Aktuelle Pressemitteilungen

Informationstag zur Inkontinenz bei Frauen

Die Klinik für Urologie und die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg organisieren am Samstag, den 9. November 2024 den 1. Würzburger Inkontinenz-Tag. Im Mittelpunkt der Vortragsveranstaltung stehen die Behandlungsmöglichkeiten bei weiblicher Harninkontinenz.

Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay
Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay Dem ungewollten Abgang von Urin können sehr unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Würzburg. Harninkontinenz tritt sowohl bei Männern als auch Frauen auf, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger daran leiden als Männer. Schätzungsweise ist jede zweite Frau im Alter zu einem gewissen Grad davon betroffen. „Leider ist die Erkrankung nach wie vor ein Tabuthema“, bedauert Prof. Dr. Hubert Kübler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Und Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik des UKW ergänzt: „Nicht zuletzt deshalb wissen viele Patientinnen gar nicht, dass es heutzutage viele hilfreiche Behandlungsmethoden gibt, die auch in Unterfranken unkompliziert verfügbar sind.“

Um hier weitere Aufklärungsarbeit zu leisten, organisieren die beiden Kliniken am Samstag, den 9. November 2024 gemeinsam den 1. Würzburger Inkontinenz-Tag. Die kostenlose Veranstaltung findet im Großen Hörsaal der Universitäts-Zahnklinik am Pleicherwall 2 statt. Zwischen 10:00 und 12:15 Uhr werden in Vorträgen die Beratungsangebote sowie die konservativen und operativen Therapien vorgestellt, die am UKW in der Gynäkologie und der Urologie sowie in lokalen urologischen Praxen verfügbar sind. Zum Abschluss haben die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, mit den Fachleuten zu diskutieren.

Für die Teilnahme wichtig ist eine Anmeldung bei Astrid Breitenstein unter Tel. 0931/201-32012 oder E-Mail: Breitenste_A@ ukw.de.

 

Text: Pressestelle / UKW

Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay
Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay Dem ungewollten Abgang von Urin können sehr unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Opioide nach Operationen

Große Kassendatenanalyse mit Würzburger Beteiligung zeigt, dass Operationen in Deutschland nur selten Auslöser einer langfristigen Opioideinnahme sind / Geringere Häufigkeit als in den USA.

 

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Operationssaal des UKW - Zwei Chirurginnen und ein Chirurg am OP-Tisch.
Eine neue Studie, an der das UKW beteiligt war, zeigt dass Operationen in Deutschland nur selten Auslöser einer langfristigen Opioideinnahme sind. © Daniel Peter / UKW

Jena/Würzburg. Macht eine postoperative Schmerztherapie mit Opioiden süchtig? In den USA und einigen anderen Ländern der Welt, die mit massivem Opioid-Fehlgebrauch zu kämpfen haben, wird dies vermutet und bereits empfohlen, auf dieses Schmerzmittel während und nach Narkosen zu verzichten. Auch in Deutschland ist der Gesamt-Opioidverbrauch seit Jahren relativ hoch – eine Forschungsgruppe unter Leitung des Universitätsklinikums Jena und mit Beteiligung des Uniklinikums Würzburg untersuchte nun, ob Operationen eine längerfristige Opioideinnahme auslösen können und ob bestimmte Eingriffe besonders dazu beitragen.

1,4 Prozent von 200.000 Versicherten haben sechs Monate nach der Operation Opioide verordnet bekommen 

Dazu wurden die Daten aller im Jahr 2018 operierten BARMER-Versicherten daraufhin untersucht, ob in den beiden Quartalen nach der Operation eine Opioidverordnung vorlag. Um den Einfluss von Operation, Narkose und postoperative Schmerztherapie als mögliche Auslöser für eine langfristige Opioideinnahme untersuchen zu können, wurden Personen mit einer Krebserkrankung oder einer bereits bestehenden Opioideinnahme von der Analyse ausgeschlossen. Die gute Nachricht: Von den mehr als 200.000 operierten Patientinnen und Patienten erhielten sechs Monate nach der Operation nur 1,4% derartige Schmerzmittel-Rezepte. „Diese Zahl ist in Nordamerika drei- bis viermal höher“, betont Johannes Dreiling, Erstautor der Studie aus Jena. 

