Aktuelle Pressemitteilungen

Neue Erkenntnisse zur Fibromyalgie beim Mann

Die Würzburger Neurologin Prof. Dr. Nurcan Üçeyler liefert mit ihrem Team in einer prospektiven Fall-Kontroll-Studie, die in der Fachzeitschrift Pain Reports veröffentlichte wurde, detaillierte Daten zur Schmerzphänotypisierung und zur Pathologie der kleinkalibrigen Nervenfasern in einer Kohorte von Männern mit Fibromyalgie-Syndrom. Ihr Team zeigt zum ersten Mal, dass auch bei Subgruppen von Männern mit FMS eine Kleinfaserpathologie vorliegt, die mit dem Schweregrad der Schmerzen und dem Nervenfaserverlust in der Hornhaut korreliert.

Nurcan Üceyler und Betty Feulner sitzen in weißen Kitteln am Besprechungstisch - Betty Feulner hält ein Messgerät auf die Hand von Nurcan Üceyler.
Assistenzärztin Betty Feulner (rechts) hat im Rahmen ihrer Dissertationsarbeit gemeinsam mit Prof. Dr. Nurcan Üçeyler, leitende Oberärztin in der Neurologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), Daten zur Schmerzphänotypisierung und zur Pathologie der kleinkalibrigen Nervenfasern in einer Kohorte von Männern mit Fibromyalgie-Syndrom analysiert. Hier im Labor für quantitative sensorische Testung, Betty Feulner hält eine so genannte Thermode auf den Handrücken von Nurcan Üçeyler. © Julia Grüner / UKW
Zwei Hauptproben werden gegenübergestellt
Die Abbildungen zeigen mittels Stanzbiopsie gewonnene Hautproben von Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom (FMS). Der Patient auf der linken Seite weist eine normale Hautinnervation auf, während auf der rechten Seite die intraepidermale Nervenfaserdichte reduziert ist. © Franziska Karl-Schöller / UKW

Würzburg. Weltweit sind etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung vom Fibromyalgie-Syndrom (FMS) betroffen. Da die Symptome unspezifisch sind und die Diagnose schwierig ist, wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Die Betroffenen leiden unter Schmerzen, chronischer Müdigkeit und Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und vegetativen Beschwerden. Psychische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen sind häufige Begleiter. Das FMS ist nicht heilbar, aber individuell angepasste Therapien wie Bewegung, Schmerzmanagement und psychologische Unterstützung können die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in Häufigkeit, Symptomschwere und Diagnostik

Prof. Dr. Nurcan Üçeyler, leitende Oberärztin in der Neurologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), und ihr Team gewannen jetzt wichtige Erkenntnisse auf der Suche nach objektiven und messbaren Biomarkern für die Diagnose und Therapie bei Männern mit FMS. Das Fibromyalgie-Syndrom unterscheidet sich deutlich zwischen den Geschlechtern, was die Häufigkeit, die Schwere der Symptome und den Weg zur Diagnose betrifft. So ist die Mehrzahl der Betroffenen Frauen, allerdings wird auch von einer hohen Fallzahl unter Männern ausgegangen, die in wissenschaftlichen Studien zur Fibromyalgie allerdings meist unterrepräsentiert sind. Die Unterschiede verdeutlichen, wie wichtig es ist, geschlechtsspezifische Ansätze in der Behandlung und Diagnostik zu berücksichtigen, um die Versorgung der Betroffenen zu verbessern.

Beim Fibromyalgie-Syndrom sind kleine schmerzleitende Nervenfasern – small fibers - geschädigt

Die Arbeitsgruppe Üçeyler wies bereits vor elf Jahren nach, dass bei Frauen mit FMS die kleinkalibrigen schmerzleitenden Nervenfasern, die so genannten small fibers, geschädigt sind (Studie und Pressemeldung). Nun erweiterte die AG mit ihrer rein männlichen Kohorte das Verständnis der Pathophysiologie des Schmerzes bei FMS, indem sie bei Männern den Schmerz charakterisierten und die Nervenfasern auf morphologischer und funktioneller Ebene bewerteten. Die Ergebnisse der Studie „Pain and small fiber pathology in men with fibromyalgia syndrome” wurden in der Fachzeitschrift Pain Reports veröffentlicht.

