Aktuelle Pressemitteilungen

Irgendwann im Jahr 1900: Konzentriert sitzt Oswald Külpe (1862-1915), Inhaber der Würzburger Professur für Philosophie einschließlich der Ästhetik, als Versuchsperson im ersten Stockwerk oberhalb der Bibliothek in der Alten Universität. Külpe hatte die Räume seit dem Wintersemester 1896 für Forschungszwecke und für seine Lehre in der Psychologie zunächst widerruflich überlassen bekommen, nachdem ihre vorherigen Nutzer in den Neubau am Sanderring umgezogen waren.

Sein engster und einziger Mitarbeiter Karl Marbe (1869-1953) ist der Versuchsleiter. Gemeinsam arbeiten sie mit der neu konzipierten Methode der kontrollierten systematischen Introspektion daran, dem Denken seine Geheimnisse zu entlocken. Schnell wächst das Duo um interessierte Studenten und ausländische Gastwissenschaftler an. Eine ganze Reihe von Forschungsarbeiten entstehen und berichten über neue Entdeckungen über das Denken in seinen vielfältigen Facetten. Bald ist man sich sicher, dass so manche gängige Lehrmeinung und besonders die damals weit verbreitete Assoziationspsychologie zumindest in Teilen unzureichend ist.

Das Denken – so Külpe und Marbe – ist zwar manchmal anschaulich, viel häufiger jedoch unanschaulich, ein oft nur schwer verbal zu beschreibender Prozess, dem man den Begriff „Bewusstseinslagen“ gab. Diese können aber durchaus von Gefühlen der Anspannung, ja gar der Erregung begleitet sein, um sich schließlich durch eine plötzliche Einsicht in einen Zusammenhang, in eine Erkenntnis oder in eine Problemlösung, in einem befreienden ‚Aha-Erlebnis‘ zu entladen.

Das Aha-Erlebnis – eine Entdeckung der Würzburger Denkpsychologie

Ja, tatsächlich, das „Aha-Erlebnis“ wurde in Würzburg entdeckt – und zwar von Karl Bühler (1879-1963), einem bekannten Mitstreiter der Würzburger Schule, der dieses jedermann bekannte Phänomen 1908 im Rahmen seiner Habilitationsschrift publizierte. Gleichermaßen wie die „Röntgenstrahlen“ trat der Begriff einen Siegeszug um die Welt an, und genauso wie bei Röntgen wissen die meisten nicht, dass die Universität Würzburg der Geburtsort war.

Wie nur zu oft standen die neuen Erkenntnisse bald in einem heftigen und öffentlich ausgetragenen Konflikt mit den althergebrachten. Kein geringer als der Urvater der Psychologie, Wilhelm Wundt (1832-1920), attackierte die Schüler seines einstigen und langjährigen Assistenten Oswald Külpe aufs Heftigste. Wundt hatte dabei wohl nicht bedacht, dass er damit die Würzburger Schule erst so richtig bekanntmachte.

Durch diese wissenschaftlichen Erfolge wurde Oswald Külpe, seit 1894 an der Alma Julia tätig, zu einem begehrten Berufungskandidaten. Bereits 1903 versuchte ihn die Universität Stanford in Kalifornien abzuwerben, und 1904 folgte die Universität Münster mit einem Ruf. Beide konnten noch abgewehrt und Külpe zum Bleiben bewegt werden. 1909 wurde dann das Werben der Universität Bonn zu intensiv, und Külpe verließ Würzburg, um sowohl in Bonn und nachfolgend auch an der Münchner Universität weitere psychologische Institute zu begründen.

Das Institut in einem Vierteljahrhundert unter Karl Marbe

Für die dadurch frei gewordene Professur wünschte sich die Fakultät Karl Marbe nach Würzburg zurück, der zwischenzeitlich an die Hochschule für Handels- und Sozialwissenschaften, den Vorgänger der 1914 gegründeten Universität Frankfurt, berufen worden war. Der Ruf gelang, und Marbe war von 1909 bis 1935 als Ordinarius für Psychologie tätig. 

Sicher führte er das Institut durch die ausgehende Kaiserzeit, den Ersten Weltkrieg, durch die Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik bis in das Dritte Reich.

Obwohl er noch nicht die damalige Altersgrenze von 68 Jahren erreicht hatte, wurde ihm ein neues „Gesetz über die Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlaß des Neuaufbaus des deutschen Hochschulwesens“ vom 21. Januar 1935 zum Verhängnis. Dieses erlaubte es, unliebsam gewordene Professoren vorzeitig aus dem Amt zu entfernen. Marbe war unliebsam geworden, nicht nur, weil seine Frau jüdischer Herkunft war und er die Scheidung verweigerte, sondern auch, weil er sich erdreistete, noch 1935 den Juden und späteren Rabbiner Leo Trepp die Promotionsprüfung abzunehmen.

Psychologische Erklärung der NS-Verführungsmechanismen

Die Forschungsleistungen des von Marbe geleiteten Instituts waren beachtlich und außerordentlich vielfältig. Neben zahlreichen Arbeiten zur Angewandten Psychologie, der damaligen Psychotechnik, sticht sein großes, zweibändiges Werk über die Gleichförmigkeit in der Welt (1916, 1919) hervor, aus dem er zwischen 1943 und 1945 im Geheimen eine kleine Schrift zur psychologischen Erklärung der Verführungsmechanismen der Nationalsozialisten ableitete. Hätte eine bösartige Denunziation zu ihrer Entdeckung geführt, wäre es vermutlich um das Ehepaar Marbe geschehen gewesen.

Standhaft ertrugen die beiden die Anfeindungen der NS-Zeit, wobei Marbe zustattenkam, dass er sich in juristischen Kreisen als einer der ersten psychologischen Rechtsgutachter hohes Ansehen erworben hatte. Im Angesicht des Todes überstand das Ehepaar Marbe auch die verheerende Bombennacht am 16. März 1945, die Würzburg beinahe auslöschte.

Der eher unscheinbare Carl Jesinghaus in der NS-Zeit

Auf Marbe folgte 1935 der von der NSDAP Reichsleitung in Berlin gegen jegliche Voten der Fakultät eingesetzte Carl Jesinghaus (1886-1948). Er hatte vor seiner Rückkehr nach Deutschland eine Professur in Argentinien inne, war ein am Wundtschen Institut in Leipzig ausgebildeter Experimentalpsychologe und damit selbst Marbe lieber, als wenn ein Philosoph wieder die für die Psychologie errungene Professur bekäme.

Jesinghaus war wenig auffällig, publizierte kaum und wenn, dann in Spanisch. 1938 gelang es ihm, das Institut aus der Alten Universität in die Klinik Straße 8 zu verlegen und es damit zu erweitern und zu modernisieren. Auch die mit Kriegsbeginn oft angeordnete Schließung vieler Institute konnte er für die Psychologie verhindern, und so gingen Forschung und Lehre unter den zunehmend schwieriger werdenden Bedingungen des Krieges weiter. Am späten Abend des 16. März 1945 war damit Schluss. Das Institut brannte im Phosphorhagel bis auf die Grundmauern nieder.

