Aktuelle Pressemitteilungen

Herausragende Arbeiten zu herausforderndem Verhalten

Die Diplom-Psychologin Dr. Julia Geissler von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW erhielt auf dem XXXVIII. DGKJP-Kongress in Rostock den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis der Steinhausen-Stiftung für ihre Projekte REDUGIA und ProVIA, in denen junge Menschen mit einer Entwicklungsstörung der Intelligenz und Autismus-Spektrum-Störungen im Mittelpunkt stehen.

Laudator Tobias Renner hält auf der Bühne einen Blumenstrauß in den Händen, daneben Hans-Christoph Steinhausen, der Julia Geissler die Urkunde überreicht.
Dr. Julia Geissler von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW erhielt beim DGKJP-Kongress in Rostock den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Steinhausen-Stiftung. Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen (Mitte) verlieh diesen Preis zum ersten Mal. Prof. Dr. Tobias Renner (links) hielt die Laudatio. © Regina Taurines / UKW
Die Grafik zeigt sechs Screenshots der Smartphone-Applikation ProVIA-Kids
Features der App ProVIA-Kids: A) Homescreen, B) Verhaltensanalyse, C) Graphische Darstellung der Häufigkeit der verschiedenen Ursachen des Problemverhaltens, D) Inhaltsverzeichnis der Wissenskapitel, E) Auszug aus dem Wissenskapitel zu Besonderheiten der Sinneswahrnehmung, E) Stimmungstagebuch. © 2024 Meerson, Buchholz, Kammerer, Göster, Schobel, Ratz, Pryss, Taurines, Romanos, Gamer and Geissler

Würzburg. Auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) wurde erstmals der Steinhausen-Stiftungspreis verliehen. Der von Helene und Prof. Hans-Christoph Steinhausen gestiftete Preis zeichnet Forschende, Einrichtungen und Institutionen für bemerkenswerte wissenschaftliche Leistungen oder praktische Aktivitäten und Projekte aus, die in besonderer Weise geeignet sind, die Lebensqualität von Menschen mit einer Entwicklungsstörung der Intelligenz zu verbessern. 

Als erste Preisträgerin dieser Auszeichnung wurde Dr. Julia Geissler, Diplom-Psychologin der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Würzburg (UKW) und approbierte Psychologische Psychotherapeutin, für ihre herausragenden Projekte REDUGIA und ProVIA geehrt. REDUGIA steht für „Reduktion von freiheitsentziehenden Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung: Grundlagen einer interdisziplinären Allianz“; ProVIA für „Problemverhalten verstehen und vorbeugen bei Intellektueller Entwicklungsstörung und Autismus-Spektrum-Störungen“.

„Herausforderndes Verhalten ist ein dramatisches Hindernis für die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft“

„Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen oder Entwicklungsstörungen der Intelligenz sind eine vulnerable Gruppe, die oft Schwierigkeiten hat, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kommunizieren, und die meist nicht in der Lage ist, um Hilfe zu bitten“, weiß Julia Geißler. „Sie zeigen herausforderndes Verhalten, weil sie sich im Moment nicht helfen können. Sie sind zum Beispiel aggressiv, verletzen sich selbst oder zeigen eine starke Verweigerungshaltung. Dies stellt für die Betroffenen eine erhebliche Erschwernis in Bezug auf Lernen, Selbstständigkeit, Sozialisation und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit dar und kann so zusätzlich zu den Hürden, mit denen diese Gruppe aufgrund ihrer Erkrankungen ohnehin konfrontiert ist, ein dramatisches Hindernis für die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft darstellen. Aus diesem Grund ist die Verhaltensprävention, unter anderem durch eine gute Schulung der Betreuungspersonen in der Erkennung der Ursachen, von zentraler Bedeutung“.

