Aktuelle Pressemitteilungen

Hinsehen statt Übersehen: Vernachlässigte Krankheiten bekämpfen. Vergessene Menschen sichtbar machen.

Über 200.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu an Lepra, Millionen Menschen müssen ein Leben lang unter den Folgen Erkrankung leiden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Lepra zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs): Diese haben gemeinsam, dass sie vor allem die Ärmsten in Ländern des Globalen Südens treffen und – obwohl vermeidbar und behandelbar – zu Ausgrenzung, Stigmatisierung, schwersten Behinderungen und (noch größerer) Armut führen können. Um auf das Schicksal von mehr als 1,7 Milliarden Betroffenen aufmerksam zu machen, startet die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe zum Welt-NTD-Tag am 30. Januar und zum Welt-Lepra-Tag am 31. Januar in Anlehnung an eine internationale Kampagne der Organisation „Uniting to Combat NTDs“ eine Aktionswoche unter dem Motto „Hinsehen statt Übersehen. Vernachlässigte Krankheiten bekämpfen. Vergessene Menschen sichtbar machen“. Unterstützt wird sie von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und dem Deutschen Netzwerk gegen NTDs (DNTDs). 

Ungefähr jeder fünfte Mensch ist von einer armutsassoziierten Krankheit betroffen oder bedroht. Dennoch erhalten die „NTDs“ und die Betroffenen kaum Aufmerksamkeit in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit. In der Folge stehen viel zu wenig Mittel für die (dringend notwendige) multisektorale Ursachenbehebung zur Verfügung. „NTDs wie Lepra bekämpfen, heißt Armut bekämpfen“, sagt Burkard Kömm, Geschäftsführer der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. „Dazu müssen die sog. sozialen Determinanten von Gesundheit wie die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen allgemein verbessert werden.“ Zudem gelte es, die Forschung nach Medikamenten und Impfstoffen zu intensivieren und die nationalen Gesundheitsprogramme zu stärken.“

Die aktuelle Corona-Pandemie verschärfe die Situation. „COVID-19 ist das alles beherrschende Thema, doch für Milliarden Menschen weltweit ist das nur eine weitere Infektionskrankheit, die sie das Leben kosten kann“, so Kömm. Um das Bewusstsein für das riesige globale Gesundheitsproblem NTDs zu wecken, kombiniert die DAHW ihre traditionellen Aktivitäten zum Welt-Lepra-Tag in diesem Jahr mit Aktionen im Rahmen einer internationalen Kampagne zum Welt-NTDTag. „Gemeinsam mit vielen anderen Organisationen und Institutionen werden wir vom 24. bis zum 31. Januar 2021 über verschiedene Aspekte von Armutskrankheiten informieren und die vergessenen Menschen sichtbar machen.“ Mehr dazu auf www.dahw.de/hinsehen.

Neue Strategien zur Lepra- und NTD-Bekämpfung

Ein Highlight in der Aktionswoche ist die Präsentation der neuen „Roadmap“ für NTDs 2021-2030 der WHO, die auch eng mit der neuen Strategie zur Lepra-Bekämpfung 2021-2030 verbunden ist. An der virtuellen Konferenz am 28. Januar 2021 nehmen Regierungschefs, Gesundheitsminister*innen und zahlreiche Partnerorganisationen teil, die Programme zur Prävention, Kontrolle, Eliminierung und Ausrottung von armutsbedingten Krankheiten unterstützen – so auch die DAHW. Die „Roadmap“ entstand auf Basis eines mehrmonatigen Konsultationsprozesses, Kontakt: Jenifer Gabel, Tel: 0931 7948-130, mobil: 0172 8437186, jenifer.gabel@dahw.de an dem von NTDs betroffene Länder, Geberstaaten und weitere Akteure auf staatlicher, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene beteiligt waren, darunter auch Vertreter*innen der DAHW und lokale DAHW-Partnerorganisationen in den Einsatzländern. Ziel ist es, die sektorübergreifende, integrierte Zusammenarbeit im Bereich der Planung, Logistik, Finanzierung und Implementation von programmatischen Maßnahmen zu verbessern und damit die Wirkung zu erhöhen. Zugleich sollen die Länder selbst mehr Eigenverantwortung übernehmen und dazu – unter stärkerer Berücksichtigung der lokalen und kulturellen Begebenheiten – Unterstützung beim Kapazitätsaufbau erhalten.