Nach Amputationen erhalten 15 bis 20 Prozent der Operierten längerfristig Opioide

Die Studie verglich jedoch auch erstmals detailliert die Unterschiede zwischen einzelnen Operationen – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. So lag die langfristige Opioidverordnung nach Wirbelsäulen-, Schulter- und Sprunggelenksoperationen sowie wiederholten Gelenkersatz-Eingriffen um den Faktor 3 bis 7 über dem Durchschnitt. Absoluter „Spitzenreiter“ waren jedoch Amputationen, nach denen ca. 15-20% der Betroffenen längere Zeit Opioide verschrieben bekamen. Ursula Marschall, Leiterin Versorgungsforschung der BARMER: „Diese Ergebnisse deuten an, dass Opioide nach Operationen nicht generell verdammt werden sollten, zumal sie weniger organschädigende Wirkungen haben als viele andere Schmerzmittel. Aber nach bestimmten Operationen müssen wir Patientinnen und Patienten enger als bisher betreuen und begleiten, um Schmerz- und Medikationsprobleme, sowie eine möglicherweise beginnende Abhängigkeit rechtzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln.“

Krankenkassendaten sind wichtiger Baustein zur Versorgungsforschung 

Neben der Operation konnten in der Studie noch weitere Risikofaktoren für einen längerfristigen Opioidgebrauch identifiziert werden. Dazu gehören die Verschreibung von Antidepressiva und anderen Schmerzmitteln bereits vor der Operation, Alkoholmissbrauch sowie vorbestehende chronische Schmerzen. „Unsere Arbeit belegt erneut, welches Potential, aber auch welche Limitationen Auswertungen von Routine- und Registerdaten haben. So können Krankenkassendaten sehr exakte Angaben zur Medikamentenverschreibung liefern Es ist jedoch schwierig herauszufinden, warum diese Medikamente eingenommen wurden. Daher können wir nicht genau erkennen, bei welchen Menschen die Opioideinnahme gerechtfertigt war“ so Letztautor Daniel Schwarzkopf. Prof. Dr. Heike Rittner, die mit ihrem Zentrum interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) am Uniklinikum Würzburg die hochkomplexe Datenauswertung unterstützt hat, betont: „Solche Routine-Datenbanken haben die Daten passend zu den Abrechnungscodes und nicht zu wissenschaftlichen Fragestellungen.“ Dennoch: Die Analyse von Krankenkassendaten werde auch in Zukunft ein wichtiger Baustein der Versorgungsforschung sein.

Publikation:
Dreiling J, Rose N, Arnold C, Baumbach P, Fleischmann-Struzek C, Kubulus C, Komann M, Marschall U, Rittner HL, Volk T, Meißner W, Schwarzkopf D: The incidence and risk factors of persistent opioid use after surgery—a retrospective secondary data analysis. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: online first. https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/241469 , DOI:10.3238/arztebl.m2024.0200 

Förderhinweis:
Die Studie ist im Rahmen des Projektes LOPSTER entstanden, das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wurde. 
 

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Operationssaal des UKW - Zwei Chirurginnen und ein Chirurg am OP-Tisch.
Eine neue Studie, an der das UKW beteiligt war, zeigt dass Operationen in Deutschland nur selten Auslöser einer langfristigen Opioideinnahme sind. © Daniel Peter / UKW

Das Magazin klinikum & wir : So gestaltet auch freiwilliges Engagement das Uniklinikum Würzburg

Am Uniklinikum Würzburg gibt es viele Möglichkeiten, wie sich Beschäftigte über ihre originären beruflichen Aufgaben hinaus auch freiwillig für diverse Aspekte der Lebens- und Arbeitswelt Krankenhaus einsetzen können. Das Top-Thema des aktuellen Magazins klinikum & wir gibt hierzu einen Überblick.

Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.
Bild: Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.

Würzburg. Ob im Personalrat, in der Schwerbehindertenvertretung, beim Ideenmanagement oder in verschiedenen Arbeitsgruppen – am Uniklinikum Würzburg (UKW) engagieren sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freiwillig für Themen, die ihnen am Herzen liegen. klinikum & wir, das Magazin der Würzburger Universitätsmedizin, beschreibt im Top-Thema seiner gerade erschienenen Ausgabe 3/2024 entsprechende Tätigkeitsfelder und nennt maßgebliche Akteurinnen und Akteure.