In dem von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) teilgeförderten Projekt wurden 42 Männer mit FMS in einem umfassenden Untersuchungsprogramm unterzogen, das ein schmerzbezogenes Interview, eine Fragebogenerhebung, eine neurologische Untersuchung, elektrophysiologische Tests sowie spezielle Untersuchungen der kleinkalibrigen Nervenfasern, konkret der dünn-myelinisierten Aδ- und der unmyelinisierten C-Nervenfasern, umfasste. Die Untersuchung der small fibers, die für die Schmerzwahrnehmung und das Temperaturempfinden verantwortlich sind und deren Endigungen in der Haut lokalisiert sind, beinhaltete die Entnahme von Hautstanzbiopsien, die korneale konfokale Mikroskopie, bei der die Morphologie der kleinen Nervenfasern in der Hornhaut analysiert wurde, sowie die quantitative sensorische Testung, bei der die Reaktionsfähigkeit des Patienten auf Reize untersucht wurde.

Je stärker die Nerven in der Haut betroffen sind, desto umfassender scheinen die Schmerzsymptome zu sein

„Wir fanden heraus, dass Männer mit FMS vor allem über generalisierte und dauerhafte Schmerzen mit zusätzlichen Schmerzattacken und meist drückendem Schmerzcharakter berichten“, berichtet Nurcan Üçeyler. 
Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen war bei Männern mit FMS die Nervenversorgung sowohl in der Haut als auch in der Hornhaut des Auges reduziert, was auf eine neurologische Beteiligung bei FMS hinweist. Auch die Funktion der kleinen Nervenfasern war im Vergleich zu gesunden Männern beeinträchtigt. Männer mit FMS benötigten stärkere Reize, um Wärme oder Kälte wahrzunehmen, und einen stärkeren Druck, um Schmerzen auszulösen.

„Interessanterweise ergab eine Korrelationsanalyse, dass Patienten mit FMS und reduzierter Hautinnervation über Schmerzen in mehr Körperregionen berichteten als Personen mit normaler Hautnervenversorgung“, erzählt die Erstautorin Betty Feulner, die die Studie im Rahmen ihrer Dissertationsarbeit in der Arbeitsgruppe durchgeführt hat und jetzt auch als Assistenzärztin an der Neurologischen Klinik tätig ist. Dies sei ein wichtiger Befund, der auf einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der kutanen Denervierung, also der Reduzierung der Hautnerven, und der Symptomlast hindeute. Mit anderen Worten: Je stärker die Nerven in der Haut betroffen sind, desto ausgeprägter scheinen die Schmerzsymptome zu sein. Weitere Untersuchungen sollen Weg in die klinische Praxis ebnen

Damit zeigt das Team aus der Neurologie in Zusammenarbeit mit Privatdozent Daniel Kampik von der Würzburger Augenklinik und Prof. Rayaz A. Malik von Weill Cornell Medicine in Doha (Katar) erstmals, dass auch bei Untergruppen von Männern mit FMS eine Kleinfaserpathologie vorliegt, die mit der Schmerzintensität und dem Nervenfaserverlust in der Hornhaut korreliert. „Auch wenn wir unsere Ergebnisse noch nicht direkt in die Klinik übertragen können, so liefern wir doch wichtige Erkenntnisse auf der Suche nach objektiven und messbaren Biomarkern für die Diagnostik und Therapie von FMS“, fasst Nurcan Üçeyler zusammen. Entscheidend wird nun sein, den diagnostischen und therapeutischen Wert der Ergebnisse weiter zu untersuchen, um den Weg in die klinische Praxis zu ebnen.

Publikation:
Feulner, Betty; Gross, Franziska; Evdokimov, Dimitar; Malik, Rayaz A.; Kampik, Daniel; Üçeyler, Nurcan,*. Pain and small fiber pathology in men with fibromyalgia syndrome. PAIN Reports 9(6):p e1212, December 2024. | DOI: 10.1097/PR9.0000000000001212