Coronabedingte Rückschritte

Die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus und die Schutzmaßnahmen haben auch auf die Lepra-Arbeit massive Auswirkungen. „Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen erschweren es uns, unseren lokalen Partnerorganisationen und den nationalen Lepra-Kontrollprogrammen aktiv nach Betroffenen zu suchen, um sie frühzeitig zu behandeln und leprabedingte Behinderungen zu vermeiden“, berichtet Burkard Kömm. „Aber auch bereits diagnostizierte Patient*innen mit den benötigten Medikamenten zu versorgen, ist in vielen Projektländern problematisch.“ Seit einigen Wochen komme es inzwischen zu Engpässen bei der Lieferung der Antibiotika-Kombination zur Lepra-Therapie. In der DAHW befürchtet man daher, dass es in den nächsten Jahren wieder vermehrt zu Fällen kommen wird, die man erst entdeckt, wenn die durch Lepra verursachten Nervenschädigungen zu chronischen Beschwerden und Beeinträchtigungen geführt haben.

Lichtblicke in der Krise

Auch im Bereich der Forschung hat Corona den Lepra-Expert*innen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Eigentlich hätte die bald 17-jährige Suche nach einem Impfstoff bereits 2020 in die nächste wichtige Phase eintreten sollen. Der Start der Phase 1b der klinischen Studie – die Testung des Impfstoffkandidaten „LepVax“ in einem endemischen Gebiet – wurde daher auf das Frühjahr 2021 verschoben. Wenn sich die bisherigen Testergebnisse allerdings im weiteren Verlauf der zukünftigen Studien bestätigen, ist mit einer Zulassung des Impfstoffes 2025 rechnen.

Darüber hinaus sind es neue interdisziplinäre und ganzheitliche Konzepte, die Grund zur Hoffnung geben. „Gesundheit ist ein Querschnittsthema, das macht die Coronapandemie deutlich“, konstatiert Kömm. „Daher werden wir neben unserer medizinischen Arbeit weiterhin verstärkt Maßnahmen zur Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH) umsetzen.“ Aber auch der transversale Sektor „Empowerment“ (die Ermächtigung der Menschen auf individueller, gemeinschaftlicher und nationaler Ebene) sowie der „One Health“-Ansatz (die Kooperation von Umweltwissenschaften, Human- und Tiermedizin) werden in den DAHW-Projekten eine zunehmend zentrale Rolle einnehmen. 

 

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Das Deutsche Zentrum für sektorübergreifende Bekämpfung Vernachlässigter Tropenkrankheiten (DZVT): Gemeinsam Armutskrankheiten stoppen!

2019 wurde im Beisein des Bundesentwicklungsministers Dr. Gerd Müller in der Würzburger Residenz der Grundstein für das neue „Deutsche Zentrum für die sektorübergreifende Bekämpfung Vernachlässigter Tropenkrankheiten“ (DZVT) gelegt.
In diesem neuen Zentrum werden erstmals Organisationen aus Wissenschaft, Kirche, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen arbeiten, um im Kampf gegen Vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs) eine neue interdisziplinäre Forschungsrichtung zu erproben: die Implementationsforschung.
Ziel ist es, die Ursachen für NTDs  in den Einsatzländern der Hifsorganisationen mit wissenschaftlichen Methoden zu analysieren und gemeinsam mit den Menschen und Gemeinden vor Ort und Lösungen zu entwickeln, die das vielschichtige Gesundheitsproblem der armutsassoziierten NTDs nachhaltig und langfristig lösen.
Zwar wurden wirtschaftliche, soziopolitische und ökologische Aspekte von NTDs bereits sporadisch erforscht, jedoch nicht im sektorübergreifenden Zusammenhang und nicht über einen längeren Zeitraum hinweg.
Das DZVT wird neben der erfahrenen medizinischen Expertise auch akademische Disziplinen wie Ingenieurswesen, Soziologie, Biologie und Tiergesundheit zusammen bringen, aber auch den Bereich Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH) und die Öffentlich-Private Partnerschaft im Gesundheitssektor (Public-Private Partnerships, PPP).

Gründungsmitglieder des DZVT:

  • Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung BORDA e.V.
  • DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V.
  • Deutsche Gesellschaft für Parasitologie
  • Gemeinschaft Sant’Egidio
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg
  • Missionsärztliches Institut Würzburg
  • Tierärzte ohne Grenzen

  

Corona-Spezial: Würzburger Experten informieren zu Impfstoffen und zur Impfkampagne

Am Dienstag, den 23. Februar 2021, widmen sich drei Fachleute der Würzburger Universitätsmedizin in einer öffentlichen Online-Veranstaltung wissenswerten Aspekten rund um die Covid-19-Impfkampagne sowie die dabei eingesetzten Impfstoffe.