Außerdem berichtet die 40-seitige Publikation über zentrale Ereignisse und Veranstaltungen sowie aktuelle Forschungsergebnisse und neue Therapieangebote der letzten Monate.Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen am Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine.

Text: Pressestelle / UKW

Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.
Bild: Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.

Personalia vom 15 Oktober 2024 - Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Erteilung von Lehrbefugnissen und mehr.

Dr. Friedrich Anger, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgische Klinik I), wurde mit Wirkung vom 01.10.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Chirurgie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 15. Oktober 2024

Erstmals in Bayern: Prof. Dr. Melanie Messer ist neue Professorin für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg

Institut für Pflegewissenschaft gegründet / Bachelorstudiengang „Pflegewissenschaft“ soll 2025 starten

Prof. Dr. Melanie Messer
Prof. Dr. Melanie Messer hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg übernommen. Gleichzeitig leitet sie das neu gegründete Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: Foto Braitsch, Trier.

Würzburg. Eine Premiere in Bayern: Prof. Dr. Melanie Messer hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg übernommen – die erste Professur dieser Fachdisziplin an einer staatlichen Universität im Freistaat. Gleichzeitig leitet sie das neu gegründete Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Zum Wintersemester 2025/26 soll der Bachelorstudiengang „Pflegewissenschaft“ in Würzburg erstmals starten. Damit nimmt Würzburg eine Vorreiterrolle als wichtiger Standort für die universitäre Pflegewissenschaft und in der akademischen Pflegeausbildung ein.

Prof. Messer wechselte Anfang Oktober von der Universität Trier nach Würzburg, wo sie die Professur für Pflegewissenschaft mit Schwerpunkt „Klinische Pflege über die Lebensspanne“ innehatte und die Abteilung Pflegewissenschaft II leitete.

Forschungsschwerpunkte in evidenzbasierter Pflege- und Versorgungsforschung

Das Institut für Pflegewissenschaft in Würzburg wird sich insbesondere mit den klinischen und strukturellen Herausforderungen der Versorgung bei chronischen Erkrankungen und Multimorbidität befassen. Prof. Messer erklärt: „Meine Forschung zielt darauf ab, bedarfsgerechte, innovative Pflegeansätze zu entwickeln und die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern.“ Sie forscht zur Sicherung und Förderung von Versorgungsqualität, Patienten- und Nutzerzentrierung, Gesundheits- und digitaler Gesundheitskompetenz, Public Health Nursing und neuen Technologien sowie Pflege in Krisensituationen. „Würzburg bietet hervorragende Voraussetzungen für Forschung und Lehre und ich freue mich sehr auf eine eng vernetzte interprofessionelle Zusammenarbeit“, so die Pflegewissenschaftlerin.

Ab dem Wintersemester 2025/26 soll der Bachelorstudiengang „Pflegewissenschaft“ starten. Die Absolventinnen und Absolventen erwerben sowohl den akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) als auch die staatliche Berufszulassung als Pflegefachperson (B.Sc.). Damit wird Würzburg dringend benötigte, akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen ausbilden, die zukünftig auch erweiterte heilkundliche Aufgaben übernehmen können.

Ein zukunftsweisender Studiengang

Durch die enge Kooperation mit dem Universitätsklinikum erhalten Studierende eine praktische und wissenschaftliche Ausbildung in verschiedenen Versorgungsbereichen. Prof. Messer: „Das Studium legt besonderen Wert auf evidenzbasierte klinische Pflege, digitale Technologien, Qualitätsentwicklung und interprofessionelle Zusammenarbeit“. Dieser Studiengang wird als erster an einer staatlichen Universität in Bayern starten. „Akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen sind entscheidend, um in intra- und interprofessioneller Zusammenarbeit die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen und eine qualitativ hochwertige Versorgung zu sichern“, so Messer weiter.

Prof. Messer studierte Pflegewissenschaft und Public Health in Frankfurt am Main und Bremen und promovierte 2017 an der Universität Bielefeld. Sie arbeitete unter anderem am IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) in Köln. Anschließend forschte und lehrte sie an der Universität Bielefeld und am dortigen Institut für Pflegewissenschaft (IPW). Am IQTIG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) in Berlin leitete sie den Stabsbereich „Patientenbelange“, bevor sie 2021 den Ruf nach Trier annahm.

