Aktuelle Pressemitteilungen

Wie verlässlich sind Corona-Schnelltests bei der Omikron-Variante?

Eine groß angelegte klinische Studie mit mehr als 35.000 durchgeführten Paralleltestungen am Universitätsklinikum Würzburg zeigt, dass Antigen-Schnelltests eine Schwäche bei der Erkennung von Omikron-Infektionen haben.

Das  Bild zeigt eine Testsituation am Uniklinikum Würzburg, ein Mitarbeiter entnimmt mit einem Teststäbchen eine Speichelprobe bei einer Probandin.
Im Rahmen einer groß angelegten klinischen Studie zur Sensitivität von Antigen-Schnelltests wurden am Uniklinikum Würzburg zwischen November 2020 und Januar 2022 bei 26 940 Personen 35 479 Parallel-Proben entnommen. © Angie Wolf / UKW
Das Patientenproben-Puffergemisch wird auf den Teststreifen getropft.
Mittels Dosierhilfe werden einige Tropfen des Patientenproben-Puffergemischs auf den Teststreifen gegeben. Durch die Pufferlösung wird das Virusprotein aus der Abstrichprobe herausgelöst und mehr oder weniger verlässlich angezeigt. © Angie Wolf / UKW
Das Bild zeigt die Erstautorin der Studie Isabell Wagenhäuser und den Letztautoren Manuel Krone.
Isabell Wagenhäuser ist die Erstautorin der Studie „Virus variant specific clinical performance of SARS-CoV-2 rapid antigen tests in point-of-care-use, November 2020 to January 2022”, Manuel Krone stellvertretender Leiter der Zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship fungierte als Letztautor.

Würzburg. Neben Impfen gehören Abstandhalten, Lüften, Maskentragen und Testen zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen die nächste, für den Herbst erwartete Corona-Welle. Große Hoffnung liegt wieder auf den unkomplizierten, weithin verfügbaren und kostengünstigen Antigen-Schnelltests, die vielen Aktivitäten Tür und Tor öffnen. Dass man sich bei einem negativen Schnelltest aber nicht immer in Sicherheit wiegen darf, zeigt die aktuellste am Universitätsklinikum Würzburg in Kooperation mit der Universität Würzburg und der Universität Greifswald durchgeführte Studie, die jetzt im Journal Clinical Microbiology and Infection veröffentlicht wurde.

In der bisher weltweit größten veröffentlichten klinischen Studie zu Antigen-Schnelltests hat das Team um Isabell Wagenhäuser und Dr. Manuel Krone die Sensitivität von Antigen-Schnelltests bei verschiedenen Varianten von SARS-CoV-2, darunter die aktuell vorherrschende Omikron-Variante, verglichen. Insgesamt wurden zwischen November 2020 und Januar 2022 bei 26 940 Personen 35 479 Parallel-Proben entnommen.

Ergebnis: Von 426 SARS-CoV-2-positiven PCR-Proben waren im Schnelltest nur 164 positiv. Das entspricht einer Sensitivität von lediglich 38,50 Prozent. Bei der derzeit vorherrschenden Omikron-Variante schlugen sogar nur 33,67 Prozent an. Beim Wildtyp zeigten immerhin 42,86 Prozent der Schnelltests einen positiven Befund.

Sensitivität hängt von Viruslast ab

„Wir konnten erwartungsgemäß beobachten, dass mit abnehmender Viruslast auch die Empfindlichkeit der Schnelltests abnahm“, berichtet Isabell Wagenhäuser. „Doch gerade bei einer hohen Viruslast wurden Omikron-Infektionen durch Antigen-Schnelltests schlechter erkannt.“ Studienleiter Manuel Krone fügt hinzu: „Die Viruslast, bei der Schnelltests mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent anschlagen, war bei Omikron-Infizierten 48-fach erhöht gegenüber dem Wildtyp-Virus. Diese zuvor in Laborstudien beobachtete Verringerung der Sensitivität konnten wir erstmals im klinischen Alltag nachweisen.“

