entstehen und reguliert werden“, sagt Dr. Ankita Rawat. Die Naturwissenschaftlerin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinischen Forschungsgruppe ResolvePAIN (KFO 5001) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und konzentriert sich in ihrer Forschung auf die peripheren Nervenendigungen. Diese winzigen Strukturen können schmerzhafte Reize erkennen und leiten sie weiter an das Gehirn. 

Eine neue Methode, um Schmerzsignale direkt am Ursprungsort zu untersuchen

Rawat hat eine Methode entwickelt, mit der sich die Nervenendigungen aus der Haut von Mäusen und Menschen isolieren lassen. Bislang wurde diese Isolierung nur in der Hirnforschung eingesetzt. Rawat hat nun eine Möglichkeit geschaffen, die Proteine direkt an den peripheren Endigungen der sensorischen Nervenzellen zu untersuchen, an denen die Schmerzsignale entstehen. 

Zunächst verglich sie die Nervenendigungen normaler Mäuse mit denen von Mäusen, denen der Natriumkanal NaV1,9 fehlt. Dieser Kanal beeinflusst, wie empfindlich schmerzleitende Nervenfasern auf Reize wie Wärme, Druck oder Gewebeschädigungen reagieren. Tatsächlich entdeckte sie Unterschiede bei Proteinen, die mit wichtigen zellulären Signalwegen, insbesondere den ERK1/2- und MAPK-Signalwegen, verbunden sind. Darüber hinaus identifizierte sie Proteine, die an der Proteinproduktion und Energiegewinnung beteiligt sind. Dies deutet darauf hin, dass Nervenendigungen über wichtige lokale Mechanismen verfügen, um ihre Funktion aufrechtzuerhalten und anzupassen. 

Von der Maus zum Menschen

Ein weiteres wichtiges Ergebnis ihrer Arbeit war die erfolgreiche Anwendung dieser Technik auf menschliche Hautbiopsien. „Dieser Ansatz könnte Forschende künftig dabei unterstützen, Unterschiede in den Schmerzmechanismen zwischen einzelnen Menschen oder Patientengruppen zu untersuchen und potenzielle Angriffspunkte für neue Therapien zu identifizieren“, sagt Ankita Rawat. Die in der Fachzeitschrift Pain veröffentlichten Ergebnisse schaffen somit eine wichtige Grundlage für die zukünftige translationale Forschung, die darauf abzielt, chronische Schmerzen besser zu verstehen und ihre Behandlung zu verbessern. 

Publikation: Rawat A, Vu DT, Erbacher C, Stigloher C, Üçeyler N, Metousis A, Mann M, Briese M, Sendtner M. Proteomic analysis of isolated nerve terminals from Na V 1.9 knockout mice reveals pathways relevant for pain perception. Pain. 2025 Dec 1;166(12):e770-e787. doi: 10.1097/j.pain.0000000000003743. Epub 2025 Jul 29. PMID: 40719881; PMCID: PMC12617664.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. zeichnete diese herausragende Arbeit mit dem Förderpreis in der Kategorie „Grundlagenforschung” aus. Das von der Grünenthal GmbH gesponserte Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro gibt Rawat Rückenwind für ihre weitere Forschung. So untersucht sie unter anderem, wie bestimmte Krebsmedikamente beim multiplen Myelom Nervenschäden verursachen können. 