Wie Phönix aus der Asche

Bereits im Frühjahr 1946 suchte man nach einer Neubesetzung des Instituts für Psychologie. Der Dresdener Psychologe Gustav Kafka (1883-1953) war im Gespräch. Kafka war 1933 aus Protest aus der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgetreten, als diese vorauseilend die jüdischen Mitglieder ausschloss.

Mit Hilfe eines befreundeten Arztes soll es ihm gelungen sein, eine schwerwiegende Erkrankung so überzeugend vorzutäuschen, dass er noch in jungen Jahren bei Erhalt der Bezüge in den Ruhestand versetzt wurde. Kafka entzog sich so dem NS-Regime und wartete auf dessen Ende, das er trotz Brandverletzungen in den Dresdner Bombennächten mit viel Glück noch erleben durfte.

Als er nach Würzburg kam, soll er nur eine Hose besessen haben. Studenten nähten ihm eine alte Militärhose um und schenken sie ihm anonym, wohlwissend, dass er ansonsten zu zurückhaltend und bescheiden gewesen wäre, um sie anzunehmen.

In einem Kellerraum am Sanderring 2 stand das Institut für Psychologie unter Kafka wieder auf und nicht nur das: Kafka gelang es auch, die Deutsche Gesellschaft für Psychologie im amerikanischen Sektor neu zu begründen. Von 1951 bis kurz zu seinem Tod 1953 wurde er ihr Präsident. Durch Gustav Kafka erhielt das Institut für Psychologie wieder Rang und Namen.

Wilhelm Arnold legte den Grundstein für eine langanhaltende Ausbauphase

Auf Kafka sollte Wilhelm Arnold (1911-1983) folgen. Arnold war hauptamtlich als Psychologe in höherer Position bei der Anstalt für Arbeitsvermittlung in Nürnberg tätig, bevor er den Ruf nach Würzburg annahm. Auch hier hat die Politik kräftig mitgemischt, denn Arnold war nicht der Wunschkandidat der Fakultät, aber Gründungsmitglied der CSU in Nordbayern. Die so düpierte Universität grollte jedoch nicht lange mit dem Ministerium, denn Arnold setzte den Auf- und Ausbau des Instituts für Psychologie sehr erfolgreich fort.

Bereits 1956 konnte in der Domerschulstraße 13 ein neues Domizil für die Psychologie eingeweiht werden. Es war damals eines der am besten ausgestatteten Institute für Psychologie und dies nicht zuletzt, weil es Arnold über seine Kontakte in die Wirtschaft gelungen war, lukrative Forschungsaufträge an Land zu ziehen. Selbst eine Außenstelle hatte das Institut in dem zwischen Rom und Neapel gelegenen Sezze. Hier wurden unter Leitung von Dr. Hermann Forster sprachvergleichende und völkerpsychologische Forschungen betrieben. Das hatte einen durchaus pragmatischen zeitgeschichtlichen Hintergrund, denn Professor Arnold war an der Entwicklung von Auswahlverfahren für italienische Gastarbeiter interessiert.

Arnold war von seiner Art her eher ein gewiefter Wissenschaftspolitiker als ein in sich versunkener, tiefsinniger Grundlagenforscher. Konsequenterweise wurde er von 1964 bis 1966 als erster Psychologe Rektor der Alma Julia. Er nutzte diese Möglichkeiten und initiierte mit der Einrichtung einer zweiten Professur die bis heute anhaltende Ausbauphase der Psychologie.

Zahlreiche neue Lehrstühle

Bereits 1966 wurde Ludwig Pongratz (1915-1995) auf den Lehrstuhl II berufen und vertrat fortan unter anderem die klinische Psychologie. 1975 folgte die Einrichtung des Lehrstuhl III für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre unter Otto Heller (1925-2012). 1977 schließlich wurde noch die mit Heinz Alfred Müller (1930-1990) besetzte Professur für Pädagogische Psychologie von der Pädagogischen Hochschule Würzburg nach deren Auflösung als Lehrstuhl IV in das Institut für Psychologie integriert. Mit den Jahren kamen an den Lehrstühlen weitere Professuren hinzu, und das sich drehende Karussell der Berufungen ließ auf Wilhelm Arnold Wilhelm Janke (1933-2011) folgen, auf Heinz Alfred Müller Wolfgang Schneider, auf Otto Heller Joachim Hoffmann, auf Ludwig Pongratz über Barbara Zoeke schließlich Fritz Strack.

Auch diese befinden sich inzwischen alle im Ruhestand, und eine neue Generation von Psychologinnen und Psychologen folgte ihnen nach. Dem Institut gelang es dabei bis heute, herausragende Forscherinnen und Forscher zu gewinnen und so seit der Külpe-Ära fast kontinuierlich ein international hoch renommiertes, innovatives und forschungsstarkes Institut zu bleiben.

Ein pandemiebedingter Online-Festakt

Anlass genug, die inzwischen 125-jährige Geschichte in einem Online-Festakt zusammen mit vielen ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitenden des Instituts für Psychologie zu feiern. Zu den Rednern des Festaktes gehörten der ebenfalls aus der Psychologie stammende Präsident der Universität Würzburg, Paul Pauli, der einst in Würzburg Psychologie studierende und aktuell amtierende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Professor Markus Bühner, der ebenfalls dem Institut für Psychologie angehörige Dekan der Humanwissenschaftlichen Fakultät Professor Johannes Hewig und der geschäftsführende Direktor des Instituts für Psychologie, Professor Wilfried Kunde.

Während des Festakts wurde auch die vom Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie unter Leitung von Professor Armin Stock vorbereitete Online-Ausstellung: „Facetten aus der 125jährigen Geschichte des Instituts für Psychologie“ eröffnet. Sie kann ab sofort unter diesem Link besucht werden: https://artspaces.kunstmatrix.com/de/exhibition/6942219/facets-in-the-history-of-the-institute-of-psychology-at-the-university-of

Kontakt

Prof. Dr. Wilfried Kunde, Institut für Psychologie, Lehrstuhl III. T: +49 931 31-82644, wilfried.kunde@ uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Armin Stock, Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie. T: +49 931 31-82620, armin.stock@ uni-wuerzburg.de

 

 

Spielfeld mit endlosen Möglichkeiten

In diesem Jahr feiert das Institut für Psychologie der Universität Würzburg sein 125-jähriges Bestehen. Eine neue Ausstellung des Adolf-Würth-Zentrums für Geschichte der Psychologie begleitet das Jubiläum. 

Steigende Infektionszahlen, besorgniserregende Entwicklungen, eine nicht enden wollende Baumaßnahme in den eigenen Museumsräumen und dann auch noch ein 125-jähriges Jubiläum der Gründung des Instituts für Psychologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU): Ganz schön viele Herausforderungen, denen sich das Adolf-Würth-Zentrum (AWZ) für Geschichte der Psychologie im zweiten Jahr der Corona-Pandemie stellen musste.

