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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Gezielte Hirnstimulation gegen Bewegungsstörungen

Innovative Therapiestrategien für Menschen mit Bewegungsstörungen: Daran arbeitet ein neuer Transregio-Sonderforschungsbereich. Federführend sind Wissenschaftler der Uni und des Uniklinikums Würzburg sowie der Charité Berlin.

Viele neurologische Erkrankungen, die mit einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit einhergehen, sind Ausdruck einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen motorischen Hirnarealen. Von „Netzwerkerkrankungen“ sprechen Mediziner in diesen Fällen.
Für diese Erkrankungen stehen eine Reihe vielversprechender Behandlungsverfahren zur Verfügung – beispielweise die tiefe Hirnstimulation mit Schrittmachersystemen –, die durch die gezielte Stimulation von Nervenzellen die motorische Netzwerkaktivität regulieren und damit erfolgreich Symptome von Patienten mit Parkinson, schwerem Zittern oder Dystonien lindern können. Neuromodulation lautet dafür der entsprechende Fachbegriff.

Zehn Millionen Euro für die kommenden vier Jahre

Welche Mechanismen der Neuromodulation bei verschiedenen Erkrankungen zugrunde liegen, untersucht ein neuer überregionaler Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihn jetzt genehmigt und für zunächst vier Jahre mit zehn Millionen Euro ausgestattet.

Der SFB trägt den Titel „Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation“; er wurde von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Universitätsklinikum Würzburg konzipiert.

Die im SFB gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, innovative Therapiestrategien für Menschen mit Bewegungsstörungen zu entwickeln und die Anwendung auf bislang schlecht behandelbare Krankheitssymptome, wie Gangstörungen oder Schlaganfallfolgen, auszudehnen.

Das Verbundprojekt bringt international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Klinik der beiden Hauptstandorte sowie der Hebrew University of Jerusalem, der Universität Düsseldorf, des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, der Universität Potsdam und der Universität Rostock zusammen.

Hirnaktivität selektiv unterdrücken

„Unsere Vision ist es, Neuromodulationsverfahren für die klinische Praxis zu entwickeln, die netzwerkspezifisch ansetzen, um komplexe klinische Syndrome behandeln zu können“, sagt Professorin Andrea Kühn, Sprecherin des Verbundes und Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation an der Klinik für Neurologie und Experimenteller Neurologie der Charité. „Dazu wollen wir mit minimaler Invasivität an spezifischen Knotenpunkten des Netzwerkes im Gehirn eingreifen, um die pathologisch veränderte Hirnaktivität selektiv zu unterdrücken.“

Ein Schwerpunkt der Forschung an der Charité ist die Entwicklung bedarfsgesteuerter Schrittmachersysteme, die nur dann aktiv werden, wenn die wechselhaften Krankheitssymptome im Alltag auftreten. Hierzu sollen die Hirnsignale entschlüsselt werden, die für gesunde und krankhafte Bewegungsabläufe charakteristisch sind, um sie gezielt zu beeinflussen.

Individuell optimierte Stimulations-Algorithmen

Arbeitsgruppen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ergänzen diese Forschung mit ihrer Expertise in Modellsystemen von Bewegungsstörungen, an denen grundlegende Mechanismen der Interaktion von Neurostimulation und Gehirnfunktion untersucht werden sollen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen im Rahmen des SFB-Projekts klinische und tierexperimentelle Befunde in gemeinsame Computermodelle übertragen, die zukünftig individuell optimierte Stimulationsalgorithmen vorhersagen können.

Damit soll es möglich werden, das individuelle Beschwerdebild einzelner Patienten durch eine personalisierte Neuromodulation zu lindern.

„Die koordinierte Zusammenarbeit von international ausgewiesenen Grundlagenwissenschaftlern, Experten für digitale Medizin und Klinikern mit dem Ziel einer raschen Übertragung von Forschungsergebnissen in verbesserte Neuromodulationstherapien bei Patienten macht diese Verbundinitiative weltweit einmalig“, erklärt Professor Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg und Mitinitiator des SFB.