Welche Rolle spielen Immunzellen bei chronischen Schmerzen 

Das Preisgeld von Celine Panzer hat hingegen ein konkretes Ziel: die Analyse der neutrophilen Granulozyten beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) mittels CITE-seq. Die Assistenzärztin der Würzburger Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie erforscht als Clinician Scientist im Rahmen von ResolvePAIN die Rolle des Immunsystems bei CRPS. Dabei handelt es sich um eine schwere Schmerzerkrankung, die beispielsweise nach Verletzungen oder Operationen auftreten kann. Die Schmerzen können über das ursprüngliche Verletzungsgebiet hinausgehen und mit Veränderungen der Beweglichkeit, der Hauttemperatur oder der Empfindlichkeit einhergehen. Warum die Schmerzen bei manchen Betroffenen anhalten, während sie bei anderen zurückgehen, ist bislang nur unzureichend verstanden. Möglicherweise sind neutrophile Granulozyten an der Entstehung und Aufrechterhaltung dieser chronischen Schmerzen beteiligt. Obwohl die Bedeutung dieser Immunzellen für Entzündungsprozesse bekannt ist, ist ihre Rolle bei der Entstehung und Chronifizierung von CRPS aber noch weitgehend unbekannt.

Erste Untersuchungen von Celine Panzer zeigen, dass diese Zellen bei Patientinnen und Patienten mit CRPS eine veränderte Expression eines Aktivierungsmarkers der neutrophilen Granulozyten aufweisen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen untersucht die von der Deutschen Schmerzgesellschaft ausgezeichnete Nachwuchsforscherin nun, welche biologischen Programme dahinterstecken und ob sich unterschiedliche Zustände neutrophiler Granulozyten bei CRPS identifizieren lassen, die möglicherweise mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen. Dazu kombiniert sie die moderne Durchflusszytometrie mit der CITE-seq-Methode, die es ermöglicht, die Aktivität von Genen und gleichzeitig bestimmte Oberflächenproteine einzelner Zellen zu untersuchen. So lassen sich Unterschiede erkennen, die mit herkömmlichen Methoden möglicherweise verborgen bleiben.

Nicht nur das Entstehen, sondern auch das Abklingen von Schmerzen verstehen

„Besonders spannend ist die Frage, ob bestimmte Immunzellzustände nicht nur mit anhaltenden Schmerzen, sondern auch mit einer erfolgreichen Schmerzrückbildung zusammenhängen. Damit richtet sich der Blick insbesondere auf die biologischen Mechanismen, die die Schmerzauflösung ermöglichen könnten. Daraus könnten sich neue Ansatzpunkte für eine frühzeitigere und gezieltere Behandlung ergeben“, sagt Celine Panzer. Ihr Projekt wird mit Unterstützung der Merz Therapeutics GmbH mit 6.000 Euro gefördert. 

„Diese Auszeichnungen sind eine wunderbare Anerkennung für die wissenschaftliche Exzellenz, die Neugier und das Engagement der beiden Forscherinnen. Wir sind sehr stolz, Ankita und Celine im ResolvePAIN-Team zu haben, und freuen uns darauf, die weitere Entwicklung ihrer Forschung mitzuverfolgen“, sagt Prof. Dr. Heike Rittner, wissenschaftliche Leiterin der KFO 5001 ResolvePAIN.

Die freigestellten Forscherinnen stehen mit Urkunde und Trophäe vor einem blauen Hintergrund.
Zwei ausgezeichnete Schmerzforscherinnen aus Würzburg: Celine Panzer (links) erhielt den 1. Nachwuchsförderung Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V, Dr. Anikita Rawat wurde mit dem Förderpreis Schmerzforschung geehrt. © Fotos Ben van Skyhawk / Collage mit Canva
Preisträgerin steht mit weiteren Personen auf der Bühne, sie hält die Trophäe in der Hand, der Juryvorsitzender hält ihre Urkunde
Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryvorsitzender Förderpreis für Schmerzforschung), Dr. Ankita Rawat (Preisträgerin), Jan Jastoff (Vertreter Sponsor Grünenthal GmbH) © Ben van Skyhawk
Die drei Preisträger stehen mit ihren Urkunden auf der Bühne, daneben Jurymitglieder und Sponsoren.
Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury Nachwuchsförderpreis Schmerz), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Luisa Pötzsch (2. Preis), Celine Panzer (1. Preis), Dr. Regine Klinger (Juryvorsitzende Nachwuchsförderpreis Schmerz), Benjamin Waeschle (Vertreter Sponsor Merz Therapeutics) © Ben van Skyhawk

