Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Neue Chancen für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs

Durch die enge Zusammenarbeit von internistischen Onkologen und erfahrenen Chirurgen kann mit einem neuen Behandlungskonzept auch Patienten mit lokal fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) eine Heilungschance eröffnet werden. Das ist eine der zentralen Botschaften einer am Uniklinikum Würzburg initiierten und geleiteten, multizentrischen Studie, die kürzlich in einer hochrangigen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde.

Das Pankreaskarzinom ist höchst aggressiv und gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose. Als einzige Therapieoption mit Heilungsaussichten gilt bislang die komplette chirurgische Entfernung des Tumors. Da die Krankheit in frühen Stadien kaum Symptome verursacht, ist das Karzinom bei der Erstdiagnose dafür allerdings häufig schon zu weit fortgeschritten. „Es kann daher sinnvoll sein, zunächst eine möglichst effektive medikamentöse Vorbehandlung in Form einer Chemotherapie anzuwenden, die den Tumor verkleinert, um ihn dann zu einem späteren Zeitpunkt doch noch chirurgisch entfernen zu können“, berichtet Prof. Dr. Volker Kunzmann. Der Leiter des Schwerpunkts Medizinische Onkologie an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Bislang war aber noch nicht klar, welche der zur Verfügung stehenden Chemotherapeutika – beziehungsweise welche Kombination aus diesen – die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Operation schafft.“

Um hier weiteres Wissen zu gewinnen, initiierte Prof. Kunzmann vor einigen Jahren die NEOLAP-Studie. An dieser Phase II-Studie der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO), die von November 2014 bis April 2018 dauerte, waren insgesamt 28 Krebszentren in Deutschland beteiligt. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2020 in der Fachzeitschrift „The Lancet Gastroenterology & Hepatology“ veröffentlicht.

Zweiarmige Studie mit unterschiedlichen Chemotherapie-Schemata

Im Rahmen der von Prof. Kunzmann geleiteten Studie erhielten 165 Patienten mit unbehandeltem, nicht-operablen Pankreaskarzinom zunächst zwei Monate eine Chemotherapie-Kombination bestehend aus Gemcitabin und nab-Paclitaxel. Blieben Progress oder Unverträglichkeit aus, spaltete sich die weitere Behandlung randomisiert in zwei unterschiedliche Arme auf: Eine Patientengruppe erhielt zwei weitere Monate lang Gemcitabin und nab-Paclitaxel, die andere zwei Monate Folfirinox. Folfirinox ist ein intensives Chemotherapie-Schema, das drei Wirkstoffe kombiniert: 5-Fluorouracil, Irinotecan und Oxaliplatin.

Anschließend wurden alle Patienten einer explorativen Laparatomie zugeführt – also einem chirurgischen Eröffnen der Bauchhöhle – mit dem Ziel, den Tumor komplett zu entfernen. „Die Operation von Pankreaskarzinomen gehört aufgrund der Lage des Organs und seiner Beziehung zu lebensnotwendigen Gefäßen zu den schwierigsten chirurgischen Eingriffen“, beschreibt Prof. Dr. Christoph Germer, Direktor der Chirurgischen Klinik I des UKW und Co-Autor der Studie.

Explorative Laparatomie statt nur Bildbefunde


Ob ein solcher Tumor entfernbar ist oder nicht, entschieden die Chirurgen bislang anhand von bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie. Die NEOLAP-Studie verfolgte ein hiervon abweichendes, neues Konzept: Es wurden erstmals systematisch auch Patienten operiert, die unter Umständen nur minimal auf die Chemotherapie angesprochen hatten und bei denen die Bildbefunde nach wie vor nicht für eine chirurgische Entfernung des Tumors sprachen. „Während der Operation zeigte sich, dass bei vielen dieser vorbehandelten Patienten der jeweilige Tumor soweit geschrumpft oder in Narbengewebe umgewandelt war, dass er sicher von den lebensnotwendigen Gefäßen gelöst und komplett entfernt werden konnte“, berichtet Prof. Germer.

