Aktuelle Pressemitteilungen

Wie Herpesviren aufwachen

Schlafende Herpesviren induzieren ihre Reaktivierung über einen bisher unbekannten, mikroRNA-vermittelten zellulären Mechanismus. Das zeigt ein Würzburger Forschungsteam im Journal „Nature“.

Acht verschiedene Herpesviren sind bisher beim Menschen bekannt. Sie alle richten sich nach der akuten Infektion dauerhaft im Körper ein. Aus dieser Ruhephase können sie unter bestimmten Umständen aufwachen, sich vermehren und wieder andere Zellen befallen. Diese Reaktivierung ist häufig mit Symptomen verbunden, etwa mit juckenden Lippenbläschen oder der Gürtelrose.

Die meisten Herpesviren haben im Lauf der Evolution gelernt, kleine RNA-Moleküle, sogenannte Mikro-RNAs, einzusetzen, um ihre Wirtszellen zu ihrem Vorteil umzuprogrammieren. Ein Forschungsteam um Bhupesh Prusty und Lars Dölken von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg konnte nun erstmals zeigen, dass eine virale MikroRNA als Masterregulator fungiert, um die Reaktivierung des Virus zu induzieren. Im Journal Nature stellen die Forscher den bislang unbekannten zellulären Mechanismus vor, mit dem sich das humane Herpesvirus 6 (HHV-6) aus dem Schlaf holt.

Probleme nach der Reaktivierung des Virus

Mit HHV-6 sind mehr als 90 Prozent aller Menschen infiziert, ohne etwas davon zu merken. Probleme bereitet das Virus vermutlich erst dann, wenn es wiederholt aufwacht.

HHV-6 steht im Verdacht, nach seiner Reaktivierung die Herzfunktion zu beeinträchtigen, die Abstoßung transplantierter Organe zu verursachen und Krankheiten wie Multiple Sklerose oder das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) auszulösen. Zudem sprechen jüngste Studien dafür, dass dieses Herpesvirus an der Entstehung der Schizophrenie, der Bipolaren Störung und weiterer Krankheiten des Nervensystems beteiligt sein könnte.

„Wie Herpesviren aus dem Ruhezustand reaktivieren, ist die zentrale Frage bei der Forschung an Herpesviren“, sagt JMU-Virologe Lars Dölken. „Wenn wir dies verstehen, wissen wir, wie wir therapeutisch eingreifen können.“ Ein bislang unbekannter Schlüssel dazu ist eine virale Mikro-RNA mit der Bezeichnung miR-aU14. Sie ist der zentrale Schalter, der die Reaktivierung von HHV-6 in Gang setzt.

Was die Mikro-RNA in der Zelle bewirkt

Die regulatorische miR-aU14 stammt vom Virus selbst. Sobald sie exprimiert wird, greift sie in den Stoffwechsel der menschlichen Mikro-RNAs ein. Dabei stört sie selektiv die Reifung gleich mehrerer Mikro-RNAs aus der miR-30-Familie. In der Folge werden diese wichtigen zellulären Mikro-RNAs nicht mehr gebildet, und das wiederum beeinflusst einen zellulären Signalweg, die sogenannte miR-30 / p53 / Drp1 Achse.

Über diesen Weg induziert die virale miR-aU14 die Zerstückelung der Mitochondrien. Diese Zellstrukturen sind von zentraler Bedeutung für die Energieproduktion, aber auch für Signalübertragungen bei der Abwehr von Viren.

Die virale miR-aU14 stört so die Produktion von Typ-I-Interferonen – das sind Botenstoffe, mit dem die Zelle dem Immunsystem die Anwesenheit von Viren meldet. Weil die Interferone fehlen, kann das Herpesvirus unbehelligt vom Ruhe- in den Aktivitätszustand wechseln. Interessanterweise konnte die Würzburger Forschungsgruppe auch zeigen, dass die virale Mikro-RNA nicht nur für die Virusvermehrung essentiell ist, sondern direkt die Reaktivierung des Virus aus dem Ruhezustand auslöst.

Wie die Forschung weitergeht

Das Forschungsteam möchte jetzt den genauen Mechanismus verstehen, über den die virale Mikro-RNA die Reaktivierung des Virus in Gang bringt. Zudem gibt es erste Hinweise darauf, dass auch andere Herpesviren über den gleichen Mechanismus reaktiviert werden können. Das könnte therapeutische Optionen aufzeigen, um eine Reaktivierung der Viren entweder zu verhindern oder gezielt auszulösen, um dann die reaktivierenden Zellen auszuschalten. Ein weiteres Ziel ist es, die molekularen Folgen der mitochondrialen Fragmentierung im Detail zu verstehen.