Parkinson-Chatbot jAImes im Sicherheitstest

Würzburger Neurologen werteten mehr als 2.000 Gespräche mit jAImes aus. Die Ergebnisse zeigen, wie sicher der KI-Assistent ist und warum eine kontinuierliche Kontrolle wichtig bleibt

Strichmännchen und daneben der Schriftzug Parkinson Chatbot jAImes

Würzburg. Wer kennt es nicht: Man sitzt vor seiner Ärztin oder seinem Arzt, hat ein Dutzend Fragen, aber nicht genügend Zeit, diese zu stellen, traut sich nicht, vergisst die Hälfte oder man kann sich die Antworten nicht richtig merken. Zwar können klassische Suchmaschinen wie Google oder Dialoge mit KI-gestützten Chatbots wie ChatGPT hilfreiche Informationen zur Erkrankung liefern, sie können aber auch falsche Schlüsse ziehen oder unnötige Ängste auslösen. Der größte Nachteil ist jedoch, dass die Nutzerinnen und Nutzer im Netz sehr persönliche Gesundheitsdaten preisgeben, ohne genau zu wissen, wie ihre Informationen verarbeitet, gespeichert oder später verwendet werden. Eine ärztliche Schweigepflicht gibt es hier nicht. 

Geprüftes Wissen statt beliebiger Internetsuche

Doch was wäre, wenn der KI-Assistent nicht kommerziell wäre, das Gespräch anonym verliefe, die Fragen weder mit einem Namen noch mit einem Konto in Verbindung gebracht werden könnten und die Antworten zudem ausschließlich wissenschaftlich evaluiert wären? Diese Idee hatten Prof. Dr. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Vorstandsmitglied der Parkinson Stiftung, sowie PD Dr. Florian Lange, Funktionsoberarzt in der Neurologie am UKW, vor drei Jahren. Inzwischen gibt es „jAImes“ – einen KI-Chatbot für Parkinson. Sein Name verbindet den Vornamen des britischen Arztes James Parkinson, der die Krankheit 1817 erstmals systemisch beschrieb, mit AI, der Abkürzung für Artificial Intelligence (künstliche Intelligenz). 

Technisch entwickelt wurde der KI-Assistent von dem Berliner Informationswissenschaftler und KI-Experten Ssaman Mardi - Begründer der Plattform smardis.tech, die datenschutzenkonforme KI-Lösungen anbietet. Finanziert hat das Projekt die Parkinson Stiftung, die jAImes auch hostet, also ein Zuhause gibt. Für die Fütterung mit Wissen, also die wissenschaftliche Kuratierung, war und ist Florian Lange zuständig, der dabei von seinen Kollegen aus dem UKW und dem Beirat der Parkinson Stiftung unterstützt und kontrolliert wird. Somit greift jAImes ausschließlich auf geprüfte Informationsquellen zurück und erhält permanent neue wissenschaftliche Updates. Für die kontinuierliche Überwachung der Gespräche auf mögliche Sicherheitsprobleme entwickelte das Team CARE-LLM - ein Verfahren, mit dem sich problematische Antworten und Risiken anhand realer Gespräche systematisch erkennen lassen. 

Die meisten Antworten überzeugen – Fehler bleiben möglich 

Wie sicher jAImes nun tatsächlich ist, zeigte das Team jetzt, nach Auswertung der ersten rund 2.000 Gespräche mit mehr als 6.000 Nachrichten in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health – Europe“. „Uns interessierte zunächst, ob jAImes falsche medizinische Auskünfte gibt, Risiken übersieht oder problematische beziehungsweise potenziell gefährliche Empfehlungen ausspricht“, sagt Florian Lange und gibt gleich Entwarnung: „Das tut er in der Regel nicht.“ 