Text: KL / Wissenschaftskommunikation
 

Nurcan Üceyler und Betty Feulner sitzen in weißen Kitteln am Besprechungstisch - Betty Feulner hält ein Messgerät auf die Hand von Nurcan Üceyler.
Assistenzärztin Betty Feulner (rechts) hat im Rahmen ihrer Dissertationsarbeit gemeinsam mit Prof. Dr. Nurcan Üçeyler, leitende Oberärztin in der Neurologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), Daten zur Schmerzphänotypisierung und zur Pathologie der kleinkalibrigen Nervenfasern in einer Kohorte von Männern mit Fibromyalgie-Syndrom analysiert. Hier im Labor für quantitative sensorische Testung, Betty Feulner hält eine so genannte Thermode auf den Handrücken von Nurcan Üçeyler. © Julia Grüner / UKW
Zwei Hauptproben werden gegenübergestellt
Die Abbildungen zeigen mittels Stanzbiopsie gewonnene Hautproben von Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom (FMS). Der Patient auf der linken Seite weist eine normale Hautinnervation auf, während auf der rechten Seite die intraepidermale Nervenfaserdichte reduziert ist. © Franziska Karl-Schöller / UKW

Personalia vom 17. Dezember 2024 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Julius Frederik Heidenreich, Oberarzt, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wurde mit Wirkung vom 04.12.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Radiologie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 17.12.2024

Ein schnelles Ende für mRNA

Forschende der Universität Würzburg haben einen Prozess entdeckt, der mRNA-Moleküle im menschlichen Körper besonders effizient abbaut. Etwa für die Behandlung von Krebs könnte das von Nutzen sein.

Schematische Darstellung eines Ribosoms (hier lachsfarben), das sich entlang einer mRNA bewegt (gewundene Struktur, hier lila-bläulich) und auf Basis der darin enthaltenen Information ein Protein formt (stabförmige Struktur, hier dunkellila, ragt aus dem Ribosom hervor). (Bild: Ozgu Arslan / iStockphoto.com)
Schematische Darstellung eines Ribosoms (hier lachsfarben), das sich entlang einer mRNA bewegt (gewundene Struktur, hier lila-bläulich) und auf Basis der darin enthaltenen Information ein Protein formt (stabförmige Struktur, hier dunkellila, ragt aus dem Ribosom hervor). (Bild: Ozgu Arslan / iStockphoto.com)

Sie sind so etwas wie die Architekten unseres Körpers: Messenger-Ribonukleinsäuren, kurz mRNA. In ihrem Inneren enthalten sie detaillierte Baupläne für Proteine, die von ihren „Kollegen“, den Ribosomen, gelesen und umgesetzt werden. Ohne die Proteine in unseren Körpern könnten wir Menschen nicht überleben – sie steuern unsere Zellteilung, sorgen für ein starkes Immunsystem und machen unsere Zellen widerstandsfähig gegen Angriffe von außen.

Wie im „echten Bauwesen“ sind auch auf Zellebene bei bestimmten Bauplänen zusätzliche Arbeitsanweisungen erforderlich – zum Beispiel, weil ein Protein besonders schnell hergestellt werden muss oder weil der Bauplan fehlerhaft ist. In unserem Inneren übernehmen diese Rolle sogenannte RNA-Modifikationen, kleine chemische Veränderungen, ähnlich ergänzenden Kommentaren, die sich an einzelne Bestandteile der mRNA anheften.

Neuer Abbauprozess für mRNA aufgedeckt

Mit einer speziellen Modifikation, dem N6-Methyladenosin (kurz m6A), haben sich jetzt Forschende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) beschäftigt. „Interessant für die Wissenschaft ist m6A deshalb, weil diese Modifikation häufig bei Menschen verändert ist, die unter Stoffwechselstörungen, Krebs oder Herzerkrankungen leiden“, erklärt Bioinformatikerin Kathi Zarnack. „Seine Funktion: Wenn m6A an eine mRNA geheftet ist, löst dies den Abbau der mRNA aus, sobald die ersten Proteine nach dem enthaltenen Bauplan hergestellt wurden. Das ist besonders wichtig für Proteine, von denen keinesfalls zu viele hergestellt werden dürfen, weil dies schädlich für die Zelle wäre.“ Diesen Abbauprozess haben die Würzburger Forschenden nun weltweit als erste entdeckt und beobachtet: Er koppelt den Abbau einer mRNA direkt an die produzierten Proteine und geht deutlich schneller und effizienter vonstatten als bisher bekannte Mechanismen zum Abbau von mRNA.

Entscheidend ist, dass dieser besondere Abbauweg nur dann funktioniert, wenn m6A in bestimmten Regionen der mRNA sitzt. „Kommentiert“ werden von m6A vor allem die Baupläne für Proteine, die an der Ausdifferenzierung von Zellen beteiligt sind – die also festlegen, ob eine Zelle als Nervenzelle, Muskelzelle, Hautzelle oder einer anderen Form existieren wird.