Kurativer Behandlungsansatz für rund ein Drittel der Patienten


Im Arm der mit Gemcitabin und nab-Paclitaxel vorbehandelten Patienten war bei 36 Prozent der Patienten eine solche vollständige Resektion des Tumors möglich, im sequentiellen Folfirinox-Arm bei 44 Prozent. Bei den anderen Patienten wurde der Eingriff als inoperabel frühzeitig beendet. „Zusammenfassend bedeutet das, dass wir rund einem Drittel der Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom eine kurative Behandlungsoption anbieten konnten, die ansonsten nur noch palliativ therapiert worden wären – ein bedeutender Fortschritt“, unterstreicht der Studien-Erstautor Kunzmann.
Die Chemotherapie-Schemata der beiden Armen zeigten bei der Wirksamkeit für die Vorbereitung der Operation keine signifikanten Unterschiede. „Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können sich also in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit für den Patienten für einen der vorgeschlagenen Vorbehandlungswege entscheiden“, schildert Prof. Kunzmann.

Schon jetzt Teil der Leitlinien

Welche Bedeutung die Studie für das Management von Pankreaskarzinom-Patienten in Deutschland und darüber hinaus hat, kann man unter anderem daran ablesen, dass das dahinterstehende Behandlungskonzept bereits in die neuen Leitlinien zur Behandlung dieser Erkrankung aufgenommen wurde. Und Prof. Kunzmann sieht noch einen weiteren vorteilhaften Aspekt: „Die im Rahmen dieser klinischen Studie gesammelten Blut- und Tumorproben stellen einen Ausgangspunkt für weitere, derzeit noch laufende Forschungsarbeiten am Uniklinikum Würzburg dar, welche die Behandlungsoptionen von Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zukunft noch weiter verbessern sollen.“

Literatur:
Kunzmann V et al., Nab-paclitaxel plus gemcitabine versus nab-paclitaxel plus gemcitabine followed by FOLFIRINOX induction chemotherapy in locally advanced pancreatic cancer (NEOLAP-AIO-PAK-0113): a multicentre, randomised, phase 2 trial. Lancet G&H 2020 Dec 15; S2468-1253(20)30330-7. doi: 10.1016/S2468-1253(20)30330-7.

 

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Corona-Spezial: Würzburger Experten informieren zur Schutzimpfung

Am Dienstag, den 26. Januar 2021, beantworten drei Experten der Würzburger Universitätsmedizin in einer Online-Veranstaltung laienverständlich zentrale Fragen rund um die Corona-Schutzimpfung. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Die Corona-Schutzimpfung ist eines der beherrschenden Themen in der aktuellen öffentlichen Diskussion. Viele Bürgerinnen und Bürger haben zu diversen Aspekten dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe noch Fragen. Was passiert im Körper nach der Impfung? Warum gibt es eine Priorisierung für die Impfung? Wer sollte sich impfen lassen – und wer nicht? Und wann ermöglicht das Impfprogramm wieder ein normales Leben? Kompetente Antworten auf diese und weitere Fragen gibt das zweite Corona-Spezial am 26. Januar 2021. An jenem Dienstag organisiert das Uniklinikum Würzburg (UKW) gemeinsam mit der Mediengruppe Main-Post ab 18:00 Uhr eine kostenlose Online-Vortragsveranstaltung mit drei Experten aus der Würzburger Universitätsmedizin: Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Würzburg, Prof. Dr. Ulrich Vogel, Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene am UKW sowie Prof. Dr. Johannes Liese, Leiter des Bereichs Pädiatrische Infektiologie und Immunologie an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. Neben ihren Vorträgen werden sie auch auf über die Chat-Funktion gestellte, individuelle Fragen eingehen.

Das Corona-Spezial unter dem Titel „Corona-Schutzimpfung – Was Sie unbedingt wissen sollten!“ nutzt die Plattform „Skype for Business“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6009 oder unter akademie.mainpost.de.

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Ehrenamtliches Online-Adventskonzert für die Patienten des Uniklinikums Würzburg

Durch die Bedingungen der Corona-Pandemie wurde das traditionelle Adventskonzert des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin des Uniklinikums Würzburg in 2020 zu einer stimmungsvollen Online-Veranstaltung für alle Patientinnen und Patienten des Krankenhauses.

