Aktuelle Pressemitteilungen

Focus-Klinikliste: Uniklinikum Würzburg bayernweit auf Platz 4

Laut der kürzlich erschienenen Focus-Klinikliste 2025 gehört das Uniklinikum Würzburg zur Spitzengruppe unter den über 1600 bewerteten deutschen Krankenhäusern.

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Die aktuelle Focus-Klinikliste empfiehlt das Uniklinikum Würzburg erneut in zahlreichen Fachdisziplinen und bei der Behandlung vieler Krankheitsbilder. Bild: Daniel Peter / UKW

Würzburg. Im Oktober dieses Jahres erschien die „Klinikliste 2025“ des Nachrichtenmagazins Focus. Unter den dabei in ihre Leistungsfähigkeit analysierten 1632 deutschen Krankenhäusern kam das Uniklinikum Würzburg diesmal auf Platz 20. Im bayernweiten Vergleich landete es auf Platz 4.

Die Klinikliste empfiehlt das mainfränkische Großkrankenhaus bei der Behandlung folgender Krankheitsbilder oder in folgenden Fachdisziplinen: Angst- und Zwangsstörungen, Blasenkrebs, Brustkrebs, Demenzen, Depressionen, Gallenchirurgie, Gynäkologische Chirurgie, Handchirurgie, Hauterkrankungen, Hautkrebs, Herzchirurgie, Hirntumoren, Hornhauterkrankungen (Augenheilkunde), Kardiologie, Kinderchirurgie, Kniechirurgie, Kopf-Hals-Tumoren, Lungentumoren, Multiple Sklerose, Neonatologie, Neuropädiatrie, Nierenkrebs, Nuklearmedizin, Parkinson, Prostatakrebs, Refraktive Chirurgie und Katarakt (Augenheilkunde), Risikogeburt und Pränataldiagnostik, Schilddrüsenchirurgie, Schlaganfall, Strahlentherapie, Unfallchirurgie sowie bei den Zahnkliniken. Speziell für internationale Patientinnen und Patienten werden auch die Urologie (im Bereich Onkologie) und die Chirurgie II (im Bereich Orthopädie) empfohlen.

 

Text: Pressestelle / UKW

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Die aktuelle Focus-Klinikliste empfiehlt das Uniklinikum Würzburg erneut in zahlreichen Fachdisziplinen und bei der Behandlung vieler Krankheitsbilder. Bild: Daniel Peter / UKW

„dies academicus“: Universitätsmedizin vergab drei Auszeichnungen

Beim „dies academicus“ der Würzburger Universitätsmedizin erhielt Professor Michael Baumann die Ehrendoktorwürde. Für ihre Doktorarbeiten wurden Dr. Lukas Weiß und Dr. Alexander Aldejohann ausgezeichnet.

Prof. Dr. Michael Baumann (mitte) erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg. Links Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, rechts Prof. Dr. Hermann Einsele, der die Laudatio hielt. Foto: UKW / T. Berberich

Würzburg. Bei ihrem Akademischen Tag, dem „dies academicus“, erinnern die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Würzburg an einen Meilenstein ihrer Geschichte: an die Eröffnung des Luitpoldkrankenhauses am 2. November 1921. „Damals wurde das Fundament für einen national und international renommierten Forschungsstandort gelegt, der das Profil der Universität Würzburg entscheidend prägt“, so Dekan Professor Matthias Frosch.

Die Feier fand am 4. November 2024 im Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums / Instituts für Molekulare Infektionsbiologie statt. Auf die Eröffnung durch den Dekan und den Ärztlichen Direktor PD Dr. Tim J. von Oertzen folgte der Festvortrag von Stefan Vilsmeier. Der Unternehmensgründer und Chief Executive Officer von „Brainlab“ sprach zum Thema „Digitale Medizin: Chancen für Wissenschaft, Unternehmertum und Patienten“.