Medikamente, die die Anheftung von m6A an mRNA steuern, könnten sich diesen Prozess zunutze machen. Indem sie m6A gezielt unterdrücken, ließen sich verstärkt Proteine mit erwünschten Funktionen produzieren – und umgekehrt die Produktion unerwünschter Proteine hemmen. Das Problem: Bislang waren die Effekte solcher Medikamente für die Wissenschaft nur schwer vorhersagbar, weil unbekannt war, in welchen Regionen der mRNA die m6A-Modifikation sitzen muss, um den Abbau auszulösen. „Mit unserer Studie tragen wir nun zu einem besseren Verständnis und einer genaueren Vorhersage bei, welche mRNA besonders auf diese Wirkstoffe reagieren“, so Biochemiker und RNA-Biologe Julian König, Zarnacks Kollege.

Nächste Schritte in der Forschung

Künftig wollen die Forschenden noch detaillierter untersuchen, wie der Abbau von mit m6A gekennzeichneter mRNA vonstattengeht, zum Beispiel woran genau Ribosomen die Modifikation erkennen. Zusätzlich soll es darum gehen, wie sich der gezielte mRNA-Abbau durch m6A klinisch nutzbar machen lässt.

Beteiligt an der Studie waren neben den Würzburger Forschenden das Institut für Molekulare Biologie (IMB) Mainz und die Goethe Universität Frankfurt. Das Projekt wird im Rahmen des Sonderforschungsbereichs TRR 319 „RMaP: RNA Modifikation und Prozessierung“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

Zur Studie

m6A sites in the coding region trigger translation-dependent mRNA decay. You Zhou, Miona Ćorović, Peter Hoch-Kraft, Nathalie Meiser, Mikhail Mesitov, Nadine Körtel, Hannah Back, Isabel S. Naarmann-de Vries, Kritika Katti, Aleš Obrdlík, Anke Busch, Christoph Dieterich, Štěpánka Vaňáčová, Martin Hengesbach, Kathi Zarnack, Julian König. Molecular Cell. 21. November 2024. DOI: 10.1016/j.molcel.2024.10.033

Kontakt

Prof. Dr. Kathi Zarnack, Leiterin des Lehrstuhls für Bioinformatik II, Tel. +49 931 31-81878, kathi.zarnack@ uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Julian König, Leiter des Lehrstuhls für Biochemie und RNA-Biologie, Tel. +49 931 31-84730, julian.koenig@ uni-wuerzburg.de

Text: Sebastian Hofmann, einBLICK 17.12.2024, Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Schematische Darstellung eines Ribosoms (hier lachsfarben), das sich entlang einer mRNA bewegt (gewundene Struktur, hier lila-bläulich) und auf Basis der darin enthaltenen Information ein Protein formt (stabförmige Struktur, hier dunkellila, ragt aus dem Ribosom hervor). (Bild: Ozgu Arslan / iStockphoto.com)
Schematische Darstellung eines Ribosoms (hier lachsfarben), das sich entlang einer mRNA bewegt (gewundene Struktur, hier lila-bläulich) und auf Basis der darin enthaltenen Information ein Protein formt (stabförmige Struktur, hier dunkellila, ragt aus dem Ribosom hervor). (Bild: Ozgu Arslan / iStockphoto.com)

Anhaltender Rückenwind für die Schmerzforschung

DFG VERLÄNGERT FÖRDERUNG DER KLINISCHEN FORSCHUNGSGRUPPE RESOLVEPAIN (KFO 5001) AM UNIKLINIKUM WÜRZBURG (UKW)

Bereits seit vier Jahren erforscht die Klinische Forschungsgruppe (KFO 5001) ResolvePAIN die peripheren Mechanismen des Schmerzes und seiner Rückbildung - zur vollsten Zufriedenheit der Gutachterinnen und Gutachter. Nun unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Forscherinnen und Forscher in einer zweiten Förderperiode mit insgesamt über 8 Millionen Euro für weitere vier Jahre. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), die mit der Universität Leipzig, der Charité Universitätsmedizin Berlin und dem Mercator Fellow in Rochester New York kooperiert, wird von Professorin Dr. Heike Lydia Rittner geleitet, Sprecherin ist Professorin Dr. Claudia Sommer.