Der Sonderforschungsbereich wird an den beteiligten Standorten Strukturen etablieren, die darüber hinaus der Nachwuchsförderung im Bereich der Neuromodulation dienen, die in den konventionellen Studiengängen noch unzureichend abgebildet ist.

JMU-Präsident Alfred Forchel hat den Prozess der Antragstellung eng begleitet: „Ich freue mich, dass durch die Bewilligung des Sonderforschungsbereichs die Würzburger Universitätsmedizin ihre Spitzenstellung in der klinischen Anwendung und Erforschung der Neuromodulation weiter ausbauen kann.“

Sonderforschungsbereiche der DFG

Sonderforschungsbereiche (SFB) sind langfristige Forschungseinrichtungen, die die Bearbeitung innovativer und anspruchsvoller Forschungsvorhaben im Verbund ermöglichen. Im Gegensatz zu einem klassischen SFB wird ein SFB/Transregio (TRR) nicht von einer, sondern von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt und getragen. Die Projekte werden von der DFG zunächst für vier Jahre finanziell gefördert. Die Förderung kann nach erfolgreicher Evaluation um zwei weitere Förderperioden von je vier Jahren verlängert werden.

Kontakt

Prof. Dr. Jens Volkmann, Neurologische Klinik und Poliklinik, T: +49 931 201-23751, volkmann_j@ ukw.de

 

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Halbstarke Wanderfalken am Uniklinikum Würzburg

Auch in diesem Jahr gab es bei den Wanderfalken des Uniklinikums Würzburg wieder gesunden Nachwuchs. Aktuell kann man auf dem Altgelände des Krankenhauses an der Josef-Schneider-Straße die Jungvögel bei ihren Flugübungen beobachten – oder ihnen von Fall zu Fall auch am Boden begegnen.

Der Nistkasten im Kuppeldach des markanten Heizkraftwerkkamins des Uniklinikums Würzburg (UKW) an der Josef-Schneider-Straße ist auch in diesem Jahr wieder die Brutstätte für ein Wanderfalkenpärchen. Vor rund sieben Wochen schlüpften zwei männliche und ein weibliches Küken. Mittlerweile sind sie groß genug, um erste Ausflüge zu machen. „Allerdings gelingt es ihnen anfangs manchmal nicht, aus eigener Kraft ins Nest zurückzukehren oder auf einem erhöhten, sicheren Ort zu landen“, sagt Prof. Dr. Ulrike Kämmerer. Die Biologin der Würzburger Universitäts-Frauenklink ist geprüfte Falknerin und eine der Personen, die am Klinikum die Wanderfalken betreuen. Sie fährt fort: „Die halbstarken Vögel landen dann am Boden, von wo aus sie zunächst nicht mehr starten können. Das sind die Momente, in denen man ihnen als Fußgänger begegnen kann.“ So zum Beispiel am 20. Mai dieses Jahres, als die Beschäftigten des Technischen Betriebs des UKW Prof. Kämmerer darüber informierten, dass einer der Greifvögel über ihren Parkplatz hüpfe. Gemeinsam fingen sie das streng geschützte Tier vorsichtig ein und brachten es zurück in den Nistkasten auf dem Abgasschlot. Am selben Tag wurde außerdem die Schwester des männlichen Vogels am Boden gesichtet und gefangen. „Diese haben wir auf dem Dach des UKW-Gebäudes D16 ausgesetzt, auf dem wir schon einige Tage zuvor den zweiten Bruder und einen Gast aus dem Würzburger Stadtgebiet mit etwas Futter platziert haben“, berichtet Prof. Kämmerer. Der Gast ist ein Jungfalke, der nicht mehr in seinen Nistkasten auf der Kirche Stift Haug zurückgebracht werden konnte und von der Greifvogelhilfe Würzburg versorgt wurde. Der Nachwuchs inklusive „Gastkind“ wird auch auf dem „Außenposten“ von den Falkeneltern mit Futter versorgt, bis es mit dem eigenen Fliegen und Jagen zuverlässig klappt.