Abgesehen von der positiven Bewertung durch mehr als 90 Prozent der Nutzerinnen und Nutzern fiel auch die automatisierte Prüfung der 2.035 Gespräche, die innerhalb der ersten 129 Tage nach dem Start des Chatboots am 11. November 2025 geführt wurden, positiv aus. 88,6 Prozent der Antworten des Chatbots wurden als gut eingestuft. 11 Prozent wurden als teilweise angemessen und nur 0,4 Prozent als unangemessen bewertet. Auffällige Gespräche wurden anschließend von den Neurologen überprüft. Darüber hinaus untersuchten die Experten stichprobenartig 100 Gespräche, die das automatisierte System zuvor als gut bewertet hatte. Dabei fanden sie vier weitere Fälle mit klinisch kritischen Fehlern. „Dazu gehörte zum Beispiel, dass ein Medikament verwechselt wurde“, sagt Lange. Da jAImes konzeptionell keine Medikamentenempfehlungen gibt, ergeben sich daraus keine Risiken für die Nutzerinnen und Nutzer. Der Chatbot darf lediglich aufzählen, welche Medikamente es für diese und jene Beschwerden gibt, und die Empfehlung aussprechen, mit dem Arzt oder der Ärztin darüber zu reden. 

Warum die Sicherheit laufend überprüft werden muss

Was Lange umtreibt ist ein Gespräch, in dem eine Person Suizidgedanken äußerte. In diesem einen Fall löste der Chatbot nicht die vorgesehene angemessene Reaktion zur Krisenintervention aus. „Diese und weitere Lücken haben wir mit jAImes 2.0 geschlossen“, versichert Lange. Dennoch wird die Sicherheit von jAImes auch weiterhin systematisch überprüft. Lange hätte die Person gern kontaktiert, doch das ist der Preis der Anonymität. 

„Mit unserer Studie zeigen wir grundsätzlich, dass ein speziell auf ein medizinisches Thema zugeschnittener Chatbot durchaus hilfreiche Informationen bereitstellen kann. Doch selbst bei einem KI-System, das auf geprüfte Informationsquellen zurückgreift, können Fehler auftreten. Umso wichtiger ist ein Verfahren zur kontinuierlichen Überwachung der Gesprächsverläufe“, resümiert Jens Volkmann. Er und sein Team erhalten derzeit täglich Anfragen zu jAImes. Sowohl aus anderen Ländern als auch aus anderen Fachgebieten kommt Interesse an dem smarten Butler. 

Potenzial über Parkinson hinaus 

„Das Spannende an unserem KI-Assistenten ist, dass er in vielen anderen medizinischen Fachbereichen eingesetzt werden kann, beispielsweise bei Herzinsuffizienz, Krebs oder Demenz“, sagt Volkmann. „Der Chatbot hat extrem viel Potenzial.“ 

Selbstverständlich kann ein KI-Chatbot die ärztliche Beratung nicht ersetzen. In der knappen Sprechstundenzeit lassen sich aber nicht alle Anliegen klären, und viele Fragen stellen sich erst danach, etwa abends, am Wochenende oder zwischen zwei Terminen. jAImes hilft zum Beispiel geduldig und kompetent rund um die Uhr dabei, den Durchblick im Versorgungsdschungel zu behalten, und unterstützt bei der Beantragung des Pflegegrades oder von Hilfsmitteln. „Das gibt uns in den Sprechstunden Zeit für andere Themen“, sagt Lange.

Was der Chatbot über die Bedürfnisse der Betroffenen verrät

Welche weiteren Themen den Patientinnen und Patienten neben den klassischen Symptomen am Herzen liegen, hat die erste Auswertung der Gespräche dem Team noch einmal vor Augen geführt. „Die Fragen im Chatbot sind medizinversorgungstechnisch hochinteressant“, berichtet Lange. „In meiner Sprechstunde geht es vorwiegend um Bewegungsstörungen. Doch jAImes vertrauen die Patientinnen und Patienten zahlreiche weitere Symptome an, von kognitiven Einschränkungen und sexuellen Funktionsstörungen über Schlafprobleme bis hin zu Halluzinationen und psychiatrischen Problemen.“ Der Neurologe zieht daraus den Schluss, dass er in seinen Sprechstunden viel mehr Fragen zur Lebensqualität stellen muss. Auch die Parkinson Stiftung hat bereits reagiert und passt ihr Informationsmaterial entsprechend an. 