Das Bild zeigt Claudia Sommer und Heike Rittner freudestrahlend nach der Begutachtung, mit Blumen und Sektglas in den Händen.
Die Sprecherin von ResolvePAIN, Professorin Dr. Claudia Sommer (links) und die wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe, Professorin Dr. Heike Lydia Rittner freuen sich über die Finanzierung der zweiten Förderperiode durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). © Prof. Alexander Brack / UKW

Würzburg. Eine so enge Verknüpfung von klinischer und Grundlagenforschung in der Schmerzmedizin mit einer innovativen Fragestellung gebe es nirgendwo sonst in Europa, war eine der zahlreichen Rückmeldungen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) berufenen Gutachter, nachdem sie sich zum Ende der ersten Förderperiode ein Bild von der Klinischen Forschungsgruppe (KFO 5001) ResolvePAIN gemacht hatten. Schmerzen auflösen, der Name ist Programm. Konkret will die Forschungsgruppe verstehen, wie Schmerzen nach einer Nervenschädigung wieder abklingen. „Solche Nervenschäden können verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Chemotherapie, die Operation eines Narbenbruchs, ein komplexes regionales Schmerzsyndrom oder Erkrankungen des Immunsystems, die die Nerven angreifen. Wir untersuchen sowohl die zugrundeliegenden biologischen Prozesse, die zur Schmerzlinderung beitragen, als auch Faktoren, die vorhersagen können, ob und wie schnell sich der Schmerz zurückbildet“, sagt Professorin Dr. Heike Rittner, Inhaberin des Lehrstuhls für Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Würzburg und wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe. Sprecherin von ResolvePAIN ist die leitende Oberärztin der Neurologie, Professorin Dr. Claudia Sommer.

Interdisziplinäres Team aus Würzburg, Leipzig, Berlin und New York

21 Forscherinnen und Forscher aus Wissenschaft und Klinik widmen sich bei ResolvePAIN in neun Arbeitsgruppen und einem zentralen Serviceprojekt interdisziplinär und mit differenzierten Fragestellungen den Mechanismen des Schmerzes und seiner Rückbildung. Aus Würzburg sind der Lehrstuhl Schmerzmedizin sowie die Kliniken beziehungsweise Institute für Anästhesiologie, Neurologie, Chirurgie, Innere Medizin, Neuroradiologie, Psychiatrie und Klinische Neurobiologie beteiligt.
Als Kooperationspartner konnten das Institut für Biologie, Tier- und Verhaltensphysiologie der Universität Leipzig, das Institut für Klinische Physiologie - Ernährungsmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin sowie das Department of Psychiatry des University of Rochester Medical Center in New York gewonnen werden. Als so genannter Mercator Fellow unterstützt Prof. Paul Geha aus den USA für zwei Monate im Jahr die Forschungsgruppe bei der Suche nach im funktionellen MRT sichtbaren Korrelaten chronischer Schmerzen und deren Rückbildung im Gehirn.

Brücken zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung 

Derzeit laufen verschiedene klinische Studien zu Nervenschädigungen durch Chemotherapien, Narbenhernienoperationen, dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom oder Autoimmunneuropathien. Ergänzend wird intensive Grundlagenforschung betrieben: Sie reicht von Untersuchungen an der Fruchtfliege zu Mechanismen im Rückenmark über Zell- und Gewebemodelle wie Neuronen aus IPS-Zellen, 3D-Modelle der Spinalganglien und Barrieremodelle bis hin zu präklinischen Studien zur Nervenschädigung, zum Beispiel bei Barrieren oder der Bortezomib-induzierten Polyneuropathie. Weitere Schwerpunkte sind neuroimmune Mechanismen sowie zentrale Prozesse und die Interaktion zwischen peripherem und zentralem Nervensystem, die mit Methoden wie fMRI, sozialen Interventionen, 7-Tesla-MRT und Mikroneurographie untersucht werden. 

Ärztinnen und Ärzte, die sich neben ihrer klinischen Tätigkeit auch wissenschaftlich engagieren wollen, erhalten in den Clinician and Advanced Clinician Scientist Programmen Freiräume für ihre Forschung. „Durch die Ausbildung forschungsorientierter Ärztinnen und Ärzte können wir langfristig Brücken zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung schlagen”, sagt Heike Rittner. Sie ist stolz auf ihre engagierten und gemischten Teams. Bis auf eine Ausnahme ist bei jedem Projekt auch eine Frau in der Projektleitung. 