Obwohl all diese Aspekte die Verwendung von Antigen-Schnelltests weiter einschränken, seien sie dem Autorenteam zufolge nach wie vor ein unersetzliches Diagnoseinstrument für ein schnelles, großflächiges SARS-CoV-2-Screening. Manuel Krone: „Schnelltests sind kein adäquater Ersatz für PCR-Untersuchungen bei symptomatischen Personen. Doch sie können potentielle Superspreader herausfiltern und somit dazu beitragen, die nächste Infektionswelle einzudämmen.“ 

Publikation: Isabell Wagenhäuser, Kerstin Knies, Daniela Hofmann, Vera Rauschenberger, Michael Eisenmann, Julia Reusch, Alexander Gabel, Sven Flemming, Oliver Andres, Nils Petri, Max S. Topp, Michael Papsdorf, Miriam McDonogh, Raoul Verma-Führing, Agmal Scherzad, Daniel Zeller, Hartmut Böhm, Anja Gesierich, Anna Katharina Seitz, Michael Kiderlen, Micha Gawlik, Regina Taurines, Thomas Wurmb, Ralf-Ingo Ernestus, Johannes Forster, Dirk Weismann, Benedikt Weißbrich, Lars Dölken, Johannes Liese, Lars Kaderali, Oliver Kurzai, Ulrich Vogel, Manuel Krone, Virus variant specific clinical performance of SARS-CoV-2 rapid antigen tests in point-of-care use, November 2020 to January 2022, Clinical Microbiology and Infection, 2022, ISSN 1198-743X, doi.org/10.1016/j.cmi.2022.08.006.

 

Neue Erkenntnisse zu Schimmelpilzinfektionen bei Covid-19

Studie zu sekundären Schimmelpilzinfektionen bei Covid-19-Erkrankungen in Fachzeitschrift Frontiers in Immunology erschienen: Patientinnen und Patienten weisen gemeinsame, kortikosteroidunabhängige Merkmale einer gestörten Wirtsimmunität gegenüber pathogenen Schimmelpilzen auf.

Das Bild zeigt das Pipettieren von Blut im Labor
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jürgen Löffler hat am Uniklinikum Würzburg mit Hilfe von Vollblutanalysen von Personen mit einer Covid-19-Infektion das Abwehrverhalten von Immunzellen gegenüber Schimmelpilzen untersucht. © UKW / Daniel Peter
Das Bild zeigt einen Schimmelpilz und eine Immunzelle.
Die rot eingefärbte humane Immunzelle steht mit ihren Ausläufern in Kontakt mit dem blau eingefärbten Pilz Aspergillus fumigatus (Hyphen). © UKW / AG Löffler

Würzburg. Für Patientinnen und Patienten mit schweren Covid-19 Infektionen kann eine Schimmelpilzinfektion in der Lunge zu einem zusätzlichen Problem werden. Die so genannte Covid-19-assoziierte pulmonale Aspergillose, kurz CAPA wurde bei ein bis zwei von zehn Personen festgestellt, die aufgrund einer Covid-19-Infektion intensivpflichtig waren. Aktuelle Hypothesen zur Entstehung der CAPA gehen von einer Kombination aus einer virusbedingten Schädigung der Atemwege, eines beeinträchtigten Immunsystems und einer unkontrollierten Freisetzung bestimmter Botenstoffe aus. Diese Risikofaktoren werden durch die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortikosteroide, die eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf das SARS-CoV-2-Virus abmildern sollen, verstärkt.

