Aktuelle Pressemitteilungen

Workshop zu den „Big Five“ der Hämato-Onkologie

Das Uniklinikum Würzburg lädt die Fachwelt der Region ein, sich am 15. November 2023 bei einem Workshop über Neuerungen in der Diagnostik und Therapie der fünf von den Patientenzahlen her bedeutendsten hämatologischen und onkologischen Erkrankungen zu informieren.

Am Mittwoch, den 15. November 2023 veranstaltet die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) das zweite „Häma-Onko-Forum – The Big Five“. Der kostenlose Workshop richtet sich an alle Medizinerinnen und Mediziner der Region, die im Bereich der Hämato-Onkologie tätig sind. „Dieser Zielgruppe wollen wir anhand von Fallbeispielen aktuelle Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten bei Darmkrebs, Magen-, Leber- und Mammakarziomen sowie in der Hämatologie vorstellen“, kündigt Prof. Dr. Hermann Einsele an. Laut dem Direktor der „Med II“ des UKW betreffen diese Erkrankungsfelder besonders viele Patientinnen und Patienten und gelten deshalb als „The Big Five“, die „Großen Fünf“. 
Die regionale Ausrichtung des Forums spiegelt sich auch in der Herkunft der Referierenden wider. So werden hier nicht nur Fachleute des UKW, sondern auch des Klinikums Bamberg, des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim und des Leopoldina-Krankenhauses Schweinfurt ihr Wissen weitergeben. 

„Neben dem Informationsgewinn durch die Vorträge ist das Treffen zudem eine Chance, nach den Einschränkungen der Corona-Jahre persönliche Kontakte zu pflegen und die Netzwerkarbeit zu stärken“, unterstreicht Prof. Einsele, der auch als Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) WERA fungiert. Dieses vereinigt die onkologischen Kompetenzen der Universitätsstandorte Würzburg, Erlangen Regensburg und Augsburg. 
Die Veranstaltung findet im Novum Conference Center in der Schweinfurter Straße in Würzburg statt. Wichtig ist eine Anmeldung bei Gabriele Nelkenstock bis 31. Oktober 2023 unter Tel. 0931-88079447 oder E-Mail: info@ gn-beratung.de

Deutschlandweites Telemedizin Netzwerk gestartet

Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) legt Grundlagen für ein standardisiertes Universitäres Telemedizinnetzwerk (UTN) als Forschungsinfrastruktur an allen deutschen Universitätskliniken. Bisher fehlt ein einheitlicher Telemedizin-Standard an Universitätskliniken.

Während der COVID-19 Pandemie war Telemedizin oft die einzige Methode mit Patienten in Kontakt zu bleiben. So konnten viele Patienten, die den Weg zum Arzt wegen der Ansteckungsgefahr vermeiden wollten, weiterhin versorgt werden. Auch hoch versorgungsrelevante Forschung konnte wegen der Kontaktbeschränkungen nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden und wurde - wo es möglich war - telemedizinisch fortgeführt. Allerdings war schnell klar, dass die Voraussetzungen für eine flächendeckende und standardisierte telemedizinische Studien-Versorgung noch nicht ideal waren.

Das Universitäre Telemedizin Netzwerk schafft Standards in der Telemedizin

Das NUM-Projekt Universitäres Telemedizin Netzwerk (UTN) unter Beteiligung des Universitätsklinikums Würzburg ist offiziell gestartet. Das Hauptziel des UTN-Projekts ist es, Grundlagen für eine nationale standardisierte elektronische Datenerfassung mittels Telemedizin für die universitäre Forschung zu legen und infrastrukturell dauerhaft zu unterstützen. Dabei sollen Standards für bestehende telemedizinische Strukturen der deutschen Universitätskliniken formuliert werden. Ziel der Projektbeteiligen ist es, die bereits bestehenden heterogenen telemedizinischen Strukturen an deutschen Universitätskliniken zu vereinheitlichen und eine einfache und kostengünstige Nutzung an allen Universitätskliniken zu ermöglichen. Durch einen gemeinsamen Standard und regelmäßige Updates will UTN einen breiten telemedizinischen Studien-Support für Kliniker und Wissenschaftler erreichen.

Erste Erprobung anhand eines konkreten Anwendungsbeispiels

Im Use Case des Projekts soll die Erfassung von Langzeitfolgen von COVID-19 und deren Risikofaktoren erfolgen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus. Hierbei wird UTN zudem die Anwendung von Telemedizin durch die Beobachtung von Patientengruppen analysieren und zielt darauf ab, eine langfristige telemedizinische Infrastruktur aufzubauen.