Trotzdem ist es dem Team um AWZ-Leiter Professor Armin Stock gelungen, auch unter diesen Bedingungen eine neue Ausstellung zu konzipieren und zu realisieren. Ihr Titel: „Facetten aus der Geschichte des Institutes für Psychologie“; zu sehen ist sie ab sofort.

„Es war ein großes Abenteuer, diese Ausstellung mal auf ganz andere Art und Weise zu konzipieren“, berichtet Armin Stock. Vor allem drei Fragen hätten ihn und sein Team dabei beschäftigt: Wie stellt man aus mit Blick auf eine ungewisse Zukunft? Wie empfängt man die Besucher online? Und wie fesselt man sie so für das Thema? Die Antwort sei relativ schnell gefunden worden: auf dem Spielfeld der multimedialen endlosen Möglichkeiten.

Hürden und Herausforderungen

Doch zunächst musste die Gruppe ein geeignetes Format finden. „Wir wollten nicht schon wieder so etwas, was man in den letzten anderthalb Jahren schon zigmal gesehen hat, als überall pandemiebedingt Online-Alternativen ausgeschöpft wurden“, erklärt Stock.

Die Entscheidung sei deshalb auf einen virtuellen Ausstellungsraum gefallen, modern, lichtdurchflutet, detailverliebt, mit einem hellen Innenhof und musikalischer Untermalung. Dadurch habe sich die Ausstellungsfläche, die das Zentrum sonst zur Verfügung hat, plötzlich vervielfacht – und damit auch die Möglichkeiten.

In der jetzt offiziell eröffneten Ausstellung wird der Besucher zu einem multimedialen Entdecker: Hinter jedem Bild zeigt sich nicht nur ein Infotext, oft ist es auch mit anderen Medien vernetzt, die die Online-Ausstellung zu einem 3D-Erlebnis machen oder zu anderen interessanten Projekten locken.

Wem das zu spielerisch und abenteuerlich ist, der kann sich auf eine automatische Tour durch die große, 125-jährige Geschichte des psychologischen Instituts mitnehmen lassen, um eine Zeitreise über dessen Entwicklung von seinen Vorläufern über die weltberühmte Würzburger Schule der Denkpsychologie unter Oswald Külpe und Karl Marbe, den Zusammenbruch 1945 und die Wiederaufbau- und Ausbaujahre bis hin zur aktuellen Forschung zu erleben.

Neue Impulse durch Corona

So schlimm die Corona-Pandemie auch ist für kulturelle Einrichtung wie das Adolf-Würth-Zentrum, das von Besucherinnen und Besuchern vor Ort und dem spannenden Vermitteln von Wissenschaftsgeschichte lebt, so sehr hat die Pandemie dennoch auch neue Impulse mit sich gebracht. Armin Stock und sein Team haben die Umstände vor allem dazu angeregt, sich mit den neuesten Technologien auseinanderzusetzen und die Digitalisierung voranzutreiben.

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, ansprechende virtuelle Umgebungen zu schaffen, in denen die Besucherinnen und Besucher leicht vergessen können, dass sie eigentlich ‚nur‘ vor dem Laptop sitzen“, erzählt Stock. Dieser Ansatz ist für ihn das neue Motto einer modernen, zukunftsorientierten Kultureinrichtung, die solche Möglichkeiten als eine große Chance für Museen oder universitäre Sammlungen begreift.

Eine zukunftsträchtige Entwicklung

Angesichts der jüngsten pandemischen Entwicklungen war es nach Stocks Worten die richtige Entscheidung, tiefer in die virtuelle Welt einzutauchen und auszuloten, was möglich ist. Auch nach der Pandemie werde sich dieser Ansatz zügig weiterentwickeln, ist er sich sicher: „Künftige technische Innovationen sind vielversprechend, bringen einem Museum oder einer Sammlung Aufmerksamkeit, sind für ausländische Besucher ohne Reisewege zugänglich und damit – Stichwort: Klimawandel – ressourcenschonend oder lassen sich als wunderbare Parallele zu realen Ausstellungsräumen begreifen“, so der Psychologe.

Dementsprechend lautet Stocks Tipp für alle Interessierten: „Kochen Sie sich ruhig noch eine gute Tasse Tee, dann können Sie die Anfahrt bequem vom eigenen Sessel aus dem Wohnzimmer in Angriff nehmen. Die Öffnungszeiten sind vierundzwanzig Stunden an sieben Tagen in der Woche – egal ob Sie sich in Würzburg oder Ohio, auf den Malediven oder auf Island befinden.“ Im virtuellen Ausstellungsraum des AWZ werden Besucherinnen und Besuchern keine Corona-Maßnahmen begegnen, ein Besuch ist also definitiv nicht ansteckend, höchstens „ansteckend an Begeisterung“.

Links

Zur neuen Ausstellung:

https://artspaces.kunstmatrix.com/de/exhibition/6942219/facets-in-the-history-of-the-institute-of-psychology-at-the-university-of

Homepage des AWZ:

https://www.uni-wuerzburg.de/awz/startseite/

Kontakt

Prof. Dr. Armin Stock, Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie, T: +49 931 31-82620, armin.stock@ uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online Magazin der Universität Würzburg vom 14.12.2021

Hoffnungsschimmer in der Pandemie: Protein ZAP hemmt Vermehrung von SARS-CoV-2 um das 20-Fache

Würzburg / Braunschweig, 10. Dezember 2021 – Wissenschaftler:innen des Würzburger Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig (HZI) weisen erstmals nach, wie ZAP, ein Protein der menschlichen Immunabwehr, den Vermehrungsmechanismus des Coronavirus SARS-CoV-2 hemmt und die Viruslast um das 20-Fache reduzieren kann. Die Erkenntnisse wurden heute im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht. Sie können dazu beitragen, antivirale Mittel im Kampf gegen die Pandemie zu entwickeln.

 

SARS-CoV-2 und andere Viren, deren Erbgut aus Ribonukleinsäuren (RNA) besteht, nutzen einen Vermehrungstrick, der als programmierte ribosomale Leserasterverschiebung bezeichnet wird. Dabei erweisen sich diese Viren als Meister der Manipulation: Sie dringen in die Wirtszellen ein und kapern dort den Prozess, den die Zellen nutzen, um genetische Informationen von einer Boten-RNA abzulesen und Proteine herzustellen. Die Viren verändern die streng geregelte Leserichtung: Dadurch können sie ihre eigenen Proteine produzieren und sich vermehren. 

Auf der Suche nach Möglichkeiten, diesen Vermehrungstrick beim Coronavirus SARS-CoV-2 zu unterbinden, haben Forschende am HIRI jetzt einen Restriktionsfaktor namens ZAP identifiziert. ZAP (von Englisch: Zinc Finger Antiviral Protein) ist als immunmodulatorisches und antivirales Protein bereits bekannt: „ZAP ist ein multifunktionales Molekül in der Immunabwehr, das eine überschießende Immunantwort beruhigen und die virale Aktivität herunterfahren kann“, erklärt Neva Caliskan, Forschungsgruppenleiterin am HIRI und Leiterin der Studie.