Freiheitsentziehende Maßnahmen in Extremfällen

Herausforderndes Verhalten stellt aber auch eine große Belastung für die Betreuungspersonen dar. Im Extremfall kann es sogar freiheitsentziehende Maßnahmen auslösen, die in erster Linie dem Schutz des Kindes oder seiner Umgebung dienen. Wann und unter welchen Voraussetzungen freiheitsentziehende Maßnahmen zulässig sind, regelt § 1631b BGB. Das Gesetz wurde durch eine Novellierung im Jahr 2017 dahingehend verschärft, dass solche Einschränkungen nur in Ausnahmesituationen und unter strengen Voraussetzungen erfolgen dürfen.

Hoher Versorgungsbedarf versus Ressourcenknappheit im Gesundheitssystem

REDUGIA ist die erste Studie, die systematisch den Status quo der Häufigkeit von herausforderndem Verhalten, freiheitsentziehenden Maßnahmen und der Belastung des Personals in stationären Einrichtungen für junge Menschen mit Entwicklungsstörungen der Intelligenz in einem deutschen Bundesland erfasst. In Bayern leben ca. 10 Prozent aller jungen Menschen mit Intelligenzminderung in stationären Wohneinrichtungen. Die repräsentative Befragung bayerischer Heime zeigte, dass herausforderndes Verhalten und freiheitsentziehende Maßnahmen kein flächendeckendes Phänomen sind, sondern sich auf wenige spezialisierte Einrichtungen konzentrieren, in denen die Kinder mit dem höchsten Bedarf und den gravierendsten Verhaltensproblemen betreut werden. Die Studie ergab, dass freiheitsentziehende Maßnahmen nicht häufig angewendet werden und dass die Einrichtungen bereits vor der Gesetzesänderung verantwortungsvoll damit umgegangen sind. Der 2016 in Presseberichten erhobene Vorwurf weitreichender unzulässiger freiheitsentziehender Maßnahmen konnte nicht bestätigt werden. 

„Aber es gibt einen Zusammenhang zwischen herausforderndem Verhalten und der Belastung des Personals, was zeigt, wie hoch der Betreuungsbedarf ist und wie wichtig Präventionsmaßnahmen sind, um solche Situationen zu vermeiden“, sagt Julia Geissler. Sie empfiehlt, den Pflegenden mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die Ursachen des Verhaltens anzugehen.

ProVIA-App unterstützt bei der Prävention von herausforderndem Verhalten, indem sie individuelle Gründe für das Verhalten der Kinder findet und passgenaue Handlungsempfehlungen gibt

Um dem Mangel an Beratungs- und Therapieangeboten bei herausforderndem Verhalten zu begegnen, wurde im Projekt ProVIA die Smartphone-App ProVIA-Kids entwickelt. In der App wurde erstmals das Prinzip der Verhaltensanalyse, das auch in der Psychotherapie zur Erforschung der Ursachen von Verhalten eingesetzt wird, in ein digitales Format übersetzt. Betreuungspersonen von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen oder Entwicklungsstörungen der Intelligenz erhalten so niedrigschwellig und kostenfrei Unterstützung im Alltag, ohne auf die personellen Kapazitäten anderer Stellen angewiesen zu sein. Die App bündelt Informationen und bereitet sie so auf, dass Betreuungspersonen Muster im Verhalten des Kindes leichter erkennen und die wichtigsten Probleme des Kindes effektiv angehen können. Darüber hinaus leitet die App die Betreuungspersonen zur Selbstfürsorge und zum Aufbau von Ressourcen an. Ziel von ProVIA ist die Prävention von herausforderndem Verhalten und in der Folge auch von freiheitsentziehenden Maßnahmen. „Natürlich erhebt die ProVIA-Kids-App nicht den Anspruch, eine therapeutische Behandlung zu ersetzen, aber sie kann helfen, Wartezeiten auf Therapieplätze zu überbrücken, Therapieinhalte zu ergänzen und leistet insgesamt einen wertvollen Beitrag zur Entlastung dieser Familien“, sagt Julia Geissler.