Trotz dieser klinischen Beobachtungen gab es bisher kaum direkte experimentelle Beweise für eine durch SARS-CoV-2 verursachte Einschränkung der Immunität gegenüber Schimmelpilzen. Daher hat die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jürgen Löffler in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Uniklinikum Würzburg mit Hilfe von Vollblutanalysen das Abwehrverhalten gegenüber Schimmelpilzen von Immunzellen aus zwölf Personen mit einer Covid-19-Infektion analysiert. Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen zeigten bestimmte Zellen des Immunsystems der Betroffenen, so gennannte T-Helferzellen, eine erhöhte Ausbildung des Oberflächenproteins „Programmed Cell Death Protein 1“ (PD-1), einem spezifischen Marker für zelluläre Erschöpfung, und einer damit einhergehenden abgeschwächten Zellaktivierung.

Abgeschwächte Immunantwort unabhängig von Schweregrad und Kortikosteroiden

Während die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen bei Covid-19-Infizierten allgemein massiv erhöht war, kam es als spezifische Reaktion auf den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus zu einer stark verminderten Freisetzung von bestimmten Entzündungsbotenstoffen wie zum Beispiel IFNγ, IL-2, CXCL9 und CXCL10. Darüber hinaus zeigten die Blutproben von Covid-19-Betroffenen eine mangelhafte Aktivierung bestimmter Blutzellen, so genannter Granulozyten, durch Schimmelpilze und eine verminderte Fähigkeit dieser Zellen, Schimmelpilze abzutöten. Diese Merkmale einer abgeschwächten Immunantwort gegenüber Schimmelpilzen waren weitgehend entkoppelt vom Schweregrad der Covid-19-Erkrankung, der Zeit, die seit der Covid-19-Diagnose verstrichen war, und einer erst kürzlich erfolgten Aufnahme von Kortikosteroiden. Die Studienergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Frontiers in Immunology veröffentlicht.

„Zusammengenommen erweitern diese Ergebnisse unser Verständnis des Immunsystems bei Schimmelpilzinfektionen nach einer Viruserkrankung und dienen als Grundlage für künftige Studien, beispielsweise über neuartige therapeutische Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von sekundären Schimmelpilzinfektionen bei Covid-19“, resümiert Jürgen Löffler. „Darüber hinaus stehen die Ergebnisse als Grundlage für Folgestudien hinsichtlich einer geschwächten Immunität bei sekundären Schimmelpilzinfektionen und Virusinfektionen der Atemwege wie Influenzavirus, Respiratory Syncytial Virus, Parainfluenzavirus und Adenovirus zur Verfügung.“

Durchgeführt wurde die Studie in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen am MD Anderson Cancer Center in Houston (USA), Public Health Wales in Cardiff (UK), dem Leibniz Institut für NaturstoffForschung und Infektionsbiologie in Jena, sowie dem Klinikum Würzburg Mitte, Missioklinik, und der Main-Klinik in Ochsenfurt. Finanziell unterstützt wurde die Studie von der Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an der Universität Würzburg (“Forschung hilft”) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Collaborative Research Center CRC124 “Pathogenic fungi and their human host: Networks of interaction”.

Publikation

Tappe B, Lauruschkat CD, Strobel L, Pantaleón García J, Kurzai O, Rebhan S, Kraus S, Pfeuffer-Jovic E, Bussemer L, Possler L, Held M, Hünniger K, Kniemeyer O, Schäuble S, Brakhage AA, Panagiotou G, White PL, Einsele H, Löffler J and Wurster S (2022) COVID-19 patients share common, corticosteroid-independent features of impaired host immunity to pathogenic molds. Front. Immunol. 13:954985. doi: 10.3389/fimmu.2022.954985

Das Bild zeigt das Pipettieren von Blut im Labor
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jürgen Löffler hat am Uniklinikum Würzburg mit Hilfe von Vollblutanalysen von Personen mit einer Covid-19-Infektion das Abwehrverhalten von Immunzellen gegenüber Schimmelpilzen untersucht. © UKW / Daniel Peter
Das Bild zeigt einen Schimmelpilz und eine Immunzelle.
Die rot eingefärbte humane Immunzelle steht mit ihren Ausläufern in Kontakt mit dem blau eingefärbten Pilz Aspergillus fumigatus (Hyphen). © UKW / AG Löffler