Seit einigen Jahren bringen lokale Musikerinnen und Musiker in der Adventszeit bei einem Konzert ehrenamtlich vorweihnachtliche Stimmung auf die Palliativstation des Uniklinikums Würzburg (UKW). Im vergangenen Dezember machten die Infektionsschutzvorgaben der Covid-19-Pandemie einen Auftritt direkt in der Station unmöglich. Stattdessen organisierte Dr. Carmen Roch, Oberärztin des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin des UKW, unterstützt von tatkräftigen Helfern, eine Online-Live-Übertragung. Am Nachmittag des 22. Dezember 2020 kamen dazu im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin an der Oberdürrbacher Straße vier Blechbläser des Mainfranken Theaters Würzburg zusammen: die Trompeter Klaus Englert, Johannes Mauer und Michael Schmitt sowie Jürgen Gräßler am Horn. Ihr 45-minütiges Konzert wurde gefilmt und simultan über die Online-Plattform Skype for Business übertragen. Außerdem konnte die Aufzeichnung über das klinikinterne Fernsehprogramm abgerufen werden. „Durch diese Lösung konnten nicht nur auf der Palliativstation, sondern auch auf alle anderen Stationen des Klinikums Patientinnen und Patienten an der bewegenden Veranstaltung teilnehmen“, berichtet Dr. Roch und fährt fort: „In deren Namen bedanke ich mich herzlich bei den Künstlern für ihr großartiges musikalisches Geschenk. Vielen Dank auch an die Kollegen der Krankenhaushygiene und die Beschäftigten des Gesundheits- und Ordnungsamtes für die Genehmigung des für das Konzert eigens ausgearbeiteten Hygienekonzepts sowie an Günther Reimherr und sein Team vom Servicezentrum Medizin-Informatik des UKW für die technische Umsetzung!“

 

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Aktiver und bewusster leben mit COPD

Das Institut für Psychologie der Universität sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ein Online-Kursprogramm zur Verbesserung der Krankheitsbewältigung.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD stellt Betroffene in ihrem Alltag immer wieder vor Herausforderungen und bringt meist Belastungen mit sich. Psychologinnen der Universität Würzburg haben aus diesem Grund ein Online-Kursprogramm entwickelt, das Tipps und psychologische Strategien für den Umgang mit der Erkrankung beinhaltet.

In dem Kurs geht es zum Beispiel um Achtsamkeit, einen freundlichen Umgang mit sich selbst und die Bewältigung belastender Situationen. Auch das Thema „körperlich aktiv sein mit der Erkrankung“ wird aufgegriffen und aus psychologischer Sicht betrachtet.

Das Programm erstreckt sich über acht Wochen und in jeder Sitzung wird eine andere Übung vorgestellt. Ziel des Kurses ist, die Krankheitsbewältigung und damit die Lebensqualität zu verbessern.

Um die Wirksamkeit des Programms und die Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu untersuchen, werden nun COPD-Patientinnen und -Patienten gesucht, die das Programm absolvieren möchten. Die Teilnahme ist kostenlos. Voraussetzung ist ein Computer mit Internetzugang und circa eine Stunde Zeit pro Woche, um sich eine Sitzung anzusehen. Der Zeitpunkt innerhalb der Woche kann flexibel gewählt werden. Zudem sollten die Teilnehmenden daran interessiert sein, die Übungen auch in ihrem Alltag auszuprobieren. Trotz des Online-Formats bietet die Trainerin Sprechzeiten für den persönlichen Austausch an, falls gewünscht.

Der nächste Kurs startet Anfang Februar 2021. Im Januar finden bereits (telefonische) Vorgespräche statt. In den Vorgesprächen wird das Programm detailliert vorgestellt; offene Fragen können beantwortet werden. Voraussichtlich im Sommer 2021 wird das Programm dann noch einmal angeboten.

Interessierte können sich per E-Mail bei Psychologin Pauline Hüper melden,
pauline.hueper@ uni-wuerzburg.de, oder sie unter der Nummer 0931 31-85199 anrufen.

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 5. Januar 2021

2.112 Entbindungen im Jahr 2020 – neuer Rekord an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik

Im Jahr 2020 fanden in der Frauenklinik des Würzburger Universitätsklinikums 2.112 Entbindungen statt. Dabei kamen 2.210 Kinder zur Welt.