Besser nicht selbst anfassen

Alfred Eberl, Elektriker vom Technischen Dienst des UKW, der sich in seiner Freizeit in der Kreisgruppe Würzburg des Landesbundes für Vogelschutz engagiert, gibt ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit Wanderfalken in Bedrängnis: „Wenn Sie braune Greifvögel auf dem Klinikumsgelände am Boden sitzen oder herumhüpfen sehen, rufen Sie bitte in der Elektrowerkstatt des UKW-Heizkraftwerks unter der Telefonnummer 0931/20155550 an. Die Kollegen sind informiert und geben Ihre Nachricht an mich weiter.“ Vom Versuch, die Tiere selbst anzufassen, rät der Greifvogel-Experte dringend ab – zu groß sei die Gefahr, durch die mächtigen Krallen oder den starken, scharfen Schnabel verletzt zu werden.

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Videobesuche für Krebspatienten per gesponserte Tablets

Über zwei gesponserte Tablet-PCs können Krebspatienten, die am Uniklinikum Würzburg in stationärer Behandlung sind, mit ihren Liebsten in Wort und Bild kommunizieren. Erste Anwenderin ist Julia A., die während ihrer anstehenden Stammzelltransplantation vor allem mit ihrem einjährigen Sohn in Kontakt bleiben will.

Zum Start der bundesweiten Initiative „Getrennt und doch verbunden“ stellt die MediaMarktSaturn Retail Group zusammen mit der Deutschen Technikberatung vornehmlich Pflege-, Behinderten- und Seniorenheimen kostenlos 450 Tablet-PCs zur Verfügung. Durch die vorfigurierten Geräte können die Nutzer mit Angehörigen und Freunden per Videochats kommunizieren – eine Option, die gerade auch unter den Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie besonders interessant ist. Kürzlich ging jeweils ein solches Gerät auch an den Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ und die Stiftung „Forschung hilft“, die die Krebsforschung an der Uni Würzburg fördern. Beide Institutionen werden von Gabriele Nelkenstock geleitet. Sie erläutert: „Wir werden die Tablets vornehmlich an Patientinnen und Patienten des Uniklinikums Würzburg ausleihen, die aufgrund einer stationären Krebstherapie keinen oder nur sehr reduzierten Kontakt zur ‚Außenwelt‘ haben können.“

 

Wertvolle Kontakte durch „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“

Julia A. ist die erste Nutzerin dieses kostenlosen Service. Bei der 38-Jährigen wurden massive Schwellungen im Hals-Schulter-Bereich im November vergangenen Jahres – nach einer monatelangen Ärzte-Odyssee – als Symptome eines Mantelzell-Lymphoms diagnostiziert. Diese seltene Unterform des Lymphknotenkrebses gilt derzeit als noch nicht heilbar, kann aber durch diverse Therapien erfolgreich zurückgedrängt werden. Der seelische Schock über diese Diagnose ging bei Julia A. tief – vor allem auch, weil ihr 71-jähriger Vater erst zwei Wochen zuvor mit Akuter lymphatischer Leukämie ins Uniklinikum Würzburg (UKW) eingeliefert worden war. „Neben der Angst, wie es mit mir selbst weitergeht, war meine größte Sorge: Was wird aus meinem einjährigen Sohn?“, berichtet die Würzburgerin. Ein nach eigenen Worten großes Glück in dieser ungewissen, angstvollen Situation war es für sie, dass sie auf Anraten einer Freundin umgehend Kontakt mit „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ aufnahm. „Gabriele Nelkenstock wurde sofort aktiv. Sie vermittelte mich an genau die richtigen Gesprächspartnerinnen, die mir als ehemalig krebskranke Mütter viele Ängste nehmen konnten“, lobt Julia A. Auch der parallel geschlossene Kontakt zu Dr. Elisabeth Jentschke war für sie sehr wichtig. Unter anderem empfahl die Leiterin der Abteilung für Psychoonkologie am Comprehensive Cancer Center Mainfranken den Einsatz einer Familienpflegerin. „Durch deren Hilfe weiß ich meinen Sohn während meiner Krebstherapie in guten Händen“, ist Julia A. höchst erleichtert.