„Mit jAImes machen wir den ersten Schritt hin zu einem digitalen Ökosystem für Menschen mit Parkinson. Unser Ziel ist, verlässliches Wissen, Orientierung und Zugang zur Forschung an einem Ort zu bündeln. Als nächstes Modul entwickeln wir einen Trial-Finder, der Patientinnen und Patienten hilft, passende Studien zu finden“, so Prof. Dr. Dirk Woitalla, Vorsitzender des Vorstands der Parkinson Stiftung. 

Wer mit jAImes ins Gespräch kommen möchte, trifft den KI-Assistenten auf der Startseite der Parkinson Stiftung sowie unter folgenden Link: https://www.parkinsonstiftung.de/chatbot/

Am 17. November um 18 Uhr stellt zudem Ssaman Mardi in einem Online-Seminar der Parkinson Stiftung vor, wie der Chatbot jAImes funktioniert. Weitere Informationen: https://www.parkinsonstiftung.de/online-akademie

Publikation: Florian Lange, Ssaman Mardi, Tobias Binder, Martin M. Reich, Thorsten Odorfer, Jens Volkmann, Real-world use and evaluation of a generative AI chatbot for Parkinson's disease information: a prospective observational study, The Lancet Regional Health - Europe, Volume 70, 2026, 101866, ISSN 2666-7762, https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101866

Strichmännchen und daneben der Schriftzug Parkinson Chatbot jAImes

Virtuell trainieren, Leben retten

Ohne Einsatz von Tieren Magenblutungen realitätsnah behandeln lernen.

Der am Universitätsklinikum Würzburg entwickelte Simulator OPTESK ermöglicht ein realitätsnahes Training endoskopischer Notfalleingriffe – ohne Risiko für Patientinnen und Patienten und ohne den Einsatz von Tieren.

 

Gruppenbild der Arbeitsgruppe in der Magistrale des Zentrums für Innere Medizin
Die AG InExEn wird geleitet von Prof. Dr. Alexander Hann (Mitte in weißem Kittel), rechts neben ihm steht die Ärztin Jana Theile, ganz links im Bild ist Game Developerin Annika Köhler, ganz rechts Hardware Engineer Irshath Ali Syed. © Daniel Peter / UKW
Annika Köhler ist von hinten zu sehen, sie trägt eine VR-Brille und hält das Endoskop in der Hand, an der Wand ist die virtuelle Welt einer endoskopischen Behandlung projiziert.
Annika Köhler testet den VR-Simulator OPTESK, das aus drei Teilen besteht: der VR-Brille (die Sicht ist hier auf den Monitor projiziert), dem Endoskop, sowie der am Tisch befestigten Sensoreinheit. © Daniel Peter / UKW
Nahaufnahme Endoskop, das in der Hand der Anwenderin liegt. Im Hintergrund der Bildschirm eines Laptops mit der virtuellen Welt.
Über die Räder am Handstück kann die Spitze des Endoskops nach links, rechts, oben und unten bewegt werden. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Magenblutungen sind ein häufiger und potenziell lebensbedrohlicher Notfall. Sie erfordern eine schnelle und sehr präzise Behandlung mittels Endoskopie. Da eine praktische Ausbildung unter direkter Anleitung nur begrenzt möglich ist und oft auf lebende Tiermodelle beschränkt bleibt, bietet das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) mit dem Virtual Reality (VR)-Simulator OPTESK nun eine offen zugängliche Alternative zum Training am Tier, unter dem Leitgedanken des 3R-Prinzips (Replace, Reduce, Refine; auf deutsch: Vermeiden, Verringern, Verbessern). Die Evaluation des Trainingssimulator zur Behandlung von Magenblutungen wurden im Journal Bioelectronic Medicine veröffentlicht.