Der Informationsbedarf der Bevölkerung zur Corona-Schutzimpfung ist ungebrochen hoch. So war die letzte Ausgabe des Corona-Spezials – einer Veranstaltungsserie des Uniklinikums Würzburg (UKW) in Kooperation mit der Mediengruppe Main-Post – zu diesem Themenkreis innerhalb weniger Tage ausgebucht. Deshalb schieben die Organisatoren am Dienstag, den 23. Februar 2021, eine Folgeveranstaltung nach. Die dabei behandelten Kernfragen sind unter anderem: Welche Impfstoffe gibt es und welche werden noch kommen? Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Präparate? Was passiert nach der Impfkampagne? Impfpflicht – ja oder nein? Wo steht Deutschland bei der Impfung im internationalen Vergleich? Und wie lange brauchen wir eigentlich noch Masken und Beschränkungen?

Unabhängige, wissenschaftlich fundierte Fakten sowie persönliche Einschätzungen dazu liefern zwei Experten der Würzburger Universität: Prof. Dr. Lars Dölken vom Institut für Virologie und Immunbiologie sowie Prof. Dr. Oliver Kurzai vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie. Außerdem bringt Dr. Güzin Surat, Infektiologin und Leiterin der Arbeitsgruppe Antimicrobial Stewardship am UKW, ihre Fachkenntnisse ein. Das Trio wird bei der kostenlosen Online-Veranstaltung nicht nur referieren, sondern auch über die Chat-Funktion gestellte, individuelle Fragen der Teilnehmer*innen beantworten.

Das Corona-Spezial unter dem Titel „Vom Beginn der Impfkampagne zum Ende der Pandemie – was passiert in 2021?“ startet um 18:00 Uhr und nutzt die Plattform „Skype for Business“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6009 oder unter http://akademie.mainpost.de.

 

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Mit Oberflächen-Elektrostimulation gegen Zittern

Eine aktuelle Studie aus London/Großbritannien zeigt, dass eine nicht-invasive Stimulation mit Oberflächenelektroden bei Patienten mit Essentiellem Tremor die Intensität des Händezitterns reduzieren kann. Dr. Dr. Sebastian Schreglmann und Dr. Robert Peach, Hauptautoren der Studie, arbeiten seit dem Jahr 2020 an der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg.

Patienten mit Essentiellem Tremor leiden an einem rhythmischen Zittern, vornehmlich der Hände. Dass sich dieses durch Tiefe Hirnstimulation mittels eines implantierten Hirnschrittmachers wirksam behandeln lässt, ist bekannt. Aber können die feinen Elektroimpulse auch über Klebeelektroden auf der Kopfhaut einen ähnlich positiven Effekt erzielen? Eine Studie, deren Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, liefert hierfür vielversprechende Hinweise. Der Erstautor der Arbeit, die am University College London und am Imperial College London erstellt wurde, ist Dr. Dr. Sebastian Schreglmann. Er arbeitet mittlerweile – seit August 2020 – als Facharzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW).

Anpassung der Phasen essentiell

Der Neurologe und Neurowissenschaftler erläutert: „Das Händezittern bei Essentiellem Tremor hat eine patientenindividuelle Frequenz und Amplitude. Mittels eines Beschleunigungssensors, eines sogenannten Accelerometers, messen wir diese Bewegungen am Mittelfinger des Probanden.“ In Abhängigkeit von diesen Messungen wurde das Gehirn dann mit minimalem Wechselstrom stimuliert. Dazu dienten Klebeelektroden, die auf der Kopfhaut über dem Kleinhirn und an der Stirn platziert wurden. Es zeigte sich, dass bei der Mehrzahl der Patienten das Zittern während der randomisiert wiederholten, 30 Sekunden dauernden Stimulation zurückging oder gänzlich aufhörte. „Entscheidend für den Effekt ist die Phase der Stimulation. Wir konnten sehen, dass es – angepasst an die Schwingungsphase des Zitterns – pro Patient eine ideale Phase für die wirksamste Stimulation gibt“, berichtet Schreglmann.

Wegweisenden Algorithmus und Analyseverfahren entwickelt

Für die Steuerung der Stimulation in Echtzeit entwickelte Dr. Nir Grossman, Senior-Autor der Arbeit, eine neue mathematische Methode, um die kontinuierliche Anpassung an das variable Zittern zu ermöglichen. Der schlussendlich gefundene Algorithmus ist so elegant, dass für seine Anwendung nur eine vergleichsweise geringe Rechenleistung nötig ist. „Für die Vision eines nicht-invasiven Hirnschrittmachers ist dies ein wesentlicher Punkt – dadurch könnte ein kleiner, zum Beispiel am Gürtel zu tragender Controller zur Steuerung ausreichen“, schildert Schreglmann. Nach seinen Worten ist eine Anwendung dieses Algorithmus auch bei anderen Erkrankungen, die auf fehlgeleitete rhythmische Aktivität im Gehirn basieren, prinzipiell vorstellbar.