Starker Rückgang der Viruslast

Noch nicht erforscht war bislang, ob und wie Proteine wie ZAP in die ribosomale Leserasterverschiebung von SARS-CoV-2 eingreifen. „Die Leserasterverschiebung hat sich evolutionär als Herzstück der Virusreplikation durchgesetzt. Und genau das macht sie zu einem attraktiven Wirkstoffziel“, sagt Matthias Zimmer, einer der zwei Erstautoren der Studie. „Interessanterweise konnten wir nachweisen, dass ZAP an die virale RNA bindet, die die Leserasterverschiebung auslöst“, ergänzt der HIRI-Doktorand aus der Forschungsgruppe von Caliskan.

„ZAP greift in die strukturelle Faltung der Coronavirus-RNA ein und unterbindet das Signal, das SARS-CoV-2 aussendet, um die Wirtszellen zur Produktion seiner Replikationsenzyme zu bewegen“, beschreibt HIRI-Doktorandin Anuja Kibe, zweite Erstautorin der Studie, den antiviralen Effekt des Proteins. Und mehr noch: In Zusammenarbeit mit Forschenden am HZI konnte das Team nachweisen, dass Wirtszellen mit einem erhöhten ZAP-Spiegel eine etwa 20-fach reduzierte Virusmenge aufweisen. Das gehäufte Auftreten – oder Fehlen – des Proteins könnte somit auch ein Indikator dafür sein, ob eine Corona-Infektion einen leichten oder schweren Verlauf nimmt.

Um die dahinterstehenden molekularen Mechanismen vollständig zu verstehen, bedarf es noch weiterer Forschung. Doch bereits jetzt sind die Studienergebnisse ausgesprochen vielversprechend: „Unsere Erkenntnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass ZAP als Vorlage genutzt werden könnte, um mögliche neue antivirale Mittel zu entwickeln“, so Caliskan.

Über ZAP in der aktuellen Studie

Das sogenannte Zinkfinger antivirale Protein (kurz ZAP) ist ein multifunktionales Protein der Immunabwehr und hemmt die Replikation bestimmter Viren. Es kommt in einer kurzen (ZAP-S) und einer langen Form (ZAP-L) vor. Die beschriebenen Effekte der aktuellen Untersuchungen beziehen sich auf ZAP-S.

Über das HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm will das Institut innovative therapeutische Ansätze entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus.

Publikation

Zimmer M, Kibe A, Rand U, Pekarek L, Ye L, Buck S, Smyth R, Cicin-Sain L, Caliskan N. The short isoform of the host antiviral protein ZAP acts as an inhibitor of SARS-CoV-2 programmed ribosomal frameshifting. Nature Communications, 10.12.2021. DOI: 10.1038/s41467-021-27431-0 

Die Studie wurde gefördert aus Mitteln der Helmholtz-Gemeinschaft, des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und des Europäischen Forschungsrats.

Pressebilder 

Die komplette Medieninformation inkl. Bildmaterial können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).

 

HIRI-Medieninformation vom 10. Dezember 2021

Adventskonzert des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin am 21. Dezember 2021

Es spielt das Blechbläserquartett "Blechschmitt"

Termin: 21. Dezember 2021 14:00-15:00 Uhr

Teilnahme virtuell über:

Klinikkanal 35

Skype:             https://meet.ukw.de/roch_c/JFC1W26M 

Telefon:          +49 931 201 6699998 (Konferenzkennung: 4875894)

Universitätsmedizin Würzburg: Neue Abteilung für Translationale Pädiatrie eingerichtet

Das Immunsystem von Kindern und dessen Entwicklung besser verstehen sowie daraus neue Präventions- und Behandlungsstrategien ableiten – das sind Kernziele der neuen Abteilung für Translationale Pädiatrie in Würzburg. Den von Uniklinikum und Uni gemeinsam getragenen Schwerpunkt leitet die international anerkannte Expertin Prof. Dr. Dorothee Viemann.

Nach der Geburt muss sich der Körper an die Umwelt anpassen. Dabei spielen das Immunsystem und das Mikrobiom – also das bakterielle Ökosystem im Darm – entscheidende Rollen. In der internationalen Forschung verdichten sich die Hinweise, dass gerade in den ersten Monaten das Immunsystem in einer Weise zwischen Toleranz und Abwehr eingestellt wird, die für die individuelle gesundheitliche Konstitution des restlichen Lebens hochrelevant ist. Um diese Vorgänge noch besser zu verstehen, richtete die Würzburger Universitätsmedizin kürzlich die Abteilung für Translationale Pädiatrie ein. Der neue Schwerpunkt, welcher der Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) und dem Zentrum für Infektionsforschung der Uni Würzburg angehört, nahm im Juli 2021 seine Arbeit auf. Geleitet wird die Abteilung im Rahmen einer neugeschaffenen W3-Professur von Prof. Dr. Dorothee Viemann. 

Vor ihrem Wechsel an den Main führte die Fachärztin für Kinderheilkunde- und Jugendmedizin zuletzt eine Arbeitsgruppe für Experimentelle Neonatologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die gebürtige Niedersächsin absolvierte ab 1987 ihr Humanmedizinstudium in Bochum, Straßburg/Frankreich und Boston/USA. Die Ausbildung zur Kinderärztin startete Dorothee Viemann 1995 an der Universitätskinderklinik Kiel, um dann drei Jahre lang am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Universität Lübeck wissenschaftliche Laborarbeit zu betreiben. Die Ausbildung zur Kinderärztin setzte sie im Jahr 2000 an der Universitätskinderklinik Münster fort. Dort erwarb sie außerdem die Zusatzspezialisierungen für die Bereiche Neonatologie, Infektiologie und Labormedizin. Im Jahr 2008 habilitierte sie im Fach Kinderheilkunde über die Rolle von Endothel-Signalnetzwerken bei Entzündungen. Drei Jahre später bewarb sich die leidenschaftliche Forscherin erfolgreich für die an der MHH ausgeschriebene Professur für Experimentelle Neonatologie. 

Inspiriert durch Beobachtungen am Krankenbett

„Wissenschaftlich beschäftige ich mich mit den Ursachen und Therapiemöglichkeiten der Infektanfälligkeit und immunologischen Schwächen von Neu- und Frühgeborenen“, beschreibt Prof. Viemann und fährt fort: „Dabei geht es zum Beispiel darum, die Reifungsvorgänge im angeborenen Immunsystem nach der Geburt und die molekularen Mechanismen der Toleranzentwicklung aufzuklären.“ Hierbei verfolgte und verfolgt sie – meist inspiriert durch ihre Beobachtungen als Ärztin am Krankenbett – gerne auch Thesen jenseits der verbreiteten Lehrmeinungen. „Solange es offene, mir nicht verständliche Punkte gibt, hört das Nachfragen in mir einfach nicht auf“, beschreibt sie ihren Antrieb zur wissenschaftlichen Arbeit. 

