Blasensteine waren im 16. und 17. Jahrhundert weit verbreitet. Warum? Weil die Menschen wegen der schlechten Wasserqualität damals viel Wein und Bier tranken – dadurch vermehrte sich die Harnsäure, in der Blase entstanden Steine. Und die waren oft so groß wie Tauben- oder Hühnereier. Meist waren Männer betroffen.
Um die stark schmerzhaften Steine zu entfernen, wurde seinerzeit operiert – und zwar ohne Narkose. Das Verfahren war ausgeklügelt: Es begann damit, dass der Chirurg eine Sonde durch die Harnröhre in die Blase schob. Ein Schnitt in der Damm- oder Schambeinregion war dann für das weitere operative Vorgehen essenziell.
Sonderausstellung der Medizinhistorischen Sammlungen
Wer genauer wissen möchte, wie im 16. Jahrhundert Blasensteine operiert wurde, kann das Würzburger Stadtarchiv besuchen. Dort zeigen die Medizinhistorischen Sammlungen der Universität Würzburg noch bis 14. Juli 2026 die Sonderausstellung „450 Jahre Juliusspital. Pflegen – Heilen – Lehren“.
Die Ausstellung behandelt zentrale Aspekte der Chirurgie vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie zeigt, welche Erfindungen aus Würzburg die Chirurgie nachhaltig geprägt haben. Und sie erläutert, welche Bedeutung medizinhistorische Objekte bis heute für Forschung und Lehre haben.
Im Zentrum steht die historische chirurgische Lehrsammlung des Juliusspitals, das in diesem Jahr sein 450-jähriges Jubiläum feiert. Vom Blasensteinschnitt über den Aderlass bis hin zur Äthernarkose greift die Ausstellung verschiedene Themen der Chirurgie-Geschichte auf und erläutert diese anhand zahlreicher Highlight-Objekte.
Öffnungszeiten und Führungen
Die Ausstellung „450 Jahre Juliusspital. Pflegen – Heilen – Lehren“ ist ab sofort bis 14. Juli 2026 im ersten Obergeschoss des Stadtarchivs Würzburg in der Neubaustraße 12 zu sehen. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr; der Eintritt ist frei. Ein kostenloses Begleitheft zur Ausstellung liegt aus.
Öffentliche Führungen finden jeden Mittwoch um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist das Foyer des Stadtarchivs. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; die Teilnahme ist frei.
Individuelle Führungstermine können per E-Mail vereinbart werden, Ansprechperson ist julia.zehnder@uni-wuerzburg.de.
Einsatz in der Lehre
Die chirurgische Lehrsammlung des Juliusspitals diente schon bei ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert der Ausbildung von Medizinstudierenden. Auch heute kommt sie in der Lehre zum Einsatz: Sie vermittelt Studierenden der Human- und Zahnmedizin sowie der Pflege- und Hebammenwissenschaften Einblicke in die Geschichte der jeweiligen Berufe. Bewahrt wird die Sammlung des Spitals in den Medizinhistorischen Sammlungen der Universität Würzburg.
Veranstalter
Die Ausstellung ist eine Kooperation des JMU-Instituts für Geschichte der Medizin und des Stadtarchivs Würzburg. Sie findet begleitend zur gleichnamigen Ringvorlesung der Universität statt.
Von Robert Emmerich / Julia Zehnder
einBLICK, das Online-Magazin der Universität Würzburg, Ausgabe 9. Juni 2026