Aktuelle Pressemitteilungen

Revolutionären Regulationsmechanismus der Blutgerinnung entdeckt

Würzburger Arbeitsgruppe rund um Studienleiter Bernhard Nieswandt entschlüsselt einen von Blutplättchen vermittelten Regulationsmechanismus der Fibrinbildung bei der Blutgerinnung und leitet daraus neue Therapieansätze ab. Die Blutstillung ist lebenswichtig, um übermäßigen Blutverlust zu vermeiden. Bei einer überschießenden Reaktion und einer unkontrollierten Bildung von Fibrin besteht jedoch ein Thrombose-Risiko. In der in Nature Cardiovascular Research publizierten Studie decken die Forschenden das Glykoprotein GPV als Schaltstelle für die Blutstillung und Thrombusbildung auf.

Das Bild zeigt, dass lösliches GPV die Bildung eines Thrombus im Blutgefäß verhindern kann.
Behandlung einer Maus mit löslichem GPV verhindert die Bildung eines gefäßverschließenden Thrombus in einem experimentellen Modell zur Thrombosebildung (rechts). Im Vergleich dazu ist ein gefäßverschließender Thrombus einer unbehandelten Maus gezeigt (links). © Sarah Beck
Die Grafik zeigt, wie geschnittenes GPV an Thrombin bindet und die Fibrinbildung reduziert.
Zusammenfassende Skizze: GPV wird durch Thrombin geschnitten, bleibt an dieses gebunden und lokalisiert zusammen mit Thrombin an Fibrin. Fibrinbildung wird dadurch reduziert. So kontrolliert GPV räumlich-zeitlich die Thrombusbildung. © RVZ

Wenn unsere Blutgefäße durch Schnitt- oder Schürfwunden oder Quetschungen verletzt werden, ist es lebenswichtig, dass die Blutung gestillt und die Wunde verschlossen wird. In der Fachsprache heißt dieser Prozess Hämostase. Diese besteht aus zwei Vorgängen: Der Blutstillung, bei der sich Blutplättchen (Thrombozyten) an die Wundränder heften, einen Pfropf bilden und die Verletzung provisorisch abdichten. Und der Blutgerinnung beziehungsweise Gerinnungskaskade, bei der am Ende lange Fasern aus Fibrin gebildet werden, welche gemeinsam mit den Blutplättchen die Wunde fest abdichten. Wird Fibrin jedoch im Übermaß gebildet, zum Beispiel bei chronischen Wunden, kann es zu Gefäßverschlüssen, so genannten Thrombosen, kommen. Deshalb ist eine strenge Regulierung der Fibrinbildung wichtig. Doch wie die Gerinnung begrenzt wird, war bislang nicht vollständig verstanden. In einem von der Würzburger Universitätsmedizin koordinierten, internationalen Projekt haben Forschende jetzt einen zentralen Regulationsmechanismus der Fibrinbildung entschlüsselt und daraus neue Therapieansätze abgeleitet. Die Ergebnisse wurden im renommierten Magazin Nature Cardiovascular Research veröffentlicht.

GPV kontrolliert die Aktivität von Thrombin und Bildung von Fibrin 

In der Studie gelangt die Arbeitsgruppe rund um Studienleiter Prof. Dr. Bernhard Nieswandt zu grundlegend neuen Erkenntnissen: „Wir konnten erstmals eine neue Schaltstelle aufdecken, die sowohl die Blutstillung als auch die Bildung von Thrombosen reguliert. Diese Schaltstelle ist das Glykoprotein V, kurz GPV, das sich auf der Oberfläche von Blutplättchen befindet. GPV kontrolliert die Aktivität des Enzyms Thrombin, das für die Bildung von Fibrin verantwortlich ist“, erläutert Bernhard Nieswandt, Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I und Vorstand des Rudolf-Virchow-Zentrum - Center for Integrative and Translational Bioimaging (RVZ) der Universität Würzburg.

Thrombin ist ein entscheidendes Enzym in der Blutgerinnung und seine Aktivität muss daher zeitlich-räumlich sehr genau kontrolliert sein. Bisher war bekannt, dass der Oberflächenrezeptor GPV während der Aktivierung der Blutplättchen durch Thrombin geschnitten wird. Dadurch wird GPV als lösliche Rezeptorform freigesetzt. Die physiologische Funktion dieses Rezeptors war jedoch weitestgehend unbekannt. Mit genetischen und pharmakologischen Ansätzen haben die Forschenden gezeigt, dass eine Thrombin-vermittelte Abspaltung von GPV die Bildung von Fibrin begrenzt. Indem das lösliche GPV an Thrombin gebunden bleibt, verändert es die Aktivität von Thrombin, sodass dieses weniger Fibrin bilden kann.