Dr. Robert Peach, der Mathematiker, der die komplexe statistische Signal-Auswertung mittels maschinellem Lernen entwickelte, ergänzt: „Durch die signalanalytischen Neuerungen konnten wir nicht nur anhand des gemessenen Zitterns vorhersagen, für wen eine solche Stimulation in Frage kommt, denn nicht alle Patienten sprachen auf die Behandlung an. Vielmehr konnten wir auch den zugrundeliegenden Mechanismus einer erfolgreichen Stimulation ergründen.“ Dr. Peach ist seit Oktober 2020 ebenfalls Mitarbeiter der von Prof. Dr. Jens Volkmann geleiteten Neurologischen Klinik des UKW.

Fortsetzung in Würzburg geplant

Insgesamt lieferte die Studie nach Einschätzung der beiden Neurowissenschaftler aussichtsreiche Pilotdaten, auf denen man weiterführende klinische Studien aufbauen könne. „Gemeinsam mit Prof. Volkmann und seinem Team würden wir gerne in Würzburg an diese Arbeit anknüpfen. Es gibt schon recht konkrete Pläne, die nächsten Studien hier aufzulegen mit der Hoffnung, die Methode zu einer relevanten Therapie weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Dr. Schreglmann.

Literatur:

Schreglmann, S.R., Wang, D., Peach, R.L. et al. Non-invasive suppression of essential tremor via phase-locked disruption of its temporal coherence. Nat Commun 12, 363 (2021). doi.org/10.1038/s41467-020-20581-7

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Uniklinikum Würzburg: Klinikseelsorger Martin Renger im Ruhestand

Martin Renger war seit dem Jahr 2010 als evangelischer Klinikpfarrer am Uniklinikum Würzburg tätig. Ab 2014 leitete er dort zudem die Ausbildung angehender Klinikseelsorger*innen. Zum Jahresende 2020 trat der engagierte Geistliche in den Ruhestand.

Ende Dezember verabschiedete das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg (UKW) den evangelischen Klinikpfarrer Martin Renger bei einem Gottesdienst in der Klinikkapelle in den Ruhestand. Seine Verbindung zur Klinischen Seelsorgeausbildung – und in diesem Zusammenhang auch zum UKW – reicht zurück bis in die Zeit kurz nach seinem Vikariat in den 1990er Jahren. „Was mir von Anfang an bei der Klinikseelsorgearbeit gefallen hat, war die Arbeit als Pfarrer in einem nichtkirchlichen Milieu“, berichtet der Geistliche und fährt fort: „Als Klinikseelsorger ist man ein Grenzgänger zwischen den Welten. Man ist kein Teil des medizinischen oder therapeutischen Personals, gehört aber – wenn es gut läuft – trotzdem dazu.“

Ab 2010 erster Klinikpfarrer

Im Jahr 2010 wurde ihm die Stelle als erster Klinikpfarrer am UKW übertragen. Zu den Aufgaben in dieser Position gehörten – neben der täglichen Seelsorgearbeit auf den Stationen – die Geschäftsführung der evangelischen Seelsorge und die Mitarbeit in der Leitung des ökumenischen Seelsorgeteams. Außerdem leitete er die Regionalkonferenz Klinikseelsorge im evangelischen Dekanat Würzburg und vertrat die Klinikseelsorge in dessen Leitungsgremien. „Als einen Schwerpunkt setzte ich mir, die gute Vernetzung der Seelsorge innerhalb des UKW weiter zu pflegen und – wo möglich und nötig – auch zu vertiefen“, schildert Renger. Außerdem galt es, die internen Strukturen des Seelsorgeteams gemeinsam weiterzuentwickeln. „Die an die Seelsorge herangetragenen Aufgaben, wie zum Beispiel die Mitwirkung in der Aus- und Weiterbildung von Pflegekräften oder die Beteiligung am Klinischen Ethik-Komitee, nahmen und nehmen auch heute noch zu. Deshalb war und ist es so wichtig, die Aufgabenverteilung im Team gut zu koordinieren“, erläutert der nun ehemalige Klinikpfarrer.