Pilotstudie verdeutlicht das Potenzial digitaler Interventionen zur Unterstützung dieser speziellen Gruppe

Eine Pilotstudie mit 23 Familien zeigte eine hohe Akzeptanz und eine sehr positive Bewertung der Lerninhalte. „Erste Verbesserungen in Bezug auf elterliche Belastung, kindliches Problemverhalten und Erziehungskompetenz deuten auf eine gute Eignung dieser niedrigschwelligen digitalen Intervention für die Zielgruppe hin, die perspektivisch in einer randomisiert-kontrollierten Studie auf ihre Wirksamkeit in Bezug auf die Prävention von herausforderndem Verhalten und die Belastung der Betreuungspersonen untersucht werden soll“, fasst Julia Geissler die Ergebnisse der Pilotstudie zusammen, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Digital Health veröffentlicht wurden.

Aktuell wird die App im Folgeprojekt ProVIA-Teams auf Basis des Feedbacks der Pilotnutzer weiterentwickelt und um die Möglichkeit erweitert, die eingegebenen Daten datenschutzkonform mit anderen ausgewählten Betreuungspersonen zu teilen. Ab Winter 2024 haben Einrichtungen, die Kinder mit Autismus oder Intelligenzminderung betreuen, die Möglichkeit, die App zu testen. Darüber hinaus soll in Zusammenarbeit mit Betroffenenorganisationen und Familien eine begleitende App für die Nutzung durch Kinder mit Entwicklungsstörungen der Intelligenz oder Autismus-Spektrum-Störungen selbst entwickelt werden, die den Kindern hilft, ihr eigenes Verhalten besser zu verstehen und neue Fähigkeiten zu erlernen, zum Beispiel Frühwarnzeichen von Anspannung zu erkennen und Strategien, diese Anspannung zu regulieren.

Kooperationen und Förderung

Kooperationspartner sind Prof. Dr. Christoph Ratz vom Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV – Pädagogik bei Geistiger Behinderung (Universität Würzburg) und der Medizininformatiker Prof. Dr. Rüdiger Pryss vom Institut für Medizinische Datenwissenschaften (Universität Würzburg). Finanziell unterstützt werden die Projekte einschließlich des Folgeprojekts ProVIA-Teams durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS).

Publikation der Pilotstudie zur Smartphone-App ProVIA-Kids
Rinat Meerson, Hanna Buchholz, Klaus Kammerer, Manuel Göster, Johannes Schobel, Christoph Ratz, Rüdiger Pryss R, Regina Taurines, Marcel Romanos, Matthias Gamer, Julia Geissler. ProVIA-Kids - outcomes of an uncontrolled study on smartphone-based behaviour analysis for challenging behaviour in children with intellectual and developmental disabilities or autism spectrum disorder. Front Digit Health. 2024 Sep 13;6:1462682. doi: 10.3389/fdgth.2024.1462682. PMID: 39351075; PMCID: PMC11440517. 

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Laudator Tobias Renner hält auf der Bühne einen Blumenstrauß in den Händen, daneben Hans-Christoph Steinhausen, der Julia Geissler die Urkunde überreicht.
Dr. Julia Geissler von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW erhielt beim DGKJP-Kongress in Rostock den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Steinhausen-Stiftung. Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen (Mitte) verlieh diesen Preis zum ersten Mal. Prof. Dr. Tobias Renner (links) hielt die Laudatio. © Regina Taurines / UKW
Die Grafik zeigt sechs Screenshots der Smartphone-Applikation ProVIA-Kids
Features der App ProVIA-Kids: A) Homescreen, B) Verhaltensanalyse, C) Graphische Darstellung der Häufigkeit der verschiedenen Ursachen des Problemverhaltens, D) Inhaltsverzeichnis der Wissenskapitel, E) Auszug aus dem Wissenskapitel zu Besonderheiten der Sinneswahrnehmung, E) Stimmungstagebuch. © 2024 Meerson, Buchholz, Kammerer, Göster, Schobel, Ratz, Pryss, Taurines, Romanos, Gamer and Geissler

Informationstag zur Inkontinenz bei Frauen

Die Klinik für Urologie und die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg organisieren am Samstag, den 9. November 2024 den 1. Würzburger Inkontinenz-Tag. Im Mittelpunkt der Vortragsveranstaltung stehen die Behandlungsmöglichkeiten bei weiblicher Harninkontinenz.

Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay
Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay Dem ungewollten Abgang von Urin können sehr unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Würzburg. Harninkontinenz tritt sowohl bei Männern als auch Frauen auf, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger daran leiden als Männer. Schätzungsweise ist jede zweite Frau im Alter zu einem gewissen Grad davon betroffen. „Leider ist die Erkrankung nach wie vor ein Tabuthema“, bedauert Prof. Dr. Hubert Kübler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Und Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik des UKW ergänzt: „Nicht zuletzt deshalb wissen viele Patientinnen gar nicht, dass es heutzutage viele hilfreiche Behandlungsmethoden gibt, die auch in Unterfranken unkompliziert verfügbar sind.“

Um hier weitere Aufklärungsarbeit zu leisten, organisieren die beiden Kliniken am Samstag, den 9. November 2024 gemeinsam den 1. Würzburger Inkontinenz-Tag. Die kostenlose Veranstaltung findet im Großen Hörsaal der Universitäts-Zahnklinik am Pleicherwall 2 statt. Zwischen 10:00 und 12:15 Uhr werden in Vorträgen die Beratungsangebote sowie die konservativen und operativen Therapien vorgestellt, die am UKW in der Gynäkologie und der Urologie sowie in lokalen urologischen Praxen verfügbar sind. Zum Abschluss haben die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, mit den Fachleuten zu diskutieren.

Für die Teilnahme wichtig ist eine Anmeldung bei Astrid Breitenstein unter Tel. 0931/201-32012 oder E-Mail: Breitenste_A@ ukw.de.

 

Text: Pressestelle / UKW

Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay
Inkontinenztag.jpg, © Thiago de Paula Oliveira / Pixabay Dem ungewollten Abgang von Urin können sehr unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Opioide nach Operationen

Große Kassendatenanalyse mit Würzburger Beteiligung zeigt, dass Operationen in Deutschland nur selten Auslöser einer langfristigen Opioideinnahme sind / Geringere Häufigkeit als in den USA.

 

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Operationssaal des UKW - Zwei Chirurginnen und ein Chirurg am OP-Tisch.
Eine neue Studie, an der das UKW beteiligt war, zeigt dass Operationen in Deutschland nur selten Auslöser einer langfristigen Opioideinnahme sind. © Daniel Peter / UKW

Jena/Würzburg. Macht eine postoperative Schmerztherapie mit Opioiden süchtig? In den USA und einigen anderen Ländern der Welt, die mit massivem Opioid-Fehlgebrauch zu kämpfen haben, wird dies vermutet und bereits empfohlen, auf dieses Schmerzmittel während und nach Narkosen zu verzichten. Auch in Deutschland ist der Gesamt-Opioidverbrauch seit Jahren relativ hoch – eine Forschungsgruppe unter Leitung des Universitätsklinikums Jena und mit Beteiligung des Uniklinikums Würzburg untersuchte nun, ob Operationen eine längerfristige Opioideinnahme auslösen können und ob bestimmte Eingriffe besonders dazu beitragen.

1,4 Prozent von 200.000 Versicherten haben sechs Monate nach der Operation Opioide verordnet bekommen 

Dazu wurden die Daten aller im Jahr 2018 operierten BARMER-Versicherten daraufhin untersucht, ob in den beiden Quartalen nach der Operation eine Opioidverordnung vorlag. Um den Einfluss von Operation, Narkose und postoperative Schmerztherapie als mögliche Auslöser für eine langfristige Opioideinnahme untersuchen zu können, wurden Personen mit einer Krebserkrankung oder einer bereits bestehenden Opioideinnahme von der Analyse ausgeschlossen. Die gute Nachricht: Von den mehr als 200.000 operierten Patientinnen und Patienten erhielten sechs Monate nach der Operation nur 1,4% derartige Schmerzmittel-Rezepte. „Diese Zahl ist in Nordamerika drei- bis viermal höher“, betont Johannes Dreiling, Erstautor der Studie aus Jena. 