Seit 2023 im Sachverständigenrat des Bundesgesundheitsministeriums

Ihre Expertise ist auch in der Politik gefragt: 2023 berief sie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in den Sachverständigenrat „Gesundheit und Pflege“, wo sie stellvertretende Vorsitzende ist. Zudem wurde sie vor Kurzem in den wissenschaftlichen Beirat des IQTIG berufen.

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinische Fakultät in Würzburg, erklärt: „Bereits seit 2022 gibt es bei uns den Studiengang Hebammenwissenschaften, jetzt beginnen wir mit dem Aufbau des Angebotes für die Pflegewissenschaft und werden damit unser Lehrangebot weiter bedarfsgerichtet ergänzen. Damit leisten wir einen zusätzlichen wichtigen Beitrag zur Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte im Gesundheitswesen. Und mit Prof. Messer kann die Würzburger Universitätsmedizin gleichzeitig weitere Schwerpunkte in der Versorgungsforschung setzen. Auf ihre neuen Impulse in Forschung und Lehre freue ich mich sehr.“ Das Forschungsprofil der Medizinischen Fakultät in Würzburg erhalte damit einen neuen zukunftsorientierten Impuls, so Prof. Frosch.

Marcus Huppertz, Pflegedirektor am Würzburger Universitätsklinikum, betont „Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Akademisierung der Pflege und können damit natürlich unser Angebot in Würzburg innovativ ausbauen. Gleichzeitig wird mit dem neuen Institut eine nationale Sichtbarkeit für die Pflegewissenschaft geschaffen. Ein wichtiges Element ist dabei auch die Übertragung neuer Erkenntnisse aus der Pflegewissenschaft in die tägliche Praxis. Zu dieser Translation wird das neue Institut um Prof. Messer einen wichtigen Beitrag leisten. Das UKW gestaltet damit aktiv die Zukunft der Pflege und nimmt bayernweit eine Vorreiterrolle ein.“

Prof. Dr. Melanie Messer
Prof. Dr. Melanie Messer hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg übernommen. Gleichzeitig leitet sie das neu gegründete Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: Foto Braitsch, Trier.

Medical Valley Award: 2 x eine halbe Million Euro für Gesundheitsinnovationen aus Würzburg

ENDOLEASE-Team überzeugt mit resorbierbaren Gefäßimplantaten zur hochpräzisen Medikamentengabe, das StrokeCap-Team mit mobiler Schlaganfalldiagnostik

Die mit dem Medical Valley Award 2024 ausgezeichnete Plattformtechnologie ENDOLEASE vom Uniklinikum Würzburg (UKW) hat das Potenzial, die Wirksamkeit diverser Therapien zu steigern und gleichzeitig systemische Nebenwirkungen drastisch zu reduzieren. Die StrokeCap ist ein von der Julius-Maximilians-Universität und dem UKW gemeinsam entwickeltes innovatives, tragbares Gerät, das die mobile Schlaganfalldiagnostik revolutionieren und so Leben retten kann.

 

Die Preisträgerin und Erfinderin von ENDOLEASE Anna Fleischer mit Trophäe und Blumenstrauß umringt von ihren Kollegen
Gewinnerteam ENDOLEASE beim Medical Valley Award, vorne v.l.n.r.: Dr. Eric Wittchow, Dr. med. Anna Fleischer M.Sc., Prof. Dr. med. Ulrich Hofmann, hinten links: Michael Bartolf-Kopp M.Sc. und Franz Moser M.Sc.. Es fehlen Prof. Dr. Tomasz Jüngst, Johannes Braig M.Sc. und Dr. Heinz Schwer MBA. © Berthold Fleischer
Team posiert mit Akteuren aus Politik und Medical Valley bei Preisverleihung
Übergabe des Medical Valley Awards. Das StrokeCap-Team v.l.n.r. Dr. Patrick Vogel, Johanna Günther, Dr. Martin Rückert, Teresa Reichl, Prof. Dr. Volker Behr, PD Dr. med. Stefan Herz, der Vertreter des Staatsministeriums Dr. Thomas Krammer sowie die Mitglieder der Jury und des Medical Valley EMN e.V Marina Moskvina, Marco Wendel, Dr. Jörg Stein. © Medical Valley EMN e.V.