Zweiter Klinikpfarrer und Leiter der KSA

Im Jahr 2014 wechselte er auf die zweite evangelische Pfarrstelle der Seelsorge am UKW. „Der Grund war, dass zu dieser Stelle ein 50 Prozent-Auftrag zur Klinischen Seelsorgeausbildung – kurz KSA – sowie zur Supervision für die Kirchenkreise Ansbach-Würzburg und Augsburg gehört“, erklärt Renger. Als Leiter der KSA Würzburg war es ihm nach eigenen Worten ein zentrales Anliegen, diese Weiterbildung möglichst gut in die Arbeit des Seelsorgeteams vor Ort zu integrieren. „Die Rückmeldungen der KSA-Kursteilnehmerinnen und -Kursteilnehmer, die aus dem ganzen deutschsprachigen Raum ans UKW kamen, zeigten mir, dass sie diese enge Zusammenarbeit sowie die intensive Vernetzung der Seelsorge am UKW sehr schätzten und für ihr Seelsorgelernen daraus großen Nutzen ziehen konnten“, zeigt sich Martin Renger rückblickend zufrieden.
Weitere inhaltliche Schwerpunkte der KSA-Stelle lagen für ihn im Angebot der Supervision für Seelsorger*innen aus der Region sowie in der Aus- und Weiterbildung für ehrenamtliche Seelsorger*innen. „Große Freude machte mir die Begleitung und Supervision von Vikarinnen und Vikaren im Seelsorge-Praktikum und vor allem im ‚Spezialvikariat Seelsorge‘. Ähnlich wie ich selbst es als junger Pfarrer im Klinischen Seelsorgejahr erleben durfte, arbeiteten diese Kolleginnen und Kollegen ein ganzes Jahr als hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger im Team mit“, sagt Renger.

Mit Lebens- und Glaubenserfahrung beschenkt

Beim Blick zurück ist der Klinikpfarrer a. D. vor allem für die vielen Begegnungen mit den Menschen am UKW dankbar: „Ich wurde beschenkt mit besonderer und reicher Lebens- und Glaubenserfahrung. Das gilt speziell für die Kontakte mit den Patientinnen und Patienten – gerade auch mit solchen, die erst einmal sagten, dass sie ‚mit Kirche nichts am Hut‘ hätten, dann aber ein langes Seelsorgegespräch mit mir führten.“

Auch im Ruhestand plant Martin Renger, sich weiterhin in der Seelsorgeausbildung und in der Supervision zu engagieren. Er kündigt an: „Ich werde noch weiter KSA-Kurse leiten. Außerdem bleibe ich in der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie, im Arbeitskreis KSA-Bayern und der KSA-Weiterbildungskommission aktiv, wo ich vor allem auch meine Kompetenzen als Gestalttherapeut einbringen möchte.“

 

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Neuer Therapieansatz gegen COVID-19

Im Januar 2021 startet ein überregionales Forschungsprojekt, das eine zielgerichtete Therapie gegen SARS-CoV-2 entwickeln will. Mit dabei sind Wissenschaftler der Universität Würzburg.

Ein schnellstmögliches Ende der Corona-Pandemie: Das wünschen sich vermutlich alle Menschen weltweit. Deshalb ist es neben präventiven Maßnahmen, wie Impfkampagnen und Kontaktreduzierungen, ebenso wichtig, möglichst schnell wirksame Therapien und Medikamente gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln. Denn bis heute gibt es nur wenige vielversprechende Therapieansätze.

2,3 Millionen Euro vom Bund

Forschende des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (Leibniz-HKI), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie des Heinrich-Pette-Instituts, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg vereinen deshalb jetzt ihre Expertisen in den Bereichen Wirkstoffentwicklung, Infektionsmedizin und Virologie, um gemeinsam einen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Konsortiums InfectControl mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert. 

Ziel des Projekts ist, einen neuartigen Therapieansatz für SARS-CoV-2-Infektionen zu entwickeln, mit dem das Virus zielgerichtet vom Immunsystem eliminiert werden kann. Die neuen Erkenntnisse sollen außerdem dazu beitragen, bei möglichen zukünftigen Infektionsausbrüchen mit anderen Erregern rasch neue Therapeutika entwickeln zu können.

Unterstützung des Immunsystems

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen das menschliche Immunsystem in die Lage versetzen, die Viruspartikel eigenständig zu erkennen und zielgerichtet zu beseitigen. Dabei machen sie sich die hochspezifische Wechselwirkung zwischen Virus und menschlicher Zelle zu Nutze: Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip interagiert ein Oberflächenprotein – das sogenannte Spike-Protein – des SARS-Coronavirus-2 mit Rezeptoren menschlicher Zellen. Aufgrund der geringen Größe von Viren und deren Aufnahme ins Zellinnere können menschliche Immunzellen das Virus nicht direkt aufnehmen und zerstören.
Axel Brakhage ist Sprecher von InfectControl und Direktor des Leibniz-HKI. „Wir entwickeln maßgeschneiderte Aggregate, die dem Rezeptor der menschlichen Zelle nachempfunden sind. Unsere Hoffnung ist, dass die Viren schließlich an den künstlichen Rezeptor binden und nicht an die menschliche Zelle. So könnten die Zellen des Immunsystems die Viren erkennen und eigenständig eliminieren“, so der Molekularbiologe, der auch einen Lehrstuhl an der Universität Jena innehat.  