UTN ist Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM)

Das Universitäre Telemedizinnetzwerk (UTN) wird nahtlos in das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) und die Medizininformatik-Initiative (MII) eingebettet, um die Basis für eine gemeinsame, interoperable, standardisierte und sichere telemedizinische Infrastruktur zu schaffen. Dabei werden die NUM-Standorte als zentrale Anlaufstellen dienen. 

Das Netzwerk Universitätsmedizin hat das Ziel, die Maßnahmenpläne, Diagnose- und Behandlungsstrategien aller deutschen Universitätskliniken für (Long) COVID-19-Patienten zu bündeln und zu analysieren. Das Programm konzentriert sich auf schnelle Unterstützung und betont die Bedeutung der kliniknahen Forschung, die unmittelbar in die Versorgung einfließt. Es strebt auch nachhaltige Strukturen an, die über das Projekt hinaus bestehen bleiben und die Reaktionsfähigkeit auf zukünftige Krisen verbessern sollen.

Konsortialpartner mit großer Expertise in Telemedizin 

Die Gesamtleitung des Projekts liegt in den Händen des Sprecherduos Prof. Dr. Anja Schneider und Prof. Dr. Gernot Marx. Am Standort Aachen werden sie dabei durch Frau Prof. Dr. Carina Benstöm unterstützt. Sie wird die Projektsteuerung und Koordination übernehmen, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Am Universitätsklinikum Würzburg sind die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie (Prof. Dr. Patrick Meybohm, Prof. Dr. Peter Kranke, Priv.-Doz. Dr. Stephanie Weibel, Tamara Pscheidl, Prof. Dr. Heike Rittner), das Zentrum für Seltene Erkrankungen (Prof. Dr. Helge Hebestreit, Paula Wessels) sowie die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (Prof. Dr. Jürgen Deckert) in mehreren Arbeitspaketen dieses NUM-Projektes zum Teil in Leitungsfunktionen vertreten. Im UTN haben sich international renommierte Top-Experten aus Wissenschaftlern und Klinikern zusammengefunden. Gerade dieser interdisziplinäre Ansatz, der sich bereits in anderen Projekten des NUMs als sehr erfolgreich herausgestellt hat, wird zum Gelingen des Projekts beitragen, betonen Anja Schneider und Gernot Marx.


Das Verbundprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 3.8 Mio. Euro gefördert.

 
 

Online-Veranstaltung zu Diabetes mellitus am 9. November

Am Donnerstag, den 9. November 2023, informieren drei Fachleute des Uniklinikums Würzburg in einem Webinar über aktuelle Therapieoptionen bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Bildcollage von Prof. Dr. Martin Fassnacht (links), Dr. Ann-Cathrin Koschker und Privatdozent Dr. Ulrich Dischinger
Prof. Dr. Martin Fassnacht (links), Dr. Ann-Cathrin Koschker und Privatdozent Dr. Ulrich Dischinger – alle vom Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie der Medizinische Klinik I am UKW – referieren am 9. November 2023 in einer Online-Veranstaltung über moderne Behandlungsoptionen bei Diabetes mellitus. Bild: UKW / Daniel Peter

Würzburg. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des Stoffwechsels. Allen gemeinsam ist, dass sie zu erhöhten Blutzuckerwerten führen, weil die Patientinnen und Patienten einen Mangel am Hormon Insulin haben und/oder die Insulinwirkung vermindert ist. Laut dem Bundesgesundheitsministerium ist in Deutschland bei gut sieben Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren ein Diabetes mellitus bekannt.

Ein öffentliches und kostenloses Webinar des Uniklinikums Würzburg (UKW) am Donnerstag, den 9. November 2023 will laienverständlich Fragen zur Diagnostik und Behandlung der Volkskrankheit beantworten. Dabei referieren Prof. Dr. Martin Fassnacht, der Leiter des Lehrstuhls für Endokrinologie und Diabetologie am UKW, sowie Dr. Ann-Cathrin Koschker und Privatdozent Dr. Ulrich Dischinger aus seinem Team.