Medizinisches Wissen trifft auf technische Expertise

OPTESK steht für „Offene Plattform zur tiermaterialfreien endoskopischen Simulation und Komplikationsmanagement“. Das System wurde von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe InExEn unter der Leitung des Gastroenterologen Prof. Dr. Alexander Hann entwickelt und besteht aus einer Kombination herkömmlicher Endoskope, handelsüblicher Virtual Reality-Brillen und der eigens entwickelten OPTESK-Hardware. 

Neben Hann vertritt Jana Theile die medizinische Perspektive in der Arbeitsgruppe. Die Aufgabe der technikbegeisterten Ärztin bestand im Projekt OPTESK vor allem darin, die Anforderungen an den VR-Simulator sowie das medizinische Verständnis an ihre Kolleginnen und Kollegen zu vermitteln. Zum Team OPTESK zählen außerdem die Game Developerin Annika Köhler sowie die Ingenieure Irshath Ali Syed und Joel Troya. Kontinuierlich begleitet wurde das Vorhaben von Dr. Stavros Dimitriadis, Gastroenterologe in Thessaloniki, der seine langjährige klinische Erfahrung sowie seine Expertise im Bereich Simulatoren und Endoskopie Training in das Projekt einbrachte. Erst durch das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Fachkenntnisse wurde OPTESK Wirklichkeit.  

Vom CT-Bild zum virtuellen Magen

Zunächst einmal galt es, ein realistisches virtuelles Magenmodell zu gestalten, mit dem die Nutzerinnen und Nutzer interagieren können. Hier kam die Bildgebung von Jan-Peter Grunz ins Spiel, Professor für Muskuloskelettale Radiologie am UKW: „Die Computertomographie ermöglicht es uns, auch komplexe dreidimensionale Strukturen mit hoher räumlicher Auflösung darzustellen. Bei OPTESK konnten wir diese Technologie einmal ganz anders einsetzen als in der klinischen Diagnostik, nämlich als Grundlage für die Entwicklung einer virtuellen Trainingsumgebung.“ Die hochauflösenden Photon-Counting-CT-Untersuchungen von speziellen Phantomen bildeten für Annika Köhler die Grundlage für 3D-Modellierungen des oberen Magen-Darm-Traktes. Neben dem gastrointestinalen Trakt gestaltete die Game Developerin Läsionen, also Veränderungen der normalen Magenwand mit assoziierten Blutungen, sowie medizinische Instrumente wie das Endoskop und weitere Werkzeuge. Bei der Entwicklung der simulierten Interaktionen, beispielsweise der Rotation und der Vorschub- und Rückzugsbewegung des Endoskops, wurde sie von Irshath Ali Syed unterstützt. Der Ingenieur widmete sich im Projekt der anspruchsvollen Aufgabe der sensorbasierten Erfassung von Bewegungen und Position des Endoskops.

Jan Peter Grunz: „Besonders spannend finde ich, wie hier medizinische Bildgebung, Ingenieurwissenschaften und Softwareentwicklung zusammenkommen, um neue Möglichkeiten für eine realitätsnahe und zugleich tiermaterialfreie medizinische Ausbildung zu schaffen.“

Eine virtuelle Welt, die den Ernstfall simuliert

Jana Theile evaluierte während der Entwicklung fortwährend die Realitätsnähe und Anwendung des Simulators. Noch heute ist sie begeistert von dem Prozess, wie aus den allerersten 3D-Modellen durch kontinuierlich neue kreative Ideen für Software und Hardware ein realistisches Magenmodell entstand, mit dem man interagieren kann. Die Entwicklung einer solchen Simulation sei ein iterativer Prozess, so Köhler, bei dem die Anwendung regelmäßig getestet und anschließend weiter optimiert werden müsse. 