Erstmals zeigt diese Arbeit aus der JMU, dass eine Mikro-RNA den Reifungsprozess anderer Mikro-RNAs direkt regulieren kann. Auch dies eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten: So können künstliche kleine RNAs entworfen werden, um gezielt einzelne Mitglieder von Mikro-RNA-Familien auszuschalten. Derart subtile Eingriffe waren bislang nicht möglich.

Kooperationspartner und Förderer

An dieser Thematik forschen mehrere Gruppen der JMU interdisziplinär zusammen. Sie stammen vom Institut für Virologie und Immunbiologie, von den Biozentrums-Lehrstühlen für Biochemie, für Biotechnologie und Biophysik sowie für Mikrobiologie, vom Rudolf-Virchow-Zentrum und vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung. Beteiligt waren außerdem Forschende von der Freien Universität Berlin und der Universität Regensburg.

Gefördert wurden die Forschungsarbeiten vom Helmholtz Institut für RNA-basierte Infektionsforschung, von der Initiative Solve ME/CFS (USA), der HHV-6 Foundation (USA), der Amar Foundation (USA) und vom Europäischen Forschungsrat im Rahmen eines ERC Grants.

Publikation

Selective inhibition of miRNA processing by a herpesvirus-encoded miRNA, Hennig et al., Nature, 4. Mai 2022, DOI: 10.1038/s41586-022-04667-4

Kontakt

Prof. Dr. Lars Dölken, Lehrstuhl für Virologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-89781, lars.doelken@ uni-wuerzburg.de

Dr. Bhupesh Prusty, Lehrstuhl für Virologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-88067, bhupesh.prusty@ biozentrum.uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 5. Mai 2022

Gestärkte Immunzellen für den Kampf gegen Krebs

Sabrina Prommersberger erhält Förderung der DKMS, um die CAR-T-Zelltherapie zu optimieren

Dr. Sabrina Prommersberger untersucht am Uniklinikum Würzburg mit finanzieller Unterstützung des John Hansen Research Grant der DKMS, wie sich mit dem Einsatz des Medikaments Dasatinib die Car-T-Zelltherapie optimieren lässt. ©Kirstin Linkamp

“Leveraging dasatinib as an ON/OFF switch for SLAMF7 CAR T cells to prevent fratricide and exhaustion and augment anti-myeloma potency”. So lautet der Antrag, mit dem sich Dr. Sabrina Prommersberger vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bei der Stammzellenspenderdatei DKMS um den John Hansen Research Grant beworben hat. Mit Erfolg. Das Medical Council der DKMS Stiftung Leben Spenden hat dem Projekt viel Potential eingeräumt, dem Förderziel des Forschungspreises zu entsprechen und den Kampf gegen Blutkrebs nachhaltig und wirksam voranzubringen. Sabrina Prommersberger erhält für die nächsten drei Jahre ein Preisgeld von insgesamt 240.000 Euro. Ihr Projekt ist gesichert. Sie wird den Einsatz des Medikaments Dasatinib als EIN/AUS-Schalter für SLAMF7-CAR-T-Zellen nutzen, um zu verhindern, dass die T-Zellen, die eigentlich darauf trainiert sind Krebszellen zu erkennen, frühzeitig ermüden und ihre Arbeit einstellen, bevor sie alle Krebszellen abgeräumt haben.   

Immunzellen werden im Labor für Kampf gegen Krebszellen gerüstet

Die 36-jährige Biologin arbeitet seit sechs Jahren in der AG Hudecek der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW. Klinikdirektor Professor Dr. Hermann Einsele gilt als Pionier in der zellulären Immuntherapie. Vor zehn Jahren holte er Professor Dr. Michael Hudecek an Bord, der sich auf dem Gebiet der CAR-T-Zell-Forschung weltweit einen Namen gemacht hat. „Die CAR-T-Zelltherapie ist eine der vielversprechendsten immuntherapeutischen Ansätze für die Behandlung von Krebserkrankungen, die das blutbildende System betreffen, in der Fachsprache hämatologischen Malignome genannt“, berichtet Sabrina Prommersberger.  „Wir entnehmen aus dem Blut der Patientinnen und Patienten T-Zellen. Das sind weiße Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen. Damit sie auch Krebszellen erkennen und bekämpfen können, verändern wir sie gentechnologisch. Das heißt, wir statten sie im Labor mit künstlichen auf die entsprechende Krebsart zugeschnittenen Rezeptoren aus, sogenannte Chimäre Antigen Rezeptoren, kurz CAR.“ Anschließend werden die „scharf gestellten“ T-Zellen den Patienten über eine Infusion wieder zugeführt. Mithilfe des spezifischen Oberflächenmarkers können die CAR-T-Zellen die Tumorzellen im Körper aufspüren und zerstören. Das bekannteste Beispiel sind CD19-CAR-T-Zellen, die zur Behandlung von B-Zell-Leukämie und Lymphomen eingesetzt werden.