„Zunächst werden wir Grundsätzliches erläutern – wie die verschiedenen Diabetes-Formen und die Zusammenhänge zwischen Zuckerkrankheit und starkem Übergewicht“, kündigt Prof. Fassnacht an und fährt fort: „Anschließend werden wir einen Überblick über die derzeit möglichen Therapien geben.“ Neben verschiedenen Medikamenten und ihren Wirkungsweisen werden auch technische Hilfsmittel angesprochen. Zu denken ist hier an Insulinpumpen, Gewebezuckermessungen, digitale Gesundheitsanwendungen, wie zum Beispiel Apps, sowie „künstliche Bauchspeicheldrüsen“.

Die vom UKW und der Mediengruppe Main-Post gemeinsam organisierte Veranstaltung geht von 18:00 bis ca. 19:30 Uhr und nutzt die Plattform Zoom. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig – auch für die Übermittlung der Zugangsdaten – ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6001 oder unter http://akademie.mainpost.de.

Bildcollage von Prof. Dr. Martin Fassnacht (links), Dr. Ann-Cathrin Koschker und Privatdozent Dr. Ulrich Dischinger
Prof. Dr. Martin Fassnacht (links), Dr. Ann-Cathrin Koschker und Privatdozent Dr. Ulrich Dischinger – alle vom Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie der Medizinische Klinik I am UKW – referieren am 9. November 2023 in einer Online-Veranstaltung über moderne Behandlungsoptionen bei Diabetes mellitus. Bild: UKW / Daniel Peter

Rückenwind für Grundlagenforschung zur Immuntherapie bei Lungenkrebs

Prof. Dr. Maik Luu erhielt in Hamburg auf der DGHO-Jahrestagung den mit 20.000 Euro dotierten Innovation in Lung Cancer Research Award von Novartis.

Maik Luu erhält Innovationspreis auf DGHO-Jahrestagung
Martin Sebastian, Universitätsklinikum Frankfurt, Expertenmitglied des Auswahlkomitees und Preisträger Maik Luu (links). © Grit Weinstock, Novartis
Maik Luu am Rednerpult in Riga
Maik Luu stellte beim TRANSCAN JTC2021 Kick-Off Meeting in Riga das UKW als Koordinator des Konsortiums vor. Copyright: Maria Romero
Gruppenbild der Mitwirkenden aus Projektleitung und Organisation des Transcan JTC2021
Beim TRANSCAN JTC2021 Kick-Off Meeting in Riga stand das Vernetzen und Diskutieren der Konzepte im Mittelpunkt. Im Joint Translational Call (JTC) 2021 geht es um „Next generation cancer immunotherapy: targeting the tumour microenvironment.” Quelle: Maria Romero

Das Bronchialkarzinom, auch als Lungenkrebs oder Lungenkarzinom bezeichnet, ist in Deutschland mit rund 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr die zweithäufigste Krebsart. Obwohl Immuntherapien mit CAR-T-Zellen herausragende Ergebnisse bei hämatologischen Erkrankungen erzielen, also bei Krebserkrankungen, die das blutbildende System betreffen, ist die Behandlung von soliden Tumoren bisher mit vielen Hürden behaftet. Diese festen und zunächst örtlich begrenzten Tumoren besitzen zum Beispiel ein sehr starkes immunsuppressives Mikromilieu, sodass die genmodifizierten Immunzellen, die fürs Attackieren der Tumorzellen einen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) tragen, in dieser feindlichen Umgebung an Effektivität verlieren. Umso größer ist der Bedarf an Strategien, diese Hürden zu überwinden. 

Bekämpfung der Mikroumgebung des Lungenkarzinoms mit Mikrobiom-verstärkten CAR-T-Zellen

An einer davon arbeitet Professor Dr. Maik Luu vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Für sein Konzept namens “Tackling the NSCLC Microenvironment with microbiome-boosted CAR T cells” hat er bei der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 13. bis 16. Oktober 2023 in Hamburg den mit 20.000 Euro dotierten InCA Research Award von Novartis erhalten. InCA steht für Innovation in der Bekämpfung von Lungenkarzinomen. Der Preis soll die Entwicklung von Zellprodukten und Modellen ermöglichen, welche die Bekämpfung von Lungenkarzinomen mit CAR-T-Zellen unter Einfluss von mikrobiellen Metaboliten in den Mittelpunkt stellen. Im Fokus steht das Mikromilieu von nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen (kurz NSCLC für Non-small-cell lung cancer). 