Der menschliche Körper enthält 600 bis 800 Lymphknoten. Sie sind darauf spezialisiert, Immunantworten auszulösen. Damit die Lymphknoten über Infektionen im Körper informiert werden, sind sie über Lymphgefäße mit den einzelnen Organen verbunden. Von dort transportieren die Lymphgefäße Flüssigkeit, aber auch spezielle Immunzellen in die Lymphknoten. Diese Immunzellen heißen dendritische Zellen; sie tragen Informationen aus den Organen in die Lymphknoten und geben sie dort an andere Immunzellen weiter.

Jetzt steht fest: Die dendritischen Zellen sind nicht alleine für diesen wichtigen Informationsfluss zuständig. Ein Forschungsteam um den Immunologen Professor Wolfgang Kastenmüller von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg hat herausgefunden, dass auch sogenannte unkonventionelle T-Zellen kontinuierlich vom Gewebe in die Lymphknoten wandern und dort die Immunantworten beeinflussen.

Diese Entdeckung hat Folgen – für Impfstrategien ebenso wie für Immuntherapien gegen Krebs.

Verschiedene Subtypen von unkonventionellen T-Zellen

„Jedes Gewebe unseres Körpers besitzt unterschiedliche Subtypen der unkonventionellen T-Zellen“, erklärt Wolfgang Kastenmüller. „Da diese Zellen jeweils zum nächstgelegenen Lymphknoten wandern, unterscheiden sich auch die einzelnen Lymphknoten in der Zusammensetzung der T-Zellen. Und das wirkt sich direkt auf die Immunantworten der einzelnen Lymphknoten aus.“

So löse ein Lymphknoten, der über eine Infektion in der Lunge informiert wurde, eine andere Immunantwort aus als ein Lymphknoten, der seine Informationen vom Darm oder aus der Haut erhält. 

Unterschiedlichkeit der Lymphknoten nutzen

Eine in die Haut oder in den Muskel verabreichte Impfung zum Beispiel adressiere immer Lymphknoten, die mit der Haut in Verbindung stehen. Womöglich könne der Impfstoff aber wesentlich effizienter sein, wenn man ihn in der Nähe anderer Lymphknoten verabreicht. Diese Überlegung gilt auch für Immuntherapien gegen Krebs.

„Darum wollen wir als nächstes untersuchen, ob wir die Unterschiedlichkeit der Lymphknoten nutzen können, um Impfungen effizienter zu machen oder um Immuntherapien gegen Krebs zu verbessern“, sagt der JMU-Professor. Interessant sei auch die Frage, ob sich die Verschiedenheit der Lymphknoten aktiv beeinflussen lässt. Und es soll geklärt werden, welche Bedeutung die neuen Erkenntnisse mit Blick auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen und Krebs haben.

Beteiligte Forschungsgruppen / Förderung

Die Ergebnisse der Forschungsgruppe sind im Journal „Immunity“ veröffentlicht. Maßgeblich an den Arbeiten beteiligt waren Marco Ataide, Paulina Cruz de Casas und Konrad Knöpper, alle aus Kastenmüllers Team vom JMU-Lehrstuhl für Systemimmunologie I. 

Außerdem wirkten Forschende vom Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), vom JMU-Institut für molekulare Infektionsbiologie (IMIB), vom Centre d'Immunologie de Marseille-Luminy (CIML) und von der Medizinischen Klinik II des Würzburger Universitätsklinikums mit.

Finanziell gefördert wurden die Arbeiten von der Max-Planck-Gesellschaft sowie vom Europäischen Forschungsrat im Rahmen eines ERC Consolidator Grants für Wolfgang Kastenmüller.