Der Chemiker Florian Kloß ergänzt: „Wir werden die potenziellen neuen Wirkstoffe durch Laboruntersuchungen auf Funktionalität und Verträglichkeit analysieren und Möglichkeiten für die therapeutische Nutzung prüfen.“ Er leitet die Transfergruppe Antiinfektiva am Leibniz-HKI und widmet sich mit seinem Team der präklinischen und frühen klinischen Entwicklung aussichtsreicher Wirkstoffe. 

„Die Basis der maßgeschneiderten Aggregate sind synthetische Makromoleküle, die mit den Rezeptor-Einheiten dekoriert werden. Diese Makromoleküle werden nachfolgend zu Nanopartikeln formuliert. Mit den Rezeptor-Einheiten auf der Oberfläche sind die Partikel bereit, die Viren an sich zu binden“, erklärt Ulrich S. Schubert, Chemiker und Materialwissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er leitet als Sprecher den Sonderforschungsbereich „PolyTarget“ der DFG, der sich mit neuen Pharmapolymeren und innovativen Nanopartikeln für die personalisierte Nanomedizin beschäftigt.

Prüfung auf Wirksamkeit in Würzburg

Die Würzburger Virologin Simone Backes und der Immunologe Georg Gasteiger, Leiter der Max Planck Forschungsgruppe für Systemimmunologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, werden dann untersuchen, ob die am Leibniz-HKI entwickelten Wirkstoffe eine Coronavirus-Infektion verhindern können: Sie wollen herausfinden, ob die künstlichen Aggregate die Coronaviren tatsächlich blocken und so markieren, dass sie für einen Angriff durch das menschliche Immunsystem „sichtbar“ werden.

„Ohne Impfung ist das menschliche Immunsystem nur bedingt in der Lage, sich gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu wehren“, sagt Georg Gasteiger. So wird es erst dann alarmiert, wenn das Virus bereits Zellen befallen hat, und auch dann ist die Immunantwort unspezifisch. Das wird sich ändern, wenn das Projekt erfolgreich ist: Dann könnten Immunzellen das Virus erkennen, noch bevor es in Zellen eingedrungen ist, um es mit einer gezielten Reaktion zu bekämpfen.

Backes und Gasteiger arbeiten dabei mit sogenannten „Pseudo-Viren“. Diese imitieren die Hülle des Coronavirus, ohne aber dessen schädliche Eigenschaften zu besitzen. Sitzt das maßgeschneiderte Aggregate der Kollegen aus Leipzig auf dieser Hülle, kann das Würzburger Team untersuchen, ob die Immunzellen wie erhofft darauf reagieren. Im Erfolgsfall stünde damit der Wissenschaft eine Art Baukasten für neue Medikamente gegen Vireninfektionen zur Verfügung. „Wenn in ein paar Jahren eine neue Pandemie ausbricht, verursacht durch ein neues Virus, könnte man mit dieser Technik vielleicht sehr schnell neue Wirkstoffe entwickeln“, sagt Gasteiger.

„Im Vorhaben werden wir zusätzlich die antiviralen Eigenschaften der neuen Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 in einem humanen Lungenmodell evaluieren“, fügt Gülsah Gabriel hinzu. Sie leitet die Abteilung „Virale Zoonosen-One Health“ am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Team erforscht sie die molekularen Mechanismen der Virusübertragung zwischen verschiedenen Arten sowie die Pathogenese von zoonotischen Viren. 

InfectControl – gemeinsam stark gegen Infektionen

Das Forschungsnetzwerk InfectControl vereint Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die gemeinsam neue Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten entwickeln. Die Forschungsprojekte des im BMBF-Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation geförderten Konsortiums überschreiten die Grenzen von klassischen Fachdisziplinen und betrachten Infektionen konsequent nach dem One Health-Ansatz. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt von InfectControl ist die medizinische Forschung und Versorgung. Forschende des Netzwerks suchen nach neuen Wirkstoffen und widmen sich dem verbesserten Transfer von Grundlagenforschung in die Industrie.

Kontakt
Prof. Dr. Georg Gasteiger, Lehrstuhl für Systemimmunologie II, T: +49 931 31-89599, georg.gasteiger@uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 15. Januar 2021

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Corona und die Angst

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie langfristig auf die psychische Gesundheit? Diese Frage steht im Zentrum eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Würzburg.