Ehrendoktorwürde für Professor Michael Baumann

Danach standen Auszeichnungen auf dem Programm. Für seine wissenschaftlichen Erfolge und seine herausragenden Verdienste um die Universitätsmedizin Würzburg bekam Professor Michael Baumann die Ehrendoktorwürde verliehen. Der Vorstandsvorsitzende und wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg habe die Krebsforschung in Deutschland über viele Jahre nachhaltig geprägt, so Professor Hermann Einsele in seiner Laudatio.

Michael Baumann initiierte und förderte mit größtem Engagement die 2019 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerufene Dekade gegen Krebs. Zu dieser Initiative gehörte der Ausbau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), den er mit Enthusiasmus vorantrieb.

„Nach der Entscheidung eines internationalen Begutachtungsgremiums, die Würzburger Universitätsmedizin als Standort in das erweiterte NCT aufzunehmen, stand Professor Baumann als wertvoller Ratgeber für die Ausgestaltung der onkologischen Strukturen in Würzburg jederzeit zur Verfügung“, so Hermann Einsele.

Der Geehrte gehört zu den weltweit führenden Experten für klinische Strahlenbiologie und translationale Radioonkologie. Er habe maßgeblich dazu beigetragen, neue Erkenntnisse der Strahlenbiologie mit modernsten Technologien der Strahlentherapie zu verknüpfen, um eine effizientere und individualisierte Behandlung der Patienten und Patentinnen zu erreichen.

Promotionspreis für Dr. Alexander Aldejohann

Der Promotionspreis der Dr. Josef Schneider, Theresia-Stiftung ging an Dr. Alexander Aldejohann. Er hat systematisch Isolate des krankheitserregenden Hefepilzes Candida glabrata analysiert, die gegen Medikamente aus der Gruppe der Echinocandine resistent sind.

Dabei gelang es dem Mediziner unter anderem, in Deutschland relevante Resistenzmutationen zu charakterisieren und Isolate zu identifizieren, die gegen alle verfügbaren Klassen von Antimykotika resistent sind. Seine Ergebnisse seien ein relevanter Fortschritt für das Wissen über die Resistenzentwicklung bei diesem Pilz, so Matthias Frosch in seiner Laudatio.

Die Dr. Josef Schneider, Theresia-Stiftung wurde 1924 von dem Augenarzt Josef Schneider zu Ehren seiner Mutter Theresia eingerichtet. Schneider war ein Schüler an der ersten Würzburger Augenklinik und wanderte später in die USA aus. Der Promotionspreis der Stiftung geht an herausragende Promotionsarbeiten, die an der Medizinischen Fakultät Würzburg auf dem Gebiet der Volkskrankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten, entstanden sind.

Promotionspreis für Dr. Lukas Weiß

Der Wollheim-Preis für herausragende Promotionsarbeiten ging an Dr. Lukas Weiß, der seine Dissertation 2023 im Labor von Professor Harald Schulze am Institut für Experimentelle Biomedizin mit „summa cum laude“ abgeschlossen hat.

In seiner preisgekrönten Arbeit hat der junge Mediziner bei Patientinnen und Patienten mit Sepsis die Funktion der Blutplättchen (Thrombozyten) analysiert. Es zeigte sich, dass bei allen Untersuchten bereits zu Beginn der Erkrankung die Thrombozytenfunktion stark beeinträchtigt war. Diese Erkenntnis kann dazu beitragen, eine Sepsis frühzeitig zu erkennen.

Benannt ist der Preis nach Ernst Wollheim (1900-1981), einem früheren Direktor der Medizinischen Klinik. Er gründete nach seiner Emeritierung die Ernst und Hedda Wollheim-Stiftung zur Erforschung des Bluthochdrucks. Die Stiftung vergibt den Wollheim-Preis für Dissertationen, die an der Medizinischen Fakultät Würzburg auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Forschung entstanden sind.