8 Millionen Euro für weitere 4 Jahre 

Die bisherigen Strukturen, Projekte und Ergebnisse haben die Jury überzeugt. Die DFG unterstützt die Forscherinnen und Forscher in einer zweiten Förderperiode mit über acht Millionen Euro für weitere vier Jahre. 
„Das ist eine einmalige Chance, in dem großen Team der Kliniker:innen und Wissenschaftler:innen die Schmerzforschung sowohl mechanistisch als auch diagnostisch voranzubringen, so dass am Ende den Patientinnen und Patienten mit diesen Erkrankungen passgenau besser geholfen werden kann. Das wird die Universitätsmedizin Würzburg und das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzforschung national und international weit sichtbar machen“, freut sich Claudia Sommer. 

Forschungsgruppen der DFG

Mit der Förderung von Forschungsgruppen ermöglicht die DFG Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihres Faches zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Sie werden bis zu acht Jahre gefördert. Von den derzeit über 200 geförderten Forschungsgruppen sind zwölf Klinische Forschungsgruppen (KFO), die sich durch eine enge Verzahnung von wissenschaftlicher und klinischer Arbeit auszeichnen. Im Dezember hat der Hauptausschuss der DFG beschlossen, acht neue Forschungsgruppen einzurichten und die Förderung von zwei weiteren Forschungsgruppen sowie einer KFO zu verlängern (Pressemeldung der DFG).

Link zur Klinischen Forschungsgruppe (KFO5001).
Zu den Porträts von Heike Rittner und Claudia Sommer in der Serie #WomenInScience.

Text: Kirstin Linkamp / UKW
 

Das Bild zeigt Claudia Sommer und Heike Rittner freudestrahlend nach der Begutachtung, mit Blumen und Sektglas in den Händen.
Die Sprecherin von ResolvePAIN, Professorin Dr. Claudia Sommer (links) und die wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe, Professorin Dr. Heike Lydia Rittner freuen sich über die Finanzierung der zweiten Förderperiode durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). © Prof. Alexander Brack / UKW

TelePeriOP: Virtuelle Operationsvorbereitung

VERMEIDUNG VERZICHTBARER VOR-ORT-BESUCHE UND VERBESSERUNG DES RISIKOMANAGEMENTS DURCH TELEMEDIZIN UND CDS-SYSTEM

In dem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt TelePeriOP wird unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medizin MEVIS untersucht, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche in Kombination mit einem leitlinienbasierten Clinical Decision Support System (CDS) das perioperative Risikomanagement verbessern und unnötige Wartezeiten für Patientinnen und Patienten mit Vor-Ort-Termin vermeiden können.

 

Das Bild zeigt mehrere Chirurginnen und Chirurgen in OP-Kleidung am OP-Tisch.
Im vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt TelePeriOP untersucht das Uniklinikum Würzburg mit Partnern, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche vor Operationen in Kombination mit einem Clinical Decision Support Tool machbar sind und die Gesundheitsversorgung verbessern können. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Chirurgische Eingriffe verbessern die Lebensqualität und sind oft lebensrettend. Doch jede Operation birgt Risiken. Die so genannte perioperative Sterblichkeit ist in den westlichen Industrienationen mit 0,4 bis 0,8 Prozent immer noch überraschend hoch. Im vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt KI-PeriOP ist es einem interdisziplinären Konsortium unter klinischer Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und technischer Koordination durch das Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS bereits gelungen, ein CE-zertifiziertes System zur klinischen Entscheidungsunterstützung (kurz CDS für clinical decision support) zu entwickeln. Das CDS-System erfasst und analysiert individuelle Risiken und Grunderkrankungen von Patientinnen und Patienten sowie operationsspezifische Risiken und gibt entsprechende leitlinienbasierte Handlungsempfehlungen. „Das Clinical Decision Support Tool unterstützt uns bei der anästhesiologischen Risikoeinschätzung, erhöht die Leitlinien-Adhärenz und optimiert die präoperative Vorbereitung“, fasst Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie (Anästhesie) am UKW, zusammen.