Würzburg / Erlangen. Der Medical Valley Award 2024, eine prestigeträchtige Auszeichnung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, ging dieses Jahr gleich zweimal an Teams aus der Universitätsmedizin Würzburg. Bereits zum fünften Mal wurden herausragende Forschungsteams ausgezeichnet, die innovative Ideen für die Gesundheitsbranche entwickeln und ein eigenes Start-up gründen wollen. Jedes der fünf Teams erhält eine Förderung von 500.000 Euro sowie eine individuelle Betreuung und fachliche Unterstützung durch das Medical Valley-Netzwerk, das rund 250 Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Netzwerken und Politik umfasst. 

Vom Uniklinikum Würzburg konnte das ENDOLEASE-Team die Jury mit einer innovativen Plattformtechnologie zur präzisen Freisetzung von Medikamenten überzeugen. Die resorbierbaren arteriellen Implantate, mit denen die Wirkstoffe gezielt und lokal in den Blutstrom abgegeben werden, können die Behandlung schwerer Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Krebserkrankungen verbessern. Details zum ENDOLEASE-System gibt es hier

Das StrokeCap-Team von der Universität und dem Uniklinikum Würzburg darf sich ebenfalls über die begehrte Auszeichnung freuen. Die StrokeCap ist ein innovatives, tragbares Gerät für eine präzise mobile Schlaganfalldiagnostik. Mithilfe von injizierbaren magnetischen Nanopartikeln können Notfallteams die Durchblutung des Gehirns strahlenfrei und in Echtzeit darstellen und somit unmittelbar das optimale Krankenhaus auswählen, damit die Zeit bis zur Behandlung des Schlaganfalls drastisch verkürzt und somit schwere Folgeschäden signifikant reduziert werden können. Eine separate Meldung zum StrokeCap-Projekt finden Sie hier

Neben den beiden Teams aus Würzburg wurden von der Technischen Universität München das Team QuLiBi für eine Quantensensorik-basierte Flüssigbiopsie für Krebsmonitoring und das Team MILA für seine MIkrostrahl Linienfokus-Röntgenanlage ausgezeichnet. Das NovaSurgAI-Team des LMU-Klinikums erhielt den Medical Valley Award für eine KI-gestützte Chirurgie, die mit Datenwissenschaften die Bauchchirurgie revolutionieren will. Eine ausführliche Pressemitteilung des Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg e. V. zur Preisverleihung am 2. Oktober in Erlangen mit Informationen zu den fünf Gewinnerteams finden Sie hier
 

SARS-CoV-2-Antigenschnelltests unter der Lupe

Wie Impfungen und Virusvarianten die Ergebnisse beeinflussen

Einzigartige Studie des Universitätsklinikums Würzburg untersucht die Leistungsfähigkeit von über 78.000 durchgeführten SARS-CoV-2-Antigenschnelltests parallel zur PCR-Referenzdiagnostik über die COVID-19-Pandemie hinweg, von November 2020 bis Juni 2023, und analysiert die interagierenden Effekte der Omikron-Virusvariante und der COVID-19-Impfung.

 

Das Bild zeigt eine Hand mit blauem Handschuhe, welche die Pufferlösung auf den Teststreifen tropfen lässt.
In der Pandemie wurden am Uniklinikum Würzburg von November 2020 bis Juni 2023 über 100.000 SARS-CoV-2-Antigenschnelltests durchgeführt, deren Testperformance PD Dr. Manuel Krone und Isabell Wagenhäuser gemeinsam im Pandemieverlauf verfolgt und fortlaufend ausgewertet haben. © Angie Wolf / UKW
Collage der Porträts von Isabell Wagenhäuser und Manuel Krone
PD Dr. Manuel Krone und Isabell Wagenhäuser haben im Journal eBioMedicine ihre abschließende Analyse der weltweit größten Antigenschnellteststudie veröffentlicht, welche die gesamte COVID-19-Pandemie und den Einfluss der Omikron-VOC und der COVID-19-Impfung einschließt. © Collage / UKW

Die im Journal eBioMedicine veröffentlichten Forschungsergebnisse zeigen, dass die Sensitivität der Antigenschnelltests über die Pandemie hinweg rückläufig war. Nicht nur die Viruslast im Rachenraum, sondern auch die COVID-19-Symptomatik der getesteten Person wie Fieber oder Husten beeinflusste die Testleistung. Da bei geimpften Personen seltener Symptome auftraten, war bei ihnen die Testempfindlichkeit geringer. Trotz dieser Einschränkungen erweisen sich Antigenschnelltests nach wie vor als nützliches Instrument zur schnellen Erkennung einer SARS-CoV-2-Infektionen bei symptomatischen Personen und eine wichtige Ergänzung zu PCR-Tests. 