Prof. Dr. Michael Baumann (mitte) erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg. Links Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, rechts Prof. Dr. Hermann Einsele, der die Laudatio hielt. Foto: UKW / T. Berberich

ERC Synergy Grant: Deutsch-französisches Team erhält elf Millionen Euro für die KI-gestützte Suche nach neuen Antibiotika

Kein anderer Forschungspreis in Europa ist so renommiert und so hoch dotiert wie die Synergy Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC): Die Auszeichnung geht ausschließlich an Teams aus zwei bis vier Forschern, die aus unterschiedlichen Disziplinen kommen und ihre Expertise bündeln, um gemeinsam ein besonders anspruchsvolles, potenziell bahnbrechendes Forschungsziel zu erreichen.

Professoren, die ERC Grant erhalten
Die Professoren Christophe Zimmer, Ivo Boneca und Mark Brönstrup (v.l.) erhalten einen ERC Synergy Grant. (Fotos: Felix Knote, Universität Würzburg / János Krüger, HZI)

Wie der ERC am 5. November 2024 bekannt gegeben hat, erhält ein deutsch-französisches Team einen Synergy Grant in Höhe von elf Millionen Euro. Die Gruppe verfolgt einen auf künstlicher Intelligenz basierenden Ansatz, um die systematische Suche nach neuen Antibiotika deutlich effizienter zu machen. Sie besteht aus den Professoren Ivo Boneca, Mark Brönstrup und Christophe Zimmer.

„Indem wir unser Fachwissen in den Bereichen Mikrobiologie, Genetik, fortgeschrittene Mikroskopie, Metabolomik, medizinische Chemie, Bioinformatik und künstliche Intelligenz zusammenführen, wollen wir für die Antibiotika-Suche eine neue Vorgehensweise etablieren, die uns gleichzeitig Informationen über die Bioaktivität und die Wirkungsweise neuer Antibiotika-Kandidaten liefern wird“, sagt Ivo Boneca.

Die Forscher und ihre Spezialgebiete

Professor Ivo Boneca leitet die Abteilung für Biologie und Genetik der bakteriellen Zellwand am Institut Pasteur in Paris (CNRS/Inserm). Sein Labor ist führend auf dem Gebiet der mikrobiellen Physiologie, bei der Entwicklung von Antibiotika und der Aufklärung ihrer Wirkungsweise. Sein Team setzt routinemäßig Hochdurchsatz-Bildgebung, hochauflösende Massenspektrometrie und bakterielle Mutanten ein, um neue Angriffsziele für Antibiotika zu identifizieren.

Professor Mark Brönstrup leitet die Abteilung „Chemische Biologie“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. An der Leibniz Universität Hannover hat er eine Professur inne, die zudem mit dem Forschungsbereich „Neue Antibiotika“ am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) assoziiert ist. Seine Gruppe ist führend auf dem Gebiet der Naturstoffchemie und neuartigen Antibiotika. Ihre Expertise liegt auf der Erzeugung und Optimierung von Antibiotika-Leitstrukturen, rationalem Wirkstoffkonjugat-Design, medizinischer Chemie und der bioanalytischen Aufklärung von Wirkmechanismen.

Professor Christophe Zimmer leitet an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg den Lehrstuhl für maschinelle Biophotonik am Rudolf-Virchow-Zentrum. Er ist auch mit dem Institut Pasteur in Paris affiliiert, wo er die Forschungseinheit „Bildgebung und Modellierung“ leitet. Sein Team ist führend bei der Entwicklung fortschrittlicher Mikroskopie- und Bildanalyseverfahren für die Biologie. Es verfügt über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung optischer und computergestützter Methoden für die Einzelmolekül-Lokalisierungsmikroskopie (SMLM), Hochdurchsatz-Bildgebung, Einzelmolekül-RNA-FISH und die Anpassung von Methoden des maschinellen Lernens, insbesondere des Deep Learning, für die Beantwortung biologischer Fragestellungen.

Wissenschaftlicher Hintergrund des Projekts

Immer mehr bakterielle Krankheitserreger sind gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent. Das ist eines der drängendsten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Um solchen Resistenzen entgegenzuwirken, braucht die Menschheit dringend neue Antibiotika – vor allem solche mit komplett neuartigen Wirkmechanismen.