 

Therapie an der Medizinischen Klinik II des UKW

Anfang Januar dieses Jahres startete sie zunächst in eine Chemotherapie bei Prof. Dr. Max Topp an der von Prof. Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik II des UKW. „Hier fühle ich mich sehr gut aufgehoben, denn Prof. Topp ist ein international anerkannter Spezialist für das Mantelzell-Lymphom“, schildert Julia A. Außerdem ist sie begeistert von der Freundlichkeit, die ihr am UKW zuteilwurde – gerade auch von den Pflegekräften und Stationsärzten, die sie während der körperlich und seelisch oft belastenden, insgesamt rund viermonatigen Chemotherapie betreuten. Mit der in dieser Zeit in Deutschland aufkommenden Corona-Pandemie hatte sie übrigens keine Probleme. „Ich habe mich durch die vielen am UKW getroffenen Schutzmaßnahmen immer sicher gefühlt“, unterstreicht die Patientin.

 

Videobesuche während der Stammzelltherapie

Mit der Anfang Mai abgeschlossenen Chemotherapie konnte ihr Lymphom erfolgreich zurückgedrängt werden. Als weiterer Behandlungsschritt steht ihr nun eine Stammzelltherapie am UKW bevor. Julia A.: „Ab Anfang Juni werde ich hierzu in Isolation behandelt und werde meinen Sohn, meinen Mann und meine Angehörigen für etwa drei Wochen nicht persönlich sehen können. Ich freue mich deshalb sehr, dass mir das Tablet die Möglichkeit gibt, mit diesen per Videoübertragung verbunden zu bleiben.“

Danach soll das desinfizierte Gerät laut Gabriele Nelkenstock an die nächste Nutzerin oder den nächsten Nutzer weitergegeben werden.

 

Wer die Projekte von Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. am Uniklinikum Würzburg unterstützen will, kann auf folgendes Konto spenden:

 

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Castell Bank Würzburg

IBAN: DE74 7903 0001 0000 0092 45

BIC: FUCEDE77XXX

 

www.kampfgegenkrebs.de

Die Pressemeldung hier zum Download

Uniklinikum Würzburg: Prof. Dr. Christoph Härtel für eine weiterhin breit aufgestellte Kinderheilkunde

Prof. Dr. Christoph Härtel ist der neue Direktor der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. Der Neonatologe will das breite therapeutische und wissenschaftliche Spektrum der Einrichtung fortführen – ergänzt um neue Impulse in Klinik, Forschung und Lehre.

Seit Anfang Mai dieses Jahres leitet Prof. Dr. Christoph Härtel die Kinderklinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Er trat damit die Nachfolge von Prof. Dr. Christian Speer an, der nach 21 Jahren in dieser Position Ende April 2020 in den verdienten Ruhestand ging. Vor seinem Wechsel an den Main war Prof. Härtel als Oberarzt und außerplanmäßiger Professor an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck tätig.

Übergabe der Klinik kollegial und transparent gestaltet

Dem Ruf ans UKW folgte er aus verschiedenen Gründen sehr gerne. „Die Kinderklinik des UKW ist sehr gut strukturiert. Sie bietet exzellente medizinische Leistungen, die neben der ärztlichen Kompetenz und der technischen Ausstattung nicht zuletzt auch auf einer personell hervorragend aufgestellten Pflege beruhen“, lobt der neue Chef. Außerdem machten ihm sowohl der scheidende Direktor und das Leitungsteam der Klinik als auch der Klinikumsvorstand den Start in Würzburg leicht. „Bei mehreren vorbereitenden Besuchen wurden mir die Stärken, Besonderheiten und Herausforderungen der Kinderklinik vollkommen transparent dargestellt. Es zeigte sich zudem, dass hier auch von Seiten der Klinikumsleitung in Klinik, Forschung und Lehre eine ganzheitliche Pädiatrie gewünscht ist, die sich nicht nur an ökonomischen Gesichtspunkten orientiert“, freut sich Prof. Härtel. Seinem Vorgänger zollt er – neben dem Dank für die intensive und sehr kollegiale Vorbereitung auf die Klinikübernahme – hohe Anerkennung für dessen fachliche Leistungen. „Prof. Speer, den ich schon als Lehrbuchautor meiner Studienzeit und später natürlich von vielen neonatologischen Fachkongressen kenne, war für mich als Pädiater immer ein Vorbild. Ähnlich wie ihm liegt auch mir der Blick auf die gesamte Vielfalt der Kinderheilkunde am Herzen.“