SmartCAR-T: Immuntherapien für feindliche Tumorumgebung wappnen

„Wir planen ein Modell zu entwickeln, dass das Mikromilieu konservieren kann, um modifizierte CAR-T-Zellen zu applizieren und ihre Funktionalität darin untersuchen zu können“, erläutert Maik Luu sein Projekt. Der Humanbiologe dankt dem Auswahlkomitee für sein Vertrauen, der Novartis Pharma GmbH für ihre Unterstützung und dem Labor von Emmanuel Donnadieu vom INSERM Institut Cochin in Paris für seine Inspiration. Gemeinsam mit Emmanuel Donnadieu, dessen Spezialgebiet die Tumorumgebung und Immunzellmigration, und mit weiteren internationalen Kooperationspartnern erforscht Maik Luu im TRANSCAN-3-Projekt neue Schlüsselkomponenten im Tumormikromilieu bei schwer behandelbaren Tumorentitäten, so genannten Hard-To-Teat Cancers. Das SmartCAR-T-Konsortium unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Hudecek vom UKW will in dem EU-Projekt die Schlüsselfaktoren identifizieren, welche die physikalischen und immunologischen Barrieren, die den Tumor umgeben und abschirmen, und neue, modifizierte CAR-T-Zelltherapien entwickeln. 

Von Hamburg nach Riga zum TRANSCAN JTC2021 Kick-Off Meeting

Nach der Preisübergabe in Hamburg flog Maik Luu direkt nach Riga (Lettland), wo er das UKW als Koordinator des Konsortiums vorstellen und vertreten konnte. Beim TRANSCAN JTC2021 Kick-Off Meeting mit anderen Mitwirkenden aus Projektleitung und Organisation stand das Vernetzen und Diskutieren der Konzepte im Mittelpunkt. Im Joint Translational Call (JTC) 2021 geht es um „Next generation cancer immunotherapy: targeting the tumour microenvironment.” 

Hintergründe und Details zum TRANSCAN-3-Projekt, das 31 Partner aus 20 Ländern zusammenbringt, um Krebsforschungs- und -innovationsprogramme aufeinander abzustimmen und sicherzustellen, dass die kombinierten finanziellen Ressourcen auf die effektivste und effizienteste Art und Weise genutzt werden, bewährte Verfahren ausgetauscht werden und Wissen geschaffen, verbreitet und optimal zum Nutzen aller wichtigen Akteure eingesetzt wird, sind der Transcan-Webseite zu entnehmen.
Weitere Informationen zum SmartCAR-T-Zell-Projekt im Rahmen von TRANSCAN-3 liefern die Pressemitteilung und die Projektwebseite, einen Einblick in die Karriere von Maik Luu gibt ein Porträt, dass anlässlich seiner Juniorprofessur entstand. 

Zur CAR-T-Zelltherapie: 
Bei der zellulären Immuntherapie wird den weißen Blutkörperchen unseres Immunsystems, den T-Zellen, auf die Sprünge geholfen. Dazu werden die T-Zellen gentechnologisch verändert und im Labor mit einem künstlichen auf die entsprechende Krebsart zugeschnittenen Rezeptor ausgestattet, dem Chimären Antigen Rezeptor, kurz CAR. Anschließend werden die „scharf gestellten“ T-Zellen als lebendes Medikament der Patientin oder dem Patienten zurückgegeben. Mithilfe des spezifischen Oberflächenmarkers können die CAR-T-Zellen die Tumorzellen im Körper aufspüren und zerstören.
 

Maik Luu erhält Innovationspreis auf DGHO-Jahrestagung
Martin Sebastian, Universitätsklinikum Frankfurt, Expertenmitglied des Auswahlkomitees und Preisträger Maik Luu (links). © Grit Weinstock, Novartis
Maik Luu am Rednerpult in Riga
Maik Luu stellte beim TRANSCAN JTC2021 Kick-Off Meeting in Riga das UKW als Koordinator des Konsortiums vor. Copyright: Maria Romero
Gruppenbild der Mitwirkenden aus Projektleitung und Organisation des Transcan JTC2021
Beim TRANSCAN JTC2021 Kick-Off Meeting in Riga stand das Vernetzen und Diskutieren der Konzepte im Mittelpunkt. Im Joint Translational Call (JTC) 2021 geht es um „Next generation cancer immunotherapy: targeting the tumour microenvironment.” Quelle: Maria Romero

Würzburger Medizinstudierende trainieren jetzt mit Kunstblut

Am Uniklinikum Würzburg wurde ein neuartiges transfusionsmedizinisches Lehrangebot entwickelt, bei dem die Medizinstudierenden mit Kunstblut üben können.