Keine Frage: Wenn eine potenziell tödliche und überdies hochansteckende Krankheit sich weltweit ausbreitet, stellt dies die Gesellschaft im Ganzen, aber auch jeden Einzelnen ganz persönlich vor enorme Herausforderungen. Das Pendeln zwischen Lockdown, Lockerung, Lockdown light und erneutem Lockdown, die Aufforderung, persönliche Kontakte zu reduzieren, die Angst um den Arbeitsplatz, die Sorge um Angehörige und natürlich auch die Furcht davor, selbst zu erkranken: All diese Punkte bestimmen seit nunmehr bald einem Jahr den Alltag sehr vieler Menschen – und stellen eine enorme Belastung dar.

Dass sich Corona und seine Begleiterscheinungen negativ auf das psychische Wohlbefinden auswirken, scheint auf der Hand zu liegen. Ob dies tatsächlich so ist und welche Auswirkungen die Corona-Pandemie langfristig auf die psychische Gesundheit und Psychopathologie der Bevölkerung Deutschlands hat: Das untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in einem neuen Forschungsprojekt.

Verantwortlich dafür sind Professor Paul Pauli, Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie I, Matthias Gamer, Professor für Experimentelle Klinische Psychologie, sowie Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der JMU. Die VolkswagenStiftung finanziert das Projekt mit rund 120.000 Euro.

Die Folgen der Kontaktbeschränkungen

„Wir wollen herausfinden, wie Menschen mit coronabedingten Belastungen, wie etwa den Kontaktbeschränkungen, umgehen und wie sie sich den Folgen der Krise anpassen – und zwar in Abhängigkeit von ihren psychologischen Persönlichkeitsmerkmalen“, beschreibt Pauli das zentrale Ziel der Studie. Kontaktbeschränkungen seien zwar wichtig, um die Pandemie zu verlangsamen, so Pauli. Gleichzeitig erhöhen sie aber das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen.

Deshalb soll sich die Studie auf Merkmale konzentrieren, die für die Entwicklung von Ängsten und Depressionen von Bedeutung sind. Sollte sich herausstellen, dass Menschen mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur in Pandemiezeiten verstärkt dazu neigen, eine Angststörung oder eine Depression zu entwickeln, könnte die Wissenschaft für sie Präventionsangebote und eine gezielte Behandlung entwickeln – beispielsweise in Form von virtuellen Kontakten an Tablet oder PC.

Aber natürlich interessieren sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch für den entgegengesetzten Fall, sprich: für Persönlichkeitsmerkmale von Menschen, die sich als besonders resilient – also widerstandsfähig – gegen die Belastungen der Corona-Pandemie erweisen.

Ein Messinstrument für die Einsamkeit

Um speziell die negativen psychologischen Effekte von Kontaktbeschränkungen zu untersuchen, wurde am Zentrum für Psychische Gesundheit der JMU ein Messinstrument entwickelt: die sogenannte Würzburg Social Distancing Scale. „Mit dieser Skala können wir erfassen, wie stark Menschen unter einer sozialen Distanzierung und dem daraus resultierenden Gefühl von Einsamkeit leiden“, erklärt Hein. Zusätzlich liefere die Skala Informationen über Persönlichkeits- und Umweltfaktoren, die mit dem allgemeinen Bedürfnis einer Person nach sozialem Kontakt und Rückzug zusammenhängen.

Wie sehen die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die geistige Gesundheit und das psychische Wohlbefinden der Betroffenen aus? Diese Frage soll die Studie am Ende beantworten. Dafür wirft sie einen genauen Blick auf die jeweilige Persönlichkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und untersucht, mit welchen Veränderungen sie auf die von der Politik beschlossenen Gegenmaßnahmen – insbesondere die Kontaktbeschränkungen – zum Höhepunkt der Pandemie reagierten. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, besser gewappnet zu sein, wenn es in Zukunft zu vergleichbaren Ereignissen kommt. Schließlich sei zu befürchten, dass die derzeitige Corona-Pandemie nicht die letzte sein wird, mit der sich die Menschheit konfrontiert sieht.

Studie mit mehreren tausend Teilnehmenden

Wer Aussagen darüber treffen will, ob und wie sich Corona und seine Begleiterscheinungen auf die Betroffenen auswirken, muss diese vor, während und nach dem Abflauen der Pandemie untersuchen. Nur dann ist es möglich, Aussagen über die Folgen der jeweils getroffenen Maßnahmen auf die psychische und körperliche Gesundheit treffen und Rückschlüsse auf die langfristigen Auswirkungen ziehen zu können.