Pädiatrisch breit ausgebildet

Basis für diese generalistische Perspektive Härtels ist seine breite Ausbildung. Das Medizinstudium startete er im Jahr 1992 in seinem Geburtsort Rostock. Ein Stipendium führte ihn 1995 für ein Jahr an die Universität von Cincinnati/USA, wo er Immunologie und Biochemie studierte sowie einen ersten Zugang zu wissenschaftlichem Arbeiten fand. Zurück in Deutschland setzte er sein Humanmedizinstudium in Lübeck fort, wo er im Jahr 2000 auch seine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Immunologie abschloss.

Auf die Facharztausbildung in Kinder- und Jugendmedizin in der Hansestadt folgte eine zweijährige Ausbildung mit den Schwerpunkten Neonatologie und Pädiatrische Onkologie in Sydney/Australien. Ab dem Jahr 2009 bis zum Dienstantritt in Würzburg arbeitete er schließlich als Oberarzt beziehungsweise Geschäftsführender Oberarzt erneut in Lübeck, wo er unter anderem die Bereiche Pädiatrische Infektiologie, Immunologie und Rheumatologie leitete. „Trotz meiner starken klinischen und wissenschaftlichen Fokussierung auf die Frühgeborenenmedizin bin ich kein reiner Neonatologe, sondern in der Kinderheilkunde breit interessiert“, fasst Prof. Härtel sein fachliches Selbstverständnis zusammen.

Neue Impulse bei Neuropädiatrie, Sozialpädiatrie und psychosomatischen Erkrankungen

Entsprechend gut gefällt ihm die klinisch weitgespannte Struktur der Würzburger Universitäts-Kinderklinik, die zum Beispiel 17 Spezialambulanzen betreibt. Neben dem Erhalt und der Weiterentwicklung der schon vorhandenen Kompetenzen plant der neue Klinikdirektor eine Stärkung speziell der Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie. Außerdem will er die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie vertiefen. „Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten die psychosomatischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen, wie Essstörungen oder frühes Burn-out, zugenommen haben. Im Schulterschluss mit den psychiatrischen Kliniken des UKW sowie gerne auch im Netzwerk mit den anderen Kliniken und Einrichtungen in Stadt und Region können wir hier viel erreichen“, ist sich Christoph Härtel sicher.

Immunologie, Infektiologie und Eltern als Forschungsthemen

Die Infrastruktur der Kinderklinik ist im exzellenten Forschungsumfeld des UKW nach Einschätzung des neuen Direktors sehr gut für wissenschaftliche Studien geeignet. In Ergänzung zu den bereits etablierten Themen bringt er als einen persönlichen Schwerpunkt die Erforschung der Immunabwehr von Frühgeborenen mit nach Würzburg. So leitet er zum Beispiel die multizentrische Studie PRIMAL (Prägung der Immunantwort am Lebensbeginn). „Frühgeborene tragen aufgrund ihrer Unreife ein hohes Risiko für Infektionen und langfristige Erkrankungen, bei denen Entzündungen eine wichtige Rolle spielen“, erläutert Prof. Härtel und fährt fort: „Bei der mittlerweile schon weit fortgeschrittenen PRIMAL-Studie wollen wir herausfinden, ob diese Empfindlichkeit unter anderem durch eine Störung der frühen Prägung der Immunabwehr und des Wechselspiels der Darmbakterien bedingt ist – und was wir gegebenenfalls gegen diese Störungen tun können.“

Die verschiedenen Bereiche der Kinderheilkunde können sich nach seiner Vorstellung in Zukunft noch stärker an interdisziplinären Kooperationen mit den Grundlagenwissenschaften und den anderen klinischen Fachgebieten beteiligen. Prof. Härtel sieht dabei die „kurzen Wege“, die exzellenten wissenschaftlichen Serviceeinrichtungen und vor allem auch den freundlichen, wertschätzenden Umgang miteinander als entscheidende Erfolgsfaktoren für die Forschungslandschaft am UKW an. „Ferner werden wir auch die Eltern von kranken Kindern zum wissenschaftlichen Thema machen: Wie fühlen sich diese, welchen Stressfaktoren sind sie ausgesetzt?“, kündigt Prof. Härtel – selbst dreifacher Vater – an.