Durch den Einsatz von Kunstblut-Konserven können jetzt alle Würzburger Medizinstudierenden transfusionsmedizinische Abläufe realitätsnah trainieren. Bild: UKW / Jürgen Kößler

Würzburg. Seit dem Sommersemester 2023 gibt es am Uniklinikum Würzburg (UKW) für die Medizinstudentinnen und -studenten das neue „Praktikum Transfusionsmedizin“. Der Schlüssel zu dem innovativen Lehrangebot ist der Einsatz von Kunstblut. Prof. Dr. Jürgen Kößler, der kommissarische Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie am UKW, erläutert die Hintergründe: „Das neue Praktikum ist das Ergebnis unseres Projekts ‚Transfusionsmedizin-Training mit Dummys‘, kurz TIMMY. Dummys sind in diesem Fall mit Kunstblut gefüllte Blutkonserven.“ Es gab nach seinen Worten zwar schon vor der von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre geförderten Neuerung ein studentisches Transfusionsmedizinisches Praktikum in Würzburg, bei dem allerdings verfallene „echte“ Blutkonserven verwendet wurden. Diese seien zahlenmäßig sehr begrenzt und dürften die Instituts-Laborräume aus hygiene- und arzneimittelrechtlichen Gründen nicht verlassen.

Von der Wahl- zur Pflichtveranstaltung

„Deshalb war das Praktikum bislang lediglich eine Wahlveranstaltung innerhalb des Immunologie-Praktikums, so dass nur ein Teil der Studierenden eines Semesters den Umgang mit Blutkonserven realitätsnah üben konnte“, beschreibt der Professor. Durch die Neustrukturierung und den Einsatz von in ausreichender Menge hergestellten Konserven-Dummys bekommen nun alle Würzburger Medizinstudierenden diese Chance. In die Ausarbeitung des neuen Praktikums war Prof. Dr. Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW und Studiendekanin der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, intensiv eingebunden.

Das „Praktikum Transfusionsmedizin“ ist nun eine verpflichtende Veranstaltung des 9. Semesters und ergänzt die theoretische Vorlesung in Transfusionsmedizin, die im 8. Semester stattfindet.

Das Konzept kann bei Interesse von transfusionsmedizinischen Einrichtungen anderer Universitäten übernommen werden.

Durch den Einsatz von Kunstblut-Konserven können jetzt alle Würzburger Medizinstudierenden transfusionsmedizinische Abläufe realitätsnah trainieren. Bild: UKW / Jürgen Kößler

Zum Tod von Professor Jan Helms

Am 5. September dieses Jahres verstarb Prof. Dr. Jans Helms. Von 1987 bis 2005 hatte er den Lehrstuhl für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne und leitete die HNO-Klinik des Würzburger Universitätsklinikums.

Prof. Dr. Jans Helms war von 1987 bis 2005 Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg.

Mit Prof. Dr. Jan Helms starb am 5. September 2023 im Alter von 86 Jahren einer der herausragenden fachlichen Experten und eine richtungsgebende Führungspersönlichkeit der Würzburger Universitätsmedizin. Von 1987 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 hatte er den dortigen Lehrstuhl für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde inne und leitete die  HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Sein damaliger Nachfolger, Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Hagen, berichtet: „Als gleichermaßen engagierter Arzt, Dozent und Forscher trug Prof. Helms maßgeblich zum nationalen und internationalen Ansehen der Klinik bei.“ Besonders hervorzuheben seien dabei seine Beiträge zur Indikation, Technik und Nachsorge der Cochlea-Implantate. „Hier wies Helms, der stets die fruchtbare Kooperation mit der Neurochirurgie suchte, neue Wege – vor allem bei der Versorgung von Kindern und Kleinkindern“, erläutert Hagen. Der kürzlich pensionierte Würzburger HNO-Klinikdirektor fährt fort: „Wir werden das einmalige chirurgische Können von Prof. Helms, seinen kompetenten und menschlichen Umgang mit den Patientinnen und Patienten wie auch den Beschäftigten sowie sein humorvolles Wesen immer in ehrendem Gedächtnis behalten.“

Helms, der seinen Lebensabend in Tübingen verbrachte, erfuhr zeitlebens auch weit außerhalb Würzburgs hohe fachliche und persönliche Anerkennung. Beispielsweise wurde er im Jahr 1996 in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen und war Träger des Bundesverdienstkreuzes sowie des französischen Ordre National du Mérite. Zudem ernannten ihn die deutsche und zahlreiche ausländische HNO-Gesellschaften zum Ehrenmitglied.