„Erkenntnisse werden Lehrbuchwissen verändern“

In einer Reihe von Versuchen an experimentellen Thrombosemodellen konnte gezeigt werden, dass lösliches GPV unter anderem die Bildung von gefäßverschließenden Thromben verhindert und einen deutlichen Schutz vor experimentellem Schlaganfall und damit verbundener Hirnschädigung vermittelt. Bernhard Nieswandt ist davon überzeugt, dass diese neuen Erkenntnisse das Lehrbuchwissen erweitern werden, und dankt den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des RVZ und des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), die von Kolleginnen und Kollegen aus Mainz, Maastricht und den USA unterstützt wurden.

Antikörper gegen GPV bieten großes klinisches Potential bei Behandlung einer gestörten Hämostase

In einem weiteren Ansatz hat die Forschungsgruppe Antikörper gegen GPV generiert, die das Thrombin-vermittelte Abschneiden von GPV verhindern. „In unseren Studien konnten wir zeigen, dass diese Antikörper die Thrombin-Aktivität erhöhen und es dadurch zu einer vermehrten Fibrinbildung kommt. Unsere Idee war es deshalb, diese Antikörper im Zusammenhang mit einer gestörten Hämostase zu nutzen, um die Fibrinbildung zu erhöhen“, führt Prof. Dr. David Stegner, Leiter der Arbeitsgruppe Vaskuläre Bildgebung am RVZ und einer der Letztautoren der Studie, weiter aus. Neben genetischen Ursachen kann eine gestörte Hämostase auch auf pharmakologisch-bedingte Beeinträchtigungen der Thrombozytenanzahl oder -funktion zurückgeführt werden. Dies ist zum Beispiel nach Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern wie etwa Clopidogrel der Fall, die zur Vorbeugung eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls und zur Behandlung von Durchblutungsstörungen eingesetzt werden.

„In einem experimentellen Modell zur Blutstillung konnte unser neuer Antikörper tatsächlich die Hämostase unter Bedingungen wiederherstellen, unter denen ansonsten keine Blutstillung möglich ist. Dies weist auf eine Unterstützung der Hämostase durch Verbesserung der Thrombin-abhängigen Fibrinbildung hin.“ ergänzt Dr. Sarah Beck, Wissenschaftlerin am Würzburger Institut für Experimentelle Biomedizin und Erstautorin der Studie. „Eine Anti-GPV-Behandlung könnte großes klinisches Potential haben und ist ein Ansatzpunkt, den wir in Zukunft näher verfolgen werden.“ 

Publikation

Sarah Beck, Patricia Öftering, Renhao Li, Katherina Hemmen, Magdolna Nagy, Yingchun Wang, Alessandro Zarpellon, Michael K. Schuhmann, Guido Stoll, Zaverio M. Ruggeri, Katrin G. Heinze, Johan W.M. Heemskerk, Wolfram Ruf, David Stegner, Bernhard Nieswandt: Platelet glycoprotein V spatio-temporally controls fibrin formation. Nature Cardiovascular Research (April 2023) DOI: 10.1038/s44161-023-00254-6; URL: https://www.nature.com/articles/s44161-023-00254-6

Kontakt

Prof. Dr. Bernhard Nieswandt (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg)Tel.: + 49 931 31-80405, bernhard.nieswandt@virchow.uni-wuerzburg.de

Würzburg. Am 4. März 2023 besuchte Judith Gerlach, die Bayerische Staatsministerin für Digitales, die Würzburger Universitäts-Kinderklinik. Privatdozent Dr. Oliver Andres, Oberarzt der Kinderklinik, und Prof. Dr. Tilmann Schweitzer, Spezialist für Kinderneurochirurgie, begleiteten die Politikerin bei ihrem Rundgang durch die Klinik. In ihren Ausführungen verdeutlichten die Ärzte die überregionale Bedeutung der Einrichtung. So erstreckt sich die an der Kinderklinik tagtäglich geleistete Betreuung von Aschaffenburg bis nach Nürnberg und von Fulda bis nach Heilbronn. Durch die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit unter anderem mit der Geburtshilfe, der Kinderneurochirurgie, der Kinderchirurgie, der Augenheilkunde und der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde verfügt die Kinderklinik über eine Fachkompetenz, die auch bundesweit wahrgenommen wird. Wichtig sind dabei auch Netzwerkstrukturen mit anderen Kliniken, die mit digitaler Unterstützung ausgebaut werden. 