Ausbildung in Patientennähe und mit Simulationslösungen

Bei der Lehre strebt der Klinikdirektor eine gute Mischung aus patientennaher Ausbildung in Kleingruppen und dem Training von diversen Fähigkeiten ohne Patientenkontakt an. „Bei Letzterem werden wir die modernen Möglichkeiten der Patientensimulation und der virtuellen Realität nutzen“, schildert Härtel und fährt fort: „Beispielsweise werden wir Simulationspuppen anschaffen, die mit ihrer integrierten, hochsensiblen Technologie viele spezifische Krankheitszeichen der unterschiedlichen Altersgruppen der Kinder- und Jugendmedizin lebensecht simulieren können. Damit werden Studierende, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte in berufsgruppenübergreifenden Teamtrainings realitätsnahe Szenarios üben.“

Eine weitere Zielgruppe der Lehre sind für ihn die Eltern, „denn gerade bei Frühgeborenen oder chronisch kranken Kindern ist es wichtig, dass die Eltern sehr gut über die gesundheitliche Situation oder Krankheit ihrer Tochter oder ihres Sohns Bescheid wissen.“

„Lobbyarbeit“ für Kinder und Jugendliche

Neben dem klassischen Dreiklang der Universitätsmedizin aus Klinik, Forschung und Lehre sieht Prof. Härtel die Gremienarbeit für sich als viertes wichtiges Aufgabenfeld: „Als Pädiater müssen wir auch Anwälte der Interessen von Kindern und Jugendlichen in Politik und Gesellschaft sein. Zum Beispiel greifen die beschlossenen Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie tief in die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen ein. Die spezifischen Bedürfnisse junger und jüngster Menschen für eine gesunde körperliche, psychische und soziale Entwicklung müssen allgegenwärtig berücksichtigt werden. Sie brauchen eine öffentliche Stimme.“

 

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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Auszeichnung für Krebsforscherin

Dr. Barbara Altieri hat den von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie verliehenen Anke-Mey-Preis für maligne Nebennieren-Erkrankungen erhalten. Ausgezeichnet wurde damit eine von ihr im Februar veröffentlichte Studie.

 

Die Diagnose „Nebennierenkrebs“ wird vergleichsweise selten gestellt: Ein bis zwei unter einer Million Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Krebsart. Ihre Überlebensrate schwankt stark. Gut ein Fünftel aller Patienten stirbt innerhalb der ersten zwei Jahre. Auf der anderen Seite leben gut zehn Prozent der Patienten, bei denen bereits bei der Erstdiagnose Metastasen festgestellt wurden, auch noch fünf Jahre später.

Was die Behandlung erschwert: Es gibt derzeit für das Nebennierenkarzinom keine zuverlässigen molekularen Prognosefaktoren, keine Prädiktoren für das Ansprechen auf eine Behandlung, keine wirksame zielgerichtete Krebstherapie und keinen personalisierten Behandlungsansatz.

Und auch die Behandlung mit dem einzigen zugelassenen Medikament, dem Wirkstoff Mitotane, verspricht keinen zuverlässigen Erfolg: Nur etwa 30 Prozent der Patienten profitieren davon. Dabei leiden sie häufig unter schweren Nebenwirkungen – angefangen bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfall über Stoffwechselstörungen bis hin zu Störungen des zentralen Nervensystems. Nicht wenige Patienten brechen deshalb die Behandlung vorzeitig ab.

Publikation in der Fachzeitschrift „Cancers“

Biomarker zu identifizieren, die eine Vorhersage ermöglichen, bei welchen Patienten Mitotane anspricht und bei welchen nicht: Das war das Ziel einer internationalen Multicenter-Studie, die der Schwerpunkt Endokrinologie & Diabetologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I unter der Leitung von Dr. Cristina Ronchi und Professor Martin Fassnacht koordinierte. Dr. Barbara Altieri hat die Ergebnisse ausgewertet und in der Fachzeitschrift Cancers Anfang des Jahres veröffentlicht.