Bei dem Versuch, ihre Überzeugungen zu beweisen oder zu widerlegen, kam sie immer wieder an Punkte, an denen sie mit ihrem ärztlichen Wissen nicht weiterkam. „Deshalb habe ich mir in den vergangenen Jahrzehnten im Eigenstudium so einiges an molekularbiologischem Know-how angeeignet“, berichtet Prof. Viemann. Diese konsequente Haltung fordert sie übrigens auch von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Alle, die in meinem Labor arbeiten, müssen die Methoden nicht nur anwenden können, sondern intellektuell auch vollständig durchdrungen haben. Nur dann sind sie nämlich in der Lage, eine Lösung zu entwickeln, wenn mal etwas nicht richtig läuft.“

Forscherin mit internationaler Reputation

Mit ihrer tiefschürfenden Herangehensweise gelang es Dorothee Viemann, sich eine weithin sichtbare Reputation aufzubauen. So arbeitet sie beispielsweise in dem von der MHH geleiteten Exzellenzcluster RESIST in zwei Einzelprojekten des Bereichs „Immunsystem“ mit. Außerdem wird sie regelmäßig als Referentin zu den US-amerikanischen Keystone-Symposien eingeladen, was in der Fachwelt als internationales Benchmark für die Relevanz der jeweiligen Forschungsthemen gilt.

Die Würzburger Professur mit eigenem Lehrstuhl sowie den in Aussicht gestellten Personal- und Sachressourcen sieht Prof. Viemann als hervorragende Chance zur Weiterentwicklung. Sie betont: „Die hier von der Medizinischen Fakultät gefundene, deutschlandweit wohl einzigartige Konstellation ist ein deutliches Bekenntnis zur Translation.“ 

Zu den Schlüsselfragen auf ihrer Forschungsagenda gehören: Welche körpereigenen Faktoren und welche Faktoren aus der Umwelt sind förderlich und trainieren die biologischen Systeme eines Kindes auf dienliche Art und Weise? Welche äußeren Faktoren oder anlagebedingten Fehlprogrammierungen beeinträchtigen das Wachstum und Reifung eines jungen Menschen? Bevor sie ihre Suche nach Antworten am Standort Würzburg allerdings fortsetzen kann, muss Prof. Viemann, die im Universitätsgebäude E7 am Zinklesweg untergebracht ist, in den kommenden Monaten erst noch ein Team aufbauen und für die benötigte technische Laborausstattung sorgen.

„Schon nach kurzer Zeit vor Ort habe ich erkannt, dass hier in Würzburg ein Klinikcampus mit hoher Dynamik besteht“, freut sich die Professorin und präzisiert: „An hiesigen Einrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung oder bei der Max-Planck-Forschungsgruppe des Instituts für Systemimmunologie gibt es viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, von denen ich manche schon über andere Wege kenne. Es formt sich hier gerade eine Community, mit der ohne lange Anbahnung unkompliziert gemeinsame Forschungsprojekte aufgesetzt werden können.“

Geburtskohorte als eines der Großziele

Ein besonderer Wunsch für die Zukunft, den Prof. Viemann gemeinsam mit Prof. Christoph Härtel, dem Direktor der Kinderklinik des UKW, hegt, ist der Aufbau einer großen unterfränkischen Geburtskohorte in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit interessierten Expertinnen und Experten am Standort. Dabei sollen die gesundheitsrelevanten Entwicklungen bei Hunderten von Neugeborenen und deren Familien von Anfang an begleitet werden. Als Werkzeug dafür wäre zum Beispiel eine Smartphone-App vorstellbar, bei der die Eltern die Krankheitszeiten von Kindern eingeben können, welche Antibiotika verschrieben wurden, wann Allergien auftraten und ähnliches mehr. „Wenn es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, würde ich die entsprechenden Daten gerne bis über das 16. Lebensjahr hinaus sammeln, da auch in der Pubertät im Immunsystems nochmals vieles neugeordnet und reprogrammiert wird“, sagt die Ärztin und unterstreicht: „Mit diesem Projekt würden wir die Basis für wichtige zukünftige Erkenntnisse legen – eine solche Kohorte wäre gerade für die kommenden Generationen von Forscherinnen und Forscher ein unfassbarer Schatz!“

Enthusiasmus in der Lehre weitergeben

Dieses langfristige Denken bestimmt auch die Einstellung von Dorothee Viemann zur Lehre. Sie schildert: „Wenn man in meinem Alter etwas Bleibendes hinterlassen will, dann geht es hauptsächlich darum, die nächste Generation an Ärztinnen und Ärzten zu formen und zu fördern.“ Sie plant, sich bei einem breiten Spektrum an Ausbildungsstufen zu engagieren – von Studierenden bis zu fortgeschrittenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. „Dabei würde ich gerne den Blick des Clinical Scientist schärfen. Ich war und bin für meine Sache enthusiastisch – und es würde mich freuen, wenn es gelänge, dies auch weiterzugeben“, sagt die Professorin.

 

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Uniklinikum Würzburg: Neuer Schwerpunkt verbindet Radiologie mit Künstlicher Intelligenz

Prof. Dr. Bettina Baeßler leitet den neuen Schwerpunkt „Kardiovaskuläre Bildgebung und Künstliche Intelligenz“ am Uniklinikum Würzburg. Die international anerkannte Expertin im Bereich der Radiomics-Forschung engagiert sich auf vielen weiteren Feldern der Universitätsmedizin.

Seit Anfang Oktober dieses Jahres leitet Bettina Baeßler den Bereich „Kardiovaskuläre Bildgebung“ am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Außerdem wurde die Radiologin im Rahmen einer W2-Professur mit dem neugeschaffenen Schwerpunkt „Kardiovaskuläre Bildgebung und Künstliche Intelligenz“ betraut. „Ich freue mich sehr, dass wir mit Prof. Dr. Baeßler eine der national wie international anerkanntesten Vordenkerinnen auf dem Gebiet „Radiomics“ gewinnen konnten“, kommentierte Prof. Dr. Thorsten Bley, der Direktor des Instituts, den Neuzugang. Hinter der Wortneuschöpfung Radiomics steht die Idee, aus radiologischen Bildern quantitative und mehrdimensionale Informationen zu gewinnen. Dazu sind Big-Data-Analysen erforderlich, denn in den zum Beispiel mit Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) erzeugten Aufnahmen stecken riesige Datenmengen, deren Informationsgehalt größer ist, als es das menschliche Auge erfassen kann.