Ein Interview mit der Erstautorin der Studie Isabell Wagenhäuser und dem Letztautor PD Dr. Manuel Krone aus der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship des Universitätsklinikums Würzburgs (UKW).

Wann ist ein Antigenschnelltest sinnvoll?

Manuel Krone: Wenn man Symptome einer Atemwegsinfektion hat, also Husten, Halsschmerzen, Schnupfen oder Fieber, und wissen möchte, ob man SARS-CoV-2 hat, dann funktionieren die Schnelltests unabhängig von Impfstoff und SARS-CoV-2-Variante recht gut. Letztlich stellt sich aber natürlich die Frage: Was hat man davon, wenn man weiß, ob man COVID-19 hat oder eine durch ein anderes Virus ausgelöste Infektion? 

Wenn man weiß, dass man Corona hat, ist man vielleicht vorsichtiger, setzt bei der Arbeit oder beim Einkaufen einen Mundschutz auf, um sein Umfeld zu schützen.

Manuel Krone: COVID-19 ist leichter übertragbar als eine Grippe oder andere Atemwegsinfektionen. Trotzdem sollte man generell immer einen Mundschutz tragen, wenn man erkältet ist und mit gefährdeten Menschen in Kontakt kommt. In der Klinik propagieren wir keine Tests mehr, aber wir sagen ganz klar: Wer Atemwegssymptome hat und sich arbeitsfähig fühlt, sollte mit Maske arbeiten. 

Sie haben eine der größten, wenn nicht sogar die größte Studie zu Antigenschnelltests durchgeführt. Was ist das Besondere daran? 

Isabell Wagenhäuser: Es gibt einzelne Studien, die mehr Tests umfassen als unsere, aber sie haben andere Fragestellungen und einen kürzeren Erhebungszeitraum. Mit unserer Studie wurde als bisher einzige Studie die gesamte Pandemie betrachtet, vor allem auch wie sich die Testperformance der Antigenschnelltests unter welchen, auch neu auftretenden Einflussfaktoren wie die COVID-19-Impfung entwickelt haben.

Konkret haben verschiedene Kliniken des Uniklinikums Würzburg zusammen mit den Instituten für Hygiene und Mikrobiologie sowie für Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg von November 2020 bis Juni 2023 insgesamt 78.000 valide Antigenschnelltests an Patienten, deren Begleitpersonen oder an Mitarbeitenden durchgeführt. Gemeinsam mit jedem Antigenschnelltest wurde auch ein Abstrich für die PCR-Diagnostik als vergleichende Referenz entnommen. Davon ausgehend wurden Sensitivität und Spezifität von den verwendeten Antigenschnelltests mit der als Goldstandard geltenden PCR-Diagnostik verglichen und die Auswirkungen von Alter, Geschlecht, Impfung, Virusvarianten, der Viruslast im Rachenraum zum Zeitpunkt des Abstrichs sowie die Symptomatik auf die Testperformance analysiert. In dieser klinischen Screening-Anwendung mit den Faktoren und dieser hohen Qualität gibt es keine vergleichbare Studie. 

Die Studie ist einzigartig, aber wie relevant ist sie?

Manuel Krone: Unsere Studie ist sehr wichtig, um auch für den Nachweis anderer Erreger mit Antigenschnelltests die Stärken und Schwächen der Testmethodik besser zu verstehen. Zum Beispiel, ob bei einer saisonalen Häufung von akuten respiratorischen Infektionen die Ressource Schnelltest gezielt und bewusst eingesetzt werden soll oder nicht. 

Wie können die Bevölkerung, Politik, Wissenschaft und Industrie von den Ergebnissen profitieren?