SLAMF7-CAR-T-Zellen zur Behandlung des Multiplen Myeloms

Die AG Hudecek untersucht mit inzwischen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedene CAR-T-Zellen, darunter auch solche, die den Oberflächenmarker SLAMF7 erkennen. Dieser ist auf bösartigen Knochenmarkszellen beim Multiplen Myelom zu finden. Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark. Sabrina Prommersberger und ihre Kolleginnen und Kollegen haben die SLAMF7-spezfischen CAR-T-Zellen intensiv untersucht und verbessert. Sie haben geprüft, ob sie fähig sind, Myelomzellen zu bekämpfen und ob sie schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen könnten. Nach mehrjähriger präklinischer Forschung werden die SLAMF7-CAR-T-Zellen nun der klinischen CARAMBA-Studie getestet. „In der CARAMBA-Studie untersuchen wir derzeit gemeinsam mit Partnern aus sechs europäischen Ländern die Anwendung von SLAMF7-CAR-T-Zellen bei Patienten mit fortgeschrittenem Multiplen Myelom, bei denen konventionelle Therapien dieser bösartigen Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark ausgeschöpft sind“, erläutert Michael Hudecek, der die von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 unterstützten Studie leitet.

Die Herausforderung: Erschöpfung der CAR-T-Zellen beim schnellen Abräumen der Krebszellen

„Mein Projekt baut auf den Erfahrungen der CARAMBA Studie und dem klinischen Einsatz von CD19-CAR-T-Zellen zur Bekämpfung von Leukämien und Lymphomen auf: Die CAR-T-Zellen sind häufig so sehr mit der Zerstörung der Krebszellen beschäftigt, dass sie sich verausgaben und nach der Verabreichung an den Patienten einen Erschöpfungszustand eintritt.“ Wie lassen sich also bessere Rahmenbedingungen für die Zellen schaffen? Der Proteinkinasehemmer Dasatinib könnte eine Lösung sein. Vorarbeiten von Dr. Katrin Mestermann aus der Arbeitsgruppe Hudecek haben gezeigt, dass das Medikament, das oft zur Behandlung einer chronischen myeloischen und akuten lymphatischen Leukämie zum Einsatz kommt, die Funktion der CAR-T-Zellen wie ein EIN/AUS-Schalter steuern kann. Den CAR-T-Zellen wird somit in regelmäßigen Abständen eine – kurze – Pause vom Abräumen der Krebszellen verschafft.

Kleine Pausen erhöhen signifikant die Gesamtwirkung von CAR-T-Zellen gegen Krebs

„Diese Pausentaste möchten und können wir dank der Förderung der DKMS nun genauer untersuchen“, sagt Sabrina Prommersberger zuversichtlich. „Zunächst einmal werden wir testen, ob die Zugabe von Dasatinib bei der Herstellung der SLAMF7-CAR-T-Zellen, ihre Qualität und Quantität beeinflusst. Anschließend werden wir in präklinischen Modellen testen, ob Dasatinib die Wirksamkeit der CAR-T-Zellen erhöht. Unterm Strich stellt sich die Frage: Kann Dasatinib das Wachstum der CAR-T-Zellen verbessern und ihre Fitness erhöhen? Und: Lässt sich der Ansatz auch auf andere CAR-T-Zellarten übertragen?“

Michael Hudecek fügt hinzu: „Die Möglichkeit, CAR-T-Zellen mit einem AN/AUS Schalter zu steuern ist ein bahnbrechendes aber auch sehr praxisnahes neues Konzept, denn die Medikamente, die wir als AN/AUS Schalter einsetzen sind klinisch verfügbar, preiswert und sehr gut verträglich. Wir hoffen sehr, dass wir durch diese Untersuchungen die CAR-T-Zell-Therapie noch wirksamer, sicherer und zugänglicher machen können.“ 

#WomenInScience am UKW

Sabrina Prommersberger ist Naturwissenschaftlerin mit Leib und Seele. Warum der Fränkin der translationale Forschungsansatz am Uniklinikum so gut gefällt, und wie sich ihrer Meinung nach Frauen in der Forschung besser durchsetzen können ist hier zu lesen.

Über die DKMS

Die DKMS ist bekannt als weltweit größte Stammzellspenderdatei. Mit verschiedenen Forschungsprogrammen setzt sie sich aber auch dafür ein, den medizinischen Fortschritt in diesem Bereich voranzutreiben. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Nachwuchsförderung: Die John Hansen Research Grants gehen jedes Jahr an bis zu vier talentierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Dotiert sind die Grants mit 240.000 Euro je Preisträger, verteilt auf einen Zeitraum von drei Jahren. Voraussetzung für die Bewerbung ist unter anderem ein Doktorgrad, dessen Erreichung höchstens acht Jahre zurückliegen darf. Das Forschungsgebiet des einzureichenden Projekts soll in den Bereichen Stammzelltransplantation und Zelltherapie liegen und zum Ziel haben, den Kampf gegen Blutkrebs nachhaltig und wirksam zu unterstützen und voranzubringen. Alle Anträge werden anhand eines standardisierten Kriterienkatalogs geprüft. Vier unabhängige Experten bewerten die Bewerbungen vor, anschließend folgt eine Gruppendiskussion über die in die engere Wahl gekommenen Bewerbungen durch Mitglieder des DKMS Medical Council.