Bei der Suche nach Antibiotika kommen groß angelegte Screening-Verfahren zum Einsatz. Damit lassen sich aus einer Vielzahl potenzieller Wirkstoffe relativ schnell Verbindungen identifizieren, die das Bakterienwachstum beeinträchtigen. „Doch die üblichen Verfahren können nicht vorhersagen, wo genau die Wirkstoffe die Bakterien angreifen und mit welchen Mechanismen“, erklärt Mark Brönstrup. Dafür seien bislang weitere, oft sehr zeitaufwändige Arbeitsschritte nötig.

Sieben wichtige Krankheitserreger im Fokus

Die Kooperationspartner haben darum die Idee, ein weitgehend neues Verfahren für die systematische Antibiotika-Suche zu entwickeln. Es soll neue Antibiotika-Kandidaten identifizieren und gleichzeitig Informationen über deren Bioaktivität und Wirkmechanismen liefern.

Zunächst will das Team insgesamt sieben Bakterienspezies, darunter gefährliche Krankheitserreger, mit modernsten Methoden analysieren, um ihre zellulären und molekularen Merkmale zu bestimmen: Bacillus subtilis, Escherichia coli, Helicobacter pylori, Mycobacterium abscessus, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus und Yersinia pseudotuberculosis. Das Ergebnis werden Datensätze in noch nie dagewesenem Umfang sein, die detaillierte Informationen über diese Bakterien und deren genetische Mutanten enthalten.

Deep-Learning-Analysen sollen dann dafür sorgen, dass aus diesem Datenschatz Angriffsziele für Antibiotika mit neuartigen Wirkmechanismen aufgedeckt werden. „Mit diesem Ansatz werden wir synthetische Molekülbibliotheken und Naturstoffe vielleicht sogar aus komplexen Mischungen zielgenau daraufhin untersuchen, ob sie potenzielle neue antibiotische Wirkstoffe enthalten und um ihre molekularen Mechanismen rechnerisch vorherzusagen“, sagt Christophe Zimmer.

Projektdauer beträgt sechs Jahre

Das ERC-Projekt des Trios startet 2025 und läuft sechs Jahre. Sein offizieller Name: „Deep learning analysis of imaging and metabolomic data to accelerate antibiotic discovery against antimicrobial resistance” (AI4AMR).

Pressekontakte
Service Presse Inserm –  presse@ inserm.fr
Pressestelle des Instituts Pasteur – Aurelie Perthuison, presse@ pasteur.fr
Presse und Kommunikation, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung – Charlotte Schwenner, charlotte.schwenner@ helmholtz-hzi.de / presse@ helmholtz-hzi.de
Pressestelle der Universität Würzburg – Robert Emmerich, presse@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg vom 5. November 2024

EASi-KIDNEY testet vielversprechenden Meilenstein bei chronischer Nierenerkrankung

INTERNATIONALE STUDIE MIT ALDOSTERON-SYNTHASE-HEMMER (ASI) ALS ERGÄNZUNG ZUM SGLT2-INHIBITOR EMPAGLIFLOZIN

EASi-KIDNEY ist eine neue internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, die untersucht, ob ein Aldosteron-Synthase-Hemmer in Kombination mit dem SGLT2-Inhibitor Empagliflozin das Fortschreiten einer chronischen Niereninsuffizienz verlangsamen und das Risiko einer Krankenhauseinweisung aufgrund von Herzinsuffizienz oder Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung verringern kann. Weltweit sollen 11.000 Patientinnen und Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes in 450 Kliniken rekrutiert werden. Die deutsche Studienzentrale ist am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) angesiedelt.