Manuel Krone: Wir alle wissen jetzt, dass die Schnelltests bei Symptomen unabhängig vom Impfstatus und der Omikron-Variante aussagekräftig sind. Für die Politik ist die Studie eher retrospektiv. Denn wir zeigen, dass die Rolle von Antigenschnelltests in Screening-Programmen für asymptomatische Personen kritisch hinterfragt werden muss. Die Antigenschnelltests in den Schulen bei asymptomatischen Kindern und Jugendlichen waren zum Beispiel retrospektiv gesehen von geringem Nutzen. 

Für die Industrie und die Wissenschaft könnte der Aspekt der Viruslast interessant sein: Wir setzen meist RNA-Menge und Viruslast gleich, weil wir sie so einfach bestimmen können. Unsere Daten weisen darauf hin, dass das Verhältnis von Nukleokapsid, also eines Virusproteins, welches wir mit Schnelltests detektieren, und der RNA in Rachenabstrichen nicht konstant ist, sondern von der Symptomatik des Infizierten abhängt. Und letztere hängt wiederum vom Impfstatus und der Virusvariante ab. 

Inwiefern könnte Ihre Studie die Herstellung neuer Tests beeinflussen? 

Manuel Krone: Unsere Ergebnisse sind in der Tat ein Ausgangspunkt für neue diagnostische Tests, zum einen, um die Schwere einer Infektion vorherzusagen, zum anderen, um neue Targets zu definieren, wann welcher Test anschlägt, mit welcher Methodik, bei welcher Dynamik. 
Wir haben gesehen, dass RNA und Nukleokapsid unterschiedliche Dynamiken in der Infektion haben, und das muss man berücksichtigen, wenn man neue Tests entwickelt.

Ist die Forschung in Würzburg an den Antigenschnelltests mit dieser Studie nun abgeschlossen?

Manuel Krone: Unsere Forschung zum Thema SARS-CoV-2-Antigenschnelltests ist damit abgeschlossen. Aber… 

Isabell Wagenhäuser: …man kann und sollte sich jetzt natürlich noch weiterführend damit beschäftigen. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, die wichtig und interessant sind. Entsprechend viele offene Forschungsfragen sind entstanden, die wir aus dem Projekt mitnehmen. Das Nukleokapsid-RNA-Verhältnis ist bisher noch gar nicht erforscht. Wie verhalten sich im akuten Infektionsgeschehen die RNA, die die PCR diagnostiziert, und die im Rachenraum vorhandenen Virusproteine, die der Antigenschnelltest nachweist, zueinander? Hier lassen sich weitere Anknüpfungspunkte für neue diagnostische Methoden finden. Wie korreliert das Nukleokapsid-RNA-Ratio, also das Verhältnis der Menge an Nukleokapsidproteinen zur Menge an RNA innerhalb eines Viruspartikels, mit der Schwere der Symptome? Kann ich damit möglicherweise klinische Verläufe vorhersagen? Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Nachhaltigkeit. Wir haben ja mit den Antigenschnelltests unglaublich viel Müll produziert und viele Ressourcen verbraucht bzw. in die Diagnostik investiert. Dann die Frage der Übertragbarkeit auf andere Erreger: Es gibt inzwischen kombinierte Antigenschnelltests, die SARS-CoV-2, RSV und Influenza A und B nachweisen. Was können sie wirklich? PCR-Methoden lassen sich inzwischen auch gut außerhalb von Laboreinrichtungen durchführen, so genannte Point-of-Care-Tests (POCT). Damit kann man eine Reihe von Auswertungen in Gang setzen und Diagnostikalgorithmen optimieren.

Die Diagnostik akuter respiratorischer Infektionen ist auch postpandemisch ein weites und zudem ein sehr relevantes Feld in der klinischen Anwendung. Es gibt also auch postpandemisch viele hochrelevante Fragestellungen, die nicht nur Teil der Pandemic Preparedness sind im Sinne von „wie bereiten wir uns auf die nächste Pandemie vor“, sondern auch die allgegenwärtige Regelversorgung betreffen.

Gab es Überraschungsmomente im Rahmen der Studie?

Manuel Krone: Ja, am Ende beim Peer-Review-Verfahren. Wir hatten schon eine saubere und gut ausgearbeitete Statistik, die bei der Komplexität der Daten auch notwendig ist, aber nach der Begutachtung mussten wir noch einmal komplexe Regressionsmodelle nachliefern.