Anschaffung eines neuen Transport-Inkubators geplant

Beim Besuch der Ministerin kam auch die zeitnah geplante Anschaffung eines neuen Transport-Inkubators zur Sprache, mit dem schwerkranke Neugeborene sowohl im Krankenwagen als auch im Helikopter transportiert werden können. Finanziert werden soll der Spezial-Inkubator zu erheblichen Teilen von der Elterninitiative KIWI e.V. Bei der Klinikbesichtigung stellte die 1. Vorsitzende von KIWI e.V., Ina Schmolke, die ehrenamtliche Arbeit des Vereins vor. Diese besteht darin, Spendengelder für die Ziele der Elterninitiative einzuwerben und die Projekte des Vereins durchzuführen. Der Besuch der Staatsministerin ging auf eine Kontaktinitiative von Ina Schmolke zurück.

Besichtigung der Frühgeborenen-Intensivstation

Zum Abschluss konnte Judith Gerlach die Frühgeborenen-Intensivstation besichtigen und im Gespräch mehr über die Arbeit in der Kinderklinik sowie die täglichen Herausforderungen erfahren. Sie erhielt einen Einblick in die Versorgungssituation der Neugeborenen im Brutkasten und traf Eltern, die ihren frühgeborenen Kindern möglichst kontinuierlich zur Seite stehen.

Tourneeauftakt Symphoniekonzert

Das akademische Orchester Würzburg lädt herzlich zum Tourneeauftakt ein.

Der Eintritt ist frei - Spenden sind erbeten. Der Spendenerlös kommt der Unterstützung ukrainischer Kinder, die an der Universitätskinderklinik behandelt werden, zugute.

Markus Popp, Leitung
Samira Spiegel, Klavier und Violine 
Prof. Paul Pauli, Schirmherrschaft

Programm:

  • Liszt: Totentanz
    Paraphrase über "Dies irae" für Klavier und Orchester 
  • Dvorak: Die Mittagshexe op.108 
  • Sarasate
    Zigeunerweisen op.20 für Violine und Orchester 
  • Tschaikowsky: Symphonie Nr.4 f-Moll op.36

Ort: Musikhochschule Würzburg • Großer Saal

Beginn: 29.03.2023 • 19:00 Uhr • Einlass: 18:30 Uhr

Im Akademischen Orchester der Universität Würzburg musizieren rund 70 studentische Mitglieder. Im Sommersemester 1955 von Hermann Beck gegründet, in der Folge von Martin Just, Lenz Meierott, Rudolf Dangel und Hermann Freibott geleitet, steht seit 2006 Markus Popp an der Spitze des Ensembles. 

Weitere Infos zum Akademischen Orchester Würzburg (Link Startseite - Akademisches Orchester (uni-wuerzburg.de)  

Pater Maximilian beendete Seelsorgearbeit am Uniklinikum Würzburg

Im Februar 2023 endete der langjährige Dienst von Pater Maximilian Bauer am Uniklinikum Würzburg. Seine Nachfolge als Leiter des katholischen Teams innerhalb der ökumenischen Klinikseelsorge trat der Pastoralreferent Christian Hohm an.

Würzburg. Der 28. Februar 2023 war der letzte Arbeitstag von Pater Maximilian Bauer als Leiter der katholischen Klinikseelsorge am Uniklinikum Würzburg (UKW). Der gebürtige Oberbayer (Jahrgang 1959) kann auf insgesamt 17 Jahre am unterfränkischen Klinikum der Maximalversorgung zurückblicken und resümiert: „Die Tätigkeit in der Krankenhausseelsorge war für mich sehr erfüllend und getragen von der tiefen Überzeugung, hier an der richtigen Stelle zu sein.“ 

Dienstbeginn im Jahr 2006

Seinen Dienst am UKW trat der Franziskaner-Minorit im Jahr 2006 als zweiter katholischer Klinikpfarrer an. Vorbereitet auf die damit verbundenen Aufgaben war er unter anderem durch die Arbeit in der Klinikseelsorge am Westpfalz-Klinikum in Kaiserlautern zwischen 1988 und 1994. „Auch in meinen anschließenden Jahren im Franziskanerkloster in Würzburg waren viele ältere Mitbrüder zu begleiten, so dass ich den Umgang mit Krankheit und Sterben gewohnt war“, schildert Bauer, der von 2000 bis 2006 dem Würzburger Konvent als Guardian vorstand. Dennoch war es für ihn nach eigenen Worten extrem wichtig und hilfreich, in seiner Anfangszeit am UKW zusätzlich eine Klinische Seelsorgeausbildung (KSA) absolvieren zu können.