Das Studienteam in Würzburg stellt sich vor.
Das Studienteam von EASi-KIDNEY in Würzburg v.l.n.r.: Franziska Scheidemantel (Monitoring), Dr. Marcela Fajardo-Moser (Projektleiterin), Dr. Mirjam von Lucadou (Monitoring), Dr. Tereza Cairns (Prüfärztin), Prof. Dr. Christoph Wanner (Hauptprüfer), Dr. Sharang Ghavampour (Monitoring), Dr. Vladimir Cejka (Prüfarzt), Anja Knoppe (Study-Nurse), Isabell Endrich (Projektkoordinatorin) © Anja Knoppe / UKW

Würzburg. Weltweit leben mehr als 850 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung. Die unaufhaltsame Krankheit ist nicht heilbar. Doch dank der Forschung und neuer medikamentöser Therapien kann das Fortschreiten der Erkrankung in vielen Fällen verzögert werden. Ein wichtiger Therapiebaustein, der noch mehr Patientinnen und Patienten noch länger vor der Dialyse und dem endgültigen Versagen von Herz und Nieren bewahren könnte, wird jetzt in der neuen klinischen Studie EASi-KIDNEY geprüft. 

Aldosteron-Synthase-Inhibitor (ASi) zur Senkung des Blutdrucks und Entlastung von Herz und Niere

Im Fokus der internationalen Phase-III-Studie steht ein Aldosteron-Synthase-Inhibitor (ASi) Vicadrostat. Der von Boehringer Ingelheim entwickelte Wirkstoff blockiert die Aktivität eines Enzyms, das für die Produktion des Hormons Aldosteron verantwortlich ist. Durch die Hemmung der Aldosteron-Synthase wird weniger Aldosteron produziert, was dazu führt, dass der Körper weniger Natrium und Wasser speichert und mehr Kalium behält. „Das kann helfen, den Blutdruck zu senken und das Herz sowie die Nieren zu entlasten“, erklärt Prof. Dr. Christoph Wanner, stellvertretender Vorsitzender des EASi-KIDNEY Trial Steering Committee. Christoph Wanner ist Senior Professor sowohl am Department für Klinische Forschung und Epidemiologie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) als auch am Nuffield Department of Population Health (NDPH) der Clinical Trial Service Unit (CTSU) der Universität Oxford.

Empagliflozin kann Nierenkranke jahrelang vor der Dialyse bewahren und ist Teil von EASi-Kidney

Seit fast 20 Jahren führt Christoph Wanner zusammen mit der Universität Oxford große Studien wie SHARP, REVEAL und EMPA-Kidney durch. In der multizentrischen EMPA-Kidney-Studie bewies das Studienteam bereits eindrucksvoll die Wirksamkeit des SGLT2-Inhibitors Empagliflozin. Die tägliche Einnahme einer Tablette Empagliflozin senkt nicht nur den Blutzucker, sondern kann bei Nierenpatientinnen und -patienten auch eine Verschlechterung der Nierenfunktion oder den Tod durch Herzerkrankungen verhindern, unabhängig davon, ob sie an Diabetes Typ 2 leiden oder nicht. 

Empagliflozin ist deshalb auch Teil der EASi-KIDNEY-Studie. Alle Studienteilnehmenden nehmen einmal täglich 10 mg Empagliflozin ein. Die Hälfte der Teilnehmenden erhält zusätzlich 10 mg des Aldosteron-Synthase-Inhibitor (ASi), die andere Hälfte ein Scheinmedikament (Plazebo). Da es sich um eine doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Studie handelt, wissen weder die Teilnehmenden noch die Behandelnden, wer Vicadrostat erhält.

11.000 Patientinnen und Patienten aus 450 Kliniken weltweit – 50 Kliniken in Deutschland – Studienzentrale ist in Würzburg

450 Kliniken in 18 Ländern sollen insgesamt 11.000 Patientinnen und Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz rekrutieren. Die deutsche Studienzentrale ist am DZHI Würzburg angesiedelt und wird von Dr. Marcela Fajardo-Moser geleitet. Für die Organisation, Koordination und das Monitoring der Investigator-initiierten Studie erhält das Clinical Trial Office am DZHI rund 8 Millionen Euro aus Oxford. „Wir konnten bereits 47 Zentren in Deutschland für die Studie gewinnen, 50 Zentren sind unser Ziel“, sagt Tereza Cairns, Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie am UKW und verantwortlich für das Prüfzentrum in Würzburg. „Voraussetzung für die Teilnahme ist ein gültiges Good Clinical Practice Certificate des medizinischen Personals sowie eine Study Nurse und eine Stellvertretung. Insgesamt wollen wir 1.250 Patientinnen und Patienten mit etablierter chronischer Niereninsuffizienz in Deutschland rekrutieren.“ 