Isabell Wagenhäuser: Wichtig zu betonen ist auch, dass wir aus den geplanten Studiendaten erst in Kombination mit richtig großen Routinedatensätzen zu solchen Erkenntnissen kommen konnten. Das Ausmaß an herangezogenen Datensätzen hat mich positiv überrascht, sodass wir am Ende mehr als 500.000 Datensätze aus Befragungen, Meldedaten, dem Krankenhausinformationssystem und Laborauswertungen intelligent zusammenführen konnten, was die Komplexität der Studie überhaupt erst ermöglicht hat.

Wie setzen sich die Studienteilnehmenden zusammen? 

Isabell Wagenhäuser: 87 Prozent der Antigenschnelltests wurden an Patientinnen und Patienten, zwölf Prozent an Begleitpersonen und ein Prozent an Beschäftigten durchgeführt. Alle Rachenabstriche wurden von Mitarbeitenden in den verschiedenen Kliniken des UKW durchgeführt.

Manuel Krone: Deshalb ist diese Studie letztlich auch eine Gemeinschaftsleistung des UKW. Ohne unsere Kolleginnen und Kollegen wäre eine so komplexe Studie nicht möglich gewesen.

In der Studie wurden alle Proben aus Rachenabstrichen gewonnen. Was ist aussagekräftiger? Nase oder Rachen?

Manuel Krone: Diese Frage haben wir nicht untersucht. Es gibt auch erstaunlich wenige Studien, die das vergleichen. Fazit für mich aus den Studien, die ich kenne, auch wenn die eine oder andere Mal einen kleinen Unterschied findet: Es ist völlig egal, solange man symptomatisch ist.

Testen Sie sich selbst? 

Isabell Wagenhäuser: Im vergangenen Sommer hatte ich tatsächlich eine akute respiratorische Infektion und habe als einzige Diagnosemöglichkeit einen Antigenschnelltest gemacht, der zwar negativ, aber niederschwellig verfügbar war. 

Manuel Krone: Wenn ich einen Atemwegsinfekt habe und ich befürchte, dass das jetzt mit meinen drei Kindern regelmäßig kommt, dann teste ich mich. Die Tests liegen ja noch da.

Das Interview führte Kirstin Linkamp von der Stabsstelle Kommunikation (UKW). 

Publikation: Wagenhäuser, Isabell, Kerstin Knies, Tamara Pscheidl, Michael Eisenmann, Sven Flemming, Nils Petri, Miriam McDonogh, Agmal Scherzad, Daniel Zeller, Anja Gesierich, Anna Katharina Seitz, Regina Taurines, Ralf-Ingo Ernestus, Johannes Forster, Dirk Weismann, Benedikt Weißbrich, Johannes Liese, Christoph Härtel, Oliver Kurzai, Lars Dölken, Alexander Gabel, and Manuel Krone. "SARS-CoV-2 Antigen Rapid Detection Tests: Test Performance during the COVID-19 Pandemic and the Impact of COVID-19 Vaccination", EBioMedicine, 2024. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2024.105394 

Weitere Publikationen und Pressemitteilungen zur Studie: 
Im Sommer 2021 wurden die ersten Daten aus der Studie in der Fachzeitschrift eBioMedicine veröffentlicht. Die Forschenden fanden heraus, dass gängige Schnelltests auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus Infizierte deutlich seltener erkennen als ein PCR-Test. Die Sensitivität der Antigenschnelltests im klinischen Praxiseinsatz lag mit 42,6 Prozent signifikant unter den Herstellerangaben. Eine Zusammenfassung liefert die Pressemitteilung
Ein Jahr später, etwa zur Halbzeit der Studie, als sich das erste Mal Omikron, verbreitete, publizierte das Team eine Folgeanalyse im Journal Clinical Microbiology and Infection. Von 426 SARS-CoV-2-positiven PCR-Proben waren im Schnelltest nur 164 positiv. Das entspricht einer Sensitivität von lediglich 38,50 Prozent. Bei der zu der Zeit vorherrschenden Omikron-Variante schlugen sogar nur 33,67 Prozent an. Beim Wildtyp zeigten immerhin 42,86 Prozent der Schnelltests einen positiven Befund. Hier geht es zur Pressemitteilung vom 26. August 2022.