Der Weg hin zu diesem vergleichsweise neuen Forschungsansatz startete für die gebürtige Kölnerin praktisch unmittelbar nach dem im Jahr 2010 abgeschlossenen Medizinstudium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Schon als Assistenzärztin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uniklinik Köln widmete sich Bettina Baeßler im Rahmen ihrer Promotionsarbeit der quantitativen kardialen MRT. „Mein Fokus lag von Beginn an auf der Entwicklung, Validierung und Translation neuer quantitativer Bildgebungstechniken. Zunächst ging es dabei um die Diagnostik von Herzmuskelentzündungen“, berichtet die leidenschaftliche Wissenschaftlerin und fährt fort: „Im weiteren Verlauf kam dann die Untersuchung anderer Herzerkrankungen und schließlich auch anderer Organsysteme dazu.“ 

Aufstieg zur Radiomics-Expertin

Ihr tiefschürfendes Engagement sorgte dafür, dass sich die Medizinerin mehr und mehr mit komplexen statistischen Verfahren und den Techniken des maschinellen Lernens auseinandersetzte, was sie in den Bereich von Radiomics führte. Um sich die für Radiomics-Analysen nötigen, speziellen EDV-Kenntnisse anzueignen, verbrachte sie im Jahr 2016 einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt am Universitätsspital Zürich/Schweiz. Ausgestattet mit dem dort erworbenen, grundlegenden Know-how leitete Bettina Baeßler ab 2016 in Köln die Arbeitsgruppe „Multiparametrische Bildgebung und Radiomics“ und zwischen 2018 und 2019 das Geschäftsfeld „Medical Imaging Informatics and Radiomics“ an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Uni Heidelberg. Als letzte berufliche Station vor dem Wechsel nach Würzburg führte die Oberärztin die „Cardiovascular Imaging and Data Science Group“ des Universitätsspitals Zürich. 

Mit ihrer Radiomics-Expertise erstellte sie hochrangig publizierte Studien, wobei sich zu den ursprünglichen kardiovaskulären im Verlauf auch onkologische Themen gesellten. Ihre Forschungsergebnisse stießen in Fachkreisen vielfach auf große Anerkennung und wurden mit diversen Preisen geehrt, darunter der Walter Friedrich-Preis 2018 und der Wilhelm Conrad Röntgen-Preis 2020, beide vergeben durch die Deutsche Röntgengesellschaft. 

Können die Limitationen von Radiomics überwunden werden?

„Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo wir das bislang gewonnene Radiomics-Wissen gerne in die klinische Anwendung bringen würden. Allerdings zeigen sich bei kritischer Betrachtung dafür massive technische Limitationen“, sagt Prof. Baeßler. Sie meint damit: Geräte unterschiedlicher Hersteller, verschiedene Bildaufnahmesequenzen und die Vielzahl der bei der Detektion wählbaren Parameter sorgen für extrem heterogene Bilddaten, die sich – zumindest aktuell – nicht standardisieren lassen. „Soll Radiomics in Zukunft zu einer klinischen Erfolgsgeschichte werden, muss es uns gelingen, die Bilddaten zu homogenisieren. Ein möglicher Schlüssel dazu ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dies gehört zu meinen zentralen Forschungszielen am UKW, entsprechende Projekte dazu werden derzeit angestoßen“, so die Professorin.

Die Würzburger Rahmenbedingungen für ihre weitere Forschung bezeichnet sie als perfekt. So seien zum Beispiel mit dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz, der Onkologie am UKW, dem Forschungszentrum „Künstliche Intelligenz und Data Science“ (CAIDAS) der Uni Würzburg sowie einer forschungsstarken MR-Physik hochkompetente Partner für die erforderliche interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort. „Besonders erfreulich – und keine Selbstverständlichkeit in der deutschen Universitätslandschaft – ist dabei der ausdrückliche Wille zur fächerübergreifenden Zusammenarbeit, den ich hier schon in den ersten Monaten erleben durfte“, unterstreicht Prof. Baeßler und ergänzt: „Hier finde ich ein hervorragendes Setting – angefangen von herausragenden Forscherpersönlichkeiten bis zur technischen Ausstattung – um grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisse in die klinische Anwendung zu bringen.“

Engagement für bessere (Online-)Lehre

Neben Forschung und Klinik liegt der neuen Professorin die Lehre besonders am Herzen. „In jungen Jahren hätte ich mir auch vorstellen können, Lehrerin zu werden. Dieser edukative Anspruch ist ein wesentlicher Grund, weshalb ich in der Hochschulmedizin richtig bin“, schildert Bettina Baeßler. Dabei erlebte sie die Lehre in ihrem eigenen Studium als keineswegs optimal. „Ich dachte mir damals schon: Das muss doch besser gehen!“, berichtet sie heute. Deshalb gestaltete sie bereits als Assistenzärztin und Lehrkoordinatorin an der Uniklinik Köln das Curriculum der Radiologie neu, zum Beispiel mit auch heute noch erfolgreichen Youtube-Lehrvideos. Ihr Wunsch nach qualitativen Online-Lehrinhalten führte im Frühjahr dieses Jahres dazu, dass sie zusammen mit zwei Kolleginnen die LernRad GmbH, eine interaktive digitale Lernplattform für die Radiologie, gründete. 

Ihr Engagement für gute Lehre geht über die Radiologie hinaus. So ist Bettina Baeßler seit annähernd drei Jahren in der Überarbeitung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) hochaktiv. 

„Zu den Pluspunkten meines Wechsels nach Würzburg zählt, dass die Lehre auch bei Prof. Bley einen hohen Stellenwert hat und er – trotz des hier schon erreichten, sehr hohen Niveaus – offen ist für neue, zum Beispiel digitale Lehrkonzepte“, unterstreicht Prof. Baeßler.

Förderung der Diversität als Herzensangelegenheiten

Eine Herzensangelegenheit ist für sie ferner die Leitung der Diversity-Kommission der Deutschen Röntgengesellschaft. „Unser Ziel ist es, lösungsorientiert Ideen und Instrumente zu entwickeln, um die Vielfalt in der Röntgengesellschaft und der Radiologie allgemein zu fördern“, beschreibt die zweifache Mutter und fährt fort: „Die Medizin hat in allen Dimensionen der Diversität Verbesserungsbedarf – und gerade in der Medizin könnte man so viele moderne Konzepte, wie zum Beispiel ‚Geteilte Führung‘, gut umsetzen.“ Ein zentrales Informationsmedium der Diversity-Kommission ist der Podcast „RADiversum“, den Prof. Baeßler maßgeblich mitgestaltet.

 

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DGFG realisiert 100. Gewebespende im Universitätsklinikum Würzburg

Würzburg, 8. Dezember 2021 – Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat bewiesen, dass Gewebespende trotz Corona-Pandemie zum Erfolg führen kann. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) konnte das Universitätsklinikum die 100. Gewebespende in diesem Jahr realisieren. Damit ist das UKW derzeit das stärkste Krankenhaus in der Gewebespende in 2021 und trägt maßgeblich zur sicheren und zeitnahen Patientenversorgung mit Gewebe bei. In der dortigen Lions Hornhautbank Würzburg konnten seit Beginn in 2013 inzwischen mehr als 1.500 Augenhornhautspenden bearbeitet werden. Über 1.000 Patienten in ganz Deutschland erhielten aus Würzburg bereits ein Hornhauttransplantat und dadurch die Chance auf einen Neuanfang.