Eine kleine Auswahl der im Jahr 2020 an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik geborenen Kinder. Bild: Daniela Krischik / Uniklinikum Würzburg

Im Jahr 2020 fanden an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik 2.112 Entbindungen statt – eine nochmalige Steigerung zu den 2.067 Entbindungen des bisherigen Rekordjahrs 2019. Da es im vergangenen Jahr 92 Zwillings- und drei Drillingsgeburten am Uniklinikum Würzburg (UKW) gab, erblickten insgesamt 2.210 Kinder das Licht der Welt.

„Neben der nochmals höheren Anzahl an Entbindungen haben speziell die Infektionsschutzvorgaben des Corona-Jahrs meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor beträchtliche Herausforderungen gestellt. Ich bin dankbar, dass ich mich auf ein so einsatzbereites Team aus Ärztinnen und Ärzten, Hebammen und Pflegekräften verlassen kann, das alle Maßnahmen perfekt umgesetzt hat – professionell, sicher und dabei mit einem Höchstmaß an Empathie für die Mütter, Väter und Kinder“, lobt Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der UKW-Frauenklinik fährt fort: „Gleichermaßen bedanke ich mich bei den Eltern und Angehörigen der Neuankömmlinge für ihre Akzeptanz der Pandemie-Bedingungen, speziell der eingeschränkten Besuchs- und Kontaktmöglichkeiten.“

 

Die beliebtesten Kindernamen 2020

Die zehn beliebtesten Namen bei den letztjährig am Uniklinikum Würzburg geborenen Mädchen waren Ella, Lea, Marie, Emma, Sophia, Lina, Nora, Mia, Emilia und Lara. Bei den Buben wird die Namens-Top-Ten gebildet aus Noah, Felix, Ben, Emil, Jonas, Leon, Paul, Leo, Hannes und Max.

 

Das erste Kind des Jahres ist ein Junge

Als erstes Kind des Jahres 2021 in der Frauenklinik des UKW kam am Neujahrsmorgen um 3:11 Uhr Paulo Lionel zur Welt.

 

 

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HNO-Vorlesungen jetzt als interaktive Live-Sendungen

Die Corona-Krise als Chance zur sinnvollen Digitalisierung genutzt: Seit Beginn des Wintersemesters 2020/21 bereichert die HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg die studentische Lehre durch ein aufwändiges Live-Broadcast- und -Streaming-System. Dieses ermöglicht den Humanmedizin-Studierenden an ihren digitalen Endgeräten zu Hause eine simultane und interaktive Teilnahme an Vorlesungen, die dem Präsenz-Erlebnis nahekommt.

Blick in das Broadcast-Studio der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, in dem zur studentischen Online-Lehre seit diesem Jahr Live-Streams produziert werden. Links im Bild Dr. Johannes Völker, einer der Organisatoren des Projekts. Das Fenster im Hintergrund blickt in den Hörsaal der Klinik. Bild: Johannes Völker/ Uniklinikum Würzburg
Im Broadcast-Studio werden Bild- und Ton-Informationen, zum Beispiel live aus dem Operationssaal, zusammengestellt. Am Videomischpult im Vordergrund arbeitet hier gerade Dr. Tassilo Müller-Graff, am Audiomischpult dahinter der Informationselektroniker Michael Grünewald. Bild: Johannes Völker/ Uniklinikum Würzburg

Seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland im Frühjahr dieses Jahres sind Präsenzveranstaltungen am Uniklinikum Würzburg (UKW) nur mit deutlichen Einschränkungen möglich. „Dies stellt gerade auch die studentische Lehre vor große Herausforderung“, berichtet Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Hagen. Der Direktor der HNO-Klinik des UKW nahm dies zum Anlass, mit seinem Team ein neues Konzept für eine „hybride Lehre“ zu entwickeln. Die Idee dabei ist, Präsenzveranstaltungen mit kleinerer Teilnehmerzahl so aufzubereiten, dass den Humanmedizin-Studierenden die Lehrinhalte auch per Fernzugriff vermittelt werden können – und zwar simultan und interaktiv. „Wir sind der Meinung, dass ‚asynchrone‘ Formate, wie zum Beispiel Videoaufzeichnungen, dem Anspruch von Präsenzveranstaltungen nicht gerecht werden können, da die Möglichkeit zur so wichtigen Interaktion zwischen den Dozenten und dem Auditorium fehlt“, erläutert Prof. Hagen.