Publikation

Lymphatic migration of unconventional T cells promotes site-specific immunity in distinct lymph nodes. Immunity, 23. August 2022, DOI: 10.1016/j.immuni.2022.07.019

https://www.cell.com/immunity/fulltext/S1074-7613(22)00354-5

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Kastenmüller, Lehrstuhl für Systemimmunologie I; Universität Würzburg, wolfgang.kastenmueller@ uni-wuerzburg.de

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 23. August 2024

Würzburger Hörtag 2022: Altern mit allen Sinnen

Würzburg. Am Mittwoch, 5. Oktober 2022, lädt das interdisziplinäre Hörzentrum der Würzburger HNO-Universitätsklinik (CHC) alle Interessierten zu einem Infotag mit dem Schwerpunktthema „Altern mit allen Sinnen – wie kann das gelingen?“ ein. Bei der sowohl vor Ort als auch online angebotenen Veranstaltung werden zum einen individuelle Lösungen zur Hörverbesserung vorgestellt. Zum anderen thematisieren die Expertinnen und Experten Störungen des Gleichgewichtssinns.

Die HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg betreibt seit 13 Jahren ein interdisziplinäres Hörzentrum (Comprehensive Hearing Center – CHC). Am Mittwoch, den 5. Oktober 2022, veranstaltet das CHC erneut einen Hörtag, der in diesem Jahr als „Tag der Sinne“ gestaltet wird. Dahinter steht die Tatsache, dass mit zunehmendem Alter nicht nur das Hören nachlässt, sondern bei vielen Menschen auch der Gleichgewichtssinn unsicherer wird. Beide Gesundheitsprobleme adressiert der Infotag mit seinem Schwerpunkt „Altern mit allen Sinnen – wie kann das gelingen?“.

Für die Teilnahme können Interessierte entweder an die HNO-Klinik in der Josef-Schneider-Straße 11 kommen oder sich über die Plattform Zoom online zuschalten.

Vorträge von 16:00 bis 18:00 Uhr

In Vorträgen zeigen Expertinnen und Experten des CHC auf, wie sich in jedem Alter Hörverbesserungen erzielen lassen und welche Rolle dabei Hörgeräte oder ein Cochlea-Implantat spielen können. Ferner beschreiben sie die Vorteile von Hörtrainings und zeigen auf, wie auch im Alter Schwindelfreiheit erreicht werden kann.

Der Vortragsblock geht von 16:00 bis 18:00 Uhr. Danach besteht die Möglichkeit, bis 19:00 Uhr das individuelle Gespräch mit den Fachleuten und Betroffenen zu suchen.

Anmeldung erforderlich

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bis 15. September 2022 erforderlich. Die Kontaktmöglichkeiten dazu finden sich im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/hno-klinik.   

Prof. Dr. Jens Maschmann wechselt im August 2023 an die Uniklinik Tübingen

Ärztlicher Direktor verlässt das UKW / „Wichtige Weichenstellungen erreicht“

Würzburg. Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Würzburg, wechselt zum 1. August 2023 an das Universitätsklinikum Tübingen. Er wird dort das Amt des Leitenden Ärztlichen Direktors übernehmen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Aufsichtsrat des Tübinger Klinikums heute (22. August). Für Prof. Maschmann (Jahrgang 1969) bedeutet dies auch eine Rückkehr in seine Heimat: Er ist in der Nähe Tübingens aufgewachsen, hat an der Universität Tübingen studiert. An der Medizinischen Fakultät in Tübingen promovierte er und ist aktuell dort als außerplanmäßiger Professor tätig.

„Die Entscheidung, im kommenden Jahr Würzburg zu verlassen, ist mir enorm schwergefallen. Das UKW ist ein gut aufgestelltes, erfolgreiches Klinikum. In meiner Amtszeit konnten wir wichtige Weichenstellungen erreichen für die Zukunft der Universitätsmedizin Würzburg – auch dank der großen Unterstützung des Freistaates Bayern, z.B. für die bauliche Entwicklung auf dem Erweiterungsgelände Nord “, so Maschmann, dessen Familie in der Nähe von Tübingen lebt. „Ich freue mich natürlich auf die kommenden Aufgaben in Tübingen, aber ich freue mich ebenso, dass ich in den kommenden rund zwölf Monaten noch hier in Würzburg mit vollem Einsatz tätig sein kann“, so Maschmann.