Telemedizin reduziert unnötige Wege- und Wartezeiten

Im Nachfolgeprojekt TelePeriOP soll nun das anästhesiologische Arzt-Patienten-Gespräch vor der Operation durch ein digitales Videogespräch ergänzt werden. „Was zunächst unpersönlich klingt, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer effizienteren und patientenfreundlicheren Gesundheitsversorgung“, erläutert Meybohm. „Anästhesiologische Anamnese- und Aufklärungsgespräche vor Ort sind für unsere Patientinnen und Patienten oft mit erheblichem organisatorischem Aufwand und emotionaler Belastung verbunden. Mit Telemedizin reduzieren wir die Wege und unnötige Wartezeiten“. Termine vor Ort müssen nur dann vereinbart werden, wenn weitere Untersuchungen notwendig sind. Das soll die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten erhöhen - ein positiver Nebeneffekt von TelePeriOP. Hauptziel der multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Interventionsstudie an den Universitätskliniken Aachen, Bonn und Würzburg ist es, zu prüfen, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche in Kombination mit einem CDS-System machbar sind und die Gesundheitsversorgung tatsächlich verbessern können.

Klinische Entscheidungsunterstützung und Risikoabschätzung

Die Patientinnen und Patienten geben ihre Daten mit Hilfe des telemedizinischen Softwaresystems „tara“ der Docs in Clouds TeleCare GmbH von zu Hause aus online ein und laden die notwendigen Dokumente hoch. In einem Videogespräch mit dem Anästhesisten werden weitere Fragen geklärt, der Bogen individualisiert und gemeinsam unterschrieben. Alle erhobenen patienten- und operationsspezifischen Daten werden anschließend mit dem CDS-System „Medimir“ des Börm Bruckmeier Verlags zur klinischen Entscheidungsunterstützung und Risikoeinschätzung automatisiert verarbeitet.

Bundesministerium für Gesundheit fördert das Konsortialprojekt mit über 750.000 Euro

Das Forschungsvorhaben TelePeriOP wird vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit insgesamt 764.555 Euro gefördert. Neben dem UKW und dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS sind die Universitätskliniken Aachen und Bonn sowie die Fakultät für Angewandte Ethik der RWTH Aachen, der Börm Bruckmeier Verlag und die Docs in Clouds TeleCare GmbH an TelePeriOP beteiligt.
 

Das Bild zeigt mehrere Chirurginnen und Chirurgen in OP-Kleidung am OP-Tisch.
Im vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekt TelePeriOP untersucht das Uniklinikum Würzburg mit Partnern, ob telemedizinische Anamnese- und Aufklärungsgespräche vor Operationen in Kombination mit einem Clinical Decision Support Tool machbar sind und die Gesundheitsversorgung verbessern können. © Daniel Peter / UKW

Benefizkonzert sorgte für Weihnachtsstimmung

Weihnachtliche Klänge aus dem Hörsaal: Mit einem Benefizkonzert am 13. Dezember 2024 zeigte das Quintett „Pandemic Brass“ seine Verbundenheit mit den Patientinnen und Patienten sowie den Beschäftigten des Uniklinikums Würzburg.

Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune.
Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune. © Helmuth Ziegler / UKW
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg.
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg. © Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. „Pandemic Brass“ ist ein während der Corona-Pandemie und ihren schwierigen Lebens- und Auftrittsbedingungen gegründeter Zusammenschluss von Musikern des Mainfranken Theaters Würzburg. In ehrenamtlichen Konzerten bringen die Blechbläser seither musikalische Erlebnisse in Alten- und Pflegeheime oder Kliniken. Am 13. Dezember dieses Jahres traten die Trompeter Johannes Mauer, Klaus Englert und Thomas Rath sowie der Hornist Jürgen Gräßler und der Posaunist Leander Seidenbusch im Hörsaal 2 des Zentrums für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) auf. Gut gelaunt verbreiteten sie musikalisch mal fröhliche, mal festliche Adventsstimmung. Das Quintett intonierte Weihnachtsklassiker sowohl in bekannten Arrangements, als auch „versteckt“ in swingenden Versionen des ehemaligen Würzburger Musikhochschul-Professors Richard Roblee. 

Neben den Zuhörerinnen und Zuhörern vor Ort hatten auch die Patientinnen und Patienten auf ihren Zimmern Gelegenheit, durch eine Übertragung in das Klinikfernsehen live am Musikgenuss teilzuhaben. 
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW, das schon vor der Corona-Pandemie mit den Theatermusikern bei Adventskonzerten für die Patientinnen und Patienten der Palliativstation kooperierte. 