 

Foto zeigt Prof. Jens Maschmann
Prof. Dr. Jens Maschmann ist der Ärztliche Direktor am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: privat
Foto zeigt Dorothea Deininger
Dorothea Deininger, Medizinisch-technische Assistentin (MTA), bearbeitet seit 2013 Augenhornhautspenden in der Lions Hornhautbank Würzburg und war von Anfang an mit dabei. Foto: DGFG
Foto zeigt Dr. Daniel Kampik
Dr. med. Daniel Kampik ist Oberarzt in der Universitätsaugenklinik Würzburg und Leiter der Lions Hornhautbank Würzburg. Foto: DGFG
Foto zeigt Ilona Pietrowski
Ilona Pietrowski arbeitet seit 2014 in der Lions Hornhautbank Würzburg und hat mit ihrer Kollegin Dorothea Deininger schon über 1.500 Hornhautspenden bearbeitet. Foto: DGFG
Foto zeigt Marina Kretzschmar
Marina Kretzschmar ist Gewebespendekoordinatorin der DGFG und seit 2019 am Universitätsklinikum Würzburg tätig. Foto: DGFG
Foto zeigt Gewebespende
Gewebespende und Hornhautransplantation
In der Lions Hornhautbank Würzburg wurden schon über 1500 Hornhautspenden bearbeitet

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das UKW mit der DGFG in der altruistischen Gewebespende zusammen. Zum Großteil handelte es sich dabei um Augenhornhautspenden. Diese können noch bis zu 72 Stunden nach Todeseintritt durchgeführt werden. Seit Juni 2019 ist Marina Kretzschmar als Koordinatorin für die DGFG in der Gewebespende am UKW im Einsatz. Sie prüft anhand der Verstorbenenmeldungen, ob jemand für eine Gewebespende in Frage kommt. Ist das der Fall, kontaktiert sie die Angehörigen. In diesem Jahr führte Marina Kretzschmar schon 220 Aufklärungsgespräche. Kommt es dabei zu einer Zustimmung, führt sie die Gewebeentnahme durch. Viele Menschen stehen der Gewebespende offen gegenüber: Fast jeder Zweite stimmte in diesem Jahr am UKW einer Gewebespende zu. Die Zustimmungsquote liegt derzeit bei 46,4 Prozent. „Ich freue mich, mit der Spende am Ende jemandem helfen zu können, sei es den bedürftigen Patienten oder den Angehörigen in der Bewältigung ihrer Trauer. Viele finden in der Gewebespende Trost“, erzählt Marina Kretzschmar. 

Ärztlicher Direktor lobt Klinikpersonal und DGFG-Koordinatorin für die gute Zusammenarbeit

„Das hohe Aufkommen von Gewebespenden am Uniklinikum Würzburg freut uns in erster Linie für die vielen Menschen, denen wir mit der Weitergabe dieser ‚Geschenke der Mitmenschlichkeit‘ helfen konnten. Dabei sind wir natürlich auch etwas stolz, dass die Abläufe rund um die Spende bei uns so gut funktionieren. Das liegt zu großen Teilen an der hervorragenden Zusammenarbeit unserer Beschäftigten mit der DGFG-Koordinatorin Marina Kretzschmar. Zum einen sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema Gewebespende bestens sensibilisiert. Zum anderen haben wir in Frau Kretzschmar eine Partnerin, die in der Lage ist, mit den Angehörigen von Verstorbenen gleichsam empathische, wie objektiv informierende Gespräche zu führen. Dass wir gerade auch in den Corona-Monaten die Gewebespende-Aktivitäten am UKW hochhalten konnten, ist nicht zuletzt auf unser erfolgreiches Pandemie-Management zurückzuführen. Dieses ermöglichte es uns, in großer Zahl auch nichtinfizierte Patientinnen und Patienten zu versorgen, unter denen sich dann naturgemäß weiterhin Spenderinnen und Spender fanden“, sagt Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des UKW.

Über 1.000 Patienten mit Hornhauttransplantaten aus der Lions Hornhautbank Würzburg versorgt

Anfang 2013 konnten die ersten Augenhornhautspenden in der Lions Hornhautbank des Universitätsklinikums Würzburg aufbereitet werden. Die Hornhautbank ist Mitglied im bundesweiten Netzwerk der DGFG, das inzwischen 13 Gewebebanken, darunter zehn Hornhautbanken umfasst. „Meine Kollegin Ilona Pietrowski und ich haben über die Jahre mehr als 1.500 Hornhautspenden aufbereitet. Mehr als 1.000 Patienten in ganz Deutschland wurden bereits mit einer Hornhaut aus Würzburg versorgt. Darauf können wir stolz sein“, sagt die Medizinisch-technische Assistentin Dorothea Deininger, die bereits 2013 dabei war und die Hornhautbank mitaufgebaut hatte. „Ende Januar werde ich mich verabschieden und in Rente gehen. Doch die Erinnerungen an diese spannende Zeit und die vielen Bekanntschaften bleiben. Das ist schön.“ Die zentrale Vermittlungsstelle der DGFG in Hannover ist auch für die Lions Hornhautbank Würzburg zentrale Ansprechpartnerin: Sie organisiert in enger Abstimmung mit den Koordinatoren, die die Spende realisiert haben, den Versand der Gewebe in die jeweilige Gewebebank im Netzwerk. So kommt es vor, dass in Würzburg nicht nur Spenden aus der eigenen Klinik, sondern auch aus ganz Deutschland aufbereitet werden. „Die Netzwerkstruktur erlaubt es uns, auf die jeweilige Auslastung in den Gewebebanken einzugehen und situationsgerecht Gewebe zur Aufbereitung zu verteilen“, erklärt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. „Unsere Vermittlungsstelle kümmert sich dabei auch um die Vermittlung der Gewebe an die Transplantationszentren und teilt den Gewebebanken mit, wohin die Transplantate verschickt werden sollen.“ Insgesamt konnte die DGFG im letzten Jahr 3.984 Patienten mit einem Hornhauttransplantat versorgen.