 

Pressemitteilung der DKMS

Informationen zur CARAMBA-Studie unter www.caramba-cart.eu

Zwei Monate Tansania

Für einen Teilabschnitts ihres PJs zog es eine Medizinstudentin in Würzburgs Partnerstadt Mwanza. Dort lernte sie nicht nur ein neues Land, sondern auch ihren Beruf unter ganz anderen Umständen kennen.

Kaja Riebesell vor dem Logo der Catholic University of Health and Allied Sciences at Bugando. (Bild: Kaja Riebesell)
Kaja Riebesell vor dem Logo der Catholic University of Health and Allied Sciences at Bugando. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick vom achten Stock des Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick vom achten Stock des Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
OP der Kinderchirurgie im Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
OP der Kinderchirurgie im Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick auf den Victoriasee an dessen Ufer Mwanza liegt. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick auf den Victoriasee an dessen Ufer Mwanza liegt. (Bild: Kaja Riebesell)
Ein Besuch auf dem örtlichen Wochenmarkt. (Bild: Kaja Riebesell)
Ein Besuch auf dem örtlichen Wochenmarkt. (Bild: Kaja Riebesell)
Zufahrtsstraße zum Bugando Medical Center in Mwanza. (Bild: Kaja Riebesell)
Zufahrtsstraße zum Bugando Medical Center in Mwanza. (Bild: Kaja Riebesell)

Seit dem Sommersemester 2016 studiert Kaja Riebesell an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg Medizin. Aktuell befindet sie sich in ihrem Praktischen Jahr, dem sogenannten PJ, und damit in den letzten Zügen des Studiums.

Das PJ ist in drei jeweils viermonatige Tertiale unterteilt, wobei ein Tertial in der Chirurgie, eines in der Inneren Medizin und eines in einem frei wählbaren Fachbereich absolviert wird. An der JMU haben Studierende außerdem die Möglichkeit, eines der Tertiale in zwei Abschnitte zu trennen. Davon machte Kaja Gebrauch. Sie kombinierte das Ganze mit der Option, Teile des PJs im Ausland zu verbringen, und entschied sich letztlich für zwei Länder, die unterschiedlicher kaum sein könnten – die Schweiz und Tansania.

Afrika kein Neuland

Während die Schweiz für ihr fortschrittliches Medizinwesen bekannt ist, erwarteten Kaja in Ostafrika komplett andere Bedingungen – dessen war sie sich natürlich bewusst. Den Kontinent kannte die angehende Ärztin bereits von mehreren Reisen. Bei einem Praktikum in Namibia hatte sie auch beruflich erste Erfahrungen in ähnlichem Umfeld gesammelt: „Der Bezug zu Afrika war also schon länger da und nach meinem Aufenthalt in Namibia war für mich klar, dass ich auf jeden Fall nochmal zurückwollte, um auch in einer Klinik zu arbeiten.“

Seit 2008 gibt es zwischen der Medizinischen Fakultät der JMU und dem Uniklinikum Würzburg auf der einen und der Catholic University of Health and Allied Sciences (CUHAS) at Bugando sowie dem dazugehörigen Bugando Medical Center in Würzburgs Partnerstadt Mwanza auf der anderen Seite eine Kooperation. Diese ermöglicht einen Studierendenaustausch zwischen den Einrichtungen.

Ausbau der Zusammenarbeit unter dem Schirm der Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Mit Gründung des Else Kröner Center (EKC) for Advanced Medical & Medical Humanitarian Studies Würzburg – Mwanza/Tansania im Jahr 2020 wurde das studentische Austauschprogramm in das entsprechende Kooperationsprogramm eingebettet.

Am EKC Würzburg – Mwanza werden neben diversen Austauschprogrammen auch gemeinsame Forschungsprojekte und die Zusammenarbeit in der klinischen Fortbildung koordiniert. Dies ermöglicht, die unterschiedlichen Aktivitäten strategisch zu bündeln und Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Initiativen besser zu nutzen.

Die Einrichtung wird durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert. Bei der diesbezüglichen Ausschreibung hatte sich der Standort Würzburg aus einem starken Bewerberfeld gerade wegen der langjährigen und erfolgreichen Kooperation durchgesetzt.