 

Bisher Erfahrungen mit hausinternen Übertragungen

Bei der Suche nach einer Lösung konnte das HNO-Team auf seine schon seit dem Jahr 2006 gesammelten Erfahrungen mit der 3D-HDTV-Übertragungs-Technik zurückgreifen. Mit der entsprechenden klinikeigenen Anlage ist es möglich, sowohl makroskopische, als auch mikroskopische oder endoskopische Live-Bilder während der Operationen in den Hörsaal zu übertragen sowie über eine Audio-Anbindung mit dem Operateur synchron Rücksprache zu halten. Die bislang hausintern arbeitende Technologie wird seither sowohl für die studentische Lehre, als auch bei Operationskursen und Kongressen eingesetzt. „Unser Ziel war es, ein ähnliches Konzept mit einer Anbindung über das Internet zu entwerfen“, schildert Dr. Johannes Völker, Facharzt der Würzburger HNO-Universitätsklinik.

 

Neu: Produktion eines Broadcast-fähigen Live-Streams

Eine der Herausforderungen hierbei war es, die diversen Inhalte einer Vorlesung digital so aufzubereiten, dass sie Streaming-tauglich sind und ein annäherndes Präsenz-Erlebnis am digitalen Endgerät zu Hause bieten. Das dazu zur Verfügung stehende Bild- und Tonmaterial ist vielfältig: Aus dem Operationssaal lassen sich mehr als zehn verschiedene Videokanäle von Mikroskopen, Endoskopen und Makro-Kameras übertragen. Hinzu kommen Aufnahmen von Hörsaalkameras zur Interaktion mit dem Referenten und die Vorlesungsfolien vom Präsentations-Rechner. „Um daraus eine ausgewogene, informative ‚Sendung‘ zu generieren, installierten wir in einem bereits bestehenden Raum am Kopf des Hörsaals ein System mit einem Audio- und einem Videomischpult. Es entstand eine Art kleines Fernsehstudio“, berichtet Privatdozent Dr. Kristen Rak, Oberarzt der HNO-Klinik. Am Ende steht ein Broadcast-fähiger Stream, der über etablierte Videokonferenz- oder Streaming-Plattformen live übertragen werden kann. Zur Kommunikation in die Gegenrichtung – also von den online zuschauenden Studierenden zum Dozenten – dient die Chat-Funktion der Streaming-Plattformen.

Damit die Live-Sendungen gelingen können, müssen die Veranstaltungen hochpräzise vorbereitet werden. Und auch der personelle Aufwand für die Produktion eines Streams ist beträchtlich. Als Audioregisseur fungiert der Informationselektroniker Michael Grünewald. Sein Pendant im Videobereich – auch als Kameramann im Hörsaal – ist der Foto- und Videotechniker Michael Bogár. Beide Fachkräfte sind Mitarbeiter der HNO-Klinik. Für die Moderation wird jeweils einer der Ober- oder Fachärzte der Klinik eingesetzt. Sie nehmen die Fragen aus dem Live-Chat entgegen und stellen sie im Auditorium zur Diskussion. Das Videomischen und den eigentlichen Broadcasting-Prozess leistet Dr. Völker oder ein*e Mitarbeiter*in aus dem Pool der Vorlesungsassistent*innen.

 

Ergänzende Neugestaltung des Vorlesungsablaufs

Für das neue Konzept gestaltete das HNO-Team auch die Vorlesungsform um: Für jede Vorlesung im Laufe des Semesters wurden spezifische Lernziele vorbereitet, die über das interaktive System erreicht werden sollten. Zur Vorbereitung wurde das grundlegende Wissen als asynchrone Vorbereitungsvorlesung online eingestellt und den Studierenden kurz vor den Veranstaltungen spezifische Fachfragen übermittelt. Die gestreamten Live-Veranstaltungen präsentieren vornehmlich hierzu passende chirurgische Eingriffe inklusive einer Kommunikationsmöglichkeit mit dem Operateur. Desweiteren werden die Lernziele und zuvor gestellte Fragen vom Referenten mit entsprechenden Folien beantwortet. Für einen vorab im Rahmen eines Online-Quiz bestimmten, kleineren Anteils an Studierenden ist es weiterhin möglich, die Vorlesung auch direkt im Hörsaal zu besuchen. „Mit diesem Hybridkonzept können wir flexibel auf die aktuelle Situation der Pandemie reagieren, entsprechende Hygieneabstände und -vorschriften einhalten sowie zu gegebener Zeit auch wieder mehr vor Ort anwesende Teilnehmerinnen und Teilnehmer integrieren“, verdeutlicht Dr. Völker.