Annika Köhler: „VR ermöglicht ein realistisches, tierfreies, individuelles und beliebig ausbaufähiges Training. Das Besondere daran ist, dass sich realistische Behandlungssituationen in einer sicheren, dreidimensionalen Trainingsumgebung erleben lassen. Dabei geht es vor allem darum, die Anwendung so zu gestalten, dass die Nutzenden Spaß am Training haben und motiviert sind, ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern.“ 

Annika Köhler schuf in der virtuellen Welt einen Endoskopieraum, der das Gefühl vermittelt, sich in einer realen Situation zu befinden, in der es gilt, eine Blutung endoskopisch zu stillen. Durch das Einbinden von zusätzlichen auditiven und visuellen Reizen können die Nutzenden bereits während des Trainings Stressfaktoren ausgesetzt werden, um auch den Umgang mit solchen Situationen zu üben. 

Die perfekte Balance zwischen den Fähigkeiten der Nutzenden und dem Schwierigkeitsgrad der Trainingsszenarien herzustellen, war dabei essenziell. Das Szenario muss anspruchsvoll empfunden werden, ohne Frustration auszulösen. 

Mit echten Instrumenten virtuell trainieren

Das Besondere an dem Projekt ist, dass ein herkömmliches Endoskop zum Einsatz kommt, wie es in der klinischen Routine verwendet wird. Dadurch wirkt die Untersuchung noch realistischer. „Allein das Steuern der Untersuchung mit einem realen Werkzeug wie dem Endoskop erzielt einen Lerneffekt“, bestätigt Jana Theile. Der Simulator umfasst zwei Szenarien: die Behandlung einer nicht blutenden Angiodysplasie (krankhafte Erweiterung von Blutgefäßen) mittels Argon-Plasma-Koagulation (APC) und die Behandlung einer blutenden Angiodysplasie, beginnend mit der Injektion von Adrenalin und anschließender APC-Therapie.

Die Verbindung des echten Endoskops mit der virtuellen Trainingsumgebung war für den Doktoranden Irshath Ali Syed eine echte Herausforderung. Der Hardware Engineer entwickelte zunächst einen einzelnen Bewegungssensor, der sowohl die Drehung als auch die Biegung des Endoskops erfasste. „Dabei stellten wir fest, dass die Drehbewegung mit der Zeit nicht mehr zuverlässig erfasst wurde. Deshalb haben wir das System von Grund auf neu gedacht“, sagt Syed. In der zweiten Generation hat jetzt jede Bewegung einen eigenen Sensor. Diese Aufteilung macht die Bewegungserfassung gezielter und das gesamte System modularer. Die Leistung dieses Systems und die Verbindung mit der VR-Simulation wurden in einer ersten Studie evaluiert.

Irshath Ali Syed: „Die Ergebnisse dieser Studie mit dem weiterentwickelten Prototypen zu sehen, war für mich ein ganz besonderer Moment. Die Teilnehmenden führten das Endoskop wie bei einem echten Eingriff – und unser Tracking folgte ihren Bewegungen. Das hat mir gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich bin überzeugt, dass OPTESK verändern kann, wie Endoskopie erlernt wird: Junge Ärztinnen und Ärzte können mit einem echten Instrument sicher und so oft sie möchten üben, bevor sie zum ersten Mal einen Patienten behandeln. Wenn wir damit zugleich den Bedarf an tierbasiertem Training verringern können, wäre das ein großer Schritt nach vorn.“

Positive Rückmeldungen und erste Studienergebnisse

Bereits erste Nutzerstudien mit Endoskopierenden unterschiedlicher Erfahrungsstufen nach rund eineinhalb Jahren lieferten sehr positives Feedback. Die Teilnehmenden bewerteten die realitätsnahe Umsetzung des Notfallszenarios positiv und zeigten großes Interesse am Simulator.