Arbeiten unter gewohnten Bedingungen

Für Kaja war es die perfekte Gelegenheit, Teil eines Austauschs auf vielen Ebenen zu sein: „Zuerst konnte ich die Studierenden aus Tansania kennenlernen und ihnen die Arbeit und das Leben in Deutschland zeigen. So hatte ich dann in Mwanza schon einen besseren Zugang und durfte ganz anders in Kultur und Gesellschaft eindringen, als wenn ich vielleicht nur mit anderen Europäern unterwegs gewesen wäre“, erzählt sie.

Sowohl aus medizinischer als auch aus menschlicher Sicht war die Zeit von Januar bis März 2022 ungemein lehrreich: „Eines meiner Ziele war, zu lernen, wie man in der Medizin mit deutlich weniger Ressourcen auskommt, als wir es uns hier leisten können. Ich habe viele interessante Ärzte kennengelernt, die unter diesen Bedingungen tolle Arbeit leisten und viel von ihnen gelernt.“

Da in Tansania der Großteil der Bevölkerung keine Krankenversicherung besitzt, muss etwa auf kostspielige technische Hilfsmittel wie beispielsweise MRTs – die ohnehin kaum vorhanden sind – weitestgehend verzichtet werden: „Es ist eine ganz andere Art der Medizin. Mehr basierend auf Gesprächen und Untersuchungen, weniger auf moderner Technik. Man muss kreativ sein und wandelt auf einem schmalen Grat. Schließlich möchte man den Menschen ja bestmöglich helfen, muss aber gleichzeitig darauf achten, dass sie keine Rechnungen anhäufen, die sie niemals bezahlen können.“

Gemeinnütziger Verein Afara e.V.

Ein ganz besonderes Projekt verbindet Kaja Riebesell bereits seit einigen Jahren mit Afrika. 2018 übernahm sie mit zwei Freundinnen, ebenfalls Medizinstudentinnen aus Würzburg, den Verein Afara. Diesen hatten Würzburger Jurastudierende bereits 2007 im Anschluss an einen Aufenthalt in Namibia gegründet. Nach dem Examen stellte sich die Frage der Nachfolge, Kaja und ihre Kommilitoninnen nahmen sich der Aufgabe an und hauchten Afara neues Leben ein: „Seitdem haben wir hauptsächlich im Süden Afrikas mehrere Projekte unterstützt. Etwa den Bau eines Waisenhauses, eine Suppenküche oder eine Therapiestation für behinderte Kinder.“

Dieses Engagement soll auch zukünftig fortgeführt werden, doch dafür braucht es Unterstützung vor Ort: „Deshalb wäre es super, wenn Studierende, die einmal einen ähnlichen Weg gehen, sich dafür begeistern und sich einbringen würden.“

Empfehlung für Interessierte

Für Interessierte am Austauschprogramm mit Mwanza hat Kaja nicht nur deshalb einen klaren Rat: „Ich kann es nur empfehlen! Von Auslandsaufenthalten kann man grundsätzlich immer etwas Bereicherndes mitnehmen. Neue Kulturen, Sprachen und Lebensweisen – aber auch Medizinisches. Ich finde es gut, wenn man ein möglichst breites Spektrum kennt, und später einmal verschiedene Aspekte verbindet.“

Die Arbeit in Tansania biete dabei neben einigen Herausforderungen auch viele Möglichkeiten. Studierende könnten zwar eher in die Rolle des Zuschauers schlüpfen. Ergreife man aber Eigeninitiative, bekomme man auch deutlich mehr Verantwortung als in einem deutschen Krankenhaus.

„In der Rolle des Intern Doctors leitet man mit einem Kollegen oder einer Kollegin eine ganze Station, hat Nachtdienste und ich durfte sogar meine erste eigene OP durchführen. Man kommt so definitiv in Situationen, wo man Verantwortung übernehmen muss. Meiner Meinung nach wächst man daran aber auch – beruflich wie menschlich.“

Das abschließende Fazit fällt daher deutlich aus: „Tansania ist wunderschön und extrem vielseitig, dazu sind die Menschen sehr herzlich. Es war eine tolle Zeit, aus der ich auf jeden Fall mit mehr Selbstvertrauen rausgegangen bin.“

Weitere Informationen zur Kooperation der JMU und des UKW mit den Einrichtungen in Mwanza und zum PJ am Bugando Medical Center gibt es hier.

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 3. Mai 2022.

Kaja Riebesell vor dem Logo der Catholic University of Health and Allied Sciences at Bugando. (Bild: Kaja Riebesell)
Kaja Riebesell vor dem Logo der Catholic University of Health and Allied Sciences at Bugando. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick vom achten Stock des Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick vom achten Stock des Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
OP der Kinderchirurgie im Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
OP der Kinderchirurgie im Bugando Medical Center. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick auf den Victoriasee an dessen Ufer Mwanza liegt. (Bild: Kaja Riebesell)
Blick auf den Victoriasee an dessen Ufer Mwanza liegt. (Bild: Kaja Riebesell)
Ein Besuch auf dem örtlichen Wochenmarkt. (Bild: Kaja Riebesell)
Ein Besuch auf dem örtlichen Wochenmarkt. (Bild: Kaja Riebesell)
Zufahrtsstraße zum Bugando Medical Center in Mwanza. (Bild: Kaja Riebesell)
Zufahrtsstraße zum Bugando Medical Center in Mwanza. (Bild: Kaja Riebesell)

Universitätsklinika begrüßen Berufung der Krankenhaus-Kommission

Die deutschen Universitätsklinika begrüßen den Start der „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“, die gestern von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach einberufen wurde.