 

Seit November erfolgreich im Einsatz

Das neue Konzept wird seit Beginn des Wintersemesters 2020/21 für die Lehre der Humanmedizin-Studierenden regelmäßig eingesetzt und mit einem Online-Publikum von jeweils 80 bis 100 Teilnehmer*innen sehr gut angenommen. Das bisherige Feedback war laut Dr. Rak durchgehend positiv.

„Es zeigt sich, dass unser Konzept für hybrid ausgerichtete Präsenzveranstaltungen zukunftsfähig ist. Deshalb planen wir, das Broadcast-System des HNO-Hörsaals kontinuierlich auszubauen und den technischen Neuerungen anzupassen. Außerdem wollen wir künftig noch mehr Videokanäle und noch höhere Auflösungen der Live-Operationen online anbieten“, kündigt Prof. Hagen an.

 

Auch im Operationskurs- und Kongressprogramm nutzbar

Mit der gefundenen Lösung können nicht nur weiterhin qualitativ hochwertige Lehrinhalte für die studentische Lehre angeboten werden – auch für das Operationskurs- und Kongressprogramm der Würzburger Universitäts-HNO-Klinik lässt sich das Broadcast-System nutzen. So wird im März 2021 der 33. englischsprachige Kurs zur Mikrochirurgie des Mittelohrs und der auditorischen Implantate ebenfalls als Hybridveranstaltung ausgerichtet werden. „Wir gehen davon aus, dass wir mit dem interaktiven Broadcast ein noch größeres internationales Publikum erreichen“, nennt Prof. Hagen einen der sich abzeichnenden Vorteile der Neuerung. „Gerade unter den Aspekten der Nachhaltigkeit und des Ressourcenschutzes ist es sinnvoll, eine Option zur Teilnahme an derartigen Veranstaltungen ohne hohe Reiseaufwendungen anzubieten“, betont der Klinikdirektor. Unter dem Strich waren die initialen Ideen für eine vorübergehende Überbrückung der Pandemiezeit nach seinen Worten ein weitgreifender Anstoß zur sinnvollen Digitalisierung von Lehre und wissenschaftlichem Austausch.

 

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Prof. Dr. Georg Ertl: Ein Rückblick zum Abschied
Prof. Dr. Georg Ertl war von Anfang 2016 bis Ende 2020 der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Würzburg. Bild: Kathrin Heyer / Uniklinikum Würzburg

Nach fünf Jahren als Ärztlicher Direktor geht Prof. Dr. Georg Ertl zum Jahresende 2020 in den Ruhestand. In seiner Amtszeit waren viele Herausforderungen am Universitätsklinikum Würzburg zu meistern – vom Ringen um dessen bauliche Zukunft bis zum Management der Corona-Pandemie.

 