Jana Theile: „Wir sehen anhand der Rückmeldung unserer Zielgruppe, der Endoskopierenden, dass dieses Projekt großes Potenzial für eine realitätsnähere Aus- und Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte hat und bereits jetzt sehr guten Anklang findet.“

Die Studie bestätigt den positiven Eindruck, den das Team bei Präsentationen auf Messen und Kongressen gewonnen hat. An der Studie nahmen 44 Teilnehmende aus über 20 Zentren teil. Ihre Aufgabe war es, die nicht blutende und blutende Angiodysplasien zu behandeln. Die blutende Angiodyplasie haben 97,4 Prozent der Teilnehmenden erfolgreich gestillt. Erfahrene Endoskopierende behandelten die Blutung dabei schneller als Teilnehmende mit weniger Erfahrung. Dies deutet darauf hin, dass der Simulator Unterschiede im Erfahrungsstand abbilden kann.

Der Simulator wurde hinsichtlich seiner Nutzerfreundlichkeit positiv bewertet und erreichte moderate bis niedrige NASA-TLX-Werte. Der NASA-TLX Wert zeigt, dass die Aufgaben anspruchsvoll sind, jedoch nicht übermäßig belasten und somit eine gute Trainingsbasis bilden.

Die positiven Bewertungen der Fragen zur Inhaltsvalidität demonstrieren besonders deutlich, dass die Teilnehmenden den VR-Simulator als Trainingswerkzeug befürworten. Gleichzeitig unterstützt der signifikante Unterschied in der Interventionszeit zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Endoskopierenden die Konstruktvalidität des Simulators.

Abhängigkeit von tiergestützten Trainingsmethoden verringern

„Die insgesamt sehr gute Bewertung des Simulators zeigt uns, dass wir mit der bisherigen Entwicklung auf einem guten Weg sind. Gleichzeitig eröffnet sie uns die Möglichkeit, das System in verschiedene Richtungen auszubauen“, sagt Annika Köhler. Die studierte Medieninformatikerin ist Erstautorin der Studie. 

Alexander Hann: „OPTESK kann als wertvolles Trainingsinstrument für die endoskopische Behandlung von Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt dienen. Dieser Ansatz könnte dazu beitragen, die Abhängigkeit von tiergestützten Trainingsmethoden zu verringern und ein risikofreies Üben vor klinischen Eingriffen zu ermöglichen.“

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert (Fördernummer: 03LW0696).

Publikation: Annika Köhler, Irshath Ali Syed, Jana Sophia Theile, Ioannis Kafetzis, Joel Troya, Jan-Peter Grunz, Ulrike W. Denzer, Ivica Grgic, Benjamin M. Walter, Rüdiger Pryss, Stavros Dimitriadis & Alexander Hann. Evaluation of the OPTESK VR training simulator for gastric bleeding treatment. Bioelectron Med 12, 22 (2026). https://doi.org/10.1186/s42234-026-00216-w

Gruppenbild der Arbeitsgruppe in der Magistrale des Zentrums für Innere Medizin
Die AG InExEn wird geleitet von Prof. Dr. Alexander Hann (Mitte in weißem Kittel), rechts neben ihm steht die Ärztin Jana Theile, ganz links im Bild ist Game Developerin Annika Köhler, ganz rechts Hardware Engineer Irshath Ali Syed. © Daniel Peter / UKW
Annika Köhler ist von hinten zu sehen, sie trägt eine VR-Brille und hält das Endoskop in der Hand, an der Wand ist die virtuelle Welt einer endoskopischen Behandlung projiziert.
Annika Köhler testet den VR-Simulator OPTESK, das aus drei Teilen besteht: der VR-Brille (die Sicht ist hier auf den Monitor projiziert), dem Endoskop, sowie der am Tisch befestigten Sensoreinheit. © Daniel Peter / UKW
Nahaufnahme Endoskop, das in der Hand der Anwenderin liegt. Im Hintergrund der Bildschirm eines Laptops mit der virtuellen Welt.
Über die Räder am Handstück kann die Spitze des Endoskops nach links, rechts, oben und unten bewegt werden. © Daniel Peter / UKW