„Glücklicherweise erfüllt unser Projekt diese Anforderungen, da wir Zugang zu zwei gut beschriebenen und gut aufeinander abgestimmten großen Stichproben haben“, sagt Grit Hein. Sie und ihre Kollegen können auf die Daten zweier Untersuchungen zurückgreifen – eine mit rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die vor der aktuellen Corona-Pandemie durchgeführt wurde, und eine zweite mit mehr als 4.000 Teilnehmenden vom April 2020 – einem ersten Höhepunkt der Krise in Deutschland. „Beide Stichproben stehen uns für Folgeuntersuchungen nach dem Abflauen der Corona-Pandemie, was hoffentlich in der zweiten Hälfte 2021 passieren wird, zur Verfügung“, so die Professorin.

Belastbare Aussagen dank statistischer Zwillinge

Studientechnisch wäre es natürlich ideal gewesen, wenn für die Untersuchung die immer gleiche Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu den drei Zeitpunkten hätte herangezogen werden können. Das war allerdings nicht möglich, da der Corona-Ausbruch zu schnell und unerwartet kam. Ein Handicap ist das nicht: „Unser Projekt kommt dieser optimalen Forschungsstrategie sehr nahe, da es auf zwei Stichproben beruht, die die notwendigen Beurteilungspunkte abdecken“, sagt Matthias Gamer. Wichtig sei, dass beide Stichproben hinsichtlich grundlegender Merkmale übereinstimmen – was in diesem Fall gegeben ist.

Um damit zu belastbaren Aussagen zu kommen, werden Pauli, Hein und Gamer die zwei Stichproben mit identischen Erhebungsinstrumenten neu untersuchen und darauf basierend über die zwei Gruppen hinweg sogenannte „statistische Zwillinge“ identifizieren. Dabei handelt es sich um Personen, die in ihren demographischen Daten, wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Familienstand, übereinstimmen und die einen ähnlichen psychologischen Status nach dem Corona-Abschwung aufweisen.

„Diese übereinstimmenden Teilstichproben werden uns Aussagen darüber ermöglichen, wie bestimmte Merkmale vor dem Corona-Ausbruch in Kombination mit der Belastung durch die Pandemie und die verordneten Maßnahmen zum psychologischen Wohlbefinden in der Nachbeurteilung beitragen“, so Matthias Gamer. Darüber hinaus erlaube das Studiendesign, diese Veränderungen auf stabile psychologische Merkmale, persönliche Erfahrungen während der Krise, wie beispielsweise Covid-19-Erkrankungen in Familie und Freundeskreis, und auf politische Maßnahmen, wie etwa harte Kontaktbeschränkungen, zurückzuführen. Mit ersten Ergebnissen ist Anfang 2022 zu rechnen.

Kontakt

Prof. Dr. Paul Pauli, Lehrstuhl für Psychologie I - Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, T: +49 931 31-82843, pauli@ psychologie.uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg

Ehrenmedaille der Stadt Würzburg für Prof. Dr. Georg Ertl

Beim diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt Würzburg erhielt Prof. Dr. Georg Ertl – bis vor Kurzem der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Würzburg – die Ehrenmedaille des Oberbürgermeisters.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs am 10. Januar 2021 ehrte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt Prof. Dr. Georg Ertl mit der „Ehrenmedaille des Oberbürgermeisters“. In seiner Laudatio sagte Schuchardt: „Sie haben sich um das nationale und internationale Renommee Würzburgs als Stadt des Wissens und der Bildung, um die Stärkung unseres Wissenschaftsstandorts und der Gesundheitsregion Mainfranken sowie um die Gesundheitsversorgung der Menschen in unserer Region herausragende Verdienste erworben.“ Im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie habe das UKW unter Ertls Führung eine regionale Vorreiterrolle übernommen.

Georg Ertl war im Jahr 1981 als Wissenschaftlicher Assistent an die Medizinische Klinik der Würzburger Julius-Maximilians-Universität gekommen. Er leitete von 1999 bis 2017 als Direktor die Medizinische Klinik I und einen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät. Dieser Fakultät stand er darüber hinaus von 2004 bis 2006 als Dekan vor. Von 2016 bis Ende 2020 war er als Ärztlicher Direktor Teil des Vorstandes des Uniklinikums Würzburg (UKW) und damit für dessen strategische Ausrichtung maßgeblich mitverantwortlich. In dieser Funktion führte er laut dem Oberbürgermeister das UKW im letzten Jahr höchst erfolgreich durch die Corona-Krise.

Als Wissenschaftler gehört Prof. Ertl zu den weltweit führenden Experten für Herzinsuffizienz und für moderne Bildgebungsverfahren des Herzens. Auf seine Initiative wurde im Jahr 2011 das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz auch zu einer zentralen Einrichtung der Gesundheitsversorgung für die Region. Er genießt hohes Ansehen in der Fachwelt, belegt – neben vielen Preisen – insbesondere durch die Berufung in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina.

 

Pressemitteilung der Stadt Würzburg