Am 31. Dezember dieses Jahres endet die Amtszeit von Prof. Dr. Georg Ertl als Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW). In dieser Funktion gestaltete er seit Januar 2016 als Vorsitzender des vierköpfigen Vorstands die Geschicke des Klinikums und seiner aktuell über 7.000 Beschäftigten maßgeblich mit. „Eines der umfangreichsten Themen in den vergangenen Jahren war sicher das – zum Glück letztlich von Erfolg gekrönte – Ringen um die bauliche Zukunft des UKW“, urteilt der „ÄD“ rückblickend. Dabei waren kritische Entscheidungen zu treffen – allen voran die über den Standort des Neubaus für die mit 50 Betriebsjahren veraltete Kopfklinik des UKW. „In die Planungen dazu waren schon erhebliche Mittel geflossen, aber es zeigte sich mehr und mehr, dass der Verbleib der betroffenen Kliniken während der Bauphase nicht zu lösen war“, berichtet Prof. Ertl. Stattdessen wurden der Ankauf des sogenannten Erweiterungsgeländes Nord und damit Neubauten auf der „grünen Wiese“ projektiert. Durch das dort zusätzlich geplante Zentrum Frauen-Mutter-Kind verdoppelten sich die zu erwartenden Kosten. „Das war politisch schwierig durchzusetzen. Neben einiger Geduld und Beharrlichkeit waren hierfür sehr viele Überzeugungsgespräche erforderlich. Ein Segen war, dass wir dabei auf die wertvolle Unterstützung unserer Politikerinnen und Politiker, insbesondere auch der damaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm zählen konnten“, schildert Ertl. Ein besonders erfreulicher Moment war für ihn die Erteilung der Planungsaufträge für die ersten Bauabschnitte der beiden Klinikneubauten durch das bayerische Wissenschaftsministerium im Juli dieses Jahres. „Aktuell stehen wir unmittelbar vor dem Architektenwettbewerb. Wenn ich Glück habe, erlebe ich noch, dass die ersten Gebäude auf dem Nordgelände in Betrieb gehen“, schmunzelt der drahtige Siebzigjährige.

 

Medienarbeit zur Behandlung der Axtattentat-Opfer

In völlig anderer Weise fordernd waren für ihn die Umstände um das Axtattentat vom 18. Juli 2016. Bei dem islamistisch motivierten Anschlag in einer Regionalbahn bei Würzburg wurde eine fünfköpfige Hongkonger Familienreisegruppe teilweise schwer verletzt. Vier der Opfer wurden am UKW behandelt. „Neu für uns war das enorme internationale Medieninteresse“, erinnert sich Prof. Ertl und fährt fort: „In unserer Öffentlichkeitsarbeit ging es darum, den Balanceakt zwischen den Patientenrechten und dem Recht der Allgemeinheit auf Information zu meistern.“ Hilfreich bei den vielen Interviews war für ihn nach eigenen Worten, dass er nicht nur ziemlich stressresistent, sondern als Wissenschaftler auch darin geübt ist, Themen in öffentlichen Auftritten zu vertreten. „Außerdem war es für mich sehr beruhigend zu wissen, dass ich mich bei der von der Öffentlichkeit sehr genau beobachteten medizinischen Behandlung der Opfer zu 100 Prozent auf die Ärzte des UKW verlassen konnte“, unterstreicht Ertl. Insgesamt habe er die Kooperation mit den Medien als sehr positiv erlebt, viel dazugelernt und gerade auch in der lokalen Presse „fantastische Partner“ gefunden.

 

Corona: Optimale Versorgung auch unter Pandemiebedingungen

Die jüngste große Herausforderung für den ÄD ist die seit diesem Frühjahr auch am UKW zu managende Covid-19-Pandemie. „Unser Job war und ist es, auch unter diesen erschwerten Bedingungen eine optimale Versorgung aller Patentinnen und Patienten zu gewährleisten“, beschreibt Ertl und ergänzt: „Das Alltagsgeschäft läuft für unsere Beschäftigten weiter, das Corona-Problem kommt ‚on top‘ dazu.“ Auch hier liegt die Lösung nach seinen Angaben in guter Teamarbeit. „Beim Anpassen der jeweiligen Maßnahmen an die sich ständig ändernde Situation konnten wir uns auf das Know-how und die Einsatzfreude vieler Kolleginnen und Kollegen stützen, beispielsweise auf Prof. Dr. Ulrich Vogel, den Stabsstellenleiter für Krankenhaushygiene, oder Prof. Dr. Thomas Wurmb, den Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin, sowie natürlich auch auf meinen Stellvertreter, Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus“, zeigt sich Prof. Ertl dankbar.