Nachfolgesuche wird eingeleitet / „Sind gut gerüstet“

Philip Rieger, Kaufmännischer Direktor des UKW: „Wir bedauern, dass uns Herr Professor Maschmann verlassen wird, können die Beweggründe aber natürlich nachvollziehen. Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger wird nach Zustimmung des Aufsichtsrats nun schnell unter der Federführung des Wissenschaftsministeriums eingeleitet. Dass der Wechsel erst im Sommer des nächsten Jahres erfolgen wird, ermöglicht eine geordnete Nachfolge. Wir sind gut gerüstet für die aktuellen und kommenden Aufgaben in diesen herausfordernden Zeiten.“

Prof. Dr. Jens Maschmann kam im Januar 2021 an die Würzburger Uniklinik, er war zuvor Medizinischer Vorstand an der Uniklinik Jena.

UKW entwickelt Konzept für teleintensivmedizinische Visiten

Pilotprojekt in Würzburg will Barrieren abbauen und Expertise aus Maximalversorgung flächenweit in Bayern zur Verfügung stellen

Würzburg. Die Teleintensivmedizin steckt in Bayern noch in den Anfängen. Ein Pilotprojekt der bayerischen Universitätskliniken unter der Koordination des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) beschreitet mit einem Teleintensivwagen und der Videokonferenz-Software ZOOM nun einen neuen Weg. Ziel ist es, die Hürden und auch Kosten für den Aufbau telemedizinischer Netzwerkstrukturen zu verringern. Geleitet wird das Projekt von der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie an der Würzburger Uniklinik.

„Wir wollen Barrieren abbauen, sowohl in der Anwendung aber auch bei Finanzierungsfragen. Ein wesentlicher Erfolgsgrund für aktuelle Videokonferenz-Systeme ist die einfache Bedienbarkeit und dies ohne enorme Investitionskosten für Spezialsoftware und aufwändige Ausstattung. Gleichzeitig muss der Einsatz aber auch rechtssicher sein und die hohen Anforderungen des deutschen Datenschutzes erfüllen“, erklärt Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik. Er ist überzeugt: „Der Ausbau der Telemedizin im Intensivbereich kann helfen, die Patientenversorgung zu verbessern, Zusammenarbeit zwischen Kliniken auszubauen und Spezialwissen schnell abzurufen.“

Projektleiterin Dr. Nora Schorscher erklärt das Vorgehen: „Im ersten Schritt haben wir einen speziellen Visitenwagen für die intensivmedizinische Tele-Visite konzipiert. Auf der einen Seite ist das Team am UKW erreichbar, auf der anderen Seite am Teleintensivwagen das behandelnde Team im Partnerkrankenhaus, in dem der Patient betreut wird. Dieser Teleintensivwagen ist mit verschiedenen Kameras, einer Augmented Reality Brille und Video-Capture Devices ausgestattet, welche es den Ärzten der Uniklinik ermöglicht, einen umfassenden Eindruck über den Zustand des Patienten vor Ort zu erhalten.“ Die Intensivmedizinerin hat diesen Wagen gemeinsam mit ihren Kollegen des Servicezentrum Medizininformatik am UKW entwickelt. Nach Aussage des technischen Leiters Maximilian Göpfert werden nur handelsübliche Elemente, keine Spezialanfertigungen verwendet: „Dadurch können wir eine hohe Verfügbarkeit gewährleisten.“

Datenschutz und klare Verantwortlichkeit bleiben dabei gesichert. Dr. Schorscher: „Wir greifen nicht auf das medizinische System des Partnerkrankenhauses zu. Die einzige Verbindung ist der sicher verschlüsselte Videostream über Zoom.“ 

Das Projekt befindet sich im Augenblick in der Pilotphase zusammen mit den Kliniken Kitzinger Land und Lohr. Im August wird mit der Klinik Ansbach eine weitere Klinik in die Testphase mit aufgenommen. 