ASi als Ergänzung zu Empagliflozin lieferte vielversprechende Ergebnisse in Phase-II-Studie

Die Ergebnisse der Phase-II-Studie für Vicadrostat, die auf der Kidney Week 2023 der American Society of Nephrology (ASN) vorgestellt wurden, waren vielversprechend. Nach 14-wöchiger Einnahme von Vicadrostat zusätzlich zu Empagliflozin zeigte sich bereits ein signifikanter Rückgang der Albuminurie um bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Placebo - das Vorhandensein von Albumin im Urin gilt als Marker für Nierenschäden.

Für Christoph Wanner ist der Aldosteron-Synthase-Inhibitor eine Weiterentwicklung der dritten Therapiesäule zur Stabilisierung der Nierenerkrankung. Während der Aldosteron-Rezeptor-Blocker Finerenon die Wirkung von Aldosteron verhindert, indem er das Hormon an seine Rezeptoren bindet, setzt der Aldosteron-Synthase-Inhibitor früher an, indem er die Produktion von Aldosteron verhindert und das dafür notwendige Enzym blockiert. ASi könnte diese Lücke noch etwas besser schließen.  

Verschiedene Säulen um die Nierenerkrankung eines Tages vollständig zu stoppen

Welche Säulen gibt es bereits? „Wir haben als erste Säule die RAS-Blocker wie etwa die ACE-Hemmer, die das Renin-Angiotensin-System (RAS) hemmen, und dabei helfen, den Blutdruck zu senken, die Herzbelastung zu reduzieren und die Nierenfunktion zu schützen. Die zweite Säule bilden die SGLT-2-Hemmer.“ Die dritte Säule bilden wie oben beschrieben der Aldosteron-Rezeptor-Blocker beziehungsweise der Aldosteron-Synthase-Inhibitor. Als vierte Säule sieht Wanner den Schlankmacher Semaglutid, auch als Abnehmspritze bekannt. Der GLP-1-Rezeptoragonist ahmt die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach, das eine wichtige Rolle bei der Blutzucker- und Appetitregulation spielt. Das ursprünglich als Antidiabetikum entwickelte Medikament hat neben der Gewichtsabnahme, der Verbesserung der Blutzuckerwerte und der Blutdrucksenkung auch positive Auswirkungen auf Herz und Nieren, wie Studien gezeigt haben. Derzeit ist der Wirkstoff nur für Diabetiker zugelassen, eine Zulassung für Niereninsuffizienz erwartet Wanner im kommenden Jahr. „Wir haben in kurzer Zeit vier Säulen, mit denen wir das Fortschreiten der Krankheit deutlich verzögern können“, sagt Christoph Wanner. Leider sterben immer noch zu viele Patientinnen und Patienten an Komplikationen, Komorbiditäten oder erreichen das Dialysestadium. Es brauche eine Früherkennung und weitere Säulen. Die fünfte könnte Wanner zufolge ein endokriner Rezeptor-Antagonist sein, die sechste ein löslicher Guanylatzyklase-Aktivator. „Wir arbeiten an dem Konzept, um diese Nierenerkrankung eines Tages hoffentlich komplett zum Stillstand zu bringen“, sagt Wanner. Denn es wird wohl nicht bei den 850 Millionen Betroffenen weltweit bleiben. Es wird erwartet, dass die chronische Nierenerkrankung parallel zu Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas im Alter weiter zunimmt.