Prof. Dr. Jans Helms war von 1987 bis 2005 Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg.

Uniklinikum Würzburg: Herzrhythmusstörungen erfolgreich behandeln

Mit der Berufung von Dr. Thomas Fischer zum Universitätsprofessor stärkt die Würzburger Universitätsmedizin den Schwerpunkt Interventionelle Elektrophysiologie am Universitätsklinikum Würzburg.

Prof. Dr. Thomas Fischer im Herzkatheterlabor des Uniklinikum Würzburg.
Prof. Dr. Thomas Fischer im Herzkatheterlabor des Uniklinikum Würzburg. Bild: UKW / Daniel Peter

Würzburg. Dr. Thomas Fischer leitet den Schwerpunkt Interventionelle Elektrophysiologie der Medizinischen Klinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) bereits seit dem Jahr 2019. Im April dieses Jahres wurde er von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zum Universitätsprofessor berufen. In der Folge kann er sich noch intensiver und mit einem größeren Team dem universitären Dreiklang aus Patientenversorgung, Lehre und Forschung rund um das Thema Herzrhythmusstörung widmen.

Für den 41-Jährigen ist dies eine Herzensangelegenheit: „Das Schöne an meiner Arbeit in der Elektrophysiologie ist, dass ich in einem faszinierenden Teilgebiet der Medizin vielen Menschen mit modernen technologischen Möglichkeiten sehr gut helfen kann.“ Die Komplikationsrate sei dabei sehr gering, da die modernen Behandlungssystem inzwischen ausgereift und die Expertise hoch sei. Die Begeisterung für sein Fachgebiet gebe er auch gerne an Studierende weiter.

In Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg erforscht Prof. Fischer mit seiner Arbeitsgruppe Mechanismen, die in Herzmuskelzellen zu Rhythmusstörungen führen. Auch der Schlaganfallgefahr durch Rhythmusstörungen will er weiter auf den Grund gehen. Das alles geschieht mit dem Ziel, neue Ansatzpunkte für Therapien zu entschlüsseln und schwere Folgeerkrankungen zu verhindern.

Herzrasen, Herzstolpern oder reduzierte Belastbarkeit als Symptome

Die Elektrophysiologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen und trägt dazu bei, die Lebensqualität zu verbessern, Folgeerkrankungen zu vermeiden und den plötzlichen Herztod zu verhindern. Wer des Öfteren Herzrasen, Herzstolpern oder Herzschlagpausen verspürt oder. Schwindel, Luftnot und eine eingeschränkte Belastbarkeit bemerkt, sollte dies zunächst vom Hausarzt oder einem niedergelassenen Herzspezialisten (Kardiologen) abklären lassen. Bei diagnostischen Unklarheiten oder für die Durchführung spezifischer Behandlungsverfahren stehen die Expertinnen und Experten des UKW zur Verfügung.

Zielgenaue Verödung durch Katheterablation

Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist eine Verödungsbehandlung mittels Herzkatheter (Katheterablation). Hierbei werden die Zellen, die das Herz immer wieder durch falsche elektrische Signale aus dem Takt bringen, im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung mittels Radiofrequenz-Energie (RF-Ablation) oder Kälte (Kryo-Ablation) spezifisch und zielgerichtet ausgeschaltet.

Zur exakten Orientierung innerhalb des Herzens stehen moderne 3D-Navigationssysteme zur Verfügung. „Mittels magnetisch markierter Katheter kann in einem Magnetfeld eine Landkarte der jeweiligen Herzregion erstellt werden, die eine zielgenaue und schonende Verödung ermöglicht.“ Röntgendurchleuchtung ist hierfür kaum noch notwendig.

Am UKW werden zwei verschiedene RF-Systeme der neuesten Generation sowie ein Kryo-Ablations-System eingesetzt, sodass für jede Patientin und jeden Patienten die optimale Behandlungsform ausgewählt werden kann. Aufgrund der niedrigen Invasivität der Katheter-gestützten Behandlung über die Leiste dürfen sie die Klinik bei regulärem Verlauf häufig schon am nächsten Tag wieder verlassen.