Nach Amputationen erhalten 15 bis 20 Prozent der Operierten längerfristig Opioide

Die Studie verglich jedoch auch erstmals detailliert die Unterschiede zwischen einzelnen Operationen – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. So lag die langfristige Opioidverordnung nach Wirbelsäulen-, Schulter- und Sprunggelenksoperationen sowie wiederholten Gelenkersatz-Eingriffen um den Faktor 3 bis 7 über dem Durchschnitt. Absoluter „Spitzenreiter“ waren jedoch Amputationen, nach denen ca. 15-20% der Betroffenen längere Zeit Opioide verschrieben bekamen. Ursula Marschall, Leiterin Versorgungsforschung der BARMER: „Diese Ergebnisse deuten an, dass Opioide nach Operationen nicht generell verdammt werden sollten, zumal sie weniger organschädigende Wirkungen haben als viele andere Schmerzmittel. Aber nach bestimmten Operationen müssen wir Patientinnen und Patienten enger als bisher betreuen und begleiten, um Schmerz- und Medikationsprobleme, sowie eine möglicherweise beginnende Abhängigkeit rechtzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln.“

Krankenkassendaten sind wichtiger Baustein zur Versorgungsforschung 

Neben der Operation konnten in der Studie noch weitere Risikofaktoren für einen längerfristigen Opioidgebrauch identifiziert werden. Dazu gehören die Verschreibung von Antidepressiva und anderen Schmerzmitteln bereits vor der Operation, Alkoholmissbrauch sowie vorbestehende chronische Schmerzen. „Unsere Arbeit belegt erneut, welches Potential, aber auch welche Limitationen Auswertungen von Routine- und Registerdaten haben. So können Krankenkassendaten sehr exakte Angaben zur Medikamentenverschreibung liefern Es ist jedoch schwierig herauszufinden, warum diese Medikamente eingenommen wurden. Daher können wir nicht genau erkennen, bei welchen Menschen die Opioideinnahme gerechtfertigt war“ so Letztautor Daniel Schwarzkopf. Prof. Dr. Heike Rittner, die mit ihrem Zentrum interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) am Uniklinikum Würzburg die hochkomplexe Datenauswertung unterstützt hat, betont: „Solche Routine-Datenbanken haben die Daten passend zu den Abrechnungscodes und nicht zu wissenschaftlichen Fragestellungen.“ Dennoch: Die Analyse von Krankenkassendaten werde auch in Zukunft ein wichtiger Baustein der Versorgungsforschung sein.

Publikation:
Dreiling J, Rose N, Arnold C, Baumbach P, Fleischmann-Struzek C, Kubulus C, Komann M, Marschall U, Rittner HL, Volk T, Meißner W, Schwarzkopf D: The incidence and risk factors of persistent opioid use after surgery—a retrospective secondary data analysis. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: online first. https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/241469 , DOI:10.3238/arztebl.m2024.0200 

Förderhinweis:
Die Studie ist im Rahmen des Projektes LOPSTER entstanden, das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wurde. 
 

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Operationssaal des UKW - Zwei Chirurginnen und ein Chirurg am OP-Tisch.
Eine neue Studie, an der das UKW beteiligt war, zeigt dass Operationen in Deutschland nur selten Auslöser einer langfristigen Opioideinnahme sind. © Daniel Peter / UKW

Das Magazin klinikum & wir : So gestaltet auch freiwilliges Engagement das Uniklinikum Würzburg

Am Uniklinikum Würzburg gibt es viele Möglichkeiten, wie sich Beschäftigte über ihre originären beruflichen Aufgaben hinaus auch freiwillig für diverse Aspekte der Lebens- und Arbeitswelt Krankenhaus einsetzen können. Das Top-Thema des aktuellen Magazins klinikum & wir gibt hierzu einen Überblick.

Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.
Bild: Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.

Würzburg. Ob im Personalrat, in der Schwerbehindertenvertretung, beim Ideenmanagement oder in verschiedenen Arbeitsgruppen – am Uniklinikum Würzburg (UKW) engagieren sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freiwillig für Themen, die ihnen am Herzen liegen. klinikum & wir, das Magazin der Würzburger Universitätsmedizin, beschreibt im Top-Thema seiner gerade erschienenen Ausgabe 3/2024 entsprechende Tätigkeitsfelder und nennt maßgebliche Akteurinnen und Akteure.

Außerdem berichtet die 40-seitige Publikation über zentrale Ereignisse und Veranstaltungen sowie aktuelle Forschungsergebnisse und neue Therapieangebote der letzten Monate.Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen am Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es klinikum & wir auch als Webmagazin unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine.

Text: Pressestelle / UKW

Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.
Bild: Titel_kuw03_24.jpg, © UKW Die Titelseite der Ausgabe 3-2024 des Magazins klinikum & wir.

Personalia vom 15 Oktober 2024 - Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Erteilung von Lehrbefugnissen und mehr.

Dr. Friedrich Anger, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgische Klinik I), wurde mit Wirkung vom 01.10.2024 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Chirurgie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 15. Oktober 2024

Erstmals in Bayern: Prof. Dr. Melanie Messer ist neue Professorin für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg

Institut für Pflegewissenschaft gegründet / Bachelorstudiengang „Pflegewissenschaft“ soll 2025 starten

Prof. Dr. Melanie Messer
Prof. Dr. Melanie Messer hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg übernommen. Gleichzeitig leitet sie das neu gegründete Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: Foto Braitsch, Trier.

Würzburg. Eine Premiere in Bayern: Prof. Dr. Melanie Messer hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg übernommen – die erste Professur dieser Fachdisziplin an einer staatlichen Universität im Freistaat. Gleichzeitig leitet sie das neu gegründete Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Zum Wintersemester 2025/26 soll der Bachelorstudiengang „Pflegewissenschaft“ in Würzburg erstmals starten. Damit nimmt Würzburg eine Vorreiterrolle als wichtiger Standort für die universitäre Pflegewissenschaft und in der akademischen Pflegeausbildung ein.

Prof. Messer wechselte Anfang Oktober von der Universität Trier nach Würzburg, wo sie die Professur für Pflegewissenschaft mit Schwerpunkt „Klinische Pflege über die Lebensspanne“ innehatte und die Abteilung Pflegewissenschaft II leitete.

Forschungsschwerpunkte in evidenzbasierter Pflege- und Versorgungsforschung

Das Institut für Pflegewissenschaft in Würzburg wird sich insbesondere mit den klinischen und strukturellen Herausforderungen der Versorgung bei chronischen Erkrankungen und Multimorbidität befassen. Prof. Messer erklärt: „Meine Forschung zielt darauf ab, bedarfsgerechte, innovative Pflegeansätze zu entwickeln und die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern.“ Sie forscht zur Sicherung und Förderung von Versorgungsqualität, Patienten- und Nutzerzentrierung, Gesundheits- und digitaler Gesundheitskompetenz, Public Health Nursing und neuen Technologien sowie Pflege in Krisensituationen. „Würzburg bietet hervorragende Voraussetzungen für Forschung und Lehre und ich freue mich sehr auf eine eng vernetzte interprofessionelle Zusammenarbeit“, so die Pflegewissenschaftlerin.

Ab dem Wintersemester 2025/26 soll der Bachelorstudiengang „Pflegewissenschaft“ starten. Die Absolventinnen und Absolventen erwerben sowohl den akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) als auch die staatliche Berufszulassung als Pflegefachperson (B.Sc.). Damit wird Würzburg dringend benötigte, akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen ausbilden, die zukünftig auch erweiterte heilkundliche Aufgaben übernehmen können.