Internationale Studienwebseite: https://www.easikidney.org/

Kontakt zum EASi-KIDNEY-Studienteam: 
Clinical Trial Office am
Universitätsklinikum Würzburg
Am Schwarzenberg 15, Haus A15
97078 Würzburg
Telefon: 0931 201-46343
E-Mail: ClinicalTrialOffice@ukw.de

Text: Kirstin Linkamp / UKW 

Zukunft der Gesundheitsfachberufe: Deutsche Hochschulmedizin fordert Akademisierung und interprofessionelle Zusammenarbeit

Für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung setzt die Deutsche Hochschulmedizin (DHM) auf akademische Qualifizierung und interprofessionelle Zusammenarbeit. Auf einem von ihr ausgerichteten Symposium zum Thema Akademisierung von Gesundheitsfachberufen diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, medizinischer Versorgung und Politik über Erfordernisse einer modernen Personalentwicklung.

Die wachsenden Herausforderungen im Gesundheitswesen sowie die steigenden Anforderungen an Gesundheitsfachberufe durch komplexe Versorgungsbedarfe verdeutlichen die Notwendigkeit der interprofessionellen Zusammenarbeit. Auch machen sie moderne Strategien der Personalentwicklung in der Universitätsmedizin unerlässlich. Die DHM setzt sich daher konsequent für die verstärkte Anerkennung und Integration akademisierter Gesundheitsfachberufe mit patientenorientierter Ausrichtung in die klinische Praxis ein. Dies erfordert die Schaffung und Stärkung entsprechender Stellenprofile, die erweiterte heilkundliche Kompetenzen und Verantwortungen sowie eine gezielte Karriereförderung umfassen.

„Die Akademisierung relevanter Teile der Gesundheitsfachberufe ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit“, erklärt Prof. Dr. Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages. „Nur durch eine fundierte Ausbildung können die komplexen Anforderungen der modernen Medizin bewältigt werden. Akademisierte Gesundheitsfachberufe spielen eine zentrale Rolle in der Patientenversorgung und sind ein Schlüssel zu einer nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung. Eine enge Verzahnung zwischen Forschung, Lehre und Praxis, wie sie die Universitätsmedizin bietet, ist dabei unerlässlich.“

„Eine weitgehende Akademisierung der Gesundheitsfachberufe hat das Potenzial, diese aufzuwerten und attraktiver zu machen. Zugleich kann die Anpassung der Berufsbilder an die gestiegene Komplexität eine Qualitätsverbesserung in der Versorgung bewirken. Interprofessionelle Zusammenarbeit und wissenschaftlicher Fortschritt gehen Hand in Hand“, betont Martina Saurin, Vorstandsmitglied des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands.

Mit ihrer einzigartigen Verknüpfung von medizinischer Forschung, Lehre und Patientenversorgung sowie dem Promotionsrecht bietet die Universitätsmedizin das ideale professionsübergreifende Umfeld, um die Entwicklung der Gesundheitsfachberufe hin zu wissenschaftlich forschenden Disziplinen zu fördern. Die DHM unterstützt Vertreterinnen und Vertreter aller Berufsgruppen in ihrem Wunsch nach erfolgreicher interprofessioneller Tätigkeit und will ihnen langfristig verantwortungsvolle Aufgaben in Forschung, Lehre und Patientenversorgung ermöglichen. Damit dies im Sinne einer zukunftssicheren Gesundheitsversorgung gelingt, muss die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe mit einer klaren Kompetenzübertragung verbunden sein und darf sich nicht auf die Delegation von Aufgaben beschränken. Deutschland kann in diesem wichtigen Themenfeld von seinen Nachbarländern und weiteren EU-Ländern lernen, in denen die Akademisierung bereits weiter vorangetrieben wurde.

Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) vertreten die Interessen der 36 Universitätsklinika sowie der 39 Medizinischen Fakultäten in Deutschland. Ihr Dachverband ist die Deutsche Hochschulmedizin e.V. Gemeinsam stehen die Verbände für Spitzenmedizin, erstklassige Forschung sowie die international beachtete Medizinerausbildung und Weiterbildung.