Zu den Höhepunkten der ersten Pandemiewelle widmete der Direktor schätzungsweise 80 Prozent seiner Arbeitszeit den Problemen rund um Corona. „Dadurch mussten andere Dinge, wie zum Beispiel die wissenschaftliche Arbeit, stagnieren – das war herb“, sagt Ertl. Gleichzeitig brachte die Krise aus seiner Sicht auch Chancen mit sich. So habe die Pandemie Impulse für eine in Teilbereichen noch bessere Organisation von Prozessen am UKW gegeben. „Außerdem haben wir gelernt, quasi ‚aus dem Stand‘ Forschung zu machen, die innerhalb von Monaten beim Patienten ankommt. Dazu haben sich die Uniklinika deutschlandweit zusammengetan und stellen einen bedeutenden Teil ihrer Ressourcen der Corona-Forschung zur Verfügung. Durch dieses Engagement wird man innerhalb kürzester Zeit sehr viel mehr von Epidemien verstehen. An diesem Prozess beteiligt gewesen zu sein, hat mir auch Spaß gemacht“, gesteht der Professor.

 

Einsatz für ein altersgerechtes Krankenhaus

Neben diesen „Top-Themen“ hatte er in seine Amtszeit viele weitere wichtige, aber weniger plakative Aufgaben am Klinikum im Blick. So lag ihm beispielsweise das „altersgerechte Krankenhaus“ sehr am Herzen. „Als Internist habe ich in meiner Laufbahn gesehen, dass unsere Patienten im Schnitt pro Jahrzehnt 2,5 Jahre älter werden. Patienten mit Herzschwäche haben aktuell einen Altersdurchschnitt von 75 Jahren und fünf zusätzliche Erkrankungen. Dadurch wird die Medizin immer interdisziplinärer“, weiß Ertl. Speziell in den letzten zwei Jahren setzt sich das UKW verstärkt dafür ein, mit neuen Konzepten und vielen Einzelmaßnahmen Lösungen für die mit dem demografischen Wandel verbundenen Probleme in der Patientenversorgung zu finden.

Wie in allen Bereichen der Gesellschaft gewinnt auch im Krankenhausalltag die Digitalisierung mehr und mehr Bedeutung. „Ich habe mich in den vergangenen Jahren intensiv für die Nutzung von IT in der Patientenversorgung eingesetzt, aber immer auch deutlich gemacht, dass die Informatik in der Medizin eine Hilfswissenschaft bleiben muss. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir zukünftig einen ‚Facharzt für Digitale Medizin‘ brauchen, der beide Ansätze und Denkweisen zu einem barrierefreien Ganzen zusammenführt“, erklärt Prof. Ertl.

 

Zeiten starken personellen Wechsels

Die letzten Jahre am UKW waren ferner geprägt von zahlreichen personellen Wechseln in der Führungsebene – im Vorstand ebenso wie bei Klinikdirektoren und Bereichsleitern. Ertl: „Ich bin glücklich, dass es uns in allen Fällen gelungen ist, die Stellen mit exzellenten Persönlichkeiten zu besetzen, insbesondere auch mit Prof. Dr. Stefan Frantz in meiner Nachfolge als Direktor der Medizinischen Klinik I sowie mit Prof. Dr. Christoph Maack, der mich als Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz ablöste“. Das letztgenannte DZHI – im Jahr 2011 als gemeinsame Einrichtung der Würzburger Universität und des UKW eröffnet – gehört zu Prof. Ertls persönlichen Lieblingsprojekten. „Ein Bestandteil meiner Arbeit als Ärztlicher Direktor war es, nach der Startfinanzierung dazu beizutragen, diese so wichtige Einrichtung zu verstetigen – ein Ziel, das nun Gott sei Dank in greifbarer Nähe ist“, zeigt sich der Kardiologe optimistisch.

 

In Zukunft keine Langeweile

Das DZHI wird auch in Zukunft eine bedeutende Rolle für ihn spielen. „Ich werde als Seniorprofessor dorthin zurückkehren, um meine Forschungsvorhaben weiterzutreiben und das Einwerben von Fördergeldern zu unterstützen“, kündigt Prof. Ertl an. Außerdem bleibt er dem Gesundheitswesen als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin verbunden. Und dann gibt’s da auch noch Sport und Kunst sowie nicht zuletzt Familie und Freunde, auf die er sich freut.

Die Nachfolge als Ärztlicher Direktor des UKW wird zum 1. Januar 2021 Prof. Dr. Jens Maschmann antreten. Der Kinderarzt arbeitete zuletzt als Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Jena.

 

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