Ziel sei es, das bis Ende des Jahres weitere Unikliniken in Bayern jeweils drei Partnerkliniken für eine Testphase angebunden hat: „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber unsere Ziele sind klar definiert: Ein bayernweites Netzwerk um Expertise zu fördern, Patientenversorgung zu verbessern, Synergien zu kreieren und Kosten zu senken“, so die Intensivmedizinerin.   

Die Anschubfinanzierung erfolgt über das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auf Basis einer Projektskizze des Servicezentrum Medizininformatik am UKW.

Männer und Frauen: kleine Unterschiede und große Folgen

Der männliche und der weibliche Körper unterscheiden sich – was die Medizin oft vor Herausforderungen stellt. Das Genderforum der Uni Würzburg sowie die Medizinische Fakultät haben nun Standpunkte, Methoden und Lösungen erörtert.

„Männer, die Gewicht zulegen, entwickeln meist die Form eines Apfels, Frauen neigen zur Birnenform“ – mit dieser Gegenüberstellung veranschaulicht Astrid Bühren, Ehrenpräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, medizinische Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Und so, wie sich Äpfel und Birnen nicht direkt vergleichen lassen, lassen sich auch Männer und Frauen nicht über einen Kamm scheren, wenn es um medizinische Bedürfnisse geht.

Der Einfluss sozialer Rollen

In ihrer Keynote auf der Veranstaltung „Genderforums goes Fakultäten“ skizzierte sie unter dem Titel „Umdenken! Der Mann ist nicht das Maß aller Dinge!“ sachkundig und humorvoll viele Fallstricke, die bis heute in der medizinischen Diagnostik und Therapie dazu führen, dass Männer und Frauen mitunter nicht die am besten auf sie zugeschnittene Diagnose und Behandlung erhalten.

„Das beginnt oft schon bei der Dosierung von Medikamenten, die häufig auf Männerkörper angepasst wird“, erläutert die Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Murnau. „Auch soziale Rollen – also ‚Gender‘, nicht ‚Sex‘ – können zu unterschiedlichen Blickweisen auf Krankheiten führen“. Das gilt vor allem beim Herzinfarkt, den Männer meist als heftiges und akutes Krankheitsereignis wahrnehmen: Der Mann fasst sich an die Brust und bricht zusammen. Frauen hingegen zeigen andere Symptome, wie Rückenschmerzen und Schweißausbrüche, oft bei geringerem Schmerzempfinden. Ein Herzinfarkt wird bei ihnen so mitunter seltener in Betracht gezogen – auch von den Betroffenen selbst.

Gender-Medizin hilft Männern und Frauen

„Noch während meines Studiums“, erinnert sie sich, „ging man davon aus, dass von der chronisch-entzündlichen Rheuma-Erkrankung Morbus Bechterew zwei- bis dreimal häufiger Männer als Frauen betroffen waren. Heute weiß man, dass sie sich bei beiden Geschlechtern gleich oft zeigt.“ In der Zwischenzeit habe man gelernt, dass die diagnostisch wegweisende Versteifung der Wirbelsäule bei Frauen anders verlaufe als bei Männern – und die Symptome der Krankheit bei Frauen lange Zeit übersehen oder falsch zugeordnet wurde.

Diese geschlechtsbezogenen Unterschiede sind nicht nur eine Herausforderung in der medizinischen Diagnose und Therapie. Bereits in der Grundlagenforschung für neue Medikamente können die Weichen falsch gestellt werden, wenn Wirkstoffe etwa nur an männlichen Mäusen getestet werden – und dadurch zum Beispiel hormonelle Einflüsse weniger Beachtung finden.