Ein zukunftsweisender Studiengang

Durch die enge Kooperation mit dem Universitätsklinikum erhalten Studierende eine praktische und wissenschaftliche Ausbildung in verschiedenen Versorgungsbereichen. Prof. Messer: „Das Studium legt besonderen Wert auf evidenzbasierte klinische Pflege, digitale Technologien, Qualitätsentwicklung und interprofessionelle Zusammenarbeit“. Dieser Studiengang wird als erster an einer staatlichen Universität in Bayern starten. „Akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen sind entscheidend, um in intra- und interprofessioneller Zusammenarbeit die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen und eine qualitativ hochwertige Versorgung zu sichern“, so Messer weiter.

Prof. Messer studierte Pflegewissenschaft und Public Health in Frankfurt am Main und Bremen und promovierte 2017 an der Universität Bielefeld. Sie arbeitete unter anderem am IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) in Köln. Anschließend forschte und lehrte sie an der Universität Bielefeld und am dortigen Institut für Pflegewissenschaft (IPW). Am IQTIG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) in Berlin leitete sie den Stabsbereich „Patientenbelange“, bevor sie 2021 den Ruf nach Trier annahm.

Seit 2023 im Sachverständigenrat des Bundesgesundheitsministeriums

Ihre Expertise ist auch in der Politik gefragt: 2023 berief sie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in den Sachverständigenrat „Gesundheit und Pflege“, wo sie stellvertretende Vorsitzende ist. Zudem wurde sie vor Kurzem in den wissenschaftlichen Beirat des IQTIG berufen.

Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinische Fakultät in Würzburg, erklärt: „Bereits seit 2022 gibt es bei uns den Studiengang Hebammenwissenschaften, jetzt beginnen wir mit dem Aufbau des Angebotes für die Pflegewissenschaft und werden damit unser Lehrangebot weiter bedarfsgerichtet ergänzen. Damit leisten wir einen zusätzlichen wichtigen Beitrag zur Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte im Gesundheitswesen. Und mit Prof. Messer kann die Würzburger Universitätsmedizin gleichzeitig weitere Schwerpunkte in der Versorgungsforschung setzen. Auf ihre neuen Impulse in Forschung und Lehre freue ich mich sehr.“ Das Forschungsprofil der Medizinischen Fakultät in Würzburg erhalte damit einen neuen zukunftsorientierten Impuls, so Prof. Frosch.

Marcus Huppertz, Pflegedirektor am Würzburger Universitätsklinikum, betont „Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Akademisierung der Pflege und können damit natürlich unser Angebot in Würzburg innovativ ausbauen. Gleichzeitig wird mit dem neuen Institut eine nationale Sichtbarkeit für die Pflegewissenschaft geschaffen. Ein wichtiges Element ist dabei auch die Übertragung neuer Erkenntnisse aus der Pflegewissenschaft in die tägliche Praxis. Zu dieser Translation wird das neue Institut um Prof. Messer einen wichtigen Beitrag leisten. Das UKW gestaltet damit aktiv die Zukunft der Pflege und nimmt bayernweit eine Vorreiterrolle ein.“

Prof. Dr. Melanie Messer
Prof. Dr. Melanie Messer hat den neu eingerichteten Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Würzburg übernommen. Gleichzeitig leitet sie das neu gegründete Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: Foto Braitsch, Trier.

Medical Valley Award: 2 x eine halbe Million Euro für Gesundheitsinnovationen aus Würzburg

ENDOLEASE-Team überzeugt mit resorbierbaren Gefäßimplantaten zur hochpräzisen Medikamentengabe, das StrokeCap-Team mit mobiler Schlaganfalldiagnostik

Die mit dem Medical Valley Award 2024 ausgezeichnete Plattformtechnologie ENDOLEASE vom Uniklinikum Würzburg (UKW) hat das Potenzial, die Wirksamkeit diverser Therapien zu steigern und gleichzeitig systemische Nebenwirkungen drastisch zu reduzieren. Die StrokeCap ist ein von der Julius-Maximilians-Universität und dem UKW gemeinsam entwickeltes innovatives, tragbares Gerät, das die mobile Schlaganfalldiagnostik revolutionieren und so Leben retten kann.