Nach dem Ausscheiden seines Vorgängers Pfarrer Gottfried Amendt wurde Pater Maximilian im Jahr 2011 erster katholischer Klinikpfarrer des Klinikums. In dieser Funktion war er bis zu diesem Frühjahr der Dienstvorgesetzte für die zuletzt acht katholischen Mitglieder des ökumenischen Seelsorgeteams.

Neuorganisation der Rufbereitschaft

Als größte strukturelle Veränderung in seiner Dienstzeit bezeichnet Bauer die sukzessiven Anpassungen der Seelsorge-Rufbereitschaft. Lange Zeit lag dieser Rund-um-die-Uhr-Service vollständig auf den Schultern der beiden katholischen Pfarrer. „Nachdem zunächst das gesamte ökumenische Team in diesen Dienst am UKW einbezogen wurde, gibt es heute nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen eine gemeinsame Rufbereitschaft für alle Würzburger Krankenhäuser“, schildert Pater Maximilian.

Vor dem Schweren nicht davongelaufen

Was war für ihn in seiner klinikseelsorgerischen Arbeit rückblickend besonders fordernd? „Der Kontakt mit Opfern und Angehörigen von schweren Verkehrsunfällen oder auch der Würzburger Messerattacke von 2021 macht zunächst sprachlos. Auch das Treffen mit Eltern von frühverstorbenen oder nicht lebensfähigen Kindern berührt einen zutiefst. Manchmal konnte ich nicht mehr tun, als dabeizubleiben, nicht davonzulaufen und das Schreckliche gemeinsam mit den Betroffenen auszuhalten“, berichtet der Geistliche.

Umso erfreulicher sei es dann, wenn man schwerkrank erlebte Menschen auf dem Weg der Besserung oder sogar gesundet wiedertrifft. „Auch die Situationen, wenn sich Angehörige oder Klinikumsbeschäftigte für unsere Zuwendung und Unterstützung bedanken, gehören zu den glücklichen Momenten der Klinikseelsorge“, berichtet Bauer.

Wie geht das Leben „nach dem UKW“ für ihn weiter? „Zunächst darf ich eine Auszeit als Inselpfarrer in der frischen und vor allem auch pollenarmen Luft der ostfriesischen Inseln Spiekeroog und Langeoog erleben, bevor ich für weitere Aufgaben in meinen Würzburger Konvent zurückkehre“, freut sich der Pater.

Christian Hohm übernahm die Dienststellenleitung

Seit 1. März 2023 leitet Christian Hohm (Jahrgang 1973) das katholische Team innerhalb der ökumenischen Seelsorge am UKW. Der Pastoralreferent arbeitet schon seit dem Jahr 2014 in der Krankenhausseelsorge des Würzburger Großkrankenhauses. Er ist seit 2015 in deren Leitungsstruktur eingebunden und fungierte in den letzten Jahren als Stellvertreter des nun ausgeschiedenen Dienststellenleiters Pater Maximilian.

Als besonders reizvoll an der Tätigkeit am UKW empfindet der vierfache Familienvater nach wie vor die große Themenvielfalt. „Der enge Kontakt mit vielen anderen Berufsgruppen, Fachdisziplinen, Religionen und Kulturen erfordert von der Seelsorge eine hohe Aufmerksamkeit für medizinische, ethische, religiöse und gesellschaftliche Fragen“, erläutert der Theologe und fährt fort: „Der Hauptauftrag, dem ich nachzukommen versuche, bleibt dabei das Einzelgespräch.“

Erfolgreiche Projekte entwickelt

Darüber hinaus entwickelte Christian Hohm in der Vergangenheit erfolgreiche Projekte – wie beispielsweise die Fastenkreuz-Aktion am Raum der Stille im Zentrum für Operative Medizin. Weiterhin ist er in verschiedene Fortbildungsangebote der Akademie und der Berufsfachschulen des UKW eingebunden. Zu den dort besprochenen Themen zählen zum Beispiel die ethischen Herausforderungen bei Organtransplantationen.

Noch stärkere Vernetzung mit dem „Herkunftssystem Kirche“

In der Leitungsfunktion erwarten ihn – neben der Mitarbeiterführung – verstärkt Repräsentationsaufgaben. „Es ist zu vermuten, dass wir vor dem Hintergrund von Personalnot und zurückgehender finanzieller Mittel in Zukunft noch mehr Energie in die Vernetzung mit unserem ‚Herkunftssystem Kirche‘ investieren müssen. Wir brauchen dort eine gute Vertretung – und das erfordert Zeit“, prognostiziert Hohm.