Privatdozentin Dr. Carmen Roch, die kommissarisch leitende Oberärztin des Zentrums, bedankte sich herzlich bei den Künstlern für die Fortsetzung ihres freundlichen, von vielen Erkrankten und Beschäftigten wertgeschätzten Engagements.

Text: Pressestelle / UKW
 

Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune.
Das Bläserquintett „Pandemic Brass“ verbreitete bei seinem Konzert am UKW fröhlich-entspannte Vorweihnachtslaune. © Helmuth Ziegler / UKW
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg.
Privatdozentin Dr. Carmen Roch vom Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin des UKW umrahmt von den Blechbläsern des Mainfranken Theaters Würzburg. © Helmuth Ziegler / UKW

Neues Therapieangebot für Jugendliche mit Schmerzen

Ein interdisziplinäres multimodales Behandlungskonzept am Uniklinikum Würzburg will jungen Menschen den Umgang mit chronischen Schmerzen erleichtern. Ziel des ganzheitlichen Programms ist es, die Jugendlichen wieder in ihren Alltag zurückzubringen, ihre Beschwerden zu lindern, den sozialen Leidensdruck zu mindern und ihnen Lebensfreude zurückzugeben.

Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben.
Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben. © Pixabay

Würzburg. Rund 350.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, also Schmerzen, die entweder über drei Monate anhalten oder wiederholt auftreten. „In dieser Altersgruppe dominieren Kopfschmerzen oder Schmerzen des Bewegungsapparats“, berichtet Prof. Dr. Heike Rittner. Die Leiterin des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) fährt fort: „Häufig liegen den Problemen verschiedene Einflussfaktoren zugrunde. Besonders relevant ist das Zusammenspiel von körperlichen Beschwerden und psychischem Stress, da sich Schmerz in dieser Kombination verselbständigen und zur eigenständigen Erkrankung werden kann.“

Für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren

Um dem wirkungsvoll entgegenzuarbeiten, bietet das UKW jetzt ein ganzheitliches Therapieprogramm an, das sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren wendet. Neben dem ZiS sind das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) der Würzburger Universitäts-Kinderklinik und die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) des UKW an dem Kooperationsprojekt beteiligt. 

„Wir behandeln junge Patientinnen und Patienten mit Kopfschmerzen und Schmerzen am Bewegungsapparat, deren Diagnostik abgeschlossen ist“, schildert Prof. Rittner. Dabei werden nach ihren Worten sowohl die Schmerzen, als auch die Psyche in den Blick genommen. Prof. Dr. Marcel Romanos, der Direktor der KJPPP präzisiert: „Unser Programm hat vier ‚S‘ im Fokus: Sport, Schlaf, soziale Kontakte und Schule. Es kombiniert daher Wissen mit Bewegungseinheiten – etwa in Form von HipHop oder Zirkus – und Entspannungstechniken wie Kunst- und Musiktherapie oder Yoga.“ Laut Prof. Dr. Juliane Spiegler, der Leiterin des SPZ, bietet sich in einer Gruppe Gleichbetroffener die Möglichkeit, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und Strategien zur Bewältigung des Alltags zu entwickeln. „Ziel ist es, dass die Jugendlichen für sich selbst einen Umgang mit den Schmerzen finden“, fasst Prof. Rittner, die auch den Würzburger Lehrstuhl für Schmerzmedizin innehat, zusammen. Neben den Jugendlichen werden auch die Eltern mit Informationen versorgt und können vom Austausch mit anderen Vätern und Müttern profitieren.

Teilstationäre Therapie an sieben Freitagnachmittagen

Um den Schulbesuch oder die Ausbildung möglichst wenig zu beeinträchtigen, findet das Programm an sieben Freitagnachmittagen von 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr in den Räumen des SPZ unter Leitung von Prof. Spiegler auf dem Klinikums-Campus an der Josef-Schneider-Straße statt. Die teilstationäre Therapie wird von der Krankenkasse bezahlt.

Nachdem im Jahr 2024 drei Pilotrunden am UKW liefen, startet das das neue Behandlungsprogramm mit dem Jahresbeginn 2025 voll durch. Interessierte können sich in der Tagesklinik des ZiS informieren und anmelden bei Andrea Neckermann unter Tel. 0931/201-30229 oder E-Mail: schmerztherapie_jugend@ ukw.de 

Text: Pressestelle / UKW
 

Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben.
Das neue Therapieangebot will Jugendlichen mit chronischen Schmerzen die Lebensfreude zurückgeben. © Pixabay