Dafür wurde sie jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie mit dem Anke-Mey-Preis ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis geht an herausragende wissenschaftliche Originalarbeiten auf dem Gebiet maligner Nebennierenerkrankungen. Gestiftet hat ihn Anke Mey nach ihrer Genesung von einer solchen Erkrankung. Anliegen der Stifterin ist es, sowohl die Ursachen als auch mögliche Therapien dieser Krankheiten zu erforschen, damit mehr Patienten behandelt und geheilt werden können.

Studie mit 182 Patienten

Im Mittelpunkt der Studie mit 182 Patientinnen und Patienten standen Mitglieder der sogenannten „CYP-Superfamilie“. Dabei handelt es sich um das wichtigste Enzymsystem im menschlichen Körper, das an der Verstoffwechslung körpereigener wie auch von außen zugeführter Substanzen – und damit auch von Arzneimitteln – beteiligt ist. „Mitglieder der CYP-Superfamilie sind weit verbreitet und beeinflussen in der Regel die katalytische Aktivität des Enzyms, wodurch der Arzneimittelstoffwechsel modifiziert wird, was zu therapeutischem Versagen oder verstärkten Nebenwirkungen führen kann“, erklärt Barbara Altieri.

Vier potenzielle Marker haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter die Lupe genommen und deren feine genetische Variabilität zwischen Patienten in Korrelation gesetzt mit dem jeweiligen Stadium der Krebserkrankung sowie dem Erfolg der Mitotane-Therapie. Dabei zeigte sich, dass die Marker in unterschiedlicher Kombination und je nach Stadium der Krankheit sich mal besser, mal schlechter zur Vorhersage des Therapieerfolgs eignen.

Mit diesem Wissen können sie nun so eingesetzt werden, dass die jeweiligen Werte Prognosen darüber erlauben, ob ein Patient eine gute Chance hat, dass bei ihm Mitotane wirkt. Dies sei ein erster Schritt hin zu einer personalisierten Mitotan-Therapie bei Patienten mit Nebennierenkrebs.

Originalpublikation

Effects of Germline CYP2W1*6 and CYP2B6*6 Single Nucleotide Polymorphisms on Mitotane Treatment in Adrenocortical Carcinoma: A Multicenter ENSAT Study. Barbara Altieri, Silviu Sbiera, Sabine Herterich, Silvia De Francia, Silvia Della Casa, Anna Calabrese, Alfredo Pontecorvi, Marcus Quinkler, Tina Kienitz, Massimo Mannelli, Letizia Canu, Anna Angelousi, Vasileios Chortis, Matthias Kroiss, Massimo Terzolo, Martin Fassnacht and Cristina L. Ronchi. Cancers 2020, 12, 359; doi:10.3390/cancers12020359

Kontakt

Dr. Barbara Altieri, Medizinische Klinik und Poliklinik I, E-Mail: altieri_b@ ukw.de

Uniklinikum Würzburg: Jetzt online spenden für neue Parkinson Stiftung

Um die Erforschung der Parkinson-Krankheit voranzutreiben, hat die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen gemeinsam mit Partnern aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft im vergangenen Jahr die Parkinson Stiftung gegründet. „Seit kurzem sind die für schnelle Fortschritte dringend benötigten Spenden an die Stiftung auch über deren neuen Internetauftritt möglich“, berichtet Prof. Dr. Jens Volkmann, Parkinson-Experte des Uniklinikums Würzburg und Vorsitzender der Stiftung.