Text: Barbara Ogrinz, Verband der Universitätsklinika Deutschlands

Prof. Dr. Georg Ertl mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet
Prof. Dr. Georg Ertl wurde am 28.10.2024 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Übereicht wurde der Verdienstorden durch Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach. Foto: StMGP

Prof. Dr. Georg Ertl, der frühere Ärztliche Direktor des UKW, wurde am 28.10.2024 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland („Bundesverdienstkreuz“) ausgezeichnet. Übereicht wurde der Verdienstorden durch Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach. Mit der Auszeichnung wurde speziell das Wirken von Prof. Ertl bei der Erforschung von Mechanismen und Prävention der Herzinsuffizienz und für die Entwicklung moderner Bildgebungsverfahren des Herzens gewürdigt, so die Ministerin in ihrer Laudatio. Dabei hob sie auch seine Verdienste um die Etablierung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) als einer zentralen Forschungs- und Versorgungseinrichtung hervor. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird u.a. für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen. Mehr dazu lesen Sie in dieser Mitteilung des Gesundheitsministeriums.

Prof. Dr. Georg Ertl wurde am 28.10.2024 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Übereicht wurde der Verdienstorden durch Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach. Foto: StMGP

Infoabend: Herzschwäche erkennen und behandeln

Im Zusammenhang mit den bundesweiten Herzwochen findet am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg am 21. November 2024 für alle Interessierten ein inhaltlich breit aufgestellter Infoabend zum Thema Herzinsuffizienz statt.

Eine Vortragsveranstaltung am 21. November 2024 informiert laienverständlich über diverse Aspekte des Volksleidens Herzinsuffizienz. Bild: UKW

Würzburg. Die Deutsche Herzstiftung widmet ihre diesjährigen bundesweiten Herzwochen zwischen dem 1. und 30. November dem Volksleiden Herzinsuffizienz. Während des Aktionszeitraums sollen möglichst viele Menschen lernen, mit welchen Warnzeichen sich die Herzschwäche bemerkbar macht – und wie man der Erkrankung entgegenwirken kann.

Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg und die Medizinische Klinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) nehmen das Motto der Herzwochen „Stärke Dein Herz! Herzschwäche erkennen und behandeln“ auf und laden unter diesem Titel alle Interessierten am Donnerstag, den 21. November 2024 zu einem Informationsabend ein. Bei der kostenlosen Veranstaltung im Hörsaal des DZHI werden in laienverständlichen Kurzvorträgen viele Aspekte rund um die Herzinsuffizienz zur Sprache kommen, wie zum Beispiel Symptome, genetische Faktoren, hilfreiche diagnostische Verfahren, diverse Behandlungsoptionen, Herzunterstützungssysteme und nicht zuletzt auch persönliche Vorbeugemöglichkeiten. Neben Referentinnen und Referenten aus den beiden organisierenden Einrichtungen teilen auch Experten der Klinik für Herz-Thoraxchirurgie des UKW und der Deutschen Herzstiftung ihr Wissen mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Bei einer Publikumsrunde besteht zudem die Chance, kompetente Antworten auf individuelle Fragen zu bekommen.

Der Infoabend findet in Haus A15, Am Schwarzenberg 15 statt und geht von 17:00 bis 19:00 Uhr.Für die Teilnahme ist eine Anmeldung unter E-Mail dzhi@ukw.de unter dem Stichwort „Herzwochen“ wünschenswert.Details zum Vortragsprogramm gibt es unter www.ukw.de/dzhi.

Über die Herzinsuffizienz

Nach Expertenschätzungen haben bis zu vier Millionen Menschen in Deutschland eine chronische Herzinsuffizienz. Obwohl die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Jahren abgenommen hat, steigt die Häufigkeit dieser Erkrankung, insbesondere aufgrund der alternden Bevölkerung. Neben dem Vermeiden von Risikofaktoren, die zu Herzschwäche führen können, ist es daher wichtig, die ersten Anzeichen der Erkrankung wie Atemnot und nachlassende Leistungsfähigkeit bei körperlicher Belastung zu kennen und richtig einzuordnen.

 

Text: Pressestelle / UKW

Eine Vortragsveranstaltung am 21. November 2024 informiert laienverständlich über diverse Aspekte des Volksleidens Herzinsuffizienz. Bild: UKW