„Es ist gut, dass die Experten-Kommission steht und jetzt zügig mit ihrer wichtigen Arbeit zur Vorbereitung einer Krankenhausreform starten kann“, sagt Professor Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD).

„Der Minister hat explizit die Rolle der Universitätsklinika gewürdigt, die entsprechend des Koalitionsvertrages als höchste Versorgungsstufe etabliert werden müssen. So sichern wir auch in Zukunft eine hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten“, so Jens Scholz weiter.

Ebenfalls positiv sehen die Universitätsklinika, dass auch die juristische Expertise in der Kommission nicht zu kurz kommt. „So kann die rechtliche Ausgestaltung der Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern direkt mitgedacht werden“, so Jens Bussmann, Generalsekretär des VUD.

Kontakt:
Stephanie Strehl-Dohmen
Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V.
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
Email: strehl-dohmen@ uniklinika.de
www.uniklinika.de 

 

Pressemitteilung - Verband der Universitätsklinika Deutschland vom 3. Mai 2022

 

Die Universitätsmedizin beim Würzburger Gesundheitstag 2022

Das Uniklinikum und die Würzburger Universität beteiligen sich mit einem breiten Themenspektrum am 12. Würzburger Gesundheitstag, der am Samstag, den 14. Mai 2022 in der Innenstadt stattfindet.

Am Samstag, den 14. Mai 2022 veranstaltet das Aktivbüro der Stadt Würzburg den 12. Würzburger Gesundheitstag. Über 80 Institutionen aus dem professionellen Gesundheitsbereich, aus Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen werden in der Innenstadt informieren, beraten und unterhalten. Auch die Würzburger Universitätsmedizin ist wieder mit einer großen Themenvielfalt dabei.

Dazu finden sich das Uniklinikum Würzburg (UKW) und die Universität mit fünf Infoständen vor dem Falkenhaus am Oberen Markt. 

Studien in Hausarztpraxen und Stammzelltransplantation

Das Institut für Allgemeinmedizin des UKW erläutert dort, wie sich Bürgerinnen und Bürger an Studien beteiligen können, die von Hausarztpraxen als wissenschaftliche Partner der Universitätsmedizin durchgeführt werden. Anhand einzelner Forschungsprojekte zu den Themen Covid-19 und zum unkomplizierten Harnwegsinfekt, die vom Feedback des Bürgerforums profitiert haben, soll die Rolle des Bürgerforums in der Wissenschaftskommunikation demonstriert werden.

Deutlich wird auch der national wie international hohe Stellenwert der von der Würzburger Universitätsmedizin geleisteten onkologischen Forschung, Vorsorge und Therapie. Der Fokus der Präsentationen liegt diesmal auf der Stammzelltransplantation – und auf der Möglichkeit, selbst Stammzellspenderin oder -spender zu werden. Neben der Information am Stand hält Dr. Daniel Teschner von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II um 13:00 Uhr zu diesem Themenkreis auch einen Vortrag im Dauthedey-Saal der benachbarten Stadtbücherei unter dem Titel „Stammzelltransplantation – wie läuft eine Transplantation ab und was muss ich als Spender wissen?“.

Infos zur Herzgesundheit und Kontakte zur Selbsthilfe

Unter dem Motto „Hand aufs Herz“ informieren die Medizinische Klinik und Poliklinik I des UKW und das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) über die Risiken und die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen. Auch hier gibt es einen begleitenden Vortrag in der Stadtbücherei: Um 13:45 Uhr gibt Prof. Dr. Christoph Maack, der Sprecher des DZHI, Antworten auf die Frage „Wie schütze ich mich vor Herz-Kreislaufkrankheiten?“.

Als selbsthilfefreundliche Gesundheitseinrichtung fördert und pflegt das UKW die Verbindungen zwischen Patientinnen und Patienten und den Selbsthilfegruppen. Der Gesundheitstag soll dazu dienen, die Leistungen der Selbsthilfe zu verdeutlichen und neue Kontakte zu schließen.

Partner im Bündnis gegen Depression

Last but not least ist das UKW mit seinem Zentrum für Psychische Gesundheit als Partnerinstitution auf dem Stand des Würzburger Bündnisses gegen Depression auf dem Oberen Markt vertreten. 