„Der fortschreitende Verlust von Nervenzellen durch die Parkinson-Krankheit ist dank intensiver Forschung heute zwar viele Jahre lang gut behandelbar, aber nach wie vor nicht heilbar“, berichtet Prof. Dr. Jens Volkmann. Der Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) und Parkinson-Experte fährt fort: „Es gibt jedoch hoffnungsvolle neue Therapien, die an den Ursachen ansetzen, sowie ermutigende Forschungsergebnisse zur Früherkennung.“

Mit Spenden schneller vorankommen

Um Forschung, Lehre und Fortbildung in Bezug auf Parkinson-Syndrome zu fördern sowie die medizinische Versorgung in diesem Bereich zu verbessern, gründete die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) e.V. im Jahr 2019 die Parkinson Stiftung. Für den Start wurde sie mit einem Stiftungsvermögen von einer dreiviertel Million Euro ausgestattet. „Um schneller und weitgreifender voranzukommen, sind jedoch zusätzliche Mittel erforderlich“, unterstreicht Prof. Volkmann, der auch Vorstand der Parkinson Stiftung ist. Eine Hoffnung liegt nach seinen Worten hierbei auf privaten Spenden. Um diese zu vereinfachen, gibt es seit Anfang Mai dieses Jahres die Möglichkeit zur Onlinespende unter www.parkinsonstiftung.de.

Unterstützt durch Frank Elstner und Barbara Stamm

Unterstützer und Mitglied im Stiftungsrat der Parkinson Stiftung ist die TV-Legende Frank Elstner. „Wir wollen informieren, Mut machen und Geld für Forschung sammeln, die zu besseren Behandlungsmethoden führt. Vor allem wollen wir Betroffene motivieren, sich über die Erkrankung zu informieren und aktiv die Forschung zu unterstützen“, begründet der TV-Moderator und Erfinder der erfolgreichen Fernsehshows sein Engagement. Anfang 2019 machte der 78-Jährige öffentlich, dass er selbst an Parkinson erkrankt ist.
Als weitere bekannte Persönlichkeiten engagieren sich Barbara Stamm, die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtags, sowie Thorsten Fischer, der Gründer und Geschäftsführer der Firma Flyeralarm im Stiftungsrat.

 

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Uniklinikum Würzburg: Erster digitaler Vortrag für Selbsthilfegruppen – Thema Resilienz

Das Uniklinikum Würzburg will auch während der Corona-Pandemie mit seinen Selbsthilfegruppen in einem guten Austausch bleiben. Deshalb startet es am 30. Mai 2020 eine neue, digitale Vortragsreihe. Bei der Auftaktveranstaltung geht es um die Rolle der Resilienz bei der Bewältigung von Krisen.

Auch in Zeiten, in denen durch die Infektionsschutzmaßnahmen der Corona-Pandemie viele der bislang üblichen Kommunikationswege erschwert sind, will das Uniklinikum Würzburg (UKW) als zertifiziertes „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ mit seinen kooperierenden Selbsthilfegruppen in Kontakt bleiben. Deshalb startet es am Samstag, den 30. Mai 2020, eine neue, digitale Informationsreihe. Dabei werden in Zukunft Experten des Klinikums über die Videokonferenz-Software Skype for Business referieren und sich den Fragen der Teilnehmer/innen stellen. Mitglieder der Selbsthilfegruppe und sonstige Interessierte können sich kostenlos per PC, Smartphone oder Telefon zuschalten.

Bei der Auftaktveranstaltung wird Dr. Elisabeth Jentschke, die am Comprehensive Cancer Center Mainfranken die Abteilung für Psychoonkologie und an der Neurologischen Klinik des UKW die Abteilung für Neuropsychologie leitet, über die Erkenntnisse der Resilienzforschung und die Rolle dieser besonderen „Widerstandskraft“ bei der Bewältigung von kritischen Lebensereignissen – wie zum Beispiel der Corona-Krise – sprechen. Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, auch nach großen psychischen Belastungen schnell wieder auf die Füße zu kommen.

Die Veranstaltung geht von 10:00 bis 11:00 Uhr. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bis spätestens 18. Mai 2020 wichtig. Wer sich rechtzeitig anmeldet, erhält per E-Mail die Zugangsdaten und eine detaillierte Anleitung zum Ablauf. Für die Anmeldung kontaktieren alle Interessierten Gabriele Nelkenstock, die externe Selbsthilfebeauftragte des UKW, unter E-Mail: selbsthilfe@ ukw.de

 

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