„Bei der Gender-Medizin geht es nicht nur um Frauengesundheit, Gender-Medizin betrifft Frauen- und Männergesundheit gleichermaßen“, unterstrich Anja Schlömerkemper. „So führt eine geschlechtssensible Forschung zu neuen Erkenntnissen bezogen auf Diagnose und Therapie – was beiden Geschlechtern auf dem Weg zu neuen, personalisierten Therapien zugutekommt“, ist sich die Vizepräsidentin für Chancengleichheit, Karriereplanung und Nachhaltigkeit an der Uni Würzburg sicher.

Gender-Forschung nicht als Frauen-Förder-Programm

Diese Erkenntnisse setzen sich nicht nur in der Medizin durch, sondern auch bei Forscherinnen und Forschern anderer Fachbereiche und Institute: „Auch die Förderinstitutionen wie BMBF, DFG, oder EU verlangen, dass Genderaspekte in der Forschung berücksichtigt werden sollen“, unterstreicht die Sprecherin des Genderforums an der JMU, Marie-Christine Dabauvalle.

„Genderforschung ist somit auch ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Exzellenz-Strategie.“ Dabei handele es sich aber keineswegs um ein „Frauen-Förder-Programm“, sondern um die Einbindung von Geschlechterperspektiven in Forschung und Lehre – was zum Selbstverständnis einer innovativen, modernen und internationalen Universität gehöre.

Gender-Lehrstuhl – ja oder nein?

Eine der Kernfragen, die von der hochkarätigen Podiumsdiskussion im Anschluss behandelt wurde, lautete, ob die Einrichtung eines Gender-Lehrstuhls bei der Erreichung der Ziele helfen könne – als Vorreiter gilt hier die Berliner Charité.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), Franziska Jundt (Bereichsleiterin Autologe Stammzelltransplantation), Martin Fassnacht (Leiter der Endokrinologie und Diabetologie) sowie Judith Kleiß (Studentin der Humanmedizin) waren sich einig, dass die Politik diese Frage zwar bereits eifrig diskutiere – allerdings fehlten zur Umsetzung dann oft die entsprechenden Mittel. „Im Optimalfall“, so Franziska Jundt, „richtet man so lediglich Lehrstühle ein, die sich bei erfolgreicher Arbeit selber wieder abschaffen“ – denn sobald Genderaspekte ganz selbstverständlich in Forschung und Lehre ankämen, werde ein Genderlehrstuhl überflüssig.

Einen weiteren Aspekt beleuchtet Martin Fassnacht: Zwar gingen von einem Genderlehrstuhl möglicherweise interessante Denkanstöße zur Vermittlung bestimmter Instrumente für Forschung und Lehre aus. Dabei vermisse er allerdings eine Breitenwirkung in die Institute und Fachbereich hinein.

Als sinnvolle Alternative sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem eine gezieltere Förderung für spezifische, gendersensible Forschungsprogramme in Kliniken und Instituten, wie sie beispielsweise über das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) Würzburg koordiniert und ausgeschrieben werden.

Ausgezeichnete Forschung

Für Ihre Arbeit aus dem Bereich der Epigenetik wurde Laura Eichenlaub mit dem Posterpreis des Genderforums ausgezeichnet. Die Gutachterinnen kürten ihre Arbeit, die darauf zielt, unterschiedlichen Prognosen bei Männern und Frauen nach einem Herzinfarkt zu erforschen, mit dem ersten Platz und einem Büchergutschein.

Das Genderforum

Die Universität Würzburg strebt die Stärkung von Genderaspekten in Forschung und Lehre an. Zahlreiche Forscherinnen und Forscher sowie Studierende unterschiedlicher Disziplinen der Universität Würzburg befassen sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Thema Gender. Um ihnen eine Plattform zum Austausch zu bieten und die Vernetzung innerhalb und außerhalb der Universität zu fördern, wurde im Wintersemester 2016/2017 das Genderforum eingerichtet. 


https://www.uni-wuerzburg.de/genderforum