Der Gesundheitstag geht von 10:00 bis 16:00 Uhr.

Schadstoff-Unfall: Erfolgreiche Übung in der Notaufnahme der Uniklinik

Dekontaminationsanlage im Praxistest: Rund 90 Beteiligte trainieren Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Bayerischem Roten Kreuz und Uniklinikum

Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising

Alarm an der Uniklinik Würzburg: Am Samstagmorgen werden zwei Patienten angekündigt, die einen Unfall mit Schadstoffen erlitten haben. In wenigen Minuten wird daher die spezielle Dekontaminationsanlage am UKW eingerichtet. Kurz darauf werden die Patienten gebracht. Bevor der Patient in der UKW-Notaufnahme gesichtet und versorgt wird, muss er zuerst dekontaminiert, also mit Wasser abgewaschen werden. Um diese konkreten Abläufe ging es bei einer Übung am Samstag, 30. April, direkt vor der Notaufnahme der Würzburger Uniklinik.

Über den Tag verteilt waren rund 90 Personen an der Übung beteiligt. Die Uniklinik war mit rund 20 Personen aus Pflege, Ärzteschaft und Technik vertreten. Hinzu kamen nacheinander etwa 70 Beteiligte der Feuerwehren von Stadt und Landkreis Würzburg, aus Kitzingen, Main-Spessart und den Einheiten des Katastrophenschutzes des BRK, um die Arbeit mit der Dekontaminationsanlage am UKW zu trainieren.

Prof. Dr. Thomas Wurmb, Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin am UKW: „Um die Betroffenen vor einer Einwirkung des Schadstoffes zu schützen und um eine Verschleppung des Stoffes in die Krankenhäuser zu vermeiden, ist eine sogenannte Dekontamination nötig. Hierbei wird Kleidung entfernt und die Patienten werden mit Wasser gewaschen. Hierfür haben wir am UKW gemeinsam mit den Kollegen der Berufsfeuerwehr, den Spezialkräften des Bayerischen Roten Kreuzes und der UKW-Technik vor drei Jahren eine eigene Dekontaminationsanlage installiert.“ 2020 erfolgte die erste Übung, eine zweite Übung war für 2020 geplant. Sie musste jedoch pandemiebedingt mehrmals verschoben werden.

Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerwehren und der Rettungsdienste. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam solche Abläufe praxisnah üben können. Denn so können wir uns gemeinsam bestmöglich auf solche Szenarien vorbereiten und unsere Abläufe verbessern. Daher danke ich allen, die an dieser Übung teilgenommen haben“, so Helmut Sattler, zuständiger Übungsleiter bei der Berufsfeuerwehr Würzburg.

Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising

Ausgezeichnete Lehre in Radiologie und IT

Prof. Dr. Bettina Baeßler hat den Most Effective Radiology Educator Award der EuroMinnies erhalten

Das Bild zeigt Bettina Baessler mit der Trophäe.
Für ihr außerordentliches Engagement in der Ausbildung hat Prof. Dr. Bettina Baeßler, Leiterin der Kardiovaskulären Bildgebung am UKW-Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie den Most Effective Radiology Educator Award der Euro Minnies erhalten. © Henner Huflage

„Wer guten Nachwuchs haben möchte, der kreativ und innovativ denkt und arbeitet, der muss in die Lehre investieren und für sein Fach begeistern wollen“, findet Bettina Baeßler. Schon im Studium hat sich die gebürtige Rheinländerin vorgenommen, die Lehre zu verbessern. Mit Erfolg. Die Radiologie-Webseite AuntMinieEurope.com hat die Radiomics-Expertin zur effektivsten Ausbilderin der europäischen Radiologie gekürt. Jedes Jahr können die Abonnentinnen und Abonnenten der Webseite Persönlichkeiten für vier People Awards nominieren. Vom Rising Star über einflussreichste RadiologIn und WissenschaftlerIn bis hin zum Most Effective Radiology Educator. Ein Expertengremium ermittelt schließlich nach verschiedenen Auswahlrunden die Gewinnerinnen und Gewinner. Aunt Minnie ist übrigens die Bezeichnung für einen radiologischen Befund, der auf den ersten Blick so offensichtlich ist, dass es keine Zweifel an der Diagnose gibt.

Go for IT

Offensichtlich ist auch, dass Bettina Baeßler mit Leib und Seele Forschung und Lehre betreibt. Die zweifache Mutter leitet seit Oktober 2021 den Bereich „Kardiovaskuläre Bildgebung“ am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Außerdem ist die 38-Jährige im Rahmen einer W2-Professur für den neu geschaffenen Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz in der Bildgebung“ zuständig. Die Medizinstudierenden an der Julius-Maximilians-Universität dürfen sich auf spannende und vor allem praxisbezogene Vorlesungen freuen und die Assistenzärztinnen und -ärzte auf ein neues, modernes Ausbildungsprogramm, welches Bettina Baeßler auf der Grundlage des Curriculums der European Society of Radiology geschaffen hat. Im Rahmen der Überarbeitung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM 2.0) war sie zudem als Projektgruppensprecherin für die radiologischen Lernziele und die Implementierung digitaler Kompetenzen in das Medizinstudium zuständig. Seit dem vergangenen Jahr ist sie Vorsitzende des Education Committee der kardiovaskulären Sektion der International Society for Magnetic Resonance in Medicine (ISMRM), wo sie unter anderem neue Lehrmaterialien entwickelt.