 

Die Preisträgerin und Erfinderin von ENDOLEASE Anna Fleischer mit Trophäe und Blumenstrauß umringt von ihren Kollegen
Gewinnerteam ENDOLEASE beim Medical Valley Award, vorne v.l.n.r.: Dr. Eric Wittchow, Dr. med. Anna Fleischer M.Sc., Prof. Dr. med. Ulrich Hofmann, hinten links: Michael Bartolf-Kopp M.Sc. und Franz Moser M.Sc.. Es fehlen Prof. Dr. Tomasz Jüngst, Johannes Braig M.Sc. und Dr. Heinz Schwer MBA. © Berthold Fleischer
Team posiert mit Akteuren aus Politik und Medical Valley bei Preisverleihung
Übergabe des Medical Valley Awards. Das StrokeCap-Team v.l.n.r. Dr. Patrick Vogel, Johanna Günther, Dr. Martin Rückert, Teresa Reichl, Prof. Dr. Volker Behr, PD Dr. med. Stefan Herz, der Vertreter des Staatsministeriums Dr. Thomas Krammer sowie die Mitglieder der Jury und des Medical Valley EMN e.V Marina Moskvina, Marco Wendel, Dr. Jörg Stein. © Medical Valley EMN e.V.

Würzburg / Erlangen. Der Medical Valley Award 2024, eine prestigeträchtige Auszeichnung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, ging dieses Jahr gleich zweimal an Teams aus der Universitätsmedizin Würzburg. Bereits zum fünften Mal wurden herausragende Forschungsteams ausgezeichnet, die innovative Ideen für die Gesundheitsbranche entwickeln und ein eigenes Start-up gründen wollen. Jedes der fünf Teams erhält eine Förderung von 500.000 Euro sowie eine individuelle Betreuung und fachliche Unterstützung durch das Medical Valley-Netzwerk, das rund 250 Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Netzwerken und Politik umfasst. 

Vom Uniklinikum Würzburg konnte das ENDOLEASE-Team die Jury mit einer innovativen Plattformtechnologie zur präzisen Freisetzung von Medikamenten überzeugen. Die resorbierbaren arteriellen Implantate, mit denen die Wirkstoffe gezielt und lokal in den Blutstrom abgegeben werden, können die Behandlung schwerer Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Krebserkrankungen verbessern. Details zum ENDOLEASE-System gibt es hier

Das StrokeCap-Team von der Universität und dem Uniklinikum Würzburg darf sich ebenfalls über die begehrte Auszeichnung freuen. Die StrokeCap ist ein innovatives, tragbares Gerät für eine präzise mobile Schlaganfalldiagnostik. Mithilfe von injizierbaren magnetischen Nanopartikeln können Notfallteams die Durchblutung des Gehirns strahlenfrei und in Echtzeit darstellen und somit unmittelbar das optimale Krankenhaus auswählen, damit die Zeit bis zur Behandlung des Schlaganfalls drastisch verkürzt und somit schwere Folgeschäden signifikant reduziert werden können. Eine separate Meldung zum StrokeCap-Projekt finden Sie hier

Neben den beiden Teams aus Würzburg wurden von der Technischen Universität München das Team QuLiBi für eine Quantensensorik-basierte Flüssigbiopsie für Krebsmonitoring und das Team MILA für seine MIkrostrahl Linienfokus-Röntgenanlage ausgezeichnet. Das NovaSurgAI-Team des LMU-Klinikums erhielt den Medical Valley Award für eine KI-gestützte Chirurgie, die mit Datenwissenschaften die Bauchchirurgie revolutionieren will. Eine ausführliche Pressemitteilung des Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg e. V. zur Preisverleihung am 2. Oktober in Erlangen mit Informationen zu den fünf Gewinnerteams finden Sie hier