Online-Vortrag zu Ausstülpungen der Darmwand

Am Mittwoch, den 10. Mai 2023 informieren drei Fachleute des Uniklinikums Würzburg in einem Webinar über die Entstehung von Dickdarmdivertikeln – und über die Behandlungswege, wenn sich diese Ausstülpungen der Darmwand entzünden. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Würzburg. Vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter finden sich bei vielen Menschen Ausstülpungen der Darmschleimhaut – in Deutschland haben 50 bis 60 Prozent der Über-70-Jährigen eine sogenannte Divertikulose. „Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, sind harmlos und müssen nicht behandelt werden. Anders sieht es allerdings aus, wenn sie sich entzünden und dann Schmerzen sowie beträchtliche Komplikationen hervorrufen“, erläutert Prof. Dr. Alexander Meining. Der Leiter des Schwerpunkts Gastroenterologie an der Medizinischen Klinik II ist einer der drei Fachleute des Uniklinikums Würzburg (UKW), die am Mittwoch, den 10. Mai 2023 in einem öffentlichen und kostenlosen Webinar zum Thema „Darmentzündung durch Divertikel“ referieren. 

Zu den Therapieoptionen dieses Krankheitsbildes kann unter Umständen auch ein chirurgischer Eingriff gehören. Wann und wie operiert werden muss, erläutert bei der Infoveranstaltung Privatdozent Dr. Sven Flemming, Oberarzt der Chirurgischen Klinik I des UKW. 

Bevor es soweit kommt, kann man selbst einiges dazu beitragen, um der Entstehung von Divertikeln vorzubeugen. Speziell den wichtigen Aspekt Ernährung greift Constanze Wolz, Diätassistentin an der Medizinischen Klinik II, auf.

Die vom UKW und der Mediengruppe Main-Post gemeinsam organisierte Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr und nutzt die Plattform Zoom. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig – auch für die Übermittlung der Zugangsdaten – ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6001 oder unter http://akademie.mainpost.de.  

Medizinische Technologinnen und Technologen: Jetzt reformiert durchstarten

Seit Anfang dieses Jahres ist das MT-Berufe-Gesetz in Kraft. Die Reform modernisiert die Ausbildung technischer Assistenzberufe in der Medizin – auch an der staatlichen Berufsfachschule für MTA in Würzburg. Für neue Schülerinnen und Schüler ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Bewerbung.

Würzburg. Das zum 1. Januar 2023 in Kraft getretene MT-Berufe-Gesetz zielt darauf ab, die Ausbildung in der medizinisch-technischen Assistenz noch zeitgemäßer und attraktiver zu gestalten. Dabei sollen auch die sich stetig weiterentwickelnden technischen, medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse integriert werden. Eine der Einrichtungen, die die Neuerungen mit dem Beginn des neuen Schuljahres im Herbst 2023 umsetzt, ist die Staatliche Berufsfachschule für technische Assistenten in der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Als Teil des staatlichen beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Würzburg bildet sie zukünftige Fachkräfte für die Labore und die Radiologie aus.

Neue Berufsbezeichnung

Die Reform beginnt schon beim Namen: Statt von Assistentinnen und Assistenten wird nun von Medizinischen Technologinnen und Technologen für Laboratoriumsanalytik oder Radiologie (kurz MTL oder MTR) gesprochen. „Das ist auch vollkommen berechtigt, denn MTL und MTR arbeiten in weiten Teilen eigenverantwortlich und sind wichtiger Teil der Patientenversorgung“, betont Carmen Troff, die Leiterin der Würzburger Berufsfachschule.

Jetzt mit noch größerem Praxisanteil

Als weiteren Kernpunkt erhöht die Reform den Praxisanteil in allen drei Ausbildungsjahren. Betrug dieser im Labor bislang 1700 und in der Radiologie 1850 Stunden pro Schülerin oder Schüler, so arbeiten sie von nun an 2000 Stunden jährlich nahe am Patienten oder an der Patientin. 

Werdende MTR lernen hierbei nicht nur die verschiedenen Technologien und deren spezifische Einsatzbedingungen kennen, sondern üben auch den Umgang mit kranken Menschen. 