Für die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) hat sie zudem gemeinsam mit PD Dr. Daniel Pinto dos Santos die Webinar-Reihe „Go for IT“ ins Leben gerufen, in der sie einmal im Monat Grundkenntnisse wie Programmieren und Statistik mit Fokus auf Radiologie vermittelt haben. Darüber hinaus ist sie Mitbegründerin und Geschäftsführerin der LernRad GmbH, einem Unternehmen, das E-Learning-Inhalte für Medizinstudierende und Radiologinnen und Radiologen in Deutschland erstellt.

Vorreiterin auf dem Gebiet Radiomics

„Ich möchte gern meine Erfahrungen und mein Wissen weitergeben, das ich mir selber mühsam erarbeitet habe“, begründet sie ihren außerordentlichen Einsatz in Weiterbildung und Lehre. Als sie im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur quantitativen kardialen Magnetresonanztomografie an Grenzen stieß, die eine Translation, also eine Übertragung in den klinischen Alltag verhinderten, beschäftigte sie sich notgedrungen mit angewandter Statistik und maschinellen Lernen und entwickelte so neue Parameter. So stieß sie auf eine neue und aufstrebende Wissenschaft: Radiomics. Mithilfe von Radiomics können die für das menschliche Auge nicht sichtbaren Informationen, die in radiologischen Bildern enthalten sind, analysiert werden. Bettina Baeßler gilt im In- und Ausland als eine der anerkanntesten Vordenkerinnen auf dem Gebiet Radiomics.

Gegen den Spruch “radiology is not a science, it is a tool”, wehrt sie sich vehement. Schon als Assistenzärztin an der Uniklinik Köln hat sie die Lehre in die Hand genommen, um die Radiologie aus ihrem Schattendasein zu befreien. Später half sie bei der Entwicklung eines Projekts zur Qualitätsverbesserung der radiologischen Lehre mit, indem sie Vorlesungen auf Abruf bereitstellte und Online-Abstimmungssysteme in die Vorlesungen einbaute.

Erweiterte Intelligenz statt Künstlicher Intelligenz

Den Hype um die Künstliche Intelligenz sieht die Radiomics-Expertin allerdings eher kritisch. Sie ist vielmehr an Tatsachen interessiert, an valider Translation in den klinischen Alltag. Unterm Strich müsse die Künstliche Intelligenz etwas bringen und von Nutzen sein. Und das versuche sie dem Nachwuchs beizubringen. „Ich plädiere für augmented intelligence, also einer Erweiterung der Intelligenz statt Künstlicher Intelligenz“, sagt sie. Das bedeutet in der Praxis: „Als Clinician Scientist sehe ich, wo es bei der Arbeit Probleme gibt und welche Erleichterung sinnvoll wäre. Die augmented intelligence kann spezielle Aufgaben übernehmen und der Radiologin oder dem Radiologen assistieren.“ Als Beispiele nennt sie einen second read mittels KI, um die Detektion von Osteolysen beim Multiplen Myelom zu automatisieren, oder eine Risikomodellierung, bei der Korrelationen zwischen radiologischer Diagnostik, klinischen Befunden und molekulargenetischen Subtypen einer Erkrankung erstellt werden.

Vielfalt in der Radiologie

Ein weiteres wichtiges Thema, das Bettina Baeßler am Herzen liegt ist die Diversität und Inklusion. Dabei geht es ihr nicht allein um die Gleichstellung von Frauen und Männern in Medizin und Wissenschaft, sondern auch um Wissenstransfer von Alt nach Jung und umgekehrt, um soziale Herkunft und ethnischen Hintergrund. Für die, die Vielfalt wirklich leben wollen, die miteinander statt gegeneinander arbeiten wollen, für die hat sie mit Dr. Nienke Lynn Hansen im Rahmen der DRG den Podcast RADiversum geschaffen. Gerade die Radiologie habe mir ihrer Nähe zum Digitalen und zum technisierten Arbeiten viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen und Vorreiter für neue Arbeitsmodelle zu sein. Reinhören ausdrücklich erwünscht: www.diversity.drg.de

In der UKW-Reihe #WomenInScience berichtet die Radiologin über ihre Faszination an der Forschung und warum sie für die Quote ist: www.ukw.de/forschung-lehre/women-in-science/