Hornhauttransplantate schenken Lebensqualität

Was ein Hornhauttransplantat aus der Gewebespende für Patienten bedeutet, weiß Dr. Daniel Kampik, Oberarzt in der Universitätsaugenklinik und Leiter der Lions Hornhautbank Würzburg. Er behandelt Patienten, die unter trübem, grauem Sehen aufgrund einer beschädigten oder erkrankten Hornhaut leiden. „Die Klarheit der Hornhaut ist Voraussetzung für das gute Sehen. Bei der Hornhaut kommt es aber nicht nur auf die Klarheit, sondern auch auf die Form an. Nur die richtige Form bringt eine korrekte Optik mit sich und damit erst ein klares Bild auf der Netzhaut“, erklärt Dr. Kampik. Zu den häufigsten Hornhauterkrankungen zählen Trübungen der Hornhaut durch sogenannte Hornhautdystrophien, eine Verformung der Hornhaut, ausgelöst durch einen Keratokonus, oder Beschädigungen durch Infektionen. Oft ist die Transplantation einer Hornhaut der einzige Weg, Patienten vor einer Erblindung zu bewahren. „Der Heilungserfolg ist dabei groß. Manchmal sehen Patienten mit dem operierten Auge sogar besser als mit ihrem vermeintlich gesunden Auge. Sie sind dankbar für dieses Geschenk und freuen sich über die zurückgewonnene, völlig neue Lebensqualität“, schildert Dr. Kampik.

Fast jeder Verstorbene kann Gewebe spenden

Voraussetzung einer jeden Hornhauttransplantation ist die Gewebespende, in diesem Fall die Spende der Augenhornhäute nach dem Tod. Die Gewebespende ist ein Akt der Hilfe und der Nächstenliebe: Jeder Mensch kann sich zu Lebzeiten für oder gegen eine Gewebespende entscheiden. Auch die Angehörigen können im Sinne der Verstorbenen einer Gewebespende zustimmen. Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten auch Herzklappen, Blutgefäße, Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle. Neun von zehn Gewebespenden stammen von Menschen, die eines ganz normalen Todes gestorben sind. Auch Krebserkrankungen oder ein hohes Lebensalter sind kein Ausschlussgrund. 

Über das Universitätsklinikum Würzburg

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW, www.ukw.de) ist das einzige Krankenhaus der Supramaximalversorgung in Unterfranken. Sein Einzugsgebiet deckt eine Region mit über einer Million Einwohnern ab. Einige seiner Therapieangebote üben darüber hinaus eine bundesweite, teilweise sogar weltweite Anziehungskraft aus. Auch seine Forschung hat internationales Niveau. Über 7.300 Mitarbeiter*Innen garantieren eine patientenorientierte Medizin und eine Pflege nach anerkannten Qualitätsstandards. Das UKW versorgte im Jahr 2020 mit rund 1.400 Betten fast 69.000 Patienten stationär und 249.000 Fälle ambulant. 

Über die DGFG

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg.

Pressekontakt 

DGFG - Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH
Kristin Kleinhoff, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Feodor-Lynen-Str. 21, 30625 Hannover
kristin.kleinhoff@ gewebenetzwerk.de 
Telefon: 0511 56 35 59 34
Mobil: 0151 414 000 51
www.gewebenetzwerk.de 

 

Gemeinsame Pressemitteilung vom 08.12.2021

 

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Foto zeigt Prof. Jens Maschmann
Prof. Dr. Jens Maschmann ist der Ärztliche Direktor am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: privat
Foto zeigt Dorothea Deininger
Dorothea Deininger, Medizinisch-technische Assistentin (MTA), bearbeitet seit 2013 Augenhornhautspenden in der Lions Hornhautbank Würzburg und war von Anfang an mit dabei. Foto: DGFG
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Dr. med. Daniel Kampik ist Oberarzt in der Universitätsaugenklinik Würzburg und Leiter der Lions Hornhautbank Würzburg. Foto: DGFG
Foto zeigt Ilona Pietrowski
Ilona Pietrowski arbeitet seit 2014 in der Lions Hornhautbank Würzburg und hat mit ihrer Kollegin Dorothea Deininger schon über 1.500 Hornhautspenden bearbeitet. Foto: DGFG
Foto zeigt Marina Kretzschmar
Marina Kretzschmar ist Gewebespendekoordinatorin der DGFG und seit 2019 am Universitätsklinikum Würzburg tätig. Foto: DGFG
Foto zeigt Gewebespende
Gewebespende und Hornhautransplantation
In der Lions Hornhautbank Würzburg wurden schon über 1500 Hornhautspenden bearbeitet

Universitätsmedizin Würzburg: Telefonberatung zu Knochen- und Weichgewebetumoren

Am Montag, den 20. Dezember 2021 stehen zwischen 15.00 und 17.00 Uhr sechs Fachleute des Universitätsklinikums Würzburg und der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg per Telefon-Hotline für Fragen zu Knochen- und Weichgewebetumoren (Sarkomen) bereit.

Knochen- und Weichgewebetumore, auch Sarkome genannt, gehören zu den sehr aggressiven Krebsarten. Jedes Jahr erkranken in Deutschland ca. 6000 Menschen neu an dieser Tumorentität. „Besonders heimtückisch an Sarkomen ist, dass sie in frühen Stadien nur sehr unspezifische Beschwerden, wie zum Beispiel Rücken-, Gelenk- oder Bauchschmerzen, verursachen und damit häufig erst sehr spät im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden“, sagt Dr. Christoph K. W. Deinzer. Der Leiter der interdisziplinären Ambulanz für Knochen- und Weichgewebesarkome des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Die Aggressivität und Seltenheit von Sarkomen – sie machen nur etwa ein Prozent aller Krebserkrankungen aus – erfordert eine sehr gute Zusammenarbeit vieler verschiedener Fachdisziplinen und die Therapieplanung in einer interdisziplinären Tumorkonferenz, die das König-Ludwig-Haus Würzburg gemeinsam mit dem UKW wöchentlich durchführt, um den Sarkompatientinnen und -patienten die besten individuellen Therapiemöglichkeiten  anbieten zu können.“

Sechs Fachleute unter Tel: 0931/201-38625 am 20. Dezember zwischen 15.00 und 17.00 Uhr

Vor diesem Hintergrund bieten das UKW und die Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg am 20. Dezember 2021 eine Telefonberatung an. Zwischen 15.00 und 17.00 Uhr stehen gleich sechs Fachleute unter der Telefon-Hotline 0931/201-38625 zur Verfügung, um Fragen zur chirurgischen und medikamentösen Therapie sowie zur komplementären Onkologie und Ernährungsmedizin zu beantworten. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie alle sonstigen Interessierten.

Für die Gespräche stehen zur Verfügung: 

  • Prof. Dr. Maximilian Rudert, Direktor der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg und Ordinarius für Orthopädie der Uni Würzburg,
  • Dr. Martin Lüdemann, Oberarzt des König-Ludwig-Hauses Würzburg,
  • Prof. Dr. Armin Wiegering, stellvertretender Klinikdirektor der Chirurgischen Klinik I des UKW,
  • Dr. Christoph K. W. Deinzer, Leiter der interdisziplinären Ambulanz für Knochen- und Weichgewebesarkome und Funktionsoberarzt für Hämatologie/Onkologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW,
  • Dr. Claudia Löffler, Leiterin der Sprechstunde für komplementäre Onkologie und Ernährungsmedizin des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken und Oberärztin der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW,
  • Reinhold Rüth, Patientenlotse für Sarkompatientinnen und -patienten am Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken in Würzburg.

 

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