Die Auszubildenden der Laboratoriumsanalytik erhalten durch die umfangreicheren Praktikumseinsätze die Chance, die Labortätigkeiten von Anfang an in allen Fachbereichen – also in Hämatologie, Klinischer Chemie, Mikrobiologie, Histologie und Zytologie – verantwortlich durchzuführen. Selbiges gilt für den Bereich Radiologie, in dem auch die Nuklearmedizin und die Strahlentherapie Teil der Ausbildung sind. Dabei können am Uniklinikum Würzburg (UKW) im Rahmen der Ausbildung topaktuelle Methoden erfahren und Geräte genutzt werden, die in der Berufsfachschule nicht zur Verfügung stehen. „Außerdem geben ihnen die Praktika Gelegenheit, ihre Kompetenzen bei der Arbeitsplatzorganisation und bei der Gestaltung von Arbeitsabläufen in einem Team zu schulen“, schildert Fachlehrerin Anja Streit. 

Die Würzburger Berufsfachschule kann für die praktischen Einsätze Labore und Radiologieabteilungen am UKW, an der Würzburger Universität und an kooperierenden Einrichtungen nutzen. Wie vom MT-Berufe-Gesetz gefordert, werden die Schülerinnen und Schüler dort in jeder Abteilung von zertifizierten Praxisanleiterinnen und -anleitern begleitet und unterstützt.

Kompetenzen erwerben

Im Lehrplan spiegelt sich eine moderne Berufspädagogik wieder. Nicht das fachsystematische Erlernen von Faktenwissen, sondern die konkreten Anforderungen des Berufs stehen im Mittelpunkt. In Form sogenannter beruflicher Handlungssituationen erwerben die Schülerinnen und Schüler aktiv die Kompetenzen, die eine medizinische Technologin oder ein medizinischer Technologe braucht. 

In der Radiologie steht zum Beispiel ein Patient mit Lungenkrebs im Mittelpunkt einer solchen Handlungssituation. In der Berufsfachschule erlernen die Auszubildenden zunächst die Grundlagen: Wo liegt die Lunge im Körper, welche Funktion erfüllt sie und wie ist sie dafür aufgebaut? Aber auch die psychischen und sozialen Probleme sowie rechtliche Fragen rund um den Patienten werden diskutiert. Dann erkunden die Auszubildenden, wie man Lungenerkrankungen und Krebszellen erkennen kann. „Zum Üben stehen uns in der Schule ein hochmodernes Röntgengerät sowie viele verschiedene Phantome zur Verfügung“ erläutert Fachlehrerin Annett Cruschwitz und fährt fort: „Hier kann man sich die Zeit nehmen, alles in Ruhe zu erklären. Zwischendurch gehen wir regelmäßig in die Klinik, schauen uns alles vor Ort an und üben den Umgang mit Patientinnen und Patienten. In der praktischen Ausbildung sind die Schülerinnen und Schüler dann Teil des Teams der jeweiligen Abteilung.“

Bewerbungsphase läuft

Die dreijährigen Ausbildungen starten jeweils im September zum Beginn des bayerischen Schuljahres. Bewerbungen zur Aufnahme an der staatlichen Berufsfachschule in Würzburg werden bis Ende April angenommen. Seit dem 1. Dezember 2022 wird eine monatliche Ausbildungsvergütung nach dem jeweils aktuell gültigen Tarifvertrag der Länder bezahlt. Diese beträgt im ersten Ausbildungsjahr 1.130,74 Euro, im zweiten 1.190,80 Euro und im dritten 1.287,53 Euro.

Weitere Details – zum Beispiel zu den Bewerbungsvoraussetzungen – finden sich unter www.med.uni-wuerzburg.de/mta-schule

 

Tätigkeitsfelder

Medizinische Technologinnen und Technologen für Laboratoriumsanalytik

Eine oder ein MTL führt selbständig biomedizinische Analyseprozesse in der Humanmedizin durch und überprüft diese auf ihre Qualität und Richtigkeit. Dabei werden biologische, chemische und physikalische Techniken auf der Suche nach Krankheitserregern und Abweichungen in Patientenproben – zum Beispiel in Blutproben – angewendet. Ferner bereiten MTL mikroskopische Präparate aus Gewebe und Zellen zur ärztlichen Diagnostik auf. 

Medizinische Technologinnen und Technologen für Radiologie

Eine oder ein MTR führt eine radiologische Untersuchung selbstständig durch und kann überprüfen, ob die entstandenen Bilder qualitativ den Anforderungen entsprechen. Dies gilt für die Radiologie genauso wie für die Nuklearmedizin. Weiterhin kümmert sich die Fachkraft um die technische Durchführung von Therapien in der Nuklearmedizin und in der Strahlentherapie. Wichtig bei allen Arbeiten ferner der Strahlenschutz. Dessen Prinzipien beherrscht eine oder ein MTR um sich selbst, die Kolleginnen und Kollegen sowie natürlich die Patientin oder den Patienten zu schützen. 

 

Partnerschaft mit Mwanza erneuert

2008 hatte die Würzburger Universitätsmedizin mit der Catholic University of Health and Allied Sciences und dem Bugando Medical Center in Mwanza ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Jetzt haben die Beteiligten dieses Abkommen erneuert.

Vertragsunterzeichnung im Toscanasaal mit (v.l.): Jens Maschmann (UKW); Stephen Mshana (CUHAS), Fabian Masaga (Bugando Medical Center), Doris Fischer (JMU) und Matthias Frosch (JMU).
Vertragsunterzeichnung im Toscanasaal mit (v.l.): Jens Maschmann (UKW); Stephen Mshana (CUHAS), Fabian Masaga (Bugando Medical Center), Doris Fischer (JMU) und Matthias Frosch (JMU). Foto: Gunnar Bartsch / Universität Würzburg
Mitglieder sämtlicher am Else Kröner Center beteiligter Einrichtungen haben sich in Würzburg getroffen.
Mitglieder sämtlicher am Else Kröner Center beteiligter Einrichtungen haben sich in Würzburg getroffen. (Foto: Gunnar Bartsch)

„Den wechselseitigen Austausch von Studierenden, Ärzten und Wissenschaftlern fördern und institutionalisieren – dieses Ziel verfolgen die Partner. Medizin-Studierende aus Mwanza sollen künftig einen Teil ihrer klinischen Ausbildung in Würzburg absolvieren können. Zudem wird tansanischen Ärzten die Möglichkeit eröffnet, sich am Würzburger Universitätsklinikum weiterzubilden.“ 

So war in einer Pressemitteilung zu lesen, die die Universität Würzburg im Oktober 2008 veröffentlicht hatte, anlässlich der Vertragsunterzeichnung des Partnerschaftsabkommens, das die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Würzburg mit Partnern in Tansania abgeschlossen hatten – mit der Catholic University of Health and Allied Sciences (CUHAS) und dem dazugehörigen Krankenhaus Bugando Medical Center. Beide liegen in der Stadt Mwanza am Victoriasee.

Vertragsunterzeichnung im Beisein der Oberbürgermeister

Jetzt haben die beteiligten vier Institutionen dieses Abkommen erneuert – mit einer feierlichen Vertragsunterzeichnung im Toscanasaal in der Würzburger Residenz und im Beisein von Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt und seines Kollegen aus Mwanza, Seleman Sekiete.

Was 2008 noch keiner der Beteiligten wissen konnte: Mittlerweile hat sich die Partnerschaft nicht nur verfestigt und etabliert; inzwischen ist sie auch finanziell deutlich besser ausgestattet als in den Gründungsjahren und hat ihre ursprünglichen Ziele über einen reinen Austausch hinaus deutlich ausgeweitet.

Unterstützung von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung

Zu verdanken ist dies dem Engagement der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS). Diese hatte im Rahmen einer Sonderausschreibung 2,5 Millionen Euro für den Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung gestellt und damit die Gründung des „Else Kröner Center for Advanced Medical & Medical Humanitarian Studies Würzburg – Mwanza/Tansania“ unterstützt. Das Würzburger Projekt hatte sich damals gegen ein starkes Konkurrenzfeld mit insgesamt 78 Bewerbungen durchgesetzt. 

Die Projektleitung hat die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU); Kooperationspartner in Würzburg sind das Universitätsklinikum Würzburg (UKW), das Missionsärztliche Institut und die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) e.V. Partnerorganisationen in Mwanza sind die Catholic University of Health and Allied Sciences und das Bugando Medical Center.

Austausch und Forschung

Inzwischen fußt die Kooperation auf mehreren Standbeinen: Neben Austauschprogrammen für Masterstudierende, Nachwuchskräfte in der Facharztausbildung sowie Doktoranden gehören gemeinsame Forschungsprojekte im Bereich der Grundlagenforschung und eine enge Zusammenarbeit in der klinischen Forschung dazu. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Aufbau eines gemeinnützigen Programms zur Bekämpfung der Schistosomiasis, einer um den Viktoriasee stark verbreiteten parasitären Krankheit.

Bei der erneuten Vertragsunterzeichnung im Toscanasaal waren zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Einrichtungen in Mwanza und Würzburg anwesend – sowohl von den Universitäten und Kliniken als auch vonseiten der Politik und der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung. Zur Halbzeit des genehmigten Förderzeitraums wollten sie sowohl einen Rückblick auf die bisherigen als auch einen Blick auf die zukünftigen Aktivitäten des Else Kröner Centers werfen.

Stimmen zur Vertragsunterzeichnung

„Dank des Engagements der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung haben sich nachhaltige Strukturen entwickelt und der Fokus der Zusammenarbeit zwischen Würzburg und Mwanza deutlich erweitert. Wir haben jetzt eine Partnerschaft auf Augenhöhe, bei der alle Beteiligten Projekte gemeinsam definieren und entwickeln. Diese Partnerschaft beeinflusst schon jetzt Forschung und Lehre an der Universität Würzburg spürbar, beispielsweise durch die Einrichtungen eines neuen Schwerpunkts ‚Global Health‘ in der Lehre, der von den Studierenden stark nachgefragt wird.“ Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg

„Die Tatsache, dass ein Else Kröner Center an zwei Standorten arbeitet, ist neu für uns als finanzierende Stiftung. Dass in Würzburg gleich vier Institutionen daran beteiligt sind, zeigt, dass Würzburg damit in Deutschland mit Berlin und Köln an der Spitze steht auf dem Gebiet internationaler Kooperationen im Bereich medizinischer Forschung und Zusammenarbeit.“ Dr. Judith von Heusinger, Else-Kröner-Fresenius-Stiftung

„Die Zusammenarbeit zwischen Würzburg und Mwanza erstreckt sich mittlerweile über ein halbes Jahrhundert. Das beweist ihre Qualität. Die hier praktizierte Kooperation zwischen Institutionen der öffentlichen Verwaltung und des Gesundheitssystem ist von enormer Bedeutung, da sie sich mit ihrer unterschiedlichen Expertise gegenseitig unterstützen können. Else Kröner hat einmal gefragt: ‚Wenn ich es nicht tue, wer sonst?‘ Das gilt auch für uns: ‚Wenn nicht wir uns darum kümmern, wer soll es dann tun?‘“ Christian Schuchardt, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg

„Wir schätzen die Partnerschaft mit Würzburg sehr und hoffen, dass sie noch lange Bestand haben wird. Schon jetzt zeigen sich positive Auswirkungen der Aktivitäten des Else Kröner Centers in Mwanza und seiner Umgebung. Und ich bin sicher, dass diese dank des umfangreichen Austausch- und Ausbildungsprogramms nachhaltige Auswirkungen auf unser Gesundheitssystem haben werden.“ Seleman Sekiete, City Director Mwanza

„Das Bugando Medical Centre betreut rund 16 Millionen Menschen in der Region Mwanza. Das Else Kröner Center trägt entscheidend dazu bei, die medizinische Versorgung dieser Menschen zu verbessern. Darüber hinaus bringt es die Forschung voran – ein Punkt, der auch deshalb wichtig ist, weil der Forschungsoutput von Tansania bislang vergleichsweise niedrig ist.“ Prof. Stephen Mshana, Koordinator des EKC in Mwanza

„Die Verbesserung der medizinischen Ausbildung und Versorgung und der Aufbau einer nachhaltigen Partnerschaft sind zentrale Forderungen der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung für die von ihr unterstützten Programme. Das Else Kröner Center erfüllt diese Anforderungen. Es bietet ein Dach, unter dem die zahlreichen Partner regelmäßig zusammenkommen und ihre Aktivitäten planen können.“ Prof. Dr. Oliver Kurzai, wissenschaftlicher Koordinator des Zentrums

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 14.03.2023

Vertragsunterzeichnung im Toscanasaal mit (v.l.): Jens Maschmann (UKW); Stephen Mshana (CUHAS), Fabian Masaga (Bugando Medical Center), Doris Fischer (JMU) und Matthias Frosch (JMU).
Vertragsunterzeichnung im Toscanasaal mit (v.l.): Jens Maschmann (UKW); Stephen Mshana (CUHAS), Fabian Masaga (Bugando Medical Center), Doris Fischer (JMU) und Matthias Frosch (JMU). Foto: Gunnar Bartsch / Universität Würzburg
Mitglieder sämtlicher am Else Kröner Center beteiligter Einrichtungen haben sich in Würzburg getroffen.
Mitglieder sämtlicher am Else Kröner Center beteiligter Einrichtungen haben sich in Würzburg getroffen. (Foto: Gunnar Bartsch)